— 70
Palmettenmuster in ganz gleicher Weise wie an zahlreichen ober-italischen Bauten. Das Durchziehen der Stengel, das Gegenüber-stellen symmetrisch gebildeter Blätter, welche zu zweit ein pal-mettenartiges Ganzes bilden, treffen wir an Kapitellen von SanSimpliciano zu Mailand, 1 der Portalarchivolte der ParmenserKathedrale 2 u. s. w. Am charakteristischsten giebt sich deroberitalische Einfluss jedoch an den Stücken des Thürgewändeszu erkennen, welche mit breiten Streifen kreisrunden Rankenwerksbedeckt sind, in dessen Feldern sich die verschiedenartigsten Tier-gestalten befinden. Wir haben es hier nicht mehr mit der inihrer Stilisierung immer noch natürlich wirkenden Ranke derfranzösischen und späteren italienischen Kunst zu thun, welchedirekt auf die Antike zurückgeht, das Grundmotiv ist vielmehrdas rein longobardische Kreisgeflecht, welches hier zwar noch dietypische von Stückelberg 3 und Zimmermann 4 5 hervorgehobeneDreiteilung seiner Streifen beibehalten hat, durch pflanzliche Zu-sätze und Auswüchse, wie wir sie auch in Italien treffen, 3 sichjedoch von seinem rein linealen Vorbilde unterscheidet. DieDenkmäler der Lombardei, auf welchen das Kreisgeflecht in mehroder weniger analoger Form oder auch zum Kreisnetz erweitert,vorkommt, sind zahllos. 6 Die Tierfiguren in den Kreisflächenfinden wir dort gleichfalls z. B. in der Portalarchivolte von SanMichele zu Pavia. Die Zürcher Tiergestalten sind, wenngleichähnliche häufig und gerade, wo sie, wie hier, in ArabeskenzügenVorkommen, einzig decorative Bedeutung haben, doch wohlsymbolisch, als tierische Personificationen menschlicher Tugendenund Laster aufzufassen, oder, was das Gleiche ist, als die ver-schiedenen Menschenalter, denen diese guten und schlechtenEigenschaften innewohnen. Dafür sprechen auch die schon er-wähnten kleinen Köpfe verschiedenen Geschlechts neben ihnen.Bei solchen sinnbildlichen Darstellungen gelten die Vogelfiguren ge-
1 Vgl. Romussi, a. a. O. fig. 129.
2 F. de Dartein, a. a. O. fig. 14.
3 E. A. Stückelberg, Longobardische Plastik, p. 20.
4 Max Gg. Zimmermann, a. a. 0 . p. 8.
5 Z. B. an den Portalen von S. Michele und S. Pietro in Cield’oro zu Pavia, Zimmermann, a. a. O. p. 23 und 27.
6 So z. B. in Pavia, Mailand, Ventimiglia, Corno, Ravenna u. s. w.