ANLEITUNG, NÜTZLICHSTE UND GENUSSVOLLSTE ART Mit drey geätzten Blättern; welche die ganze Alponhette, toii dem Santi* im Kanton Appenzell an, bis hinter den Montblanc darslelleu ; nebst einem Titelkupfer, einer Sehweilzerkarte, einer Profilkarte, «nd einer Abbildung der befsten Art Fufseisen, auf Gletschern zu gehn. Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu München, der Naturforschenden Gesellschaft zu Zürich, und der Wet* terauischen Gesellschaft für die gesanimte Naturkunde. AUF DIE DIE S G II W E I ZU BEREISEN. von J. G. EBEL, M. D. VIERTER TIIEIL. Dritte sehr vermehrte Auflage. . Z U R I bey Orell, Füssli C H UND CoMPAetilt, J. G. EBEL, M. D. VOLLSTÄNDIGER UNTERRICHT ÜBER ALLE Naturschönheiten, geographische, physische, botanische und historische Merkwürdigkeiten, so wie über die mineralogische und geo- gnostische Beschaffenheit des Alpengebirges RER SCHWEITZ und der angrenzenden Theile von Savoyen, Piemont, der Lombardie, von Deutschland und Frankreich. Nebst einer geognostischen Karte über den Profil-Durchschnitt der Gebirge von Zug bis Am Stag im K. Uri. Als Zweyter Theil von der Anleitung, die Schweif/, zu bereisen. Dritter Abschnitt. P —Z. ZÜRICH OreT.1, Fiissu UND Co.M PÄONIE, i 8 i o. p. Palanza, Städtchen am westlichen Ufer des Langen - Sees im K. Italien. Ein gutes Wirthshaus dicht am See mit herrlicher Aussicht. Hier eine schöne Kirche. Auf dem Hügel Castagnuola trefliclie Standpunkte zu Ansichten des Sees, der Borromäischen Inseln u. s. w. Es sind hier römische Alterthümer gefunden worden (s. Callerati antiqua Novariensium Monumcnta). An der äufsern Mauer der Kirche St. Stephano sieht man eine römische Inschrift und Basrelief. — In der Gegend von I'alanza ist die Kirche der Madonna di Cam- pagna mit schönen Fresko- und andern Gemälden geziert. Palanza hat eine herrliche und sehr milde Lage. Von Palanza führt ein Weg längs dem Seeufer und am Fufs des Monte Rosso durch Suna (wo eine Niederlage der Gneifsplatten, Sarizzo oder Beola genannt, s. Domo d’Ossola ) nach Margozzo (s. Domo d'Ossola, Langensee , Borromüische Inseln ). Palenzer-Thal, s. Beilenzer - Thal. Pantenbruck, (s. Glarus ). Parpar, Dorf in Graubündten, an der Landstrafse nach dem Septimer und sllbula , 5 St. von Chur , auf der Höhe des Gebirges. Von hier durch die ienzer- 6 P AYERNE. Heide in 2 St. nach Lenz ( s. diesen Artikel). Auf der Lenzer-Heide herrschen im Winter sehr schneidende Winde und Kälte, wodurch der Pafs bisweilen gefährlich ist. Geognost. Thatsaclien. Auf der Höhe von Farpan zeigen sich 'Haufen von grofsen Granitblöcken und andern Urfelstrümmern aufgehäuft, welche wahrscheinlich von dem Septimer und Julier durch das Oberhalbsteiner —liieher gewälzt worden seyn müssen; denn alle Gebirge umher bestehen aus Kalkstein, Schiefer und rother Grauwacke (s. Davos). Mineralogie. In dem rothen Horn oberhalb Parpan war ehmals ein Bergwerk auf Silber und Gold , welches die Vertemati aus Plurs bearbeiten liefsen, und das 1618- aufgehört zu haben scheint. Man findet viele verlafsne und verschüttete Gruben. Die Gewerkschaft Demengha hat im J. 1806. eine alte Grube, nicht weit unter den Kamm des Berges, 70 Klafter lang aufräumen lassen. Nicht weit von der Oeffnung bricht goldhaltiger Schwefelkies , in der Tiefe Kupferfahlerz. Dasselbe Erzlager soll unten im Thale zwischen Parpan und Lenz wieder ausbcifsen. Das Grubenholz mufs 2 St. weit zu der obern Grube hinauf- getiagen werden. Payern e (Peterlingen ), Stadt im K. AVaat, an der Landstrafse von Bern nach Lausanne. — W r irths- bäuser : Stadthaus , Bär. — Geschichte. Marius, ein burgundischer Edelmann, baute im VI. Jahrhundert auf seinem Boden * PAYERNE. einen Hof und eine Kirche, welches der Anfang zur Stadt Payerne war. Er wurde 581. Bischof von Avcnche, zog nach Lausanne und hinterliefs eine Kronik seiner Zeit (s. Lausanne ). Im J. 962. liefs die Burgundische Königin Bertha, (Tochter Burhards , Herzogs von Alle- mannien, Mutter des Burgundischen Königs Conrad, und, nach dem Tode ihres Gemahls Rudolphs II. Gemahlin Hugo’s, Königs von Italien) aus den Trümmern des alten Aventicum den hiesigen Münster (jetzt zum Kornhaus umgewandelt) erbauen , welcher von ihr und ihren Söhnen grofse Güter, unter andern auch Colmar und andere Orte im Elsafs, erhielt. Bertha liegt in dem Münster begraben, und ihr Testament im Archive zu Bern. Payerne kam in Aufnahme, während die Burgundische Könige vom Hause Sträflingen hier lebten. — Im J. 1126. wurde der letzte Graf Burgunds, .Wilhelm IV. (dessen Mutter Agnes, Gräfin von Zähringen, war) mit seinem Hofstaate in Payerne ermordet, worauf Conrad -von Zähringen Statthalter von Burgund wurde, welches dieses Haus zur höchsten Macht in Ilelvetien erhob (s. Bern ). Merkwürdigkeiten. Man zeigt hier noch den Sattel der Bertha; man sicht darin ein Loch, in welches sie ihren Rocken steckte, an dem sie während des Spatzierreitens spann. — Nahe bey der Stadt, auf der Brücke von Beim, sieht man eine römische Inschrift. — In der Nähe von Payerne wird seit der Mitte des XVIII. Jahrhunderts Tabak gebauet, während in der letzten Hälfte des XVII. Jahrhunderts das Ta- /r Pedenoss. 8 bakrauchen in dem K. Bern den Lastern der Völlereyj' Hurerey und des Ehebruchs gleichgesetzt, und mit hohen Geldstrafen und Prangerstellen bestraft wurde. In der Nahe hey Praberg ist eine eisenhaltige Quelle. Wege- Von hier nach Moudon z St. Nach Avenche z St. Nach Freyburg südöstlich, und nach dem schön gelegnen Estavayer am Neuchateler - Sec westlich, nur wenige Stunden. Pedenoss (Val de) s. VForms. Peteblingen s. Payer ne. Peters-Insel s. Bieler-See. Petebs-Thal, in Graubüudten, der östliche Arm des Lugnetzer -Thals (s. diesen Artikel). Peterzell, Dorf in der Landschaft Toggenburg, an der Landstrafse von St. Gallen und Herisau nach Glarus und Zürich. — Ein gutes Wirlkshaus hier. — Von hier führt ein Fufsweg über den Hem- Berg, auf welchem hin und wieder gute Aussichten sind, in 3 St. nach hVattn-yl, wohin es der Fahrstrafse nach viel weiter ist. Pr ae fl kon, im K. Zürich, am nördlichen Ufer des Sees gleichen Namens, 4 St. von Zürich , 1 St. von Greifensee , am Wege nach den Allnwns - Bergen und dem Fischen - und Bauma - Thal. Der See ist 1 1 jz St. lang, ^3 St. breit, und die Aa fliefst aus demselben nach dem Greifen-See hin. Seine Ufer sind mit Hügeln umgeben; er ist aber nicht so reitzend, als der Greifen-See-, ernährt viele Fische, besonders Karpfen und Hechte. Die feste Burg von Pfeffikon wurde 1386. I Pfeffikon; g von den Zürcliern zerstört, als Herzog Leopold von Oesterreich den Krieg gegen die Eidgenossen begann. Pfeffikon, Dorf im K. Schrrytz , zwischen dem Zürcher - See und dem Fufs des Ezels , an der Land- strafse von 'Zürich nach Glarus und TVcscn. Geschichte. Es gehörte ursprünglich dem Kloster Einsiedeln , und bis hieher erstickte sich vor dem J. 1444. der K. Zürich, Dieser Ort ist merkwürdig, weil die Eidgenossen in den ersten Bürgerkriegen sich hier zum erstenmal gegenseitig todtschlugen. Als wegen der Toggenburgischen Angelegenheiten ( s. Toggen- hurg) zwischen Schtvytz und Zürich gegenseitige Erbitterung gewachsen war, so stieg der Argwohn (i 4370 gegen Schvrytz so sehr, dafs Zürich in Pfeffikon 1800 M. aufstellte, während es die österreichischen Burgen im Sarganser - Lande wegnahm, zerstörte und die Landleute hier unterstützte. Schrrytz besetzte den Ezel , die March und Vznach, Die Eidgenossen vermittelten einen Stillstand. Wie derselbe ohne Beyle- gung des Streits verflossen war, so sandten die Zürcher von Pfeffikon am 5. May 1439. den Schrrytzern auf den Ezel die Fehde, und zum erstenmal flofs liier Bürgerblut. Die herbeyeilenden Eidgenossen und Gesandte von vielen Städten des Elsafs vermittelten wieder Stillstand auf ein Jahr. Im Anfang des Novembers des J. 1440. erhielt hier in Pfeffikon der Zürcher- Bürgermeister Stüfsi die Fehden von Schyyytz und Glarus (s. Lachen ). Die Schwytzcr fielen unter Ital Reding 3000 M. stark vom Ezel herab auf die 6-7000 IO Pfeffikon. Zürcher in den Wiesen ob Pfeffikon. Die Fehden von Uri und Unterwalden langten zu gleicher Zeit an, und dies verbreitete ein solches Schrecken, dafs in der folgenden Nacht alle Zürcher in gröfster Verwirrung über den See zurückzogen. Die vreifse Burg von Pfeffikon ergab sich , und alle Einwohner der Hofe (Pfeffikon , IVo/rau und andern Ortschaften) bisher an Zürich gehörig, schwuren an Schwytz. Nun sandten auch Luzern , Zug. Bern , Fehde gen Zürich , und die Seeufer des K. Zürich wurden eingenommen (s. Zürich). Im May des J. 1443. brach der Bürgerkrieg der Eidgenossen gegen Zürich und zugleich Krieg gegen Oesterreich von neuem aus. Die Schwytzer verbrannten Hürden und die Rapperswyler- Brücke, weil sie von der österreichischen Besatzung in Rappers- wy! viel zu erdulden hatten. Zwey Tage nachher das erste Gefecht bey Freienbach zwischen den Schwytzern, Zürchern und Rapperswylern ; die letztern eroberten es zweymal, und wurden zuletzt in die Flucht geschlagen. Zwey Tage nachher der harte Kampf am Hirzeiberg ( s. Hör gen ). Wege. Von Pfeffikon geht links der Weg nach Hürden auf einer langen Erdzunge, über die Rappers*- wyler Brücke nach Rapperswyl; bey stillem Wetter und mit gesetzten Pferden kann man die Kutsche über die Brücke führen lassen; doch ist es gerathen, nicht in der Kutsche sitzen zu bleiben. Rechts geht die Landstrafse nach Altendorf und Lachen (s. Lachen). Hinter Altendorf öffnet sich die Aussicht auf den Pfeffers - B AID. II o lern Zürcher-See. Nahe hey Altendorf stand schon im 7 2 * ^i e Burg Alt-Rappersrryl , Stammsitz der Grafen von Rappersvryl , welche 1550. von den Zür- chern, bald nach der Mordnacht in der Stadt Zürich, woran der Graf von Rappersrryl Theil hatte, zerstört wurde. Es geschah hier 1704. ein Bergfall, wodurch Wohnungen und Wiesen verschüttet wurden. Von Altendorf führt ein Fufsweg in 1^2 St. auf den Ezel (s. Ezel). Von Pfeffikon durch Freienbach, Bach nach Richtersivyl längs dem See (s. Rlchtersyiyl ). Pfeffers - Bad, in der Landschaft Sargans , K. St. Gallen; wegen seiner Lage äufserst merkwürdig und sehenswerth. Den W eg dahin s. man unter dem Art. Ragatz ). Das Bad liegt in dem gräfslichen Schlunde der wilden Tamina , in welchem man auf steilem und übelm Fufspfade % St. lang hinabsteigt. Die Badehäuser stehen dicht am linken Felsenufer der Tamina ; gerade gegenüber südlich, in einer Entfernung von 150 Fufs, steigen nackte senkrechte Felswände 664 F. empör. Bey hellem Himmel geht für das Bad selbst in den Monaten Juli und August die Sonne um 11 Uhr auf, und verschwindet um 3 Uhr. Die Quelle des Heilwassers liegt 6 - 700 Schritte von den Badehäusern nach SW', in einem fürchterlichen Schlunde, welcher zu den sehenswerthesten Natursccnen der ganzen Schweitz gehört, wovon weiter unten. Geschichte des Bades. Die Quelle soll von dem fürstlichen Jäger, Karl von Ilohenbalhen , im _J. 1038., nach Mcynung Andrer 1240. entdeckt wor- v j2 P FEFFEBS - B AD. den seyn. Gewifs Ist, dafs vom J. 1500 . an ununterbrochen Spuren in dem Archiv des Klosters Pffjffers angetroffen werden. Bis zum Anfänge des XV. Jahrhunderts gebrauchten die Kranken das Bad an der Quelle selbst, in welchem sie 7 Tage lang ununterbrochen sitzen blieben , darin afsen und schliefen, weil das Hinunter- und Heraufsteigen so gefährlich, und noch keine Hütte angebracht war. Als endlich ein Gasthaus angebracht wurde, so stieg man mit Hülfe von Leitern und Stricken durch eine Oeffnung des Daches in das Haus. Später wurden Felsen gesprengt, Treppen eingehauen, und im J. 1535. liefs der Fürstafct Russinger (aus Rappersvryl gebürtig) eine über 50 Schritt lange Brücke in einer Höhe von 90 Klaftern über die Tamina an der Südseite des Schlundes anle- gen, zu der man sich von der Valenzerseite bis auf 60 Fufs, von der andern Seite bis auf 600 Fufs sich nähern konnte. Allein die Lage des Gasthauses blieb immer abschreckend. Nachdem herabwälzende Felstrümmer diese jämmerlichen Anstalten zerstört hatten, sann man auf bessere Benutzung der Heilquelle. Johann blader (von Pläfs im K. Graubündtcn) durchsuchte den Schlund, und rieth, an dem jetzigen Orte das Badhaus zu erbanen. — Johann Reisch , damaliger Badmeister, durclmadete im Dezember des J. 1G2S. das gauze Bett der Tamina , von der Quelle abwärts bis an den Ort, wo sich der Schlund etwas öffnet. Hierauf liefs Jodohus Höslin , Abt des Klosters Pfeifers, im J. 1630- an diesem Orte Hütten erbauen, und die Pfeffers-Bad. llir- der er- 'eil md ein ülie du *P. ftaif 5 » TO le- oui sich bW> ftls* itt#i , i<>- Inrch' ,0tt« ftü- ;> «H* Bit* tjt & \v i3 Wasserleitung von der Quelle an bis hieher errichten ; in fünf Monaten waren alle Löcher in den Felsen getrieben, die hölzernen Röhren gelegt, und die Brücke vollendet; nur ein einziger Mensch stürzte bey diesen gefährlichen Arbeiten, und brach den Arm. Im Anfänge des XVIII. Jahrhunderts lieis das Kloster diesen Ort durch Sprengung der Felsen erweitern, und das grofse und kleine Badehaus von Grund auf aus Steinen aufführen; im J. 1716. war Alles vollendet. Beyde Häuser können 3 - 400 Kurgäste fassen. Die Zimmer sind schlechte, mehr oder minder dunkle Kammern; die Eck-Zimmer in beyden Häusern ausgenommen. Das sogenannte Fürsten-Zimmer ist das geräumigste und ruhigste, indem man hier von dem Rauschen der Tamina wenig hört, liegt aber im zweyten Stock des grofseu Hauses. Das östliche Eck-Zimmer des ersten Stocks im kleinen Hause ist das einzige, in welchem ein Ofen steht; sonst findet man in keinem weder Ofen noch Kamine, welche bisweilen bey rauher Witterung manchem Kranken sehr erwünscht seyn würden. Die südwestlichen Eck-Zimmer des kleinen Hauses geniefsen unter allen die befste Aussicht, nämlich nach der Brücke und dem schwarzen Tarni/t-Schlund, aus welchem die Wasserleitung hervorkömmt ; aber auch nirgends hört man des Nachts das Brausen und Toben der Tamina so stark als hier. Die Bäder sind in dem untern Theil des kleinen Hauses; deswegen ist für die, welche Badekuren machen wollen, rathsam, Zimmer in dem kleinen Hause zu miethen. In jedem Zimmer stehen WWfc^ ? ■ .Ti*'.-.. l/j P F Er r ER S - B AD. j -4 Betten, und diese kosten wöchentlich 5 -y Gulden. Diejenigen, welche dieses Bad gebiauchen wollen, müssen in den ersten Monaten des Jahres an den Badedirektor im Kloster Pfeifers schreiben, und die Anzahl der Zimmer bestellen, damit sie nicht in den Fall kommen, die dunkelsten und unangenehmsten Kammern nehmen zu müssen. Die Kurgäste speifsen zusammen, Mittags um r 1 , und Abends um 6 Uhr ; die Mahlzeit kostet ohne Wein 1 Gulden. Alles ist hier mittelmä- fsig ; und die Tafel war (im Sommer 1801. wenigstens) sehr schlecht, blofs wegen übler Einrichtung und Nachlässigkeit. Deswegen ist es sehr anzuratheo, sich, mit gutem Wein, Kaffee, Thee , Chokolade und andern Bequemlichkeiten zu versehen*). Das Brodt ist gut; die trefiiehste Milch, Rahm , Butter, Erdbeeren , kann man täglich von den Alpen durch Falerner - Bauernweiber holen lasssen**). Beschaffenheit des Heilwassers, der Bäder und Kurart. Die Quelle liegt 6-700 Schritte von dem Badhause im Schlunde, wo sie aus den südlichen ") Allo Kisten gehen, von Zürich aus, den gröfsten Theil des Weges zu Wasser, und nur wenige Stnnden werden sie zu Wagen , Rofs oder Schlitten nach Pfeifers fortgeschafft. Der Lohn der Träger über den [bcschwerlich- liclisten Strich von Ragatz bis ins Bad, 1 1 j~i St., ist genau bestimmt, **! Da während meines zwejmonatlichen Aufenthalts im J. Igo'- mein krauker Oheim, dessen Heilung ich übernommen hatte, eine eigne Diät bedurfte, so mufsten wir unsra Küche selbst besorgen; Forellen, Gcllügel, \ PFEFFERS -B AD. 15 Felswänden hervorkömmt ; den Weg dahin s. man weiter unten. Sie fliefst nur im Sommer, und erscheint bald früher bald später; die Menge ihres Wassers richtet sich nach den sehr heifsen , trocknen, oder den regen - und schneereichern Jahrszeiten, und hört im Herbst auch nicht immer zur nehmlichen Zeit auf. Sie giebt gewöhnlich in jeder Minute 1400 Maafs Wasser, bey der Quelle selbst von 30 0 Wärme , und in den Bädern nie unter 28 aber öfters 29 0 Reaumur. Das Heilwasser ist ohne Geruch, Geschmack ünd Farbe, krystallhell, rein und äufserst leicht ; es setzt nie etwas auf den Boden ab, und behält seine Lauterkeit zehn und mehrere Jahre in verstopften Flaschen. Viele, besonders zarte Personen, bemerken nach dem Trinken desselben leichten Schwindel und eingenommenen Kopf, und bisweilen bewirkt es starke Oeffnungcn. Nach H. Morells Untersuchung enthält eine Flasche: Selenit x Gran, Glaubersalz Sjjg Gr., Bittersalzerde % Gr., Kalkerde ^3 Gr., Extraktivstoff und Kalksalpeter fw Gr. Nichts weiter zeigen die chymischen Rcagentia ; und Wild, gute Gemüse, brachten uns dazu bestellte Boten, theils aus dem Taminathal, thcils aus Meienfeld , Jenins, Malans in Graubündlen. Rindlleisch erhielten wir aus dem Schlachthause des Bades, und manche andere Zu- thaten wurden aus Chur geholt. Da in der Badküche kein Platz war, so mufsten unsre Speisen in einem unsrer Zimmer über Kohlenfeuer bereitet werden ; ohner- achtet dieser Unbequemlichkeiten war unser Tisch für zwey Damen und zwey Herren recht sehr gut. Ich führe dies nur deswegen an, damit andre Kranke in ähnlichem Fall unser Bey spiel nachahmen können. i 16 Pfeffers-Bad, doch ist die Wirksamkeit dieses Wassers zur Heilung einer Menge verschiedenauiger langwieriger Krankheiten, durch die Erfahrung mehrerer Jahrhunderte aufser Zweifel gesetzt, und geniefst deswegen in und aufser der Schweitz einen ausgebreiteten Ruf. — Die Kur der Kranken besteht im Trinken oder Baden, oder beydes verbunden. Die Trinkstube ist nicht angenehm; sie liegt tief, und ist nicht sehr hell. Der Bader giebt es nur sechse ; jedes bildet ein gemauertes und gewölbtes Zimmer mit lest vernagelten Fenstern, so dafs der aufsteigende Dunst von dem stets zuströmenden Heilwasser sehr stark wird, welches für manche zarte Personen im höchsten Grad erhitzend und schädlich ist, wenn gleich das Bad selbst ihnen sehr wolil- thätig seyn würde. Man badet einzeln und gemeinschaftlich; aber in letzterm Fall doch nicht vermischt, wie in den Bädern zu LeuJs. Die Kranken gehen Vor - und Nachmittags ins Bad, und bleiben 2-7-10 St. darin, wenn Erregung eines Hautausschlags der Zweck ist. Alle Sonnabende strömen grofse Haufen von Landleuten aus allen umliegenden Gegenden, besonders Graubiindtens herbey, welche bis Montag früh in den Bädern schwitzen und schröpfen. Die Badezeit beginnt in der Mitte Juni, und hört mit Ende August auf. Die Abtey Pfeifers, welcher dieses Bad gehört, hält hier für die ganze Kurzeit einen Arzt und Chirurgen , und läfst die ganze Wirtschaft durch einen Amtmann besorgen *). *) W tirden die W ege besser und bequemer gemacht, wel- // Pfeffers,- Bad. « 5 . *b*; u/ie >tser Kur ÜJn und , so jmtu- UDCht iäi- ,U- itil- scbt, •eben 7 - lt I"! * Bji» *,* kJ? *7 Unterhaltungen, Ruheplatze. In dem Badhause selbst giebt es keine Unterhaltung für die Gaste, als; in den langen Gängen bey Regenwetter zu spazieren, und Billard zu spielen. Vor dem grofsen Badhause giebt es ein Plätzchen, wo man 50-60 Schritte auf ebnem Boden spazieren kann; sonst mufs man stets auf einem übcln, aufserst schlecht unterhaltnen Wege steigen, obgleich es sehr leicht wäre, die Wege und andre Anlagen recht gut zu machen, weil das Gebirge ein zerreiblicher Schiefer ist. — Angenehme Sitzplätze nahe bey dem Hause sind: 1) Das Käuzlein (kleine Kanzel}. 2) Etwas höher die Anlage des Italieners , welcher im Bade Galanteriewaaren verkauft. 5} Acht Minuten weiter rechts die Solitiide . 4) Jenseits der Tamina - Brücke unter dem Felsengewölbe, wo das ches ohne aufscrordentliche Kosten recht gut einzurichten wäre (man könnte sogar von Jiugatz eine Strafse führen, welche für kleine Wagen bis zum Bade fahrbar wäre; und würde die innre Wirthsehaft des Badhauses , von der Gasttafcl an bis zu den Bädern, mit zweck- tnäfsiger Aufmerksamkeit, zur Bequemlichkeit und Zufriedenheit der Kurgäste geführt, so könnte die Abtey zuverlässig beständig auf eine grofse Menge von wohlhabenden In- und Ausländern rechnen, welche gegen ihre Gebrechen und Krankheiten hier Heilung suchen würden, und dadurch ihre Einkünfte aus diesem Bade weit höher bringen. Verpachtung auf 20- 3 o Jahre wäre das befste Mittel, dem Bade alle die Verbessci ungen zu verschaffen, welche es verdient; denn für einen solchen Zeitraum würde man gern ansehuliche • Summen daraui verwenden, in der gewissen Hoffnung, seine Auslagen mit reichlichen Zinsen wieder erhalten zu können. ir. f 1 2 PtEFFERS-BaD. iS Heilwasser in Flaschen zum Versenden gefüllt wird. Dieser Platz ist bey Sonnenlicht nach dem Mittagessen überaus malerisch ; man sitzt unter nackten Felsenwänden, an denen im Monat August einige schön blühende Alpenrosen hängen ; dicht dabey die tobende Tamina und die Brücke ; gegenüber an schwarzen Felsen das helle Laubgrün von Ahornen und Buchen; links der schwarze fürchterliche Schlund, dessen Schrecknissen der Strom stürzend entflieht; rechts eine vom Sonnenlicht erhellte Fernsicht der etwas erweiterten Kluft. Tamina - Schlund, einzig in seiner Art, und herrliche Marmorhöhle in demselben. Wenige Schritte von diesem Sitze ist der Eingang in den Schlund, welcher eine Ansicht gewährt, die in der ganzen Schweitz und vielleicht in Europa einzig ist. Die lebendigste Einbildungskraft kann den Eingang in die Hölle nicht so gräfslich malen, als die Natur hier gebildet hat. Durch diesen Schlund führt ein Brettersteig, auf Keilen, welche in die steilen Felswände eingetrieben Sind, ruhend, und über die Tamina , welche 30-40 Fufs gerade unter den Füfsen wüthend zischt und tobt, hängend, 6-700 Schritte lang ^ oder *j 4 St. Zeit, indem man mit gröfster Behutsamkeit gehen mufs ) bis zu der Quelle des Flcilwasscrs. Da, wo der Steig liegt, ist der Schlund 30 Fufs breit, und wird nach dem Strom abwärts enger; die Seitcnfelsen, die in mannigfaltigen Krümmungen gespalten und durchsägt sind, steigen 200 F. in die Höhe, neigen sich wie ein Dohm gegen einander, und sind da, wo sie voll- kommen schliefsen, 390 F. hoch ; ihr Gestein ist scwarzer Kalkstein mit weifsen Kalkspathadern. Das graue Licht, welches den Eingang noch erhellt, geht' tiefer in den dunkelsten Schatten über, und eine feuchte sehr kühle [Luft verstärkt das Schaudern des Wandrers. Bald kann man, der überhangenden Felswände wegen, nicht aufrecht gehen, bald zu weit entfernt davon sich mit den Händen nicht anhaltcn ; der Steig ist schmal, oft schlüpfrig, und bisweilen trennt nur ein einziges Bret von dem schwarzen Abgrunde der Tamina, Wer Muth und schwindelfreyen Kopf genug hät, um diesen ''entsetzlichen Gang zu wagen, inufs trocknes Wetter dazu wählen, damit die Breter nicht schlüpfrig sind, und am hellen Mittage, langsam und bedächtlich, ohne Stock die Wanderung antreten; das sicherste Mittel, ohne Furcht bis zur Quelle zu gehen, ist, zwischen zwey Männern zu gehen, welche eine lange Stange nach der Seite des Abgrundes halten, an die der neugierige Wandrer sich hält. Die Quelle liegt noch jenseits der Brücke, über welche der Weg nach dem Kloster führt ; gerade unter derselben ist der Schlund oben ganz geschlossen, und dieser Ort wird deswegen der BeschlnJ's genannt ; jenseits öffnen sich die Felsen wieder, und man sieht bald an dem aufsteigenden Dampf, wo die Quellen in den südlichen Felswänden liegen. Nur die unterste nnd gröfste Quelle Wird in einer Höhle, welche 24 Fufs lang, 8 - 10 Fufs hoch, und 4 F. breit ist, gesammelt. Hier bemerkt inan auch noch in den Felsen die Löcher, in welche 20 Pfeffers - Bad. Balken von einer Wand zur andern eingelegt Vvaren, auf denen die ältesten Badhütten schwebten. Ueberall in diesem Schlunde sieht man die deutlichsten Spuren des seit Jahrtausenden die Felswände durchnagenden Stroms. Viele durch das Wirbeln des Wassers hervorgebrachte Aushöhlungen bemerkt man an den Seitenwänden der Felsen; die merkwürdigste dieser Höhlen liegt gerade unter dem BesckluJ '.>■, an der linken Seite der Tarnina; sie ist 5-4 Fufs über den jetzigen Wasserstand des Stromes erhaben, mifst 28 Fufs in der Tiefe, 35 F. in der Breite und 24 F. in der Höhe, und ist gewifs die herrlichste Marmorhöhle, welche man sehen kann. Ich lade Jeden , der den gefährlichen Gang bis zur Quelle nicht machen will oder kann j ein, wenigstens von der Thüre des Einganges 40-50 Schritte hinein zu gehen, dort auf die Wasserkanäle sich zu setzen, und die Höllen-Fernsicht dieses unterirdischen Schlundes nach Mufse zu geniefsen. Die Wirkung ist bey hellem Himmel zwischen is-ij 1 » Uhr am aufserordentlichsten, weil alsdann die hin und wieder eindringenden Lichtstrahlen das Grausende dieser Kluft destomehr hervorheben; und das Ganze wird zum wahresten Höllenbilde, wenn mehrere Personen, die sich hineingewagt haben, von der Quelle zurückkom- men. Ist es gerade in der eben angegebnen Stunde der Beleuchtung, so sieht man auf dem Ruhesitze, 40 - 50 Schritte vom Eingang, in der schwarzen I’erne bewegende Schattengestalten erscheinen, an manchen Punkten plötzlich im Licht glänzen , und den folgenden Augenblick wieder im Schatten versinken. Pfeffers -15aü. 21 kr: um den or- ilea eite r as- der öte, uw heu «i 5 » nie ter- D\t :» sif- sieff roß die io»- ji«^ tjssf' & * 'W Spazi er gänge. Sehenswert her W a s s e r - fall der Tamina, 2 St. von Valenz. Kalfeu- ser-Thal, und dessen eh malige Riesenbewohner. Am schnellsten findet man vom Bade aus reine Bergluft und freyen Gesichtskreis , wenn t man von der Ruhebank der Solitiide dem steilen Fufswege auf die Höhe des Hügels folgt, der den Namen Ga~ landa - Schau verdient, weil man hier den pyramidenförmigen und wilden Galanda erblickt, ehe man noch ganz auf dem Hügel ist. Hier findet man immer Unterhaltung; längs dem schmalen grünen Rücken führt ein l'ufspfad an das östliche Ende, wo zwey alte Tannen über den fürchterlichen Abgrund der Tamina - Kluft hängen; auf der andern Seite liegt ein schön bewaldetes Tobel. Folgt man dem Fufspfad nach IV. äufserst angenehm zwischen jungen Lerchenbäumen, so theilt er sich in drey Wege: der erste , rechts abwärts über einen kleinen Bach, führt zwischen dichtes Gebüsch und dann unter Waldbäumen recht romantisch einsam ^ St. weit, fast ebnen Fufses fort; ver- läl'st man diesen Weg bald hinter dem kleinen Bach, und wendet sich rechts in das Tobel hinein, so gelangt man in ein prächtiges und kühles Waldgewölbe, wo einige geognostisclie Merkwürdigkeiten sind, wovon nachher. Der zvreyte Fufsweg zieht sich, auch angenehm, ziemlich eben zwischen Gebüsch fort. Der dritte steigt westlich aufwärts unter hohen ferchen, führt über die Stapfeten eines Zaunes, dann über schöne Bergwiesen links nach Heuhütten, rechts auf- 22 Pfeffers - Bad. war; auf die Höhe , wo die Gemüse - und Getraide- felder von Valenz sind. Hier ist ein herrliches Plätzchen, um das Schauspiel dieser grofsen Gebirgsnatur recht zu geniefsen. Die wald - und wiesenreichen Bergseitei mit ihren hängenden Häusern, das wilde Tobel zu den Füfsen, der fürchterlich zerrifsne aber stolze 8253 F. übers Meer gelegne Calanda , der alpenreiche Monleluna mit seinen Hütten, die Va-lenzer- Berge, und zwischen beyden die nackten schauderhaften Grauen - Hörner mit ihren Gletschern — auf der entgegengesetzten Seite nach O. die Strafsen nach Ra- gatz und dem Kloster Pfeffers , jenseits des Rheins hinter Meienfeld, Jenins, Malans und Sewis in Grau- bündten das prächtige Felsenende des Rheticon, wo sich die Scesa plana 9207 F., der Augstenberg oder Silvan 7356 F., der Falknis 7605 F., der Geirenspitz auf dem hohen Kamm über Meienfeld 7824 F., die Guscheralp *) ( oberhalb Luziensteig ) 5573 F., an deren begrasten Wänden das Dörfchen Guschen hängt, der pyramidale Fläscker -Berg 3134 F,**), und die fernen Gebirge nach Feldkirch geben eine unerschöpfliche Mannigfaltigkeit von Ansichten. Unbeschreiblich herrlich *) t’elicr dieses steile Gebirg stiegen von Feldkirch die Oesterrcicher im May 1799., und machten die Franzosen in dem Pafs des Luziensteigs zu Gefangnen (s. Feldkirch, Luziensteig ). Alle diese Höhen sind nach den trigonometrischen Messungen des lim. Magister Roseh angegeben, welche 180g. in der Alpina Th. XV. bekannt gemacht den sind. wor- Pfeffeks-Bad. % PW latic ■heu ilde iter ien- ur- der- [ der Rn- Iheiai raa- wo dei eil s die dem , der fern ® ! M»" trrÖ ■A 1 » Fr#* (K* 1 " 23 ist die Beleuchtung dieser Felsen und besonders des Fläscher - Bergs bey Abend. Schon allein das Spiel der Wolken um alle diese hohe Felsen - Häupter ist immer neu und unterhaltend. Alle Abende gegen 6 Uhr wallet eine grofse Heerde weifser Ziegen mit einer Menge Kühe aus den dichten Wäldern nördlich hinab, und zieht klingelnd nach dem Dorfe Valenz ; zur selben Zeit erschallen von beyden Seiten der Gebirge die Töne der Alphörner wie aus dem Himmel herab. Von dieser Höhe, welche sicher mehr als 5000 Fufs übers Meer liegt, führt ein Fufsweg mitten durch die Felder in 7 Minuten nach Valenz. Die eigentliche Strafse zu diesem Dorfe aus dem Bade hinauf ist gröfstentheils steil und rauh, und verlangt für ungewohnte Bergsteiger eine kleine halbe Stunde; unterwegs steht eine Ruhebank, Mon-repos genannt, unter herrlichen Schattenbäumen, an dem Ort, wo links die Strafte nach dem Kloster abführt. — Von Valenz giebt es einige angenehme Spatziergänge : r) Dicht hey der Kirche nach S. herab in einen sehr schönen mit vielen Hütten besetzten Thalgrund ; von hier den Fufs- weg verfolgend gelangt man an einen Punkt, wo es sehr steil in den Tobel des Milhli - Bachs hinabgeht. Dieser Bach tobt über ungeheure Blöcke durch ein prächtiges schwarzes Marmorbett nach der Tamina; 5 Minuten jenseits der Alithlibach-ßtückc steht eine elende Mühle, hinter welcher die Tamina einen prächtigen Sturz macht, der bis im J. 1801. ganz unbekannt und unbesucht war. Um dieses aufserordentliche 24 Pfeffers-Bad. Schauspiel zu genicfsen, mufs man durch die ^lühle « mühsam auf einen Fufs breiten Marmorvprsprung, des- i sen Spitze nach dem Sturz hineinragt, steigen; es ist nicht ohne Gefahr, und man bedarf aufmerksame Vorsicht bey dem Hinauf- und Zurücksteigen. Der Müller wohnt nahe am Miihli - Bach, ein guter sehr dienstwilliger Mann, bey dem man sich mit Milch erfrischen kann. Von hier führt der Weg weiter nach Väson und über die Tamina nach f^ättis. 2_) Von T alenz westlich zum Dorfe hinaus auf einem guten Fufspfade neben einem steinigten Viehweg aufwärts, durch einen Zaungatter längs dem Miihli - Bach, oder rechts, neben einem Wald von uralten ungelieuern Tannen , nach Wiesen aufwärts. 5) Auf die Valenzer - Alp 2-3 St. und von den Sennhütten auf einen der zwey Bergkopfe 1 St., oder auf die Grauen - Horner 1-2 St., wo sich aufserordentliehe Ansichten auf die Gebirge Graubünd- tens , Glarus , Sargans , Appenzelle , nach dem Boden- See darbicten. Auf der Südseite des Tamina- Schlundes giebts ebenfalls schöne Spatziergänge allein man kann von dem Bade durchaus nicht anders, als über eine sehr steile und hochstuffige Felsentreppe dahin gelangen. Von dem angenehmen Ruhesitz Mon-repos geht links ein ebner Fufspfad von der Valenzer- Strafse ab, und führt unter schönen Buchen und Ahornen in einer halben Viertelstunde zu dem Brücklein über den Tamina - Schlund, an dem Orte, wo er ganz geschlossen ist. Rechter Hand treten die Felsen wieder "von einander; aber kaum sieht man in der Tiefe von 290 F. Pffffers-Bad. 25 den vrcifsen Scliaum der Tamina (ihr Rauschen vernimmt man nicht); und dort unten, wie schon ohen erwähnt ist, liegt die Quelle des Bades. Von der Brücke gelangt inan nach wenigen Schritten zur Felsentreppe, hier Stiege genannt, auf welcher man die Felsenwand gegen 25p Fufs hoch erklimmt, Diefs ist die höchste Felsentreppe in der. ganzen Schweitz; Ungewohnte rnüfsen diesen sonderbaren Weg nur bey trocknem Wetter machen, wenn die Stuffen nicht schlüpfrig sind. Das Ganze dieser Natur ist äufserst romantisch und eigenthümlich. Hat inan sich aus dem Schlunde heraufgemüdet, so leiten mehrere Pfade durch herrliche Bergwiesen zu verschiednen Häusern , wo Schneckenmastungen zu sehen sind, und hinter den letztem in eine fahrbare Strafse, welche von dem Dorfe Pfeffers nach Vettis , ins Kal feiner - Thal, und über den Kttnkels - Berg nach Graubiindten führt. 1) Diese Strafse bietet einen sehr bequemen und an Gesichtspunkten äufserst reichen Spatziergang dar. Eine halbe Stunde von den Häusern oberhalb der Felsentreppe liegt an diesem Wege ein kleines Dörfchen, und St. weiter eine Sägemühle an einem sehr romantischen Ort an der Tamina, die hier einen hübschen Fall bildet. Von hier nach Vätlis *) i St. längs dem senkrechten Fufse des fürchterlichen Galanda. Nahe bey diesem Dorf eine periodische Quelle, Görbs - Brunnen genannt, *) Vättis Einwohner begrüfsten noch vor einem Menschenalter die Einwohner von Tamins in ßundten auf rhätiscb, und verstanden dieses sehr wohl. 2.6 Pfeffers-B ad. welche nur vom May bis October fliefst. Dicht bey Vättis öffnet sich das enge, unbewohnte aber alpenreiche Kalfeuser - Thal, in welchem die Tamirta aus dem grofsen Sardona - Gletscher entspringt, zu dem man von Vättis in 5 St. gelangt. Man kann dahin reiten, und übernachtet in der grofsen Sennhütte des Kloster Pfeffers. Merkwürdig ist, dafs ehedem dieses jetzt so wilde Thal bewohnt war, und dafs man an einem Orte, wo wahrscheinlich das Dorf und dessen Kirche stand, öffters Menschenknochen ausgegraben hat, welche ein weit gröfseres Maafs hatten, als der jetzige Menschenschlag aller Thäler in dieser Landschaft zeigt; man spricht deswegen hier von den ehmaligen Riesen— bewohnern des Kalfeuser - Thaies. In den hintersten Thälern des Kantons Glarus , welcher unmittelbar an das Kalfeuser - Thal stöfst, sind auch bisweilen so ungewöhnlich lange Menschenknochen ausgegraben worden, wie mir der achtungswürdige Doktor Marti zu Glarus bey einem Gespräch über die Knochen des Kalfeuser-Thals im J. i 8 ot. versicherte. Zehn Jahre vorher sah’ ich selbst in dem Linth - Thal den Melchior Thut (’s. Glarus), welcher 7% Fufs grofs, und wahrscheinlich der letzte Sprosse dieses Riesengeschlcchts war, welches die höchsten Thäler bewohnte. Die Einwohner des Tavetscher - Thaies (des höchsten Theils des Vorder-Rhein -Thaies in Graubündten) sind noch jetzt ungewöhnlich grofs; viele Männer messen 6 Fufse. Es ist zu bedauern, dafs kein einziger Mönch in dem Kloster Pfeffers so viel Sinn für Naturerscheinungen Pfeeekrs-Bad. 27 gehabt hat, um doch wenigstens die im Kalfeuser- Thal gefundnen Menschenknochen aufzubewahren. 2) Von der Hohe der Felsentreppe führt gleich links ein Pfad durch einen schönen Tannenwald und über Wiesen nach dem Dorfe und Kloster Pfeffers r St. Dem Kloster gegenüber ein hübscher Wasserfall ; in den obern Zimmern, und auf der äufsersten Höhe hinter dem Kloster nach NO. % St. weit, schöne Aussichten auf das breite Thal zu beyden Seiten des Rheins von der Tardis-Rrücke an. Man sieht das Schlofs Marschlins , den Eingang ins Prettigau; die wilde Landquart , wie sie aus dgr Kluft tritt; die schönen Oerter Ma- lans , Jenins , Maien fehl, an dem Fufs des Silvan oder Augstenhergs , des Falknis , Geirenspitz und Gu- scheralp; den Fleischer- Berg, um welchen der Rhein sich nordwärts windet, den zweyhörnigen Scholl-Berg, an dessen Fufs Stadt und Schlofs Sargans; weiter die sieben Kuhfirsten oberhalb dem IValiensladt er - See , der sich dem Auge verbirgt. Unter den Fülsen liegt Ragatz, die Mündung der Tamina in den Rhein, die Ruinen der Schlösser Nydberg und Freudenberg ( s. den folgenden Art. Pfeffers ), 3) Von der Felsentreppe zu den Sennhütten auf den Margarethen-Berg 1 y, St. 4) Attf den Galanda 8 St. Man mufs einen guten Wegweiser mitnehmen, und in einer bündtnerischen Sennhütte die Nacht zubringen. Ueber die aufseror- dentliche Aussicht auf dem Galanda s. rnan diesen Art. Wege. Von dem Bade nach Ragatz 2 St. (s. Ragatz). Nach der Stadt Chur in Grauhündten 5 St. a3 Pfeffers-Bad. Der "Weg geht durchs Dorf Pfeffers , bey dem Kloster vorbey rechts, ziemlich romantisch zwischen Felsen und hohen Tannen, in die grofse Landstrafse des Thaies hinab. Ein andrer für Pferde gangbarer Weg nach Grauhündten führt durch Vätlis , durch den engen Pafs la Foppa auf der Höhe des Kunkelsberges 7 St., und von hier hinab durch Tamins nach Reichenau 3 St. — Ein Jäger-Weg ins JVeifstannen-Thzl 4 St., und ins Sernft- Thal, K. Glarus, über die p'alenzer- Alp, bey der» Grauen - Hörnern und einem See vorbey, 9-10 St, Pflanzen. Die Gebirge des Tamina- oder Pf-fr- fers - Thaies, wie z. B. die Valenzer - Alpen, Monte- luna , Galanda und die Kalfeuser - Alpen, sind sehr reich an allen Alpenpflanzen. Ich will nur die seltnen Pflanzen erwähnen, welche in der Nähe des Bades und von p’alenz wachsen : Rhododendron ferrugineum (Alpenrose), 20 Schritte von dem kleinen Badhause jenseits der Ta m ina - Brücke an der Felsenwand oberhalb dem Platz, wo die Flaschen mit lleilwasser gefüllt werden. Lilium martagon (eine rothe schöne Lilie mit dunkel poraeranzfarbnen Antberen) zwi- sehen dem Bade und Valenz , links und rechts nahe am "Wege unter den "Waldbäumen (sonst einheimisch in dem Nordpol nahe liegenden Ländern), blüht im Juli und August. Aconitum l/coctonum, zwischen dem Brücklein und der Felsentreppe. Acer platanoides (Ahorn), in Menge an den Seiten der Tuminu-RIuft. Daphne cneorum (wohlriechender Seidelbast) häufig in den Wäldern und Büschen. Hypöchaeris maculata. JJedysarum ubscurum. yicia sylvatica. Arabis lellidifolia. Rulus saxatilis. An- thericum serotinum. Allium paniculalum. Evonymus lati - follas (Spindelbaum). Phyteuma ovata. Veronica ur- ticaefolia , Achillea macrophylla. Buphthalmum salicifolium. June ui niveus. Aquilegia alpina . Galeopsis grandifiora (Hohlzahn) zwischen dem Bade und dem Kloster. Die äufserst seltne Linnea borealis zwischen V alenz und y u l * fts, und eben da auch CoroniUa minima und Serapias rubra (Zymbel). Pinus Cembra (Zirbel- oder Arve-Baum) im Ha Ift us er-Thal. Geognost. Thatsachen. Ueberall im Tamina - oder Pfeffers- Thal herrscht schwarzer Thonschiefer, Kalkschiefer und schwarzer Kalkstein voll Quarz- und Kalkspathadern und Nester. Der Schiefer und Kalkstein wechseln in ihren Schichten, welche sehr steil nach S. einsenken und von NO. nach SW. streichen. Genau in dieser Streichung liegt das Tamina - Thal bis an den Gungels- Berg 5-6 St. lang, in welches die Tamina , von N. kommend, erst bey Vättis eintritt; Auf der Südseite der Tamina zeigt sich wenig oder kein Schiefer mehr, sondern nur Kalkstein, der seine Schwarze bald verliert und an den Galanda- Höhen graugelblich ist. Auf der Nordseite der Tamina hingegen herrscht der schwarze Schiefer, und steigt wechselnd mit Kalkstein in die hohen Kopfe der Valenzer- Alp und in die Grauen- Hörner hinauf. Diese Felsen sind sehr merk- würdig, und verdienen eine genauere Untersuchung, als ich solche anstellen konnte. Der östliche Felscnkopf 3 o pFF.FFERS-ß AD. der Valenzer -Alp ist^eingestürzt, und seine ungelieuern Trümmer bedecken alles weit und breit. Ueber diese Trümmer könnte man an seine senkrecht abgerifsne Seite hinanklimmen, und dort höchst wahrscheinlich wichtige Beobachtungen, den Uebergang der Schichten betreffend, machen. Unter den Trümmern sieht man reinen schwarzen Schiefer, Stücke von reinen Quarzkörnern , und Von Grauwacke. Nicht weit von diesem Einsturz, am Pfade nach den Sennhütten der Valcn- zer-Alp, geht der Felsen zu Tage, in welchem der schwarze Schiefer mit ^-^4 Fufs dicken Schichten hell leberfarbnen Kalksteines wechseln. Um die Sennhütten liegen sehr viele Tiümiuer von Grauwacke, auch von •reinen Quarzkörnerm Die Grauen -Hörner bieten einen sonderbaren Anblick dar; nirgends sieht man an ihrCri Gräten einen reinen gradlinigten, sondern einen znckig- ten Bruch; die Hörner laufen nicht spitzig, sondern in einen abgestumpften Kegel aus, auf dessen obern Fläche wieder eine Menge umgekehrter Kegel stehen, welche Von Ferne wie eine Anzahl menschlicher Gestalten aus- sehen. Das Gestein aller dieser Höhen besteht aus wahrer Grauwacke , einem Gemenge von schwarzen Schiefer— und Quarzkörnern ; der erstere verwittert, und die Theile, worin die letztem herrschend sind, bleiben stehen; daher diese zackigten Umrisse und diese Gestalten, welche mir sonst nirgends in den Alpen vorgekommen sind. In dem schwarzen Kalkstein findet man Versteinerungen, als Tubuliten , Terebratuliten , Heliziten , und in schwarzen feiukörnigen Saudstein- I« I 1t ' |i i I * ■ Sw Idi 61 c I i I I «1 : aed in flu (tu *) B 1 P Bt »i Pfeifers-Bad. 3 « 0 Zwischenlagern Nummulilen *). Nahe bcy der Quelle des Heilwassers geht eine Lage von Markasiten in Thon- schiefer zu Tage. Die Tarnina fliefst durch schwarzen Kalkstein 5-4 St. lang bis zu ihrem Austritt bcy Ragatz , in einem Bett, welches 4-664 Fufs tief ist. Dafs dieser Strom den Ungeheuern Schlund aufgerissen habe, ist keineswegs wahrscheinlich; sondern diefs geschah durch eine fürchterliche Fluth, welche aus SW» über den Gungels-Be rg eindrang, alle Ccbirgc wie den mächtigen Galanda durchrifs, und nach NO. in das Thal stürzte, wo der Rhein fliefst. Dieser Fluth verdankt das Tarnina. - Thal seine Entstehung, und eben so der Schlund, in welchen sich die Tarnina seit Jahrtausenden nur tiefer eingefressen hat. Die Wirkung ihrer Wasser ist bey den Bädern unverkennbar; man bemerkt deutlich an den Felswänden, 40-60 Fufs über dem jetzigen Wasserstand, die Spuren des ehmaligen Flufsbettes. In dem Schlunde nach der Heilquelle kann Jeder an mehrern Höhlen und besonders an der grossen Marmor - Höhle unter dem Reschlitfs sehen, was *) Dieser Numniuliten haltende Sandstein bildet unregelmässige Zwischenlager und ist thon - und quarzartig , sehr feinkörnig von schwärzlichgrüner Farbe, und scheint viel Chloriterde zu enthalten; er ist schwer zerspringbar, und sehr selten zerklüftet; die Versteinerungen desselben aber bestehen meist aus schwärzlich oder dunkelrauchgrauem dichten Kalkstein. Am Anfang der Brücke vom Bad gegen die Quelle sind starke Lager dieser merkwürdigen Gebirgsart anstehend. (Eicher). o ; PfEFFERS-BaD. das ewige Wirbeln und Reiben des Flusses auf den festesten Kalkstein vermag. Ohne allen Zweifel wird sich die Tamina noch immer tiefer einfressen. Man findet in dem Pfcffers - Thal unwidersprechliche Beweise einer Ungeheuern Fluth. In dem ganzen Thale bis p'ättis , besonders zwischen den Bädern, Valenz und Väson, sind theils hohe Schutthügel vom Geschiebe aufgehäuft, theils sind die niedern Reste elima- liger Schiefergebirge mit gerollten Steinen ganz überdeckt, und das meiste dieses Gerölles ist Urfels. Ueberall sowohl in den tiefsten Tobeln, an allen Seiten, hoch hinauf an den p alenzer - Bergseiten zwischen dem Dorf und dem Miihli- Bach nach den Granen - IIörnern zu, als auch bis an den Ausgang des Thaies hinter dem Kloster, liegen zahllose Trümmer von Cranil und Gneijs , unter denen ungeheure Blöcke sind. Die gröfsten des schönsten Granits, in welchen 1-2 Zoll lange Feldspathkrystallen den herrschenden Bestandthcil ausmächen, fand ich nicht weit von den Bädern in dem Tobel an der Nordseite des Uügels, den ich Galanda- Schau genannt habe (man s. den Absatz : Spatziergänge ). Dort ist der Pfad angegeben, welcher in diesen Tobel hinabführt. Sobald man hineingestiegen ist, darf man sich nur wenige Schritte den Tobel aufwärts wenden, um diese grofsen Granitblöcke zu sehen. Alle diese äufserst merkwürdigen Tiümmer konnten auf keine andre Art in dieses Schiefer- und Kalkstein-Thal gebracht werden, als durch eine ungeheure Fluth, welche von S. und SW- aus den Gueifs- und Granit-Gebir- i Pfyn. 35 gen Graubündtens her über den Gungels- Berg (der auch eine tiefe Einsattelung bildet) einbrach, und gerade nach NO. in der Streichung der Schieferfelsen diese Gegend durchwühlte, und alle Gerolle und Gra- nittrümmer hier aufschüttete. Pfeffers (das Kloster), Benediktiner - Ordens , wurde im J. 720. gestiftet, und erwarb das ganze Ta- mina- oder Pfeffers- Thal nebst dem Flecken Ragatz , eine Landschaft von 7-8 Stunden Länge, und viele andere Güter als Eigenthum. Die Einwohner des Ta- minathals waren Unteithanen des Klosters bis 1798. Die bitterste Armuth drückt dieses redliche und kräftige Bergvölkchen zu Boden. Im J. Z196. ertheilte der Kaiser Heinrich VI. dem Abte den Fürstentitel. — Der Abt Russinger trat der Reformation bey, und söhnte sich nach dem für die Reformirten unglücklichen Bürgerkrieg von 1530. mit der päbstlichen Kirche wieder aus. Das jetzige Klostergebäude wurde 1665. aufgebaut. — Auch in diesem abgelegnen Thale hauste der Krieg im J. 1799. und 1800. Oesterreicher und Franzosen zogen hindurch, lagerten bey p'alenz , fochten, und machten die armen Bergbewohner noch ärmer. — Das Klostergebäude ist zum Theil mit Marmor bekleidet. —. Ueber die Aussichten hinter dem Kloster siehe den vorigen Artikel. P f y m , im K. Thurgau, an der Thur auf einer Anhöhe, an der Landstrafse zwischen Konstanz , Winterthur und Zürich. Hier stand das römische Castrum IV. < 3 34 T4»'. ad Fines Rhaetorum; man siehe noch Spuren von der damaligen Giöfse des Orts. Pierre fl’Isle de St.) S. Bieler-See. Pierre fSt .), am nördlichen Fulse des Bernhard. S. Antremont-Thal. Pierre Pertuis, ein merkwürdiges Felsenthor. 3 . Immer - Thal. Pilatus, merkwürdiger Felsen an der Westseite des Luzerner-Sees, 5760 F- über den See, 7080 Fufs übers Meer nach General Pfyffer. Kein Gebirge in der Schweitz ist in den vorigen Jahrhunderten so oft bereist und beschrieben worden, und jetzt keins weniger, als der Pilatus *}. Seinen Namen leitet man von Pileus, pileatus (Hut), weil fast immer eine Wolke seinen Gipfel einhüllt und wie ein breiter Hut darauf sitzt. Auch wurde er häufig Fracmont von Sions fraclus genannt, und diefs deswegen, weil der Pilatus auf seiner Ost- und Nordseite zerrissen und zerbrochen ist. Die Aussicht von seinem Gipfel über die östliche, nördliche, einen Theil der westlichen Schweitz, und auf die nahen dahinziehenden Alpen von dem Säntis *) Der Herzog Ulrich von IVirtenberg reiste im J. i5l8. auf den Pilatus. Iu demselben Jahre Joachim Uadian , der berühmte Bürgermeister von St, Gallen, dessen Rci- scbeschrcihung in seinem Comment. in III, Lib. Pompon. Melae de Situ Orbis. Uiennae 171 s. stehet, S ferner: C. Gcfsneri descriptio Montis Pilati im J. 1 555. — Eine Kcisebcschreibung von Felix- Plater au« Basel im J. 1 56o. — Von einem Deutschen , der sieh nicht nennt, Pilatus. 