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2 (1895) 1847 - 1879
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1879

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Stuttgart, den 16. Juli 1879.

Unser Austritt aus der uatioualliberaleu Fraktion wird hier allseitig gebilligt.Viele wünschen uns Glück dazu, sie hätten es schon längst erwartet. MeineAbreise aus Berlin erfolgte schon am Samstag um 8 Uhr abends, 3'/z Stundennach Schluß der Reichstagssitzuug. Die meisten der Ausgetretenen') speistennoch zusammen im Hotel Magdeburg, wir waren fröhlich und guter Dinge;Völk und ich freuten uns der endlichen Erlösung aus unserer Zwangslage inner-halb der nationalliberalen Partei. Ärgerlich waren wir über so manche, die biszuletzt versprochen hatten mit uns zu gehen und uns dann doch im Stiche ließen,wie insbesondere Groß, Krafft, Müller-Sangershausen, Witte-Schweidnitz,Heilig re. Allein viel zu bekümmern haben wir uns darum nicht. Römer, derSamstag Abend noch in Berlin war, erzählte mir hier, Laporte, Marquardsen,Buhl hätten den Verlauf der Dinge aufs äußerste bedauert. Laporte sage, erwäre mitgegangen, wenn seine persönlichen Verhältnisse zu Bennigsen ihn nichtabgehalten hätten. Dieser sei im höchsten Grade deprimiert und spreche von seinemzeitweisen Rücktritt aus dem politischen Leben. Er ist in einer üblen Lage, hatsie aber teilweise selbst verschuldet durch seine Passivität und Unentschlossenheit.Nach dem Städtetag hätte er mit der Linken der Fraktion brechen sollen, erwurde ja stärker als wir in der Presse des linken Flügels und sogar in derFraktion von Lasker und Forckenbeck angegriffen. Jetzt wird ihm freilich in derPresse geschmeichelt, allein auf die Dauer wird er dem linken Flügel das Gleich-gewicht nicht mehr halten können, und Forckenbeck ist sein gegebener Rivale inder Parteileitung, die er beim letzten Verlauf der Dinge ja in der That nichtmehr hatte. Heute noch wäre es für ihn richtiger, mit seinem Anhang eben-falls aus der Partei auszutreten und sich mit uns wieder zu vereinigen^).Allein in Preußen wartet alles die bevorstehenden Landtagswahlen ab; da wirdsich wohl manches klären.

In Bruchsal traf ich im Waggon mit dem bayerischen Justizminister Fäustlezusammen, meinem alten politischen Freunde, der aus Veranlassung der Ein-führung der Justizgesetze in der Pfalz gewesen war. Die Geschichte unseresAustrittes interessierte ihn sehr und er freute sich des letzteren; insbesondere sei

') Da auch noch der Reichstagsabgeordnete I)r. Wehrenpfennig sein Mandat infolgeder Krisis in der nationalliberalen Partei niederlegte, so war dieselbe ini ganzen nm 18 Mitgliederschwächer geworden. Bergl. die Artikel desSchwäbischen Merkur" vom 15. und 16, Juli 1879.

2) Ein von Hölder am 17. Oktober 1879 im Saale der Stuttgarter Bürgergesellschafterstatteter Rechenschaftsbericht findet sich abgedrnckt imSchwäbischen Merkur" vom 19. Oktober1879 und in derSchwäbischen Sandeszeitnng" vom 19. Oktober 1879. Über die Partei-Entwickelung nach Abschluß des Zolltarifs vergl. diePost" 1879, Nr. 192 (Die Secession ansdem nationall iberalen Lager), 202 (Die nat.-lib. Partei darf dem Reichskanzler die Unterstützungnicht verweigern, wenn er sie braucht), 205 (Über die von der nat.-lib. Partei den Zollgesetzengegenüber ein zunehmende Haltung), 233 (Der Reichskanzler deckt durch seine machtvollePersönlichkeit den reaktionären Angriff der klerikal-konservativen Mehrheit), 293 (Annäherungdes Fürsten Bismarck an die Nationalliberalen), 301 (Stellung des Fürsten Bismarck zu denParteien).