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Die zweite Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags
gestern Fürst Carolath und Baron Lerchenseld gegen mich aus. Schmid sagt,er habe eine große Zahl hinter sich, wie es scheint, die Mehrzahl der Württem-berg er.
Wir besprachen die Möglichkeit einer neuen Partei, bestehend aus dem rechtenFlügel der Nationalliberalen und dem linken der deutschen Reichspartei mit über-wiegend süddeutschen Elementen. Wie viele könnten wir dazu stellen? Vielleicht15. Die Lage in der nationalliberalen Partei ist aber von der Art, daß dergemäßigte Teil mit Bennigsen viel zahlreicher ist. Letzterer will die Partei zu-sammen Hallen, so lange es geht; nur schwankt er lange, vielleicht zu lange.Er ist mit den Leuten des linken Flügels eben persönlich eng befreundet und siehaben die tüchtigen Redner (Forckeubeck, Stauffenberg, Laster, Rickert, Bamberger,Braun re.). Bennigsen kann schließlich nicht mit ihnen gehen, er giebt ihnenaber zu viel Spielraum; sie beherrschen auch die nationalliberale Presse. So er-klärt sich das weite Mundaufreißen der Parteiorgane und Redner zu Anfang derVerhandlung über einen Gegenstand, das häufig grell kontrastiert mit der schließ-lichen Haltung der Partei, wenn Bennigsen sich endlich entscheiden muß. Dabeigereicht es denn doch uns zur Beschwerde, daß derselbe immer mit den Leutenvom linken Flügel konferiert, dagegen niemals mit uns. Vor einigen Tagen sprachVölk zu ihm über die politische Situation; er schwieg sich aus. Gestern sagteich ihm, ich möchte mit ihm über die Lage sprechen, er möchte während derSitzung, wenn es ihm passend sei, mich holen. Er sagte: es sei ihm recht, kamaber nicht. Allerdings hörte die Sitzung bald auf und es schloß sich die erregteFraktionssitznng an. Diese Situation ist uns aber keine entsprechende, und essteht dahin, ob wir warten können, bis Bennigsen sich endlich entschließt, aufdie eine oder andere Seite zu treten. Alle vom rechten Flügel (Gneist, Treitschke rc.)könnten wir aber auch nicht brauchen. Sie sind mir zu konservativ und zu een-tralistisch.
Letzten Samstag war ich in der Soiree bei Bismarck. An Bismarck'sTisch saß Völk. Zinn machte sich auch dahin.
Bismarck's heutige Rede wird als meisterhaft betrachtet. Der Mann hatsich jedenfalls tief in die Sache einstudiert. Dagegen finden allerdings seinenebelhaften Steuerprojekte keinen Anklang. Meiner Ansicht nach sollte mannicht viel über die eigenen Bedürfnisse des Reichs hinaus an neuen Steuern be-willigen.
Ueber Delbrück's Rede wird gesagt, er sei zu sehr Detaillist, die großen Ge-sichtspunkte fehlten ihm. Er entspreche nicht den gehegten Erwartungen, was vonden Freihändlern selbst anerkannt werde.
Berlin, den 23. Mai 1879.
(Beschreibung eines Tags vorher mit Fraktionsfreunden gemachten Aus-flugs in die Umgebung von Berlin.) Wir sprachen viel über Politik, überdie Notwendigkeit einer neuen Partei aus dem rechten Flügel der National-liberalen und dem linken der Freikonservativen. Lange kann es so nicht sort-gehen; wir müssen uns von Rickert und Gen. trennen, mit oder ohne Bennigsen.