ZUR REDE VOM KRANZE.
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Friede ist sein Werk, die unglücklichen Phoker und Thebanerhat er auf dem Gewissen, kurz alles Unglück, was über Griechen-land gekommen, hat allein er verschuldet, — ein Zerrbild, dasin seiner Übertreibung der Geschichte gegenüber sich selberrichtet. So herausgefordert wird D. nicht einen Augenblickangestanden haben den Kampf anzunehmen. Denn abgesehendavon, dafs er der natürliche Verteidiger von Ktesiphon war unddafs auch bei weit geringerem Mafse der Erbitterung es nichtin der Art eines Atheners lag, persönliche Verletzung ungeahn-det zu lassen, so konnte ihm nichts erwünschter kommen alsdiese Gelegenheit, sein ganzes Staatsleben vom Anfang bis zumEnde öffentlich zu rechtfertigen. Zwar jenes grobe Lügenge-webe zu zerreifsen, dazu bedurfte es kaum einer Rednergewaltwie der seinigen: wohl aber bedurfte es eines Charakters vonsolcher Reinheit und solcher sittlichen Würde, um dies mitgleicher Sicherheit, mit gleichem Vertrauen auf die Sache, undgegenüber einem leichtgläubigen, wankelmütigen und unter-wühlten Volke mit gleichem Erfolge zu thun. Freilich bat auchseine Rede, so vollendet sie in der Form ist, ihre Schattenseiten.Einmal gehören dahin die persönlichen Ausfälle gegen Aeschines,bes. §§ 129 f. 258 ff., welche an Gehässigkeit die des letzterenwo möglich noch überbieten und nur darin eine Art von Recht-fertigung finden, dafs Aeschines dieselben durch ähnliche An-züglichkeiten herausgefordert hatte, und in der That das sitt-liche Gefühl der damaligen Athener in einer Weise abgestumpftwar, dafs nur von dergleichen derben Mitteln der gewünschteErfolg sich erwarten liefs. Ebenso wenig mag verschwiegenwerden, dafs D. nicht immer, vornehmlich an Stellen wo es giltdie Schwächen der gegnerischen Politik blofszulegen oder dieder eigenen zu verdecken, — denn natürlich Iliacos intra murospec catur et extra — sich einfach auf das Thatsächliche beschränkt,sondern dasselbe zuweilen künstlerisch je nach seinen Zweckenmodelt und somit seiner Darstellung eine sophistische Färbunggiebt: indes hat er damit eben nichts weiter gethan als was alleanderen griechischen Redner thaten vor und neben ihm, undjedenfalls sind all diese Sophismen, da sie nicht einer schlechtenSache dienen, zumal den handgreiflichen Lügen des Aeschinesgegenüber, nicht im stände den Eindruck der Wahrheit, dendie Rede als ganzes macht, irgend abzuschwächen.*) Wirklich
*) Wie schwer es ist in diesem Punkte das rechte MaCs zu halten,zeigt L. Spengels Abhandlung „Demosthenes Verteidigung des Ktesiphon“iu den Abhh. der k. bayr. Akad. phil. CI. Bd. 10. S. 29—97, gegen