Druckschrift 
2 (1895) 1847 - 1879
Entstehung
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Ich resümiere Ihre Ansichten dahin, daß unter der Voraussetzung ernsterPflichterfüllung und strenger Pflichtauffassung der Organe der Staatsrxgierungund der Polizeigewalt, Sie von der Einführung der neuen Organisationen inder Rheinprovinz keinen ungünstigen Einfluß aus den Kampf mit dem Ultramon-tanismus erwarten."

Abgeordneter Seyffardt:Gewiß nicht." (Sicherhebend.)Ich bitteEure Durchlaucht noch recht sehr um Entschuldigung wegen der Mühe, die esgekostet hat, mich zu citieren. Leider kamen die beiden liebenswürdigen Ein-ladungen zum Mittagessen in meiner Wohnung gerade in der Stunde an, dieich in diesen Tagen zum Diner benutzte."

Fürst Bismarck:Bitte sehr! Mein Unwohlsein läßt mich gewöhnlicherst in den Morgenstunden die unentbehrliche Ruhe finden. Wenn ich dannspät anfstehe, bleibt nur kurze Zeit, um jemand zu Tisch zu laden. Übrigenssetzte er mit schalkhaftem Lächeln hinzu besonders häuslich sollen Sie in Berlinnicht sein. Ihre Hansleute meinten auf die Frage meines Boten, wo Sie dennwohl anzutreffen seien: Wenn Sie zu jener Zeit ansgegaugen, könne es 1 Uhrnachts werden, ehe Sie wieder nach Hause kämen. Nun, ich weiß ja, Hauslentepflegen verleumderischer Natur zu sein."

Abgeordneter Seyffardt:Durchlaucht, ich merke wohl, ich bin er-kannt."

bei uns zwar als Schritte in richtiger Richtung, aber doch nur als halbe Maßregeln erscheinen.Ein Teil der katholischen geistlichen Lokal-Schulinspektoren wird entfernt, ein andrer Teil bleibtim Amte.- Über Gehen und Bleiben entscheidet eine Denunziation oder irgend ein Zufall, denndie im Amte Verbleibenden sind genau von denselben Ideen beseelt wie die andern. Solange daher noch ein einziger katholischer Priester Schulinspektor bleibt, werden nicht nur dieihm untergebenen, sondern auch alle übrigen katholischen Lehrer nicht glauben können, daß essich um eine dauernde prinzipielle Änderung handelt, die ihre Arbeitskraft von dem Drucke dergeistlichen Gewalt befreit und sie der civilisatorischen Aufgabe des Staats zur Disposition stellt.Diese Änderung ist aber nötig, denn bis vor ganz Kurzem war von einer Pflege des Patrio-tismus in den katholischen Schulen auf dem Lande in unsrer Provinz kaum die Rede. Fastallein die Landwehr- und Kriegervereine, deren ältester in weitem Umkreis seit nunmehr29 Zähren in meinem Wohnort existiert und 1400 Mitglieder zählt, haben die während derMilitärzeit unsrer jungen Burschen gepflanzten Keime eines gesunden Patriotismus, des Bewußt-seins der Zusammengehörigkeit preußischer und deutscher Lande, lebendig erhalten. Die mili-tärische, in dieser Beziehung ausgezeichnete Erziehung, beginnt aber zu spät, um ganz nachWunsch wirken zu können. Gelingt es dagegen, in der Volksschule eine von geistlichen Ein-flüssen ganz befreite kernige Bildung heimisch zu machen, knüpfen wir daran einen FortbildnngS-Unterricht von nur wenigen wöchentlichen Stunden mit etwas weitergehenden analogen Zielen,dann wird der staatsfeindlichen Agitation der Boden entzogen."

B.Es bleibt mir noch die Frage, ob in Ihren Gegenden die neue Kreis-Ordnung nichtunter Belastung der alten Landgemeinde-Ordnung einznführen sei, was halten Sie davon?"

S.Zur Beantwortung dieser Frage bin ich als Stadtbewohner ohne Vorbereitung nichtkompetent. Praktisch habe ich mit der bisherigen Landgemeinde-Ordnung nicht gearbeitet. Fürmich sind die vielfachen, in dem neuen Entwurf enthaltenen Reformen der Grund, deren Ein-führung mit den vorhin erwähnten Modifikationen zu wünschen."