Man fülle eine nicht allzuweite Röhre ^8, Taf. X'lV.Fig. 2. mit Wasser, und verschließe ihre obere Qefnung ^mit dem Finger, so fließt das Wasser nicht heraus, wenngleich die Röhre bey 6 offen ist. Oefnet man aber auchbey
so fließt augenblicklich alles Wasser aus. Es ist dieFrage, was das Wasser trage oder zurückhalte, so langverschloßen ist? Im Finger kan die Ursache nicht liegen,auch nicht in dem Anhängen des Wassers an der Glasröhre,welches ja auch noch da ist, wenn man tk geöfnet hat. DieScholastiker sagten, die Natur lasse kein Wasser heraus, oderdie Materie des Wassers ziehe sich zusammen (mvilibili kn-niculo contrabitue) um den leeren Raum zu vermeiden, derbey ^ entstehen würde, wenn bey verschloßncr OesnungdasWasser ausliefe.
Es wird aber alles weit begreiflicher, wenn man an.nimmt, die Luft bey und k sey durch irgend etwas zusam-men gedrückt, und strebe sich auszubreiten. Ist dies, sowird sie nach der Richtung l!^ gegen das Wasser in L drü-cken, und dessen Gewicht tragen oder aufheben, wofern nurdie Qefnung 8 eng genug ist, um keine Zertrennung des^Wassers zu gestatten. Wird aber geöfnet, so drücktnunmehr die Luft bey ^ nach der Richtung /t8 eben so starkentgegen, die Wirkungen der Luft bey ^ und 6 heben ein-ander auf, und das Wasser fließt durch seine Schwere ausder Röhre.
Diese Vermuthung wird zur Gewißheit, wenn manstatt des Wassers Quecksilber nimmt. Ist alsdann dieRöhre /rk über 28 Zoll lang, so wird wirklich ein Theil desQuecksilbers auskaufen, bis die noch über 8 stehende Säuleeine Höhe von r8 Zollen hat. Diese Säule bleibt alsdannstehen, so lang verschloßen ist, lauft aber auch aus, wennman ä, öfnet. Dies zeigt deutlich, daß bey 8 ein Gegen-druck von bestimmter Größe geschehe, der gerade demDrucke einer 28 Zoll hohen Quecksilbersäule gleich ist. Die.sen Gegendruck muß man doch der Lust bey 8 zuschreiben,weil kein anderer Körper da ist, dem man ihn beylege»könnte.
Ist die untere Qefnung weit, wie 8Q, Fig. z., so sieht