1879
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Bereits vor t879 war iv. dem beiderseitigen Verhältnis eine Erkaltung ein-getrcten; gespannt wurde dasselbe seit dem Wortwechsel über die von Bismarckbehauptete übertriebene Milde gegen die Verbrecher'), und ganz schlecht, nach-dem Laster die Abgeschmacktheit beging, im Reichstag dem Kanzler ganz ohneGrund Unkenntnis der Gesetze vorzuwerfen ^).
Den Verkehr zwischen dem Reichskanzler-Palais und den Konservativenvermittelte in der Hauptsache wiederum der Abgeordnete von Helldorff ^). Der-selbe spielte sich in der Hauptsache auf den größeren parlamentarischen Gesell-schaften Bismarck's^) ab; außerdem sprach Bismarck Helldorff im Reichstag amt.Mai 1879 während einer längeren Rede Delbrück's und am folgenden Abendim Reichskanzler-Palais.
21. Juni 1879 Verhandlungen Helldorff's mit Bismarck.
30. Juni 1879 nach Tisch Ammeldung Helldorff's bei Bismarck und abendsvon '/z9 bis '/z10 Uhr eingehende Besprechung mit demselben.
In die Tage vom 23. Juni u. ff. fielen die entscheidenden Verhandlungenüber die Zollvorlage. Zugleich hatten die Minister Friedenthal °), Falk und
') Vergl. hierüber die „Post" 1879, Nr. 70 und 71. Darauf bezügliche Leitartikel der„Post": „Der Reichskanzler und Herr Lasker", Nr. 72. Stimmen der nationalliberalen
Partei, Nr. 74. Eine Charakteristik Lasker's s. bei Hermann Wagener, „Erlebtes", und in demGrenzboten-Artikel 1879, II. Vierteljahr, S. 525—532.
2) Uber den Konflikt zwischen Bismarck und Lasker mährend der Zolldebatte s. die „Post"1879, Nr. 130 und 132.
3) Vergl. oben S. 154. — Schreiben Bismarck's vom April 1879 an den Vorsitzenden deskonservativen Kreismahlvereins in Schwerin, (Dank für ausgesprochenes Vertrauen) abgedrncktin meinem Werke „Bismarck als Volkswirt" Bd. I, S. 216. — 17. Juni 1879, SchreibenBismarck's an den konservativen Abgeordneten von Erffa (Dank für die Znstimmungsadresseaus dem II. Meininger Wahlkreise) a. a. O. S. 258.
Helldorff nahm teil an den parlamentarischen Soireen vom 22. Februar, >., 15. Märzund 17. Mai 1879 und dem parlamentarischen Diner vom 28. Februar 1879.
5) Über sein Abschiedsgesuch und seine spätere Wirksamkeit bemerkt Friedenthal inseiner. bereits oben erwähnten Autobiographie: Im Sommer 1879 erbat ich den Abschiedund erhielt denselben in Gnaden, indem mir gleichzeitig — ohne mein Vorwissen — vonSr. Majestät dem Kaiser und König der Adel verliehen wurde. In Ehrerbietung bat ich, inmeinem bisherigen Stande verbleiben zu dürfen. Im Herbst desselben Jahres wurde ich fürLebenszeit aus Allerhöchstem Vertrauen in das Herrenhaus berufen. Die mir von mehrerenKreisen angebotene Wiederwahl in den Reichstag lehnte ich ab, und Habs mich von der Be-teiligung an dem politischen parlamentarischen Leben mehr und mehr zurückgezogen. Im Herren-hanse habe ich nur als Berichterstatter über die Graf Botho Eulenburg'sche Vorlage, betreffenddie Revision der Vermaltnngs-Organisations-Gesetze, — der bezügliche Bericht legt meineStellung zu dieser Frage dar — und über die Vorlage, betreffend den Schlesischen Notstand,teil genommen. Friedenthal war vor dem Freiherrn von LncinS der einzige thätige undschöpferische Landwirtschaftsminister, den es in Preußen gegeben hat; er war eine vornehmeNatur. Er hat wegen der Umstände, unter denen sein Ausscheiden aus demAmte erfolgte(die „Tribüne" hat darüber Andeutungen gemacht), dem Fürsten Bismarck keinen Grollnachgetragen. Als im Jahre 1885 eine Ehrengabe für den Kanzler in Frage kam, war eres, der gegen den Herzog von Ratibor und die Mehrzahl der Komitee-Mitglieder dafür eintrat,