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Ruh
Mangel der Bewegung, den Zustand des unbewegten Kör.perö. Wir bestimmen den Ort eines Körpers durch seineLage gegen andere Gegenstände, und nehmen also da Ruhean, wy wir keine Veränderung dieser Lage bemerken. Diesist fast allemal nur Schein; und die Dinge, die wir fürruhend halten, sind in der That Bewegungen unterworfen,deren Daseyn nur nicht gleich in die Lugen fällt, sondernerst durch Schlüße erkannt wird.
Man hat daher die absolute Ruhe von der relati-ven zu unterscheiden. Absolute Ruhe heißt das Behar-ren in ebendemselben Theile des ganzen Weltraums, oderder Mangel der absoluten Bewegung, s. Bewegung, ab-solute. Relative Ruhe hingegen ist Beharren in einer»ley Lage gegen einen oder mehrere andere Körper. Nachden Lehren der Sternkunde ist die ganze Erde mit dem Luft-kreise in steter Bewegung, und wahrscheinlich sind alle Welt-kärper überhaupt Bewegungen unterworfen; daher findetweder auf der Erde, noch sonst im Weltgebäude, eine ab-solute Ruhe statt, und alles, was wir für ruhend halten,ist nur in relativer Ruhe gegen uns oder gegen andere um»gebende Körper.
Dennoch müssen wir oft Körper als absolut ruhend be-trachten. Die Bewegung der Erdkugel um die Sonne undum ihre Axe find aller Materie auf der Erde längst mitge,theilt, und so eingedrückt (motus impreist), daß sie auf dieWirkungen einzelner Erdkörper in einander beym Druck,Fall, Stoß, Wurf u. dgl. gar keinen Einfluß haben. Manmuß also bey Betrachtung solcher einzelnen Bewegungen dieErde selbst mit allem, was seine Lage gegen ihre Oberflächenicht ändert, für absolut ruhend annehmen. Wenn einSchis ohne merkliches Schwanken fortgeht, so theilt sichdiese fsrtgehende Bewegung bald allen darauf befindlichenKörpern mit, die dadurch in eine relative Ruhe gegen eiruander kommen. Werden alsdann auf dem Schiffe einzelneBewegungen durch Kräfte hervorgebrachk (z. B. wenn manMaschinen auf dem Schiffe bewegt, Billard spielt u. dgl.),so erfolgen sie so, als ob alles in absoluter Ruhe wäre. Manwürde daher die Lehre von der Bewegung unnöthiger Weise