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Art angefüllte, steinerne Zauberwelt nicht zu verkennende Früchtegezeitigt. Dem gewandten Plastiker bot sie überreiche Gelegenheit,sein Talent an der Darstellung von wildbewegten Tier- undMenschenkörpern zu schulen. Freilich, an der von uns betrach-teten Gruppe sind noch wenig erfreuliche Ergebnisse dieserSchulung wahrzunehmen, aber an andern gleichalterigen oder wenigjüngeren romanischen Gotteshäusern der Schweiz wird dies schonbesser. Eine eingehendere Naturbetrachtung, deren Folge eineanatomisch richtigere Bildung der Körper ist, und ein gereiftererSchönheitssinn lassen das Unerquickliche der dargestellten Stoffeübersehen. Wer denkt bei dem zierlichen Kapitell mit den paar-weise zusammengewachsenen Löwen- oder sonstigen Tierkör-pern, einer Darstellung der romanischen Kunst, welche sich zuunzähligen Malen in allen europäischen Ländern wiederfindet, nochan den ursprünglichen Sinn, und sieht nicht vielmehr in ihm eindecorativ äusserst glücklich wirkendes Gebilde? —
Etwas anders liegt der Fall mit der Ornamentik. Dieselbegeht in ihren Hauptmotiven, dem Laub-, Blatt- und Ranken werke,auf antike Vorbilder zurück. Ein Beweis dafür — wenn einsolcher erbracht werden muss — ist ihr Fehlen oder spärlicheresund späteres Auftauchen in diesen Vorbildern ferner liegendenGegenden. Aber was ist aus diesen Vorbildern geworden! Invielen Fällen mag den Schöpfern dieser Lokalkunst ein solchesOriginal-Vorbild garnicht zu Gesichte gekommen sein, sondernsie empfingen die Form erst aus zweiter, dritter, ja zehnterHand. Wo dies aber der Fall war — und in der Schweiz wares jedenfalls häufig — da war es nicht nur die ungeübte Hand,welcher die Nachbildung misslang, nein, das Auge des kunstbe-flissenen Mönches oder Laien war garnicht fähig, die Schönheitder klassischen Form zu erfassen, und so musste die Nachbildungeine rein äusserliche werden.
Dass die frommen Bauleute bei der Erfüllung der höchstenAufgabe der kirchlichen Kunst, den Heiland und die himmlischeJungfrau, die Engel und Glaubensboten darzustellen, vom bestenWillen beseelt waren, gottähnliche Gestalten zu schaffen, wirdbilligerweise nicht geleugnet werden können, und was für kläg-liche, plumpe und verrenkte Gestalten hauten sie aus ihren Steinenheraus!