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Die Koiifliktszcit
Als historische Thatsache stellte sich nämlich heraus, daß bereits zur Zeitder Plenarberatuug vom 22. Februar die Verhandlungen des preußischen Minister-präsidenten von Bismarck mit der italienischen Regierung zur Herbeiführung einesAllianzvertrages gegen Österreich im besten Zuge waren. Am 14. März folgtedie erste mündliche Verhandlung mit dem italienischen Obersten Govone in Berlin,am 27. März die Vereinbarung über das beiderseitig erstrebte Ziel, und am8. April 1866 wurde der geheime Offensiv- und Defensivvertrag abgeschlossen, fallsbinnen drei Monaten der Krieg mit Österreich zum Ausbruch gelange. Dement-sprechend stellte die preußische Staatsregierung schon am 9. April beim Bundestageden gegen Österreich gerichteten Antrag auf Reform der Bundesverfassung, woraufdann der Mobilmachungsbeschlnß des Bundes erfolgte, nachdem Preußen undÖsterreich bereits gerüstet hatten — schließlich die Kriegserklärung.
Daß bei all' diesen Bestrebungen und Thatsachen das Abgeordnetenhaus keineUnterstützung, sondern nur Widerstand leisten werde, mithin geschlossen werdenmüsse, war für Herrn von Bismarck nicht zweifelhaft. Es wurde ihm dasWort in den Mund gelegt, das nötige Geld werde er nehmen, wo er esfinde, wie dies dann auch unter andern: durch den Verkauf des Rückfallsrechtsgegenüber der Köln-Mindener Eisenbahn für 14 Millionen Thaler geschehen ist.Durch den siegreichen Feldzug in Böhmen wurde dann das einleitende parlamen-tarische Kabinetsstück der Vergessenheit überantwortet, indem die Thronrede vom5. August einen Jndemnitätsantrag ankündigte und anerkannte, daß der Etat inden letzten Jahren der gesetzlichen Grundlage entbehrt habe.
In der Reichstags-Sitzung vom 24. Januar 1882 hat Fürst Bismarck ganzunumwunden dargelegt, daß die gegen die Beschlüsse des Abgeordnetenhausesdnrchgesetzte Armeeverstärkung von Anfang an dazu bestimmt war, die preußischeHegemonie in Deutschland zu verwirklichen.
Der Abgeordnete Franz Peter Reichensperger bezeichnet oben Seite 43 dieFraktion, von deren Majorität der betreffende Vermittelungsantrag ausging, alsdie „kleinste" im Abgeordnetenhaus. Dieselbe befand sich damals im Zustand derEbbe. Ihre Wurzeln reichten bis an das Frankfurter Parlament zurück, dessenglaubenstrcue katholische Mitglieder, etwa siebzig an der Zahl, unter dem Prä-sidium des Generals von Radowitz und des I)r. August Reichensperger als dessenStellvertreter, einen Verein gebildet hatten, um eine Sanktionierung der kirchlichenFreiheit, auch ans dem Gebiete des Schulwesens, in die Grundrechte der deutschenNation ausgenommen zu sehen. Der Verein erreichte im wesentlichen seinen Zweck;die betreffenden Grnndrechtssatznngen gingen demnächst in die preußische Ver-fassung über.
Im Abgeordnetenhause bildeten 1851 vr. August Reichensperger, vr. PeterReichensperger nebst noch etwa zwölf Mitgliedern (darunter Osterroth, Rohden,Ziegler) gewissermaßen provisorisch eine Fraktion, welche sich nach dem Herkules-Keller, ihrem Versammlungsorte, benannte. Nach einer Neuwahl im Jahre 1852