35 in Appenzell bis in die Lauterbrunn - Gebirge, und über 6-8 Seen, ist aufserordentlich. Weg hinauf. Sechs Wege führen hinauf, vier auf der Nord- und zwey auf der Südseite. Am bequemsten und gefahrlosesten steigt man von Alpnach nach dem Tomiis -Horn in 4-5 St., und von da leicht auf die andern Spitzen Esel und Ober - Haupt ; hinab in 3 St. Von Luzern braucht man 6 St. Der Weg geht durch Krienz , Hergottsrrald (aus dessen Wirths- haus eine ausgedehnte Aussicht sich darbietet ) und Eigenthal 2 y* St., bis wohin man reiten kann. Von hier gehen nun zwey Fufspfade; der kürzere und beschwerlicht re bey dem Kalter eh - Brunnen (Fieber- Brunn ) vorbey; der längere ist leichter, und geht in 1 % St. auf die Bründien- Alp, wo die Sennhütte Gan- tersey steht, welcher gegenüber eine senkrechte 1400 F. hohe Felsenwand sich erhebt. Merkwürdigkeiten der Bründien - Alp. Wunderbares Echo. Sonderbare Bildsäule. Am Wege dahin sicht man eine Tanne, die 8 Fufs im Umfange hat; 15 Fufs von der Erde gehen aus dem t Stamm neun horizontale Aeste hervor, die 3 Fufs dick nnd 6 F. lang sind, und von dem Ende jedes Astes im J. 1677. Vom General Pfrjfer im J. 1759, (** im helvetischen Journal),— M* A. Cappeler Histoiia Pilati montis, Rasileac 1767. — Von den Inschriften, welche C* Gefsner im J. i 555 . an einem der Felsspitzen, des Pilatus las, ist jetzt nur noch die des Herzog Ulrichs zu sehen, nämlich die Anfangsbuchstaben seines Namens, und i 5 i$. Pilatus. 36 steigt wieder eine starke Tanne empor ; so dafs das Ganze einen äufserst sonderbaren Anblick gewährt. Bis an Bründien - Alp ist der Pilatus Winter und Sommer bewohnt. Dieses Hirtenvölkchen lebt äufserst einfach, erreicht ein hohes Alter, dünkt sich über die Thalbewohner sehr erhaben, bedient sich ganz eigentümlicher Ausdrücke in seiner Sprache , und liebt Ringkämpfe sehr. Auf der Brün dien - Alp liegt zwischen Tannen ein kleiner See, 154 F. lang, 78 F. breit; die Tiefe ist noch nicht ergründet. Uebcr diese Pfütze sammeln und entstehen sehr leicht Gewitter; es steigen nämlich kleine Nebel ans derselben auf, und ziehen gegen die nahen Pilatus - Hörner hinan. Steigt die Nebelsäüle über den Gipfel hinaus, so verzieht sie sich; gewöhnlich aber bleibt sie an den Felsenköpfen hängen, dehnt sich aus, wird immer gröfser, endlich zur schwarzen Gewitterwolke, senkt sich herab und entladet sich mit fürchterlichem Donner. Diese häufige Naturerscheinung setzte die Gemüthcr der F.inwohner des Pilatus und Luzerns in dem barbarischen Mittelalter in Furcht und Schrecken. Der kleine See hiefs im XII. Jahrhundert die höllische Pfütze , in welcher der unselige Pilatus *) wohne, und Bergmännchen, Gespenster und Drachen hausten; sobald man sich der Pfütze nähere, hiefs es, *) Das Volk glaubte nämlich, Pontius Pilatus sey au» Verzweigung, Christum zum Kreulze vcrurtheilt zu haben, auf diesen Berg geflüchtet und habe sich in den See gestürzt. so -werde Pilatus wüthend, und errege Ungewitter, Hagel und Stürme. Der Rath von Luzern verbot daher, dafs kein Mensch sich diesem See nähern sollte. Im J. 1387 - wurden einige Priester und andre Personen in Gefängnifs gesetzt, weil sie dahin gehen wollten. Sogar durfte Niemand ohne Frlaubnifs nur den Theil des Pilatus besteigen, wo der See liegt. In spätem Zeiten ertheilte der Rath angesehenen Reisenden die Erlaubnifs. In dieser Zeit des Aberglaubens wurde über diese höllische Pfütze des Pilatus sehr viel geschrieben *). Von beyden Seiten der Bründien- Alp erheben sich die sieben Spitzen des Pilatus: Links nach O. und S. der Esel , Ober - Ilaupt, Band , und Tomlis- Horn, das höchste von allen ; rechts nach N. und W. Cems- Mättle, Widder- Korn oder Feld, und Knapp- Stein. Der Esel , die östlichste Spitze ist vom Knapp - Stein, der westlichsten, i 1 j 2 St. entfernt. Um diese Spitzen liegen, anfser der Bründien - Alp von 40 Kühen, die Alpen Tomlis von 7 Kühen, Matt von 15 Kühen, Treyen von 7 Kühen ; die im J. 173g. verschüttete Kasteien- Alp von 180 Kühen, und die Oier-AIp von Co Kühen. In der Alp - Matt oder Watt liegt der zweyte Pilatussee. Zwischen allen diesen Felshörnern entspringen" der obere und untere Kriens - Bach, der *) Die Geschichte dieser abergläubischen Possen findet man in den Btrennes helvetiques pour lan 1794,, uud in den Anmerkungen zu der Gebersetzung der Reise des Conr. G e f s n e r. Rümling, die Fischern und der Roth - Bach. Die an allen Seiten des Pilatus gelegnen Alptriften ernähren des Sommers 4000 Stück Rindvieh. Auf der Bründien -Alp ist ein wunderbarer Wiederholt, welcher von den hohen Wänden des Gems- mättli , Widderfeldes und Tomtis -Horns dem Gesänge antwortet, und mit demselben wetteifert. An einer Stelle besonders ist es so außerordentlich, wie vielleicht nirgends in der ganzen Schweitz. Man bleibe einen Sommer-Abend auf der Bründien - Alp, und nehme von Hergottswald den befsten Sänger des Pilatus, Hans, zu sich. Es gehört eine sehr starke Stimme und lang ausdauernde Brust dazu, um diesem Echo einige Wirkung abzulocken, und es scheint nur den Hirten zu antworten. Hans weifs seine Töne so mannigfaltig anzustimuien, verbindet den gröfsten Umfang der Höhe mit aufserordentlicher Stärke, dreht sich im Halbkreis, gegen die Felswände gekehrt, langsam von einer Seite zur andern, und weifs auf diese Weise eiue Geister - Musik zu erzeugen, welche zur Rechten uud Linken, in der Höhe und Tiefe, in tausendfältigen Schwingungen an den Felswänden umherirrt, und bey der feyerlichen Stille und dem Dunkel des Abends eine bezaubernde Wirkung hervorbringt. Der Hirt singt nicht Worte, sondern nur einfache rührende Seeleutöne. Auf der Bründien - Alp erblickt man nach SO. in einer Höbe von 100 Klaftern, in der Mitte eines hervorstehenden schwärzlichen Felsens, den Eingang einer Höhle, in welcher eine Bildsäule steht, welche die Bergbewohner Untern Cornell , auch St. Dominik , und den Eingang der Höhle Dominiks- Loch nennen. Man kann sich auf keine Art dem Eingänge nähern; die Höhle geht durch den ganzen Felsen , und öffnet sich auf der andern Seite unterhalb der Tomlis-A lp, wo die Oeffnung Mond -Loch genannt wird, weil in dieser Höhle sehr viel Mond- oder Bergmilch gefunden wird. Der Zugang zu diesem Mond -Loch ist gefährlich und sehr beschwerlich; töd- tende Kälte stöfst heraus, und ein Bach stürzt aus dem Eingänge hervor, welcher 16 F. hoch und 9 F. breit ist*). Zehn Schritte hinein erweitert sich die Höhle zu grofsen Gewölben ; nach 4 - 500 Fufs verengert sie sich aber dergestalt, dafs man auf dem Bauch mitten durch strömendes Wasser kriechen mufs. Einige Versuche, durch die ganze Höhle bis zur Bildsäule hindurch zu kriechen, sind tnisglückt; sie haben aber so viel gezeigt, dafs die Höhle durch den ganzen Felsen geht, und dafs in ihrer entgegengesetzten Oeffnung die sonderbare Gestalt sich befindet. Von der Bründien -Alp aus betrachtet, so ist die Bildsäule von weifser Steinmasse, dem Augenmaafse nach 30 F. hoch, und hat Aehnlichkeit mit einem Menschen, der sich mit seinen Aermen auf einen Tisch stützt, die Beine queer über einander schlägt, und die Stellung nimmt, *) Der Bach in der Höhle bringt durch sein Fliefsen sonderbare pteifendc Töne hervor, welches die Pilatusbe- wohncr das Bergklingeln nennen, und sehr merkwürdig finden. Pilatus. 40 als bewache er den Eingang der Höhle. Ein gewisser Huber aus Luzern wollte diese sonderbare Gestalt in der Nähe untersuchen. An einen Strick befestigt liefs er sich von dein Felsen hinab; ein Felsvorsprung hinderte ihn, zu dem Eingang der Höhle, um welchen er herumschwebte, zu gelangen; er liefs sich wieder hinaufziehen, versah sich mit einer Hakenstange, und gleitete noch einmal hinunter; allein unglücklicher Weise brach jetzt der Strick, und Huber wurde zerschmettert. Wie er das erstemal hinaufgezogen war, versicherte er, die Bildsäule sey für ein zufälliges Werk der Natur zu künstlich gearbeitet. Seitdem glaubt man, dafs die auf den Pilatus von den römischen Legionen desertirten Römer diesen Stein zu einer Bildsäule gehauen hätten, und dafs seitdem durch die stete Verwitterung der Felsen der Weg hinauf vernichtet worden sey. Ist es vielleicht ein grofsej Tropfstein 1 Ersteigung der Pilatus-Hörner. Von der Sriind/en- Alp läfst sich das Widderfeld , der wildeste Theil des Pilatus, auf dem kürzesten und beschwerlichen Wege in 1 St., auf bequemem Wege in r y 2 St. ersteigen. Das Widderfeld ist 6858 F. übers Meer, also 28 F. niedriger als das Tomlis- Horn, das höchste von allen. Nordöstlich vom Widderfeld erhebt sich das Tomlis -Horn, welches mit ersterm durch Felsgräte zusamraenhängt, zwischen denen in der Tiefe von 600 F. die Alp Wat liegt. Südwärts vom Widderfeld erheben sfth die Oberalp und Knapstein . Vou der Bründ— 1 Pilatus. 4 1 lenalp läfst sich übet die Oberalp der Knapp-Stein ersteigen, welcher deswegen so benannt wird, weil auf dem Gipfel dieses Ilorns ein Felsstück von der Gröfse eines Hauses liegt, welches zu wanken oder zu knappen beginnt, wenn ein Mensch sich darauf legt. Von der Bründlenalp kann man das Tomlis - Horn, Oberhaupt und Band nicht ersteigen, aber leicht von der Südseite. Das Gemsmättli zu besteigen, ist gefährlich; aber von diesem kommt man leicht auf das Tomlis- Horn. Nach der Kastlenalp führen von Bründien gefährliche Wege; und doch ist diese der Versteinerungen, Gemsen und Auerhähnen wegen merkwürdig. Der Weg auf den Esel ist zwar gemächlich, aber sein spjtziger Gipfel, wo höchstens 50 Personen Raum haben können, ist wegen seiner fürchterlichen Abgründe schauerlich ; der Esel ist 180 F. niedriger als Tomlis-Horn. Unterhalb der einen Seite dieses Ilorns Endet man das ganze Jahr einige Schneelagen, der einzige auf dem Pilatus, welcher nie vergeht. Nach Versicherung des II. General Pfyffer , welcher den Pilatus so oft bestiegen hatte, sieht man bey sehr hellen Tagen durch ein gutes Fernrohr von den Hörnern des Pilatus den Strafsburger - Münster und dreyzehn Seen. Vom TYidderfeld hinab nach Alpnach und Sarnen in Unterwalden 4 - 5 St. Am Widderfeld steht eine Sennhütte ; über Weiden und durch Tannenwälder herab zu einer zweyten Sennhütte 1 St.; von hier geht der Pfad links, und wo er breiter und gebahnter wird, theilt er sich links nach Alpnach, rechts siidostwärts Pilatus. hinab nach Leutholdsmatt i y* St,, nach dem Berghof auf dem Sattel i St., über den kleinen und grofsen Schlieren nach Kägiswyl und Sarnen 1-1% St. Pflanzen. Dem Pilatus eigenthümliche Pflanzen, die man bis jetzt an andern Orten noch nicht fand, sind; Ruta montana und Papavcr alpinum. — Aufser den fast allen Alpen genieinfamen Pflanzen kann man hier noch sammeln : Crocus autumnalis, Eriophorum alpinum . Alche - milla pertaphylla. Myosotis nana . Primula farinosa und integrifolia . Gentiana purpurea und alpina « Aethusa meum • Ruinex digynus. Scheuchzcria palustris ( an der Pfütze in Bründien ). Erica herbacea. Schoenus nigricans (Knopfgras). Pyrola unißora. Arbutus uva ursi. Saxifraga hypnoides . Sempervivum glubiferum . Cistus polijolius • Anemone apiifolia. Pedicularis fiammea , foliosa und co- mosa. Drala dubia. Lunaria rediviva. Astragalus alpi- nus und montanus . Iledisarum obscurum • Tussilago fri - gida. Arnica montana und scorpioides • Buphtalmum sali- cifolium. Orchis odoratissima . Serapias palustris • Salix dubia. Rhodiola rosea. Sedum annuum, Rhododendron hir — sutum u. m. a. Die Gegend zwischen dem "Widder - Feld und Knapp - Stein ist besonders reich an seltnen Pflanzen. G e o g n o s t i s ch e Beschaffenheit Mit dem Pilatus beginnt eine Felsenkette, welche nach SW. zwischen dem Entlebncher - und Emmen - Thal auf der einen Seite, und Unterwalden und dem Brienzer - See auf der andern Seite bis an den Thuner - See 12-16 St. lang zieht. Der Pilatus besteht aus Kalkstein mit Quarz und Thon gemengt; im ersten Fall Flürser - Th al. 43 hildet er eigne Sandsteine, die bisweilen ganz ans Quarzkärnern bestehen ; im letztem Fall Mergel und Thonschiefer, besonders an der Südseite. Versteinerungen sind auf dem Pilatus sehr häufig, hauptsächlich in der Gegend um das Tomäs- Horn, in der Kasteln-Alp und auf dem Widder -Feld , dessen Gipfel 6858 F. übers Meer aus einem mit zermalmten Meermuscheln und Nummuliten angefüllten Kalkfels besteht; eben so werden Fiscliabdrücke in dem Schiefer des Pilatus gefunden. Das Naturalienkabinet des H. Doktor I.ange von Luzern , welches aus Konchylien, Korallen und Fischabdrücken des Pilatus bestand, befindet sich in der Abtey St. Ürban ( s. Langenthal und Morgen- thal). Oberhalb der, Alp Matt am Fufse des Esels sieht man zwey versteinerte Baumstämme; jetzt wachsen auf dieser Höhe keine Bäume mehr. Aufser der schon erwähnten langen Höhle, deren Eingang Mond- Loch heifst, giebt es noch andere, unter denen das JFind — und W'etter — Loch, nicht weit von der Drachen -Matt, zu bemerken ist. Auf der Menzigcr- Weide und dem A/rZ/ß-Reihn wird Eisenerz gegraben. An der Nordseite des Pilatus und seiner Felsenkette liegen die hohen Sand - und Nagelflueberge des Ent- lebuchs und Emmethals. S. diese Artikel. Piora-Thal, ein Nebenthal des Livenen - Thals im K. Tessin (s. Airolo J. Platifer, im K. Tessin (s. Airolo und Dazio J. Plurser-Thal (Falle di Plurs oder PiuriJ in der Landschaft Chiavenna , von der Mera durch- 44 POLF.GGIO. flössen, merkwürdig durch einen schrecklichen Felsensturz, welcher im J. tGiS. das Städtchen Plurs mit 3500 Personen vergrub. Das Umständlichere hievon s. in den Art. Bergell-Thal und Cbiavenna. Poleggio, K. Tessin, das letzte Dorf des Livi- nen-Thals. Wirthshaus: alla Croce (Kreuz). Liegt 398 F. über den Langen - See. Der Tessin fällt von Airolo bis Poleggio 2730 F. ; von hier bis Bellinzona nur 306 F. liier ein Seminarinm , vom Erzbischof Friedrich Borrome in dem Hospilium des Humiliaten- 01-dens gestiftet, und dem Semiriarium maggiore in Mailand unteigeotdnet; der Lehrer sind nur zwey, der Rektor und ein Mönch. Weg nach Beilenz. Fine Viertelstunde von Poleggio öffnet sich das Beilenzer- Thal, aus welchem der ßlegno- oder Breun - Flufs heiaussirömt, und sich mit dem Tessin vereinigt. Eine lange Brücke führt über diesen Strom nach Abiasco , dem ersten Dorf in der ehmaligen Vogtey Riviera oder Polese; hier wird ein Brückenzoll erhoben. Nahe bey Abiasco der Eingang ins Pontirone - Thal ( s. diesen Artikel). Nach Usogna , 1 St. von Poleggio; war ehedem der Hauptort der Vogtey und Sitz des Landvogts (s. Riviera -Thal). Der Reisende bemerkt iu dem breiten Thale, von Abiasco an, auffallende Verwüstung und Unfruchtbarkeit; dies ist die Folge eines schrecklichen Bergfalls nicht weit vom Eingänge des Bellenzer-Thals (s. Bellenzer - Thal'). Im J. 1 7 4 7- zerstörten der Tessin und Blegno , welche fürchterlich angeschwollen Waren, von neuem alle Arbeiten der unglücklichen Einwohner ; und von dieser Zeit an ist aller Muth gesunken, die zerstörten Fluren zu reinigen und wieder zu bearbeiten. Von Usogna bis Beilenz \tj 2 St.; von Abiasco an ist die Strafse für kleine Karren fahrbar. Zuerst kömmt man nach Cresciano in ^ St. An der / Westseite des Thals überziehen die herrlichsten Kastanienwälder das Berggelände; und da glänzen die Dörfer Molina, Provonza , Cnosca , die schöne Kapelle St. Cargoforo , die Kirche Corduno auf einem Hügel am Fufs des Carasso , der sich bis hinter Beilens zieht; in der Mitte des Thals der reizende, fruchtbare, stufenreiche Hi*gel Claro , aus dessen Grün romantisch das kleine Nonnenkloster Clara schaut. Das Dorf Clara bleibt links liegen, und in 1^2 St. gelangt man an die Moesa , welche aus dem Misoxer-TAitd. hervorkümmt, an dessen Eingänge die Dörfer Castione, Lumino , und höher Arbedo liegen. Ueber die wilde Moesa , welche auf dem Bernhardino entspringt, führt eine sehr hohe steinerne Brücke, auf welcher eine schöne Aussicht auf das ganze Riviera- und Unter- Ztzunen-Thal, nach dem Eingänge ins Beilenzer - und Misoxer- Thal und nach der Gegend der Stadt Beilenz , sich darbietet. Wenige Schritte von der Brücke steht die schöne Kirche del St. Crocefisso; nicht weit davon eine andere Brücke, unter welcher der wilde Ca- lanchettino rauschend fortwälzt ; dann bey einer Kapelle und der alten Kirche St. Paulo vorbey, wo in einem Beinhause die Knochen der in einer Schlacht iß P ölenzer - Thal. vom J. 1422. überwundnen Mailänder aufbewahr werden ( s. hierüber Bellinzona). Von hier kömmt man nach Molignasco , wo man hoch am Berge Daro sieht, und dann über eine grasreiche Ebne, an dei* Seite eines grofsen Dammes, nach Beilenz. Von Po- leggio nach Airolo g St. (s. Ciornico , Faido, Dazio ). Pflanzen, In der Gegend von Usogna wächst; Blitum capitatum ( Sc h in i n kb ee r c ). Geognostische Beschaffenheit. Alle Gebirge von Poleggio bis nach Beilenz bestehen aus Granit und Gneifs. Bis Cresciano zeigt sich adriger Granit mit grofsen Körnern in senkrechten Schichten. Von da bis Beilenz läfst sich der Bau der Felsen nicht gut beobachten. In der Nahe von Abinsco Granaten t, welche so schön wie die orientalischen sind, und zur Zeit des Galeazzo Sforza, Herzogs von Mailand , in Menge gefunden wurden. P o le N ze R - T H A l , s. Betlenzer -Thal. Pommat (auch Zum Stag , al Ponte und For- mazzo genannt) , ein deutsches Dorf an der Südseite des Gries , iin obern Eschen - oder Oscella - Thal ira K. Italien, 3888 F. übers Meer. Liegt an dem Alpen- pafs des Gries aus Ober - PVallis und Airolo nach Domo d'Ossola. Merkwürdigkeiten. Die Gemeinde Pommat besteht aus acht Dörfchen, nämlich Frutval (ital. Gru- velta , deutsch: Kurfeie), im Wald (nel Valdo), fuftrald (St. Michaele), Andermatt (alla Chiesa), Stafehrald (Fundo la valle). Unter-Stalde (Fop- Pommat. 4 7 piano). Bey den Gemsjägern von Pommar findet man schöne Fossilien, z. B. bey Jo/i. Jac, Enderli; dieser hat in seiner Hütte zu Kehrbächi ganze Kasten voll Fossilien, und ist sehr billig. — Man bäckt jähilich nur einmal Brodt. Wege. Von Pommat über den Gries und dessen Gletscher nach Obergestein in Ober-Wallis 7 St.; über den aufserordentlichen und prächtigen Fall der Toccia und alle Merkwürdigkeiten des Weges über den Gries s. Gries. — Von Pornmat nach Airolo geht der Weg wie auf den Gries, nach Frutval 5 // f , neben dem Fall der Toccia vorbey, nach au f der Fruth 1 gute Stunde, von hier nach Kehrbächi im Thal Morast J 3 St.; von hier nun rechts sehr steil aufwärts durch Toccia - oder Dolgia- Thal auf die Höhe des Grats zu einer Kapelle, wo die Grenze des italienischen Ossola, und des schweizerischen Livinen - Thals ist) 1 St., abwärts nach dem Spital all Aqua im Bcdret- ter-Thal z St., und nun durch Ronco, Bedretto, Villa, Osasco und Fontana nach Airolo 3 St. — Von Pommat über die Furca ins Maggia - Thal s. Bosco, — Ein Felsenpfad ins Binnen - Thal im Ober - WMlis. — Die grofse Strafse von Pommat nach Domo d'Ossola (7 St.) geht durch Foppiano (das letzte deutsche Dorf) 1 y 2 St., abwärts nach il Passo , St. Roch, Pie de Late a% St. (wo bey einer Brücke das Formazza- Thal aufhört, und das Antigoria - Thal beginnt), St. Michel, Premia, Crodo, Ponte maglio, Marco , den Monte Crestese vorbey (wo sich der Lisogno mit 48 Pommat. der Toccia veibindet), Domo d'Ossola 5 ■£, St. Schon SJ^ St. von Pommat wachsen Nufsbäume, bey Pie di Lato Weinstöcke, und von hier wird das Thal bis Domo immer schöner und fruchtbarer. Nahe bej Crodo liegt Cravegna, Geburtsort des Pabstes Inno- cenz IX., dessen Vater della Noce Schornsteinfeger war ( s. Domo d’Ossola). Geognost. Thatsachen. (Man s. vorher den Art. Gries'). Von Pommat an zeigt sich Gneifs, und 7 J 2 St. hinter Foppiano adriger Granit, der bis gegen Pie de Late fortdauert. Merkwürdig ist die Regelmä- fsigkeit der Schichten hinter dem Dörfchen il Passo , besonders aber ao Minuten vor St. Hoch. Da steht ein Felsen, der 300 F. hoch, und fürs Auge sehr malerisch ist; sein Fufs liegt 2400 F. übers Meer. Seine Schichten sind 10-60 F. mächtig; der Granit ist von mittelmafsigein Korn aus milchweifsein Feldspath, durchsichtigem Quarz und schwarzem Glimmer. Die erste Schicht am Fufs des Felsen dnrchzieht eine 4-5 Linien dicke Ader Feldspath ; in der zweyten Schicht eben eine solche Ader, die schief duxchlangt; in der vierten Schicht zwey solche Adern, die sich unter spitzigen Winkeln durchschneiden. Die Einwohner brechen an diesen Felsen dünne Tafeln und Breter von 8 ~ F. Länge zum Decken der Häuser, für Fenster- und Thürseiten, zu Tischen, Ofenplatten, Stufen u. s. w. Bey Pie de Late beginnt Glimmerschiefer mit rothen Granaten, und setzt hinter St. Michel fort ; bey Croveo und Prernia ebenfalls Granatenhaltender Glimmerschie- fer und Talkscliiefei, Die gröfsten Granaten, i Zoll im Durchmesser, kommen im Kirchspiel Sti Michele vor. Eine halbe Stunde von Crodo in glimmerreichen Felsen goldhaltige Schrvefeikiesadern in Quarzgang, 1766. entdeckt; ferner bey Ugno, Scoperta della Binca, und Corticcio S. Pietro. Das Gold findet sich in Eisenocker, der in den unregelmäßigen Zellen des Quarzes eingeschlossen ist; und dieser Ocker ist Produkt eines gelben schwefeligen Piriten, ganz eben so wie in den Goldminen des Anzasca - Thals an dem Fufse des Rosa (s. Anzasca -Thal). Pini entdeckte in diesem Golderze durchscheinende rhomboidalische Quarz- krystalle. Nahe bey Crodo ein Thälchen, welches einst eiu See war. Hinter Crodo zeigt sich der adrige Granit wieder. Im Thal Dolgea , auf dem Wege von Pommat nach Airolo , brechen grofse Massen von grauen und weifsen Dolomiten und Cyaniten mit Glimmer. Ueber die Beschaffenheit des Urgebirges am Wege nach dem Muggia- Thal s. Bosco. Po n t ASKER - Th AL, im Veltlin, öffnet sich bey Ponte ohnweit Sondrio, und zieht in die Berninakette hinauf; ist reich an Kupfererzen , welche erst seit wenigen Jahren entdeckt wurden, und ausgebeutet werden ( s. Sondrio ). ‘Ponte (Bruk), in Ober-Engadin. Ein gutes Wirthshaus hier. Gegenüber liegt Camagask am Eingänge des Chiamvera - oder Camovera-Thals, au; welchem der wilde Camogasker - Bach dem Inn zueilt. Bey Carnogask ein herrlicher Arven- Wald. IV. 4 ßo P ontirone - Thal. Wege. Von hier geht die Strafse über den Al— bula nach Chur; bis zum Wirthshaus zum Weißen- Stein 3-3 St., und von hier nach Bergiin 3 St. Der Weg ist im Frühling Lauinen wegen sehr gefährlich (s. Albula ).—. Von Ponte nach Zutz 1 St. Zwischen beyden liegt Madulein (Medio lacu j , weil dieser Theil des Thals ein See war. Bey Madulein öffnet sich das Thälchen Eschia. liier stehen Gemäuer , Capelia genannt, Ueberreste einer Kapelle, welche vor dem XV. Jahrhundert zum Gottesdienst gebraucht wurde, und oberhalb der Brücke die Reste des im XIII. Jahrhundert erbauten Schlosses Cuarda VaU { s. Zutz ). Von Ponte nach St. Moriz s. diesen Artikel. — Durch das Chiamvera - Thal nach Livino 4 ^ St. (s. Livino - Thal ). Geognost. Thatsache. Der Granit und Kalkstein , welche über den Albula neben einander streichen, setzen bis nach Ponte, und von da über den Inn nach NO. fort. Von Ponte bis Zutz bleibt der Kalkstein rechts jenseits des Inns; und links erscheint wieder Granit. Pontirone-Thal, K. Tessin, in der elimaligeu Vogtey Riviera , öli'net sich nicht weit von Poleggiu , und zieht ostwärts gegen das Calanker - Thal, wohin auch im Sommer über die wildesten Gebirge ein Pfad nach Rossa führt. Dieses Thal ist seiner äufserst kühnen Einwohner wegen merkwürdig, welche im ganzen K. Tessin die Wälder hauen , und im Winter vermittelst eigner Leitungen ( Sovende genannt) welche PRAGEL. ^ I sie über tiefe Abgründe und Wipfel der Bäume eben so gut als längs den Felsenseiten qrbauen, durch Schnee und Eis zu glatten Kanälen machen, und so die Baumstämme aus den unzugänglichsten und gefährlichsten Gebirgen bis in eins der grofsen Thäler herausschaffcn, wo sie dann nach dem hangen- See geflöfst werden können. Diese kühnen Holzflöfser werden auch Bnrra- toren , nach dem Wort Burre (Holzstamm, Sägeblock) benannt. Pontresiher-Thal, im Ober - Engadin , K. Graubündten, öffnet sich Cellerina gegenüber, und zieht südwärts nach dem Bernina. Der grofse Paf's aus dem Engadiu ins Pusclaver - und J^eltliner- Thal führt durch dieses Thal (s. Bernina , St. Moritz und Engadin ). Praborcne ( Zer Matt , Zur Matt) , das hinterste Dorf in dem Nicolai- oder Vispacher - Thal am Fufs des Matter - Horns oder Cervin (s. / ispac/i ). Pragel, Gebirge zwischen dem K. Schrrytz und Glarus, über welches eine Strafse aus dem Muotta- Thal ins Klön - Thal und von da nach Glarus führt. Von dem Dorfe Muotta auf die Höhe des Passes (5r59 F. übers Meer) 3 St., hinab über die Richisauer- und Oberlangenecker - Alp ins Klön- Thal 2 St., und dann hinab nach Glarus 2 St. Im Monat May mufste ich mich auf dem Pragel drey Stunden durch Schnee, in welchen ich öfters bis an den Gürtel einsank, abmüden ; selbst im Juny liegt noch öfters Schnee hier ; ira July und August weiden die Viehheerden überall, / PrEGF.L-THAL. 52 «ad die Sennhütten bis auf die Höhe sind belebte Im A 7 örc-Thal findet man gleichfalls grofse Sennhütten, wo man die Nacht zubringen kann, im Fall es unmöglich wäre weiter, zu kommen. Der Pafs ist für Pferde gangbar. Von der Höhe des Pragei südwärts erblickt man den Glärnisch , TViggis , die Sehe je , Safsberg , TV(inner, Ochsen- und flöfj-Stock. So lange das Gebirge vom Schnee noch nicht frey ist, mufs man aus Muotta- oder Klön - Thal einen kundigen Wegweiser mitneh- raen. Das Gebirge besteht aus Kalkstein mit abwechselnden Schichten Mergelschiefer. Neueste Kriegsgeschichte; Am 29; August 1799. fielen Gefechte zwischen den Oesterreichern und Franzosen auf dem Pragei vor. Den 29. und 30. September und 1. October zieht das ganze Russische Heer unter dem Gen. Suvrarovr aus dem Muolta- Thal über den Pragei nach Glarus und mufs jeden Fufsbreit erkämpfen ( s. Glarus'). Preg el-T hal, im K. Bündten, s. Bergell-Thal. Pretttgau, eigentlich Rhaeti - Gau, eine von sehr hohen Gebirgen umsclilofsnc Landschaft, 8 St. lang und 4 St. breit, welche aus einem Ilauptthal von der wilden Lande/uart durchströmt, und aus 9-10 Ne- benthälern und vielen wald - und weidereichen Bergen besteht. Das Hauptthal zieht sich von O. nach W. und öffnet sich bey Malans nicht als ein Thal sondern als eine enge Kluft (Klus genannt); durch welche die Landc/uart heraustritt, und bis an den nahen Rhein alles Land in einer Breite von 2 Stunden verwüstet. In O. wird cs von den gletscherreichen Salvretta , p'araina und Fermunt , nordwärts von der Kette des Rhaeticon, und südwestwärts vom Hochwang geschlos- $ sen , zwischen welche Gebirge alle Nebenthäler sich hineindrängen. In der Kette des Rhaeticon (Rhaetico mons nach Pomponius Meta ', stehen schreckliche ab- gerifsne kahle Hörner; so z. B. ein fürchterliches, das • sich aus dem Thal Schlepina erhebt; dann die \ ier Spitzen der Furca oberhalb Blasen- Eck; die zwey Hörner, zwischen denen das Dnzfur-Thor ist; dann Cencia plauna oberhalb Vanofs, auf welchem ein Gletscher liegt; der Geiran - Spitz und Fplluiii , über welchen diese Kette bey dem Luzien -Steig an den Rhein herabsteigt. In den Gletschern des Sardasca- und Fer- raina- oder Varaina-Tlhzles entspringt die Landquart, welche nebst den andern Bächen aus steilen Seitenthä- lern und Gebirgen dem Hauptthale fürchterlich wird, und schon oft (wie z. B, im J. 1570. im August und September) die* entsetzlichsten Verheerungen angerichtet und bis zum J. 1803. immer gröfseres Unglück über viele Gemeinden gebracht hat, weil man die gehörige Anlegung von Dämmen und Wuhren nicht versteht. Auch sind manche Gegenden von Lauinen öffters sehr verheeret worden. Sonst ist das Prettigau ein herrliches und fruchtbares Alpenland, welches das schönste und gröfste Rindvieh (schwarzbraun von Farbe und von mittlern Wuchs) im K. Graubündten nährt, reich an äufserst romantischen wie ari wilden Gegenden, und von einem schönen Menschenstamm deutschen Ursprungs 54 Pit ET TI GAU. bewohnt ist. Man zählt 18 Gemeinden, in eine noch weit gröfsre Menge Ddifchen zerstreut; hin und wieder ist das Land mit einzelnen Häusern, wie im K. Appenzell, übersäet; die Einwohner sind protestantisch und treiben nur Viehzucht und Alpenwirthschaft. Die Alpentrifften tragen romanische Namen, als Fasons , Alpnova, Cavell, Potz, Villan u. s. w,, und es ist • keinem Zweifel unterworlen , dafs die alte rhätische Sprache hier verdrängt worden sey. — Aus dem Pret- tigau hat sich das so nützliche Trocknungsgestell des Heues, Heinzen genannt, über ganz Grnubündten verbreitet. — Der den Schweitzer - Sennen so verhafste Rumex alpinus ( Alpen-Ampfer ) hier Blayden genannt, wird in Prettigau wie in ganz Bündten in Menge gepflanzt, weil man da dessen Blätter als ein Mastungs- mittel nebst Erdäpfel, Rüben und Milch für die Schweine benutzt. Es giebt auch in diesem Tliale viele Schnecken-Mästungen in eignen Gärten. Geschichte. Diese Landschaft hatte'sich unter den Schutz der mächtigen Barone -von Vatz freywillig begeben; bey deren Aussterben nahmen sie die Grafen von Toggenburg zu Schirmherren an, nachdem diese alle ihre Freyhciten bestätigt hatten, welche sehr ausgedehnt waren. Die Abfassung nämlich der Landesgesetze , Schliefsung von Bündnissen , Berathung über Krieg und Frieden und andere gemeinsame Angelegenheiten stand bey der allgemeinen Volksversammlung des Prettigaus. In einer Urkunde vom J. 1289. welche sich schon auf eine ältere bezieht, waren bereits alle diese »«. »i. isch Die »>, ist sehe beide! dies bs/stf BW, ’e- !► ine ,ne- BBltr rväty SrtW diese ans- ätsf I* jdf Hf* j?’ 1 P r e r t i g a ü. 55 Rechte und Freyheiten bestimmt. Nach dem Tode des letzten Grafen Friedrich von Toggenburg im J. 1436. (des mächtigsten Grofsen Rhätiens und der Schweitz, welcher von den Grenzen Zürichs bis in die Thäler des Inn alleiniger Herr war), ergriffen die Prettigauer, bey der entstehenden Verwirrung unter den verschiedenartigsten Landschaften und Wünschen der Einwohner des hinterlafsnen Toggenburgischen Erbes, die würdigste und männlichste Maasregel, unter sich einen Rund zu eignem Schutz und zu Erreichung dieses Hauptzwecks, eine gemeinsame Verfassung zu errichten. Diefs war der Zehn-Gerichten- Bund, welcher den ß. Juli 1436. von den ausgeschofsnen frommen und bescheidnen Landleuten Heinz, Gersta, Rugett, Schneider, Schürer, Mailet, Tenrcsta, Held und dein Landammann Ulrich Bely von Davos (dem Hauptui lieber des Bundes) besiegelt wurde. Nach Bestätigung dieses Bundes erkannten die Prettigauer die Grafen von Montfort und Sax, welche die Tokkenburgisclien Rechte in Prettigau erbten, als Schutzherren an. Deren Rechte und Güter giengen 1471. durch Kauf an Erzherzog Sigmund von Oesterreich über. In den Kriegen Oesterreichs gegen Bündten in den J. 1622-56. hatte Prettigau grofse Bedrängnisse von den Oesterreichern zu erdulden. Erst 1649, kaufte sich Prettigau von Oesterreich ganz los. Seitdem sind die Prettigauer ganz freye und unabhängige Gehirgsbcwohner, und bilden in dem allgemeinen Staatsverein Graubündtens den Zehn-Gerichten-Bund in Verbindung mit den Bezirken 5G Prettigau. j \layenfeld , Davos , Schallfik und /’ cljort . Als den 14. May 1799. die Oesterreicher die Franzosen in Bündten von Feldkirch und dem Montafunerthal aus an- griffen, überstieg ein Theil derselben unter Führung des Obersten Hitler den Rhäticon und kam über Scha- pin und Lunersee ins Prettigau hinab, und trieben die Franzosen aus der Kluse , während über die Guscher— alp andere den Luziensteig Wegnahmen (s. Feldkirch'}. Der Gastwirtli Mathis aus Chur wufste mit 80 Bündt- nern so geschickt sich zu benehmen, dafs er zwischen der Klus und Chur 1100 Franzosen gefangen nahm. (?) Weg ins Prettigau. Merkwürdigkeiten und Aussichten. Der einzige Eingang ins Prettigau geht von Malans durch eine enge Kluft % St. lang, dicht an der Landquart , zwischen dem Valsaina- und Seetviser-Berg. Wie man aus dem Schlunde ins Thal tritt, führt der Weg über die Fraksteiner - Brücke, wo die kaum erkennbaren Reste des Schlos'ses Frakstein *), welches bey der Brücke ein Vorwerk hatte, durch dessen Thor der Pafs und ganz Prettigau geschlossen werden konnte, liegen. Der erste Ort, den man berührt, heifst Pratisle (von pratum), in der Höhe die Reste des Schlosses Solavers (Geburtsort des letzten Crafen Friedrich von Toggenhurg , mit dem 1436. sein alter und mächtiger Stamm erlosch, und dessen Tod so grofse Verwirrungen in der Eidgenossenschaft ) Der letzte Besitzer von Frakstein (fraeta petra) wurde bey dem Mittagsschlaf von einem Jäger erschossen. veranlafste; s. Toggenburg, Zürich, P/e/fikon) , und oberhalb demselben das Dorf Seeiris *) am schönen Seeirisser- Berg, wo das Stammhaus des «dien Dichters Salis von Seeiris, der zu Malans wohnt, steht. Pra- tisle gegenüber öffnet sich rechts das Thal Valsaina (Val Sann), welches in Vergleichung der ungesunden Lage am nordwestlichen Fufs des Valsainer-Bergs seinen Namen mit Recht verdient. Von Pratisle kommt man nach Grüsch am wilden Garcerer-Bach, welcher aus dem dunkeln Tobel des Caneier-Thals herabkömmt, und 1762. das ganze Dorf Schmidten wegrifs, durch Schmidten, über den Böschishach, welcher vom Vano- serberg herabkömmt , durch Schirrsch ( welches im Winter kaum 2 St. lang Sonne geniefst), wo sich das DruSer - Thal öffnet, aus welchem der Sc/irn«-Bach strömt, der mit dem TVrzier-Bach vereint die Gegend" verwüstet, und durch welches ein Weg, Schuders auf fast unzugänglichen Bergen vorbey , zwischen zwey Fclshörnern, Drusus Thor genannt, ins Montafun-Thal führt; dann durch die Gegend in London genannt, über die Landquart nach Jenaz am Ausgange des Thaies Davo, in welchem eine schwefelhaltige Quelle und Bad; nach Fideris, in dessen Nähe aus einem wilden Tobel der Fideris - Bach hervorrauscht, und *) Severhard, Prediger zu Seewis zwischen 1716-1756., hat eine Topographie Graubündtens geschrieben, welche noch in Handschrift ist, und von ihm sind alle Artikel über Biindtcn in dem helvetischen Lexikon von Leu. Zürich i747 — ‘765. 58 P RET TI GAU. % St. davon ein Sauerrvasser quillt, welches seht besucht wird (s. Fideris). Gegenüber liegt Luzein auf lustiger Höhe, die Ruinen des Schlosses Casteis , und hoher Paney , wo der Segenback einen schönen Fall bildet. Zu Casteis war der Sitz des österreichischen Landvogts über das Prettigau bis 1649-i i m J* 1622. verjagten die Prettigauer, besonders die aus der Gemeinde Conters, die Oesterreicher mit Prügeln, (denn sie waren entwaffnet), eroberten das Schlofs Casteis und liefsen die Oesterreicher abziehen mit dem Beding, nie mehr gegen die Republik Bündten zu dienen. Von Fideris nach Kublis 1 St., den Eingang des Antonienthals vorbey (s. Antonienthal) \ von hier nach Saas , wo rßgq. ein Bergfall sich ereignete, wodurch 75 Menschen umkatnen ; gegenüber liegen Cunters und Serneus. Von Saas, den Eingang des Schlapinathals vorbey, nach Klosters (s. Klosters). Besteigung des Sc.aesa plana. Das höchste Felsenhorn im Prettigau , auf welchem sich die ausgedehnteste Aussicht darbietet , ist die Scaesa plana fSaxa plana), eine kegelförmige Spitze, 9207 Fufs übers Meer nach trigonometrischen Messungen des Hr. Magister Roesch. Wer es besteigen will, mufs der Dauer guten Wetters gewifs seyn. Man begiebt sich nach Seewis. Von hier 2 St. bis ins Ganyer — Bad *), welches sein Eigenthümer hat zu Grunde gehen lassen, *) Die Ganyer - Quelle llicfst aus einer Felswand und enthält MitleUatz und Schwefel; in der Nähe sind noch andere schwefelhaltige Quellen. P R F T T I G A U. 59 und dann 2 St. bis zur letzten Sennhütte auf der See- tviser - Alp. Lebensmittel mnfs man sich nachtragen lassen. Vor Tage bricht man von dieser Alphütte auf, und geht, im Fall'man dem Schwindel nicht unterworfen ist, in grader Richtung nach der Felsenwand oberhalb der Hütte; eine kleine Steinryffene bleibt links, und man besteigt einen hervorragenden Felsenkopf. Ohngefähr eine Viertelstunde lang geht es so steil, dafs man sich mit den Händen anklaromert, während der Fufs einen sichern Tritt sucht. Hat man die Höhe der Wand erreicht, so sind keine weitere Gefahren zu besorgen, und herrliche Wasserquellen geben neuen Muth. Von da gehts allmälig bergan bis zu einer Schneefläche, über welche man in westlicher Richtung y 2 Stunde fortwandert bis an den Ort , wo sie sich schnell nördlich auf einen Gletscher hinabsenkt; gewöhnlich ist dieser Schnee mit einer unzähligen Menge dahin verschlagner Insekten aller Art überstreut. Am Ende der Schneefläche steigt man über ein Steingerisel aufwärts, und so schwindlich es auch aussieht, so ist doch keine Gefahr dabey. Hat man den obern Rand der Felsenwand erreicht, so geht man in östlicher Richtung auf die Spitze ganz gemächlich hinauf. Gegen N. übersieht man den Lauf des Rheins bis in den Roden — See, diesen See mit allen seinen Ufern und Oertern, das flache Land von Schwaben bis nach Ulm, und die schwäbischen Gebirge, in welchen man den Buchauer -See noch deutlich unterscheiden kann. Von N. nach W. sieht man die Gebirge Appenzells , Toggenburgs, den Wal- 6o P R. E T T I G A ir. lenstadter - See, den Zürcher - See von Pfäffikon fast bis nach Zürich, den Albis, und einige Theile des Jura. In O. das ganze Wallgau oder die Landschaft Vorarleberg mit allen Nebenthälern; zu den Füfsen das .Mon£a/«/ 7 - Jei- i*r des dem «Im dien- oben bis des den .«8 , da ilt W ui eis! m S* »dd« ii*»> »»4“ # ^sC 1 über den Arle-P>tx% ins Tyrol. Will man vom Lüner- See ins Prettigaü zurück, so kann man dann über di« Alp Caväl hinab ins einsame Dörfchen Tschaders , nach Pufserein und Tschiers , oder nach Seewis , zurückgehen. Wer dem Schwindel unterworfen ist, thut am befsten, auf diesem Wege die Scaesa zu besteigen, ob man gleich 3 Stunden länger gehen mufs. Wege. Aus dem Prettigaü führen vier Wege über den Rhaetikon ins Montafuner - Thal; der eine Weg geht durch das sogenannt« Drusus - Thor, eia andrer durchs Schweitzer - Thor, welches enge Oeffnungen zwischen hohen Felsen sind ( s. andere Wege unter dem Art. Antonien- Thal}, — Den Alpenpafs ins Unter- Engadin s. unter dem Art. Klosters , — Nach Davos s. diesen Artikel. Pflanzen. Scilla bifolia, häufig bey Malans. Globularia cordifolla und Saxifraga oppositifolia (eine der schönsten Alpenpflanzen, blüht im May,) am Felsen bey der S ch 1 o fs b r ü c k e- Der Valsainer ■ Berg ist reich an Pflanzen. Die Gegend von Seewis hat eine reiche Flora und mannigfaltige Waldbäume. Sehr seltne Pflanzen am Scaesa plana : Unter andern Silene acaulis , mit weifser Blume; Achiliea atrata, moschata; Gypsophila fastigiata, welche bisher nur auf dem Septimer und Maloj a -gefunden worden war. Geognost. Beschaffenheit. Dafs der Falseina und Seewiser- Berg einst Zusammenhängen, fällt in der Klus beym ersten Blick in die Augen, und die Steinart und Schichtung dieser Berge bestätigt es. Vor 6z Prettigac. i der Trennung stellte also das ebne Thal im Prettigau einen See dar. Thonschiefer und schwarzgrauer Kalkstein mit vielen Kalkspath- und Quarzadern durchzogen ist die Felsart in der Klus. Dieser Kalkstein nimmt gebrannt rothe Farbe an, und zeigt sich gegen die Einwirkung der Nässe und Luft beym Gebrauch zum Baumörtel so dauerhaft, dafs er TVetterkalk genannt und zu diesem Behuf weit verführt wird. Thonschiefer und Kalkstein herrscht durch das ganze Prettigau bis in den südöstlichsten Theil des Antonytlials, und südwärts Klosters , wo das Urfelsgebilde beginnt. Der viele Thonschiefer ist die Ursache der Ungeheuern Zerstöh- rungen der Gebirge des Prettigaus ; die Ungeheuern nackten Hörner der Rhaetikonkette, aus Kalkstein bestehend, sind mit Schutt an allen Seiten bedeckt. Oberhalb Cunters und Serneus ist die Verwitterung des Schiefers so stark, dafs sie von den Einwohnern faule Gebirge genannt werden. Zwischen den Thonschieferschichten wittert Bittersalz aus. Der Thonschiefer geht häufig in PVetzschiefer über, wie bey Gancj , und enthält Nester von bunten Schwefelkiesen, welche für goldhaltig gehalten wurden, daher ehedem von einer Goldgrube oberhalb Seewis geredet wurde; auch kamen im XVII. Jahrhundert jährlich einige Männer hieher, welche die Kiese gruben und zu Sand stampften. Einzelne Kalksteinschichten haben rothe Farbe , und enthalten Versteinerungen; z. B. auf der Spitze der Scaesa plana Venusmuscheln. Ueher den Serpentin auf der Alp Casanna oberhalb Cunters und Serneus und deu •Al «oje ‘ge- wir- •k- d m und us in hvarts : Vuät J«oi- tuen tte~ Bades „jtfc 1 ] ld*fe ■ b» b ton» 'fl r Pusclavek-Thai. 65 dortigen goldhaltigen Schwefelkiesen siehe den Artikel Davos. — Krystalle in den hintersten Hochtliälern. Zwischen dem Gavier und Madrisen im Antony-Thal brechen Kupfer - und Eisenerze. Pusclaver - Thal (Val di PoschiavoJ , im K. Graubündten, auf der Südseite der Bernina - Kette, ein 6 St. langes, reiches und schönes Queer-Thal, öffnet sich in das Veltlin bey Tirana, wo der Poschia- vino alle Wässer des Pusclaver - Thals in die Adda führt. Der Eingang in dieses Thal vom Veltlin aus ist so enge, dafs man es als ganz getrennt davon betrachten kann. Geschichte. Die Kirche zu Poschiavo wurde im J. 701. vom longobardischen König Cunihert dem Bis- thum Como geschenkt. Im XII. und XIII. Jahrhun- der gehörte es den Grafen von Matsch in Tyrol, unter der Oberhoheit des Hochstifts von Chur. Es wurde i35°> von Joh. Visconti dem Stifte Chur entrissen, nachher durch Biindten wieder erobert, und vom mailän— dischen Herzog 1484* feyerlich an Bündten abgetreten. Die Einwohner kauften sich von dem Bisthum Chur im J. 1537. los, wurden nun ganz freye Bündtner, und gehören zum Gotteshaus - Bunde. Die Reformation drang auch hier ein, und Lando/ph trug durch Anlegung einer Druckerey viel zur Aufklärung dieses Thaies bey, indem aus derselben protestantische Religionsbücher hervorgiengen. Der Pabst und König von Spanien begehrten irn J. 1561. die Aufhebung dieser Druckgrey, aber die Republik Bündten gewährte es nicht. Die 64 Pus CLAVER - Th AL. durch Verbreitung der Reformation unter den Einwohnern im Thal entstandnen Unruhen, wohey ( 1625.) Rcformirte ermordet, und ihre Häuser verbrannt wurden, endigten 1629. mit völliger Gewissensfreylieit. Merkwürdigkeiten. Ein Drittheil aller Einwohner des Thals sind Protestanten , welche eu Po- schiavo und Brüs rcformirte Pfarrer haben, und zum Kapitel des Ober-Engadin gehören. Die katholischen * Einwohner stehen unter dem Bisthum von Como. Die Sprache der Pusclaver kommt der italienischen sehr nahe. Poschiavo ist der Hauptort, eins der gröfsten und wohlhabendsten Dörfer Graubündtens, in welchem, wegen des vi^l bereisten Passes aus dem Tyrol und Engadin über den Bernina durch dieses Thal, nach Italien viel Erwerb ist. Eine halbe Stunde von dem Flecken liegt der Pusclaver - Sec, 1^ St. lang, ^2 St. breit, ungeheuer tief, und sehr reich an Forellen und Aeschen. Nicht weit von dem Ort befindet sich auch eine periodisch fliefsende Quelle. An dem Ende des Sees beginnt das Brusasca - Thal, t % Stunde lang, bis zum Ausgange ins Veltiin sehr eng, den Bergfällen, Lauinen und Ryffeuen sehr ausgesetzt, und reich an Kastanienwäldern. Nicht weit vom See liegt an der Srrafse Brus (Bruscio J ; St. weiter rechter Hand ein herrlicher Wasserfall , und von hier 1 Stunde Madonna diTiran , wo der Anblick der Natur entzückend wird. An der Grenze gegen Veltiin liegt das Schlofs Piatta mala. Wege- Den Weg über den Bernina in das Pus- klaver - Thal s. unter Bernina. ]»fln n z e; Ligusticum peloponnesiacum wächst in der ganzen Schweiiz nirgends als hier Und bey Morhegno im Vcltlin. (ieognost. Thatsaclie. Granit, Oneifs, und Utkalkstein von weifser, bläulicher, und Fleiscbfarbe streichen durch dieses Thal. Ehe die Felsen, zwischen denen das enge Brusaska - Thal liegt, durchbrochen waren, bildete das ganze Pusc/aver - Thäl nur Einen grofsen See , dessen Tiefe ungeheuer gewesen seyn mufs, wenn man beobachtet, dafs seit Jahrtausenden von allen Seiten der Felsen Trümmer und Schutt herabge- f'iihrt worden sind, und die Tiefe des noch jetzt best stehenden Sees doch so aufserordentlicb ist. Mineralogie. Ehedem wurden in diesem Thal Bergwerke betiieben. Im J. 1201. verlieb Egeno, Graf von Malsch (welcher vom Stifte Chur Pusclav und Bormio zu Lehn hatte) dem Lanlranco del Pesc auf 20 Jaine den halben G.enufs alles Berg~ und Erzwerhs , welches in dem Pusclav gefunden sey , oder noch gefunden würde; und im J. 1239. trat llartyrich Ton Matsch seine Erzgruben in Pusclav an seinen Vetter Gebhard und Konrad im Veltlin ab. R. Rag atz, im K. St. Gallen, in der Landschaft Sargans, ein Flecken an der grofsen Landstrafse aus 66 Eacat l. der nördlichen Schweitz und aus Deutschland über Zürich und den Wallenstätter - See nach Chur und nach Italien , dicht an der Tamina , ^ St. vom Rhein. Wirthshaus: FFUde Mann. Geschichte. Ragatz stand schon im X. Jahrhundert, und gehörte dem Kloster Webers bis 1798- Dicht vor dem Dorfe die Reste der alten Burgen Nyd- berg und Freudenberg. Diese beyden österreichischen Burgen wurden 1457. von den Sarganser - Laudleuten und den Zürchern itn Monat May eingenommen und verbrannt; nur deswegen merkwürdig, weil diese Ereignisse neue Funken zu dem ersten Bürgerkriege der Eidgenossen waren ( s. Sargans , Pfeffikon , Toggen- burg und Zürich). In dem Kriege der Eidgenossen gegen Zürich, Oesterreich und Frankreich ( s. Toggen- burg , Pfeffikon , Zürich , Basel) verewigte sich auch hier am G. Merz 1446. die hohe Tapferkeit, Kühnheit und Seelenkraft der Schweitzer und ihrer Führer. Hans von Rechberg , dieser unversöhnliche und durch seine Thätigkeit so gefährliche Feind der Schweitzer, versammelte einen Heerhaufen mit kVotfarl von Bran- dis (welcher bis zur Toggenburgisclieu Erbschaft Bürger von Bern und Landmann von Schwytz und Glarus gewesen war) bcy Faduz und Meienfeld , um den Schweitzerkantonen in den Rücken zu fallen. Die Schweitzer, durch Appenzell davon unterrichtet, versammelten sich im Saigansischeu, und lagen zu Meis , als die Bothschaft kam, Rechberg sey mit Gooo M. zu Pferd und Fufs und Geschütz in Ragatz angtkommen. Früh am 6. Merz brachen die Schweitzer 1150 M. stark unter Ital Reding von Schwytz (Sohn des schieck- Jiclien Ital Reding , s. Greifensee ) und dem grofscn Landamman von Glarus, Jost Tschudi , von Meis über fj'angs gegen Ragatz auf, wo in der Ebne die Feinde kaum Zeit hatten, sich in Schlachtordnung zu stellen. Die Schweitzer griffen an, unterliefen nach einigem Verlust die feindlichen Stücke, schlugen die Reiterey zurück, und drangen wie ein Alpenstrom dergestalt in die Reihen Rechbergs , dafs ein panisches Schrecken die Feinde überfiel, und sie zur Flucht nach dem Rhein zwang. Es fielen von ihnen 1300, und 1500 ertranken in dem Rhein; alles Geschütz und andre Beute fiel in die Hände der Sieger, so wie die vollen Tische zu Ragatz, Dieser erstaunenswürdige Tag benahm den Feinden allen Muth, und wenige Monate nachher erfolgte der Friede. Der Schlachtensänger Hans Orrer zog überall umher, und sang auch diese Schlacht. Merkwürdigkeiten. Ueber die Namen der hoben Gehirge, ihre Höhe und die Oerter an deren Fuf's jenseits des Rheins , Ragatz gegenüber, sehe man den Art, Mayenfeld. — Bey den Burgen Nydberg und Freudenberg schöne Uebersichten des ganzen Thaies._ Sehenswerth ist der Austritt der wilden Tamina aus ihrem schwarzen Schlunde ( wenige Minuten vom Wirths- hause) , ein sehr malerischer Anblick, besonders bey Abend, voll wilden Trotzes und finstern Ausdrucks. In diesem Schlunde liegt das Pfeffers- Bad 2-3 St. aufwärts, t- Der ganze Flecken ist schon oft das Opfer 6,8 11 A G A T z. der Wutli der rasenden Tamina geworden, deren Verwüstungen vom J. 1762. noch sichtbar sind. Der über- mäfsig angcschwollne Strom überführte die Strafsen des Fleckens dergestalt mit Schutt, dafs man seit der Zeit in das hübsche Haus des Arztes, nahe am Wirthshause, auf 5-6 Stufen von der Strafse zur Thüre hinabsteigen mufs. Oeftere Verheerungen dieser Art stürzten die Einwohner in Armutli, welche durch die Kriegslasten in den J.J. 1799. und 1800. den höchsten Grad erreicht hat. Neueste Kriegsgeschichte. Diese Gegend war nämlich besonders der Schauplatz beständiger Gefechte und Truppenmärsche, sowohl bey den Angriffen der Franzosen auf Graubündlen , als auch bey ihren Zurückzügen, wenn sie den Oesterreichern weichen mufsten. Die unglaubliche Bedrückung dieser Einwohner durch den Krieg leuchtet aus der einzigen That- sache hervor, dafs der hier wohnende Arzt, Hr. Dokt. Hager , während diesen zwey Kriegsjahren in seinem Hause 7000 Franzosen beherbergte und verköstigte. Bey einem befürchteten Angriffe der Oesterreicher wurde die Tamina - Brücke von den Franzosen angezündet ; ein Wind trieb die Flammen auf liagatz zu, und der halbe Thcil des Fleckens ward ein Raub der Flammen. Wege. Von Ragatz führen zwey Wege nach dem Pfeffers - Bade ; der gewöhnliche für Pferde gangbare geht über das Dorf Valenz 2 St., und ins Bad hinab % St. Während einer Stunde ist diese Strafse immer ansteigend, bisweilen sehr steil, an einigen Stellen sehr schmal neben Abgründen, weswegen die Fremden, welche hier reiten, gehörige Vorsicht brauchen müssen; die zweytp Stunde geht durch Wiesen ohne alle Gefahr. Frauen und Kranke thun am befsten, wenn sie sich von Ragatz auf einem Lehnsessel tragen lassen, als die bequemste und sicherste Art, ins Bad zu gelangen. Auf diesem Wege werden auch alle Kisten und Sachen der Kurgäste dahin theils getragen, theils auf Schlitten fortgezogen. Die Preise für die Centnerlast sind bestimmt. Der andre Weg führt über die Ta - mina - Brücke nach dem Kloster und Dorfe Pfeffers i St. Bis dahin ziemlich steil kann man reiten. Von dem Kloster geht ein angenehmer Fufspfad nahe an der rechten Seite des Tamina - Schlundes bis zur Felsentreppe, und über diese hinunter in den Schlund und ins Bad i St. (s. Pfeffers - Bad'). Auch kann man vom Kloster auf dem Wege nach Vättis weiter reiten, bis an einige zerstreute Häuser, gerade oberhalb der Felsentreppc, hier Stiege genannt, wo man dann zu F’ufs in den Schlund hinabsteigt. Reisenden, welche zu Fufs wandern, rathe ich, von Ragatz über Valenz nach dem Bade zu gehen, und über die Felsentreppe und das Kloster Pfeffers zurückzukehren; oder, je nach dem Plan, entweder vom Kloster hinab nach der Tardis- Brücke und Chur , oder von der Felsentreppe über Vättis und den Kunhels - Berg nach Reichenau zu wandern (’s. Pfeffers-Bad). Ehe man von Ragatz das Kloster erreicht, geniefst man angenehme Aussichten über das breite Sarganser - Thal und den Rhein , Ragatz. \ 2 &' >i i • .