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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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Drittes Kapitel: Gesetz der Einheit in der Mannigfaltigkeit. 49

zugleich zur Einzelauffassung, sie gleitet in dieselbe über.Oder umgekehrt gesagt, die Auffassung des Einzelnen gleitetüberall aus sich selbst heraus in die Zusammenfassung odereinheitliche Auffassung des Ganzen über. Hierin liegt dieleichteste und zwangloseste Art der Differenzierung und derUnterordnung des Einzelnen unter ein Ganzes. Und darausgewinnt diese stetige Gliederung einen eigenartigen Wert.

Dafs die hier unterschiedenen Möglichkeiten der Differen-zierung auch auf anderen Gebieten bestehen, und eigenartigeEindrucksfähigkeit besitzen, werden wir später sehen.

Prinzip der stufenweisen differenzierenden Unter-ordnung.

In jener Folge von Quadraten und Kreisen fanden wirbereits eine Mehrheit von Momenten des Aursereinander oderder räumlichen und qualitativen Scheidung, also eine mehr-fache Differenzierung. Es ist jetzt noch Gewicht darauf zulegen, dars diese Differenzierungen nicht nebeneinander stehen,sondern ineinander sind, sozusagen eine einzige, aber in Stufensich vollziehende Differenzierung: Das Differenzierende trägtwiederum in sich ein Gemeinsames, das weiter differenziertwird. In solcher Differenzierung in Stufen findet das Prinzipder ästhetischen Einheit in der Mannigfaltigkeit erst seine volleAusgestaltung. Das Eine geht in Stufen in eine Mannigfaltig-keit auseinander; oder das Mannigfaltige ordnet sich in Stufen,durch Einheiten hindurch, einer letzten Einheit ein und unter.

Diese letzte Einheit ist in dem fraglichen Falle, wie schongesagt, die eine, in identischer Grundrichtung, zugleich in ge-wisser Breite geschehende Ausdehnung oder Ausdehnungsbewe-gung. Diese differenziert sich in aufsereinanderliegende Teile.Die einheitliche Folge dieser Teile aber nimmt in sich denUnterschied und Wechsel auf, der mit der Verwandlung der Teilein selbständig abgeschlossene Gebilde gegeben ist. DasGleichartige der Grundform dieser Gebilde endlich differen-ziert sich in der entgegengesetzten, geradlinigen und krumm-linigen Ausgestaltung ihrer Grundform.

Lipps, Ästhetik.

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