II.
Die Basler Galluspforte.
Wir werden gut thun, ehe wir an die Betrachtung anderervollendeterer Werke gehen, noch einen scheidenden Blick auf dieeingangs behandelten Sculpturen zu werfen. Haben sie doch denWert für uns, dass sie als Gradmesser künstlerischen Könnens zudienen vermögen. Was uns ohne die vorhergegangenen Erör-terungen vielleicht selbst noch geringwertig erscheinen würde, ge-winnt so mit einem Male an Bedeutung, und wir werden desgrossen Abstandes inne, welcher es von den besprochenen Wer-ken trennt.
Die Mitte des XII. Jahrhunderts war lange überschritten, alsdas majestätisch auf stolzer Höhe am Rhein gelegene Münster deralten Bischofsstadt Basel ein neues stattliches Seitenportal erhielt,welches ein günstiges Geschick unversehrt bis auf den heutigen Tagerhalten hat. (Taf. II.) Es ist weitaus das schönste romanische Portalder Schweiz, eins der originellsten überhaupt. Die von reich or-namentierten Pfosten eingefasste Portal Öffnung wird oben durcheinen Architrav abgedeckt, auf welchem in Hochrelief Christus,umgeben von den fünf klugen und fünf thörichten Jungfrauen, dar-gestellt ist. Ueber diesem Thürsturze befindet sich die üblichehalbkreisförmige Lünette. In der Mitte derselben thront Christus,auf einem Faldistorium, wie es seit dem XII. Jahrhundert aufden Siegeln der fränkischen Bischöfe und Könige beobachtet