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2 (1895) 1847 - 1879
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296
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286 Die erste Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags

Bismarck und Bennigsen. Soviel steht fest, daß Laster jetzt dessen Grundlagennicht mehr alterieren kann. Letzten Samstag stimmte er bei dem Versammlungs-artikel in einem Punkt mit dem Fortschritt, erhielt aber bei namentlicher Ab-stimmung nur noch 16 Nationalliberale auf seine Seite und im Hause war immernoch eine Mehrheit von 200 gegen 164 da. Der linke Flügel ist also, soweitdas Kompromiß geht, ohnmächtig. Die erwähnte Separation machte in derFraktion böses Blut, und es wird der Gedanke einer möglichen Ausscheidung deslinken Flügels in Privatgesprächen erörtert. Stanffenberg's Stellung ans SeiteLasker's versteht man nicht. Bei Forckenbeck, der sich am Samstag der kriti-schen Abstimmung entzog, denkt man an den Oberbürgermeister des fortschritt-lichen Berlin. Zwischen Bennigsen einerseits, Staussenberg und Lasker anderer-seits soll große Verstimmung herrschen. Ersterer ließ nach der vorgestrigen Ab-stimmung erklären, wenn sich solche Zwischenfälle wiederholten, könne er für nichtsmehr stehen. Den Gedanken einer Beseitigung des linken Flügels habe er alsnoch nicht an der Zeit abgewiesen.

Herr von Schauß zeigt wegen einer Beschwerde gegen Forckenbeck, der ihn(trotz der Verständigung des Kommissionsvorstandes Bennigsen und des heiserenbisherigen Berichterstatters Schwarze) als neuen Berichterstatter, wie behauptetwird auf Lasker's Betrieb, nicht zuließ, seinen Austritt aus der Fraktion an.Bei einer etwaigen Neugestaltung der Partei hofft er mit seinen bisherigen Ge-nossen wieder zusammen gehen zu können. Die Verstimmung gegen Lasker undGenossen ist ziemlich allgemein in der Partei.

Heute machten die Konservativen den Schachzug, weil sie mit einem Amende-ment nicht durchdrangen, gegen den Preß-Paragraphen zu stimmen. Derselbeist also vorerst mit allem was dazu gehört gefallen. Die Differenz ist in meinenAngen keine entscheidende, darum ist das Benehmen der Konservativen in meinenAugen höchst frivol. Allem Anschein nach hatte sich Bismarck in den be-anstandeten Punkt gefunden; denn er ermahnte noch in der Sitzung zum Fest-halten. Die Sache wird ja in der dritten Lesung wohl ins Reine kommen.Allein mit dem Feuer soll man nicht spielen, und das Gesetz ist noch nicht überalle Gräben. Der Schwierigkeiten giebt es ohnehin genügt).

>) Einem Briefe Hölder's an die Seimgen ä. 4. 14. Oktober entnehme ich noch die folgendenStellen: Das Zustandekommen des Gesetzes ist gesichert, allein mit Mühe muß man sich kämpfendvon Artikel zu Artikel durcharbeiten. Die Gegner wehren sich mit größter Zähigkeit und denBorwurf kann man dem Gesetz gewiß nicht machen, daß es nicht nach allen Seiten erwogen sei.

Erfreulich ist es mir und wohl auch für die reichsgetrenen Wühler in Württemberg, daßdie nationalliberale Partei wenn ich so sagen darf ihren Frieden mit Bismarck geschlossenhat. Die Reden Bismarck's und Bennigsen's gaben der Sache den äußeren Ausdruck. Laskerund Genossen sind zwar damit nicht recht einverstanden und es rumort innerhalb der Partei;allein die große Mehrheit der Partei steht auf Bennigsen's Seite. Daß es jetzt schon zu einerTrennung kommt, ist mir sehr zweifelhaft. Lasker wird es nicht wollen, und wenn nach meinerund vieler Ansicht dessen Ausscheiden auch wünschenswert wäre, so scheint doch Bennigsen denZeitpunkt znm Bruch noch nicht für gekommen zu erachten. Klar scheint ihm aber zu sein,daß er sich dem Einfluß Lasters entziehen muß. Es sind in der Fraktion schon spitzige Redenzwischen beiden gefallen.