1878
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den Antrag Bismarck's auf Einsetzung eines preußischen Eisenbahnministersbekämpfen Hilst. Mir wäre es hauptsächlich um deswillen leid, weil zu befürchtenist, daß bei einem Systemwechsel auch Rom Konzessionen gemacht werden.
Mit dem Kongreß will es auch nicht vorwärts gehen, und so ist die politischeLage nach allen Seiten hin eine unbehagliche.
Berlin, den 31. März 1878 (Sonntag).
Die letzte Woche ist im Reichstag wenig geschehen. Die Ministerkrisisspielte sich im Abgeordnetenhaus ab. Jetzt scheint das Ministerium rekonstruiert.In welchem Sinne? Das ist das Räthsel. Da es mit den Nationalliberalennichts ist, natürlich in konservativem Sinne. Die Verhandlungen mit Bennigsenscheinen mir nie ernst gemeint gewesen oder doch bei Bismarck nie über dasStadium einer Recognoscierung, ohne festen Entschluß gediehen zu sein. Bismarckbindet sich überhaupt nicht leicht.
Ein Hölder nahestehender Bevollmächtigter zum Bundesrat, der am30. März beim Fürsten Bismarck in kleinem Kreise zu Mittag gegessen, hatteHölder in betreff der aus dem Kauzlerpalais mitgebrachten Eindrücke Nach-stehendes mitgetheilt: Bismarck's Machtstellung beim Kaiser sei groß. Bismarckspreche sich ganz föderalistisch aus. Bei dem Reichseisenbahnprojekt sei ihm nurdarum zu thun, die preußischen Bahnen für Preußen zu erwerben. Ein Eisen-bahngesetz habe er ernstlich ins Auge gefaßt; allein er spreche davon, dasselbeiu> Wege von Konferenzen mit den Mittelstaatsregierungen zu Stande zubringen. Das sei bereits angenommen, daß bei Differenzen über die Befugnissedes Reichs-Eisenvahn-Amts mit den Einzelregierungen ein förmliches Gericht,keine Karrikatur eines solchen, wie bisher es vorgesehen, entscheiden soll.
Zweierlei bedeutende Fragen fasse Bismarck nie zu gleicher Zeit ernstlichan. — In Zolltarifsachen sei es außer Zweifel, daß Bismarck von der extremenFreihandelsrichtung zum gemäßigten Schutzzoll zurückkehren werde. An Kammer-oder Neichstagsauflösungen denke er nicht mehr. Er habe gesagt, zur drittenLesung der Vorlage wegen der Ministerien gehe er gar nicht mehr ins Ab-geordnetenhaus. Er mache eben jetzt den Maybach zum Handelsminister underreiche so seinen Zweck auch.
Berlin, den 6. April 1878.
Heute Abend ist bei Bismarck Soiree, die ich besuchen werde, um aucheinmal sein neues Palais zu sehen.
Gestern und heute habe ich zum ersten Male im Reichstage gesprochen.Es waren württembergische Budget-Angelegenheiten, deren ich mich annahm.
Berlin, den 7. April 1878.
Gestern Abend (nach Bismarck's Soiree) bei Siechen, der StammkneipeVölk's, mit diesem, Pfälzern u. A. zusammen, vr. Groß stellte die Behauptungauf, wenn der Kulturkampf und die Stellung des Centrums aufhöre oder Bis-marck mit den Nationalliberalen in einen Konflikt gerate, werde die Zusammen-setzung der letzteren sich ändern. Sind wir dann einig? fragte Völk, und setzte
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