__±a 7 ° nach dem Scholl- Berg, Schlofs und Stadt Sargans J den Sieben Kuh- Firsten , den J Gebirgen der Landschaft PVerdenberg und Sax u. s. w. Auf dem Wege vom Kloster nach dem Bade ist, einige Minuten vor der Felsentreppe, eine Stelle am Rande des Schlundes, wo man gerade unter sich in der schwindelnden Tiefe das Badehaus stehen sieht; ein Anblick von der sonderbarsten Art. — Den Weg von Ragatz nach Sargans (s. Sargans). — Auf die andre Seite des Rheins nach Mayenfeld und Jennins ist der kürzeste Weg, von Ragatz an den Rhein nach dem Fläscher - Berg sich zu wenden, wo für Fufsgänger eine Ueberfahrt ist; Reuter und Wagen müssen von Ragatz bis zur Tardis- * Brücke 2 St., über welche man auf die andre Seite des Rheins gelangt. — Nach Chur 4 - 5 St. über die Tardis - Brücke des Rheins; über die Zollbrücke der Landquart , welche aus dem Prettigau durch die enge Kluft, Klus genannt, linker Haüd hervorströmt, wo das schöne Dorf Malans sich zeigt, in. welchem der edle Dichter Salis von Seetvis wohnt (’s. Mayenfeld) •, dann in der Nahe des Schlosses Marschlins und Igis, durch Zizers , bey den Ruinen des Schlosses Aspre- mont und Trimmis vorbey nach Chur . (Ueber die Merkwürdigkeiten von Marschlins und den andern Oer- tern s. Chur), ' Geognost. Thatsachen. Dieses ganze Thal, Worin Ragatz liegt , und welches von dem Ff r allen- stadter-Sce ganz eben bis zur Tardis - Brücke an der Grenze von Bündten 6 St. lang, und von da bis Cliut .• ’.-t I R A G A T Z. w Vot dei <£t ler. 'm iciii K ierf tilt; ■Jit- ite äle der mje i" n k /<«; '¥ if t di* »O«' 7 l noch einige Stunden -weiter sich erstreckt, ist dem geo- gnostischen Beobachter in mehrern Rücksichten merk-, würdig. Bey der Tardis - Brücke tritt der Rhein, nachdem er kurz vorher die Landquarl aufgenommen hat, mit seinem linken Ufer aus Graubündten, und wendet seinen bisherigen nordöstlichen Lauf hier gerade nach Norden in dem Thale fort, welches zwischen der Kette des Rhaeticon und der vom Crispalt über den Galanda , Mathon und zn ey Brüder herabziehenden Kette nur tjj St. breit ist (s. hierüber den Art. Galanda'). Der Rhein strömt in nördlicher Richtung einige Stunden fort, beugt sich unvermuthet zwischen den Fidscher- und Scholl - Bergen auf einmal östlich^ und verschwindet. Bey näherer Betrachtung der ganzen Gegend ergiebt sich bald, dafs die Cuscher-Alp , und der Fidscher- Berg (das nördliche Ende der Rbae- tikon - Kette) mit dem Scholl-Berg Ein zusammenhängendes Kalkgebirge ausmachten, und nur durch gewaltsame Ereignisse zerrissen und getrennt worden sind. Das Sarganser- Thal dehnt sich von der Tardis- Brücke nach dem FFallenstadter - See hin, wie die Richtung des Rhein - Laufs, nördlich, und beugt sich dann etwas westlich. Der natürliche Lauf aller Gewässer, die der Rhein aus Biindten herausführte, mufste einst durch dieses Thal, durch den Vf'allenstadter- See und Zürcher- See gerichtet seyn. Ehe der Ldger- Berg bey Baden durchbrochen war, wogte von dort bis hinter Chur Ein einziger grofser See. Untersucht man die Thäler und Felsen von Reichenau an bis an Rag atz. 7 2 den fVallenstadter - See, so findet man noch die unleugbarsten Spuren von einer ehmaligen Wasserhöbe und Strömungen, welche über die jetzige Rhein -Fläche ohngefähr 150 Klaftern erhaben sind. Spuren von einem weit hohem Wasserstand in dem ganzen jetzigen Linth- Kessel zeigen sich ferner deutlich an den Trümmern entfernter Gebirge , die man dort auf Höhen von ta-i joo Fufs über den Zürcher- See abgesetzt findet (s. Ezel und Atüis'). Die Gewalt der aus Biind- ten hervorsrörnenden Gewässer konnte in der Richtung nach O., wo jetzt der Rhein zwischen dem I'ldscher- und Scholl- Berg durchfliefst, keineswegs wirken, sondern nur einzig und allein in der Richtung nach NO. und nach N. Nimmt man auf der rechten Seite des Rheins , in der Nähe der Tardis — Brücke seinen Standpunkt, so befindet man sich genau in der Richtung des Thaies von Chur; und wendet man sich nun nach NO. , so sieht man in derselben Richtung die tiefe Einsattlung zwischen dem Pinscher - Berg und der Guscher - Alp , wo der Pa ('s Luzicnsteig liegt. Es ist höchst wahrscheinlich, dafs diese tiefe Einjochung zwischen dem Pinscher - Berg und der Guscher- Alp von den I'luthen bewirkt wurde , die einst von Chur herauswälzten. Sobald die Wasser aber tiefer als die Höbe dieses Passes sanken, so mufsten ^sie nach dem PFallenstadler - See ihren Lauf nehmen. Es ist deswegen mehr als wahrscheinlich, dafs der Rhein einst in gerader Richtung durch den hVallenstndter - und Ziirich- See, durch die Kluft des hager- Bergs bey Badqn u^d R A G A T Z. 73 amßöfz-Berg, nach Deutschland strömte. Das Sar- ganser - Thal ist so eben und so unbeträchtlich über die VVasserhohe des Rheins erhaben, dafs es im 1 . ißiß., wo der RJicin durch lange Regen aufserordent- lich angeschwollen war, nur durch unsägliche Arbeit verhindert wurde, dafs der Strom sich nicht in den TYallenstadter - See ergofs , und seinen ursprünglichen Lauf wieder herstellte. Zwischen Sargans und TT'angs findet sich ia der Thalfläche, Bulschdr genannt, eine fast untnerkliche Erhöhung des Bodens mit stärkerm Abfall gegen den Rhein, wodurch verhindert wird, dafs derselbe, wenn er gegen TYangs auslritt, sich nicht nach dem Wallenstadter - See ergiefsen kann. Der Raum zwischen den Bächen, welche dem Rhein und dem TYallenstadter - See zuliiefsen, beträgt höchstens 200 Schritt. Im J. 1808. hat Hr. C. ILscher aus Zürich die Ebne der Butschär mit der Wasserwage gemessen, und gefunden, dafs der Rhein i<) ^ F. über seinen gewöhnlichen hohen Wasserstand ansteigen müsse, um gegen den Wallen-See fliefsen zu können. Der Rhein erhöht sein Bett durch Geschiebe, so dafs dadurch die unbeträchtliche Scheide der Butschär langsam verringert, und der Zeitpunkt wieder eintreten wird, wo der Rhein nach dem Wallen-See fliefsen würde, wenn menschliche Vorsicht und Knust es nicht verhindern (s. Baden'). — Das linke Ufer des Rheins zwischen Flasch , Meienfeld und Ragatz ist aufsero'r- dcntlich weit ins Thal hinein mit dem feinsten und schönsten Sande überdeckt, welcher aus den zerrieb- 74 Rapperswyl. ncn Urfelstrümmern Graubündtens entsteht, grauweifs, und in der Sonne aufserst glitzernd ist. Zwischen Ragatz und Meienfeld wurde ehedem aus diesem Rheinsande Gold gewaschen. Rapperswyl, Städtchen im K. St. Gallen, auf einer Landzunge am östlichen Ufer des obern Zürcher— Sees. WJrthshäuser ; Drey Könige , Stern , Hecht , und jetzt besonders Pfau. Geschichte. Wurde im J. tot)i. von den Grafen Rudolph von Rapperstryl erbaur*), deren Stammsitz am entgegengesetzten Ufer des Sees bey Altendorf stand, und hiefs mehrere Jahrhunderte in den Urkunden Ruprechtsvilla. Nach dem Erlöschen dieses Geschlechts im J. 1284* kam die Stadt an die Grafen von Habsburg — Lauffenburg, und im J. 1353* an ^ en Herzog Albrecht von Oesterreich. Während der österreichischen Herrschaft erlitt diese Stadt grofse Drangsale. Von 1333. an wurde sie von den Zürchern mehrmals belagert, und 1350 . erobert. Der Zürcher- Bürgermeister Brun (s. Zürich) liefs die alte Burg der Grafen zerstören, die Mauern der Stadt nieder- reifsen, die Einwohner heraustreiben, und die ganze Stadt anzünden; alles dies mitten im Winter, aus Rache gegen den Graf Johann von Rapperstryl, welcher mit ") Als Rudiffph nach langer Abwesenheit aus fernen Ländern zuriickivelirte, und ihm sein vertrautester Schaffner entgegengieng , um die Untreue seiner Gemahlin ihm zu offenbaren, empfieng der Graf ihn mit den "Worten : „Sage, was du willst, rede nur nicht gegen die Geliebte meines Herzens, die Griiiin, die Freude meines den aus Zürich vcrtriebnen Rittern gemeine Sache gemacht, und an der Mordnacht in Zürich Antheil genommen hatte, wobey er gefangen wurde, und in dem Wellenberg zu Zürich Jahrelang als Staatsge- fhngner sitzen mufste (s. Zürich). Rappersvryl war kaum wieder erbaut, und durch Herzog Leopold von Oesterreich befestigt, so wurde es im April 2 Tage nach der Schlacht von Näfels 1388* * v °n den Zürchern bestürmt, welche Glarus zu Hülfe eilten, und die gewonnene Schlacht unterweges erfuhren. Am Ende Aprills waren 6000 Eidgenossen hier versammelt, und belagerten die Stadt drey Wochen, stürmten neun Stunden lang von allen Seiten vergeblich, und zogen, nun ab. Peter von Thorberg befehligte die Besatzung von 700 genuesischen Schützen und lombardischen Soldaten. In dem Kriege der Eidgenossen gegen Oesterreich in dem J. 1444* wurde Rappersnyl von den Schweitzern 7^2 Monat so streng belagert, dafs die Einwohner, obgleich dicht am See, doch Mangel an Wasser litten. Die Besatzung bestand aus Bremgartnern, Zürcher-Landleuten u. s. w. unter Hauptmann Mejer, Hans ze Rliyne und Megger , Schultheifs von Brcmgarten._ Nach so vielem Unglück begab sich Rapperssryl 1458. in den Schutz der Eidgenossen *). In dem Bürgerkriege vom Lehens”. Der Schaffner fürchtete sich nun, wandte seine Rede auf die Bewachung des Landes, und schlug die Erbauung einer Burg auf der Erdzungc vor; wo jetzt Happersvyl steht. *) Eberhard Wüst , Stadtschreiber zu Rapperswyl, hat den 7Ö , IIapperswyl. J. 1712. wurde sie von den protestantischen Kantonen erobert, und rnufste deren Hoheit auerkennen. Die Stadt blieb ein Mittelding zwischen Munizipalstadt und unabhängigem I'reystaat, in welchem stets grofser Zwiespalt und innre Unruhen geherrscht haben.— Den 30. April 1798 . wurden in der Nähe von Rappersrryl die ersten Gefechte zwischen den Franzosen und Land— leuten der demokratischen Kantone geliefert. Noch in demselben Jahr wurde die Stadt dem K. Linth , und und im J. 1802. dem K. St. Gallen zugetheilt, Merkwürdigkeiten. Die hohe Lage der Stadt und ihre Thürme gewähren einen sehr malerischen Anblick von allen Punkten des Sees. Auf der Gartenstufe hey dem alten Sclilofs und bey dem Kapuzinerkloster eine sehr weite und herrliche Aussicht über den Zürcher- See und dessen Ufer, am günstigsten bey Morgenbeleuchtung. Rapperswyl gegenüber dehnt sich eine sehr lange und schmale Erdzunge in den See hinein.« Von dieser nach der Stadt liefs Herzog Leopold , nachdem er Alt - Rapperswyl und die March gekauft hatte, im J. 1358- eine Brücke erbauen, welche 1800 Schritte lang, 12 F. breit ist, auf 188 Jochen ruht, kein Geländer, und die Queerbretter nicht angenagelt hat; deswegen kann man nur scheulose und geduldige Pferde hinüberreiten, und auch Kutschen langsam hinüberfahren lassen. In dem Krieg von 1799 . und igoo. sind alle Bretter abgehoben, und nebst einer Bürgerkrieg der Eidgenossen gegen Zürich zwischen 1 444 * und 144b. beschrieben. Menge Balken verbrannt wurden. Jetzt ist dieser Schade wieder ausgebessert. — Zu Jonen , nabe bey Rappers- wyl, ist ein römischer Altar mit Inschrift gefunden, und in der Mauer der dortigen Kirche eingesetzt worden. — In dem Gebiete der Stadt sind gute Sandsteinbrüche, womit nach dem K. Zürich viel Handel getrieben wird. — Die Insel Vfnau , oder Huttens- Grab , gehörte wahrend der Revolution einem Bewohner von Rapperswyl ( s. Huttens-Grab ). Wege. Auf dem See kann man sich nach allen Seiten wenden. Eine Landstrafse führt von Rapperswyl nach Utznach (si diesen Artikel) 5 St. und am See abwärts nach Zürich 6 St.; eine der herrlichsten Lust- > fahrten in der ganzen Schweitz. Auffallend ist der Unterschied der reichen Kultur und der Wohlhabenheit, so wie man den K. Zürich berührt; auf diesem Wege sind zu SläJ'a die befsten Wirthshäuser (s. Stäfa und Zürich ). Andre Wege führen von Rapperswyl durch die schönen Dörfer Riiti und Vf'ald , in das Fischen- Und Bauma- Thal der Allmanns- Berge ( s.. die beyden letzten Artikel); ferner durchs Goldinger - Thal nach Lichtensteig im Toggenburg, und nach Grüningen, Greifensee u. s. w. R att 1 -Thai., (Val di Haiti J in der Landschaft Chiavenna, 6 St. lang, zieht in die Berninakette (s. ■ 1 Chiavenna ). “ Regensberg, sehr kleines Städtchen im K. Zürich, auf dem östlichen Ende des Läger- Bergs, 5 St. von der Stadt Zürich. Wirthshäuser : Lörren u. Krone. 7 » Regensbekc. Geschichte. Hier wohnten die Freiherren von Regensberg, deren im J. 1027. zuerst Erwähnung geschieht, und welche itn XII. und XIII. Jahrhundert zu den reichsten und mächtigsten Geschlechtern des Alle- mannischen Helveticas gehörten. Im J. 1264. kündigte der Freyherr Lüthold der Stadt Zürich den Krieg an, weil sie den Graf Rudolph von Habsburg zu ihrem Ilauptmann erwählt hatte, war aber unglücklich, verlor viele seiner Besitzungen, und begab sich zuletzt selbst in den Schutz und Schirm der Stadt. Nachdem in der Mitte des XIV. Jahrhunderts dieses Geschlecht erloschen war, erhielt das Städtchen das Bürgerrecht von Zürich , und Herzog Friedrich von Oesterreich verkaufte im J. 1409. seine Rechte an Regensberg an jenen Freystaat, von welcher Zeit das Städtchen der Sitz eines Landvogts wurde. Die Burg wurde iin J. i445- in dem Kriege der Eidgenossen gegen Zürich von den erstem belagert, erobert und verbrannt. Merkwürdigkeiten. Der Schlofsthurtn, ein Stück der Stadtmauer, und der Ziehbrunnen auf dem Platze, welcher 116 I*'. tief ist, sind Ueberreste der alten 1443. zerstörten Burg. — Zu Buchs , ohnweit Regensberg, fand man im J. 1759. e inige merkwürdige römische Ruinen. — Aul der iNordseite des Städtchens und des Läger-Iicrgs liegt das Wen- oder IVeninger- Thal, wo die Einwohner vermittelst des Mergels, der sich am Läger- Berg in Menge findet, ihre dürren Felder auisci ordentlich verbessert und in die fettesten Wiesen verwandelt haben. Regensberg. 79 Prächtige Aussichten. Da Regensberg auf dem Rücken des Lager-Bergs liegt, so ist die Aussicht aus dem Schlosse sehr schön, aber mit der berühmten und prächtigen Aussicht nicht zu vergleichen, welche man bey der Hochwacht, 1 jz St. von dem Städtchen, geniefst. Man gelangt dahin auf einem angenehmen, und gar nicht beschwerlichen Wege. Von Zürich oder Baden kann man bis Regensberg fahren. Man sollte hier die Nacht zubringen, um sowohl bey der Abend- als Morgenbeleuchtung die Ansicht der hohen Alpen von der Hochwacht recht zu genielsen; allein dazu ist das hellste und heiterste Wetter nothwendig. Zum Wegweiser von Regensberg nahm man ehmals den Aufseher der Hochwacht, damit man bey rauher Morgen- / luft in das Häuschen eintreten, und von da das aulseror- dentliche Schauspiel der glänzenden und glühenden Alpen bewundern könnte. Jetzt liegt dasselbe zerstört und offen da. Der Läger -Berg ist bey der Hochwacht 1750 F. über den Zürcher -See, oder 3029 F. übers Meer, also viel höher als der Albis und Hülli , und die Aussicht also auch viel ausgedehnter und prächtiger. Längs dem südlichen Fufs des Lägerberg zieht das liegenstorfer- Thal, längs dem Nordfufse das TVcn - Thal , dessen Bach weiter westwärts mit einem andern vereinigt die Surb bildet, und das Surbthal durchflicfst, wo Leng- nau und Dägerfelden liegen (s. Baden). Ost-, süd- und südwestwärts übersieht man den K. Thurgau , ' einen Theil des K. St. Gallen , K. Zürich und Aar— S a “ j den Katzensee , Greifensee, Zürchersee. die Flüsse Glatt , Thur , Töfs , das Schlofs li ) bürg, die Albishcttc , die Alimansberge , himmelwärts die A'pen vom K. Appenzell und hinter denen einige von Forarleberg und Tyrol, von G raub und t en , Glarus, Sc/us'j'tz , UV/, Untervf alden , Luzern und vom K. Bern his gegen den Ceinrni. Nach NO. streift der Blick über den Bodeusee nach Schwaben; nach N. sieht man jenseits der Glatt den Itheinsberg , weiter den bewaldeten Irchel, noch weiter nördlich den Kohlßrst und gegenüber nach NW. den Bohnenberg (zwischen welchen bey Laufen der Rhein den grofsen Fall bildet), noch nördlicher den Randenberg , an dessen Fufs Schaf hausen liegt. Nach NW. streichen jenseits dein Rhein , welcher vom Läger- Berg nur wenige Stunden entfernt zwischen dem Jurarücken strömt, die bewaldeten Bergrücken des Kletgau und Hegau , hinter denen sich die Schwarzwald-Gebirge erheben. Man erblickt in dem Kletgau die ungeheuren Ruinen von Kiissen- berg *), Sitz der Grafen von Sulz , welche im XV/ Jahrhunderte die Eidgenossen sehr beunruhigten; zwey- inal wurde diese Burg von den Schweitzern im XV*. Jahrhundert eingenommen und endlich 1633. durch die Schweden unter Feldmarschall Ilorn zerstört. Unterhalb Küssenberg liegt Zurzach am Rhein. Am Ende des scharfen Rückens des Lägerbergs in der Tiefe verborgen liegt Baden ( s. diesen Artikel). Nach W. ♦ zeigen sich der Bützberg , die Jurarücken in den K. *) Ein Jost von Kiisscnhcrg wurde bey Sempach i388. von den Eidgenossen erschlagen. Reichenau. 8 1 Basel, Solothurn und Aargau , und die Schlösser Habsburg , Brunek und Lenzburg. Pflanzen. Aul dem Läger - Berg ■wachsen die seltnem Pflanzen : • Bromus montanus • Athamanta cerVaria und oreoselinum. Thalictrum minus. Euphrasia lutea. Chrysanthemum co- rymbosum. Geognost. Beschaffenheit. Der Läger- Berg ist der östlichste Arm des Jura , und zeigt dieselbe Steinart und denselben Schichtenbau, wie jener (s. Jura). — In der Nahe von Regensberg westwärts, an der Nordseite des Läger- Bergs, Kalksteinbrüche, wo sich die nach S. senkenden Schichten aufs deutlichste beobachten lassen. Der ganze Läger- Berg zieht mit einem scharfen Eselsrücken westwärts nach Baden , und ostwärts fällt er sehr steil in die Fläche hinab. An der Südseite sind an einigen Stellen die Schichten sehr zerbrochen , und liegen als ungeheure Trümmer übereinander gestürzt. Auf der Nordseite viel Mergel und Gypslager. Der Kalkstein enthält Ammonshörner, Trochiten, Turbiniten, Ostraciten, Echiniten und Tu- buliten (s. Baden ). Ricolzwbuee - Thai, im K. Basel, (s. Liechstall). Reichenau (die Insel), s. Zeller-See. Reichenau, (rhätisch: La Pan oder la Pon Sol) K. Biindten, am Zusammeuflufs des Hinter- und For- der-Rheins; der Schlüssel zum Forder-Rhein-Thnl. _ Die Gegend ist äufserst reich an schönen Ansichten 1F. 6 Reichknau. aa und malerischen Standpunkten, besonders auf den ver- schiednen Eichcnhügeln. Oberhalb Reichenau ein Wasselfall und hen liehe Aussicht dort nach dem Schlosse Räztns (Rhaetia ima) *) in das Domleschger - Thal, nordwärts nach der Kirche von Tamins , und auf die Gletscher dej Hans - Stocks hinter J'lims , nach dem Schlofs und Dorf Bonaduz (besser Ponadoz von Pan- a-töts, d. i. Brodt für alle, weil hier grofse Kornfelder sind^ u. s. w. In dem Schlofsgarten übersieht man «ehr gut die Vereinigung der beyden Arme des Rheins. Der Tomliasker - Rhein oder Hinter — Rhein ist stet« aschen - oder schwarzblau - oder braunfärbig, der Snrsalver - Rhein oder VorderRhein stets rein und scladongrün, und ist an Wassermenge reicher und stärker als der andere. — Die Bergwerksgesellschaft tob Tiefenkasten hat hier ihre Verwaltung und Vorräthe. ■— Der Hinter-Rhein wird oberhalb Reichenau, schon bey der Hlbnlabrüeke fahrbar für Flösse, welche ao - 50 Centner tragen. Neuere Geschichte. Der in Ciamut, im höchsten Theile des Vorder - Rheinthals , am 1. May 1799. *) Der Freiherr von RUzins, Heinrich , schlofs sich an den schwarzen Rund des Adels, welcher i45o über den Runkels - Berg einen heimlichen Einfall in Bündten that, um sich der wichtigen Pässe nach Italien zu ermächtigen. Die Feinde wurden entdeckt, Heinrich gefangen, und von einem Gericht zu Vaicndaun als Bund- und Eidbrüchiger zum Tode verurlheilt. Die Gegenwart des Geistes seines Knechts rettete ihn. Dieser trat vor die Volksmenge und sprach: 11. Heinrich erkenne seine Schuld, ehre das Recht und wolle sterben. Eine Bitte möchten sie Heichenaü. 'Kl. fc Mo* ’ia], Ae iw hl. : du te* neu . ^ Ui tir- 10» !.*■ >! iD-li ri# „** e 1« # i* ■& & i v 83 ausgebrochne Aufstand, durch die Ausschweifungen der Franzosen veraulafst, wälzte sich gleich einer Lauine den Rhein hinab, entwaffnete eine Kompagnie Franzosen zu Disentis ( s. Tavetschcr ~ Thal und Disentis). ▼erstarkte sich von Dorf zu Dorf und wählte einen ehmaligen Offizier des Regiments Salis zum Anführer, So griffen die Bündtner 4-6000 M. stark die Franzosen zu Reichenau an, welche den Rhein und den Kun- kelspafs besetzt hielten. Das Gefecht war sehr hitzig; die Franzosen mufsten weichen, und die Bündtner verfolgten sie bis tjz St. vor Chur. Da der Angriff der Oesterreicher am i. May von Feldkirch aus auf Luzien- steig mifsglückt war, so erhielten die Franzosen zu Chur den 2. May Abends viel Verstärkung, welche dann die Bündtner nach blutigem Gefecht wieder zurücktrieben. Als die Franzosen durch Ems den ßündt- nern nachrückten, die noch am andern Ende des Dorfes waren, so fiel Hanna Maria Biller , 2tjähriges Mädchen, den Pferden der ersten Kanone in die Zügel und tödtete mit einem Keulensehlag den Stückknecht, machte) cs dem folgenden der zweyten Kanone eben so, und ihm noch gewähren. Seine Vorältern hätten mit dem biedern Bergvolke manchen Krug Wein geleert. Der Freyherr möchte noch eine so'che Stunde sehen. Hier sey Brodt, Fleisch, Wein; sie möchten ruhen, essen und froh seyn, dann wolle er getröstet scheiden”. Der Vorschlag gefiel. Der Knecht gieng um die Tafeln, er« wähnte der Jugend des Herrn, und der Verführungskunst des Bischofs. Die Männer Ständen auf, riefen Heinrich Lehen zu, usd er schwur Treu dem Grauen Bunde. 84 ' Reichenau. verschaffte durch das daraus in der engen Dorfgasse entstehende Gesperr ihren Landsleuten Zeit, sich der Kanonen zu bemächtigen und die Franzosen wieder aus dem Dorf zu treiben. Iu den Gefechten dieser Tage fielen 7 - 8°° Bündtner, und 1200 Franzosen. (S. Graubündlen , Chur , Feldkirch , Disenlis ). Wege und Merkwürdigkeiten. Der Weg nach Fättis und Pfefj'ers — Bad führt durch Tamins in romantischer Lage, von Deutschen bewohnt, nach dem Kunkels - Berg, und durch dessen Pafs la Foppa in 9 St. (s. Pfeffers - Bad). — Ein Weg nach dem K. Glarus führt von Reichenau durch Tamins , Trins und Flims , letztres auf anmuthiger Hohe, merkwürdig durch seine vielen und vollen W^asserquellen, wovon es den Namen ad Flumina erhielt, und durch seine schö- J nen Bewohner;* der Blaun ist hier oft fürchterlich. Von Flims führt ein Jägerweg durch die Flimser— Meiensäfse und Alpen, nahe bey dem Segnes - Horn vorbey, durch Ritchi nach Elm in 7 St.; der eigentliche Weg auch für Pferde führt durch Ruis ( 1 St. ob Ilanz ) nach Panix , über den Pauken - Kopf, nahe beym Haus- Stock und dessen Gletscher vorbey, durch den Jetz - Schlund nach Elm iu 8 Stunden. Diesen steilen und mühsamen Pafs überstieg die russische Armee unter dem General Suvrarow den 5. Oktober J 799 - (s. Glarus’). — Von Reichenau durch das Ober-Rhein -Thal oder den Grauen-Bund ins Ursern- Thal auf den Gotthard , 22 St. Die meisten Gemeinden dieses Thaies sprechen romanisch. Nach Ilanz Reichenau: 85 7 St. giebt es zwey Strafsen ; i) Auf der linken Seite des Rheins durch Tamins, Trins, Waldhäuser unter Flints, Lax, Sagens, Schlots'is ; oder 2) Auf der rechten Seite des Stroms durch Bonaduz (eigentlich Pana- dötz), Versatn, wo aus dem Ver'sam- Tobel der Savier- Bach oder Rabiusa ( s. Savier - Thal) hervorwälzt; Vallendas und Kästris, wo viele Kretins und Kröpfige sind (s. llanz). Der Rhein fliefst in grofser Tiefe zwischen Felsen; deswegen führen diese zwey Wege, von ihm entfernt, über die Bergseiten nach llanz , wo ein wirkliches Thal, die Grube genannt, sich öffnet. — Von Reichenau südwärts nach Tusis 2 St., durch Pa— nadötz, Räzins, durch den weiten Bergrifs zwischen dem Sckeid-herg und Heinzen-Therg, wo die Aussicht in das reiche, fruchtbare und bevölkerte Thal äufsersz malerisch ist (s. Tusis). Von Reichenau, an der rechten Seite des Rheins, ins Domleschger- Thal (s. To— mils). In dem Bergrifs links auf einem Vorfelsen das Schlofs Ortenstein\ in der Tiefe Rothenbrun, und an der Seite die Trümmer der Schlösser Ober- und Nie- der-Juvalta (s. über diese Schlösser den Art. Tomils).— Nach Chur 2 St. durch Ems. Geognostische Beschaffenheit. Die Gebirge um Reichenau, und aufwärts nach llanz, auf der nördlichen Seite, bestehen aus Schiefer und Kalkschiefer in abwechselnden Farben. Zwischen Flims und Lax sieht man die Trümmer eines herabgestürzten Marmor-Berges. In dem Bette des Vorder- und Hinter - Rheins Granitblöcke, besonders im Hinter-Rhein sehr schönes g6 Reichen* ach. Urfelsgerölle. (Ueber den Ursprung der Hügel zwischen Reichenau und Ems s. den Art. Sitten). Reichen bach, ein berühmter Wasserfall itn K. Bern (s, Meiringen), Re mus, oder Ramosch , K, Bündten, }m Unter- Engadin , an der Landstrafse nach Tyrol (s. Engadin). Merkwürdigkeiten. Nahe bey Remus , am Rande des gräfslichen Tobels Wraunca , liegen auf einem Felsen die Reste des Schlosses Tschanuff , welches die Oesterreicher Im J. 1 475- in dem sogenannten Hennen-Kriege verbrannten. Hier verlor der Bündtne- rische Feldhauptmann, Gebhard Wilhelm, freudig sein Leben, nachdem er den riesenmäfsigen Anführer der Tj roter , Martin Johann von Nanders , mit eigner Hand erlegt, bis in die eilfte Reihe eingedrungen und die Hallenser - Fahne zerrissen hatte, —r Ueber diesen Tobel führt die Brücke Pont peidra. Zu Sckleins (i St. von Remus), war im J, »499-, während des Schwaben - Krieges , die Bäurin Eupa mit Zubereitung einer Begräbnifs-Mahlzeit beschäftigt, als alle Männer in der Kirche sich befanden, Auf einmal rückten 400 Oesterreicher ein, Die Anführer frugen die Frau, für wen diese Mahlzeit bereitet würde ? Für die im Antug begriffenen Eidgenossen ! war ihre behende Antwort, Die Feinde kehrten augenblicklich zurück; allein sie wurden von den durch Eupa benachrichtigten Männern verfolgt, und büfsten viele der Ihrigen ein, Bey dem Dorf Remus öffnet sich das 3 St. lange Thal La- %>er. In demselben liegt, % St, oberhalb Remus, da» Dorf Uns; es theilt sich ins Val Laver und Val Chiög- gias und grenzt ans Thal Fenga. Remus gegenüber an der Südseite öffnet sich das Val d'Amsa , in welchem, 3 St. von Remus entfernt, eine merkwürdige periodische Quelle. Sie fliefst als ein starker Bach aus einer 300 Schritt langen Hole eines Knlkfelsens im Sommer drey- mal, des Morgens tun 9 Uhr, Mittags und Abends. — Bey Sclileins, (Tschlin, Celin) welches auf bedeutender Höhe in anmuthiger Lage liegt, ist das Thal Samniaun ( Samagnun), welches sich bey Tschera nahe an Fin— stermünz öffnet, und sich in die Thäler Samniaun und fiampuoir spaltet. Dieses Thal ist fast unbekannt, obgleich ziemlich bewohnt; die Hälfte desselben bis an die. Mühle von Spijs gehört zu Tyrol, die andere Hälfte znm K. Bündten. Zur Gemeinde Sclileins gehört Martinsbruch ( Pomartina), der letzte Ort des Unter - Engadins gegen Tyrol, Sehenswert her Felsenschlund von Finstermünz. Tsahe bey Martinsbriick die merkwürdige Felsenschlucht, durch welche der Inn sich seiner Wiege entwindet und bey dem Schlosse und Zollhause Finster - münz ins Tyrol tritt. Oberhalb der Martins - Brücke liegt am rechten Inn-Ufer bey Plaita mala das Schlofs Sarviezel. Diese Schlucht ist das einzige Thor in der Ungeheuern Alpenmauer, durch welches man fast ebnen Fufses aus Deutschland nach Italien kommen kaun. (S. Livino - Thal). Wege. Aus dieser Kluft führt dte Strafte aufwärts rechts : 1) Durch Nauders über die Malserheide ins Etschthal. Der höchste Punkt dieses Passes im Tyrol aus Deutschland nach Italien , durch welchen eine fahrbare Strafse geht, liegt zwischen JVauders und Mals bey der Kapelle ob Reschen , wo man gegen S. den ungeheuren Orteier erblickt. Mals selbst liegt 5074 - 3344 F. iibcrs Meer, und jene höchste Stelle mag ohngefähr wie der Brennerpafs gegen 4375 F. übers Meer seyn; der Barometer stand hier auf 23° 8* 7", das Thermometer 6 *[2° über Null. Auf der Jhbne der Malserheide fiel im J. 1499. in dem Schwaben - Kriege (s. Dörnach } eine blutige Schlacht zwischen den Grauöündtnern und Oesterreichern vor,, in welcher die erstem durch Fontaua’s Tapferkeit siegten. Auch wurde in diesen Gegenden in den Monaten Merz und April 1799. zwischen den Franzosen und Oesterreichern viel gefochten. 2) Geht links von Finstermünz längs dem Inn nach handeck und Jnspruck, — Von Remus, das Engadin aufwärts, nach Schuols \ 1 j 2 St. (s. diesen Artikel). Hinter dem Schlofs Tschanuf geht ein Fufsweg über die Alpen la Verr nach Ysklen im Pal- nann-Thal, welches sich bey Landeck öffnet. G e o g n o s t is ch e Beschaffenheit. Vor Mar- ftTzs-Brücke streicht Urkalkstein rechts nach Osten; bis Finstermünz Kalkschiefer mit weifsen Spathadern, weiter Glimmet schiefer und Gneifs. Die himmelhohen Felsen auf beyden Seiten des gewaltigen Durchbruchs bey Finstermünz zeigen gleiche Steinart und Schichtung, und bildeten ohne Zweifel einst ein einziges Gebirge. Im Thal Sampuoir wird sehr feiner Bolus gefunden. Mineralogie. Kupfererz ganz, der sehr reichhaltig seyn soll , oberhalb Remus. — Rothes Rauschgelb in Menge auf der Remiiser - Ochsenalp Rusenna im Val d’Assa. Oberhalb dem Dorfe Schieins bricht sehr reicher Kupferliefs in einem mächtigen Gange; fünf Gruben standen hier 179a. noch in Ausbeute. — Im Thal Sampuoir enthält der Berg Mandin Erze , welche goldhaltig seyn sollen. Reulissek, Berg im K. Bern, zwischen dem Simmen-uud Aarten-Thale, über welchen ein Fufsweg von Lenk nach Lauenen in 5 St. führt. Zuerst geht von Lenk der Pfad über den Vorberg, den Wallik t den Hasler — Berg, den Loch — Berg, und dann über den höchsten Theil dieser gemach ansteigenden Grasberge, den Reulissen , 54°° F- übers Meer, von da man j^ann 2 St. immer abwärts steigt. Auf der Höhe dieses Passes sieht man südwärts den Wilden Strubel , den Räzli- Gletscher, das Wild- Mittag- Seltenschön - Horn, den Tungel- Gletscher, Gemseritz , den Gelten- Gletscher, Sanetsch , Wispil-llorn, Olden- Horn, Diable- rets; ostwärts das weii’se Dolden - Horn und die Alt- Eis; westwärts eine Menge nackte gelbröthliche Kalk- Hörner des Äaa/ten-Landes; nordwestlich das Ijauenen- Horn, welches den Reulissen beherrscht. Um nicht den Weg zu verfehlen, ist es rathsain, von Lenk oder Lauenen einen Wegweiser mitzunehmen ; denn oben auf der Höhe des Berges bemerkt man nichts von dem Fufspfade, der den Wandrer leiten kann, und maü trifft nur eine einzige Sennhütte unterhalb dem Reulissen auf der Seite nach Lenk an. go Reulissen. Geognost, Thatsachen. Auf der Hohe dei Reulissen geht «ehr schöner Gyps zu Tage; seine Schichten «tehen senkrecht und streichen von SW. nach NO. Er ist eine Fortsetzung der merkwürdigen Gyps- Lager, welche aus der Landschaft Bex durchs Csteig und Lauerten- Thal, über den Reulissen weiter nordöstlich durchs Simmen -Thal, wo er St, Stephan gegenüber wieder zu Tage geht, unter der Niesen - Kette fort, zum Theil durchs Adelboden - Thal, nach dem Thuner-See , bey Kralingen und Lcifsingen vorbey fortzieht (s. Bex, Latte ne n , Spiele und Leijsingeu), Die Schwefelquellen in dem Elivat - Lauen - Turbach- Thal, bey Lenk , im Adelboden- Thal und bey LeiJsingen, entspringen in diesen Gypslagern. — Nicht weit von der Stelle, wo auf dem Reulissen der Gyps zu Tage geht, ist noch eine geognostische Merkwürdigkeit; nämlich mitten in den ausgedehnten Bergweiden ragt ein einzelner ganz nackter Kalksteinfels als eine Ruine empor, und gewährt den sonderbarsten Anblick, Dieser Fels ist nicht ein von ferne her geführter oder von höhern Gebirgen herabgestürzter Trümmerblock, sondern des letzte Ueberrest von dem Kalkflötz, welches den ganzen Reulissen und diese ausgedehnten Weiden einst bedeckte, also ein sehr merkwürdiges Denkmal der ehmaligen Beschaffenheit dieser und so vieler andern ähnlichen Gebirgsgegenden. Es ist eine ausgemachte Thatsache, dafs die jetzt so zerrifsnen und oft weit getrennten Felsen einst ein zusammenhängendes Ganzes ausmachten, und dafs alle zwischen hohen Felsenhörnern liegende niedrige Grasberge ehedem ungeheure Gebirge trugen, welche zusammengestürzt und durch Wasserfluten weggeführt worden sind. Aber ein so beweisendes Denkmal dieses Satzes habe ich nirgends als hier auf dem Reulissen in der Kalkstein- Ruine, auf der Pf aff genannt, gesehen. Ohne die Zertrümmerung und Wegführung der Kalkflötz-Decke würde man auf dieser Höhe den Gyps nie zu Gesicht bekommen haben, und über die Fortsetzung dieser merkwürdigen Gyps - Lager in Ungewifsheit gebliehen seyn. Reuss, einer der gröfsten Flüsse der Schweitz. ( s. dessen Ursprung unter dem Art. Gotthard , und dessen prächtige Fälle unter den Art, Am Stäg , Andermatt und Hospital ), Rhieticos, eine Felsenkette, welche den K. Craubiindten nordöstlich umschliefst, und Felshörner über 9000 F. übers Meer trägt (deren JMetwürdig- keiten s. Galanda, Prettigau und Adeienfeld. Rhein, der prächtigste Flufs von Europa (selbst von den Römern superbum genannt ) entspringt in Grau- bündten in drey Armen (s, Tavütscher - Thal, Disentis , J.uhmanier und Rheinrrald-Tltal ), Sein Name ist cel- tisch , so wie fast alle Namen der Flusse in der Schweitz. Die Celten nannten ihn Ren, Rhen (Flüssigkeit, welche rinnt), woraus die Römer Rhenus , die Gothen Rino , Rinno. und die Angelsachsen Ryne bildeten*). Dafs Die Boironicr in Italien nennen auch einen ihrer Flüsse Rhen. Die Grauküudtner nennen mehrere ihrer FImssq ga Rhein. der Rhein von den Grenzen Graubündtens an einst wahrscheinlich einen andern Lauf als jetzt hatte , darüber s. Ragatz und Baden. Der Rhein führt die geläuterten Wasserschätze der unermefslichen Schnee - und Eisfelder fast aller Gebirge nordwärts des Alpen- kamms, von dem Adler- Berg auf der Grenze Tyrols an bis an die Diablerets und den Jaman , und den Hauptwasserschatz des in der Schweitz liegenden Jura nach Deutschland; durchströmt von Basel bis zum Ringer - Loch das prächtigste Thal Europa’s ; durchbricht die Kette des Hohen— und Hundsriicks- Gebirges bis Koblenz; durchwallt das Neurviedter- Thal, strömt von Andernach herrlieh zwischen hohen Bergen bis Bonn , und wälzt von hier seine schönen, stets lau— tergrünen Fluthen (obgleich er von Basel an die trüben Gewässer so vieler Bäche und der ansehnlichen Flüsse des Nekars , May ns , der JVaAe, Bahn und Mosel , aufgenommen hat), durch ebne Länder, nach Holland, dem Nordmeere zu. Der Rhein führt Goldblättchen (von Karat), auf welche sonst zu Chur , Maienfeld , Eglisau und Seckingen Goldwäschen angelegt waren. Von der Grenze der Schweitz bis Strasburg sind die Goldblättchen selten; aber zwischen Strasburg und Phitippsburg , und ganz besonders zwischen Fort—Louis und Germersheim sind ehedem viele Goldwäschen sowohl von dein Bischof und der Stadt Strasburg, als auch von den Fürsten von Baden , Nas- Rheiu : z. B. die Okerhalbsteiner , die Luguuzer , heifsen ihren Haupt - Thalstrom auch Rhein • sau - Saarbruck, von Darmstadt und von vielen Edelleuten gehalten worden. Die Goldwäschen in den badischen Dörfern Knielingen , Eckenstein , Schreck und Linkenheim gaben von 1755.— 1771. olingefähr 70 Mark Gold oder 24000 Gulden. Rheinau, kleines Städtchen im K. Zürich, am Rhein zwischen Scheffhansen nnd Eglisau , Meikwiir- dig hier auf einei Insel die Benediktiner- Abtey *), welche im J. 778. von dem Graf Welf, dem Stammvater der ersten Linie der Welfen gegründet wurde, eine an Handschriften reiche Bibliotheck und Naturalien- Sammlung hatte, und gelehrte Mönche besafs, welche historische und diplomatische Werke bekannt gemacht haben. Der gelehrteste unter allen Gliedern dieses Stiftes war der 1795. verstorbne Hr. P. Moriz van der Meer von Hohenbaum , welcher über 80 Werke, Gegenstände der Welt - und Kirchengeschichte betreffend, grö'fstentheils ungedruckt hinterlassen hat. In seinem hohen Alter schrieb er noch merkwürdige Handschriften ab, z. B. 1) Gilg TschudVs Beschreibung des Kappeier - Kriegs, mit Vorbericht und vielen Anmerkungen. 2) Job, Go/ders, Schultheifsen von Luzern , Nachrichten vom Kappeier-Krieg. 3) Gilg Tschudi's Fortsetzung seiner Scluveilzer - Kronik. /. B. von *) S, y“n der Meer’s kurze Geschichte der tausendjährigen Stiftung des Gotteshauses Rheinau. Donauüscliingcn, 1778. Historia diplomatica Monasterii Rhenaugiensis, 3 T. in Folio, Handschrift in der Klosterbibliotheck; diese Geschichte geht bis zum J, 1778- 94 Rheineck. 147a. an, — V. B. bis 1564., welcher zugleich Tschudi’s Supplemente von i 475 * 1500. enthält. VI. B. Fortsetzung der Supplemente vom J. 1500. —. 1559. in Fol. mit allgemeinen und besondern Registern. In dieser Vollständigkeit giebt es sehr wenige Exemplare der Tschudischcn Kronik in der Schweitz. 4) BuU lingers Reformationsgeschichte. I. und II. ß. von 151g, — 152g. mit Anmerkungen und Registern. Dieser tbätige Moris van der Meer arbeitete noch in seinen letzten Tagen an dem heben des Geschickt - Schreibers Gilg Tschudis , welches der gelehrte Rhein- auische Archivar Hr. Ildephons Fuchs vollendet im J, 1806. herausgegeben hat. In der Bibliothek des Klosters befinden sich neun Foliobände mit dem Titel Miscellanea , welche den nachgelafsnen gelehrten Briefwechsel des Hm. van der Meer über Gegenstände aus der Schweitzer Profan- und Kirchengeschichte enthält; diese Sammlung ist durch den Eifer des Hrn. Archivar Fuchs schon auf 40 Bände angewachsen. — Sehenswerth das Grottenkirchlein an der Spitze der Insel. Der Rhein macht hier eine starke Krümmung, und der Ort geniefst eine angenehme Lage. Rheineck, Städtchen im K. St. Gallen , 1 St. vom Einflüsse des Rheins in den Boden -See , in der Landschaft Rheinthal. Wirthshäuser : Krone , und Rebstock. Es liegt unter dem 47 0 37 1 6 " der Breite, «nd 37° 15' 6“ der Länge. Aussichten und Merkwürdigkeiten. Dasselbe geniefst eine schone Lage in der Mitte des Unter - «to «ffi. i»(. ►, TOt Di!. 0(11 cU Fiitt t io! rfo Titl «S- liw nÜ kBÜK SA» lei» .ni* Hb 1 >> f# Rheinsck. g5 Rheinthals. Von hier auf den Buch - Berg (i St.) ein angenehmer Spaziergang, wo bey dem sogenannten steinernen Tisch eine herrliche Aussicht ist. Nach dem appenzellischen Dorf TVolfshalden , aufwärts i St., wo eine prächtige Aussicht, und wo die Oesterreicher von den Appenzellern im J. 1405. zurückgeschlagen wurden. Die Spaziergänge von Rheineck nach Thal und Staade herab, und von Rheineck herauf nach St. Margaretha, Bernang, Rebstein, Marbach und Altstädten längs dem herrlichen Berggelände gehören zu den reizendsten in der Schweitz. Weinberge, Obstbäume, Wiesen, Felder, überziehen die Thälchen und mannigfaltigen Hügel, welche zu den Appenzeller-Bergen emporstufen, und eine Menge Dörfer, Weiler, Schlösser und schöne Landhäuser beleben das Ganze; von Staade bis St. Margaretha liegen 28 schöne Landsitze zerstreut. Oberhalb St. Margaretha die Trümmer des i 4 ° 5 * von den Appenzellern zerstörten Schlosses Crimrnenstein. Nicht weit hinter St. Margaretha ist die Grenze des Untern-Rheinthals, und man gelangt dort bey Sichelstein an eine Stelle, wo sich plötzlich das Obere.- Rheinthal dem Auge entfaltet. Bis Balgack lieht man die Schlösser Zyringenstein t Rosenberg , Grünenstein, und oberhalb Rebstein und Marbach sechs Landhäuser.— In der Gemeinde Thal geniefst man bey dem Landhause, Platte genannt, die schönste Aussicht über den Bodeu - See. —> Oberhalb Rheineck standen die Trümmer zweyer 1445. von den Appenzellern zerstörten Burgen, wovon jetzt noch wenig übrig ist. I I '■ - --i ■ 96 Rheineck. Als Rheineck im J. 1410. sich der Gefahr, vorn Herzog Friedrich von Oesterreich eingenommen zu werden, ausgesetzt sah, zündeten die Einwohner ihre Hauser selbst an, und zogen mit den Appenzellem, welche bey ihnen Wache hielten, hinauf nach Appenzell. Rheineck hat einige schöne Gebäude; viel Holz- und Durchgangs-Handel, Bleichen, Färbereyen und Leinewand-,. Baurawollenzeug-, Hals- und Schnupftuch-Fabriken; geschickte Handwerker. Hier wohnt Hr. Küster (eh- maliger Finanzminister der helvetischen Republik), dessen Verdienste um das Rheinthal s. Altstädten und Rheinthal; und Hr. Joh. Rad. Steinmüller ( PredigerJ, welcher ein Naturalien - Kabinet besitzt, und als Naturforscher und Schriftsteller rühmlichst bekannt ist. In der Nähe von Rheineck bey Thal im Fuchsloch , bey Staade und Margaretha sind vortrefliche Sandsteinbrüche, wo Mühlen-, Schleif- und Brunnensteine, in Platten nach beliebiger Gröfse gebrochen und weit verführt werden. Auch wächst in diesem Bezirke am ZfacA-Berge der befste rothe Rheinthaler -Wein, welcher der edelste in der ganzen deutschen Schweitz ist, und der befste weifse Rheinthaler - W ein wächst bey Rernang. Im J. 918. wurden hier die ersten Weinreben gepflanzt. Damals wurde ein Fafs Wein für so unschätzbar gehalten, dafs die zahlreichen Mönche der Abtey St, Oal/en, als es nicht gelingen wollte, eiu in ein Loch gefallenes Fafs Wein, welches ihnen vom Bischof zu Konstanz geschickt wurde, herauszuziehen, eine feyerliche Prozession um das Loch hielten, und in lauten Choren anstimmten: Herr , erbarm dich unser 1 Rh EINFELDE N. lilic k *ecl 4- ka ; (it- lik), i ui Vs 1, *!• »t, HE kt« ia'i f k! ffon- fei« ä* / 97 Wege. Nach Roschach 2 St. Nach der Inselstadc Lindau, über den See, 1 St. Nach Bregenz 2 St. Durch das Rheinthal nach Altstädten 4 St. (s, alle diese Artikel ). Rhein - Fall, der gröfste und berühmteste Was- terfall in Europa (s. Schaff hausen), Rheinfelden, Städtchen im K. Aargau , am linken Ufer des Rheins, an der Landstrafse von Basel nach Zürich, die beträchtlichste unter den sogenannten vier Waldstädten: Rheinfelden, Waldshut, Laufenburg und Seckingen. Wirthshäuser : Schiff, und drey Könige. — Eine Brücke führt hier über den Flufs, gerade an der Stelle, wo seine Wellen in ihrem Felsen- Bette am wildesten schäumen. Dieser Wasserstrudel wird der Höllhachen genannt, und 'ward schon manchem Schiffe verderblich; 60 scheiterten hier den 6 Aug. 1462. sechzig Wallfahrter, und der Prälat von TVettingen nebst andern angesehnen Personen aus Basel ertranken. Die Brücke geht auf einem grofsen Felsen mitten im Rheine hinüber, worauf ehmals eine feste Burg stand, welche der Stein zu Rheinfelden , auch Burgstall , hiefs. Geschichte. Unter dem Schutz der Burg mitten im Rhein entstand aus den Trümmern der Augusta Rauy racorum die Stadt Rheinfelden, ein Eigenthum der Grafen von Rheinfelden , von denen es (1090.) durch weibliche Erben an das Haus Zähringen, und nach Erlöschung desselben ( 1218.) an das deutsche Reich, und durch Verpfändung Ludwigs von Baiern (1330.) IV. 1 7 gg RHEINFELDEN. an Oesterreich kam. Bekanntlich war der Gegenkaiser Rudolph ■von Schwaben , welchen Gregor VH. (1077.) dem verfolgten Heinrich JV . entgegensetzte, ein Graf non Rheinfelden. — Nach der blutigen Schlacht der Schweitzer gegen die Franzosen zu St. Jacob bey Basel 1444. (s. Basel '), und nach dem Abzug der letztem, führte der Adel den Krieg mit Erbitterung gegen die Eidgenossen fort. Die Stadt Rheinfelden , vom Reich an Oesterreich verpfändet, errichtete mit Basel einen zehnjährigen Bund, und die Burg wurde von Baselern, Bernern und Solothurnern belagert. Des Herzog Alb- rechts Versuch, sie zu entsetzen, schlug fehl, und der Stein fiel (1445.) in die Hände der Schweitzer; aber ihre darin eingeschloisncn Erzfeinde , z. B. Thüring von Hallwyl , Hans von Falkenstein (s. Bruck) retteten sich durch List. Während den Friedens-Unterhandlungen zwischen Oesterreich und den Eidgenossen überfiel der Adel, unter Anführung von Hans von Rechberg , Thomas von Falkenstein , Griinenberg , den 23 . October 1448. Rheinfelden auf eine vertätherische Weise, erstachen alles , was auf der Strafse war, jagten alle Einwohner fort, verübten jede- Schandthat, und vertheilten die ganze Haabe der unglücklichen Bürger tfttter sich. Die Ritter lührten gegen die Schweitzer den Krieg auf eine unmenschliche Weise fort *); sie *) Sie hieben Leuten, welche Zinsen nach ßasel trugen, die llände ab; sie folterten und richteten Gefangne hin, lielsen Feuer anlegcn, und verübten jede verruchte Tiiat selbst gegen Unbewaffnete und Unschuldige, Einer die- Rheinfelde n. 99 wurden aber alle durch den A/uth und die Kühnheit der Baseler so gezüchtigt, dafs der Friede (1449.) sehr schnell mit Markgraf Jacob in Vorder - Oesterrei- cbischen Landen herheygeführt wurde. Rhein fehlen wurde dem Schweitzer-Bündnifs und dem Reiche entlassen, und der Herzog von Oesterreich versprach Herstellung der Stadt und ihrer Verfassung. Rheinfetden erhielt seitdem ansehnliche Festungswerke, und ward von den Schweden 1653* eingenommen, aber von den Bürgern durch Oeffnung eines Thores dem Kaiser!. General Altringer bald wieder in die Hände gespielt, fm folgenden Jahre belagerte sie der Rheingraf Johann. Philipp 25 Wochen lang, und bezwang sie nur durch Hunger. Im J. 1638- ward sie durch Herzog Bernhard ■von FVeimar erobert. — An den franz. General Be- lisle ergab sich die Besatzung des Burgstalls 1744., worauf die Festungswerke von den Franzosen zerstört wurden. Als ein Theil des Frikthals gehörte sie dem Haus Oesterreich , bis jenes im J. 1805. an die Schweitz kam ( s. Frick - Thal). Merkwürdigkeiten. Die Stadt hat ein Spithal nnd ein Krankenhaus. Das Collegiatstift St. Martin daselbst nährt sechs Chorherren und einen Probst aus beträchtlichen Einkünften. Die Kapuziner, deren Kloster ehmals aufser den Mauern stand, wurden aus Besorgnifs ser Ritter liefs die Stadt Basel durch seinen Hund, Delphin fehden ; dafür sähe Hermann von Fptingen seine Burg in Flammen aufgehen , und mufste mit de« Seini- gen im Gcfängnifs der Baseler schmachten. vor den Schwediscbgesinnten 1655. in die Stadt unweit der Stiftskirche verpflanzt. Der Johanniter - Comthu- reyhof, welcher oben in der Stadt am Rheine steht, soll aus den Gütern der Tempelherren, die 1312. aufgehoben wurden, entstanden seyn. — Olsberg , ein adeliches Frauenstift in einem engen Thale südwärts Rheinfelden am Violenbach , welcher die Grenze des K. Basels und Aargaus macht. Es wurde 1171. gegründet , und Gottes - Garten oder Oelberg (verdorben Olsberg ) genannt. Eine Aebtissin, sechs adeliche Stiftsfrauen und einige Anwartschaftshabende , von denen nur die Aebtissin an unehelichen Stand gebunden ist, geniefsen der Einkünfte, welche ein Amtmann verwaltet. Geognost. Thatsache. Der Rhein fliefst hier in einem Kalkbette, und 1 St. weiter bey Jagst in einem Nagelfluebette. Der Brücke Rheinfeldens auf der rechten Seite gegenüber Sandsteinfelsen von rothen, grünen und weifsen Schichten, wovon das Korn Als zur Grofse einer Erbse sich zeigt. Rheinthai.