Fünftes Kapitel: Die monarchische Unterordnung und das ästhet. Ganze. 87
Basis oder das durchgehende Einheitsmoment des Ganzen, dasvorher bald nach dieser, bald nach jener Richtung einseitigdifferenziert und damit relativ negiert war, zur vollen Geltunggelangt. Dies „Einheitsmoment“ ist kein anderes, als eben dieTonica. Die Melodie ist eine Differenzierung dieses Gemein-samen oder dieses Einheitsmomentes. Sie ist die sukzessiveAusgestaltung des in der Tonica liegenden „Grundrhythmus“ in 'ein mehr oder minder reich differenziertes System von „Ton- 'rhythmen“.
Gegensatz künstlicher und nätürlicher Hauptpunkte.
Kehren wir jetzt noch einmal zurück zu dem Gegensatzverschiedener herrschender Elemente, insbesondere zu dem obenschon in doppelter Weise angedeuteten Gegensatz: —
Der Rand der kreisförmig begrenzten Fläche, von der aufS. 61 f. die Rede war, verdankte dem Kontrast mit der Umgebungseine spezifische Fähigkeit, als Herrscher oder Schwerpunkt derFläche sich zu gerieren. Die Mitte dagegen verdankte diegleichartige Fähigkeit einzig den besonders innigen Einheits-beziehungen mit den sonstigen Teilen der Fläche. Offenbar istjene Herrschaft eine „despotischere“ als diese. Vermöge jenesKontrastes zieht der Rand die Fläche zu sich hin und in sichhinein. In die Mitte dagegen ergibst sich die Fläche in höheremGrade von sich selbst aus. Sie tendiert durchaus aus sichselbst auf diesen Schwerpunkt. Sie gelangt darin im höchstenMafse in sich selbst zur Ruhe.
Und der hohe Berg zwischen niedrigen Hügeln war despo-tischer Herrscher im Vergleich mit dem höchsten Gipfel zwischenhohen Gipfeln. Auch dies lag an der Gröfse des Kontrastes,nämlich des Kontrastes zu den niedrigen Hügeln, also zu densonstigen Elementen des Ganzen, in welchem er dominiert.
Steigern wir nun diese letztere Möglichkeit. Ein Elementtrete mit dem sonstigen Ganzen in qualitativen Gegen-satz. Es setze sich zum Ganzen und zur Einheitlichkeit desGanzen, oder zu dem im Ganzen liegenden Zuge, in einemPunkte sich zusammenzufassen und zur Ruhe zu kommen, in