Zweites Kapitel: Die Ausdrucksbewegungen und die Einfühlung. 119
bare Streben nach erneuter Verwirklichung derselben. Jetzt >4fVist an die Stelle des ehemaligen blinden Impulses das Bewufst-seinserlebnis des Strebens nach Bewegung getreten.
Aus den hier gemachten Voraussetzungen nun wird dieTatsache der Nachahmung verständlich. Zunächst die unwill-kürliche Nachahmung.
Doch ist hier zu unterscheiden zwischen Nachahmung undNachahmung. Es gibt eine „Nachahmung“, die im Grundediesen Namen nicht verdient. Sie ist wohl Nachahmung fürden fremden Beschauer; aber nicht in sich selbst, d. h. fürden Nachahmenden. Hiermit meine ich die automatische oderblinde „Nachahmung“. Diese besteht in gar nichts Anderemals in der einfachen Auslösung von Bewegungen durch dieoptische Wahrnehmung fremder Bewegungen oder in der Ver-wirklichung der an sie geknüpften oder in ihnen gegebenenImpulse, ohne dafs eine Vorstellung der auszuführenden Be-wegung, also auch, ohne dafs ein Streben nach Ausführungderselben mit dem Impulse verbunden wäre. Diese „Nach-ahmung“ ist nichts als einfache, tatsächliche „Nachahmung“,d. h. einfache Ausführung bestimmter Bewegungen aus An-lafs der optischen Wahrnehmungen. Diese „Nachahmung“kommt für uns nicht weiter in Betracht.
Diese blinde Nachahmung wird dann aber nach demsoeben Gesagten zur sehenden, d. h. sie erscheint mit derkinästhetischen Vorstellung der auszuführenden Bewegung ver-bunden , wenn die Impulse schon einmal sich verwirklichthaben. Auch dann ist die Nachahmung^ zunächst eine un-willkürliche ,\ ein unwillkürliches Streben nach Verwirklichungder kinästhetischen Vorstellungen.
Aber es ist endlich aus jenen Voraussetzungen auch diewillkürliche, ich meine die geflissentliche, beabsichtigte, überlegteNachahmung des Gesehenen, d. h. die geflissentliche Herbei-führung des optischen Bildes der Bewegung verständlich.
Hat sich einmal jene Knüpfung der kinästhetischen Vorstellungmit der optischen Wahrnehmung vollzogen, dann ist das Strebennach Verwirklichung jener zugleich das Streben nach Verwirk-lichung dieses optisch Wahrnehmbaren. Damit ist die Nach-