*). So wird die Landschaft genannt, welche zwischen dem K. Appenzell und dem linken Ufer des Rheins vom Boden - See 8 St. lang aufwärts zieht. Ist eigentlich der schmälste Theil des sehr *) S. Ebels Schilderung der Gebirgsvölker, Th II. S. 88 * 99 * Joh. Rud. Steinmüller , Beschreibung der Alpen - und landwirthschaft u. s. w II. B. 1 So/ f . Winterthur, von S. 2 G 3-358 — Geschichte des Rheinthals , nebst einer topographisch — statistischen Beschreibung dieses Landes, breiten Thaies, welches vom rechten Ufer an zu Deutschland gehört. Geschichte. Da das alte Rhätien sich bis an den Boden-See erstreckte, so war Rheinthal ein Theil desselben bis 914. Als sich zu dieser Zeit die verschiednen Freyherren und Grafen unabhängig zu machen suchten, so geschieht auch nur des Rheinthals zum erstenmal Erwähnung unter der Hoheit der Grafen von Werden- berg , welche schon irn J. 705. Herren zu Rheineck waren, und ans Kloster St. Gallen Güter schenkten. Unter dem Hause Werdenberg lebten viele Freyherren im Rhcinthal, z. B. die v. ßernang, v. Grimmenstein , v. Zrringenstein , v. Grünenstein u. s. w.— Als die Ungarn im X. Jahrhundert bis 955. zu wiederholten malen diese Gegenden am Boden-See, Schwaben und so viele andere Länder vewüsteten, so trugen die Rhein- thaler unter dem Graf Rudolph von Werdenberg (besonders 925.) zu einem gtofsen Siege über diese Barbaren viel bey. — Das Kloster St. Gallen erwarb sich seit dem VIII. Jahrhundert Besitzungen in dem Rheinthal , und suchte sie während achthundert Jahren stets auf jede Art auszudehnen. — Im XIV. Jahrhundert focht der Rheinthalsche Adel mit Werdenberg gegen die Eidgenossen bey allen Schlachten jener Zeit, welche mit einer Karte und Prospekten. St. Gallen igo 5 . Kr. Küster in Rheineck liefs auf seine Kosten durch Hm. Fehr das Rheinthal trigonometrisch vermessen, und die Karte verfertigen , welche diesem auch auf seine Kosten herausgegebnen Werke beygefügt ist. 102 II H E X NT H A L. Oesterreich den Schweitzern lieferte. Demohngeachtet bemächtigte sich Herzog Leopold mit Gewalt des ganzen Rheinthals und llcrdenbcrgs ( s. Appenzell , ll erdenberg'). In dem Kriege Oesierreichs gegen Appenzell wurde 1405. das Rheinthal von den Appenzellern, 1411. wieder von Oesterreich erobert. Während der Acht des Herzogs Friedrich zog es der Kaiser Siegmund (1415.) ans deutsche Reich, verpfändete es (1425.) an Graf Friedrich -von l'oggenburg , und dieser an die Herren von Feyer , welche ihre Rechte (1460.) an die Appenzeller veikauften. In den Händeln der Appenzeller gegen den Abt von St. Gallen und über die Klosterverbrennung zu Rorschach zogen die Eidgenossen (1490.) das Rheinthal an sich, und es war seitdem eine gemeinschaftliche Vogtey der Schweitzer- Kantone.— Die Reformation wurde 1528. durch Mehrheit der Stimmen von den Einwohnern des Rheinthals angenommen. Seit dieser Zeit hatten die Reformirten theils durch die katholischen Landviigte, theils durch den Abt von St. Gallen viel zu leiden , und sie gelangten erst 1718- zum ruhigen Gcnufs der Gewissens- freyheit. Im J. 1798- wurde das Rheinthal dem K. Säntis, und 1804. dem K. St. Gallen zugetheilt. „ Merkwürdigkeiten. Das Rheinlhal ist 3 Q Meilen grol’s, und enthielt (1796.) 22006 Einwohner (unter dcuen 10,09t Protestanten siud), also auf einer Quadiatmeile 11,000 Menschen. Nach später auf- genommenen Verzeichnissen betrug die waffenfähige Mannschaft über 16 Jahr 6724 M. —* Das Ländchen hat Getraide- Wiesen- Obst - und Weinhau, Viehzucht, Alpenwirthschaft auf dem Ober - und Unter- Kamor, Flachs, Hanf- und Baumwollenspinnerey, We- berey, Moufselin - Stickereyen, mehrere Zitzfabriken, Holz- und viel Durchgangs - Handel. Das türkische Korn wird fast allgemein gebaut, und die Obstbaumzucht in hohem Grade getrieben. Das Obst wird zu Cyder geprefst, zu welchem meistentheils Birnen, oder ein Gemisch von Birnen und Aepfel genommen werden. Manche Haushaltung besitzt weiter nichts als eine Anzahl Obstbäume auf den Gemeinweiden. Der Weinbau ist ebenfalls sehr beträchtlich (s. Rheineck). Der Wohlstand der Rheinthaler ist besonders durch die im J. 1770- 1771. veranstaltete Vertheilung des grofsen mehrere Stunden ausgedehnten Bau - und Eisenrieds (Gemeinweiden bisher ) gegründet worden. Dadurch erhält selbst der Aermste, sobald er verheyrathet ist, nach und nach ein Eigenthum von 5-8 Aeckern und Wiesen. Die weisen und musterhaften Verordnungen, welche die Landvögte, Joh. Heinrich Grob von Zürich, und PEurstemberger von Bern, bey Vertheilung des Gemeinbodens, zum Grunde legten, werden den immerwährenden Dank der Rheinthaler und den lauteste» Beyfall jedes Menschenfreundes verdienen; man sehe J. R. Steinmüllers Beschreib, der schrreiteer. Alpen— uni Landwirthschaft , II. B. 1804. Winterthur. S. 288» 3 00 1 343 ~ 358 - — Trefliche Sandsteinbrüche sind im Fucbsloch bey Thal , bey Staade , St. Margaretha und Altstädten , wo die Steine zu vielerley 104 RllEINTHAt. Zwecken bearbeitet und weit verführt werden. — Bä !- der sind zu Thal , Balg ach, St. Margaretha , Kobel - — Tory' besitzt das Obere - Rheinthal viel.—. Hin und wieder halten die Katholiken und Protestanten in einer und derselben Kirche ihren Gottesdienst. Berühmte Männer. Iso , aus dem Rheinthal , Mönch im Kloster St. Gallen, und Lehrer an der berühmten Klosterschule am Ende des IX. Jahrhunderts, war der gelehrteste Mann seiner Zeit, hinterliefs ein Werk de viris illustribus, und bildete den gelehrten und berühmten Salomon -von Ramschwag , Bischof von Konstanz ( s. St. Gallen). Jacob Ruef (Arzt), welcher zuerst die theatralische Muse in deutschem Gewände auftreten liefs, war aus dem Rheinthal. Er wurde 1552. Bürger von Zürich, und damals liefs er auf dem dasigcn Münsterplatz mehrere seiner Schauspiele, z. B. JVilhelm Teil , Job , Abraham , Lazarus aufführen; alle seine Stücke wurden zu Zürich 1552. gedruckt. — Rheinthaler waren gleichfalls Commander (Burgmann genannt), der thatigste Reformator in Granbündten , dessen Katechismus dort in deutscher, romanischer, ladinischer und italienischer Sprache gelehrt wird, und Benedikt Burgaucr , Geistlicher zu St. Gallen, welcher die Reformation zu St. Gallen, im Rheinthal und in allen diesen Gegenden beförderte. Geognost. Thatsaclien. In dem OAer-Rhein- tbale, von Riiti bis Haard , tritt das Kalkgebirge aus dem K. Appenzell in zerrifsner Hügelform bis an den Rhein. In der Mitte des Thaies, zwischen Oberried, und Sennrrald , erhebt sich der lange Hügel St. Valen- tin- Berg; er besteht gleichfalls aus Kalkstein. Alles dies sind die Ueberreste der hohen Kalksteinfelsen, welche einst nach NO. fortsetzten , und mit den Kalkfelsen hinter Hohen-Embs und Feldkirch in genauem Zusammenhang standen. An dieses Kalkgebirge legen sich, von Haard an, Berge aus Sandstein, Mergel und Nagelflue, welche sich nach dem Boden-See ziehen. Dasselbe zeigt sich auf der andern Seite des Sees ( s. Appenzell'). Der Boden - See dehnte sich einst viel tiefer ins Rheinthal. Der ganze Boden des Rheinthals besteht aus über einander gehäuftem Flufs- lies, mit Moorerde 7-9 F. hoch bedeckt. Zu Strabo’s Zeit flofs der Rhein durch grofse Moräste, welche das ganze Rheinthal bedeckten. Vier Jahrhunderte später, als Ammian Marcellin diese Gegend besuchte, fand er das Thal auch noch voll Sümpfe, und mit Ungeheuern Wäldern bedeckt. Zu Vadians Zeit (im XVI. Jahrhundert) stand auf dem Eisenried noch ein kleiner See ohne alle Verbindung mit dem Rhein. Jenseit dem Rhein zwischen Fufsach und St. Johann stehen noch die beyden Logseen. In dem Buchsee- Riede zwischen Alt-Rhein und Stande befinden sich noch jetzt viele grundlose Stellen, welche ein Ueberrest der vorigen Seetiefe sind (s. Boden-See ). Rhein wald-Thal ( rhät. Val Rhein und Val de Rhein) im K. Bündten , 5 St. lang, % St. breit, von sehr hohen Gebirgen umgeben. Der einzige Eingang in dasselbe, ohne über Felsenpässe zu steigen, io6 Rheinwald -Thai.. Führt durch den Felsenrifs, die Rofßen genannt, von dem Schamser -Thale her. Oestlich zeigt sich der*Sa- retta , südöstlich der Splügen und Tambo , südlich der Kucurnill oder Carnella (das Wetterglas der Einwohner von Nujenen), das Millug - Horn, Schwarze- Horn und Bernhardin ; südwestlich ein 2 St. langer Felsenkanim , das Muschel - Horn , auch Avicula oder Monte del Ucrello genannt; westlich das Zaport - und Lenta- Horn und Piz pal Rhein*) (s. Lugnetz-Thal); nördlich das Fallen-Felli-\\ orn, Valser- Berg (Cito nt di Fa s , der Ca'endari und Cuve’Cnl. Die höchs en Felsen, wie z. ß. Piz Fal H lein , Muschel— Horn und dessen Nachbarn, sind 10280 F. übers Meer. Merkwürdigkeiten. Ungeheure Gletscher lasten auf diesen Gebirgen. Das Thal ist fürchterlichen Lauinen ausgesetzt. Neun Monate dauert der Winter; zu Ende Juny schiefst das Gras, und Ende August mufs alles Heu gesammelt seyn. — Dieses Thal ist von Deutschen bewohnt, welche von der schwäbischen Kolonie abstammen, die Kaiser Friedrich /. gegen Ende des XII. Jahrhunderts hieher setzte, um des Passes über den Splügen stets sicher zu seyn**). In der deutschen Mundart der Bewohner des Rheinryald- Thals findet man viele Worte und Redensarten der *) Der Piz Val Rhein hatte keinen Namen , ehe ihn der Ilr. Kapitular Placidus a Specha bestiegen hatte; er wird oft mit dem Zaport- und Lenta-Horn verwechselt. **) Daraus mufs man aber nicht folgern, dafs dieses Thal vorher unhcw'ohnt gewesen sey. Die meisten Namen der Rheih wald- Thal. itt 'V '■(- oder u&d W); «« fee i im: li- » muh [ 101 Utio n * * * * 8 0 » ^ jl a k 107 Minnesänger! Im XIII. Jahrhundert traten sie unter den Schutz des Freyherrn von Vatz , welcher ihre Frey- heitsurkunde vom J. ta77. bestätigte, nachher unter die Grafen von TYerdenberg , deren Rechte Jacob von Trivulzio im J. 14 93 - erkaufte, dessen Nachkommen sic im J. 1616. den Einwohnern für 3500 Gl. völlig abtraten. — Durch dieses Thal führen zwey Hauptpässe über die Alpen nach Italien: der eine geht über den Splügen , der andere über den Bernhardino (s. diese Artikel). Wenn man aus dem Schamser - Thale durch die Rofflen ins Rheinwald -Thal eintritt, führt der Weg durch Suvers (aufwärts), Splügen (Spluja , ohne Aehre), der Hauptort (s. diesen Art.), Mädel (in der Mitte), Ebi oder Planura (wo die Einwohner des ganzen Thaies den ersten Sonntag des Mayes ihre Landesgemeinde halten, welche bey schönem Wetter die glänzendste und lustigste im ganzen K. Graubündten ist), durch Noveina oder JSufeneii (ohne Haber) und Hinter - Rhein , das letzte Dorf, 3 St. von Splügen. Die Kirche von Hinter - Rhein liegt 4770 F. übers Meer. Von hier führt die Strafse auf den Bernhardino. Ursprung des Ilinter-Rheins und dessen Gletscher. Ganz im Hintergründe dieses Thaies, welches äufserst wild und schauerlich sich zwischen die jfck Alpweiden der Gebirge, der Oerter, der verschie'dnen jfd* Lagen sind rhätisch. Auch sprachen zufolge des grofsen ^ Geschichtschreibers Tschudi die Einwohner von Splügen ^1 im XVI. Jahrhundert noch rhätisch. Das Rheinwald- 8 Thal war also ursprünglich von den alten Rhätiern bewohnt. log Rheinwald-Thai,. Ungeheuern Felsen des Avicula und Piz Valrhein hineindrängt, liegt der Rheinvrald- Gletscher und der Ursprung des Hinter - Rheins. Von dem Dorfe Hinter- Rhein hat man bis dahin 3 St. Der Weg geht eine Stunde lang ziemlich eben im Thale. Am Ende desselben wendet er sich meist nordwärts und bald über Steinrvffenen und Schneelagen am Fufs der Zaportalp, welche durch einen tiefen Tobel, Hölle genannt, von der Alp Paradies getrennt ist. Man steigt auf die Zaportalp zu den Sennhütten der Tessini, (Bergamas- ker-Schäfer *), und von diesen noch ziemlich aufwärts, um auf den gehörigen Standpunkt zur Uebersicht des Felseilkessels des schwarzen Muschelhorns , des zwey Stunden langen Felsenkamms, über welchen 13 kleine Bäche herabgiefsen, und des Hinter - Rhein- Gletschers zu kommen. Will man zu dem Gletscher in den Kessel hinabsteigen, so mufs man sehr gute Führer bey sich haben, sonst wage man es nicht. Aus dem Kessel zurück über die meistens mit Steintrümmern bedeckte Paradies- Alp und durch die Hölle verkürzt den Weg sehr, aber ohne kundige Führer ist es nicht möglich. Das Eisgewölbe, woraus der Gletscherbach hervorströmt, ist bisweilen grofs und prächtig. Dieser Gletscherbach und die 13 Bäche, welche über den Felsenkamm herabschäumen, sind die eigentlichen Quellen des Hinter- *) Die Berganiaskcr-Schäfer beziehen seit Jahrhunderten alle Sommer die Alpweidcn des K. Rünäten, Ihre Scheaf- wirthschait hat viel merkwürdiges, (s. den Sammler in Grauhündten , Jahrg. 111 . 1781. St. 38 . S. 399. und Rhein wald-Thal. ■ta \ ätk eie. eiet b- fer *\j| YQQ i in au- wu, : to i» iri in- bt] ,««1 '#■ jröÄ »bf jiiüf <*•* y j log Rheins. So wie der junge Rhein die tiefe Schlucht seiner Wiege verlassen hat, nimmt er bis Splügen 16 Bäche auf, wühlt durch die Rofflen , empfängt im Schamser- Thale noch 6 Bäche, durchfrifst die schwarzen Schlünde der Via mala , erhält im Domleschger— Thale wieder io Bäche, und vereinigt sich bey Reichenau mit dem Vorder - Rhein , der auf seinem Laufe bis hieher gegen 30 Bäche aufgenommen hat. Von Reichenau bis zum Roden-See ergiefsen sich noch einige 30 Bäche in den Rhein , unter denen die Landquart , die Tamina und die lll beträchtlich sind. Die Gletscher in dem Hintergründe des Rheinwalds haben, nach der Sage der Einwohner, zugenommen, und eh- malige nutzbare Alptriften sind jetzt mit Gletschern # bedeckt. Es wird behauptet, dafs ehedem über die Zaport- Alp ein Pafs ins Kalanker- Thal führte, auf dessen Höhe ein Wirthshaus war, und dafs an einem Orte eine heidnische Kapelle, nachher eine Einsiedeley gestanden habe, wo jetzt nur Gletscher liegen. In der Nähe des Dorfes Hinter - Rhein zeichnet sich unter andern Bächen der Weisbach durch einen ansehnlichen Fall aus. Wege, lieber die Strafsen von dem Dorfe Splügen über den Splügen- Berg, und vom Dorfe Hinter- * Rhein über den Bernhardino ( s. diese Art .) Ueher Steinmüliers Beschreib, der Aipenwirthsch. Th. I.) Die Käse, welche sie aus Schaaf- und Kuhmilch, 3 Pfund schwer, bereiten, heifsen sie Puina ; der Schaafmilch- Zieger steht in dem Ruf einer beliebten Alpenspeise. iio Rheinwald-Thal. die Wege ins Valser- und Savicr- Thal (s. Lngnetz und Splügen ). Ins Sc/ißm-rer-Thal ( s. Andeer). Pf 1 anz en. Centaurea phrygia in den "Wiesen des /i )i c i n \v n l d ~ Thals. Achillea nana, Juncus spadiceus, Poalaxa, Festuca vivipara am H int e r - Hhe in. Auf dem Wege nach dem Ursprung des Hin t er-Rheins eine Menge Rumex alpinus, dessen Blätter die Bündtner zur Schweinmastung brauchen, Achillea moschata, auf der Zaport-Alp. Geognost. Thatsachen. Alle Gebirge dieses Thaies bestehen aus Urfels. Granit, Gneifs und Glim- Dierschiefer sind herrschend. Ah der Nordseite des Thals streichen zwischen den Gneifsfelsen Urkalkstein und Gyps in senkrechten Schichten von SW. nach NO., und setzen von hier nach dem Averser-Thzii. fort. Die schönsten Gyps- und Alahasterherge zeigen sich grade dem Tambo gegenüber zwischen Splügen und Sufers, Grade nordwärts von Splügen bestehen die höchsten Berge aus graublauem Urkalkstein mit grofsen weifsen Kalkspathadern durchzogen. Auf dem Suverseiberg ro- ther Marmor. Der Fufs des Muschel- Horns, worauf der Rhein- Gletscher liegt, besteht aus Gneifs, in welchem der Quarz herrschend ist, mit schönen grofsen hochrothen zwölfseitigen Granaten gemengt. Die Oberfläche der kleinen Ebne voy dem Gletscher ist sonderbar gestaltet; sie zeigt nämlich breite aber niedrige Erhöhungen, wie neben einander liegende Heuhäufchcn. Wenn bisweilen in sehr heifsen Sommern der Rhein- Gletscher abschmilzt, und dadurch eine Strecke des Rhone. iti iii nca ko 'int, fea Gl» ! dt! t/eir, ft, & nie ftn, &w iplw IJ" - «1# Q rtiw Oüw $ & / / Felsens, worauf er liegt, zu Tage kömmt, so zeigt sich dieselbe Gestaltung auf dessen Oberfläche. Ganz die nämliche Beschaffenheit sieht mau an der Südseite des Muschel- Horns, auf der Mösa - Alp ( s. Bernhar- dino ), und auf der Nordseite des Gemini. Die Ursache dieser Erscheinung s. man unter dem Artikel Gemmi. Bey dem Ursprünge des Rheins findet man Schwefelkiese und Goldblättchen. Rhone, einer der gröfsten Flüsse Europa’s, entspringt an der Westseite des Gotthard- Gebirges in Ober- FYal/is ( s. Furka ). Der Name ist celtiscli, von rho , rhod (schneller Lauf) und dan (Flufs), Rho-dan , Rhodanus , oder von re«, rhon (rinnen). Die Oberwalliser nennen dep Strom noch jetzt Rodde. Der Ursprung der Rhone war so wie/der des Rheins den Alten unbekannt; sie äufsern daher sehr irrige Begriffe darüber, und ihre Dichter sangen: ,, Aus dem geheimsten ,, IVinkel der Erde , aus den Pforten und PVohnun- „gen evriger Nacht vrälze der Flufs Rhodan seine ,,Finthen in stürmende Seen, längsthin dem traurigen „Lande der Celten". — Die Rhone nimmt bis zu ihrem Einflufs in den Genfer - See (ein Lauf von 37“58 St.) 80 Bäche auf, und empfängt bald nach ihrem Ausflufs, St. von Genf , durch die Arve alle Wasserschätze der Nord- und Westseite der Montblanckette. Ueber den Durchbruch der Rhone mitten durch das Jura- Gebirge s. Genf. An dem westlichen Saum des Jura erhält sie den Ain , nicht weit von Poncin, so voll und wasserreich als die Rhone selbst: 4 112 Rhone-Thal. bey Lyon vereinigt sich der rasche mannhafte F'lufs mit der sanften Saone, und nimmt von hier bis zum Mittelländischen Meer alle Gewässer der Südwestseite der Grauen und Kottischen Alpen (vom Montblanc au, durch Savoyen, das Dauphine und Provence) auf. Von Lyon an ist der Lauf der Rhone viel schneller, als der des Rheins durch Deutschland. Rhone-Thal, so wird bisweilen Wallis genannt, (s. Wallis), Richteiswh, im K. Zürich, grofses Dorf, in einer weiten Bucht am südlichen Ufer des Ziircher- Sees. Wärthshäuser ; Enget , Rabe und III Könige , sehr gut; ihre Lage ist nahe am See, und deswegen sehr angenehm. WArde von Reisenden sehr häufig besneht, so lange der liebenswürdige Doktor Iloze, genauer Freund Lavaters , hier wohnte. — Hier werden die Waarcn ausgelnclen, welche nach Italien gehen , und auf der Are bis Brunnen am Luzerner-See gefahren. Der See ist hier am breitesten, und die Aussichten an seinen Ufern und bey Spatzierfahrten auf demselben aufserordentlich schön, ausgedehnt nnd mannigfaltig. Bey einer Wasserfahrt nach der Insel Vfnau oder Huttens-Grab geniefst man die Ansichten nach allen Seiten in ganzer Fülle (s. Huttens-Grab). Sehr angenehme Spatziergänge dicht am See ; i) Nach Wä- densyyyl; auf dem Wege dahin bey einer Mühle in einem kleinen dunkeln Thälchen zwey Wasserfälle, und auf der Altane des Schlosses Wädeuswyl eine entzückende Aussicht. 2) Nach Bäch in den K. Schwytz. Dicht am Dorfe Richterswyl bildet der A/ü/t/i-Bach die Grenz? der beyden Kantone. Wenn man Ja St. von Richterswyl bey einet Brücke sich von der Strafse dem Bach aufwärts wendet, so sieht man einen malerischen Wasserfall, und höher bey dem Steinbruche hat man eine herrliche Aussicht über den See nach dem reitzen- den Berggeldnde, welches am jemeiten Ufer von der Höhe des Mänedorfer- Berges herabzieht. 3j Bey der Kirche auf Feusis - Berg, ij 2 St. entfernt, besonders weite und schöne Aussichten; Auf dein Altarblatt dieser Kirche sind Voltaire und Rousseau dargestellt, wie auf sie und ihre Schriften Feuer vom Himmel lallt; Neueste Kriegsgeschichte. Als die Gewalt der französischen Armee im Anfänge des J. 1798. der Schwcitz eine neue Verfassung aufdrang , und alle mächtigen und grofsen Kantone sich schon gefügt hatten, verwarfen die Völker in den demokiatischen Kantonen jeden Antrag; und als die französischen Generale drohten, so zogen jene den 28- April 1798. gerüstet aus, besetzten Luzern und Rapperspvyl , und drangen in die Freyen Acmler und gegen Richterswyl vor; Die Franzosen griffen sie nun überall an, und vom 30. April bis 2. May wurden oberhalb Richterswyl , bey T'Vollrau , Schin^el/egi , Uolhenthurm und Morgarten die blutigsten Gefechte geliefert, worin die Sehryytzcr und selbst ihre Weiber mit bewundernswürdiger Tapferkeit kämpften, und den Franzosen solche Verluste verursachten, dafs General Schauenburg den 4 May eine Kapitulation eirigieng, in welcher er zu- IV. 8 Il4 RlCHTEKsTVYL. gestand, keine französischen Soldaten in die Kantone SchrrytZ, Uri u. s. w. zu senden *). Zu Schindellegi war es, wo Aloys Reding die Nachricht erhielt, dafs die Waffenhülfe von Glarus, Uznach, Gaster und Sar- gans nach Hause gegangen, und dafs die Schwytzer mit wenigen Zuzügern aus der March , aus Uri und Zug der Uebermacht der Franzosen preis gegeben wären. Aber diefs erschütterte weder Reding noch seine kleine Schaar, welche jener durch eine kraftvolle Rede befeuerte. Als Reding am 2 . May zum Kampf nach Rothenthurm (wohin die Franzosen vön Einsiedeln her über den Jostberg vordrangen, s. Egeri ) eilte, stritten die zu Schindellegi zurückgelafsnen Schwytzer wie Helden. Einer wurde von Franzosen ganz umringt. Sie liefsen ihm die Wahl, ihnen einen Bergpfad zu zeigen, um einem Haufen Schwytzer in den Rücken zu kommen , oder zu sterben. Ruhig sähe er in die Mündungen der ihm vorgehaltnen Gewehre und antwortete: „Den Pfad kenne ich , aber euch zeige ich ihn nicht”, worauf die Franzosen diesen Decius erschossen, s. Egeri , Art, Schsrytz. Wege. Von hier geht die grofse Landstrafse nach Schrrytz 8 St., durch Schindellegi , wo man über die *) Die ausführlichen Umstände dies?r Gefechte s ' man in Zscho k ke’ s Geschichte vom Kampf und Untergang der schweizerischen Berg* und Waldkantone Uri, SchwYts und Unterwalden, g. Zürich lgoi.und Desselben: Historische Denkwürdigkeiten der helvetischen Staatsumwälzung, g. Winterthur 1802 — I 6 o 3 . besonders im zweyten Bande derselben. Rigi. US Sihl - Brücke geht, Rotkenthurm , Sattel und Steinen (s. Sattel). — Nach Einsiedeln 5 St. durch Schin- dellegi, allgemach ansteigend bis y 3 Sr. vor Einsiedeln, wo man das Alp - Thal oder den Pinsler - Wald auf einmal überschaut, und wo ein grofses hölzernes Kreuz steht, in welches Jeder, der zum erstenmal die Wall- 1 fahrt zur Mutter Maria in Einsiedeln macht, ein kleines hölzernes Kreuz einschlägt. — Nach Zürich 5 St., immer längs dein See ( s. diesen Artikel). — Nach Lachen 3 St. durch Räch , Freienhach längs dem See, wo prächtige Aussichten bis nach Meilen hinunter am nordöstlichen, und bis nach Thahvyl am westlichen Ufer — östlich nach den Allmanns- und Toggenbur- ger -Bergen, nach Rappersrryl, der Insel Liizelau und UJ'nait oder Huttensgrab , nach dem Hohen-Säntis in Appenzell, und nach dem Schänniser - Berg. Von Freienbach geht die Strafse, vom See entfernt, durch die Landschaft, die Hofe genannt, nach Pfeffihon . (S. Pf eff Hon). Rigi (Regina Montium) *), ein von allen Seiten freystehender Berg im K. Schwytz, zwischen den Zu- 1 ger- Luzerner- und Lamrerzer- Seen (s. desseu Gestalt in dem ersten Alpenaufrisse). An seinem Fufse, der S-io Stunden im Umkreise hat, liegen io-ii D örfer, welche ihre Heerden auf dessen Weiden und Alpen treiben, wo 150 Sennhütten zerstreut stehen, in denen 3000 Kühe ühersömmert werden, aufser vic- *) S. J. Leopold Cjsat Rcsehreibung des Rigi und P~ier • Y'uldstiidtcr - Sees. 4» 16O1. n6 Pi I GI. len Ziegen und Scliaafen. An seiner Morgen - und Südwestseite fliefsen mehrere Bache von seinen Höhen, die sehr reich an köstlichen Forellen sind. Lage und Gestalt machen den Rigi zu einem der schönsten Berge in der Schweitz, und zu einer herrlichen Warte, deren Aussicht mit Recht so berühmt und besucht ist. Von der Nord- und Westseite zeigt sich der Rigi ganz besonders malerisch. Sein höchster Gipfel, der Rigi- Kulm , wo ein hölzernes Kreuz steht, ist 4356 F. nach G. Pfyffer, 44»3 F. nach H. Usteri über den Luzer- ner- See, oder 5676 F. nach G. Pfyff er, und 5723 F. nach H. Usteri übers Meer. Er ist also 1404 F. niedriger, als der Pilatus , der am westlichen Ufer des Lnzerner - Sees dem Rigi gegenüber steht. W T ege auf den Rigi. Es führen vier Wege, nämlich : 1) Von Lon-erz ; 2) von Art; 3) von Immensee und Kiifsnacht , und endlich 4) von PVäggis und Viznau auf den Rigi. Die Fufswandrer besteigen gewöhnlich den Rigi von Art; den Weg von Küjs- nacht und Immensee über den Seeboden nach der Rigi- Staffcl, oder übers Leiterli nach dem Kalten Bade müfsen solche, die des Bergsteigens ungewohnt sind, nicht wählen. Der von Vf'äggis oder Viznau über die First ist wieder weit besser; aber man beraubt sich dadurch der Ueberraschung der anfserordentlicben Aussicht, indem man auf diesem Wege beständig den Luzerner- See, Unterwalden u. s. w. übersieht. Besteigt man von Lowerz oder Art den Rigi, so ge- niefst man nur sehr beschränkte, und fast keine An- Rigi. 117 «ichten bis auf den Gipfel, wo sich auf einmal der ganze weite Gesichtskreis öffnet, Der Weg von Lowerz, eigentlich die Bergstrafse der Kühe- Ziegen- und Scliaaf- heerden, ist der bequemste zum Reiten. Von Lowerz und Art bis zum Kapuziner - Hospitium 3 St. Wenn die Sonne Nachmittags hinter den Rigi-Kulm sich verbirgt, so kann man von Art und Loyyerz den Rigi im Schatten besteigen. Von Art bis an den Fufs des Rigi eben, dann steil aufwärts ^ St., etwas mühsam über Felsen und neben lebendigen Quellen, aber ohne alle Gefahr *), durch einen Tannenwald, und nach einer lachenden Wiese mit einer offnen Ruhehütte, und von hier 1 j 2 St. bis zum Wirthshaus zum Untern-Dächli, von Art hieher 1 St. Hier kann sich der Wandrer auf der Bank vor dem Hause beym Genufs der herrlichsten Aussicht auf den Lowerzersee und das unglückliche Coldauerlhal mit Wein und Brodt oder Milch erlaben, auch zur Noth übernachten, wenn übles Wetter überrascht. Vom Dächli , wo sich die Strafse von Lowerz mit dem Wege von Art vereinigt, bis zum Hospitium 1 Iz St. geht der Weg durch die Bergsen^- kung der Rothenflue längs dein Aa- Bach, mit dem sich viele andere Bäche vereinigen, welche nach starkem Regen über die Felswände herabwaschen, einsam und ohne Abwechselung gemach aufwärts. Hospitium auf dem Rigi. Hier stehen 4 # ) Hier hatte doch ein junger Manu aus Winterthur das Unglück, einen Sturz zu thun und den Rückgrat zu bre' eben; Unvorsichtigkeit soll die Schuld gewesen seyn. III G I. *18 Wirthshäuser : Zum Ochsen ; zum weifsen Röfsli ; zur Sonne; zur Krone. Das erste und zweyte, wo Xaver Schindler und Joseph Anton Schrieber , beyde aus Art, die Wirtschaft führen, sind besonders zu empfehlen. Hier steht die Kapelle der 11 . Maria zum Schnee , im J. xC 89 - von Sebastian Zajr aus Art gestiftet. Sie ist mit Abläfsen versehen, zu welcher des Sommers viele Gläubige wallfahrten. Des Sonntags kommen alle Sennen des Rigi zur Kapelle, und gewöhnlich steigen an den Vorabenden aller Sonn- und Festtage viele Landleute aus den Oertern am Fufs des Rigi zu den Wirtshäusern hinauf. Am Geburtstage der Himmelskönigin zum Schnee, den 6. September, sieht man hier eine Menge Wallfahrer. Die Kapelle wurde der Pilger Menge wegen im J. 1719. neugebauet und erweitert. Bey der Kapelle steht ein Hospitiuin von 3 Kapuzinern und einem Bruder, welche Sommer und Winter hier wohnen; sie sind gegen alle Reisende äus- serst gefällig und dienstfertig. Den langen Winter sehen diese Geistlichen keinen Menschen , wenn nicht bisweilen ein Bergmann mit Reifen an den F'üfsen es wagt, zu ihnen hinaufzusteigen. Merkwürdigkeiten. Volksfeste. Molkenkur. Volksfeste auf dem Rigi sind : Die Sennenkilbe am 32. Juli am Magdalenenlag, bey dem Hospitiutn, und am xo. August am Lorenztag bey dem Kalten- Bad. Die Sennen treiben allerlcy gymnastische Uebun- gen; bey günstigem Wetter versammelt sich hier viel Volk an diesen Tagen. — Diejenigen, welche ihrer llioi. IJ 9 Gesundheit wegen einen langen Aufenthalt in reiner Bergluft machen und Ziegenmolken geniefsen wollen, können hier ihren Zweck erreichen; ich verweise auf Seite 22. des ersten Theils. Alle Morgen werden hej den Wirthshiiusern die Ziegen gemolken und die Molke zubereitet; wahrend des Trinkens kann man auf dem Platze zwischen der Kapelle und den Wirthshäusern spatzieren. — Nicht weit vom Hospitium, am 'Wege nach Rigistafel, ist eine Denkschrift auf Marmor dem verstorbnen Herzog zu Sachsen - Gotha, Ernst II. ge- wiedmet, in die Felswand befestigt. Dieser Fürst hatte für die Eidgenossenschaft und die nordamerikanischen Freystaaten eine besondere Verehrung und Anhänglichkeit. Einer seiner Lieblingsträume war, die Bürde des Fürstenlebens niederzulegen, und in einem stillen Thale der Schweitz mit einigen Herzensfreunden sein Leben zu beschliefsen. Schon hatte er zu diesem Behuf eine Auswahl von Büchern getroffen, als ihn der Tod überraschte. Der H. Kriegsrath Reichard aus Gotha liefs diese Gedächtnifstafel durch den Maler Fiifsli im J. 1805. hier aufrichten, und schenkte dem Hospitium einen Ring mit dem in Stein geschnittnen Bildnisse des Fürsten. Die Höhen des Rigi. Nordwärts des Hospi- tiums liegt Rigistafel, Staffelegg oder Kuhn und Rigikulm , südwärts der First, Schild, Dossen, Viz— nauerstock, nach SO. die Schneealp und Hochßue, gegen O. der Horrik und Schwendi. Nach allen diesen Höhen führen Wege gemach über Alpweiden auf- 120 Rigi. wärts von dem Hospitium ; jede dieser Höhen bietet herrliche Aussichten dar. Auf den Horrik leitet ein angenehmer I’fad , unterhalb dem Hospitz über deu Aabach und links hinauf bis an den östlichen Rand des Berges, wo bey dem Kreutz die befste Aussicht auf das Coldauer- und Schwylzerthal , auf den Zugersee, die Stadt Zug und über die nördliche Schweitz bis Hohentwiel in Schwaben ist. Auf der Hcchßue geniefst man die beste Aussicht über den Urnersee, das Reufs- Thal bis Amstdg und in die Gebirge von der Fronalp in dem Seelis- Berg an bis zu den Hörnern des Gotthards , und Tavetscher-ThoXes im K. Bündten. Nach dem First auch ein angenehmer Pfad, und von hier auf den Schild; auf diesen beyden Standpunkten sind die Aussichten über den Vierwaldstädler - See, nach Unterwalden und in die Gebirgswelt der Alpen am herrlichsten. Die unumschränkteste Aussicht aller Rigi- Htihen aber bietet sich auf den Rigikulm dar, wo man immer, selbst bey Sturm, und Ungewitter, die aufserordentlichsten Schauspiele geniefst. Aussicht des berühmten Rigikulm. Von- dem Hospitium nach Rigi-Staffel 7 J 2 St, Hier steht eine Bank und ein Kreutz. Man befindet sich hier 5876 F. über den Zuger- und Luzerner- See, 5276 F. übers Meer. Man wird nicht eher als mit dem letzten Schritt der aufserordentlichen Uebersicht, die sich an dieser Stelle darbietet, gewahr. Von hier bis auf den Rigi-Kulm % St. über Weiden bis an den äufsersten Rand der nordwärts senkrecht abgerifsnen Wand, welche Rigi. 121 vom Zuger - See an 4556 F. hoch ist. Der Anblick dieses Abgrundes ist fürchterlich, wenn man sich auf den Boden legt, und den Kopf über den Rand hervor streckt. Hier auf der Kulm , dem höchsten Gipfel des Rigi, 5676 F. übers Meer nach G. Pfyffer , steht-ein grofses hölzernes Kreutz , welches man aus den Gegenden der Stadt Zürich vermittelst eine, dollondschen Sehrohrs sehr deutlich sehen kann. Die Aussicht über die östliche und nördliche Schweitz tief nach Schwaben, hinein— nach dem Jura bis in die Gegend von Biel — in die Gebirge Emmen -Thals und Entlebuchs und auf den Pilatus — nach dem hohen Alpen-Gebirge, welches vom Siintis in Appenzell bis hinter die Jungfrau im K. Bern südwärts des Rigi vorbeyziehf, ist aufser- ordentlich. Innerhalb diesem Gesichtskreis überschaut man die KK. Luzern , Unterwalden , Zug , Schwytz , Zürich , Aargau , die Berge der KK. Appenzell , St. Gallen , Thurgau , SchaJhausen , Solothurn , viele der Gebirge der KK. Bern , Uri und einige des K. Grau- bündlens , und 14 Seen mit ihren anliegenden Städtchen uud Oertern; nämlich: Die Lowerzer- Zuger - Egeri- Dürler- Luzerner- Sanier- Lungern- Roth- Sempachcr- Heidegger- Hallwyler- Mauen - Zürcher- und Boden-Seen. Von dem Zürcher- See erblickt man nur einen schmalen Streif in der Gegend von Stäfa , dessen Thurm man bey sehr hellem Wetter, und einige Minuten vor Sonnenaufgang, erkennt *). *) Auf sehr hohen Bergen sieht man bey hellem Wetter ify St, vor Sonnenaufgang stets weiter und genauer, als 122 Ii I GI. Den übrigen Theil des Zürcher-Sees bedeckt die Albis - Kette. Eben so erblickt man vom Bodensee auch nur einige dünne Streifen bey recht heller Luft. Wer fliese Aussicht vollkommen geniefsen will, mufs des Abends und Morgens auf den Kulm steigen, und die Wirkung der verschiednen Beleuchtung auf diese zahllosen Na— turgegenstände bewundern * *_). Folgende schöne Erscheinung wurde den n. August 1804. key ^ er Abendbeleuchtung auf dem Rigikulm beobachtet. Es zog nämlich eine grofse weifse Wolke aus der Tiefe vom Zugersee herauf, und als sie mit dem Kulm in gleicher Höhe war, zeichnete sich der Schatten desselben und das hölzerne Kreutz von mehrern Kreis-Regenbogen umgeben an der Wolke ab. Condamine und Bouguer beobachteten dieselbe Erscheinung auf dem Parnba marca im südlichen Amerika; Jeder sähe nämlich bey aufge- nachher, weil, so wie die Sonne über den Gesicht reis erschienen ist, sogleich die in den tiefen Gegenden lie— gende Dünste zu steigen anfangen. *) Zum steten Andenken an die Aussicht vom Rigikulm und den Rigi überhaupt kann ich dem Reisenden nicht genug empfehlen : Der Higi in Zeichnungen nach der K'atur von Heinrich Fiifsli und Heinrich Keller , mit einer Be* Schreibung begleitet , von J, Heinrich Meyer, Zürich 1807. Fol. auf Velin, bey Fufsli und Compagnie. Dieses Werk enthält 1 Karte des ganzen Gesichtskreises vom Rigikulm, 4 grofse Blätter nebst 4 Erklärungsblättern, welche die ganze Aussi ht des Kulm umfassen, und noch 8 kleinere Blatter, welche einzelne Theile am lligi dar- stellcn , auf dem Titelblatt das llospitium, und auf dem ersten Blaue des Textes das Bild des Rigi vom Zuger- Rigi. 125 liender Sonne an einer 50 Schritt entfernten Wolke seinen Schatten den Kopf mit 3-4 Kreis - Regenbogen umgeben. Zwischen Rigi - Staffel und Kulm ist die Oeffnung eines Berglochs , Kessisboden - Loch genannt, welches sehr tief ist, und an der Nordseite des Rigi einen Ausgang hat. Eine andere Höhle, Bruder -Balm, liegt St. oberhalb dem Kloster, worin schöne Tropfsteine sind; und aufserdern giebts noch andre Höhlen. Von dem Kulm nach Staffelegg und Schwesterhorn. Von dem Kulm geht man zurück nach Rigi-Staffel. Von hier, niclit weit von der Bank, führt ein Pfad nach Kufsnacht in 2 St. hinab; die erste halbe Stunde ist derselbe äufserst schmal und steil, und wer mit Hülfe der Hände langsam fortkriecht, gelangt ohne Gefahr bald über die übelste Stelle. Nachher geht es immer über schöne Alptriften Sennhütten, See gesellen. Diese malerisch - topographische Monographie des Rigi ist das erste Werk dieser Art, und verdient sowohl wegen des darauf verwandten hü hsten Flci- fses, der pünktlichsten Genauigkeit und topographischen Treue des Zeichneis, als auch wegen der malerischen Ausführung aller Blätter und des äufserst billigen Preises den allgemeinsten Bcjfall. Wer alle Berge und Oerter, welche das Auge vom Kulm erblickt, kennen lernen will, mufs die Karte und die vier Erkliirungsbliitter dieses Werks mitnehmen; denn mit diesem lliiifsinittel wird jeder Fremde das weite vor ihm ausgcbreitclc Land auf eine so vollständige Art kennen lernen, als es sonst auf keine Art möglich ist. Ich werde die Herausgeber zu bestimmen ( suchen, diese Blätter nebst der Karte jedem Rigi-Waller abzulassen, wenn er nicht das ganze Werk kaufen will. Rigi. 124 vorbey, und unter dem Genufs ergötzender Aussichten. Von Piigistaffel bis zum Schiresterborn % St. gerade über die Weiden, oder über die Staffelegg. Der Weg dahin führt am Rande des Berges fort, und um die Bergecke, Staffelegg genannt, herum bis zu dem Kdnzeli, wo eine herrliche Aussicht auf den Luzerner- ncr-See, den Pilatus, Luzern Unterwalden u. s. w. sich darbietet; für Schwindlichte ist dieser Pfad n cht zu betreten. Bey dem Wirthshause des Kalten Bades , Schrresterborn genannt, steht zwischen romantischen Felsen die Kapelle des Erzengels Michael und die Wohnung des Kaplans , welcher von den Sennen des Rigi gewählt wird. Die Sage erzählt, dafs zu den Zeiten Kaiser Albrechts von Oesterreich in dieser Wildnifs drey junge Schwestern vor den Nachstellungen der tyrannischen Vögte sich bis an ihren Tod verborgen hielten. Eine Tafel in der Kapelle erzählt die Geschichte dieser Märtyrerinnen ihrer Ehre, und die Wunder, welche ihre Reliquien bewirkt haben. Eine Quelle sehr kaltes Wasser, welches aus Felsritzen hervormurmelt, füllt beständig einen Badekasten, in welchem sich die Landleute, die an Wechselfiebern, Kopfschmerzen, oder Koliken leiden, angezogen hineinlegen, und hernach die nassen Kleider am Körper trocknen lassen. Dieses Bad steht in grofsem Ruf,- jene Uebel zu heilen. Nahe bey dem Bade, wie schon oben gesagt wurde, auf dem First , und noch besser auf dem Schild , wohin man vom First recht gut gelangt, ist ein Standpunkt, wo man die meisten Gegen- Rigi. 125 den des Luzerner- Sees und Unterwaldens am befstcn übersehen kann ; unerschöpflich sind hier beym Wechsel der Lichter und Schatten die Ansichten über Unterwalden und dessen Gebirge nach den erhabnen vom Schnee glänzenden Kolossen des K. Bern ; über den Luzerner-See nach dem finstern Pilatus, den Gebirgen Entlebuchs, und nach der Stadt Luzern. In dem Wirthshause läfst’s sich allenfalls die Nacht zubringen. Von hier führt ein guter Weg hinab nach Wäggis und Viznau in 3 St., reich an ergötzenden Aussichten und äufserst malerisch - romantischen Stellen, besonders bey der Einsiedeley. Frauen, im Fall sie nicht zu Fufs wandern können, werden auf Lehnsesseln herabgetragen. Auch führt von hier ein Pfad nach KilJ'snacht übers Leiterli , nämlich an einer senkrechten Felsenwand über eine Leiter hinab (s. Wäggis und Kiifsnacht). Pflanz en. Der Rigi ist aufserordentlish reich sowohl an Alpenpflanzen, als solchen lieifserer Länder; an letztem besonders an seiner Südseite oberhalb Wäg- gis und Viznau, wo alle Nordwinde abgehalten sind, und zahme Kastanien- Mandel- und Feigenbäume und Weinreben wachsen. Renward Cysat aus Luzern *) fand allein in diesem Bezirke 800 verschiedne Pflanzen- Arten. Auf dem Fufse des Rigi an der Seite von Art, *) Ii. Cysat (Grofsvater des J. Leopold Cysat), der im Anfänge des XVII. Jahrhunderts lebte, hinterliefs eine Beschreibung von f'Väggis in deutschen Versen, mit einem Register aller in jener Gegend gefundnen Pflanzen. Rigi. 126 wächst aufserordemlich viel Farrenkraut, welches durch seine Gröfse und Stärke auffallend ist; die Einwohner gebrauchen es zur Streu fürs Vieh. An dem'Wege von Art hinauf findet man lirnmus gra- cilis, Elymus europaeus (Haargras) in den Wäldern. Swertia perennis. Gentiana purpurea und lutea. Anemone vernalis. Viola grandiflora, Aconitum napellus auf den Alpen zwischen dem Ri g i - St affc l und Kiif snacht. Lichen islandicus. Rhododendron ferrugincum (Alprose) und hirsutum. Geognost. Tliatsachen. Der Rigi ist in geo- gnostischer Rücksicht aufserordemlich merkwürdig. Er besteht vom Fufs bis auf seine Gipfel aus abwechselnden Nagelfiue- und Sandsteinschichten. In dem Nagel- flue zeigen sicli gerollte Steine aller Gröfsen von 50 Fufs Körper-Inhalt bis zur Sandkörner-Gröfse, welche durch einen grobkörnigen mit Kalkbindemittel versehenen Sandstein so fest verbunden sind, dafs bey Zerklüftungen eher die Geschiebe spalten, als aus ihrem Ce- ment losreifsen. Die gerollten Steine dieses Nagelfiue sind mannigfaltige Arten von Granit, Gneifs, Porphyr, Kieselschiefer, Hornstein, Feuerstein, Ur- und Flötz- Kalkstein, und vielem rothen thonartigen, eisenschüssigen Geschiebe, welche durch ihre Verwitterung und Auflösung sowohl das Gement hin und wieder, wie an der Westseite des Rigi , mit röthlicher Farbe durchdringen, als auch die Felsseitcn roth-violet färben. Die Nordseite des Rigi is( von dem Kulm bis air den Zuger -See senkrecht abgerissen; und an diesem atifser- ordentlichen Durchschnitt läfst sich der Schichtenhau aus vielen Standpunkten am Zuger- See und der Gegend von Art , JValchn'eil und Immensee vortreflich beobachten. Am Fufse sind die Schichten 50-60 F., die hohem meistentheils 30 F. mächtig ; sie sind auffallend regelmäfsig und ohne alle Beugung völlig ge- radlinigt; streichen von NO. nach SW. und senken gegen S. unter einem Winkel von ohngefähr 30 Graden. Die Süd - und Südostseite des Rigi besteht nicht aus Nagelflue , sondern aus dunkelgrauem Kalkstein. Wenn man von Art nach dem Lowerzer- See längs dem Queerdurchschnitt des Rigi wandert, so sieht man in der Richtung der Insel Schrranau die nördlichste Linie des Alpenkalksteiu - Gebildes den Rigi aufwärts streichen; und da, zunächst an der Nagelflue, streicht eine Schicht röthlichbrauncn, körnigen Kalksteins, in dem sehr viel linsenförmiger Eisenstein eingesprengt ist. Sehr merkwürdig ist hiebey, dais Streichung und Senkung dieser Kalksteinschichten sich genau so wie bey den Nagelflueschichten zeigen, und dafs also der südlicher liegende Kalkstein auf der nördlichem Nagelflue aufliegen mufs. Das Umständlichere s. man unter Schtrjtz. Ueber den Schlammstrom an der Westseite des Rigi (s. PVäggis). Geognost. Uebersicht aller Schutt- und Trümmergebirge auf der Nordseite der Alpen. An der Nordseite der Kalkalpen folgt eine Kette von Schuttgebirgen, welche aus den im Wasser rund gerollten Trümmersteinen der Urfcls- und Kalkstein- 423 R i & r. Gebirge bestehen, die durch Sand - und Kalkstein wieder zu einer festen Masse verbunden sind, in welcher die runden Flächen der gerollten Geschiebe wie Köpfe von grofsen Nägeln hervorstehen, woher diese Felsart den Namen Nagelßue erhalten hat. Diese merkwürdige Kette zieht in der Schwcitz von dem Baien- See bis an den Genfer - See in einer Höhe von 4-6000 F. übers Meel unmittelbar dicht an den Kalksteingebirgen hin. Der Rigi steht in dieser Kette, und ist einer der höchsten Theile derselben. Auf dem Rigi-Kulm überschaut man diese Nagelfluekette ostwärts von ihrem Anfang im K. Appenzell an, wo sie von der Nordseite des Säntis durchs Toggenburg nach dem Schänniser- Berg und Rothen-Berg , und von hier durchs VL'üggis- Thal, Einsiedel - Thal olinweit dem Mythen Vorlrey , queer durch den Lowerzer - See nach dem Rigi zieht. Westwärts vom Rigi setzt das Nagelflue - Gebilde durch den Luzerner - See, wo viele Spuren an den Ufern zu sehen sind (s. Luzern und Luzerner-Seef an der Nordseite des Pilatus vorbey, in die Gebirge des Entlebuchs und ü/nmen-Thals, queer durch den Thuner - Sec, und dann längs den Kalksteingebirgen der Stochhorn- Kette durch den K. Freyburg nach dem Jorat am Genfer-See fort. Diese lange Nagelfluekette, obgleich sie aus den gerollten Trümmern der Urfels- und Kalksteingebirge besteht, ist nicht wie die Schuttberge, welche man so häufig an den Seitenwänden hoher Felsen sieht, beschaff fen, sondern zeigt überall die rcgclmäfsigsten Schichten, Welche immer nach S. senken, auf denen südwärt* Rigi. 129 die nächsten Schichten der Kalk-Alpen, wie am Rigi und andern Stellen, aufgesetzt sind. Von dem gröfsten Tlieil der gerollten Steine, woraus diese ausgedehnte Nagelliue - Kette besteht, läfst sich der Mutterort in dem Gebiete der Uralpen anzeigen; sehr viele, z. B. die Porphyr - Mandelstein - und Variolit - Geschiebe sind aus grofser Ferne, nämlich aus dem südlichen Ty- rol, dem Bergamaskischen und den südlichen Gegenden der Alpen zwischen den Luganer- Langen- und Orta- Seen, wo Porphyr- ünd Mandelsteinschichten streichen, an die Nordseite der Alpen gettuthet worden. Nördlich der Nagelflue - Kette bis an den Jura liegen nichts als Sandstein - Sand - und Mergel - Lager, und gerollte Steine. Die Sandstein - Berge zunächst der Nagelflue- Kette erheben sich bis zu 4000 F. übers Meer, und ihre Schichten senken, wenige Ausnahmen abgerechnet, auch nach S., so dafs also das südlicher liegende Na— gelflue-Gebilde auf dem Sandsteingebilde aufsitzt ( s. Zug). Nördlich diesen altern Sandstein-Bergen folgen bis an den Jura waagrecht liegende Sand- und Mergellager und lockere Nagelflue, welche Berge von 5-4000 F. Höhe übers Meer bilden (s. Esel). Alle diese Nagelflue- und Sandstein - Gebilde, welche einst ein zusammenhängendes Ganzes bildeten, sind durch die letzten Meeresrevolutionen aufs gewaltsamste zerrissen worden. Der Rigi ist seitdem, ost- und westwärts, von seiner Kette abgeschnitten; das Thal von Art, nur % St. breit, trennt ihn von dem Rufß- Berg ( s. den Art. Art) , und westwärts wogt jetzt der Lu- JF. fci R| !