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Deutsche Rechtssprichwörter
Entstehung
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So viel Mund,

So viel Pfund".

Dieser uralte Spruch scheint in Verbindung zu stehen mit der Sagevon dem Riesen Oelvadi; als dieser starb, theilten sich seine hinterlassenenSöhne in das vorhandene Gold in der Art, daß Jeder immer einen Mundvoll nahm; da nun nicht jeder Mund genau dem andern gleicht, wie diesbei Oelvadi's Söhnen der Fall gewesen sein mag, so will der angeführteSpruch ihn nicht mehr als Maß gelten lassen, sondern statuirt dafür eingleichmäßiges für Alle; so viel Personen, so viel gleiche Erbstücke.

Durch solch gleichmäßige Erbethcilnng konnte nun allerdings ein großesErbe in sehr kleine Theilc gehen, und Freidank hat nicht Unrecht, wenn er sagt:Breite Eigen werden schmal,

So man sie theilet mit der Zahl"

(der jeweilig vorhandenen Kinder), und weil durch dieses Verfahren diebäuerliche Oekonomie nach dem bekannten Sprichworts:

Getheilte Macht hat keinen Bestand")

Getheiltes Feuer währt nicht lang"

augenscheinlich sehr gefährdet ist, so ward allenthalben die Sitte Regel: nurEinem, nicht selten dem jüngsten Sohne, Haus und Hof zu überlassen; wor-auf das Sprichwort deutet:Der Bauer habe nur ein Kind", die andernseien alle Hurenkinder, durch welchen Beisatz zugleich auch ans die in solcherErbfolge liegende, nicht zu verkennende Härte für die andern Kinder auf-merksam gemacht wird. Diese Unbilligkeit wird einigermaßen dadurch ge-mildert, daß die übrigen Geschwister eine verhältnißmäßige Abfindung, Aus-steuer, beanspruchen können, um sich selbst Herd und Stätte zu gründen,wenn sie cs nicht vorziehen, am heimathlichen Herde zu bleiben, allerdingsin abhängigem Verhältnisse zum Gutsübernehmer.

Auf die den Geschwistern gebührende Abfindung weiset das Sprichworthin:Der Aelteste (d. h. überhaupt jener, der durch die Nachfolge in denHof zum Familienhaupte wird) beräth' das Jüngst". In der Abfindungselbst konnte und durfte nun allerdings nicht eine gleichheitliche Erbetheilungangestrebt werden, da ja sonst die Einheit und der Fortbestand des hcimath-lichen Herdes neuerdings in Frage gestellt werden würde. Ein gemeinsamerVortheil für die abgefnndenen Geschwister mag aber wohl darin erblickt wer-den, daß die elterliche Heimath ungeschmälert fortbestcht:wer erbt, sollhelfen erhalten"*') und ihnen eine bleibende Zufluchtsstätte für alle Wechsel-fälle des Lebens gesichert ist.

g,) Lenisoli S. 330. b) Die Quellen verbinden mit diesem Sprichworte denSinn: wer erbberechtigt ist, ist auch alimentationspflichtig.