1878
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Wir besprachen manches Mer diesen Punkt und waren darin einig, daßein Bruch mit dem Reichstag und eine Konfliktsregierung bei der heutigenSituation in Deutschland und Europa sehr bedenklich wäre.
Hölder's Gewährsmann wußte dann noch eine Reihe interessanter Punkteüber Bismarck zu erzählen, wovon einiges hier noch angereiht werden mag.
Anfangs August 1878 fanden in Heidelberg die bereits oben erwähntenMinisterkoiiferenzen zur Berathung der Steuerreform st statt. Der Staats-minister Hosmann sei mit ihm in Kissingen gewesen mit den Protokollen derHeidelberger Konferenz, schön zugeknüpft in eine Rolle mit Rosaband. Bismarckhabe die Rolle nicht einmal geöffnet und Hofmann ohne eingehenden Bescheidabreisen müssen 2). —
Die Verhandlungen Bismarck's mit Bennigsen seien nicht deshalb gescheitert,weil der letztere den Miteintritt Stauffenberg's in das Ministerium verlangte,sondern weil Bismarck eine Parteiregierung gefürchtet habe. Diese Befürchtunghabe sich an das Verlangen Bennigsen's geknüpft, politische Freunde mit insMinisterium zu nehmen.
Auf den Einwand Hölder's, eine Parteiregierung werde Bennigsen damitnicht beabsichtigt haben, wohl aber eine Garantie gegen das Eingreifen Bismarck'sohne Beachtung der Stellung seiner Kollegen, antwortete ihm der gedachte Staats-mann: Da habe aber Bennigsen Bismarck schlecht gekannt, dieser lasse sichvon seinem Willen nicht abbringen, und wenn alle Minister andrer Ansicht seien,setze er seinen Willen gegen alle durch. Unter den Ministern seien Leonhardtund Friedberg die gefügigsten; aber auch Delbrück habe oft genug seine Ansichtderjenigen Bismarck's untergeordnet.
Berlin, den 16. September 1878.
Die politische Situation ist noch nicht geklärt. Bei der Präsidentenwahlsprachen Professor Gneist, I)r. Völk und ich dafür, des Friedens und guten Ein-vernehmens willen, den ersten Vize-Präsidenten den Deutschkonservativen anzubieten.Schon hatte es den Anschein, daß eine Einigung zu stände komme. Im letztenAugenblick sprang jedoch infolge des Auftretens von Forckenbeck und andrer dieStimmung um. Sie hatten das Stimmenverhältnis im Reichstag richtig berechnet.Die Liberalen (Nationalliberale, Fortschritt und liberale Wilde) zählen immernoch 10 Stimmen über die vereinigten Konservativen. So fielen letztere für dieengere Wahl durch, in welche Stauffenberg mit einem Ultramontanen kam. Beider engeren Wahl waren somit die Konservativen in eine Zwangslage versetzt;sie mußten, da ein Ultramontaner auch für sie unmöglich war, für Stauffenbergstimmen. — Es war eine richtige Parteitaktik, ob sie zum Heile des Reichs dient,müssen die nächsten Wochen lehren. — Die Verstimmung von den Wahlen her
h Vergl. hierüber mein Werk: „Fürst Bismarck als Volkswirt", Bd. I., S. 143.
2) Hierin wird etwas Absonderliches wohl kann: erblickt werden können, da Fürst Bis-marck wahrscheinlich sich ein eingehendes Studium der Protokolle vorbehielt, bevor er bestimmtenBescheid erteilen wollte und konnte. Ein solcher Bescheid wäre doch auch ohne vorgängigcBeratung mit dem preußischen Finanzminister verfrüht gewesen.
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