Druckschrift 
Die Basler Galluspforte und andere romanische Bildwerke der Schweiz
Entstehung
Seite
68
Einzelbild herunterladen
 

untere schmale Leiste, ein oberer mit Flechtwerk longobardischenGeschmacks übersponnener Rundstab mit verzierter Deckplattedarüber, sich auch um die dicken Halb- und schwächeren Drei-viertelsäulen an den Endseiten des Vorbaues legt.

Die arg zerstörte Fries trägt in Blattwerk wandelnde Tier-figuren, die Kapitelle der den pfeilerartigen Mauervorsprungen anden Portalbau-Ecken Vorgesetzten Halbsäulen fast unerkennbareSculpturen. Das Rechte zeigt auf jeder Ecke zwei Löwenkörper,deren gemeinsamer Kopf in die beiden Schwänze beisst, eineDarstellung, wie wir sie nicht nur in Frankreich, sondern auchin Italien, wie z. B. an der Fagade von San Simpliciano und imAtrium von Sant Ambrogio finden . 1

Das linke Kapitell trägt die sitzende Figur eines gekröntenMannes, welcher mit dem Bogen ein aufs Knie gestütztes Saiten-instrument streicht, zwischen zwei hockenden Ungeheuern, eineGruppe, an der König David, Daniel in der Löwengrube und diealtchristliche Darstellung Christi als der die wilden Tiere durchsein Spiel besänftigende Orpheus gleichen stofflichen Anteil habenmögen . 2 An den Dreiviertelsäulen der Portalwand beobachten wirals Kapitellschmuck die aufrecht stehende Volute, wie die lombar-dische Plastik sie vielfach verwendet. 3 Die Knäufe der sechsSäulen an den Portalschrägen tragen teils in kerbschnittartigerTechnik gebildeten Blattwerkschmuck, teils die zwei vordersten Harpyienartige Wesen mit Vogelkörpern und Menschenhäuptern.An den nach innen ausgebuchteten Deckplatten sitzen die kleinender Antike entlehnten Rosettchen oder Köpfe. Oberhalb der Basenlegt sich um den Säulenstamm ein Ring von Blättern, wie er inder romanischen Architektur nur vereinzelt vorkommt, wie eraber, freilich grösser, plastischer und ausgebildeter, den römischenSäulenfragmenten in den Kuranlagen des benachbarten Badeneigen ist.

Ausserordentlich reich ist der Schmuck der Portalgewände.Die vordere breite Fläche derselben zeigt auf jeder Seite in drei

1 Abbildungen bei Komussi, Milano ne suoi monumenti, fig. 127und 220.

2 Vgl. die Zeichnungen F. Hegis, Mittl. d. ant. Ges. II, fig. 1 u. 2.

3 Vgl das Kapitell von St. Johann in Borgo, bei Dartein, Archi-tecture lombarde, fig. 24.