Ursern-Thal. 395
alle ihre Vorsteher ganz unabhängig vom Abte, undmufsten nur dafür ein Paar weifse Handschuhe dem-selben verehren ; der Ammann zog die Gefälle desAbtes ein. Die ganze Verfassung Ursärens wurdenach der des K. Uri gemodelt; das Völkchen regiertesich nach eignen Gesetzen, empfieng Jahrgehalte vonFrankreich und Spanien wie der K. Uri seihst, undbildete fast einen eignen Freystaat. Alle Rechte,welche Disentis noch besafs, kauften die Thalleute imJ. 1649. los, und beriefen 1687. Kapuziner zur Be-sorgung des Kirchendienstes nach An —der - Matt undRäalp , blofs um nur von Disentis auch bey Besetzungder Pfarreyen losgebunden zu seyn. Im J. 1754. wi-dersetzten sich die Thalleute der alten Uebung desKreuzganges nach Disentis mit offner Gewalt. Nach-her folgten sie wieder der alten Sitte bis 1780., wowieder darüber ein Anstand war; und nun glauben siesich durch die Mediationsakte vom J. 1803. ganz da-von befreyt. Vom J. 1798- an wurde Ursärn ganz mitdem K. Uri verschmolzen, lieber die neuste Kriegs-geschichte s. Andermatt , Allorf j Gotthard* **).
Schri fsteller. 'Stadler von Sursee, Kapuziner
*1 Da in allen geographishhen und geschichtlichen Schriftenüber Ursärn - Thal bisher die unvollständigsten Nach-
richten mitgctheilt wurden, so hat der V. diesen Artikelabsichtlich durch Aufzählung der Urkunden, welche so-wohl in dem (seit 1798. verbrannten) Archiv der' AhteyDisentis als in dem Kasten zu Ursären aufbewahrt wer-den , und durch die daraus sich ergehenden neuen Ge-schichtslhatsaclien verlängere.