1878
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beklagen würde, wenn der Amtsrat Dietze zu Barby nicht wieder in den Reichs-tag gewählt werden sollte."
Diese Empfehlung wurde Bismarck von den Liberalen als starke Wahl-beeinflnssung sehr verargt; Dietze-Barby kam aber in den Reichstag und be-reicherte bald darauf den Anekdotenschatz über den Kanzler durch folgende Ge-schichte. Er selbst stellte Ende 7878 dem Kanzler die kitzliche Frage, wen erfür den ersten Diplomaten halte, worauf Bismarck schnell gefaßt antwortete:„Wen ich für den ersten Diplomaten halte, kann ich nicht sagen, gewiß ist aberLord Beaconsfield der zweite."
Graf Wilhelm Bismarck, geb. am 1. August 1852 in Frankfurt a. M.,zur Zeit der Wahl also erst 26 Jahre alt, kandidierte im 3. Wahlkreise desRegierungsbezirks Erfurt (Mühlhausen, Langensalza, Weißensee)'). Bei derStichwahl entbrannte ein lebhafter Parteikampf, der sich aber entschieden zuGunsten des Sohnes des Kanzlers gestaltete, seitdem ihm die 2000 Stimmen derUltramontanen von den Führern derselben zugesagt worden und zwar infolgedes nachstehenden seltsamen Depeschenwechsels. Das Wahlkomitee der Centrnms-partei richtete an den Grafen Wilhelm Bismarck nach Gastcin, wo derselbe sichin der Umgebung des Kanzlers eben aufhielt, folgende telegraphische Anfrage:„Um bei der Stichwahl eventuell Eurer Hochgeboren unsre Stimmen geben zukönnen, bitten wir um hochgeneigteste sofortige telegraphische Auskunft, ob Hoch-dieselben Ihren Einfluß auf Aufhebung des Kulturkampfes geltend zu machengedenken." Hierauf lief am 6. August 1878 abends vom Grafen Wilhelm nach-stehende Depesche ein: „Telegramm von gestern erhalten. Ich glaube nicht,daß die darin gestellte Frage den Reichstag beschäftigen wird. Sollte es den-noch der Fall sein, so werde ich für mein Verhalten den Rat des mir persön-lich nahestehenden Reichskanzlers erbitten und um so lieber befolgen, als mir diepersönliche Gesinnung desselben bekannt ist."
Es war bei der Jugend des neu gewählten Abgeordneten nicht zu erwarten,daß er sich im Parlament zu großen Thatcn aufschwingen werde. Gleichwohlergriff er in mehreren Fragen die Initiatives. Bedeutsamer ist wohl seineThätigkeit hinter den Kulissen gewesen; denn er war es vorzugsweise, an den sichdiejenigen Abgeordneten wandten, die sich über die Absichten und Wünsche seinesVaters vergewissern wollten.
Am 29. September 1878 war Bismarck zur Theilnahme an den Reichstags-verhandlungen -ff in Berlin eingetroffen. Bereits an einem der nächsten Tage
>) Der Parlaments-Almanach f. d. Jahr 1878 gab »och folgende biographische Notizen:Premier-Lieutenant a 1a suite deS k. prcnsz. 1. Garde-Dragoner-Negiments in Berlin. Besuchtedas Gymnasium in Berlin, studierte in Bonn. Deutsche Reichspartei.
2) 14. April 1880 Antrag deS Grafen Wilhelm Bismarck auf Einsetzung eines ZinsmarimnmS,Schnltheß Geschichtskalender S. 109 und 117 (20—22. April); 7. Mai 1880 Antrag ans Be-schränkung der Wechsclfähigkeit, a. a. O. S. 138 (okr. S. 183).
3) Von dem Auftreten Bismarcks in der Reichstagssitznng vom 17. September 1878 hatder „Schwäbische Merkur" ein charakteristisches Bild entworfen, dem nur die folgenden Züge