Druckschrift 
Die Basler Galluspforte und andere romanische Bildwerke der Schweiz
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

W

36

das auf beiden Seiten der Galluspforte oberhalb der Portalsäulendurchgehende Gesims geziert ist. Auch die Ranke, welche dieOeffnung der Basler Münsterthüre umgiebt und ja allerdings einweitverbreitetes Decorationsobject der romanischen Kunst ist,findet sich in Carennac, Le Mas dAgenais, Moirax, Monsempron(die letzteren drei Orte im Departement Lot-et-Garonne) undmehreren anderen Orten jener Gegend vor, ein Beweis, dass siezum ständigen Formenschatz der dortigen Portale gehörte.

Dem Factum gegenüber, dass wir so viel Gleichartiges andem Basler Portal und dem an romanischen Kunstwerken nochheute so reichen Südwesten Frankreichs feststellen konnten, er-scheint es sehr verlockend, an stilistische Uebertragungen zuglauben. Ein von einander unabhängiges Auftreten so viel ver-wandter Erscheinungen kann kaum angenommen werden, eineBeeinflussung andererseits hat garnichts Unglaubwürdiges an sich.Dieselbe hätte auf verschiedenen Wegen stattfinden können. Mög-licherweise garnicht einmal durch bildhauerisches Studium in einerfranzösischen Bauhütte, wenngleich dies das Wahrscheinlichsteist. Wand- und Buchmalerei, Erz-, Holz- und Elfenbeinbildnereikönnen ebenso gut ihren Teil daran haben. Ein Elfenbeinschnitz-fragment, die Anbetung der drei Magier darstellend, Labarthesieht in ihm einspecimen de la sculpture allemande du nord,XP siede, gehört ganz in die Sphäre der toulousanischenKunstübung, zeigt ins peinlich-kleinliche übersetzte Steinplastik,etwa von Souillac. 1

Und übersehen darf nicht werden, dass die statuarische Plastikvon Toulouse sowohl wie die von Basel neben ihrer zeitgenös-sischen Verwandtschaft noch einen gemeinsamen Ahnherrn imOrient, die byzantinische Kunst, hat. Von dieser lebte freilichauch Toulouse, aus ihr schöpfen ganze Centren mittelalterlicherBildnerei allerorten nicht nur in romanischer, nein auch noch ingothischer Zeit eine Fülle formaler Anregungen, wie fast jedeKunstepoche Elemente einer früheren übernimmt und in mehroder minder veränderter Gestalt weiter verarbeitet.

1 Abgeb. bei J. Labarthe, Histoire desarts industriels au moyen-äge,Album I, planche XV. Das Fragment stammt aus der Sammlung desFürsten Peter Soltykoff (Nr. 17 des Cataloges von 1861) und soll sichjetzt in London bei M. Webb befinden.

:ai_