übereinandergestellten kastenartigen Vertiefungen gleichviel kleineReliefgestalten, deren Deutung nicht leicht ist. Jedenfalls müssendie sich in gleicher Höhe gegenüberstehenden Figuren in Zusam-menhang mit einander gebracht werden. Die beiden oberstenmännlichen Heiligen mit Nimben und Schriftrolle oder Tafel sollenwohl Apostel sein, doch könnte man in ihnen auch die Patroneder Kirche St. Felix und St. Exuperantius vermuten. Die unternvier Felder dürften zweimal das Thema von Sünde und Erlösungbehandeln. So wäre der bärtige Mann mit Horn und Speer alskriegerisches Weltkind, der bartlose mit langem, faltigen Gewandals warnend die Hand erhebender Priester aufzufassen. Die Ge-stalt unter dem Krieger hält eine Kugel in der Rechten, wohlden Apfel, das Symbol der Verführung, wie ihn am Portal vonSt. Jacob zu Regensburg die krokodilartige Schlange im Rachenträgt . 1 Als Gegenstück zu dieser Figur steht auf der anderen Seiteein Engel, welcher ein kleines, nacktes Kindlein, das Sinnbild dererlösten Menschenseele, in Händen hält. Die sechs Gestalten sindbisher noch nicht gedeutet worden, und auch unsere Deutung erhebtkeinen Anspruch auf endgültige Richtigkeit, doch kommt sie wohlden Gedanken des Bildners nahe. Dabei beachte man die Anord-nung : Rechts — vom Portal aus — die Vertreter des gutenPrincips, die Sinnbilder der Erlösung, links die Kinder der Weh,die Symbole der Verführung. Diese Art, die kleinen rechteckigenRelietbilder unvermittelt über einander zu stellen hat die roma-nische Kunst von der Decorationsweise altrömischer Bauten über-nommen, an deren Ueberresten wir sie noch häufig treffen.
Der auf die sculptierten Flächen folgende, rechteckige Ge-wändewinkel ist halbrund ausgefasst und mit einem Muster vonfederförmigen Blättern bedeckt, welches durch fünf kleine mensch-liche Masken unterbrochen wird. Rechts herrschen männliche, linksweibliche Gesichter vor. Das Ornament beider Seiten zeigt kleineAbweichungen von einander, der unterste Kopf links ist als ein-ziger in verkehrter Richtung angebracht. Die longobardischeFreude am Knüpfen und Verschlingen äussert sich an diesem
1 Abbildung bei Ad. Goldschmidt, Der Albanipsalter zu Hildes-heim und seine Beziehungen zur symbolischen Kirchensculptur desXII. Jahrhunderts.