1877
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Dinge in Preußen und im Reich und einer Sprengung der liberalen Majoritätbereits im Juni 1876 in Scene gesetzt hatte, war also immerhin von einigem Er-folge begleitet gewesen.
Erfreulich lautete die Antwort der elsäfsischen Wähler bei den Reichstags-wahlen vom Januar l877, welche in sämtlichen fünf unterelsässischeu Wahlkreisenden von der autonomistischen Partei unter obigem Programm aufgestellten Kan-didaten den Sieg über die Protestler und Ultramontanen gaben. Es waren dies,neben Schneegans, für den Wahlkreis Zabern Kaufmann Bergmann, für Straß-burg-Stadt Bankdirektor North, für Straßbnrg-Land Bürgermeister Nessel, fürHagenau vr. rnoä. Rack und für Benfeld Erstein.
Die gesamten Wahlkreise des Unterelsasses hatten sich für das autonomistischeProgramm ausgesprochen; von den andern Abgeordneten schwankten einige zuerst(wie zum Beispiel der Abgeordnete Grad von Kolmar) zwischen Autonomie undProtest; sie schlossen sich jedoch nach kurzem Zögern alle der in der vorher-gehenden Legislaturperiode gebildeten, dem Centrum nahe stehenden „elsäfsischenGruppe" an, während die fünf Unterelsässer ihre Plätze auf der entgegengesetztenSeite des Reichstags hinter der nationalliberalen Fraktion einnahmen. —
Aus der früheren Darstellung ist bekannt, daß Bismarck die reorganisiertekonservative Partei zu Anfang nicht ohne Mißtrauen betrachtete. Die Schwierig-keit lag weniger in dem Programm der Partei, das sich in vielen Punkten mitdem seinigen deckte, als in ihrem Personalbestände. Wenn Bismarck das Mit-gliederverzeichnis der neuen Partei zur Hand nahm, so fand er darin mehr alseinen Deklaranten, und dazu noch so manche, die ihn als Kanzler von der Tri-büne und in der Presse bis vor kurzem auf das heftigste angegriffen hatten.War niit einer Partei, die ihm so feindselige Elemente auszunehmen nicht Anstandgenommen hatte, ein dauernden Bund zu flechten?
Schon die ersten Tage nach dem Zusammentritte des Reichstags solltendie Situation klären. Am 24. Februar1877 meldete sich der Abgeordnete von Hell-dorff si mit Herrn von Seydewitz und dem Grasen Kleists als Vorstand derneu konstituierten Fraktion der Konservativen im Kanzler-Palais. Anlaß war dieAusnahme der Reichstags-Abgeordneten von Nathusius-Ludom und vvn Kleist-Retzow in die Fraktion der Konservativen.
Bismarck war über die Aufnahme der gedachten Herren in die Fraktion mitRecht ungehalten; denn Nathusius-Ludom hatte als Redakteur der „Kreuzzeitnng"
') Vergl. oben S. 154.
2) Graf von Kleist, Conrad, Gutsbesitzer auf Schnienzin (Kreis Belgard), Mark. Fried-land. Geboren den 4. April 1889 in Tschernowitz bei Gnben (evangelisch). Mitglied desDeutschen Reichstags seit 1874.
3) von Nathusius-Ludom, Philipp, Besitzer der Herrschaft Lndom im Kreise Obornik.Sohn des in Gemeinschaft mit Heinrich Leo langjährigen Herausgebers des „Volksblattes fürStadt und Land", Philipp von Nathusins und der Dichterin Marie Nathnsins. Geboren 4. Mai1842 zu Allhaldensleben (evangelisch-lutherisch). Bis Herbst 1872 Landwirt, von da ab über-