\ 9 zerner- See, so dafs auf dieser Seite die Zerreifsung der Nagelflue-Kette vom Rigi bis an die Nordseite des Pi~ latus 3-4 St. beträgt. Ungeheure Blöcke dieser zer- rifsnen Nagelflue-Kette sind nordwärts 8-10 St. weit nach dem Jura zu gewälzt worden (s. Mellingen ), so wie auch durch diese beyden gewaltigen Durchbrüche auf der West- und Ostseite des Rigi alle Granit - und Gneifsblöcke tief aus den in SO. ziehenden Ural- pen gefluthet worden sind, welche in zahlloser Menge von dem Fufse des Rigi an über daä weite Land zwischen der Albis- Kette, den Gebirgen Entlebuchs und dem Jura bis in die Gegend der Stadt Solothurn zerstreut liegen ( s. Art , Luzern , Mellingen , Lenzburg , LVitlisbach, Solothurn). Von dem Rigi-Kulm läfst sich sehr genau dieses ganze Land, über welches nach dem Jura hin die auf beyden Seiten des Rigi aus SO. wälzenden Fluthen ihre Richtung nehmen mufsten, überschauen; auch zeigt sich von hier, wie das Sandstein- und Mergel-Gebilde durch die Richtung der Fluth gröfstentheils in lange nordwestlich ziehende Berge und Thäler eingefurcht worden ist. Riviera-Thal), (Revier - und Polenzer-Thol genannt), im K. Tessin, ist eine unmittelbare Fortsetzung des untern Livenen -Thals von Abiasco an bis Beilenz , 3-4 St. lang und Sj 4 St. breit. Usogna ist der Hauptort, und war der Sitz des Landvogts aus den KK. Schn-jrtz , Uri, oder Unterwalden, denen diese Landschaft im J. 1499* sich ergeben hatte, um nicht mit Mailand unter französische Herrschaft zu kom- men. In diesem Tlieile des' Tessin -Thaies ist cs schon viel heißer, als im Livenen , und die Fruchtbarkeit an der Südseite, wo der ü/vnn-Flufs keine Verwüstungen verursacht hat, aufserordentlich ; die weifsen Maulbeerbäume kommen vortrcflich fort, und die hier gewonnene Seide wird sehr gesucht. Die Landschaft hat herrliche Kastanienwälder und Alpe’n. (S, das Weitere unter dem Art. Poleggio ). * Roche, im K. Leman, an der Landstrafse von Vevay nach Aigle, an dem Bache Joux -verte . Hier wohnte der grofse Haller als Salzinspektor während sechs Jahren, von 1758-—1764., und arbeitete seine Werke über die Physiologie und die Pflanzen der Schweitz aus. Zehn Minuten von Roche ein Marmorbruch, wo der hier brechende rothe, weifse, graue und schwarze Marmor, welcher eine gute Politur annimmt, in dünne Platten zersägt, und in den ganzen K. Waat , nach Genf und bis Lyon versandt wird. Wege. Von Roche nach Aigle 1 St. ( s. diesen Artikel). Nach Vevay 2-3 St. (s. Villeneuve). Pflanzen. Die Gegend von Roche ist reich an seltnen Pflanzen. Sedum niaxirnum . Crataegus torminalis, Rosa rubiginosa nnd spinosissima. Anemone hortensis. Euphrasia lutea. Artemisia campestris. Valeriana tripteris. Mentha nepeta. Orchis pyramidalis. Geranium sanguineum. Senecio sara- cenicus am Wege zwischen Roche und Rennat. Saty— rium viride; diese Alpenpflanze steigt bis zum Dörfchen Chamban hey Roche hinab (s. den Art. Aigle), 132 R OCHEFORT. Geognost. Beschaffenheit. Die Kalkfelsen setzen von Roche nordwestwärts bis nach Clärens am Genfer - See fort, wo das Sand- und Nagclflue - Gebilde des Jorat beginnt. Bey dem Marmorbruche zeigen sich gebogne und gesenkte Schichten. In der Gegend des Schlosses Chillon sieht man dünne Schichten, welche von NO. nach SW. streichen, und unter einem Winkel von 55 Grad nach SO. senken. In dem Marmor, der bey Roche gebrochen wird, zeigen sich oft Versteinerungen, z. B. schöne Madrepore und Pekti- niten. Auf der Höhe dieser Marmorfelsen erkennt man rotbe Schichten welche aus eisenschüssigem Kalkstein bestehen. Eine halbe- Stunde von Roche nach Aigle zu liegt links oberhalb der Strafse zwischen den Kalkschichten ein Steinkohlenflötz, vielleicht ehedem im Zusammenhänge mit demjenigen, welches auf der andern Seite des Thaies oberhalb St. Gingoulph streicht (s. diesen Artikel). Dafs die Felsen auf bey- den Seiten des Thaies einst zusammenhiengen, von Ungeheuern Fluthen, die aus dem Vf^allis herüberwälzten , zerrissen und endlich in dieser Breite weggeführt wurden, und dafs der See einst die Thalebne bis nach Maurice bedeckte, hierüber s. Aigle. Roche gegenüber, am linken Ufer der Rhone , liegt Port Valais , vor einigen Jahrhunderten noch dicht am Genfer- See, jetzt St. davon entfernt: so sehr wird das Seebecken von dem Strom angcfüllt und das Thal vergröfsert. RocHEtpRT, Dorf im Fürstenthum Neuchatel , an der Landstrafse von der Stadt Nenchatel , ins Val Travers. In der Nähe dieses Orts, stuf der Höhe des Hügels, entwarf der Verfasser im J. 1792. den zweyten Alpenaufrifs ( s. den I. Theil). Ucber den Weg von hier weiter und über die Trümmer des Schlosses s, JVeuckatel. Rolle, Städtchen im K. Leman am Ufer des Genfer - Sees. Wirthshäuser: a la Couronne und a la Tete noire. — Wurde im J. 1261. von zwey Baronen Monts angelegt. Das Schlofs ist sehr alt. Das Geschlecht von Rolle hat sich zu Solothurn niedergelassen , und besteht dort noch. — Rolle geniefst einer sehr schönen Lage an dem Genfer- See, der zwischen hier und Thonon 3 % St. breit ist. Im Schlosse und den nahe liegenden Landhäusern giebt es vor- trefliche Aussichten. Dicht am See ein schöner schattenreicher Spatziergang. Hier ein Sauer- und Stahlbrunn; in 36 Unzen dieses Wassers sind enthalten: i ^2 Gr. Eisen, Kalkerde 5 Gr. , Selenit ^ Gr., und Bittersalz % Gr. — (Ueber den la C 6 te - Wein, der auf beyden Seiten von Rolle wächst, s. den Art. Morges ). Wege. Von Rolle nach Morges und Aubonne (s. den Art. Morges'). Nach Nyon 2 St., wo man St. vor Nyon das herrliche Schlofs Prangins sieht (s. Nyon). Von Rolle ins Joux - Thal 5 } 3 St. guttr Weg; zuerst nach Gimel 2 St. 1080 F.; nach der Sennhütte Pra - de - Rolle 2^4 St.; auf die Höhe des Jura, Marchaira genannt, % St. 3258 F. über den Genfer- See; von hier hinab ins Jo«a:-Thal nach Brassu 1 St., und von da nach Sentier 1 [ 2 St. (s. Joux -Thal). 134 Romain-Motiers, Geognost. Tha tsachen. In dem Art. Jorat ist die geognostische Beschaffenheil aller Ufer des Genfer- Sees und des Pays de Vaud beschrieben worden. Auf dem Wege nach dem Joux - Thale steigt da 9 Sand— und Mergel-Gebilde an dem Jura bis zur Höhe von 1578 F. über den Genfer- See hinan; ^ St. oberhalb Gimel betritt rnan erst den Kalkstein des Jura. Romain-Motiers (-ThalJ , im K. Waat, ein enges aber romantisches Thal in dem Jura , welches sich nach dem Berge Vaulion hinaufzieht, von dem Aozon durchflossen.— Romain-Motiers, ein Städtchen, von Orbe und Lasarra 1 St. entfernt. Geschichte. Romanus und Lupicinius, Brüder aus der sequanischen Provinz ("dem nachmaligen Burgund hegaben sich im V. Jahrhundert zur Zeit des Königs Chilperich (welcher in Genf seinen Sitz hatte, s. Genf) der Welt überdrüssig, in die einsamen dicken Wälder des Jura, lebten als Einsiedler, und stifteten, im Verein mit andern ähnlich gesinnten Mänuern, das Romani Monasterium in diesem Thal, St. Claude im Joux- Thal und noch zwey andere Klöster. Der Pabst Stephanus hielt sich, auf seiner Rückreise aus Frankreich vom König Pipin, in dieser Einsiedeley auf, und führte die Benediktiner-Regel ein. Dieses Benediktiner-Kloster , Romani Monasterium, hat dem Städtchen seinen Ursprung, und diesem und dem Thal seinen Namen gegeben. Man sehe in Ruchat (Histoire des eglises evangeliques) die sonderbare Verordnung über die tägliche Tafel der Mönche. In diesem Kloster verbeira- Romont. t* >r*t du öke ka- m, Ma feld» k Sai- las ')• <"/) rite Ictl Ißt ]»■ intS* - tbit& 14«! t» S / »35 thete sich (i 5 °s-) die Prinzessin Margaretha von Oesterreich , Tochter Kaiser Maximilians, mit Philibert , Herzog von Savoyen. Sie ist die nehmliche, welche mit dem Dauphin von Frankreich, nachmaligen König Louis XL, verlobt war, und unverheyrathet zurückgeschickt Wurde, und welche im J. 1497. auf ihrer Reise nach Spanien, um den Erben der Königreiche von Castilien und Arragonien zu heirathen, in der Gefahr Schiffbruch zu leiden, während dem Sturm ihre Grabschrift schrieb *). — Nachdem Bern die ganze hVaat in Besitz genommen hatte, wurde diese Abtey 1556. aufgehoben, und zum Sitz eines Landvogts bestimmt; da man die Einkünfte der Abtey St. Claude damit vereinigt hatte, so wurde diese Landvogteystelle die befste von allen im K. Bern, denn sie trug 30,000 Berner-Pfund jährlich ein. — Von hier steigt man in 1 St. auf den Dent de Vaulion, wo eine ausgedehnte Aussicht, und von da ins Joux-Thal (s. Joux -Thal'). Romishorn, im K. Thurgau, am Boden - See zwischen Konstanz und Arbon , auf einer langen gekrümmten Landspitze, hiefs im II. Jahrhundert zur Zeit der Römer, die ein festes Lager hier hatten, Cornu Romanorum (s. Konstanz). R o m o h t , Städtchen im K. FFaat, zwischen Mou- don und Freyburg, auf einem Hügel an der Glane schön und fest gelegen. Hier wird ein in diesen Gegenden berühmter Pferdemarkt gehalten. *) Ci git Margot la gentile Demoiselle, Qu’a deux maris, et encore est pucellc. / I Romont. Wft 135 Geschichte. Als im XI. Jahrhundert die unaufhörlichen Fehden alles verwirrten, und die Menschen überall durch die Gewalt der Waffen alle Plagen erduldeten und im höchsten Grade unglücklich waren, so ■wurde diesem Elende durch das Bemühen des Bischofs Hugo von Lausanne ein Ziel gesetzt. Hugo bewirkte nämlich, dafs die Erzbischöfe von Besancon, Vienne und Arles mit allen ihren Bischöfen zu Romont im J. 1033. eine Versammlung hielten, und einen Cottes~ frieden abschlossen, vermittelst welchem wöchentlich von Mittwoch Abend bis Montag Morgen, und jährlich vom 3. December bis 16. Januar, und vom 39. Januar bis 8* Tage nach Ostern kein Christ wider den andern die Waffen führen durfte. Wer dagegen handelt, den soll der Bischof aus der Gemeinde stofsen, und der Bischof, welcher diefs nicht erfüllt, soll von seinem Bisthum vertrieben werden. Diese trefliche Anstalt, welche auch im J. 1051. von Burgund , Elsafs und andern Ländern als Grundartikel beschworen wurde, milderte das Elend der damaligen Völker, welche der Gewalt des Faustrechts erlagen. — Der Graf von Romont (Jacob von» Savoyen), Herr der JVaat in des J. i 47 °- 75 - war ein bittrer Feind der Schweitzer, nnd in hoher Gunst bey Karl dem Kühnen , Herzog von Burgund. Wie die Schweitzer diesem den Krieg erklärt hatten, so liefs der Graf von Romont die Schweizer, welche er auf seinem Gebieth antraf, plündern, morden (5. Orbef und ihre Länder befehden. Die Schwei tz erklärte ihm im October i 475 * den Krieg, und in 3 Wochen wurde seine ganze Waat mit 46 Städten und Schlössern von den Eidgenossen erobert. Das Städtchen Romont selbst fiel nach dem schrecklichen Tage von Estavaye (s. diesen Artikel) und der Einnahme der Schlösser Rue und Moliere und des alten Thurms am Fufs des Hügels am 23. October in die Hände der Schweitzer. (S. Murten , Waat ). Rosa. (MonteJ, nächst dem Montblanc der höchste Felsen in Europa; auf der Grenze von WaUis und Piemont. Merkwürdigkeiten. Der Monte Rosa liegt unter den 45 0 55' 56" nörtll. Breite, und 25® 32' 17" der Länge, und sein höchstes Horn ist i^S 0 Fufs übers Meer, also nur 252 F. niedriger als der Montblanc. Es laufen von dem Rosa 8 Felsenketten und 6 Thäler aus, von denen 5 in Piemont und nur das Sajs - oder Rosathal in Wallis liegen. Die höchsten am Fufs des Rosa liegenden Dörfer in den 5 von Italienern bewohnten Thälern sind von Deutschen bevölkert, eine merkwürdige Erscheinung, über deren Erklärung der V. seine Vermuthung in den Art. Arona und Alpen geäussert hat. — Die Gestalt des Rosa ist eigentümlich. Er besteht nämlich aus einer Menge Felshörner, welche in einem Kreise stehen, und welches vielleicht Anlafs zu seiner Benennung gegeben hat; die Mitte dieser Hörner bildet nach "dem Macugnaga- thal ( dem hintersten Theil des Anzascathals) eine weite runde Vertiefung, ohngefähr wie die runden Kessel auf der Monds - Oberfläche. Alle diese Horner I3S Rosa. von Turin und andern Standpunkten aus gesehen , erscheinen vereinigt und stellen einen sehr breiten Felsenkamm dar. Man sieht den Rosa zu Mailand , Pavia , und in der ganzen Lombardey. Der Rosa ist bis jetzt noch nicht erstiegen worden. H. v. Saussure , der Montblanc - Besteiger, bereiste den Rosa im J. 1789. von Macugnaga aus, und gelangte von diesem Dorf auf die Alptrifften Pedriolo in 5 St. (von denen man 2 St. noch reiten kann), und von hier über den steilen Abhang des Cichusa in 5-6 St. auf den Pizzibianco, ein südliches Vorgebirge des Rosa , 9564 Fufs übers Meer, wo man den höchsten Gipfel des Rosa vor sich sieht; welchen aber H. v. Saussure nicht erreichte. — Ein herrliciier Standpurkt zur Beobachtung des Rosa ist das tiothhorn in dem Lesa- oder Lysthal , welches sich bey St. Martin im Aosta-Thal öffnet. Aus dem Dorfe Gressooey, von Deutschen bewohnt und 4 ° 4 & F* übers Meer gelegen, geht man nach den Sennhütten Betta, und von hier ersteigt man in 5 St. das Roth- horn, 9036 F. übers Meer. Der Lys-Gletscher ist der gröfste unter allen Gletschern, welche vom Rosa herabsteigen. Die Reise um den Rosa gehört in jeder Rücksicht zu den merkwürdigsten Gehirgsreisen in den Alpen *j. Man müfste aus dem Safstliale (s. Vispach) über den Monte Moro nach Macugnaga, von hier nach Banio im Anzascathal (s. diesen Artikel), nach den *) S. serhs ßergansichten des Rosa in der Schrift : Sur l’utilile des voyages et des courses dans son propre pays, p, le Chevalier de Robilant. Turin 1790. in 4, Sennhütten von Baranca 4 St., auf den Col d’Egna 1 y» St., 6624 F. übers Meer, von hier herab nach Carcoforo im Sesiathal a St., das kleine Sesiathal abwärts nach Scopel im grofsen Sesiathal, und nach Riva ( s. Sesiathal) oder viel kürzer von Pestarena, dicht bey Macugnaga, in 5 St. nach Riva, von Riva über die Felsenhöhen von 7416 F. nach Gressonay im Lesathal, von hier über die Furka di Betta 8106 Fufs übers Meer nach St. Jaques im Challantthal (s. Aosta ) 5-6 St., von hier auf den Col des Cimes blanches oder Fenetre d’Avantine 3 -4 St., bis zum Gletscher oder sous la Montee du Chateau 1 St., über den Gletscher auf das Joch des Matterhorns 1 St., und von hier bis Zermatt im vrallisischen Nikolai - Thal 6^4 St. (S. Vispach). Geognost. Beschaffenheit. Der Rosa besteht aus Gneifs und adrigem Granit in Schichten, welche unter einem Winkel von 30 0 nach S. senken. Der derbe Granit erscheint nur Nesterweise oder in Adern und Schichten zwischen dem Gneifs. Oberhalb der Alp di Filera streicht zwischen dem Gneifs eine Schicht weifser Urkalkstein; er enthält viele Glimmerblättchen und Feldspaththeile und wird auf der Alpe Filera gebrannt. Am Fufs des Cichusa liegt Granit, dessen Quarz hellblau ist, und auf dem Gletscher bey den Alptrifften Pedriolo grofse Blöcke von weifsem feinkörnigem Feldspath. Am nördlichen Fufs des Rosazirkels schöne Bündel Hornblende von 2-3 Zoll Länge in Gneifs, welcher fast ganz weifs ist. In dem Lesathal 140 Rosa - Thal. streicht viel Serpentin abwechselnd mit Urkalkstein, woraus z. B. das Rothhorn besteht; eben so im Chal- lantthal. Ueber die schöne Fossilien im Challantthal, über die geognostische Beschaffenheit des Matterhorn und Moro , und über den Reichthum au Gold und andern Erzen rund um und am Rosa sehe,man Anzasca , Sesia , Vispach-Thal und Aosta. Rosa-Thal. So wird auch das Sa/s-Thal, der linke Arm des Vispacher - Thals im Wallis, genannt, weil es von dem Monte Rosa geschlossen wird. (S. Visper- oder Kispacher-Thal). Roschach, heitrer Marktflecken im K. St. Gallen, am Boden - See. Wirthshäuser: Krone und Eörye. Genieist eine unbeschreiblich schöne Lage am Boden- See. , der zwischen hier und Buchhorn 5 St. breit ist (s. Boden-See). Am Hafen, an beyden Seiten der / Stadt längs den Ufern, und oberhalb des Orts am Berggelände , aufserordentliche Aussichten, besonders bey dem Kloster Marienberg , % St. von der Stadt; höher und weiter bey den Schlössern Roschach , Ml'artensee , Wartegg , und bey dem Landhause Platte am Dorfe Thal , 1 St. von Roschach. — Zu Roschach ist der gröfste, sicherste und lebendigste Hafen des ganzen Boden - Sees , wohin besonders das meiste Brodkorn der östlichen und nördlichen Schweitz aus Schwaben über den See geschiffet wird; deswegen ist hier auch der gröfste Kornmarkt der ganzen Schweitz, und zur Aufschüttung des Getreides steht am Hafen ein grofses Kornhaus, im J. 1767 . erbauet *). Alle Donnerstage ist hier Wochenmarkt, an dem es an Fahrzeugen im Hafen, und an Fährleuten und Käufern in dem Städtchen wimmelt. Gewöhnlich gehen jeden Wochenmarkttag hundert vierspännige Getreidewagen, und im Herbste bisweilen einige Hundert solcher Wagen von Roschach ab. — Auch sind hier Leinwandbleichen und Drucke- reyen, Mousselinfabriken und thätiger Handel mit diesen Kunst-Erzeugnissen. Auch ist hier ein katholischtheologisches Seminarium. Geschichte. Die Abtey St. Gallen erkaufte Ro- schach im J. 1 419* von den Freyherren von Roschach für 2700 Gulden. — Das Kloster Marienberg steht an demselben Ort, wo der St. Gallische Abt, Ulrich Vlll. **), aus Hafs gegen die Stadt St. Gallen , eine neue Abtey erbaute, welche, als sie beynahe vollendet war, im J. 1489- von den aufgebrachten Bürgern St. *) Schon in der Mitte des X. Jahrhunderts war hier eine Niederlage deutscher und italienischer "Waaren und eia Markt. *'J Ulrich Koesch, eines Beckers Sohn aus Wangen im Allgau, Mönch von St. Gallen, von prächtiger Gestalt, einnehmend, voll Herrschaft über sich und Herrscherkraft über andere, unermüdlich thätig, stellte sich an die Spitze des ganzen Konvents gegen den Abt Kaspar von Landenberg in Zeiten der gröfsten Verwirrung und dem. nahen Untergange der Abtey, wurde zum Pfleger und nachher zum Abt ernannt, in welchen Aemtern er 35 Jahre regierte, die Abtey rettete, ihren Besitz nicht blofs wieder befestigte, sondern das Gebiet mit Toggenburg und andern Xheilen vergrüfserte. 1^2 11 O S C H A CH. Gallerts und den Appenzellern in einer Nacht niedergerissen wurde, für welche Gewaltthat Appenzell mit dem Verlust vom Rheinthal von den Eidgenossen bestraft wurde. (S. Rheinthal). Wege. Von Roschach nach St. Gallen 5 St. gemach aufwärts, eine grofse und gute Heerstrafse. Nach Rheineck längs dem Ufer des Boden- Sees durch Stade , Speck, Bauried in 2 St., eine herrliche an den prächtigsten Aussichten reiche Spatzierfahrt. Eine halbe Stunde von Roschach, bey Stade, beginnt das reitzende und fruchtbare Rheinthal (s. Rheineck). Nach Arbon 1 St. zum Theil an dem Ufer der grofsen und prachtvollen Seebuclit, wo die Aussichten über den See nach der Inselstadt Lindau, den schwäbischen Ufern nach den Gebirgen hinter Bregenz und dem Rheinthal unbeschreiblich schön und mannigfaltig sind {s. Arbon). Anderthalb Stunden von Roschach, und eben so weit von St. Gallen liegt, in einer den Reisenden bisher verborgen gebliebenen Gegend, welche nun durch /> die neue Strafsenanlage von St. Gallen nach Konstanz an das Tageslicht kömmt, das Schlofs Dottenrryl *) auf einem kleinen Hügel, der mit 5° Schritten ohne *) Wir gedachten dem Schlosse Dottermyl entweder einen eignen Art. zu wiedmen, den dasselbe so wohl verdient, oder dann seiner unter dem Art. St. Gallen zu gedenken, wo er weit schicklicher als hier hingehört, da der "Weg von Roschach dahin nur für Pferde und Fubrei- sende gangbar ist, in Wagen hingegen blofs von St. Gallen oder Konstanz aus dorthin führt, Beydes v urde durch Zufall verspäthet. 11 OS CH ACH. merkbares Steigen gewonnen wird, und einen eben so weiten und interessanten Gesichtskreis eröffnet, als auf manchen der gepriesensten Berghohen nicht errungen wird. Dort hat seit ein Paar Jahren Hr. Blattmann von Aegeri eine äufserst einladende Einrichtung und eine Bewirtbung veranstaltet , welche , hauptsächlich von St. Gallen aus, von Einheimischen und Fremden häufig besucht wird, und nie ohne Lust wiederaukehren verlassen wird. An der Vorderseite des Gebäudes ruht, selbst das unbewaffnete Aug auf dem weiten Horizont vom FFallenstadter- See bis Bregenz; es fafst die herrliche Bergkette von Sargans bis in’s Tyrol; der majestätvolle Alpstein scheint den Mittelpunkt zu bilden, das Hauptstück des Gemäldes zu seyn, und Alles übrige seinetwegen als Verzierung angebracht. Der Bergkolofs Speer und die Gipfel der Kuhfirsten ragen im Hintergründe hervor. Von einem Fenster gegenüber setzt man die Aussicht fort; sie dehnt sich von den Tyroler- und Vorarlberger- Gebürgen der ganzen Küste des Bodensee's nach bis über Hohentwiel, und verliert sich an einem Saume, der wahrscheinlich die Berge des Schwarzwaldes samt dem Kniebis leicht über- sclileyert. Im Innern der Schweitz nimmt sich der Esel aus; die Kantone Thurgau und Zürich werden überblickt; hingegen stellen sich die Städte des Bodensees von Bregenz bis Ueberlingen , die Inseln Lindau und Meynau , und manches Sclilofs landeinwärts von Schwaben zur minder entfernten Schau dar. Auf halbe Ferne, wo die einzelnen Gegenstände beynahe gezählt wer- llOTHENTHURM. den mögen, scheint unter vielen malerischen Landschaften das liebliche Thal über Dornbiern die niedlichste und deutlichste zu seyn. Die nähere Umgebung des Schlosses ' ist eine lachende, wohlangebaute Landschaft, mit fruchtbaren Bäumen geschmückt; Waldungen, Schlösser und Dörfer bilden freundliche Gruppen, und die zerstreuten Wohnungen bezeugen den wohlbelohnten Fleifg der Einwohner. Allernächst wird endlich der Hügel von einem lieben kleinen Thälchen umkränzt, das ein Gemälde für sich selbst wäre, (eine gesperrte Landschaft in der Künstlersprache; in derjenigen des Herzens eine stille, romantische Gegend voll Anmuth.) Rothenthurm, Dorf im K. Sehwytz, an der Heerstrafse von Zürich nach Sehwytz. Ueber die hier gegen die Franzosen am 2. May 1798- erfochtnen Siege sehe man Egeri. Roth-See, sehr klein, St. von der Stadt Luzern , nahe an der Landstrafse nach Zürich und Zug. ( S. Luzern Ru sein-Thal, im K. Bündten, s. Disentis . Rüz-Thal (Val de RiizJ, in dem Fürstenthum Neuchatel, zieht von Vallengin nordöstlich 4 St. lang und St; breit, ist gegen SO. vom bewaldeten Chau- mont , gegen O. vom Chasseral , gegen W. vom Echel- lette, gegen N. vom Tovier und Ancin geschlossen, und vom Sejron durchströmt. Rotz-Berg S. Alpnach , Luzern und Stanz, f R 5 z - T ii a l, 145 Merkwürdigkeiten. Dieses Thal, welches jetzt eins der volkreichsten Tbäler der Scliweitz ist (denn es liegen 24 Dörfer in demselben zerstreut), wurde in der Mitte des XII. Jahrhunderts unter Graf Rudolph II. 1 von Neuenburg zuerst urbar gemacht. Die Dörfer Cof- frane, Haut-Geneveis, und Fontaine wurden im J. 1291. von ausgewanderten Genfern (welche den entsetzlichsten Par- tbeyungen zwischen Bischof von Genf und Graf von Savoyen zu entfliehen suchten) erbauet, und sie waren die ersten Freysafsen in dem Rüzthal. Wiesen- Feld- und Obstbau beschäftigt die meisten Einwohner; aulserdem arbeiten in diesem Thal zwey Kattunfabriken, Sagemühlen, Strumpfwebereyen, und viele Personen klöppeln Spitzen, verfertigen hölzerne Uhren, Fässer und andre Arbeiten aus Holz. — Vallengin , ein kleiner Flecken, liegt in einer engen Tiefe im untersten Theil des Thaies am Seyon , von da dieser wilde Bach sich einen Weg durch aufgerifsne Schlünde nach der Stadt Neuchatel sucht, wo er sich in den See ergiefst (s. Vallengin'). — Bey Cernier ist eine mineralische Quelle. Auf der Holte, la Loge genannt, 1 St. oberhalb Vallengin , am Wege nach Chauoc de Fond, eine aufserordentliche Aussicht über die Thäler Rnx, Sagne , den Neuchatelcr- See, die KK. Bern und Freyburg , nach den Alpen u. s. w. (s. Neuchatel ). — Oberhalb Martin eine tiefe Höhle, und östlich der Joux du Flaue , welcher reich an seltnen Pflanzen und Weiden ist. In dem hintersten Theile des Thaies liegt Villicrs , wo der Seyon entspringt und Trümmer eines « 146 Saanen-Land. alten römischen Weges gefunden worden sind; von hier kann man den Chasseral in 2 kleinen Stunden ersteigen ( s. Chasseral ). Wege. Ueber die Landstrafse durchs Rüz - Thal nach Chaux de Fond (s. Neuchatel). Nach dem Sagne - Thal führt die Strafse von Vallengin durch Cofrane und Haut-Geneveis nach Sagne i % St. und von da nach Locle x St. (s. Sagne-Thal und Locle). Geognost. Beschaffenheit. Das Thal liegt in dem Jura; über dessen Beschaffenheit s. Neuchatel und Jura. Auf der Höhe Joux du Plane , bey Du- patjuier und Dombresson , Ammonshörner und viele andre Versteinerungen. , •S'. Saakeh-Lahd (Pays de Gessenay) *), eine io St. lange und 5 St. breite Landschaft im K. Bern^ welche 15 Tlialer, wovon das breiteste St. beträgt, begreift, die zwischen den hohen Gebirgen, welche den K. Bern vom Wallis trennen, liegen. Merkwürdigkeiten. Ein sehenswürdiges Alpcn- land, von einem merkwürdigen, von jeher sehr freyen Ilirtenvolke bewohnt. Der gröfste Theil der Einwohner *) S. Briefe über ein schweitzerisches Hirtenland ; von dem Herrn von Bonstetten. 8. Basel 1782. Lbendiesellcn in einer neuern Sammlung seiner Schriften. 8. Zürich 1792. — Die Benennung Cesseuay kommt wohl so» G iejsen.cn , Wasserfälle, Land der Giefsenen, spricht deutsch, der geringere Theil ein französisches Patois. Das Hauptthal wird von der Saatie durchströmt. (S. ihren Ursprung unter dem Art. Gsteig- Tkal). ln dieser Landschaft lassen sich alle Klimate beobachten: von dem Dorf Rossirtiere , wo noch Wein wächst ^ erhebt sie sich gemach durch das Lauerten- und Gsteig - Thal bis zu den Gletschern. Ost- und Nordwinde sind abgehalten; im Winter liegt die eine Seite des Hauptthals ia Wochen im Schatten, während die Sonnenseite grünet und blühet. Alpenwirthschaft ist ausscliliefsende Beschäftigung der Einwohner, jede Familie verändert im Sommer 5-6 Mal ihre Wohnung mit ihren Heerden. Saanen besitzt nebst Simmentlial und Greiers die gröfste und schönste Rindviehart der Schweitz, 5-6Centner schwer, und sehr milchreich. Die grolsen Käse, welche hier gekocht werden, gehören zu den geschätztesten der ganzen Schweitz, und sind die befsten, um gerieben wie der Parmesankäse in Suppen gegessen zu werden. Die Saanen-Käse werden nach Deutschland, Italien, Frankreich, Holland, nach Amerika, West- und Ostindien versandt. Hier findet man ungeheure Familieukäse, die bisweilen roo Jahre alt sind. Auch wird im Saanen - Lande ein äufserst köstlicher Käse, Fälscheri - Käse (L'tomage de La— iherinJ genannt, bereitet, der wegen seiner Butterweichheit nicht zum weiten Versenden geschickt ist. —. Im J. 1655. lebten in den Gebirgen der Saancn-Thäler noch Bären, Wölfe, Lüchse und wilde Schweine, die jetzt aber gänzlich ausgerottet sind. Gemsen, weifss Saanen-Land. ♦ / ' i43 und braune Hasen, und wildes Geflügel finden sich noch häufig, und die Bäche sind reich an Forellen. Geschichte. Die Landschaft Saanen gehörte den Grafen von Orders oder Gruyeres (s. G ruyeres J. Schon im J. 1398* lösten sich die deutschen Einwohner in Saanen von den drückendsten Feodal-Lasten durch Geld, und im J. 1448- kauften sie sich für eine beträchtliche Summe von allen an den Grafen Franz, (damaligen Marschall von Savoyen und Vogt der TVaat) zu entrichtenden Geld- und Fruclitabgaben nicht nur los, sondern erwarben auch unabhängiges Gericht und andre Freyheiten. Im J. 1403. errichteten die deutschen Saaner mit der Stadt Bern ein Burg- und Schirm- Techt, welches alle 5 Jahre erneuert und zuletzt im J. 1491. in ein ewig unwandelbares Burgrecht verwandelt wurde. Die Saaner erlangten dadurch eine gewisse Selbstständigkeit; denn schon 144°* i“ Börgerkriege von Sc/nrytz und Glarus gegen Zürich sandten auch sie eine Fehde gegen Zürich, (während es Bern nicht tliat y und stuhnden den Schwytzern bey. Auch hatten die Saaner an dem grofsen Siege zu Murten Theil, wo sie unter dem Graf Ludepvig von Greiers in den Reihen der Eidgenossen fochten. Die Stadt Bern , dessen Gebiet an Saanen grenzte, erliefs im J. 1533. den Einwohnern alle Zehenden, welche seit der Reformation durch Aufhebung ) benachbarter Klöster dem Staate zugefallen waren. So erhoben sich die deutschen Hirten von Saanen zu einem freyen und fast ganz selbstständigen Völkchen, welches sie auch Saanen- Land. *49 unter der Hoheit des K. Bern , als alle Besitzungen des letzten Grafen Michael -von Greiers den KK. Frey bürg und Bern im J. 1555. zuficlen, in dein Grade blieben, dafs der Bernersche Landvogt nicht in dem Deutschen Saanen-Lande wohnen durfte. Sehr merkwürdig ist es, dafs die Grafschaft Greiers zur Zeit der Grafen viel bevölkerter war, als seitdem *). Pflanzen. Die Berge und Alpen sind reich an seltnen Pflanzen (s. Oex ). Narcissus poeticus ist von den hiesigen Alpen bis an den Genfer-See bey Ville- nenve und Blonay herabgestiegen. Geognost. Beschaffenheit. Das Saanen-Land liegt in den nördlichen Kalkalpen. Durch diese streichen von Bex und Aigle merkwürdige Gypslager nach NO. weiter (s. Bex , Etivaz — Gsteig- Lauenen — Thal und Reulissen ). In diesem Gypse liahen die Schwefelquellen des Etivaz- Lauencn- und Turbach — Thaies ihren Ursprung. Alle übrige Gebirge bestehen aus Kalkstein, Thon, Mergelscliiefer und Grauwake. (Ueber die Grauwake s. man den Art. Niesen ). Ihre Ausdehnung in den Gebirgen von Saanen ist noch nicht untersucht. An den Höhen der Kalksteinfelsen streicht ein Eisensteinlager, und in dessen Nahe finden sich Versteinerungen; wie z. B. auf dem Riibli- Horn Spuren von mineralisirten Echiniten, und auf dem Malraison Ammonshöruer. An den Wanden der Schieferfelsen *) Mbschig, Landschreiber in Saaneri, hat eine mit Flcifs zusammengetragne Kronik geschrieben. 150 S A A N E N. \ i ' i s; und deren Klüften findet man häufig Bittersalz', was die Einwohner Gletschersalz nennen. Auf der hohen Ge- , birgskette an der Grenze von TVallis , in welche sich die höchsten Saanen-Thäler hinaufziehen, lagern grobkörnige Sandstein-Schichten; wie z. B. auf dem Olden- Horn zu hinterst im GrfetgvThal, denen auf dem Niesen ganz "ähnlich (s. Niesen ). Dieser Theil der Gebirge ist gleichfalls noch nicht gehörig untersucht. Sa an en (der Flecken), Hauptort in dem deutschen Saanen-kande, in dem Hauptthale an der Saane , zwi- i sehen sehr schönen fruchtbaren Bergen gelegen, 3108 Fufs übers Meer. Wirthshäuser : Grojses und hleines Landhaus. — Nordwärts sicht man die Berge Honek , östlich den Horn - Berg, südlich die Seitenberge des Rubli - Ilorns und der Gun - Flue , zwischen denen der Riibli- Bach aus einem Thal in die Saane, gerade dein Dorf gegenüber, fällt. Südöstlich ist der Eingang ins Lauenen- und CrJeig - Thal, aus denen die Saane ins Hauptthal tritt; und da erblickt man im Hintergründe das Gelten - Horn , an welchem der Gelten - Gletscher glänzt. (S. den vorhergehenden Artikel). Wege und Merkwürdigkeiten. Von Saanen nach Zrreysimmen im Simmen-Thale 5 St., ein Fahrweg (s. diesen Artikel), Ins Lauenen- und Gsteig- Thal 3-3 St. (s. diese Artikel), Von Saanen in den K. Freyburg giebt es mehrere Wege: 1) Ueber die Berge nach Afflentschen im Yaun - Thale, und von hier längs der Yaun durch Bellegarde und Charmey nach Bulle . 3) Oder durch das Hjuptthal von Saanen » Saasen. i5i längs der fahrbaren Strafse durch Rougemont und Chateau d'Oex 3 St. (s. diesen lernen Artikel). Aul dem Wege nach Rougemont kömmt man bey einem Hügel vorbey, auf dem die Ruinen der Burg Vanel , des ehmaligen Sitzes der Grafen von Creiers, liegen, und wo eine herrliche Uebersicht des Thaies ist. Der Graf Peter mufste im J. 1323. die Burg selbst brechen lassen. Bald hinter diesem Hügel bildet ein von Norden strömender Bach die Grenzen der deutschen Sprache, Sitten und Gewohnheiten; und hier beginnt das welsche * oder französische Saanen. In Rougemont stehen hölzerne Häuser, diö im XVI. Jahrhundert erbaut sind. Hier stand ein Kloster, welchem Rougemont untertha- nig war. Die Einwohner erwarben sich in den Jahren 1450-t46o. unter* Graf Franz einige Freyheiten. In diesem Kloster wurde 1481. zu einer Zeit, wo aufscr Basel, Genf, Burgdorf und Münster ( s. Luzern ) noch in keiner schweitzerischen Stadt Buchdruckereyen waren, Fasciculus temporum gedruckt. Seit Aufhebung des Klosters wohnte hier bey Piongemont (auch Rötsch- xnund genannt) der Landvogt von Bern *), Dem langen Dorfe gegenüber, an der Südseite des Thaies, erhebt sich der Dent des Chamois , oder Riibli- Horn, der Wetterkalender der Einwohner; dann Marlis-Morn oder Roches du Midi, und hinter diesem die Gun- Flue; sehr wilde Gebirge. Nicht weit von Rougemant *) H, v, Bonstetten bekleidete dieses Amt während mchrern Jahren, und seiner genauen Kenntnlfs hat man die oben angezeigten treflicheu Briefe zu danken. !L. fr 152 Sächseln. ergiefst sich in die Saane oder Sarine wieder ein Bach, welcher aus den Thälern von Flendruz und Mokawsu kömmt, die nordwestwärts nach den wilden und nackten Felsen des Pezarnezza und Branteyre hinaufziehen, ganz versteckt liegen, von sehr abgeschiednen flirtengemeinden Bewohnt werden, und fast unbekannt sind. Dmch diese Thäler führt von Rougemont ein Weg, am Fufse des Branleyre , in ein Nebenthal des Yaun - Thals, zwischen dem Hochmatt - Berg (s. dessen Gestalt in * dem zweylen Alpenaufrisse des ersten Theils) und Hübschmatt - Berg hin nach Charmey oder Cillmiz’, und von da nach Rulle (s. diesen Artikel). Die Haupt- strafse geht von Rougemont weiter durch le Cret , Flin - druz und les Combes nach Chateau d'Oex. Les Combos gegenüber, an der Seite, öffnet*sich das Thälchen Cerignon (s. Oex). I Sächseln (s. Sarnen ). Sa nt is, das höchste Gebirge im K. Appenzell (s. Appenzell und LVildhaus'). Sagne-Thal, in den Bergen des Fürstenthums JSleuchatel , 4 St. lang, in der nämlichen Höhe wie das Thal von l.ocle , gegen SO. und NW. geschlossen; theilt sich in das Thal la Sagne und des Fonts, slhr volkreich und wohlhabend. Neben Viehzucht ist Uhrmacherkunst, Spitzenklöppeley und andre Kunstarbeit Haupterwerb. Aus diesem Thale war D. J. Richard , der erste Uhrmacher und Gründer dieser jetzt so ausserordentlich blühenden Kunst und Handelschaft in den Thalern Neuckatels , gebürtig (s. Locle und Chatix de Fond). Im Thale des Fonts giebts eine mineralische Quelle, viel Torf, und in der nördlichen Bergkette sehr viele Versteinerungen. — Am südwestlichen Ende des Thals des Fonts steht ein Landhaus, wo man das ganze Sagne - Thal übersieht; südöstlich wird es vom Tourne geschlossen, an dessen Fufs auf der andern Seite die Landstrafse ins Val Travers führt. Die Spitze des Tourne , la Tablette genannt, läfst sich leicht . von dem Sagne-Thal ersteigen, wo sich eine aufseror- dentliche Aussicht nach der hohen Alpenkette eröffnet. In dem Innern des Tourne sind mehrere Höhlen voll Tropfsteinen. Wege. Von der Stadt Neuchatel durchs Vallen- gin , Cofrane und Haut - Ceneveis , nach la Sagne a^4 St. Von Locle nach la Sagne i St. Von dem Berge Tourne führt ein guter Weg gerade nach Co~ frane und Vallengin im Riiz- Thale (s. diesen Art.). Saleve. Merkwürdige Kalkberge i St. von Genf (s. Genf). Sallenciie, Städtchen in Savoyen, an der Land- I strafse von Genf nach Chamouny. Wirthsliäuser giebt es mehrere; in dem Gasthofe des H. Clienets erblickt man den Gipfel des Montblanc. ( S. den Art. Cluse in Betreff eines guten Wirthshauses St. vor Sal- lenche). Sallenche liegt 540 F. über den Genfer - See oder 1674. F. übers Meer, und der höbe konische Kalkberg Varens , dem Städtchen gegenüber auf der andern Seite der Arve , ist 7200 F. übers Meer. Ein sehr verständiger Wegweiser ist Mr. Alexis Chenu. \ i' • T . I •' ■ 7 ' ■ ■ .. . • ’M - ■ ' 154 Sallenche. Eine Viertelstunde vom Städtchen sind zwey Schlünde, wovon der eine, Antre de la Frasse genannt, von der Sallenche durchströmt wird; beyde zeigen grausend- malerische Ansichten. Auf dem Mont Rosset erblickt man den Dome de Goute deutlich. Bey Sallenche eine Mineralquelle von 25-37° Wärme. Hier linden die Reisenden immer Pferde und Chars ä Bane, um nach Chamouny zu reiten oder zu fahren; denn weiter als bis hieber können von Genf aus die Kutschen sich nicht wagen. Wege. Nach Chamouny 6 St. Von Sallenche über die Arve - Brücke , durch St. Martin nach Che de, 3 St. in ebnem Thale. Auf diesem Wege siebt man links in der Höhe das Dorf Passi, rechts St. Gervais , den Schlund des Nant-Borand , welcher von dem Bon-e komme kömmt, und den mit' Schnee bedeckten Mont Jovis; dann gerade vor sich über alle Felsen hervorragend den Montblanc , dessen Gipfel aber so zurückliegt, dafs er von diesen Standpunkten im Thal nicht gesehen werden kann ( s. Chcde). Von Sallenche nach St. Gervais 1^2 St. und nach Bionnay i St., wo der Weg von Chamouny zusammen trifft, und dann weiter über den Bonhomme ins /^«re-Thal, oder über den Col de la Seigne nach Aosta führt, der kürzeste Weg von Genf nach Turin , aber nur im hohen Sommer und bey dem befsten Wetter zu Fufs oder zu Pferde gangbar (s. Col de Bonhomme und Col de la Seigne ). Nach Genf 12 St. ( s. Genf , Bonneville und Cluse). Geognost, Beschaffenheit. Von Sallenche bis S AR GANS. *55 Chr.de Kalkgebirge auf Schiefer ruhend, von weifsenj Kalkspath und Quarz durchzogen ; dieselbe Beschaffenheit auf der andern Seite des Thaies von Sallenche nach Gervais. Die Schichten streichen von NO. nach SW. und senken nach NW. Man befindet sich hier auf der südlichsten Linie der nördlichen Kalkalpen, welche längs der Sallenche über den Mont du Four weiter nach SW. fortsetzen (s. Ebel , über den Bau der Erde u. s. w. Zürich 1808- I. Th. S. 268 — 283.) In dem Schlunde der Sallenche und im Thal der Arve Granitblöcke. Das ganze Thal bis Chede trägt die Spuren eines ehrnaligen Sees, welcher, seitdem die Felsen bey Clttse durchbrochen worden sind, abgelaufen ist. (s. C/use). Samaden (Summa d'Oen) in Ober-Engadin K. Biindten, eins der schönsten Dörfer in der Schweiu (s. Moriz'). Sarg ans, Städtchen im K. St. Gallen. Wirths- bäuser ; TVeijses Kreuz und Lövre. Liegt an der Landstrafse von dem TVallenstadter - See nach Grau- bündten , auf dem hohen Marmorfufse des Scholl- \ Berges *). Geschichte. Das Sarganserland war ursprünglich ein Theil des alten Rhätiens. Seit dem X. Jahrhun- *) Schollberg hiefs ehedem jcaf-Berg von Scala , weil dieser Berg an der Ostseitc sich grade in den Rhein senkte, und dort der Weg wie eine Leiter oder Treppe eingehauen war; erst im J. i6o3. wurde an dieser Stelle, die man jetzt die hohe Wand nennt, ein ordentlicher Weg gesprengt. 156 Sargans. dert erscheint es als Eigenthum der Grafen von "Wer-* denberg. Im J. 1382. verkaufte es Graf Albrecht von LT'erdenberg an den Herzog Leopold, von Oesterreich , kam während der Acht des Herzogs Friedrichs (s. Konstanz) durch Eroberung an den Graf Friedrich von Toggenburg, nach dessen Tode wieder an Oesterreich, und dies verkaufte die Landschaft im J. 1436., aufser Nydberg und Freudenberg (Burgen bey Ragatz), an den Graf Heinrich von M'erdenberg , den Erzfeind aller Volksverbinduugen, und Stifter des schwarzen Bundes unter dem Adel, durch welchen er den Grauen Bund des Volks im Vorler-Rheinthal Bündtens zu stürzen hoffte (s. den fehfgeschlagnen Versuch unter den Art. Reichenau. Schamser - Thal). Die Landleute von Sargans wollten Heinrich nicht huldigen, und suchten Schutz bey Zürich, welches sie, wider Willen des Grafen, in Bürgerrecht aufnahm. Im J. t 437 - eroberten die Sarganser und Zürcher die Burgen Nydberg und Freudenberg (s. Ragatz ), welches neue Funken zu dem ersten Bürgerkriege der Eidgenossen sammelte (s. Pfef- fikon). Schrrytz und Claris begannen den Krieg gegen Zürich damit, dafs sie 144°- 'tu October ins Sar- ganserland zogen, und die Einwohner mit Gewalt zwangen, das Bürgerrecht mit Zürich abzuschwören, und sich dem Graf Heinrich zu unterwerfen (s. Lachen). Wahrend des langen Krieges der Eidgenossen gegen Zürich und Oesterreich vom J. i 444 - an i litt Sargans viel, und das Städtchen wurde von den Schweitzern ganz in Asche gelegt. Die Einwohner fanden nicht eher Ruhe und Schutz, als bis die Eidgenossen 1482. durch Kauf dessen, was dem Graf Georg von W'erdenberg - Montfort gehörte, in Besitz der ganzen, Landschaft kamen; denn seit 1460. hatten sie schon die österreichischen Güter FVallenstadt , Nydberg und Freudenberg erobert. Der letzte Besitzer, Graf Georg , lebte noch 18 Jahre auf seiner Burg Ortenstein im Domleschg, wo er 1501. starb. Seit 1482. war Sargans Hauptort der Landvogtey; im J. 1798* wurde diese Landschaft dem K. Linth , und 1801. dem K. St. Gallen zugetheilt. Merkwürdigkeiten und Aussichten. Nicht weit von Sargans , im Thale nach Ragatz zu, eilt der helle Bach Saren oder Sam dem Rheine zu, welchem wahrscheinlich die Einwohner ihren ehmaligen Namen Sareneten (Sarunetes J und die ganze Landschaft die Benennung Sargans zu danken hat. Die meisten Dörfer, Berge und Alpen in dieser Landschaft führen nicht deutsche Namen, sondern tragen den unverkennbaren Stempel der Sprache des alten rhätischen Volkes, welches bis jenseit des Wallenstadter - Sees wohnte*). Oberhalb der Stadt bey dem ehmaligen Landvogtsschlosse eine herrliche Aussicht über das ganze 6 St. lange und ^4 St. breite Sarganser - Thal, vom Rhein durchströmt, der zu den Füfsen des Schlosses plötzlich nach O. sich beugt, und zwischen dem Scholl -Berg und Gnscheralp *) Hierüber, so wie über alles, was diese Landschaft angeht, s. man Ebels Schilderung der Gebirgsvölker. Zweyter Th. S. 129-141. 158 S AR GANS, nach TVartau und Pf'erdenberg fliehst. Erhaben ist der Anblick auf die Gebirgsmassen von allen Seiten, besonders auf die Gestaltungen de3 zerrifsnen Felsen des Rhaeticon*) jenseits des Rheins, auf den Gaianda und die Felsenbörner des Pfeffers- und JP'eifstannen- Tbals (welches letztere sich schräg über, westlich in der Nähe von Meis öffnet, und den Seez- Bach dem See zuschickt ), und herrlich die Felsen-Fernsicht über den Vf r al- lenstadter - See.— Nahe bey Sargans ist eine Schwefelquelle. Merkwürdig noch hier das reichste und befste Eisen-Bergwerk der ganzen Schweitz. Von Sargäns hat man zu den Erzgruben in dem Gonzen an dem Berge Bel- fris 2 St. zu steigen. Die ältesten Nachrichten über dieses Bergwerk reichen nur bis zum J. 1467* I 787 * ist es durch äufsere Ursachen ganz ins Stocken gerathen, und jetzt sind schon die Eingänge zu den Schachten halb verschüttet; das hier gewonnene Eisen war unter dem Namen Flumser- Eisen von dem Dorfe Fi ums , wo es geschmolzen wurde, so benannt, allgemein gesucht und geschätzt. Die Hauptbeschäftigung der Einwohner der ganzen Landschaft Sargans ist Alpenwirthschaft und Viehzucht. Die Rindviehart ist der kleinen Bündlner- Art sehr ähnlich. Aufser zwey protestantischen Gemeinden nach TYerdenberg zu, sind alle andern katholisch. Wege. Nach Ragatz 2 St. Auf diesem Wege Das Ende des Rhaeticon heifst die Guscheralp, der Kamin ob Mayenfeld, dessen höchstes Horn Geirenspitz, der Falknis, Augsteuberg oder Villan, Scesa plana; die bestimmte Höhe dieser Felsen s. unter Meyenfeld. Sarg ans. »59 entwickelt sieb die R/iaeticon - Kette mit ihren Hörnern für den Anblick prächtig und erstaunenswürdig, besonders wenn Wolken unterhalb ihren Hörnern dahin ziehen. Der unterste pyramidale Felsen dicht am Rhein heifst der Fläscher-Berg , hinter welchem der Pafs Luziensteig ( s. diesen Art.) liegt, wo Graubiind- ten anfängt und an der rechten Uferseite des Rheins fortzieht; hoch über dem Fläscher- Berg an den steilen Wänden der Guscheralp*} sieht man das kleine Dörfchen Guschen schweben. Auf der andern Seite rechts erblickt man an den Bergen einen Wasserfall (s. Ragatz ). Nach TYallenstadt 3 St. durch ßerschis und Tscherlach; auf diesem Wege auch ein Wasserfall, der aber nur nach vielem Regen voll und herrlich wird. Nach TVerdenberg 3 St. an der hohen Wand vorbey, durch Atzmoos , Tfartau , Sevelen und Buchs (s. U erdenberg 'j. Geognost. Beschaffenheit. Die Gebirge in dieser Landschaft bestehen aus schwarzem Thonschiefer, und dichtem und körnigen grauen oder schwarzen Kalkstein ; der ganze Fufs des Scholl - Bergs ist Marmor, welcher auch noch an andern Orten bricht (s. Pfeffers ). Zwischen den Kalksteinschichten streichen aus dem K. Glarus in das Sargansische ausgedehnte Lager rothen Thonschiefers , welcher meistens mit Glimmer und Quarztlieilen gemengt ist, und in Grnu- *' Den merkwürdigen Zug der Ocsterreicher über die Felsen der Guscheralp im May 1799. sehe man in den Art. I.uiiensleig und Feldkirch. S ARINE. 160 wakeschiefer geht, und dieser wechselt mit grob- und grofskörniger Grauwake von rotlier Farbe (s. hierüber Glarus'). Nahe bey dem Dorfe Meis , dem Städtchen Sargans gegenüber, werden in dieser grofskörnigen Grauwake Mühlensteine gebrochen, welche man weit verführt. Die dichten Roth-Eisensteinlager in dem Ganzen sind von dreyerley Art. Das Roth-Erz ist 1^2 F. , das Schwarz-Erz 2 Fufs, und das Meli-Erz 4 F. mächtig, welche zusammengeschmolzen das tref- lichste Eisen gaben.— Ueber den ehmaligen Flufs des Rheins durch das ganze Sarganser - Thal nach dem JYallenstadler - See s. man den Art. Ragatz. Sari ke. Dies ist der französische Name der Saune, welche aus dem Saanen - Lande durch den K. Frey bürg Riefst, und sich in die Aare ergiefst. Sarkek, Hauptort von Ob - Waiden in dem K. Unterwalden (s. Unterwalden). Wirthshäuser: Schlüssel und Ochs. Merkwürdigkeiten. Hier ein Nonnenkloster, im J. 1199. gestiftet. Sehenswerth sind: Das Rathhaus, in welchem die Bildnisse aller Häupter dieses Freystaates vom J. 1381. an bis jetzt, ein gutes Bildnifs von dem berühmten Nikolaus von Flue , und ein Gemälde zu sehen sind, welches die grausame That des Landvogt Laudenbergs , wie er dem alten Heinrich in der Halden aus dem Melchthal (Vater Arnolds, eines der drey hohen Stifter der Schweitzcr- freyheit) die Augen ausstechen läfst. — Das grofse steinerne Brunnenbecken auf dem Platze, welches aus Sarnen. ißl einem einzigen Granitblock ausgehaucn ist —• Der Landen- Berg, dicht bey dem Flecken, wo sonst das Schlofs des tyrannischen Laudenbergs stand. Am i. Jenner 1308., dem wichtigen Tage, welcher von den verschwornen Helden zur Beireyung des Vaterlandes bestimmt war, wurde diese Burg, so wie alle andern, tbeils durch List, theils durch Gewalt eingenommen, zerstört, und die Tyrannen mit ihren Knechten über die Grenze geführt. Der Landen - Berg wurde seitdem der Versammlungsort der Landesgemeinde von Ob- LValden; und hier stehen das Zeughaus, Sehützenhaus, und eine mit Marmorsäulen gezierte Kirche. Von diesem Hügel ist die Aussicht über das sanfte idyllen- mäfsige Thal und nach dem Sarner-See äufserst angenehm und reizend. Nach NW. steht der Pilatus , und nach SO. der Misi - Berg. Der landschaftliche Karakter von dem Haupt - Thale Ob - Waldens , von Alpnach und besonders von Sarnen an bis an den Briinig, ist ganz eigentümlich. Keine nackten Felswände und Hörner, keine Schnee - und Eislasten, keine Verwüstungen und Steintrümmer, sondern rundere und sanftere Umrisse, ein ununterbrochenes Wiesengrün, wallet aus dem Thal über alle Berge hinauf; prächtige Wälder verbergen alle eckigte Linien, und überall sind Häuser zerstreut. In diesem Alpen-Thal herrscht ein romantischer Keitz, und eine Stille und Ruhe, die zur sanften Melankolie und Schwärmerey stimmen. Zu Sachselen und Kerns, 1 St. von Sarnen, halten die Ob-Lj'alder, am erstem Orte den ?.G. July, am andern ir. ,, 162 Sahnen. den i. August, einen Schwing - oder Kampf-Tag. _ Angenehmer Spatziergang von Sarnen nach Sächseln i St. an der Ostseite des lieblichen Sarner- Sees. Eine Spazierfahrt auf diesem i ^ St. langen und 1 j 2 St. breiten See ist sehr genufsreich. Die allgemeine Ruhe, die heitern und lieblichen Ufer, die grünen Berge, durch viele zerstreute Wohnhäuser belebt, die malerischen Haine herrlicher Baume geben der Landschaft einen idyllenartigen Reiz. Der See ist sehr fischreich. Die Aa Riefst heraus, Sarnen vorhey, und empfängt hier den Melch- Bach. Zu Sächseln ist eine sehr schöne mit vielen Marmorsäulen gezierte Kirche, von denen 8 Säulen aus Einem Stück gehauen sind; der Marmor bricht besonder!- im Melch ~ Thale. jNikolaus von der Flüe. In dieser Kirche werden die Gebeine des ±Xih/ans van der l'liie in einem kostbaren Sarge aulbewahrt, weswegen eine Menge Menschen hieher wallfahrten. Dieser Alaun, aus einem angesehnen Geschlecht des Landes, wurde bey Sächseln den 21. Merz r (1 7 . gebühren. Er bevvirthschaftete sein Gut, zeugte zehn Kinder (wovon er einen Sohn in Basel und Paris studireu liefsj, bewies als Landwiith eigne Geschicklichkeit, obgleich er nicht lesen konnte, focht als Held 1460. gegen Oesterreich bey IVinter- thur , Diijsenhojen und liagatz , und zeigte mitten in der Wuth des Kampfs die schönste Alenschlichkeit. Durch innre Gefühle gedrungen, entzog er sich in einem Alter von 47 Jahren seinem Vater, seiner Krau und seinen Kindern, und begab sich als Einsiedler Sn eine Zelle am Ranft in einer fürchterlichen Einöde dns Melchthales, i St. von Saxelen. Der Bruder Claus genofs seines Verstandes und seiner Tugend wegen die allgemeinste Verehrung. Wer in der Schweitz Rath und Aufrichtung bedurfte, oder aus fernen Landen nach Einsiedeln wallfahrtete, kam zu ihm an den Ranft, Der Ernst seiner Gestalt, die unzerstörbare Heiterkeit und Freundlichkeit seines Sinns, und seine bündigen Aussprüche in kurzen kraftvollen Worten, zogen alle Gemüther an ihn *). Nur einmal erschien er wieder in der Welt, und zwar in einem Zeitpunkt, als das Vaterland am Rande des Verderbens schwebte. In dem Augenblick, als am 22. Deeember 1481. die Versammlung der aufs äufserste erbitterten Eidgenossen zu Stans auseinander gehen wollte (s. die Ursache unter Stanz ), um sich in Bürgerkrieg zu stürzen, trat Nikolaus von der Fine , als der Schutzgeist der Eidgenossenschaft unter sie, vereinigte durch Worte der Vernunft und Weisheit alle Gemüther, und kehrte schnell in seine Einöde zurück. Dieser edle Mann, welcher eine unvergängliche Bürgerkrone verdient, lebt bis auf den heutigen Tag in dem Andenken aller Einwohner des *) Die Liebe zu Claus batte einen deutschen Edelmann vermocht, auch als Einsiedler in diese Wildnifs zu ziehen, und dieser wohnte, unter dem Namen Bruder Ulrich, auf dem Möslein von 1473 — 1491. wo er starb. Auch ein achtzehnjähriges Mädchen, Cacilia aus Kerns, strebte nach einem gleichen heiligen Leben, und hatte auch in dieser Oede sein Zellchen; sie lebte hier nach Claus Tode noch 78 Jahre als Einsiedlerin. K. Unterwaldens als ein Heiliger, der oft von ihnen Vater , auch Bruder Claus genannt, und in den höchsten Ehren gehalten ist. Ein angenehmer Fufspfad, reich an schönen Aussichten, führt von Sarnen und Sächseln. auf die Höhe des Ranft nach Flueli , wovon Nikolaus und dessen Geschlecht ihren Namen erhielten; eins von den hier stehenden Häusern soll sein Geburtsort, das andere sein Wohnhaus gewesen seyn. Von dem Flueli führt ein Weg ins Melch- Thal hinab nach dem Orte, wo eine Kapelle, und höher eine zweyte und die Zelle des Nikolaus stehen. Man sieht in derselben noch den Stein, welcher sein Polster war; nur bey strengem Winter brauchte er eine Decke. Es ist bey seinem Leben weit und breit erzählt, untersucht, und von seinen Zeitgenossen der Nachwelt überliefert worden, dafs er gegen zwanzig Jahre in seiner kleinen Zelle ohne andere Speise, als die er alle Monate in dem Sakramente des Altars genofs, gelebt habe. Alle Pilger, welche hieher wallfahrten, schneiden Holzspäne von der Zelle ab, und nehmen sie mit. Claus staib nach einer achttägigen Krankheit im Beyseyn seiner Frau, Kinder und Freunde den 2t. Merz 1487. Zwey seiner Söhne erhielten die höchste Würde des Landes, und wurden Landammanne; seine Kinder überhaupt liinterlielsen eine zahlreiche Nachkommenschaft. Noch jetzt gehört das Geschlecht von der Fliie zu den angesehensten in Oh - TJ'alden. Aus dem frühem LeleH des Bruder Claus werdet! noch seine zwey Degen, zwey Sahnen. 165 Löffel von Buchsbaum und sein silberner Becher aufbewahrt * *). — Ueber das Melchtlial s. diesen Art. 1 Veg e - Von Sarnen nach Alpnach am Luzerner- See 5 St. — Nach Stanz durch den schönen Flecken Kerns 3 St. ('s. diesen Artikel). Durchs Melch- Thal führen zwey Fufswege über die Gebirge ins Engelberger der eine über die Stör- Egg, der andere über die Min — Alp und das Juchli; und ein Pfad über Felsen ins Gentel -Thal K. Bern.— Von Sarnen nach dem Dorfe Entlebuch in dem Entlebucher - Thal, über die Pilatus - Kette. — Von Sarnen auf den Pilatus s. Pilatus. — Von Sarnen, das äufserst romantische Thal aufwärts über den Brünig -Berg, nach B lene 6 St. Man fährt entweder über den Sarner- See, oder man folgt der Strafse, an dessen südlichen Ufer durch einen Obstbaumwald, nach dem Zollhaus , nach Gys- tryl, über den Berg Kaiserstuhl nach Lungern 3 St. Nahe bey Gysrryl sieht man das Bett des ehmaligen Gysrryler- Sees, welchen diese Gemeinde im J. 176t. abgeleitet hat. In der Mitte desselben~stand das Schlofs Rudenz **), und in der Nähe des Sees noch andre Schlösser ehmaliger Ritter. Von Gysrryl ^ St. ent- *) Lebensbeschreibung des Bruder Claus, von J. A. ff'ei- Jsenbach , Chorherr zu Zurzach 1787. — Geist des seeligen Bruder Claus, vom Probst Göldlin von Tiefenau. Luzern, die zweyte Ausgabe.— Leben des Bruder Claus, von Karl Lüfsy (Kapuziner zu Stanz). Luzern 1732. 4. *) S. über Rudenz, den Schwiegersohn und Mörder des gro- fsen Fcldbauptraanns Erlach, den Art. Bern, ■■■■■ -stS ■ . > Ai >• - -i fernt, macht die Aa, -welche aus dem Lungern - See kommt, einen malerischen Fall, und i St. von diesem einen zweyten, der viel gröfser ist (s. Lungern). Geognost. Beschaffenheit. Die Gebirge in dem ganzen Ob - IValden bestehen aus Kalkstein und Thonschiefer, und an der Pilatus- Kette, welche nach W. das Thal ummauert, in vielen Quarzkörner-Lagern. In der Gegend von Sarnen findet man Trümmer eines an Numuliten reichen Steins; der Mutterort dieses grünen Numuliten haltenden Sandsteins ist am südöstlichen Abhänge des Hügels, auf welchem das Flueli steht, und am südöstlichen Abhange des Rotzberges bey Stanz. Auf dem Berge Kaiserstuhl finden sich Versteinerungen. Von dem Brünig nach Alp nach , und von hier am Seeufer nach dem Jloz-Loche zu, quellen mehrere schwefelhaltige Wasser. Im XVII. Jahrhundert fand man bey Alpnach Spuren von Salzquellen. Im J. 1666. ertheilte die Landsgemeinde Erlaubnifs, eine Salzsiede- rey zu errichten; allein bey näherer Untersuchung zeigten sich die Quellen nicht reichhaltig und dauerhaft genug. Wenige Stunden weiter östlich ist in uralten Zeiten bey Hämlingen, ohnweit LVolfenschiefs , aus Salzquellen Salz bereitet worden; aber die Quellen giengen durch ein schreckliches Erdbeben schon im XIV. Jahrhundert verloren. Sollten die merkwürdigen Gipslager, welche von Savoyen her durch die Landschaft Bex nordöstlich bis an den Thuner- See verfolgt werden können, dort aber bey Leijsigen verschwinden, etwa weiter nach NO. in der Tiefe durch Unter- Sass-Thal. 167 walden fortsetzen ? In dieser Richtung wenigstens ruufs der Gyps streichen, wenn er vom südlichen Ufer des Thuner-Sees weiter geht; und da auf seinem ganzen Striche von der Landschaft Lex an viele schwefelhaltige und einige salzige Quellen (s. Lex , Etivaz , Lauenen , Lenk , ddelboden - Thal , Simmen - Thal , Spiez , Leifsingen) angetroffen werden, so können die Schwefel- und Salzquellen in der gleichen nordöstlichen Richtung in Unterwalden wohl einigen Grund zu jener Frage geben. Diefs waren Fragen in der zweyten Ausgabe vom J. 1804. und 1805. Der verdienstvolle H. C. Escher in Zürich bat seitdem in Verbindung mit II. Tscharner aus Bern und II. Professor Struve aus Lausanne diese merkwürdigen Gypslager von I.eiJ'sigen an durch das Simmenthal von neuem untersucht, worauf er mir im Herbst 1805. unter anderm schrieb r „Wahrscheinlich setzen die Gypslager vom Thuncr- „See durch den Brienzer — See an den Briinig „hinüber", und später ist wirklich an der einen Seite des Brünig der Gyps anstehend gefunden worden. Umständlichere Untersuchungen hierüber sehe man in Ebel über den Bau der Erde u. s. w. Zürich 1808. I. Th. S. 357 — 359 - Sassinea-Thal, in der Lombardey, öffnet sich bey Bellano am Comersee, wo dessen Strom, der Pio- verna, ein fürchterlich-schönes Schauspiel gewährt (s. Comersee ). Sass-Thal, auch Rosa- Thal genannt, in Ober- IVallis , ' ist der linke Arm des Fispacher - Thaies. ( s, Fispach \ Sattel. 16S Sattel, ein Dorf im K. Schwytz, an der Land- strafse von Richtersvryl und Einsiedeln nach Schprytz. Nur % St. von diesem Ort ist das merkwürdige Schlachtfeld von Morgarten (s. Egeri'), S avi er - Thal (Saffien , Stussavia ) im K. Graubündten, öffnet sich als ein enger Schlund, der Versam - Tobel genannt, an der Südseite des Vorder- R/iein - Thals St. von Reichenau , zieht 7 St. lang nach S. aufwärts zwischen dem Lugnez - Thal und Domletsckger- Thal bis an die Felsen des Rheinwald- Thals, uud wird von dem Savien - Bach (auch Rhyn, Wütherich , Rabiusa genannt ) durchströmt , der sich in den Vorder - Rhein in der Nähe von Versam ergiefst. Geschichte. Der Graf Georg von Werdenberg verkaufte dieses Thal, welches vormals ein Lehn des Bistlium Chur war, im J. 1493. an Trivulzio den Besitzer des Misoxerthals. Erst im XVII. Jahrhundert kauften die Savier alle Redhte des Trivulzischen Hauses ab und wurden nun ganz freye Leute. Merkwürdigkeiten. Es ist ein sehr wildes, an den treflichsten Alpen reiches und sehr bevölkertes Thal; wird von einem deutschen und protestantischen Alpenvolke *) bewohnt, welches sehr abgesondert, einfach und bedürfnifslos , wohlhabend und glücklich lebt. *Alle Namen der Oerter dieses Thaies sind rhätisch und ebne allen Zweifel ist der Stamm seiner Bewohner rhä- tiseh, welche nur erst seit dem XVI. Jahrhundert deutsch sprechen. SCALETTA. l6§ Dieses Thal wird gar nicht besucht. Man kann den Weg durch den Versam - Tobel hinein wählen, und »ich dann nach Tusis wenden. Man erblickt zuerst Tenna auf einem anmuthigen Berge ; dann geht es durch Zalong , Camana, auf den Platz oder Salerna , wo man im Bathhapuse einkehrt. Die bewohnte Seite des Thaies ist kufserst schön; die Nordost-Seite, welche ganz unbewohnt ist, wird von den steilen und senkrechten Felswänden des Heimen - Bergs gebildet. Der Platz- Kirche gegenüber ist ein fürchterlicher Bergkessel, in welchem ein Bach, welcher vom Piz Beverin kömmt, einen Wasserfall macht. Eine halbe Stunde von dem Platz liegt die Camana- Alp, die gröfste und schönste Alp in ganz Graubündten , und die sehr reich an seltnen Alpenpflanzen ist. Von der Platz - Kirche an wird das Thal immer wilder; bis zur Thal-Kirche a St. Diefs ist vielleicht die am höchsten gelegne Kirche in Bündten; und von hier läuft das Thal noch z St. bis an den Fufs des Savier — Stocks und Calen— dari, über welchen ein Pafs nach Splügen führt, aber nur des Sommers gangbar ist. Von der Platz - Kirche führt ein steiler Weg, die Stäge genannt, aufwärts durch Olafs und Tschapina nach Tusis. Sax (die Landschaft) im K. St. Gallen. (S. Senn- wald), Scaietta, Scalätta (kleine Stiege) in dem hohen Alpenstock von Graubündten , über welchen ein Pafs von Davos ins Ober-Engadin nach Scamfs oder Sulsanna führt. (S. Davos und Scamfs). 170 S C A M F S. Sc am fs (ScamptiaJ im Ober - Engadin an der Landstrafse ; schöner Ort. Bey Furnatsch ist eine romantische Gegend und die Drusus - Graben. Die hiesige Bibliothek Faul Perini’s ist eine der beträchtlichsten in Graubündten, und besitzt einen Theil von Campeis Schriften im Original (s. Süfs ). — Nahe bey Scamfs öffnet sich bey Capelia an der linken Seite des Inn das Sulsanna - Thal, auch Perchia bella genannt, welches sich bey dem Dorfe Sulsanna,- 3 St. von Capella, in 3 Nebenthaler spaltet. Bey Sulsanna giebt es einen Arvenwald. Auf der rechten Seite des Inn öffnet sich das Val Casanna, welches 2^2 St. von Scamfs rechts nach W. ein Nebenthal mit den Alpen Vauglia sura und suot, und links gegen O. ein anderes Seitenthal mit den Alpen Purkehr und Turp- chiom aussendet; das letztere spaltet sich wieder östlich nach Ceruetz ins Val Müschains, und südlich nach Livino in ein Thal, welches von hoher Felspiramide begren/t ist. Durch dieses Val Casanna und über den Casannaberg zog der Prinz von Rohan mit einem Heer Franzosen den 27. Juni 1655. gegen die Oesterreicher im Livinothal (s. l.ivinothal und Memoires du Prince de Rohan ). — In dem Val Varnsch nahe bey Scamfs 60II in einer Steinryffene eine Salzquelle entspringen. Wege. Von Scamfs nach Livino 5^2 St.; durchs Val Casanna in die Ebne der Casannaalp 2^2 St., auf die Höhe des Casanna 1 St. (wo man den Schauplatz der Kriegsthaten des Prinzen Rohan übersieht), steil hinab ins Thal Federia y» St., nach Livino 1 St. Von Scamfs nach Sulsanna 3 St.; von hier durch das rechte Seitenthal auf den Scaletta zur Hütte 3 St., zum Wiithshaus Dürre Boden 1 St., durchs Dischmathal nach Davos. 3 St.; durch den linken Seitenast führt auch ein Weg in ^ St. ins Sertigerthal und nach Davos (s. Davos ); durch das dritte Seitenthal, Val Fontana, führt von Sulsanna ein Weg ins Val Tuors und aus diesem nach Bergün; a St. vom Val Fontana ist ein See. — Die Landstrafse das Engadin abwärts geht durch Capella , und durch das sehr verengerte und einsame Thal nach Tschinuoscai a St. das letzte Dorf im Ober-Engadin ; denn Jf St. davon ist die Pontauta , Grenze desselben. Gleich hinter dieser Brücke erreicht man Brail; hier wird das Thal so enge, dafs die Strafse, ä las Pontailgas genannt, durch die Felsen gehauen werden mufste; hierauf langt man in Cernetz an (s. diesen Artikel). Von Scamfs , das Engadin aufwärts, nach Zutz St. ( s. diesen Artikel). Pflanzen. y Am Casaitna wächst das schöne Papaver alpinum, Geognost. Beschaffenheit. Von Scamfs nach Tschinoscal zu zeigt sich links meistentheils Granit und Gneifs, rechts südwärts mehr Urkalkstein. Am Fufse des Scaletta Granit aus weifsem und rothem Quarz, weifsgrünem Glimmer, wenig Feldspath und grünem Speckstein; auch sieht man derben Speckstein mit Quarzadern und eingesprengtem Smaragdit. Von der Punlauta an, auf Leyden Seiten Urkalkstein, und bey Cernetz Schieferfelsen mit Quarz und Schwefel- ScARADRA-ThAR. 172 kiese. In der Gegend von Scamfs sollen Bleyerze gefunden werden. Auf der Alp Turpchium wurde einst Eisenerz ausgebeutet; man sieht noch den Schutt bey der dort gestandnen Schmelzhütte. Der Sage nach sollen auf der Alp Cumbrigna oberhalb Purker Golderze brecneh; aber Hr. Perini in Scamfs fand keine Spur davon. S c a k a D R a-T H a'l , im K. Tessin. S. Olivone. Scarla-Thal (ScharlthalJ im Unter- Engadin , K. Graubündten. S. Schuols. Schacheu-Thal, im K. Uri, öffnet sich % St. hinter Altorf , wo der wilde Schachen- Bach heraustritt, und zieht 4 St. lang ostwärts bis an die Z?a/m-Wand, dem Fufse der Klariden; ein sehr alpenreiches und bevölkertes Thal; der Menschenstamm dieses Thaies ist der schönste im K. Uri. Bey Unter - Schachen läuft ein Nebenthal nach SO. zwischen fürchterlichen mit Gletschern belasteten Felsen hinein, in dessen Hintergründe sich das übers Meer 10,071 Fufs hohe Scheer- Horn erhebt. Der Schachen - Bach entspringt in den Gletschern des Scheer- Horns (s. dessen Gestalt in dem I. Alpenaufrisse), und mehrere Wasserfälle, unter denen die Stäubi der schönste, stürzen über die Felswände hinab. Die Gletscher am Scheerhorn stehen mit dem Husifiiren - Gletscher im Hintergründe des Meder an oder Kerschälethals , und dem Sandalp - Gletscher in Verbindung. Aus der Mitte dieser ungeheuren Gletscher erhebt sich der graue Doedi und Rusein (s. Disentis). — Bey Unter-Sckächen eine Mineralquelle. SCHÄNNIS. *73 In der Nacht zwischen dem 12. und 13. December 1808. stürzten in diesem Thale fürchterliche Lauinen, z. B. zu Sturnen und Pilgrig in der Pfarrey Unter - Schachen , wodurch mehrere Menschen unglücklich und einige auf sonderbare Art gerettet wurden. Merkwürdig ist dieses Thal durch fVilhelm Teil , welcher zu Bürglen, am Ausgange des Thaies, geboren wurde, und dort lebte, (s. über diesen Schweitzerheldcn den Art. Bürglen ) und durch den Zug des russischen Hee- , res 1799. aus dem Schachenthal in den K, Schwytz. (s. Altorf und Muttathai ). Wege. Von Altorf führt eine Strafse durchs Schächen-Thal über die Z?a/m-Wand durch den Klufs- Pafs nach Lintthal im K. Glarus (s. Glarus ); dann ein blofser Hirtenweg aus dem Schachen - Thal ins Bisis - Thal des K. Schwytz; und ein noch steilerer Weg von der Schachen - Brücke über den Kienzig — Kulm gerade auf Mutten herab; welcher letztere, seitdem ihn das ganze russische Heer unter Gen. Suivaroyr im Herbst des J. 1799. zurückgelegt hat, erst bekannt und merkwürdig geworden ist. ( S, Altorf und Mutta - Thal J. Geognost. Beschaffenheit. Die Felsen bestehen aus Kalkstein; das Nebenthal nach dem Scheer- Horn zu verdiente eine genaue geognostische Untersuchung, weil hier wahrscheinlich die Scheidungslinie des Urfels- und Kalkstein-Gebildes durchstreicht. Scuannis, grofses schönes Dorf in der Landschaft Oaster t K. St, Gallen, »in Fufse des Schännis - Berges und an der Linth gelegen, ehedem der Hauptort der Vogtey Gaster. Hier ein adliches Fraulein - Stift, das einzige in der ganzen Sqhweitz his zur Vereinigung des Frikthalcs mit dein K. Aargau ( s. Rheinfelden), Der von Karl dem Grofsen ernannte Graf von Chur, Hunfried, stiftete dasselbe im J. 806., welches dann spater durch die Grafen von Lenzburg in Aufnahme gebracht wurde. Die Stiftsfrauen, dürfen die Abtey verlassen, im Fall sie heurathen wollen, (lieber die Landschaft Güster s. Gaster , und über die geognostischen Merkwürdigkeiten des Schännis -Bergs s. Wesen), Hier heftige Gefechte am 35. und 26. September 1799. zwischen den Franzosen und Oesterreichern , in denen der österreichische Gen. Hotze (geborner Schweitzer, Sohn eines Arztes in Richtersyvyl am Zürcliersee im K. Zürich) fiel, dem ein kleines Denkmal an der Landsttafse errichtet ist. Wege. Von liier eine grol’se Heerstrafse durch Kaltbrunn , Uznach , Rappersrryl nach Zürich , und durch Kaltbrunn aufwärts ins Toggenburg (s. Bildhaus und Wattpryl). Nach Wesen 1 J 2 St. und nach Glarus 37» St. (s. diese Artikel). Schaf hausen (der Ranton) *), einer der kleinsten, liegt ganz an der Nordseite des Rheins 7-S l~j Meilen grofs,' mit 52,000 Einwohnern, voll Hügel, unter denen der Randen - Berg der höchste, 1200 F. über die Rhein - Fläche sich erhebt. Einige Thäler ) Die Peyersche Karte vom K. Schafliausen ist sehr gut- Schafhausen. 175 durchziehen diesen Kanton. Weinbau ist eine der Hauptbeschäftigungen der Landbewohner, und der hier gewonnene rothe Wein gehört zu den befsten Weinen der deutschen Schweitz. Alle Einwohner sind Protestanten ( s. den folgenden Artikel ). Geognost. Beschaffenheit. Die Berge bestehen aus dem Jura-Kalkstein; denn der ganze K . Schaf- hausen liegt in der Fortsetzung des Jura-Gebirges. In der Nähe des Rheins steht Nagelflue mit Thon bedeckt an. Unterhalb dem Schlosse Laufen folgen auf den Kalkstein Nagclfluefelsen, in welchen bis nach JJ r alds- hut gröfstentheils das Bette des Rheins fortgeht ; von yFaidshut bis Laufenburg hingegen in Gneifs, und dann nach Rheinfelden in Kalkstein (s. Laufenburg). Auf dem Randen- Berg sind aulserordentlich viele Versteinerungen, als: Fast alle Arten der Amtnonshörner, Terebratuliten, Beleraniteu, Echiniten, Trochiten, Tel- liniten, Tubuliten, Globositen, Balaniten und das Ko- rallgewächs Fungiten, — Bey dem Dorfe JVisholz, nahe bey dem Dorfe Ramsen 2 Meilen von der Stadt Schafhausen sind bey dem Umackern grofse Stücke Bernstein gefunden worden ; Doktor Stokar besitzt einige Stücke davon *). Das merkwürdige Bohnenerzlager, welches an der Ostseite des ganzen Jura streicht (s. Arau und Jura), zeigt sich auch in dem Kant. Schafhausen , auf welches während der helvetischen ') S. Specitnen chemico - medicum inaugurale de Succino in genere et speciatim de Succino fossili IVizholzensi , loan. Georg, Stokar de Neuforn. Lugd, Katar, 1760. Einheitsregierung von den J. 17Q8 - 1801. ein sehr ausgedehnter Bau eingerichtet und mit Vortheil betrieben wurde. Pflanzen. Auf dem Randen- Berg die seltnem Oalega officinalis und Satyrium hircinum . Schaf haus km (die Stadt). Wirthshäuser : Krone und Schiff. Liegt am Rhein unter 47 38', 0" I nördl. Breite, und 26°, 26' der Länge. Geschichte* *). Das hügclreiche Land vom Zeller- See nordwärts des Rheins bis an den Randenberg heifst Kickgau , und das Land vom Zeller-See bis zur Donau hiels Hegau. Im J. 8 00 * standen, wo jetzt die Stadt Schaf hausen , Schifferhäuser, und etwas später Hütten zur Aufbewahrung der W’aaien, welche wegen des Rheinfalls hier umgeladen werden mufsten. Im IX. Jahrhundert waren die Thäler des Klekgaues und He- gaues schon voll Bauerhöfe; bald entstanden viele Burgen und Schlösser, und aus den Scliifferhütten wuchs ein Flecken empor. Der Graf Eberhard von Nellen- burg , dem das Kiek - und Hegau gehörte, baute 1052. nahe bey dem Flecken die Abtey Allerheiligen , schenkte derselben den Ort Schafhausen -uebst vielen Gütern, und wurde am Ende seines Lebens selbst Mönch, so wie seine Frau lda Nonne **). Das Kloster vermehrte *) S. Rügcr’s Ilronik der Stadt Schaf hausen , weiche seht treu und wahr ist. * *) Der Graf Eberhard starb 1073., lln ‘l seine drev Sühne fielen in den Kriegen des Kaisers der JJ. 1073 1 o; 3 . S C H AI HA US EN. *fc % ita m o" idUr- tai Heic Stii: len Itt 11 He- «le nt* fifc- , |0;1 isi!« üt(H‘ äh* / iS> ,jK( i;3- 1 ~7 sich bis auf 300 Mönche, und bereicherte sich in kur- fc zcr Zeit mit 200 Höfen, so dafs 1083. der Abt Siegfried das Kloster der II. eignes stiftete. Die Bücher dieses Abts sind noch in Schafhausen. Seit der Stiftung Allerheiligen vergröfserte sich Schaf hausen. Das Xellenbnrgische Landgericht wurde in dem Flecken unter einer Linde nahe an der Felsgasse gehalten; dieser ehrwürdige Baum lebte bis 1732. Im XIII. Jahrhundert wurde Schaf hausen mit Mauern, Gräben und der Rheinbrücke versehen, und als Reichsstadt betrachtet. Von den alten Geschlechtern aus diesen Zeiten bestehen nur noch die im Thum. Der K. Luderrig von Baiern verpfändete die Stadt ( 1330} an Oesterreich, ven dessen Herrschaft sie während der Acht de6 Herzog Friedrichs durch Erlegung der Pfandsunyne ,( J 4 l 5 ) befreyet und wieder Reichsstadt wurde. Während österreichischer Herrschaft erwarb Schaf hausen am Ende des XIV. Jahiliuudeits durch Kauf viel Güter und Grundstücke von Rittern und Geistlichen , uud 1411. die städtische Verfassung, welche bis 1798- ge- dauert hat. Seit 144G. befand sich Schafhausen im Städte - Verein und nachdem dessen Bürger f 1449) gegen die Burg Balm, St. von der Stadt, ausge- rücki^waren , um den Graf von Sulz zu züchtigen, der sich des Raubs an friedlichen Kaufleuten von Ulm. schuldig gemacht hatte, so hatten sie von nun au Fehde mit dem ganzen benachbarten Adel. Als die Gefahr, wieder österreichisch zu werden, am gröfsten , die Stadt wirklich schon betannt und zur Uebergabe auf- IV. za f jyß SCHAFHAUSfiN. gefordert war, so trat sie den i. Juni 1454. in ein fünf und zwanzigjähriges Bündtnifs mit den Schweitzer- Kantonen, denen sie von nun an als eine wichtige Vorburg in den Pässen des Klegg- und Heg-Gaues gegen Schwaben diente, (wodurch die Mächtigen dieser Landschaften gezwungen wurden, sich zu den Schweitzern zu halten wie die Grafen von Sulz und Thengen ) und den Eidgenossen in den Burgundischen und andern Kriegen kräftig beystand. Für alle Dienste wurde Schafhausen im J. 1501. in den Staatshund der Schweitz als der zwölfte Kanton aufgenommen. Die Reformation begann hier 1522. durch den Barfüfser- Mönch Wagner und Hof mann, wurde aber erst 1529. allgemein angenommen , obgleich schon 1524. der Abt von Allerheiligen und die Aebtissin des Stifts St. Agnes die Klöster der Stadt mit allen Einkünften und Rechten übergeben hatten. Ein grofser Theil des Adels verliefs nun die protestantische Stadt, und der Zurückbleibende wurde durch ein Staatsgesetz in seinen bisherigen politischen Rechten beschränkt. Die Wiedertäufer erregten im XVI. und XVII. Jahrhundert öfters Unruhen und im XVIII. Jahrhundert wurden Stadt und Landschaft durch Pietisten, und andere Re- ligions - Schwärmer einigemal in Bewegung gesetzt. — In den Kriegen von 1798- i 8 °o. wurde Schafhausen abwechselnd von Gesterreichern und Franzosen einge- *) S. Sebastian tVagncr, von Melchior Kirchhnfer, ein Beitrag zur schweitzerischeu Ileforuiations - Geschabte. Zürich 1509. nomnien, und das russische Heer gieng 1799. am 7, und 10. October auf seinem Zurückzug aus der Schweitz durch Schaf hausen, und bey Paradies und Büssingen über den Rhein. \ Merkwürdigkeiten. Ein auserlesnes Konchy- lienkabinet, welches eine vollständige Sammlung aller Versteinerungen des K. Schafhausen, des Würtember- ger-Landes, Frankreichs, der Niederlande und andrer Länder, eine ganze Anatomie von Seeigelgehäusen, Versteinerungen des Oeninger - Schieferbruchs , unveränderte Gehäuse von Seewürmern enthält, und Mineralien , Pflanzen und Kupferstichsammlungen bey dem H. Doktor Amman. Eine kleine Sammlung getrockneter Pflanzen bey H. Doktor Stohar. — Oeffentliche Bürger-Bibliothek, Minis terial- (Geistlichen-) Bibliothek, und zwey Bibliotheken einer gcschlofsnen Gesellschaft. — Waisenhaus. Die merkwürdige Rhein~ Brücke, welche Hans Ulrich Grubenman aus Teuffen , in Appenzell, im J. 1758. erbaut hatte, kann nicht mehr bewundert werden; denn sie wurde den 13. April 1799., als die Oesterreicher Schafhausen einnahmen, von den Franzosen in Brand gesteckt. Dasselbe Schicksal erfuhren die herrlichen Grubenmannschen Brücken zu Wettingen bey Baden, und zu Reichenau in Bünd- ten +). Sehenswerth der Münster oder die alte Klosterkirche von Allerheiligen , ihres Alterthums wegen, Ausführliche Beschreibungen und Abbildungen dieser Brücken s. man in Ebels Schilderung der Gelirgsvulkcr der Schweitz. I. J'h. S. 3ss-33. i8P Schafhausen. und noch einige alte Kirchen. — Waisenhaus vom edlen Jezier seit i 783 - gestiftet, und jetzt zur öffentlichen Schule eingerichtet. — Aussichten giebt es: Aus dem alten aus der Römerzeit herkommenden Bollwerk Unnoth oder Munnoth ; auf dem Schiefsplatz, und auf dem Hügel, Enge genannt, und in dem Garten zum Fäsenstaub , wo sich die Gesellschaft zum Rüden versammelt; nahe dabey ein Steinbruch. Angenehme Spatziergänge sind auf Grafenbuck , ins Miihli- thal) in die Klujs am Hohlenbaum, nach Herblingen; zu Rohn (2 St.) bey dem Pfarrer die weiteste und schönste Aussicht ln der ganzen Gegend von Schafhausen sowohl nach den Alpen als nach Schwaben hin. Der angenehmste Spatziergang geht nach Herblingen 1 St. Nicht weit von der Stadt liegt der durch seine Versteinerungen berühmte Randen - Berg ( s. den vorigen Artikel), auf dessen einer Spitze unter Wald- gestripp die Reste der Burg des alten Geschlechts von Randenburg , deren Glieder seit 1308. in Schafhausen die Schultheifsen-Würde bekleideten, und welches gegen die Mitte des XV. Jahrhunderts ausstaib, verborgen sind. Eine Stunde von Schafhausen den Rhein aufwärts liegt das Kloster Paradies , wo die Bauern Schwabens und Thurgaus unter Heinz von Stein dem Adel, welcher die Landleute bis zum Uebermaafs drückte, im J. 992. eine Schlacht lieferten , worin die letztem unterlagen; in diesen Gegenden war es auch, wo nach der Reformation, im XVI. Jahrhundert der Bauernkrieg unter Münzer gegen den Adel ausbrach ; und bey dem Kloster Paradies rückte das österreichische Heer unter Schafhausen. igi Erzherzog Karl den 25. May 1799. in die Schweitz ein. — Zwey Stunden den Rhein abwärts das Kloster Rheinau (s. diesen Artikel). — Zwey Stunden von Schafhausen die merkwürdigen Kegelhügel Hohentwiel, Hohenstoff ein u. s. w. ( s. Hohentwiel). Kunsthandlung bey Hrn. Bleuler , welcher vom Rhein-Fall, von den Inseln Meinau und Reichenau, von Mörsburg tref- liche Blätter geliefert hat. Berühmte Männer. Der gröfste Bildhauer in der Mitte des XVIII. Jahrhunderts , Trippei , wurde 1747. in Schaffhausen gebohren. Er war in seiner Jugend Schreiner, wie sein Vater, mit dem er nach London auswanderte, dann Instrumentenmacher, und nachher Bildhauer. Er lebte sehr lange in Rom, wo er r793- starb. Einige seiner vorzüglichsten Werke sind : Der von einem Löwen zerrifsne und sterbende Milon; die Vestalinncn am Opferaltare; Apollo als Hirt; Diana, von Amor geneckt; das Ehrendenkmal für den russischen Grafen Tschernischef, welches 1789- alle Künstler in Rom mit Bewunderung erfüllte ; von ihm Auch die Brustbilder Cüthe und Herders, Schaffhausen hat ferner den Ruhm, der Geburtsort des berühmten Geschichtschreibers Johannes Müller*') zu seyn, welcher im May i8°9- zu Kassel als Staatsrath des Königs von Westplialen starb; dessen Bruder, Professor Müller in Schaffhausen, ist gleichfalls als Schriftsteller *) Dessen Geschichte schweizerischer Eidgenossenschaft , I. B. erschien 1786., und der V. B. 1808. Leipzig bey "Weidmann. Der letzte Theil geht bis z'utn J. 1489. I jga Schafhausen. rühmlichgt bekannt. Noch einen jungen Geschichtschreiber besitzt Schafhausen in Fr. Harter, welcher: Geschichte Theodorichs und seiner Regierung (1807_8-) herausgegeben hat. Rheinfall. Von der Brücke in Schafhausen wird der Rheinstrom voll Klippen 1 Stunde lang bis zum berühmten Sturz des Rheins , dem gröfsien Wasserfall in Europa, und einem der allermerkwürdigsten Natur- Schauspiele der Schweitz. Die Einwohner im K. Schafhausen nennen den Rhein - Eall Lauffen, wovon das über demselben liegende Schlofs seinen Namen erhalten hat. Ich lade jeden Reisenden ein, seinen Weg nach dem Rheinfall über das Schlofs Lauf Jen, im K. Zürich gelegen, und eine starke halbe Stunde von Schafhausen entfernt, zu nehmen. Alle, welche von Zürich oder aus der östlichen und südlichen Schweitz nach Schafhausen reisen, müssen nicht durch Eglisan , sondern durch Andelfingen die Strafse wählen, weil man auf diesem Wege nach dem Schlofs Lauffen gelangt, und es vermieden wird, den Rheinfall zuerst aus dem Standpunkte des Schlöfschen im Wert zu erblicken, wo er sich gerade am ungünstigsten zeigt. Die vorgeschlagne Strafse von Zürich aus führt über die Glatt nach Kloten ( s. diesen Art.) durch Entbrach, Pf ungen , über die wilde Töfis , durch Neftenbach , Andelfingen , über die Thur , durch Benken, Uhwiesen, Schlofs Lauffen, von hier y 3 St. bis Schafhausen. Die Fufswandrer können von Neftenbach einen angenehmen l’fad über den waldigen Jrchel einsdhlagen (wo man zerstörte Burgen berührt, und angenehme Aussichten auf die Schlösser und Kegelhügel Hohentwiel und Hohenstauf- fen gegen NO., und auf ein romantisches Thälchen gegen Berg geniefst), durch Buch , Berg , Flach , über die Thur bey Kachhergscklnjs , durch Rad , Taschen , nach Lauffen*). Vom Schlofs steige man gerade nach dem kleinen Gerüst, di eFischez genannt, herab; denn hier ist der wahre Standpunkt für dieses herrliche Schauspiel und für die fast zermalmende Ueberraschung des ersten Eindrucks. Der Staubregen ist hier bisweilen so stark, dafs die dünnen Kleider der Frauen bald durchnäfst sind, wenn man am äufsersten Rande der Fischez stehen will; deswegen ein leichter Mantel oder eine Oberkleidung den Genufs des langen Verweilens hier befördert. Das Donnern, besonders bey hohem Wasser im Juni, ist so fürchterlich, dafs die Stimme des Menschen verhallt; man hört weder die Empfindungsaus-» Das Schlofs Lauffen und im LVörth waren Eigenthum der von Bulach , eins der ältesten Geschlechter, welche Schaf- hausen entstehen sahen. Konrad von Bulach, ßürger- nieisler von Schafhausen überliefs im Wörth und Neu- liausen im J. 1429* dem Kloster Allerheiligen. Lauffen besafsen seine Sohne. Wegen eines Streits über die Lehnsherrschaft wurde dieses Schlofs i 44 t- int Namen des Herzogs von Oesterreich überrumpelt. Die Besatzung liefs sich Nachts mit Stricken herab , und entkam. Nur eiuer blieb zurück, und dieser unterhandelte eine ordentliche Uehergabe. Die Feinde sahen ihn allein lier- auskommen, ehrten seinen Muth und ihr Wort. Die Bulachs erstiegen iJÖa. mit rüstigen Männern aus Schafhausen die Burg, und erschlugen den österreichischen Vogt. IR4 Schafhausen. brüche seiner Freunde, noch seine eignen Worte. Der Rhein stürzt zwischen dem Bohnenberg oberhalb Neuhausen, und dem Kohlfirst notdöstlich oberhalb dem Schlofs Landen herab. Von dem Schlofsberge bis zum gegenüber liegenden Hügel des Dorfes Neuhausen ragen gerade an der Linie, wo der Rhein zu stürzen beginnt, mehrere Felsentrümmer hervor, so dafs der Flufs in fünf Fälle getheilt wird. Von der Fischez sieht man nur die drey höchsten und nächsten; 200 F. entfernt erhebt sich der erste Fels von eigner Gestalt, mit dünnem Hals und dicken runden von grünem Gesträuch beschatteten Kopf, auf welchem im J. 1729. noch schöne Tannen standen. In der Halsgegend hat das Prellen des Stroms ein ovales Loch gegraben, durch ■welches ein Wogengufs wüthend durchschäumt. Zwischen diesem Fels und dem Schlofsberge bildet der Rhein seinen Ilauptsturz, dessen Höhe bey niedrigem Wasser 50-60 F. , bey hohem Wasser aber 75 F. beträgt. Die Höhe des Falles nimmt vom Schlofsberge nach Neuhausen stets ab. Von dem durchlöcherten Felsen steht in Entfernung von 50 F. ein zweyter kegelförmiger Fels, und auf diesen folgt ein dritter breiter Fels, der viel niedriger als die beyden erstem ist; weiter sieht man von der Fischez nicht, aber zwischen dem dritten Fels und den Mühlen von Neuhausen steht noch ein vierter und kleinrer Fels. Eine der Schönheiten dieses Falls sind die meergrünen Streifen, die sich in dem herabstürz,enden Schaume zeigen, und die ich bey keinem andern Wasserfall je gesehen habe' SCHAPHAUSÄN. Ig5 Will man auf dieser Seite die ganze Breite des Falls übersehen, so steigt man von der Fischez wieder aufwärts nach dem Schlosse Lauffen , wo auf der Hälfte des Weges, links am Rande des Schlofs-Berges, ein I.usthäuschen steht, aus welchem man gerade auf den Rhein herabschaut. — Um aber seinen Sturz von allen Seiten zu sehen, so läfst man sich von der Fischez über den Rhein nach dem Schlöfschen im Wörth übersetzen. Bey dieser Ueberfahrt ist keine Gefahr, obgleich der Flufs von dem Sturz ziemlich bewegt ist; die Personen müssen nur in dem Kahn gleich vcrtheilt und ganz ruhig sitzen. Bey dem Schlöfschen im PT'örth zeigt sich der Rhein-Fall in seiner ganzen Breite; allein in dieser Entfernung ist er weder durch seine Höhe, noch durch sein allmächtiges Stürzen und Donnern, noch durch seine mannigfaltigen Schönheiten auffallend. Den Rhein - Fall in der hier aufgestellten Camera obscura zu betrachten, wird jedem Reisenden Genufs gewähren. Hier ist der Ort, wo die Schiffe wieder beladen werden. Auch ist hier ein wichtiger Salmen - oder Lachsfang, indem dieser Fisch den Rhein nicht weiter als bis zum Lauffen aufsteigen kann. Von dem Schlöfschen im Worth geht man zu den Mühlen von Neuhausen , um den Rhein - Fall auch an dem rechten Ufer von der Seite zu sehen. Hier zeigen sich die Stürze des Flusses nicht so voll und hoch, als bey der Fischez, aber anziehend durch ihre Mannigfaltigkeit. Bey sehr niedrigem Wasser ist man schon von Neuhausen , über die hervorstehenden Felsen des Bettes, bis z U dem I ir6 Schafhausen. vorhin beschiiebnen zweyten Felstrümmer gelangt*). Von den Weinhügeln über Neuhausen überblickt man aus einem neuen Gesichtspunkt das Ganze dieser Landschaft. Will man alle Schönheiten dieses Schauspiels kennen lernen und geniefsen, so mufs man dasselbe nicht blofs bey der Morgen -, sondern auch bey der Abendbeleuchtung, und endlich beym Mondscheine sehen. Des Abends besonders ist die Wirkung aufser- ordentlich, wenn die ganze Gegend schon im Schatten liegt, und der Fall noch einzig beleuchtet wird. Bey sehr stillem Wetter wird das Donnern des Rhein-Falls 2 Stunden weit ostwärts in dem K. Zürich, bisweilen sogar /.u Eglisan, 5-4 St. weit gehört; bisweilen aber hört man auch gar, nichts von seinem Tosen. Den Rhein -Fall hinunter ist noch kein Kahn glücklich gelangt. — Es giebt von dem Rhein-Fall einige fünfzig gestochne und illuminine Blätter; der befste Kupferstich ist von Scha/ch nach Gme/in, und die vorzüglichsten illuminirten Stücke sind von Biedermann , Router - bourg und Bleuler (s. den I. Th. S. 146. i 53 - I 57 - und 167.) Zu Neuhausen wird das Bohnenerz, welches in der Gegend gefunden wird, zu Gute gemacht; hier ebenfalls Drathziehereyen. Von Neuhausen geht *) Zwey Deutsche, C. Witte und Glauhiz, liefsen sich über den Rhein an den Fufs des zweyten Felsen rudern, erstiegen denselben, und hieben oben ihre Nanicn ein. Man sehe die Erzählung davon Seite 102- 1 ri. in C. Witte Scencn aas meinen Reisen durch Deutschland, Schveeitz und Italien. 1804. I. B. Mainz und Hamburg. Schafhausen. 137 man in 1 St. nach Schaf hausen zurtick; diejenigen, welche nicht gute Fufsgänger sind, bestellen sich einen Wagen von Schafhausen an diesen Ort. Historische, physische und geognost. Merkwürdigkeiten des Rhein-Falls. Bemerkenswerth ist es, dafs man in den Schriften der Römer , welche am Rhein und Boden-See so viele feste Plätze hatten, und in diesen Gegenden mehrerere Jahrhunderte lebten und umherzogen, gar keine Erwähnung von dem Rhein - Fall findet. — Den eigentümlichen Geruch, welchen man auch bey andern grofsen Wasserfällen in der Schweitz bisweilen bemerkt, fand H. Trolles , Mitglied der Akademie zu Berlin, neulich beym Rhein- Fall an der Seite von Neuhausen so aufserordentlich auffallend, dafs er ihn sogleich für den elektrischen Geruch erkannte. — Die Felsen, durch welche der Rhein herabstürzt, bestehen aus Kalkstein. Dessen ganz gleiche Beschaffenheit, Schichtung und Schichten— Senkung auf beyden Seiten des Rheins beweist unwi- dersprechlich, dafs diese jetzt getrennten Felsen einst nur Eine einzige Bergmasse ausmachten. Der Anfang dieser Kluft mag wohl von Meeresströmen entstanden seyn; allein gewifs ist es auch wohl, dafs der Rhein , seitdem er hier durchfliefst, sein Felsenbett tiefer eingefressen habe, und dafs also dieser prächtige Stromfall vor vielen tausend Jahren weit höher und aufserordent- licher als jetzt gewesen seyn mufs. Doch geht diese Abreibung und Einfressung so langsam von statten, dafs Vor achtzehn Jahrhunderten das Felsenbett am Rhein- ScHAtHA IT'S E N, Sturz nur wenige F'ufse höher als jetzt gewesen seyn kann, welches sich aus historischen Thatsachen ergiebt. Die Römer hatten zu Konstanz , Romishorn , Arbon, Lindau , an dem heutigen Standorte dieser Städte, feste Plätze. Wäre damals das Bett am Rhein-Fall 50 - roo F. höher gewesen als jetzt, so hätte dies, den Wasserstand des Boden- Sees ebenfalls höher getrieben, und jene römischen Burgen hätten nicht an den Punkten, wo sie wirklich lagen, eibaut werden können. Ueber die Wahrscheinlichkeit, dafs der Rhein nicht von jeher durch diese Kluft geflossen sey, s. man die Art. Ragaz und Baden , —- Nicht weit vom Rhein-Fall abwärts bestehen die Ufer und das Bett des Stroms aus Nagelfiue. Wege und öffentliche Postwägen. Alle Montage früh um 7 Uhr geht von Schafhausen ein Postwagen nach Zürich , 8 St., wo er des Abends eintrifft. Von im Worth auf dem Rhein nach Eglisau, einen Weg von 3 Meilen, macht man in 1 St. Nach Basel , alle 14 Tage Dienstags, eine Landkutsche, die 3 Tage unter Weges ist, und nach Konstanz alle 14 Tage des Sonntags. Auch kann man mit Extrapost nach Basel (6 Posten) und nach Konstanz (2 Posten) auf der deutschen Seite des Rheins reisen. Von Schafhausen nach Konstanz 9 St. geht aber der weit genussreichere Weg über Stein längs dem Zeller- See auf der schweizerischen Seite. Auch geht nach Konstanz alle Donnerstage ein Postschiff, welches bey widrigem Winde 2 Tage braucht. — Alle Mitwoche reisen Postwagen nach Statt gard , Krank für th , Ulm, Augsburg Schafmatt. Ißt 189 ah. — Der gerade Weg von Schaf hausen nach Bern 30 St. geht über den Bohnen - Berg durch Neunkirch , ins Schwarzenbergische, durch Ober -Lauchin gen , bcy Hafselburg über den Rhein , naph Zurzach , 'l'ägerfel- den , bey der Stille über die Aare nach Brugg u. s. w. Auf diesem Wege mufs man auf Fähren über zwey Flüsse und über fünf Berge ; man tliut daher wohl besser, von Schafhausen den Weg nach Eglisau, Baden, Mellingen, Lenzburg u. s. w. einzuschlagen. Schafmatt, ein Theil des Jura, über welchen von Aarau ein Weg für Fufsgänger und Reuter in den K. Basel führt. Von Aarau geht es nach Erlishach % r St., und von hier durch das kleine Thal im Hfl , wo die nackte // ylcr- I Iue sich croporhebt, die Schafmatt aufwärts neben einer Sennhütte vorbey auf die Höhe des Weges 1 St. In Erlishach mufs man einen Knaben zum Wegweiser bis auf die Höhe nehmen, von wo man sich nach der baselscben Seite abwärts nicht mehr verirren kann. Einige landschaftliche und immer schönere und weitere Aussichten, je höher man steigt, unterhalten den Wandrer. An dem höchsten Punkte des Weges übersieht man den ganzen K. Aargau , wo sich die Festung Aarburg sehr deutlich zeigt, und die Alpen zeigen sich dort von dem K. Appenzell an bis in das Saanen - Land. Steigt man noch höher zur Hochwacht, so ist die Aussicht noch ausgedehnter. Wie man sich nördlich wendet, um auf der andern Seite herabzusteigen, so beherrscht der Blick den gröfsten Theil des K. Basels , wo das hochgelegne Schlofs Farns- 8 r ; Schaleik.er-Th.vl. 190 bürg (s. Farnsburg) besonders in die Augen füllt. Man steigt herab nach Oltingen J 2 St. Hier der Anfang des fruchtbaren und äufscrst bevölkerten Ergolz- rreiler - Thaies , von der Ergolz , die an der Schafmatt entspringt, durchströmt. Von Oltingen nach TVeisehe 1 j 2 St.; nach Tegnau 1 [ 2 St.; bey dem Honberger- Thal . vorbey nach Sissach 1 1 J 2 St. Hier sieht man die Ruinen des Schlosses Bischofsheim und die Sissacher~ Flue; von Sissach führt die Landstrafse durch das Honberger-Thal über den untern Hauenstein nach Olten, Von Sissach nach Liechstall 1 j 2 St. (s. Liechstall ). Geognost. Beschaffenheit. Die Schafmatt und alle Seitengebirge des Ergolzrreiler - Thaies bestehen aus Jura-Kalkstein, der sehr reich an Versteinerungen ist. Bey Sissach Roggensteinlager (Oolithen / oder Cenchriten genannt). Bey Oltingen finden sieh Buccarditen , Trochiten, Belemniten, Bucciniten , ganze Haufen Korallgewächse; bey Weisehg Versteinerungen in rothem Sandstein, deren Mutterort 1 j 2 St, von hier östlich nahe bey Lauenbach und Rothenflue ist; bey Rothenßue findet man die nämlichen Versteinerungen wie bey Oltingen. Bey Tegnau liegen Pektiniten und Eciiiniten; bey Sissach mehrere Arten Ammonshörner, Nautiliten, Turbiniten, Gryphiten und Eciiiniten. S. Basel (der Kanton). Auch giebt es bey Sissach Spuren von Steinkohlen. S c n x l f 1 k er-T K A l, im K. Graubündten, öffnet sich bey Chur , und zieht östlich mehrere Stunden laug nach dem Strcla. Einer der wüthendsten Bäche ia Bündten, die Plessur , kommt vom Strela und Peren- della herab, durchströmt das Thal, nimmt die wilde Araschka , welche von Parpan und Chu.rvvald.cn her— abfliefst, auf, und fallt bey Chur in den Rhein. Dieses Thal ist sehr bevölkert. Scha/ßk liegt auf einer steilen Felswand. Bey Langwiesen zieht das Thälchen Fundai östlich in die Gebirge nach dem Persanna , und westlich in ein bewohntes Nebenthal Arosa zwischen hohe Gebirge hinein ( s. Davos); in dem erstem liegt ein See, in dem zweyten mehrere Seen. Die Einwohner des Schalfiker - Thaies sprechen seit dem Anfang des XVIII. Jahrhunderts deutsch. Wege. Wahrend des Sommers geht durch dieses Thal der kürzeste Weg von Chur nach Davos in to St.; von Langwiesen durchs Thälchen Fundai ein Weg nach Fideris im Prettigau ( s. diesen Art.) und durchs Thälchen Arosa ein Weg nach Lenz (s. diesen Artikel). Geognost. Beschaffenheit. Thonschiefer mit Quarzadern durchzogen und Kalkstein streichen durch Schalfik; die Zerstörung in diesen Gebirgen ist hier entsetzlich. Durch die Felsen des Thälchens Arosa streicht rothe Grauwake, und im Thälchen Fundai und am Casanna Serpentin. Ueber die Erze dieses Thaies s. Davos. Scham ser - Thal f Lallis sexamniensis , von sechs Flüssen, die in diesem Thal dem Rheine zueilen; rhät. Gans) a St. lang, vom Hinter - Rhein durch- strörat, eines d*r reichsten und bevölkertsten Thäle» S CHARANS. 192 des K. Graubündtcn. Die Vögte des Grafen Heinrich von Werdeuberg - Sargans auf den Schlössern Bärenburg und Fardun behandelten mit Härte und Holm die Landlcute. Der Vogt Barenburgs zwang die Bauern aus dem Schweinstrog zu fressen ; der von Fardun spukte in die Schüsseln, welche er den Bauern, seinen Gästen, auftragen liefs. Chialderar , dem dies begegnete, nahm Rache; denn er wurde der Urheber, dafs diese Burgen im Anfang des XV. Jahrhunderts zerstört wurden. — Das von allen Seiten geschlofsne Thal, die sandigen Anhöhen desselben, die ausgespülten Höhlen der Felsen und die Spuren des uralten Weges über die Suferser - und Scharasetberge zeigen, dafs das Thal ehedem von einem See bedeckt war. Alle Merkwürdigkeiten s. unter Art. Andeer und Ferrera. Geognostisehe Thatsachen. Smaragdit und Quarz zwischen Speckstein bricht am südlichen Fufs des Scaletla. Scharams, grofses Dorf im Domleschger - Thal, K. Bündten, am Scharanser - Tobel, und am Fufse des Schalter- Bergs, nicht weit von dem Austritte der Al- bula. Das Wirthshaus steht auf einem Kalkhügel in der Mitte des Dorfes, und geniefst eine der lachendsten Aussichten über das Domleschger - Thal, in welchem man 20 Dörfer, ijj Schlösser, und viele Höfe erblickt. In diesem Dorfe giebt es viele kröpfige Einwohner, so wie auch zu Almens, 1 j-> St. nördlicher (s. Domleschger - Thal). Bey der Albula - Brücke, nicht w'eit von Scharans, liegt ein kleiner Weinberg, welcher der erste an den Ufern des Rheins ist. Sehenswert her Felsenweg und alle Merkwürdigkeiten dieses Weges bis Vatz. In der Nähe von Scharans beginnt der Felsenweg Schyn , Schein , (auch Muras genannt ) in dem Schlunde, durch welchen die Albula ins Domleschg tritt, und ein Pafs aus dem Domleschg nach dem Ober - Halbsteiner- und Albula - Thal, ins Bregell und Engadin , und nach Davos führt. Von Scharans bis nach Ober- J alz , durch diese grausende an schreckhaften Ansichten reiche Schlucht, 2 Stunden; alle Augenblicke wechseln die Gestalten der Felsen. Da es auf diesem Wege im Sommer bey hellem Ilimmel von 10 Uhr Morgens bis 4 Uhr Nachmittags unerträglich lieifs ist , so durchwandre man den Schein früher oder spater als um die angegebne Zeit. Südwärts des Schein liegt der Muttner- Berg, dessen zwey Gipfel Furha genannt werden. Von Scharans gelangt man in tj 2 St. auf einer elenden Brücke über den wüthenden Bura- Tobel, und % St. weiter auf den Sau- Boden; hier fällt der Blick südwärts auf den Stella und die Felsenhörner des Savien - Thaies. Bey der Kapelle von Vatz. öffnet sich eine herrliche Aussicht auf das Domleschger- Thal südwestlich , nach dem einsamen Solis und die beyden Mutta südlich, nach Vatz und dessen Felder, Wiesen und Wälder nördlich, und zu den Füfscn die Albula durch Wiesen schlängelnd. Von dieser Kapelle gehen vier Wege aus: 1) Südwärts fuhrt ein Weg auf einer IV. »5 I g^ ScHARiNS. hohen Brücke *) über die Albula , sehr steil und rauh, nach Solis und Mutta, Die Einwohner dieser Oerter leben ganz ahgesondert; es giebt Weiber, die nie aus ihrem Dorfe herabgestiegen sind, und deswegen findet man diese Menschen ungesellig und äufserst beschränkt. Die Bewohner von Mutta sind Deutsche, während alle andern Dörfer um sie her romansch sprechen. Es ist ein schöner Schlag Menschen. Eine Viertelstunde höher als Ober - Mutta geniefst man einer sehr weiten Aussicht nach dem Domleschg , Heinzen- Berg , dem Savien- und Schamser-Thzl , nach Räzins, Trins , Fliims und unzähligen Bergen und Gletschern, nach Ober- Hatz , Fiiisur , Alveneu , Tief en - Kasten und Ober- Haibsteiner -Thal. Von Mutta führt ein sehr steiler gefährlicher Pfad hinab nach S(/s ins Domleschg, und ein bequemerer Weg durch ein Tobel ins Schamser— Thal. 2) Von der Kapelle südöstlich ein Weg nach Stürvis. 3) Nordwärts nach Hatz und Parpan , zwischen welchen Oertern der forellenreiche P atzer - See liegt. Die /'Wzer-Ziegenkäse werden für die köstlichsten in Graubündten gehalten. 4) Ostwärts nach Nival, wo Weggeld erhoben wird , nach Tiefenkasten ins Ober — Halbstein und über den Septimer oder Julier , oder weiter durch Fiiisur und liergiin , über den Fibula ins Engadin , oder nach Davos (s. alle diese Artikel). Bey Nival stand das Sglilofs der Barone von patz , # ) Diese Brücke soll 36o F. über den Flufs schwebenj sie brach einst unter einem Oihsenwageu, welcher mit sei* ncm Fuhrmann in den Abgrund* stürzte. I S CHAR ANS 195 im XII. und XIII. Jahrhundert die mächtigsten Tyrannen unter der zahllosen Menge, welche Graubündten bedrückten. Der letzte dieses Geschlechts, Donatus von Fatz , besafs das Prettigau, Davos , Schalfik, Maienfeld, Beifort, Churwaiden, Marschlins, Ortenstein, Sins, Schlewis, Lax, Tusis, den Heinzenberg, Schamser- Rheinwald- und Savienthal, und Hohentrins. Er stand in der Gibcllinischcn Parthey, focht gegen den Bischof von Chnr und Graf von Montfort, Anhängern der welfischen Parthey, und schlug sie 1322. bey Filisur. Donatus war ein Mann gleich den alten Tyrannen. Er vergleich das heulende Geschrey der Ver- zweifelung seiner aus Hunger starbenden Gefangnen mit Vogelgesang, und liefs drey Knechten, welche stark zechen, und wovon einer die ganze Nacht umherlaufen, der andere ruhig im Zimmer auf- und abgehen und der dritte schlafen mufste, den Bauch aufschneiden, um zu erforschen, welche Lebensart zu einer guten Verdauung die befste sey. Donatus starb 1330. und seine Schwiegersöhne, die Grafen von Toggenburg und von Werdenberg, theilten sich in seine Herrschaften. Wege. Von Scharans nach Reichenau (s. Tamils). Weiter aufwärts itn Thal von Domlesckg geht der Weg über die Albula- Brücke, wo gegenüber an einem hohen Felsen das noch bewohnte Schlofs Raldenstein hangt, bey welchem eine reitzendc Aussicht ist, nach Sils ('s. diesen Artikel). Von Campi , wo das im XV. Jahrhundert noch bewohnte Schlofs der Campei , ein b> C 'M l-v** ’ m . |SU ig6 Scharl-Thal. im Engadin noch blühendes Geschlecht (s. Siijs ) lag, führt ein selbst für Fufsgänger äufserst gefährlicher Weg nach Mutta auf den alpen- und waldreichen Muttner - Berg. Pflanzen. Carduus crispus und Onoporäium acantum in dem Passe des Schm. 1 i Geognost. Beschaffenheit. Die Felsen des Schyn bestehen aus Kalkstein, und schwarzem und H ■ ■ rothem Thonschiefer. An den Felswänden der Nordm% 1 HM t ME 1 -. > seite des Schyn schlägt das sogenannte Gletschersalz in Menge an. Scharl-Tiial. S. Schuols. Scheer-Horn, ein 10071 F. hoher Gebirgsstock, 1 J wie eine Scheere gestaltet, zwischen dem Klus - Schachen— und Maderan — Thal, ein Nachbar des Doedi HM (s. den ^rsten Alpenabrifs des I. Theils), liegt unter P^E — ', 46 0 , 49 ', 50", nördl. Breite, und 26°, 29 ‘, 50" der Länge, und trägt aufserordentlich grofse Gletscher. |K ' *V x JÖj b - ( s. Schachen - Thal). Sciieideck, ein Gebirge zwischen dem Grindelsraid und //aj/i - Thal, über welches ein sehr merkH RS würdiger Weg führt ( s. Grindeirrald). lieber die andere Scheideck zwischen Grindelrrald und Lauter- ^^B - Hl •>/••*'■;• MB! *»** •»,*.. £runn - Thal, s. den letztem Artikel. Schimznacher-Bad, im K. Aargau, am Fufse na « Wm. des JViilpels - Berges, nicht weit von dem rechten Ufer tjff Y : --.®r XI *§ der Aare, an der Landstrafse von Brugg nach Lenzburg und Aarau. Ist eins der besuchtesten Bäder, wo für „ ~ • V j • ■ »* ^■ -x, „•••- ‘ m . :• ■•■ ■*:;;;. Schinznach^r-Bai>. r 97 Bequemlichkeit und Annehmlichkeit der Kurgäste mehr als in den meisten andern Bädern der Schweitz gesorgt ist. Auch kann sich der Kurgast hier nach allen Seiten in der ganzen Gegend auf fahrbaren Strafsen bewegen. Angenehme Spatzierfahrten giebt es nach Brugg , Königsfehlen , Hündisch, Baden , Wildegg , Lenzburg , (s. alle diese Art.). Das Dorf Schinznack , wovon das Bad den Namen trägt, liegt an dem linken Ufer der Aare , und es ist wahrscheinlich, dafs ehmals dieser Flufs sein Bette zwischen der Badquelle und den jetzigen Badehäusern hatte. Durch die Verwüstungen der Aare im XV. Jahrhundert gieng die Quelle verloren. Sie wurde nicht eher als im I. 1690. auf einer Insel mitten in dem Flusse wieder gefunden. Der in viele Aerme getheilten Aare wies man einen sicherem Lauf an, und seit dieser Zeit befindet sich die Heilquelle am rechten Aare- Ufer. Zwischen der Quelle und den Wohnhäusern ist der Grund sumpfig, aus welchem schädliche Dünste bey grofser Sommerhitze aufsteigen. Die Badhäuser sind von dem Wohnhause 100 Schritte entfernt, weil der Schwefellebergeruch zu stark ist. Es giebt hier 84 Badewannen, wovon jede in einem kleinen dunkeln Zimmerchen steht. Beschaffenheit dieser Heilquelle nach H. Mozells Untersuchung. An der Quelle springen stets Luftblasen in die Höhe, und hier hält das Wasser 26^2 Gr. Reaumür; wo es aber durch Pumpen in die Kessel des obern Stocks geleitet wird, nur 26* Grad. Der Schwefellebergeruch ist sehr stark; das 'jg8 Schinznacher-Bad. Wasser ist ganz liell; an der Luft wird es bald trübe; in den Bädern setzt es eine Haut auf der Oberfläche und spielt eine grünliche Farbe; im Winter steigt die Quelle einige Fufs höher, und setzt an der Oberfläche einen rahmartigen Ueberzug und Krystallen ab. In dem Behälter der Quelle findet man bisweilen Schwefelstreifen und nadelartige Krystallen. In den Kesseln, worin das Heilwasser erwärmt wird, legt sich auf dem Boden eine steinartige Masse an, die weifsgrau von Farbe mit aschgrauen Streifen, sehr hart und öffters glänzend ist, und hier Bade - Stein genannt wird. Dieser Bodensatz besteht aus Bittersalzerde, Luftsäure und Kupfer. Auf dem Boden, wo die Pumpen das Wasser in die Kessel ausleeren, sickert das verschüttete Wasser durch die Balken und bildet an denselben Krystalle von verschiedner Bildung, Farbe und Geschmack; bisweilen findet man hier ganz durchsichtige, sechs- und achteckige und % Zoll lange'Krystallen, ganz Bergkrystallen ähnlich, welche nichts anders als Gypskrystallen sind. An den hölzernen Röhren setzt sich da, wo das Wasser dnrchrinnt, ein schwarzer Schleim, auch eine weifse Erde ab. Vierzehn Unzen dieses Heilwassers enthalten ; 8 Kubikzoll Schwefelleber-Luft, oder in trockner Gestalt a Gran Schwefel; 9 Gran salzsaure Magnesia, 4^40 Gr. salzsaures Mine- Talalkali , 3 1 J 10 Gr. vitriolischen Kalk, 1 2 ]^ 0 Gr. vitrio- lische Magnesia, 1 Gran luftsanren Kalk, 1 luftsaure Magnesia, Gr. luftsaures Eisen. Dieses an Schwefel und Salz reiche Heilwasser ist im hohe» Grade reinigend und reitzend, und einen Hautausschlag bewirkend. Es verliert aber von seiner Wirksamkeit durch das Erwärmen sehr viel, indem die flüchtigen Bestandteile gröfstentheils davon gehen. Dieses Bad ist des Sommers immer sehr besucht. Habsburger -Schlofs, Stammsitz der Urväter des österreichischen Hauses. Nahe bey dem Bade von Scliinznach liegen die merkwürdigen Ruinen des Schlosses Habsburg ; in einer halben Stunde steigt man auf dem TViilpels - Berg zu ihnen hinauf. Dieses Schlofs wurde im J. 1020. von Radbot erbaut, einem Enkel Guntram's eines elsassischen Edelmanns, (dessen Geschlecht ursprünglich Graf von Altenburg hiexs), welcher,’ seitdem ihn der Kaiser Otto seiner Lehen in Deutschland im J. 940. beraubt hatte, auf seinem kleinen Gute Eigen , nahe bey Königsfehlen , und dessen Sohn , Lanzelin , auf Altenburg bey TT indisch lebte. Lanzelin, Vater Radbots , starb im Anfang des XI. Jahrhunderts. Radbot heyrathete lda von Lothringen , breitete sich sehr aus, und nannte sich nach seinem Schlosse : Graf von Habsburg. Im J. 1257. nahmen die drey Waldstädte, Uri, Schwytz und Unterwalden , den Grafen Rudolph von Ilabsburg für ein bestimmtes Jahrgehalt zu ihrem Schirmvogt an 5 und im J. 1273. wurde er zum deutschen Kaiser erwählt. So der Anfang des österreichischen Hauses*).— *) Als Maria Theresia diesen Kaiserstamm im J. 1750 beschlofs , bestanden von den gleichzeitigen Adclsgc- schlechtern Rudolphs von üahsburg in Aargau nur noch 200 Schinznachhr-Bao. Bey den Ruinen dieses Schlosses geniefst man einer schönen Aussicht über einen Theil des K. Aargau , nach dem fidlz-Berge, ( Vocetius der Römer j, wo die Helvetier , welche sich für den Kaiser Galba erklärt hatten, von den Hauptleuten des Vitellins eine grofse Niederlage erlitten; ferner nach Brugg und Vf'indisch, wo sich die Aare . Reufs und Limmat vereiuigeu, und nach den Schneegebirgen (s. Brugg , pyindisch , Bützberg ). Geognost. Beschaffenheit. Der Pf'iilpels- Berg ist ein Zweig des Jura , und besteht aus Kalkstein. Nahe beyrn Schinznacher-Bad bricht fleischfarbner Marmor. Bey den Ruinen des Schlosses Habsburg streicht Gyps, der theils feinkörnig, theils dicht ist. Höchst wahrscheinlich entspringt das Schwefelwasser von Schinznach in diesem Gypse (s. Baden J. Es linden sich in dem Kalkstein des PVülpels- Berges Versteinerungen; in der Steingrube z. B. Pinniten, Belera- niten, Terebratuliten, Gryphiten , Ammonshörner. Die an Versteinerungen reichste Gegend liegt dem Schinznacher-Bad gegenüber in den Bezirken PVildenstein , zwey Frcyherrcn von Hallwrl auf ihren Stammschlofs Hallwyl; in der ganzen Schweitz hingegen noch viele Geschlechter aus jener Zeit, zr. B. von Lamlcnberg in Zürich, von Müllinen , Erlach , Grafenried , fVattenwyl in Bern, im Thum in Schafhausen, von AJfry, Montc- nach und Andere in Freyburg, die Reding in Schwytz, Tsehudi in Glarus, Salis in Bündtcn und manche andere Geschlechter poch in diesen und den übrigen Kantonen. S C H U O L S. 201 Castelrt, Schenhcnberg und Biberstein , am tufse des Bütz- Berges (s. Mandach). S c h m e r x k o N , ein hübsches Dorf in der Landschaft Utznach , K. St. Gallen , am Anfänge des Zür- chcr- Sees in schöner Lage. Wirthshaus: Löwe. Man sieht von hier den Einflufs der Linth in den See am Fufs des waldreichen /?«c/t-Berges, das Schlofs Grjynau, und dahey eine Brücke über die Linth. Nicht weit von hier das ehmalige Schlofs Utzenberg, den Grafen von Toggenburg gehörig, wurde 1270. von den Zür- ehern unter ihrem Schirmvogt Rudolph -von Habsburg zerstört, weil es mit Grynau die Zürcherhandelsstrafse beherrschte. ‘ Wege. Nach Rapperswyl 2 St. wohin die Land- strafse nicht besonders gut ist. Nach Utznach 1 St. guter Weg. Ueber die Linth - Brücke nach Lachen 3-3 St. Man findet hier immer Kähne und Schiffleute zum weitern Reisen auf dem See. S c h r e 1 e n-B ac n , ein sehr schöner Wasserfall (s. Glarus). Schreck-Hörner, im K. Bern , sind» 12,560 F. übers Meer ( s. Grindelwald Schuols (ScuolsJ in Unter — Engadin , eins der gröfsten und schönsten Dörfer im K. Bündten, in einer äufserst lachenden Gegend. Merkwürdigkeiten. Bis 1799. war hier eine Buchdruckerey in romanischer Sprache, aus welcher 1679. d» e romanische Bibel - Uebersetzung hervorgegangen ist. Zu Scuols fiiefsen 2 Sauerquellen , und einige salzige Quellen , und alle Wasserquellen im Dorf sollen Salz, Mineralgeschmack und abführende Eigenschaft besitzen. Das Sauerwasser, welches am Fufswege zwischen ScUkoIs und Fettan quillt, schmeckt dem St. Morizer ähnlich, und an der Quelle findet sich ein ^tl brauner ocherartiger Bodensatz; sie friert nie, hingegen die St. Motitzr friert. Das Wasser enthält freye Kohlensäure, kohlcnsaure Kalkerde, Bittet erde und salzsaure Salze. Im Sommer kommen um dieses Mineralwassers wegen stets Bündtner und Tyroler hiebet. Alle diese Mineralquellen setzen Ilügel von Tufstein ab. lieber die Mineralquellen bey Tarasp und Fettan s. Fettan. — Eine T-apiermühle bey Scbuols. — Zwey Stunden oberhalb Scbuols ist in einem tiefen Felsenspalt ein Herons- oder Hunger - Brunnen, der alle 24 Stunden mit grofsetn Geniusch hervotsprudelt , 2 StuuJen lang so stark fliefst, dafs er eine Mühle treiben könnte, und dann vollkommen vertrocknet. Oberhalb Schuols liegt die Oeffnung des Thals Campatsch, 2 St. lang; der Bach dieses Thaies strömt durch einen Theil des Dorfes Schuols. Grade gegenüber an der Südseite öffnen sich das Thal Tarasp (s. Fettan) und das Val Schiarl ( Scarlathal, Schariathai, St. Karlsthal genannt), 4 St. lang, spaltet sich in das Val Minger, und Val Cisvenatn, und stöfst auf das Val Cierf im Münsterthal. Fast alle Alptrifficn und Sennereyen von Schuols liegen im Schiarlthal , welches wegen seines Reichthums an Silber und Eisenerzen merkwürdig ist. — In ganz Unter - Engadin giebt es SCHUOLS. 203 nirgends stärkere und kraftvollere Menschen als in Schuols, vielleicht wegen des Trinkens der Sauerwasser. — Schuols hat eine Dichterin von 32 Liedern hervorgebracht. Wege. Von Schuols aufwärts nach Fettan St. (s. diesen Art.J. Abwärts nach Remiis 1 1 / 2 St. Au^ diesem Wege liegt Sins , ein grofses Dorf, 1 j 2 St. links bergauf, in angenehmer Gegend. Von dem Schlosse Petersburg , ehmals Nunsperg genannt, sieht man bey Sins nichts mehr; aber die ehmalige Kapelle St. Peter steht noch ohne Dach und Gewölbe. Sins allein hat in Engadin den alten Kalender beybehalten, und führte bis 1807* noch kein Kirchenbuch. Bey Crusch an der Punt Peidra, welche über den Bach des Väl Lawer führt, ist die Grenze von Sins, und gleich jenseit liegt Remus (s. diesen Artikel ). — Durchs Scarla - Thal führt eine im Sommer fahrbare Strafse nach St. Maria im Münsterthal, und von da ins Finstgau im Tyrol. Geognost. Beschaffenheit. Vor Schuols, bey Fettan, bestehen die Felsen aus Schiefer und Speckstein, bald dunkel bald hellgrün, und bisweilen mit Glimmer gemengt, in senkrechten Schichten von W. nach O. streichend. Tn den Bächen liegen viele Ophit-Steine, nämlich Kalkstein und Serpentin gemengt. Durch das Schiarl - Thal streicht unter andern Urfelsarten auch viel.Urkalkstein ; in diesem Thal findet sich eine weifse Erde wie Kreide. Mineralogie. Die Bergwerke im Schiarl - Thal auf Silber und Eisen waren die merkwürdigsten in ganz 2C>4 Schwytz. i Graubiindten und selbst der ganzen Schweitz. Schon im J. 1317. wurden sie vom König Heinrich, von Böhmen und Graf von Tyrol einer Gesellschaft Engadioern, und 1356- dem Ulrich Planta verliehen. Es wurde hier ein eignes Dorf angelegt, und mehrere Bergrichter Äraren angestellt. Die Erze wurden im Val Minger, Cisvenam und am Berge Mattlein ausgebeutet. Im J. 1617. waren die Bergwerke noch im Gange. Ob dem Dörfchen Scharl sieht man noch dreyzehn verfallne Gruben; die Stufen an den Halden deuten auf Fahlerz. In dem Hintergründe des einen Nebenthals streicht ein reicher Gang Bleyglanz. Schwytz (der Kanton*), ist einer der Drkantone der Schweitz, von dessen Bewohnern die Eidgenossenschaft und Unabhängigkeit Hehietiens ausgegangen ist, und die verschiednen Völker der Eidgenossenschaft ihren Namen , Schwytzer , erhalten haben. Der Kan-, ton ist 22 QMeilen grofs , und enthielt (im J. 1803.) 28,900 Einwohner. Er liegt zwischen den yierwald- städter - Zuger- und Zürcher- Seen, ist ein Wiesen - und Alpenland, dessen höchste Gebirge die Höhenlinie von 7000 F. nicht übersteigen, und weder Gletscher noch ewigen Schnee tragen. Der Kanton enthält keine Stadt, aber 5 Klöster und besteht aus den Bezirken Schrrytz , Gersau, Küfsnacht , Einsiedeln , den Hofen und der March. Die Einwohner gehören zu- den # ) S. die kleine schöne Karte der KK. Schwytz und Zug im Helvetischen Almanach vom J. Igo 7 und das VII Blatt des Meyerschcn Atlasses. v' «i 1 Di( p jftRl iS * 3 tfstd» tat; (, 1 « Bi 1 1t b Di tA ()’« Bt die Jtk U( {4 it de 1 SCHWYTZ. 205 merkwürdigsten deutschen Alpenvölkern der Scliweitz. Ihre Verfassung ist demokratisch, und Hirten- und und Alpenwirthschaft ist ihre einzige Beschäftigung. Die Rindviehart ist gröfser als in Uri , Glarus uud Unterwalden , schwärzlich und schwarzbraun mit nie- dern Füfsen und dünner Haut. Baumwollen- und Flo- retseiden - Spinnerey beginnt seit einiger Zeit Nebenerwerb zu werden. Die papistische Kirche ist hier die einzig herrschende. Geschichte. Ueber die Zeit der Bevölkerung der Waldstädte, Schwytz , Uri und Unterwalden , ist nichts mit Gewifsheit bekannt. Einer Sage zufolge sollen die Einwohner schon im I. Jahrhundert durch Beatus , nach andern durch Martinas zum Christen— thum bekehrt worden seyn, weswegen Schwytz und Uri ihn zum Schirmheiligen machten. Unter den Fränkischen Königen wurden die Christen der Waldstädte (57°-) dein Bisthum von Konstanz einverleibt. Zu Iberg stand lange die einzige, und dann zu Muotta die zweyte Kirche des ganzen K. Schwytz. Im VI. u. VII. Jahrhundert hatten die Christen der Landschaften Schwytz und Unterwalden nur einen Priester. Im J. goy. begaben sich die Einwohner der drey Waldstädte frey- willig, mit Voibehalt ihrer Freyheiten *), in den Schutz des deutschen Reichs unter dem römischen K. Ludwig. ) Das heilst ihrer demokratischen Uerfassung, welche also schon vor dieser Zeit bestand, und dadurch ein Alter erreicht, wie es in der Geschichte der Staatsverfassungen kein Beyspiel giebl. 20Ö Schwitz. Die folgenden Kaiser bestätigten ihre Rechte. Im Anfänge des XII. Jahrhunderts (iiio.) übertrugen sie zu ihrer Sicherheit die Schirmvogtey dem Grafen Rudolph von Lenzburg . Kurze Zeit nachher ( 1114.) wurden die Einwohner von Schwytz (Suites in den Urkunden ) wegen des Streites mit der Abtey Einsiedeln über einige Alptriften an der Stagelfrand, am Sonnenberg und der Rothen- ßue erst der Welt bekannt. Wegen des ungerechten Ur- theils des Deutschen Kaisers Heinrich V. in dieser Sache schlossen sie im J. 1115. ein Schutzbündnifs mit Uri und Unterwalden , welches man als die erste Grundlage der nachmaligen Eidgenossenschaft ansehen mufs. Als wegen ihres Ungehorsams, dem Spruche des Kaisers Folge zu leisten, im J. 1144* über s!e Acht und Bann ausgesprochen wurde, so traten sie aus dem Schutze des Reichs, und blieben über 60 Jahre sich selbst überlassen, während welcher Zeit sie den Graf Ulrich von Lenzburg zum Schirmhauptmann erwählten, und unter ihm mit 600 M. dem Kaiser Friedrich I, aus Dankbarkeit für dessen Vermittlung in dem Streit mit Einsiedeln, nach Italien zu Hülfe zogen. Nachdem die drey LValdstädle 1206. unter Walter von Attinghausen , Landammann von Uri, ihren Bund wieder erneuert hatten, so erwählte Unterwalden den Graf Rudolph von Habsburg (Grofsvater des nachmaligen Kaisers), welcher als Kastvogt über die Abtey Murbach in Luzern (s. Luzern) grol'se Gewalt hatte, zu ihrem Schirmvogt. Denselben Graf Rudolph setzte der Kaiser Otto den TUaldstädlen zum Reichsvogt im J. 1210., fr? 1 * Be I k 1« i uji Sri j ^ Ttu Gei dt frui H, ede ffiei ttil 1 * 4 » sie anerkannten ihn aber nicht, und begaben sich nicht eher wieder in des Reiches Schutz, bis der Kaiser ihre Freyheiten und Ordnung bestätigt hatte. Im J. 1251. schlossen die drey Waldstädte zu ihrer Sicherheit während der Anarchie des damaligen Zwischenreichs, nach dem Tode des Kaisers Friedrichs II ., einen Bund mit der Stadt Zürich , und wählten 1257. den jungen Graf Rudolph -von Habsburg für ein jährliches Schutzgeld zum Schirmhauptmann. Als dieser 1273. den deutschen Kaiserthron ( s.. Schi/iznach , Basel) bestiegen hatte, suchte er durch alle mögliche gelinde Mittel die Besitzungen seines Hauses zu vergröfsern. Schon erwarb Rudolph durch Ankauf aller Rechte des Abts von Murbach (s. Luzern') Güter und Rechte in Unlerrralden. ln dieser Bcdrängnifs schlossen die drey Waldstädte 1291. einen neuen Bund zu ihrem gegenseitigen Schutze. Nach der Niederlage des .Kaisers Adolph von Nassau gelangte Rudolph I. Sohn, Albreclit , zum deutschen Throne. Dieser suchte die Macht seines Hauses durch Gewalt und Drohung in Helvetien festzusetzen, und da seine Maafsregeln gegen die Waldstädte nichts fruchteten, so schickte er eigenmächtig im J. 150.5. Hermann Cefsler von Bruneck (s. Lenzbur g) und Beringer von Landenberg als Vögte in die Watd- städte , welche ihre Tyranitey so weit trieben, dafs die edelsten Männer zur Befreyung ihres Vaterlandes zusam- mentraten, die Vögte am 1. Jenner 1308. verjagten, nnd den Grundstein zur grofsen Eidgenossenschaft der Schweitz legten (s. die Art. Steinen , Luzerner-See, Biirglen, Altorf, Egeri , Sempach, NäfelsJ. Schvrytz war zur Zeit der Vertreibung von Oesterreichs Vögten um die Hälfte kleiner als jetzt; denn erst im XV. Jahrhundert erhielt es Art und Küfsnacht durch Kauf, die österreichische Obere March als Geschenk von den Appenzellern für geleistete Hülfe im J. r 4 o 8 - (s. Appenzell), die Untere March von Graf Friedrich von Toggenburg im J. 1427., die sogenannten Hofe am Zürcber-See durch Eroberung 1440., und später noch das Thal von Einsiedeln. Die Bewohner dieser Landschaften, Art ausgenommen, wurden von den freyen Schwytzern als (jnterthauen bis zum J. r 798 * beherrscht, wo diese mit jenen gleiche Rechte erhielten. Das Hirtenvolk von Schwytz hat, von dem ersten Entstehen der Eidgenossenschaft an , fünf Jahrhunderte lang bis 1802. durch hohe innre Gemüthskraft den bedeutendsten Einflufs auf alle wichtigen Begebenheiten der ganzen Schweitz behauptet, durch den Ehrgeitz seiner 9 Häupter den ersten und zweyten gräfslichen Bürgerkrieg (von 1439- Z446.) über das Erbe des letzten Grafen von Toggenburg (s. Toggenburg , Pfeffikon , Greifensee, Horgen , Zürich, Basel), dnreh Gewalttätigkeit gegen die Reformirten den dritten und vierten Bürgerkrieg Z531. und 1G55.) veranlafst (s. Kappel, Art), durch unerschütterliche Selbstständigkeit den Bund der Eidgenossenschaft aus den höchsten Gefahren gerettet, bey dem Umwälzungs - Sturm vom J. 1798- mit altem Heldensinn der Ungeheuern Macht Frankreichs getrotzt, und 1802. im Herbst den Mittelpunkt des offnen 4 Vi- S CH WYTZ. 209 derstands gegen die helvetische Einheits - Regierung und Verfassung gebildet, worauf die Mediationsakte des ersten Konsuls erfolgte. Neueste Geschichte. Den K. Schrrytz betrat nie der Fufs eines Feindes ; bey der Schlacht von Morgarten im J. 1315. drang der Oesterreicher nicht über dessen Grenze. Nach 483 Jahren erschienen zum erstenmal wieder fremde Kriegsleute, die den Befehl ihrer Gebieter den Schwytzern mit Gewalt aufdringen wollten (s. Arau , Bern und TVaat }. Die Franzosen forderten unter den heftigsten Drohungen Annahme der von ihnen vorgeschriebnen Einheits -Verfassung. Schrrytz verwarf sie nicht blofs , sondern wurde im April 1798- die Seele des Angriffskriegs gegen die Franzosen. Sehr bald ohne Hülfe, und ganz allein stehend, widersetzten sie sich, 4000 Waffenfähige (vom vierzehnjährigen Knaben bis Greisenalter J, mannhaft und heldenmüthig der fremden Tyranney, welche den K. SchrTytz mit 12,000 M. auf allen Punkten an- greifen liefs. Die ersten Gefechte fielen den 30. Apill 1798. bey Vf r ollrau und Rdchtersrvyl , am 2. May bey Rothen-Thurm , Schindeitegi , Art, Morgarten und am Ezel vor. Aai 4 - May schlossen der französische General Schauenburg und der Schwytzer - Landeshauptmann Aloys Reding eine Kapitulation, vermöge welcher von den Schwytzern die Waffen niedergelegt wurden,- die Franzosen aber den Kanton nicht betreten sollten, ln dieseu Gefechten zeigten die Schwytzer den gröfsien lleldcnmuth und die unerschütterlichste Vaterlandsliebe r I »4 210 S CHWYTZ. (e. Art , Richterswyl , Egcri , und Zschohkc's Kampf und Untergang der TFaldhanlone Schwytz, Uri und Unterwalden. Zürich 1801.). Der Verlust der Schwy- tzer und ihrer Bundesgenossen belief sich auf 431 Todte und Verwundete *). Die Franzosen hatten, zufolge der Akten von Luzern, 3754 Todte; die Zahl der Verwundeten wufste man nicht. Den ia, September desselben Jahres, gleich nach der an Unterwalden von den Franzosen verübten Grausamkeit ( s. Stanz), wurden Art und der Hauptflecken Schwytz von ihnen besetzt und entwaffnet (s. Art). Den 2g. April 179g. begann ein allgemeiner Aufstand, und die Franzosen wurden von den Schwytzern entwaffnet und zum Theil niedergehauen ; den 2. May nahmen die Franzosen unter Gen. Soult wieder Besitz von Schwytz. JJen 3. Juli 1799. Gefechte bey Brunnen und Sewen zwischen den Lesterreichern unter Gen. Jellachich, und Franzosen; den 14. Aug. neue Gefechte, worauf die Oesterreicher sich bis an den Ezel, und den 16. bis über die Linth nach Uz nach zurückziehen. Am 28. September kommen die Russen unter Gen. Suwarow und Prinz Konstantin im Malta - Thal aus Altorf an, und streifen bis Schwytz (s. Mutta - Thal). Am 30. Sept. und October die heftigsten Gefechte im, Mutta -Thal zwischen den fran- *) Die Schweizer zählten 172 Todte und i 33 Verwundete; Uri 6 Todte und 7 Verwundete; Zug 30 Todte und a 5 Verwundete; Glarus 28 Todte und 3 o Verwundete, l’ntcr dem Verlust der Schwylzer waren 80 Todte und 44 Verwundete aus den unterthänigen Landschaften March, di e Höfe , Einsiedeln und Küfsnacht, zösisehen Divisionen Soult und Mortier (welche, nach der gewonnenen Schlacht gegen die Hussen bey Zürich am 25. und 2 G. September, von dem Ueere des Gen. Massena hiebergesandt waren) unter unmittelbarer Führung des Gen. Massena und den Russen , während Gen. Sutrarotr sein Heer nach dem Fraget rücken läfst*) (s. Glarus ). Alle Kriegsbcdrängnisse während diesen zwey Jahren hatten den seit fünf Jahrhunderten bewahrten Wohlstand dergestalt zerstört, dafs zu Anfang des J. 1S00. aus dem Mutta- Thal 6-700 Einwohner (drey Viertheile seiner Bewohner ) und in dem ganzen Kanton mehr als der vierte T/teil der ganzen Bevölkerung sich als bettelarm auf die Almosenliste schreiben liefs, dafs einige hundert Kinder in den andern Kantonen untergebracht werden mufsten, und von den Erwachsenen viele auswanderten. Berühmte Männer. PT'erner Stauffacher, einer der hohen Stifter der Eidgenossenschaft, und Margaretha Herlobig, dessen Frau, welche vieles zu dem edeln Entschlüsse Werners beytrug, waren aus Steinen (s. diesen Artikel). Das uralte Geschlecht Reding , aus dem Dörfchen Biberegg in der Gemeinde Rothenthurm, hat seit dem XII. Jahrhundert eine fast ununterbrochne Reihe von Staatshäuptern und Kriegshelden dem Volke von Schwytz gegeben. Rudolph Reding , Landamraann, Die Russen drangen bis zur Brücke bey Ibach eine Viertelstunde von Schwytz; Gen. Lecourbe landete bey Brunnen, fiel ihnen in den Rücken, und dies entschied ihren Rückzug ins Mutta - Thal. 212 SCHWYTZ. { .. . ! V' :-K:\ gab vor der Schlacht von Morgarten ( 1315.) dem kleinen' Streithaufen seiner Mitbürger den hefsten Rath. Dessen Urenkel, ltal Reding, herrschte von 1415. an über die Gemüther des ganzen Volks eine lange Reihe von Jahren wie keiner vor und nach ihm. Sein Bruder, Jost, fiel in der Schlacht zu St. Jacob 1 444 - ( s - Basel), und sein Sohn, ltal Reding, der Schreckliche, wahrend 30 Jahren Landammann (st. 1466.), war nicht blofs einer der gröfsten Staatsleute und Heerführer der demokratischen Alpenvölker, sondern einer von den wenigen Menschen, welche durch ihre furchtbare Gemüths- kraft alles zu thun im Stande und seltne Erscheinungen sind. Er vergröfserte seinen Kanton bedeutend * stand dem mächtigen Bürgermeister Sliifsi in Zürich bey dem Streit über das Toggenburgische Erbe gegenüber, begann den ersten Bürgerkrieg ohne Willen der alten Waldkantone, rifs die ganze Eidgenossenschaft mit sich fort , blieb die bewegende Kraft derselben beynahe 20 Jahre, und rettete den Schweitzerbund (s. Pfeffi- kon, Greiffensee, Zürich, Basel). Aloys Reding, Landsbauptmann in der Zeit des Untergangs der alten Verfassungen der Schweitz, stand 1798- an der Spitze seines Volks gegen die französische Heeresmacht mit dem alten Heldensinu seines Geschlechts, und war bis 1803. die Seele aller Schweitzer, welche das Alte retten wollten. — Landammann Rätzi führte bey der grofsen Schlacht von Murten ( 1476. ) die Vorhut. — Peter- man Ry sig erobert mit einer Schaar Freywilliger ( 1420O Domo d'Ossola. Eine Menge Helden aus Schwytz blu- SSHWYTZ. 213 teten in allen Schlachten der Schweitzer. Seit dem XVI. Jahrhundert zeichneten sich die Glieder der angesehensten Geschlechter in den Kriegsdiensten Venedigs , Oesterreichs, Sardiniens, besonders aber Spaniens und Frankreichs aus. Die Belschards , Keiths , Hefsi , Redings und Andere stiegen zu den höchsten Befchls-- haberwürden ; von den letztem sind sechszehn bis achtzehn in auswärtigem Kriegsdienst berühmt worden, und ein Reding (Bruder des Aloys) glänzte in dem Kriege des spanischen Volks gegen Frankreich 1808 . - t8°9. unter den andern Heerführern der Spanier bedeutend vor. — Der berühmte Arzt Paracelsus, war aus Einsiedeln. Hedlinger , aus dem Flecken Schwytz, war einer der gröfsten Stempelschneider. Ulrich , ebenfalls dorther gebürtig, wohnt als ein berühmter Waffenschmidt zu Bern, Geognost. Beschaffenheit. Der südliche Theil des Kantons besteht aus Kalkfelsen, der nördiche aus Nagelflue und Sandstfeinfelscn. (Ueber die merkwürdige Kagelfluekette s. Rigi ; über die Sandfelsen s. Ezel , und über merkwürdige grüne numulitenreichö Sandsteinlager S. hf'äggi -Thal und Haggen). Schwitz (der HauptHecken ). Wirthshäuser : Hirsch , Rössli und Taube. Liegt in einem aufseror- dentlich reizenden fruchtbaren Berggelände, welches von dem Fufse des 4598 F» hohen Mythen allmälig nach dem Lotverztr — und Vierwaldstädter- See hcrabsteigt. Merkwürdigkeiten« Dieser Flecken enthält mehrere sehr schöne Wohn- uhd Landhäuser, deren Wohlstand aber durch Plünderung im letzten Kriege sehr gelitten hat.— Oeffentliche Gebäude sind; f T’.V ÖCHWYTZ. Das Zeughaus; Rathhaus; Kiiche, 1769. erbaut; Krankenhaus; Seminarium; Dominikaner - Nonnenkloster, 1272., und ein Kapuzinerkloster 1619. gestiftet. Sehens- werth ist das vortrefliche Schaumünzen - Kabinet des Ritters J. K, Hed fr» Kid Sit \ k ist öl sei U ( £ J SCHWVTJ. 215 sen der Engelstock an ; nordwestlich erhebt sich der Sleinenberg und Rofs- oder Rujßberg ; nach SW. der Rigi, dessen gegen Sewen und Schwytz auslaufender Theil Zungelnberg heifst; gegen O. die Fallenßue, gegen S. Schönbucherberg und Frohnalp. Gen N. zieht sich von Schwytz eine malerische Gegend nach dem Mythen , vom To£e/-Bach durchschnitten, an welchem das Dörfchen Rikenbach liegt, und vom tannenreichen Gibelberg und den mit Bergwiesen überzognen Stoßs begrenzt. Besuchensweith ist der Landsitz des Hrn. Weber , Siti genannt, % St. weit. Am Ende des grofsen Baumganges steht am Räude des Berges ein Sommerhaus, und von liier geht man ostwärts durch den Wald zu einer Kapelle und Waldbruderey. Hier ist die Aussicht gegen W. über den Lowerzer - See, über das verschüttete Goldaucrthal, auf Seewcn, Steinen bis nach den Tunden Hügeln der K. Luzern , Zug und Aargau , nach S. über den Vierwaldstädter - See in die Gebirge Unterwaldens herrlich. Gerade gegenüber liegt der sonuenreiche mit Bauerhöfen und Obstbäumen besetzte Vrny, an dessen Eul's ein guter Wein wächst. Alerkwürdig ist i St. von Schwytz das Dorf Steinen, wo Werner Staufßacher , einer der drey hohen Mcnschcnkopf, auf der Rückseite eine Nachteule und das Wort Lagom ruit grieeiiischeu Ruchstaben vorgestellt war. Nachdem sich JJedlinger lauge an den Muthraafsungcu der Allerthumshenner ergötzt hatte, nahm er die Maske ah, zeigte ihnen den Seilen - Cnirifs seines Kopfs, und lehrte sie, dafs das Wort Lagoiu schwedisch sey, und rechtschaffen bedeute. Stifter der Freyhcit und Unabhängigkeit der Schwein, wohnte ( s. Steinen'). — Zu Ibach , y* St. von Schwytz, ist der mit Bänken besetzte Platz, wo alljährlich int May das Volk des ganzen Kantons seine Landesgemeinde hält. — Angenehme Spaziergänge auf allen Seiten des Fleckens zwischen den Wiesen und unter Obstbäumen auf den reinlichsten Fufspfaden; nach dem jieblichen Lowerzer - See ^ St. (s. Lovrerz). Zu Seven ein Bad , welches von den Landleuten iin Sommer besucht wird. Uebcr die Cefahr, Welche Seven am 2. September 1806. bey dem Felsenschichtensturz vom Rofsberg lief, s. Lowerzer- See. Wege. Nach Brunnen an dem Vierwaldstädter- See 1 St. Durchs Mutta - Thal, und über den Pragei nach Glarus 10 St. (s. Mutta und Pragei). Nach Richtersrryl 8 St., durch Steinen , Sattel , Rothenthurm, Schindelleggi und Pi ollrau eine fahrbare Land- strafse. Nach Einsiedeln 5 St. für Wagen der nämliche Weg bis Rot/ien(hurm, für Fufsgänger aber über den Haggen nur 5 St. (s. Haggen). Nach Egeri 3 St. durch Steinen, Sattel , im Schoren (s. Egeri). Nach Art 3 St. längs dem Lowerzer - See, durch Losverz Und das verschüttete Goldauer - Thal (s. Art), Geognost. Thatsachen. Sehr nahe bey Schwytz streicht die nördlichste Linie der Kalhalpen und die südlichste Linie der Nagelflueberge ('s. Art, Rigi, Ezel). Von Art an befindet man sich immer in dem Queerdurchschnitt des Nagelfluegebildes bis gegen die Mitte des Loryerzer - Sees. Gerade der Insel Schvyanan S C H W Y T Z. 317 gegenüber zieht sich vom Rigi eine Art Vorgebirge herab, und steigt auf der andern Seite des Sees gegen das Dorf Steinen und nach dem Haggen nordostwärts weiter. Dieses Vorgebirge und die Insel Schwartau bestehen nicht mehr aus Nagelflue, sondern aus dunkelgrauem, ins Bräunliche fallendem Kalkstein, dessen Schichten von SW. nach NO. streichen, und nach S. senken, also auf die nördlieher eben so senkenden Na- gelflueschichten aufliegen müssen. Reicher Pflanzenwuchs verhindert an dieser Stelle, das Aufliegen und den Ucbergang des Kalksteins in die Nagelflue zu beobachten. Hier zeigen sich auch einige Lager röthlichbrau- nen, körnigen, stark eisenschüssigen Kalksteins, der so reich an linsenförmig körnigem Thon - Eisenstein ist, dsCs er sehr bauwürdig wäre. Von der Insel Schwartau behält man die Kalksteinwände des Rigi bis an den südöstlichen Fufs desselben (hier der Zttngelen - Berg genannt) zur Seite, an welchem man die südliche Senkung der Schichten sehr-deutlich sehen kann, und dessen Kalkstein grau, feinkörnig und von vielen Kalk- spathkörnern glänzend ist. Von dem Zungelen- Berge wendet der Weg etwas westlich in die zirkelförmige Ebne von Schwytz, wo man sehr deutlich sieht, wie die Südseite des Rigi als eine sehr regelmäfsige, glatte, schiefliegende Fläche ins Thal einsenkt, und bis an den Vierwaldstädler - See fortzieht. In dieser Ebne von Schwytz befindet man sich auf einmal in dem Schichtendurchschnitt des Mythen , dessen steile Wände, von den Ufern des Lowerzer- Sees betrachtet, keine Schich- V S C H Y N. »lg tung zeigen. Auch au diesen Felspyiamidcn streichen die Schichten von SW. nach NO. und senken meistens gegen S. An der Südseite dieser libne erhebt sich die Frohn - AJp, 4000 F. über den Viem aldst adlet - See, dessen Schichtenstreichung und Senkung die nämliche ist. (Man s. das Umständlichere der geoguosti- schen Thatsachen von der Frohn - Alp südwärts nach dem K. Uri unter dem Artikel Altorf ,. und betrachte die kleine geognostische Karte im zweyten Abschnitte des II. TheilsJ'. Schvs (ScheinJ, eine merkwürdige Felseukluft itn K. Bündten, s. Scharans. Seedorf, ein Dorf an der Landstralse zwischen Biet und Bern, 1 St. von Aarberg; ein sehr gutes Wirthshaus hier. SfiGS es (auch Tschingel - Spitz") , ein Felsen in dem K. Glarus , auf der Grenze von Graubündten (s. dessen Merkwürdigkeiten unter dem Art. Claras). Silgio f Sits *), rliät : Sajles , SajlasJ , das höchstgelegue Dorf im Ober - Engadin , zwischen dem Si/ser - und Selvaplaner - See, von dem Julier , Ma~ loggia und den Bernina - Felsen umschlossen. Seine Lage ist wild und rauh. Nach Doktor Kaslbergs Barometer - Beobachtungen soll Seglio 6500 F. übeis Meer liegenJ diese Angabe ist sicher irrig, denn bey Seglio wachsen Wälder von Lerchen, Arven und Roth- tannen, und höher noch am Maloja bey Grevas alvas *) Ist nicht mit licin gilt iiu Do 1 leidig zu vermischen. Si-LGIO. 2«9 Alpenfohren (Zuondra in Ladiu genannt); man sehe über die Höhe des Baumwuchses den Art. Alpen. Der Sitsersee (Leg di Seglio) ist i ft St. lang, % St. breit, reich an Forellen, und kaum 5 Monat im Jahre aufgethaut; es ergiel'sen sich Bliche in denselben, welche kaum 1 St. davon aus Gletschern abliiefsen. Doktor Kastberg fand die Wärme des Sees in einer Tiefe von 128 F. stets 9 0 , während die Wärme der Luft von 6 0 zu 14 0 Reaumür wechselte. Der Ausflufs des Sees, Lag- giazöl, ergiefst sich nach 1 j4 St. in den Selvaplaner- tee. — Ueber den Ursprung des Inn sehe man den Art. Engadin. — Ain Silsersee sind Reste eines alten Schlosses, ehmals von dem Geschlechte Castromus bewohnt, und von Antonin in seinem Itinerarium Mur um genannt, bey welchem die römische Strafse vorbey- gieng, die über den Julier nach Chur führte; von dieser alten Strafse sollen am See in Felsen Wagenspuren bemerkt werden können (s. Julier , Conters). Nicht weit^ von Seglio öffnet sich das l’ecter - Thal , 3 St. lang, welches ein Nebenthal Utuoz nach SO. zwischen den Muretto und Feet aussendet; der Feeter- gletscher ist sehenswerth.— Bey Seglio ein Steinbruch.— Wege. Von Seglio abwärts nach Selvaplana 1 St. (s. diesen Artikel ). Ueber den Maloja nach Casaccia ins Bregeller- Thal, und von da nach Chiavenua geht eine fahrbare Strafse (s. Engadin'). Ein Pafs durchs Feeter - Thal und über den Feetergletscher führt ins Malenher - Thal und nach Sondrio im Veltlin; durchs Val Utuoz ein Jägerweg nach Malenker - Thal. Von 220 Sf.LVAPL ANA. Maloja ein kühner Pfad durchs enge Muretto- Thal und über den Muretto — Gletscher ins Malenkerthal. Geognost. Thatsachen. Zwischen Seglio und Maloja streicht Urkalkstein und Serpentin. Im Feeter- Thal bricht achter Topf- oder Lavezstein. Selvaplana, im Ober - Engadin, am Fufs des Julier auf der Erdzunge, welche durch den Absturz des Monterascha entstand, dicht am Ufer des Selva- planer-Sees. Merkwürdigkeiten. Der Selvaplana- See wird in den obern und untern See durch die Erdzunge ge- theilt, wo das D_orf steht; jener ist 1 l 2 St. lang und 210 F. tief, dieser nur 6 Minuten lang; er empfängt den Feeterbach und andere kleinere Bäche. Auf diesen See folgt der Campferer - See, welcher ao Minuten lang und 104 F. tief ist; sein Ausflufs heifst Sei? und ergiefst sich nach 20 Minuten Lauf in den Moritzer- See. Diese ganze Seegegend des Ober-Engadin erhält durch die mannigfaltige Gestalt dör Seeufer, die weit ins Wasser reichenden mit Wäldern oder Dörfern gezierten Landzungen, durch das schöne Wiesenland und die hohen Gebirge mit Gletschern ganz besondere Reitze. — Bey Selvaplana strömt der Julierbach aus dem Bergthal, welches nach dem Julierpafs führt, und bey Campfer der Suvrettabach aus dem Suvrettathal , Von der Seite Engadins weifs man nichts von der Benennung Julierber g , sondern hier kennt man nur den Piz Monterasch nach NO., und den Piz Piilaschin nach SW-, zwischen denen der Julier-Pafs liegt. Ueber die Merkwürdigkeiten dieses Passes sehe man den Art. Julier. Selvaplana gegenüber, 8 Minuten entfernt, liegt Surleg, wo 200 Schritte davon östlich eine Sauerquelle (s. St. Moritz), und wo auf der Surleger - Alp eine schöne Aussicht über das Ober-Engadin sich dar- 4 bietet. — Peter Busin , Prediger zu Selvaplana im J. 1665. war gekrönter Dichter; eins seiner Gedichte ist in JViezels Psalmen gedruckt. — Ueber dem Dorfe am Gebirge ein ^rue/x-Wald zu Staatz , in welchem ein See liegt. Wege. Von Selvaplana führt einer der bequemsten Pässe über den Julier nach Chur (s. Bivio und Julier'). — Nach Sti Moritz , durch Campfer, r St. (s. Moritz ). Nach Seglio 1 St. ( s. Seglio ). Sempach, Städtchen im K. Luzern, Wirthsliäu- ser: Kreutz und Adler. Liegt an dem östlichen Ufer des Sempacher-Sees, 2 St. lang, y* St. breit, 240 F. über den Luzernersee gelegen, 1590 F. übers Meer, und sehr reich an Forellen und Krebsen. Sein köstlichster Fisch ist Salmo la-varetus , (in dem Thu- «er-See Aalbok ), hier Balle genannt. — Die Hügel umher steigen von 100 bis 1150 F. Höhe über den See, und seine Ufer voll Wiesen, Wälder, Obstbäume, von wenigen Dörfern besetzt, geben das Bild einer ruhigen, angenehmen Landschaft. — Viele Bäche ergiefseu sich in den See, dessen Wasser sehr hell- grünlicli ist. (Ueber den Ausilufs desselben s. Sursee). Die Aussicht nach dem Pilatus und den hohen Gebirgen um den Luzerner - See ist aus der Gegend vcn Sempach herrlich. Geschichte. Sempach schwur der Stadt Luzern im J. 1386. als dessen Bürger an Peter von Thorberg , Landvogt der Herzoge von Oesterreich , Rache nahmen (s. Entlebuch), und diefs gab Anlafs, dafs der alte Hafs des Adels gegen die freyen Landleute und Bürger plötzlich in vollen Flammen ausbrach. Der Herzog Leopold von Oesterreich rüstete sein Heer in Baden und zog gegen Sempach , nachdem er einen Streithaufen zu Brugg unter Bonstätten zur Beobachtung Zürichs zurückgelassen hatte. Binnen 12 Tagen wurden den Eidgenossen von 167 geistlichen und weltlichen Herren Fehde angesagt. Die Eidgenossen bewachten Zürich , Zug und Claras und sandten einen Gewalthaufen nach Sempach. Sempacher-Sch lacht. Eine halbe Stunde von dem Städtchen fiel Montags den 9. Juli 1386. die merkwürdige Schlacht vor, welche Herzog Leopold von Oesterreich (Sohn des Herzog Leopolds , welcher 71 Jahre früher die Schlacht bey Morgarten verlor) den Eidgenossen lieferte, um ihren wachsenden Bund zu vernichten, und die vollste Piache an diesem von ihm sogenannten Bauerngesindel zu nehmen. Der kleine Schlachthaufe der Schweitzer, welcher aus 400 Luzer- tiern , 900 Mann aus den drey Waldstädten Uri, Schwytz und Unterwalden , und 100 M. aus Glarus , Zug , Cersau und Entlebuch *) bestand, hatte seine ‘) Die Berner erschienen an diesem Tage bey IVillisatt, nahmen aber keinen Theii an der Schlacht. Stellnng an der Hölie dicht am Walde genommen, und war mit Hellebarden, kurzen Schwerdtern und kleinen Brettern an dem linken Arm, statt Schildern, bewaffnet. Der Herzog Leopold stand am Fufse des Hügels mit 6000 Mann der schönsten Reuterey, der Bliithe der tapfersten Ritter aus dem Aargau, Schn-a- len , Tyrol, Oesterreich , Elsafs und Hoch - Burgund. Alle Ritter safsen ab, schnitten die langen Schnäbel ihrer Schuhe weg, und bildeten in ihren schweren Rüstungen mit langen Spiefsen einen, wie sie wähnten, undurchdringlichen Phalanx *). Unter dem Herzog führten Johann von Ochsenstein , Domprobst zu Strafsburg, Reinhard von TT'ehingen und Graf Friedrich von Zollern den Oberbefehl. Die Schweitzer, nachdem sie zum Himmel gebetet hatten, stürzten in schmaler aber tiefer Ordnung gleich einem Keil mit Ungestüm und Kriegsgeschrey auf den Feind, der mit seinen Schilden eine Mauer und mit seinen Spiefsen eine "Wand von Stacheln bildete. Schon waren die Schult- heifse von Luzern, Cundoldingen und Moos, Stephan von Sillenen und 60 andere tapfere Männer gesunken, und jeder Versuch, die Reihen des Feindes zu brechen, mifslungen, welcher sich in einen halben Mond auszu- dehnen nnfieng, um die Schweitzer zu umringen. In diesem angstvollen Augenblick sprang Arnold von *) Dieses Absitzen war seit den Kreutzzügen in den Schlachten hergebrachte Uebung, und des Herzogs Grefsvater, König Albrecht, hatte es in der Schlacht von Hasenbühel gegen die baieuche Reiiere^ mit Glück versucht. 224 SEMPACif. TVinhelried (aus Unterwalden) aus seiner Reihe, rufend: ,, Ich will euch eine Gasse machen. Sorget „für mein TVeib und meine Kinder, liebe Iiidgcnos- ,,sen ! Gedenhet meines Geschlechts" ! Und in demselben Nu war er an dem Feinde, umfafste mit beyden Armen eine Menge Spiefse, begrub dieselben in seine Brust, und drückte sie, als ein grofser schwerer Manu, im Niederfallen zu Boden. Leber seinen sterbenden Leichnam drangen alle Eidgenossen in den gedrängten Haufen der Ritter, während die Schweitzer von nach- \ geeiltem Volke aus dem Walde herab verstärkt wurden. Es begann nun ein füichterlichcs Gemetzel, welches desto blutiger für den Feind ausfiel, weil er sich nicht durch die Flucht retten konnte, da die Diener der Ritter mit den Pferden geflohen waren. — An diesem schrecklichen Tage wurden der Herzog Leopold 656 Grafen und Ritter, (unter denen Kraft von Lichtenstein, Graf von Zollern, Markgraf Otto von Hochberg, Graf Peter von Aarberg, Graf Wallram von Thierstein, 3 Hallwyl, 5 Müllinen, Johann von Ochsenstein, Siegfried von Erlach, Herzog Franz von Kastel- nau, alle Ritter von Rheinach u. s. w\) und die Schult- lieifse von Schaf hausen, Aarau, Zofingen , Lenzburg, # ) Der Herzog ‘Leopold, da inan ihn anlag, sein Lehen zu schonen, antwortete: ,,Es ist so mancher Graf und „Herr mit mir in den Tod gegangen, ich will mit ihnen „ehrlich sterben’'; hierauf verbarg er sich seinen Freun- l den im dicksten Haufen, fiel im Gedränge zur Erde und wurde von einem unansehnlichen kropfigen Manu au< Schwj’ts erstechen. Sempach. 225 V b kt ine nt tat dt- VC* vtl* rid tr UL ’). cb- xb- tftl* Mellingen und Bremgarten , nebst vielen Bürgern dieser Städte erschlagen *). Durch diese Niederlage gieng der Glanz der fürstlichen Hoflager für viele Jahte unter, und das Volk sagte: Gott sey zu Gericht gesessen über den muthryilligen Trotz der Herren -von Adel. Die Anzahl der Knechte, welche von den Schweitzern erschlagen wurden, wird auf einige Tausend angegeben. Von den Eidgenossen fielen 200, unter denen fast alle ihre Anführer : Die beyden Schult- heifse von Luzern , der I.andamrnann Konrad von Uri, der Landamtnann Tiefselbach von Obwalden, Arnold von Vp’inkclried aus Unterwalden, Ritter Altinghusen , Sillenen und Antoni zu Port aus Uri, Konrad Grü- ninger aus Glarus, u. s. w. Man begrub sie alle zu Luzern. Der Leichnam des Herzogs wurde mit 60 getesteten Grafen in die Gruft des Klosters Königsfelden abgefülirt (s. Königsfelden ). Als während der Schlacht der Schultheifs Petermann von Gundoldtngen sich an seinen vielen Wunden verblutete, eilte ein Luzerner zu ihm, um zu vernehmen, ob er noch etwas an die Seinigen zu bestellen hätte ? Nichts den Meinigen (sprach der Held); aber meinen Mitbürgern sage , «tj. ** a* 1 fi* 1 ' * *) Von Schaf hausen fielen ITans von Randegg , im Thum , zwey Stokar, Hans von Fulach und 28 Bürger; — von Lenzburg, der Schultheifs W'erner von Schodeler, von Mollingen Hans von Burkheim Schultheifs; von Bremgarten Schultheifs IVerner der Schenk; von Zofingen de» Schultheifs Niklas Thut, der sein Stadtbanner in Stücken rifs und den Stock desselben noch im Tode zwischen den Zähnen fcsthiclt, IF. 15 i 226 Sempach. sie sollen keinen Schultheijs länger als ein Jahr an dem Amte lassen , das rathe ihnen der Gundoldin- gen , und wünsche ihnen glückliche Regierung und Sieg. Mit diesen Worten verschied er. Das Panner, welches Gundoldingen trug, und von seinem Blute gefärbt war, wird noch im Zeughause zu Luzern aufbewahrt, so wie das Panzerhemd des Herzogs (welches dem an diesem Tag durch Tapferkeit so hervorleuchtenden Rathsherm Ludewig Feer von Luzern geschenkt worden war) und das mit Stacheln besetzte Halsband , welches den Gundoldingen zu Tode peinigen sollte. Die Panner von Oesterreich , Tjrol, Holien- zollern , und viele andre, fielen in die Gewalt der Eidgenossen, und werden nebst vielen Ritterrüstungen und Waffen in den Zeughäusern von Luzern , Unterwalden , Schwytz , Uri , Cersau und Zug aufbewahrt. Hans Suter aus Luzern schrieb tin Schlachtlied, als er von dem Kampfplatze zurückkam, und Konrad von Stein , der auch die Schlacht mitgekämpft hatte, mahlte sie. Noch jetzt werden bisweilen auf dem Schlachtfeld Ringe, Zierrathen u. dgl. ausgegraben. An der Stelle, wo der heftigste Kampf war, ist eine Gedächtnifskapelle, und in derselben da, wo der Leichnam des Herzogs gefunden wurde, der Altar erbeut worden. Hier ist von jener Zeit an alljährlich das Andenken dieses Schlachttages feyerlichst begangen worden. Der nahe bey der Kapelle wohnende Mann, der sie den Fremden aufschliest, wird Schlachlbruder genannt. Na.ch dieser Schlacht wurde der Krieg nach 5 Monate von Oester- * / reich und dem Adel ohne bedeutende Waffentliat fortgeführt, bis im October auf i 1 [ 2 Jahr Stillstand vermittelt, und im J. 1389. zwischen Oesterreich und den Eidgenossen ein sieben- und nachher ein zwanzigjähriger Friede geschlossen wurde. Die Sempacher-Schlacht gab die Veranlafsung, dafs 1393. die allgemeine Tagsatzung der Eidgenossen zu Zürich das erste gemeinschaftliche schweizerische Kriegsgesetz , Sempacher- Brief genannt, entwarf und bekannt machte. — Da die Feinde in dieser Schlacht ihre Helme und Hüte mit Pfauenfedern geschmückt hatten, so wurden die Pfauen den Schweitzern so verhafst, dafs kein Vogel dieser Art in der ganzen Schweiz erscheinen durfte, uud dieses Zeichen stets jeden Eidgenossen in Wuth Versetzte. Wege. Von Sempach nach Luzern 3 St. Nach Sursee 2 St. Senk wald, hübsches Dorf in der Landschaft Sax, K. St. Gallen, am Rhein , auf dem Fufse des Ober -Kamor und an der Landstrafse aus dem Rheinthal nach LVerdenberg und Sargnnr. Hier das leidlichste Wirthshaus zwischen Altstädten und LVer- denberg. Merkwürdigkeiten. Dieses Dorf geniefst seiner erhöhten Lage wegen eine herrliche Aussicht südwest- wärts nach LVerdenberg über das 3 St. lange, länglich runde, wald- und wiescureiche Thal, und über den Rhein nach der Oeffnung des Montafuner- Thals, ifro die Ul die zahlreichen Gewässer des TVällgauts oder Vor-Arle-'Beiges dem Rheine zuführt und die Stadt Feldkirch (diesen für Oesterreich ehemals wichtigen Pafs) beschützt, durch welchen eine Landstrafse über den Arle- Berg ins Tyrol führt. Ueber die Gefechte hier sehe man Feldkirch. Merkwürdig ist zu Sennrrald der unverweste Leichnam des Freyherrn Hans Philipp von Hohensax , welcher ain 2. May 1596. zu Salez von seinem Vetter Ulrich Georg ermordet wurde *). Als man vor langen Jahren die Kirche von Senmvald neu erbaute, fand man in ihrem Grunde eine Gruft, worin die unvciwesten Körper zweyer Frauen und des Hans Philipp lagen. Der letztere war besonders wohl erhalten, Augen und Bauch sehr wenig eingefallen, die Nase unbeträchtlich zurückgezogen, und die runz- liche gelbe Haut beweglich wie Leder **). Seitdem aber, da solcher auf dem Kirchthurme zu Sennrruld dem Luftzuge ailzustark ausgesetzt war, haben dessen weiche Theile ihre Beweglichkeit und Farbe verloren, die Haut ist braun gefätbt, die Muskeln sind spröde *) Sein Leichnam ward in der Kirche zu Sennwald bey* gesetzt. **) Dieser Ruf der Unverweslichkeit hatte einige jenseits Rheins wohnende Nachbarn von Frasteuz bewogen — aus Religionseifer (der Freyherr war ein eifriger Protestant, und seiner Zeit in Paris der hluthochzeit entgangen) nicht nur erstlich seinen Leichnam, an jeder Hand zweyer Finger zu berauben, sondern sogar am 5 . März 1744. die Gruft zu erbrechen, lind den ganzen Körper über Rhein nach Frastenz zu entführen. Dieser Frevel wurde aber bald entdeckt, und der geraubte Freyherr, auf Ansuchen des damaligen Zürcher - Landvogts zu Saz, Sennwalü. 229 geworden, und zerfallen allmählig, ohne Geruch und Insekten, in kleine trockne Blättchen. In der Hirn- schaale nimmt man drey Säbelhiebe noch ganz deutlich wahr. Geschichte dieser Landschaft. Die Herrschaft Hohensax , worin Sennwald liegt, gehörte dem Geschlechte •von Hohensax * *), welches schon im X. Jahrhunderte grofscs Ansehen genofs. Seit 1407. standen die Sax in Burgrecht mit Zürich. Der Freyherr Ulrich machte sich um die Eidgenossenschaft als Feldherr und Gesandter verdient; er führte 2000 M. aus den schweitzerischen Vogteyen in die Schlacht von Murten 14 /(>. Friedrich Luderrig verkaufte diese Landschaft im J. 1615. an Zürich , und 1633. starb dieses Geschlecht aus. Seit jener Zeit war das Saxer- Land eine Vogtey der Stadt Zürich bis zum J. 1798* wo es zum K. Säntis , endlich aber zum K. St. Gallen gefügt wurda. Die Einwohner sind Protestanten, treiben Alpen- Rind- Vieh- und Pferdezucht, und bauen wieder ausgeliefert. Wenigstens noch bis in das siebente Decenninm des letzten Jahrhunderts blieb der Leichnam weiter ganz unversehrt. *) Dieses Geschlecht führt Säke in ihren Wappen, und es scheint daher, dafs ihr Name nicht Sax, sondern Saks geschrieben werden miifse. Die Grafen von Saks besas- sen im Grauen Bunde Lungnetz , Grub und Flüms und übten wechselweise mit dem Abt von Disentis und H. von Räzins die Ernennung eines Bundsrichters seit 1424. aus. — Die Grafen von Montsaks besafsen das Misoxer- Thal (s. diesen Artikel und Beilenz'). ~w 23a Sennwald. viel Flachs und tüikisch Korn. ,(S. Seite 361. im II. Th. der Beschreibung der schrreilzerischen Alpen - und Landwirthschaft von Steinmüller 1804. Winterthur ). • Wege und Merkwürdigkeiten. Von Sennwald nach Kobeltries ins Kheinthal (s. diesen Art.). Nach T-Verdenberg 3 St. Die Landstrafse führt dicht bey dem Schlosse Forst eck, mitten im Forst auf einem 35 F. hohen Felsen (im J. 1206. erbaut) vorbey. Von dem alten Gebäude steht nur noch der ungeheure Thurmstock, auf welchem man eine herrliche Uebersicht des schönen Thaies geniefst. In dem neuen Gebäude wohnte der Landvogt. Von Forsleck auf die Saxer- Alpen des Ober - Kamor hat man 3 St. zu steigen, wo herrliche Aussichten sind. Von Forsteck geht es nach Salez. Fufsgänger können sich von Sennwald gleich links auf einen Fufspfad wenden, der durch einen rei- tzenden Wiesenpark abkürzend nach Salez führt. Von liier läuft die Strafse gerade auf Ff'erdenberg zu, dessen Schlofs aus weiter Ferne glänzt. Rechts an den Felsabhängen zeigen sich die Ruinen der Schlösser Hohen - Sax und Frischenberg , die Wohnsitze der alten Besitzer dieses Landes, welche 1405. von den Appenzellern zerstört wurden, und am Fufse das Dorf Sax. Aeufserst reitzend ist der Anblick der fruchtbaren und schönen mit Hütten besäeten Cambser - und Grabser- Berge, zwischen denen der W^eg nach JYild- haus, dem höchsten Dorf in Toggenburg, führt. Linker Hand behält man immer den Rhein (s. JYerdenberg ). S E N N W A L D. ■ i /!■ H m- >•)• eil an ion mit nick üw Wirt ich tei- Vou ( Jfr a J> tf* »iä »V 231 Gcognost. Beschaffenheit. Alle Gebirge, welche dieses Thal umgeben, bestehen aus grauem Kalkstein. Südwärts T'Verdenberg treten die Gebirge immer näher zusammen; von Werdenberg nach Forsteck , also nordwärts, weichen sie hingegen so weit zurück , dafs das Thal eine ovale Kcsselform bildet, Bey Forsteck springt der Ober - Kamor staik hervor; und dessen Fufs zieht nach Sennwald bis nahe an den Rhein. Auf der deutschen Seite des Flusses verlängern sich von den Felsen bey Feldkirch einige Kalksteinhügel ebenfalls auch bis an den Rhein. Bey einer genauen Gebersicht wird es sehr wahrscheinlich, dafs dieses weite ebne Thal ein See war, so lange zwischen Forsteck, Sennwald und Feldkirch die beyden Felsenketten durch Zwischengebirge ( vo*n denen die letzten Reste als Hügel noch queer über die Fläche ziehen ) in genauem Zusammenhänge standen. Die reifsende /ll ergofs sich nicht in diesen See; denn ihr Lauf geht weit unterhalb Sennvrald. Die Felsen, welche zwischen Sennwald und Feldkirch diesen See umgaben, standen wahrscheinlich bis zu der Zeit, wo der Rhein sein ursprüngliches Bette durch den Wallenstadter- See (s. Ragatz und Baden ) verliefs, zwischen dem Fleischer-'Berg, Cuscheralp und Scholl- Berge durchbrach, und seine Stromrichtung hieher in dieses Thal nahm, ln dem Walde bey dem Schlosse Forst eck und bey dem Dorfe Sax sind schwefelhaltige Quellen. Diese Gegend war von jeher Erdbeben sehr unterworfen. Es ist bemerkenswert!! , dafs die Erdbeben von Westen her d- V» 'V 23a Serenasca-Thae. aus dem K. Glarus , in der Richtung von Müllihorn am Wallenstadter - See, queer über diesen See nach Osten, durch das obere Toggenburg bey PVildhaus, und durch das Saxer - Land, besonders verspürt werden. Im J. 1760. stürmten hinter dem Dorfe Sax grofse Felsen zusammen. Pflanzen. H. Gaudin (Prediger zu Nyon und geschätzter Botanist) entdeckte vor wenigen Jahren in den Alpen oberhalb Sax Dentaria bulbifera , eine Pflanze, welche bisher in der Schweitz nicht gekannt war; sie steigt bis gegen das Schlofs Forsteck herab. Vorher ist sie auch im K. Graubündten gefunden worden. Serekasca-Thal (s.Longnäz). Sepey, im K. Leman (s. Aigle). Septimer, steht in dem Alpenkamm des K. Grau- bündten, nordöstlich von dem Splügen. Eine uralte Landstrafse führt über diesen Felsen aus Deutschland nach Italien (s. Bivio ünd Bregell- Thal'). Als Stilico den Allemannen zuvorkommen wollte, eilte er über den Corner-See und über die mit Eis bedeckten Bündt- ner - Alpen, gewifs über den Septimer oder Julier. Bis zur Eröffnung des Passes über den Splügen war die Strafse über den Septfiper aus Deutschland nach Italien die einzige ausschliefsende Handelsstrafse durch Graubündten. Vom X. Jahrhundert an wurde der Sep- timer- Pafs sehr betreten. Der Erzbischoff Hatto I. von Mainz wurde 913. auf der Höhe des Septimer- Passes von den Freven Rudolph uud Andreas Salis empfangen, und in ihr Schlofs Castellatsch zu Soglio geleitet. Von dein Septimer nach NO. erhebt sich ein hoher Kamm, auf dessen beyden Seiten drey kleine Seen liegen, welche nach diey verschiednen Weltgfc- genden ihr Wasser ausgiefsen, indem der eine See dem Inn ( s. Engadin), der andere dem Ober-Halbsteiner- Landyyasser , und der dritte der Mera den Ursprung giebt ( s. Ober - Halbstein - und Bregell - Thal), Pf 1 anz en. Primula integrifolia. Linnaea borealis. CrpSoph illa fastigiata. Ranunculus rutaefoliui und glacialis. Geognost. Beschaffenheit. Der hohe Felsenkamm besteht aus Serpentin und verschiednen Talkarten. Nördlich vom Septimer streichen Urgyps und ( Urkalkstein {s. Avers und Ober-Halbstein). Sebnft-Thal {auch Klein-Thal genannt), im K. Glarus {s. Glarus). Servoz, Dorf in Savoyen , an der Strafse von Genf nach Chamouny. Wirthshaus: bey H .Eitel, einem Deutschen. Hier werden bley - Und silberhaltige Minen ausgeheutet; fast alle Arbeiter des Bergwerks sind Deutsche *). Der verstorbne Minen - Inspektor Excha- quet fhnd von Servoz aus einen leichtern Weg auf den Buet, als von Valorsine {s. Buet), Nähe bey Servoz das Denkmal des unglücklichen Eschen, welcher 1800. auf dem Buet in einen Gletscherspalt stürzte {s. Buet )_ Das Thal von Servoz war ehedem ein See (Lac de St. Michel), welcher abgeflossen war, nachdem er unter- *) Diese Berg- und Schmelzwerke sind seit der Revolution eingegangen. E. 254 S E R V O Z. halb Servoz einen Durchbruch bewirkt hatte. Einstürzende Felsen hemmten den Lauf der Arve, und der See entstand von neuem, welcher endlich im XVI. Jahrhundert abflofs. INahe am Chatelards - Hügel sieht mau noch den Pfad, welcher am Rande des Sees hinlief. Wege. Von Servoz nach Sallenclie 3 St. ( s. diesen Art. und Ckede ). Nach der Prieure von Chamouny 5 St. Zuerst kommt man über den Bach Servoz , dann über die Arve auf der Brücke Pelissier (wo sich rechts, auf einem Felsen die Ruinen des Schlosses St. Michel zeigen), und les Montees aufwärts. Eine Viertelstunde davon rechts war ehedem ein Schacht, um Kupfererz zu suchen; dasselbe war aber nicht ergiebig genug. Auf der Höhe des Montees trifft man schon wahre Alpenpflanzen an; und hier ist der Anblick der Arve , im tiefen Abgrunde der senkrecht schwarzen Felsen mit Tannen besetzt, romantisch und malerisch. Jetzt betritt man das Chamouny- Thal. Zuerst erblickt man den kleinen Gletscher Taconay , bald den Gletscher Bossons , und hernach in der Ferne den Gletscher des Bois. Der Weg führt über das Bergwasser Nant de Nagin , durchs Dorf Ouches , dann gleich über den Nant de Gria (von dem kleinen Gria-Gletscher kommend) y« St. weiter über den Nant de Taconay (diese beyden Gletscher steigen von dem Felsen herab, der sich unterhalb dem Montblanc wie ein halbrundes Gewölbe zeigt), alsdann über den Nant des Bossons , und y? St. von der Prieure de Chamouny über die Arve (s. Chamouny ). — Wer nicht denselben Weg nach Genf zurückkchien will, kann von Servoz über Six, Samoens und Thonon nach Genf wandern (s. Genf). Geognost. Beschaffenheit. Nordwärts von Servoz. herrscht Schiefer und Kalkstein, woraus die Felsenliörner bestehen. Durchs Servoz - Thal streichen Thonschiefer, Glimmerschiefer, Grauwakeschiefer, Hornblendeschiefer, welcher Schichten Kiesel- und Alaunschiefer einschliefst; dann folgt Gneifs, in dessen Streichungslinie man bey den Montecs tritt; alle Schichten senken sehr steil nach' 1 S. In diesen Felsarten bricht ein grofser Reichthum von Erzen. Diese Gegend ist für den Erdforsclier zu genauerer Untersuchung der Beschaffenheit des Zusammentreffens des Urfels- und Flötzkalkstein - Gebildes wichtig. Glänzender dunkel- honiggelber Schwcrspath bricht in dem Felsen der Insel im Bache Dioza, himmelblauer und bläulich- grauer schaaliger Schwerspath m}t krystaljisirtem Spatheisenstein und Fahlerz in Gängen des Mont Porinenaz. Mineralogie. Durch die Mont - Breven - Kette streichen reiche Bley- und Kupfererz -Lager von SW. nach NO., welche hin und wieder von Spie fs glanz - und Zinkerzen begleitet werden. Am Fufs der Aiguil- lette (eines der Brevenhörner) streichen bey Fouly im Schwerspath drey Erzlager; das mittelste führt Bley- glanz, die beyden andern Kupfer - und Bleyerz ; im J, 1786. begann man Bergbau auf diese Erze, welche im Ctr. Schlich / ( o Pf. Bley und Loth Silber gaben. Oberhalb dem Dorfe Vaudagne liegt am östlichen Theil 236 S S R V O *. des Mont Chatelar die Grube Vaudagne, welche auf ein 1-2 Klafter mächtiges Lager von Bleyglanz, Zink, und Schwefelkies, welcher goldhaltiges Kupfer führt, geöffnet worden ist. Die Grube les Trapettes, zwischen Fouly und der Brücke Pelissier, baute auf Fahlerz, welches im Ctr. 10 Loth Silber enthielt*). Im Mon- > tagne de Fer, das westliche Ende des Breven, streichen Alaunschieferschichten voll Schwefelkies, durch deren Verwitterung Alaun entsteht. Der Mont Vaut- hier, ein Theil des Mont de Fer, wird von Schwer- spathgängen, reich an Bley- und Spiefsglanzerz durchzogen. Am Geliänge des Mont de Fer, dem Joche St. Michel gegenüber Kupferkieslager, welche im Ctr. Schlich 15-18 Ff- Kupfer enthalten. Die Grube les Chenets im Mont de Fer in der Schlucht, wo die Dioza vorbeyfliefst, baute auf Bley, Spiefsglanz und Arsenikerz ; der Ctr. Schlich gab 35 Pf. Bley und 2 Loth Silber. In dem Felsen der Insel im Bache Dioza bricht Bleyglanz und Schwefelkies in den sehönsten Schwerspathgängen. Der grölste Reichthum der Kupfer- und Bleyerze ist in dem Granitberge Pormenaz. An der Nordseite liegen die Gruben von Pormenaz, an der Südseite die Gruben Roifsy und Sourde. Das Erzlager der Gruben von Pormenaz und Roifsy in blättrigem Schwerspath gab im Ctr. Schlich 15 Pf. Kupfer, to Pf. Bley und 3 Loth Silber; das Erzlager von Sourde gab im Ctr. Schlich 77^2 Pf- Bley, 3 Loth Silber. *) In der Grube Trapettes brach auch rothes Bleyerz und Bleyspath. Sesi a - Thal. 25 7 Hier waren die Erze sehr mannigfaltig; grünlicher Kupferkies, goldhaltiger gelber Kies, antimonialisches Kupfererz, würflich krystallisirter Bleyglanz, großblättriger Bleyglanz, Glaserz. In den Gruben von Porme- naz finden sich trefliche Drusen Schwerspatb mit Fahlerz und zwölfseitigem Bleyglanz. Alle diese Erzlager ' sind sehr regelmäfsig, erstrecken sich sehr weit, und senken unter 70 °. Die Gruben liegen 6172 F. übers Meer. Auch sind Spiefsglanzgänge im Mont Pormenaz, einer z. B. östlich vom Theresienstollen in einem w Bache. — In dem Alaunschiefer des Mont Chatelard und St. Marie aus Fouly glaubt II. Prof. Struve den Graphit eingemengt; wenigstens das Pulver dieses Schiefers gab mit Schwefel eine dem englischen Reifsbley ziemlich ähnliche Masse. Alle hier im Gang stehenden Bergwerke sind seit 1793. , wo Savoyen dem König von Sardinien genommen wurde, eingegangen. Sesia-Tijal, in Piemont, eins derTbaler, welche vom Monte Rosa auslaufen, von Italienern, und im. Hintergrund von Deutschen bewohnt (s. Rosa J, wird von der Sesia durchströmt, welche zwischen Casal und Lumeline in den Po fällt. Geschichte. Die Einwohner dieses Thals scheinen von den Lombardischen, Fränkischen und Deutschen Herrschern vergessen gewesen zu seyn; denn sie waren bis Ende des XIV. Jahrhunderts unabhängig, wo sie den- Galeaz Visconti, mit Vorbehalt grofser Frey- lieiten, welche Pacta deditia genannt wurden, als Ober- » herrn erkannten. Diese Frevheiten genossen sie unter den Herzogen von Mailand Visconti und Sforza, den Königen von Spanien, den österreichischen Kaisern und unter den Königen von Sardinien, welche dieses Thai von Oesterreich als Belohnung für erwiesene Dienste in dem Successionskriege erhielten, Lis zum J. 1802., also während vier Jahrhunderten. Zu dieser Zeit wurde das Thal politisch zerrissen, nämlich, alles was am linken Ufer der Sesia lag, theilte die französische Kegierung dem Mailändischen Staate, und was am rechten Ufer lag, dem Piemont oder dem Französischen Reiche zu. Merkwürdigkeiten. Das Sesia - Thal besteht aus dem Val Sesia grande, Val Sesia piccola, Val Dobbia, Val Sermenza, Val Mastalone , Val Dugia , Val Sessera, und enthält 2 Flecken und 50 Dörfer. Va- rallo ist der Ilauptort, und von hier lassen sich alle Nebenthäler am befsten bereisen. Die Einwohner des Sesia - Thals zeichnen sich durch besondere Fähigkeiten für mechanische Künste aus; daher eine Menge Schreiner, Bildschnitzer in Holz, Bildhauer, Marmor- und Stukaturarbeiter und Maler von diesem Thale ausgehen. Die Weiber sind hier schöner als in den übrigen Thälern Piemonts. Das Thal ist sehr fruchtbar au Getraide, Wein, Kastanien und Maulbeerbäumen. Seidenzucht und Seidenspinnerey ist sehr beträchtlich, und der Reichthum der Erze ist sehr grofs; die Ausbeute und Bearbeitung derselben beschäftigt viele Menschen; IE Datta, der einen Pallast zu Varallo hat, besitzt viele Bergwerke. Varallo ist wegen seines Sacro Monte berühmt und besucht; 52 Kapellen, in denen Bildsäulen Sesi A - T H AL. 239 und Freskogemälde, Gegenstände aus dem neuen Testament vorstellend, von vorzüglichen Künstlern gearbeitet, xu sehen sind, stehen an dem bequemen Wege durch einen Hain hinauf. Wege. Von Varallo die Sesia aufwärts durch Vacca, Balmuccia, Rua nach Scopello, wo alle Hüttenwerke des Kupferbergwerks von Alagne stehen; von hier weiter aufwärts durch Campertagno und Moglie nach Riva im Dobbia-Thal, wo ganz nahe die Bergwerke von Alagne sind; von Riva führt ein Weg in 5 St. nach Pastarena im Anzasca-Tlial (s. diesen Art.}, und ein andrer über ein Joch von 7416 F. Meerhöhe nach Gressonay im Lesa - Thal in 6 ^2 St. ( s. Lesa- T/ial }. — Von Varallo nach Valhella und Rimelia im Mastalone-Thal, und von hier über das Felsjoch Lgua nach Banio im Anzasca-Thal, und von Rimelia ins Thälchen des Riale della Piane nach Fobel, und von hier ins Thal Strona (s. Orta }, und nach dem Langen - See. — Von Varallo nach Rosa und Carcoforp im Sermenza - Thal ; von hier über das Felsjoch Jtgua, den Sennhütten Baranca vorbey, nach Banio im Anzasca- Thal 8 St. — Von Varallo ein Pfad nach dem Orta- See durchs Val Dugia über das Joch Colma hinab nach Arolo, und ein andrer durchs Val Bagnola (s. Orta- See}. Von Varallo abwärts durch Locarno, Aquarona, Borgo-Sesiä, von hier links eine Fahrstrafse nach dem Agogna-Thal und dem Orta-See, und nach Novarra und Mailand, und grade aus durch Crevacor, wo sich das Val Sessera öffnet, nach Vercelli, vor wel- z\o Sesia -Thal. eher Stadt die Thäler Masserano und Andoruo ihre Ströme der Sesia zusenden , und von hier nach Turin. Geognost. Thatsachen. Gneifs, Glimmerschiefer, Porphyr, streichen durch das Sesia-Thal. Bey Vaiallo ist ein Marmor-, und bey Alagne ein Topfsteinbruch. In dem Val Dugia viele asbestartige Fels- scücke auf der rechten Seite des Bachs Fiscone. Beym Ersteigen des Jochs Egua aus dem Sermenza - Thal * streicht zwischen Gianit ein Lager Dolomit. Irn Sermenza -Thal sollen an einigen Stellen die Granitschichten auf alle Art und selbst im Zigzag gebeugt seyn. Das Felsengebiet dieses ganzen Thaies ist noch nicht genau genug durchforscht. Mineralogie. Das Felsengebiet des Sesia-Thaies und der auf allen Seiten angrenzenden Thäler gehört wegen des grofsen Reichthums der Erze, welche hier brechen, zu den merkwürdigsten Theilen der Alpen. (Man sehe Anzasca -Thal , Domo d'Ossola , Langen- , See, Orta - See , Lesa -Thal , Aosta ). In dem Dobbia- Thal brechen zu Alagna, zu St. Maria di Stoffol, in der Cava vechia, zu Borzo am Fufs des Rosa, und noch an andern Stellen goldhaltige Schwefelkiese und silier- und goldhaltige Kupferkiese. Das Kupferkieslager zu Alagna ist Fufs breit, so dafs 7 Knappen neben einander arbeiten ; der Schacht ist 400 Klaftern tief, das Gebirge ist Gneifs, und die Gangart Quarz mit eisenartiger Erde. Zu Riva und. Scopello stehen alle Hüttengebäude dieser Bergwerke; zu Scopello werden jährlich tooo Ctr. Kupfer geschmolzen. Die Berg- werke von Maria di StofFol und der Cava vechia gaben im J. r 758 - an Gold 160 Mark, und an Silber 5000 Mark; aber 1796. waren die Erzgänge fast verloren. Im Ser- menza-Thal bricht bey Carcoforo silberhaltiges Kupfer und Bley ; im Mastalone - Thal Eisenpiriten , welche ausgebeutet und zu Valbella geschmolzen werden, und bty Rimelia goldhaltige Kiese von geringem Gehalt. Im Val Dugia zeigen sich Spuren -von Bley er z in Ur- kalkstein. Bey Locarno bricht vortrefliches Eisenerz und im Sessera-Thal bey Sostegno silberhaltiges Bley , und bey Cogiola Beifsbley. In dem benachbarten Masseran- Thal ist ein Reichthum von Eisenerz und silberhaltigem Bley , und im Andorno-Thal auch Bley - und Kupfer -Erze, auf welche letztere gebaut wird; der Cervo— Bach des Andorno - Thals führt Goldsand von 23 Karat. Sesto (Sesto Calende, ein römischer Name) am Tessin nicht weit vom Ende des Langen - Sees , 8 St, von Mailand, im Königreich Italien. Merkwürdigkeiten. Nicht weit von hier den Tessin abwärts sieht man noch Reste der alten römischen Brücke. Es sind hier viele römische Tnschriften. gefunden worden, welche in dem Hause Arcbinto zu Mailand aufbewahrt werden. Ein Theil der Kirche St. Donato ist aus dem Mittelalter. In der Nähe von Sesto auf der Strafse nach Mailand liegt Somma , wo die Elephanten Hannibals über den Tessin auf Flössen giengen, und Hannibal den römischen Konsul Scipio schlug (300 J. vor Chr. Geb., s. Alpen) \ auf der hohen Ebne sind hier viele Grabhügel zerstreut, und eine ir. 16 Menge römische Inschriften sind hier und ln der Gegend gefunden worden*). Somma ist ein altes Erbgut der Visconti, die sich im XIII. Jahrhundert zu Herren von Mailand machten (s. Como und Arona)-, hier eine Zypresse von i6 F. Umfang und von sehr hohem Alter. Zu Arsago (Ara Caesaris), nahe bey Somma, sind auch viele römische Inschriften gefunden worden, und hier ein alter achteckiger Tempel , welcher aus den Bruchstücken eines römischen Tempels vor Einführung der christlichen Lehre erbaut ist. Zwischen Somma und Rossate wurde auf der dasigen Heide von den Mailändischen Astronomen eine Grundlinie von 5 * 3 ° Klaftern gemessen, von welcher alle Triangel zur Entwerlung der grofsen Landkarte der Lombardey ausgiengen. Diese Karte war 1796. beynahe vollendet, wurde aber wegen des Krieges und der Revolution nicht bekannt gemacht. An der Nordwestseite von Sesto, 1 St. entfernt, liegt oberhalb Angera am See ein altes Schlafs , in dessen öden Sälen sehr alte schätzbare Gemälde , die Thaten des Erzbischofs von Mailand, Otto Visconti, ersten Herzogs \fbn Mailand (s. Como') vorstellend, in dem daran stofsenden Garten mehrere römische Inschriften , in der Kirche an der Seite des Taufsteins Basreliefs , alte Bildsäulen , auf dem Kirchenplatz schöne aber zerbrochne Säulen , und überhaupt in der ganzen Gegend viele alle Ueberreste zu sehen sind. Hier lag S. Monumcnta Sommae locorum adjeccntiiun, fiell Boitore Campana. Mcdiolaui 1787. das alte Statione *)< Gerade gegenüber an der andern Sette des Sees sieht man Arona und eine kolossale Bildsäule ( s.« Arona). — Einige Stunden von Sesto liegt Varese in herrlicher Gegend (s. Varese). Wege. Nach den Borromäischen Inseln kann man von Sesto aus i) zu Wasser (15 ital. Meilen entfernt} reisen; oder 2) man fährt nach Lisanza, Angera, Ranco, Ispra , Arolo, Moallo, St. Cattarina am Sasso Ballaro (wo die Kapelle im Kelsen eingehauen ist, und «in ungeheures Felscnstück aut dem Kirchdach, wohin es einst stürzte, noch hängt), durch Legiuno, wo der See sehr tief ist, nach Laveno im Cuvio-Thal, und von hier über den See nach der Isola bella (s. La- veho); oder 3) man wählt die grofse Strafse an der Westseite des Sees nach Arona (s. Arona), Meina, Solcio, Massino, Lesa, Belgirate und Stresa, wo man sich zur Isola bella in wenigen Minuten übersetzen läfst (s. Borromälsche Inseln und Langensee )z Von Sesto nach Mailand 9-10 St. oder 6% Posten; die Strafse führt durch Somma, Gallarate (Gallorum arca), über die Olona bey Castellanza, durch S. Vittore, Ro und durch die traurige Gegend Cassina del Pero; zn Busto Arsizio, rechts von Gallarate; in einer nach Bra- mante’s Plan gebauten Rotunde Gemälde von Crespi Und Gaudenzio ; in Ro ist die Kirche des Kollegiums der Missionarien, nach Tibaldi Plan gebaut, sehr schön; m der Gegend Cässino del Pero sieht man die ersten - Descrizionc d’Angera, di Sec, Pesidestro. her* gamo 177c». 244 S I D E R S. Reifsfelder. Alle Morgen geben von Sesto Kalme auf' dem Tessin nach Mailand und Pavia ab; bis zum Eintritt in den Kanal bey Tornamento schifft man in 4 St., denn der Tessin hat bis hieher wegen seines Falls von 259 F. einen sehr schnellen Lauf, und bis Robecco sogar einige sehr reifsende Stellen, wo bey niedrigem Wasser Gefahr ist, auf Felsen zu stofsen. Die Schifffahrt auf dem Kanal (welcher 1177. angefangen, und in der Mitte des XIII. Jahrhunderts vollendet wurde) geht sehr langsam , und man nimmt daher zu Buffalora bis Mailand, noch 5 St., lieber Post. Geognostische Thatsachen. Zwischen Sesto und Somma bey dem Bach Strona eine Menge Urfels- gerölle und viele mit Ammoniten und andern Versteinerungen gefüllte Kalksteingeschiebe. In allen Einschnitten des Bodens, und an den Ufern der Bäche und Flüsse von Sesto nach Mailand zeigen sich ganze Lager Gerolle, welche meistens aus Granit, Quarzen und andern Urfclsarten hestehen. (Man sehe über die geo- gnostische Beschaffenheit der lombardischen Ebnen Ebel , über den Bau der Erde u. s. w. Zürich 1808. I. Th. S. 223., und besonders S. 241. und 253-268.). Der Tessin führt Goldsand ober - und unterhalb Pavia. Ueber die geognostischen Merkwürdigkeiten am Lan- gen-See s, diesen Art. Siders (franz. Sierre), einer der schönsten Oer- ter in Wallis. — Nur ein Wirlhshaus hier. Es liegt am Siders ~ Baeh , welcher vom Steinbock - Ilorn an der Nordseite im Simmen -Thale, Räzli-Horn genannt, licr- abkömmt. Merkwürdigkeiten. Nahe bey Siders zerstörten die'Walliser dem TVitschard von Raron 1414., welcher in diesem Jahre geächtet wurde, die grofse Burg Alt-Siders und das Schlofs Bcauregard hoch auf einem Felsen oberhalb Chippis am Eingänge des Ein- fisch - Thaies, welches Siders gegenüber seinen Eingang hat. (Ueber dieses lange und merkwürdige Thal s. Einfisch - Thal). Um Siders wächst ein vortreflicher Muskat- und Malvasier-Wein.— Die Kropfkrankheit ist hier gemein. — Das Wasser in Siders ist ungesund ; kalt getrunken macht es heiser. — In den Bergen oberhalb Siders reiche Alpweiden. — Die alte und angesdtne Familie Courten , welche so viele tref- liche Kriegsmänner und mehrere Generale unter ihren Gliedern gezahlt hat, wohnt hier und besitzt ansehnliche Häuser.— Ein Seminarium für Geistliche hier.— Das im Einfisch-Thal ausgebeutete Kobalterz wird in Siders zu Smalte verarbeitet.— Vom Unter-TVallis aufwärts beginnt hier die deutsche Sprache , welche durchs ganze Ober-TVallis geredet wird ( s. TVallis). Wege. Nach Sitten s. diesen Art. Nach den Bädern von Lenk s. diesen Art. Nach dem Flecken Lenk, dem Loetsch- Thale und Raron , führt ein Weg an dem rechten Ufer der Rhone. — Die grofse Land- strafse weiter ins Ober - TVallis führt im Thale von Siders nach Visp 6^2 St. Diese Reise ist reich an mannigfaltigen Ansichten, besonders bey günstigen Be- leuchtungen. Von Siders kömmt man bald über die Rhone an ihr linkes Ufer, durch den Wald und das Dorf Ringes, über den Bach Crusille; hier sieht man grade gegenüber den Flecken Leuk , hinter demselben den Schlund der Dala, und himmelwärts etwas von der Gemmi. Auf dem Wege weiter nach Tourteman, 5 St, von Siders, zeigt sich die Felsenkette vom Simplon nach dem Gotthard. Tourteman liegt an dem Ausgange eines Thaies desselben Namens, welches nicht besucht und bekannt ist. Bey Tourteman ein schöner Wasserfall. Von hier verengt sich das Thal, und ist fast immer unter Wasser gesetzt und mit Schilf bedeckt. Eint Stunde davon sieht man auf der rechten Seite der Rhone den Eingang ins Loetsch - Thal, und nahe dabey Campei (s. Loetsch - Thal J ; St. weiter erbliokt man das Dorf Raron *) auf malerischen Felsen. Der Weg führt . dann durch Brunk und Turtig nach Visp ( s. diesen Artikel). ‘ P fl a nz en. lieber die seltnen Pflanzen zwischen Siders , dem Flecken und den Bädern Leuk (s. diesen Artikel). — Bey Siders f Euphorbia segetalis . Tragopogon majus nur in TVallis . Gnaphalium luteo-album, Zwischen Siders und *) Die Familie von Raron war die mächtigste in Wallis, Im Anfänge des XV. Jahrhunderts ( 1414. ) brachten die Walliser dem Guitschard von Raron die Matze (Walisische Art des Ostracisinus). Guitschard floh, und suchte Hülfe bey dem Graf von Savoyen und bey Bern, welche sie ihm zugestanden, und kf'allis mit Krieg überzogen. Diese Gefahr veranlafste den Bund aller S IIIL - B R Ü C K E. 4 Visp '- Diciamnus albus. Ljchnis viscaria. iil pjrenaicum. Astragalus onobrychis. «i Geognost. Beschaffenheit, lieber die hohen itg Kalksteintrümmer- Hügel an der Rhone zw ischen Siders er und Lenk s. die Art. Lenk und Sitten. — Von Siders t, bis Tourteman ist Kalkstein herrschend. In dem Gru- 1 jtVI-Bach nahe bey Ringes liegen grofse Blöcke Topf- r stein und gelbliche Kalkbreccia. Von Tourteman an K erscheinen Topfsteinfelsen, die mit Kalkscliiefer zu wech- tr. sein scheinen. Cagnpel gegenüber zeigt sich grauer im. salinischer Kalkstein, mit schwarzem Kalkschiefer wech- 3 [( selnd, von Quarz und Kalkspatadern durchzogen. Ge- m gen Visp Kalkschiefer mit schwarzem Glimmer (s. Sitten ). i- Sr erke fSidersJ, s. den vorigen Art. s Sihl-Brücke, Hier stofsen die KK. Zürich 111 und Zug zusammen , und auf jedem steht ein Wirths- e " haus, unter denen das Zuger , welches einein gewesnen Landammann des K. Zug gehört, bisher das bessere war. Die grofse Waaren-Fraclitstrafse von Ilorgen Fit am Zürich- See nach Zug geht hier über diese Brücke. ^ Wege, Von hier nach der Stadt Zug 2 St. ; 1 [z St. ' 1 lang ist der Weg für Kutschen sehr schlecht, beson- ders bey nassem Wetter. — Nach Menzingen z St. z / i7 Sjsimbrium fj‘ >* ff i i gt C« Zehenden des Ober - IVzllis und die Freylieit und Unabhängigkeit dieses Landes. Petermann von Raron, der letzte dieses Geschlechts, welcher die Grafschaft Toggen- burg erbte, und sie an die Abtey von AV. Gallen verkaufte (s. Poggenburg ), starb 1 479- * m Kloster Riiti im K. Zürich. r a'lB Sils. sehr angenehmer Weg» auf dem man t ij s Et* zu steigen hat. Nach Zürich längs der Fahrstrafse geniefst der Reisende angenehme Aussichten. Fufsgänger verlassen % St. von der Sihl - Brücke die Landstrafse, und folgen links dem Pfade durch schöne Wiesen nach dem Hofe VTydenbacln Auf diesem Wege eröffnen sich zurück südwärts herrlich^ Aussichten nach dem Rigi, dem Pilatus , den Gebirgen Entlebuchs , nach dem Zuger- See und dem Raarer - Boden ; an einer Stelle erblickt man auch ein kleines Stück des Luzerner- Sees. Es giebt hier Standpunkte, aus denen sich jene Gebirge und Seen aufserordentlich schön darstellen; der schönste Standpunkt ist bey der Hochwacbe des Zimmer - Bergs. Von dem Hofe FFydenbach mufs man sich durch einen Knaben entweder i) nach der Boche führen lassen, ein wegen seiner vortreflichen Lage berühmtes Wirthshaus im K. Zürich , in welchem Bäder sind ; von hier längs der Landstrafse, oder auch dem Fufswege dicht am See nach Zürich 4 St. ; oder 2 ) man wählt tden Pfad durch den sogenannten Forst nach NyJel - Bad, und von hier in 2^3 St. nach Zürich. Sils, das letzte Dorf im Domleschger - Thal, K. Graubündten. — Das Donazische Landhaus ist das schönste in Bündten an der Nordseite des Alpenkamms. Aus dem dortigen Garten hat man eine hübsche Aussicht aut die Reste des Schlosses Ehrenfels , welches % St. über dem Dotfe liegt. Neben diesem führt ein steiler und mühsamer Weg nach dem Schlosse Realta (Rhaetia altaj 596 F. über Sils erhaben, am Fufse des Mutt- S immen-Thal. 249 ner-Horns. Es ist das urälteste Sclilofs in der Schweitz, und soll von Rhaetus 587 J. vor Christi Geburt, oder 164 J. nach der Gründung Roms erbaut worden seyn (s. Graubiindten'), Es bestand ehedem aus vier Thürmen, wovon jetzt nur noch einer übrig ist; in der Mitte des XV. Jahrhunderts War es noch bewohnbar. Die Aussicht bey dem nordwärtts stehenden Thurm über das ganze Domleschg ist .aufserordentlich schön, in welchem man 22 Dörfer und 20 theils bewohnte, theils unbewohnte Schlösser erblickt. Die Kirche St. Johann % bey Rcalta war ehedem die einzige Kirche des ganzen Domleschg und Ileinzen -Bergs. Aus den Fenstern des Salischen Hauses zu Sils wurde im XVII. Jahrhundert für Louis XIV. das Gemälde vom Heimen-Berg aufgenommen. — Sils baut die . befsten Rüben in Bündten. Wege. Von Sils führt eine Brücke über den Rhein nach Tusis (s. diesen Artikel). In dem Domleschg ab- Wätts über die Albula (s. Scharans ). Sils, im Ober-Engadin, s. Seglio. Silvio (auch Cervin und Matter- Horn genannt), ein hohes Felsenhorn im Vispacher - Thal (s. Visp ). Simm en-Thal (auch Siebne-Thal genannt) im K. Bern; öffnet sich nicht weit vom Thuner- See, bey dem Schlosse JYimmis , wo dessen Eingang sehr eng und malerisch ist, und zieht zwischen der Niesen- und Stockhorn - Kette nach S. 13 St. lang bis an die hohen Felsen, welche Wallis vom K. Bern scheiden, und sendet einige Seitenthäler aus. Selten ist es breiter als St. Die Felsen der Niesen - und Stockhorn - Kette Simmen - Thai,. r ) / W- ■ Är:. 250 sind 6 - 8000 F., und die Felsen im Hintergründe des Thaies zwischen 9-10,000 F. übers Meer. Die Simme (deren merkwürdigen Ursprung und prächtige Fälle s. unter dem Art. Lenk) durchströmt es in seiner ganzen Länge, und fällt in die Kander, Es ist ein sehr schönes, fruchtbares, alpenreiches und bevölkertes Thal, wo fast in allen Dörfern gute Winhshäuser sind. Beträchtliche Rind- Pferde- Schaaf- und Ziegenzucht, viel Flachs- und Hanfbau, viel Kirschbaumzucht , von deren Früchten Kirschwasser gebrannt wird, und Fabriken von wolluen Zeugen, unter dem Namen Oberländer - Zeug bekannt. — Die Einwohner gehören zu den wohlhabendsten Alpenvölkern der Schweitz, deren Hauptbeschäftigung Alpenwirthschaft ist. Die Rindviehart des Thaies ist nebst der in Sannen und Greiers die gröfste und schönste in der ganzen Schweitz, 5 - 6 5 s Ct. schwer im Durchschnitt, sehr milchergiebig, und von Farbe roth und schwarzbraun; die Sirn- menthaler - Kühe werden in Menge nach andern Thä- lern und aufserhalb der Schweitz verkauft. — Eine für einspännige Leiterwagen fahrbare Strafse führt durch dieses ganze Thal, von Zircisimmcn ins Saa- tten-Land, und von da jn den K. Frey barg , und doch wird es wenig von den Preisenden besucht. (Man s. TVimmis , Mrlenbach , TVcifsenburg , Zrreisimmen und Lenk J. Geschichte. Dieses Thal gehorchte mehrern Rittern, welche auf ihren Burgen wohnten, und die Stadt Fern befehdeten. Dieser junge Freystaat nahm 1288- Rache, eroberte PVimmis , drang durch diese Pforte ins Thal und brach die Burgen seiner Feinde. Das Obere Simmenthal schwur 1386. an Bern , welches 1391. durch Kauf von dem Grafen von Greiers völlig in Besitz desselben kam. Mehrere der Ritter im Unter- Simmenthal , wie z. B, die von TL'eiJsenburg , v, Brandis , v. Scharnachthai wurden Bürger zu Bern, und verkauften bis zum J. 1449. ihre Besitzungen dem Staate, so dafs von dieser Zeit an das ganze Simmenthal der Stadt Bern gehörte. Während der Verbreitung der Reformation waren r528. einige Unruhen im Simmenthal, welche mit allgemeiner Annahme der neuen Lehre endigten. Geognost. Thatsachen. Die Stockhorn - Kette, welche das Thal nordwestlich begrenzt, besteht aus Kalkstein, und ist die nördlichste Kette der Kalkalpen; die iWeren-Kette anf der Südostseite besteht aus Schiefer, Kalkstein un’d Grauwake ( s. Niesen'). Unter.diesen Felsarten streicht Gyps durch das Simmen - Thal, von dem Beulissen her (s. diesen Artikel), unter der Niesen -Kette weg, nach dem Thuner -See (s. Spietz und Leifs'igen), Bey St, Stephan , östlich der Simme , geht der Gyps zu Tage; die Schwefelquellen bey Lenk nehmen ihren Ursprung in den Gypslagern. Bey Gru- benrvald will Jemand aus einer Quelle an einem sumpfigen Orte bey der Simme Salz gekocht haben. In den nämlichen Gypslagern liegt das Salzwerk von Aigle Und Bex: daher verdient jede Spur von Salzquellen in der Streichung dieser Lager alle Aufmerksamkeit ( s. Spietz). Im Sommer 1805. untersuchten die gründlichen Mineralogen Hr. Esther aus Zürich, Professor Struve aus Lausanne, und Professor Tscharner aus Bern, von Leifsigen am Thunersee an, wo in dessen Nähe der Gyps zu Tage geht, durch das ganze Simmen- thal den Gang der Gypslager, worüber manche neue Beobachtung gemacht wurde. An mehrern Stellen fanden sie Quellen, welche durch Silberauflösung höchst schwache Anzeigen von Kochsalzgehalt gaben, und Hr. Esther bczeichnete die Gegend von Vf'yssenburg als die schicklichste für fernere Untersuchungen. In dem Eiiemten-Tiizie soll eine Quelle voll fetter Theile seyn, weswegen sie Unsehlitt - Brunnen genannt wird. Auch streicht ein Steinkohlenfiötz durchs Simmen - Thal , welches bey Bold gen 1 F. mächtig, und bey Ober— rryi, an dem abgelegnen Orte Linden - Krathen , zu Tage geht, und gebaut wird. S imploh, Cimpiom , (italien. Sempione , latein. Semproni , Stipionis , Caepionis mons ) , ein Gebirge in dein hohen Alpenkamm zwischen Wallis und Piemont, über welches ein Alpenpafs nach Italien führt. Am Fufse der Nordseite liegt die Stadt Brieg, und an der Südseite Domo d’Ossoia. Die Reise über den Simplon gehört zu den merkwürdigsten in hohen Felsengegenden. Besonders ist die Südseite reich an Wildheit und allem Schauderhaften der höchsten Zerstörung. Geschichte. Einige Alterthumsforscher leiten den Namen vom römischen Consul Cn. Servilius Caepio, welcher, 3 Jahre vor der Schlacht des Marius gegen die Cimbern bey Vercelli, mit seinem Kollegen Manlius die römischen Legionen über dieses Gebirge gegen die Cimbern, welche von dieser Seite schon Italien bedrohten , und ihn mit 8°i 00 ° Römern vernichteten, geführt haben soll Aus dem Caepio hat die Halb- wisserey der barbarischen Jahrhunderte Scipio gemacht; Andere meynen, der römische Heerführer Sempronius sey der erste gewesen, welcher diesen Pals überstiegen habe, und noch Andere leiten den Namen von den Cimbern , welche über dieses Gebirge 114 Jahre vor Christi Geburt nach Ober-Italien efndrangen, und bey Vercelli die grafsliche Schlacht gegen den Marius ver- lohren. Die Wahrscheinlichkeit dieser Meinung sehe man unter den Art. Arona und Alpen. Ueber die Wiedereröffnung dieses Passes in der neuern Zeit ist nichts bekannt. Beschreibung des Weges. Von Brieg bis Domo d’Ossola über den Simplon sind 14 Stunden. Die alte Strafse war wie alle Alpenstrafsen in der Schweitz nur für Fufsgänger und Reiter brauchbar. Von Brieg bis über die Höhe des Passes hinter den *) Der Consul Lucius Cassius wurde über die Alpen gesandt, um die Cimbern abzuhalten. Da die Helvetier ihn mit seinem Heerhaufen am Ausgange des Rhonethals trafen, und ihn hier schlugen, so mufs dieser römische Feldherr über einem der wallischen Pässe und am wahrscheinlichsten über den Simplon gezogen seyn (s. p'ille- neuve). Nach dieser Begebenheit zog Caepio gegen die Cimbern; ob aber über den Simplon, ist sehr zweifelhaft. . J ' * f4 ' V . .■» i-a" ■U: 25 ^ SlMPLO». Hospital bestellt der alte Weg noch, und ist um 2 St; kürzer als der neue Fahrweg. Der alte Weg. Von Brieg geht es sogleich aufwärts bis zur Kanter -Brücke 1 St., von hier nach Im Grund oder Tavernettes 1 St. Von der Kanter- Brücke führt links efn Pfad in das Kanterthal, welches ganz unbesucht ist. Zwischen der Brücke und Im Grund führt die Strafse links an hohe Felsen, rechts an schreckliche Abgründe, in denen die Saltine strömt, vorbey. Gleich hinter der Brücke war an der Stelle, wo ein fürchterlicher Bergfall ehedem statt gefunden hatte, der Pfad nur 1 F. breit, und bestand aus verwittertem Schiefer und Sand, dessen äufserste Körner bey jedem Fafstritt in den grausenvollen Abgrund rollten; diese gefahrvolle Stelle betrug aber nur wenige Schritte. Auch kommt man auf diesem Wege nach Im Grund an einige Stellen, wo man durch den engeü Sa/t inen - Schlund grade den Thurm von Brieg , ein Stück von der Rhone und dem grünen Thal erblickt. Vor Im Grund geht man über die Saltine auf einer Brücke, welche aus dem Saltinegleischer links herabstürzt. Von Im Grund, welches 489 ° F. übers Meer liegt, geht es steil dnreh einen Wald und dann über sphäroidische Granitflächen aufwärts bis auf den höchsten Punkt des Weges ^4—1 St. Hier befindet man sich 6174 F. übers Meer, und geniefst einen prächtigen Anblick nach den Felsen und Gletschern an allen Seiten , und besonders nordwärts auf die F’elsenkctte, welche Wallis vom K. Bern scheidet, wo man bey hellem Wetter die Gletscher des Loetsch - Thaies er* kennt. Oestlich erheben sich das Mäder- und Hips - horn , auf diesen der Kaltrrasser-Gletscher, von dem vier Wasserfälle herabströmen, westlich das Erizhorn , an dessen Westseite das wallisische Nanzertbal zieht', nach S. das Flätsck- Horn mit seinen Gletschern. Von der Höhe des Simplonpasses bis zum alten Hospital (von Stokalper aus Brieg gegründet und von 2 Geistlichen versehen) % St., und von hier fast eben durch Wald und über Torfmoor, über Krön und Senkelbach , am Senk vorbey nach dem Dorfe Simpeln 2 St. Merkwürdigkeiten des Dorfes Simpeln Und dessen Gegend. Das Dorf Simpeln liegt 4548 F* übers Meer. Der Winter dauert 8 Monate. Während dieser Zeit ist der Pafs am lebhaftesten, denn jede Woche gehen 200 Lastpferde hier durch. Die reitende Post macht diesen Weg wöchentlich zweymnl. Dieses Dorf wurde am letzten August des J. 1597. von einem Felseneinsturze verschüttet. Der Simplon trägt auf seinen Hörnern sechs Gletscher. Der nächste, Rosbodmer- Gletscher genannt, liegt nur 1 Stunde von dem Dorfe, ^ St. von der Strafse nach Brieg. Man geht bis an das einzelne Haus am Senk und über den SenM-Bach 1 js St. Von hier wendet man sich links und hat % St. bis zum Gletscher, der vom Fletsch- Berge herabstarrt, an dessen Südwestseite das Saafser- Thal sich nach dem Monte moro zieht. Man nehme einen Führer aus Simplen , damit man nicht in einen Spalt falle; denn der ganze Gletscher ist dergestalt mit Felstrümmern bedeckt, dafs man die Gefahren nicht sehen kann. Merkwürdig sind auf diesem Gletscher, in seiner Höhe nach W. die paralellen Guffer- Linien, welche ich nirgends so grofs wieder gesehen habe, und das feste blaugrüne Eis unter dem Steinschutt, welches einem Ungeheuern Glasgusse gleicht (s. Gletscher). Der neue Weg. Auf Kosten der französischen und mailändischen Regierung ist seit dem J. r8or. eine fahrbare prächtige Strafse über den Simplon von Glis bis Domo d’OssoIa gesprengt, und im October 1805. vollendet worden. Diese Strafse ist 25 F. breit, und jedes Klafter derselben erhebt sich nur um 2 % Zoll, *0 dafs die Wagen auf beyden Seiten des Simplon hinab nicht einmal gehemmt werden dürfen. Auf der Nordseite ist dieses Werk von französischen, auf der Südseite von italienischen Wegbaumeistern ausgeführt worden; die letztem hatten gröfsere Schwierigkeiten zu bekämpfen, weil sie fast durchaus die härtesten Urfels- arten bearbeiten mufsten, während an der Nordseite gröfstentheils schieferartige Urfelsarten herrschen. Diese prächtige Strafse mit ihren Brücken und vielen mitten durch die Felsen gesprengten Gängen gehört zu den merkwürdigsten Werken der Art, die je ausgeführt wurden, und verdient, selbst ohne Rücksicht auf die aufserordentliche Natur dieser Felsengegend, eine eigne Reise. Diefs ist jetzt die einzige Heerstrafse über die Alpen der Schweitz nach Italien, auf welcher die gröfs- ten und schwersten Wagen die Alpen übersteigen können. Es ist nur mit Recht zu befürchten, dafs, wenn nicht jährlich 50-80,000 Livres Unterhaltungskosten darauf verwendet werden, Schneestürze, Was- serströme, Steinryffenen und Schuttkegel und durch Sturm herabgeschleuderte Felstrümmer diese kostbare Strafse sehr bald unbrauchbar machen und ganz zer- stöhren werden. Schon im J. 1807. war die Brücke über den Oesbach an der Nordseite durch eine Lauine zerstört, und die Kutsche eines meiner Freunde, welcher aus Italien kam, mufste in dem Dorfe Simpeln auseinander gelegt und stückweise nach Brieg geschah werden, welches ihm für diese 6 Stunden 12 Karolin Unkosten verursachte, während er von Domo d’Ossola bis Simpeln hinauf für die Pferde 2 Carol. bezahlt batte. — Die neue Strafse beginnt bey Glis, % St. von Brieg , und geht über die Saltinebrücke, nach dem Dörfchen /I ied 1 St., durch einen Lerchenwald 7 2 St. lang, dann neben schrecklichen Abgründen vorbey bis zum ersten Felsengang (Galleriej 1 St. Von diesem 10 Schritt langen Felsenloch, über die 8° Schritt lange Kanterbrücke zu den einzelnen Hausern Persal y 2 St. wo man in dem Hause des Wegaufsehers freundliche Waatländer und Erfrischungen findet. Einige hundert Schritte von der Kanterbrücke sieht man noch die Hütten, welche die Franzosen unter General Be- thcncourt im J. 1800. bewohnten (s. weiter unten). Von Persal geht die Strafse in starken Krürumungcu und an schrecklichen Abgründen vorbey, über die Brücke des Oesbachs , St. weiter über die Brücke der Sa/- tine , (diese Gegenden sind am Meisten Lauiuen aus- gesetzt); dann gleich durch den zweyten Felsgang von 30 Schritt Länge, unter dem Kaltvr assergtetscher fort und neben 4 Wasserfällen , welche von diesem Gletscher hcrabstürzen und unter der Strafse herabrauschen; durch den dritten Felsgang von 50 Schritt Länge, und dann sogleich auf den höchsten Punkt des Passes, wo ein Stein aufgerichtet steht ; von Persal bis hieher 1 Sj/ t St. Von dem höchsten Punkte 1 j 2 St. herab erblickt man rechts unter sich das alte Hospital , und links die Grundlage des neuen. Hospitium für 15 Geistliche nach dem Muster des Klosters auf dem Grofsen Bernhard , und von hier über die Brücke des Senkelbaches am Senk nach dem Dorfe Simpeln 1 ^ 2 St., von Clir 8 St. entfernt. Von Simpeln an der Südseite hinab nach Domo d’Ossola, 6 Stunden, besteht der alte Weg, welcher an einigen Stellen auch durch Felsgänge lief, nicht mehr; es folgt also hier auch nur die Beschreibung des neuen Weges, welcher durchs Thal di Vedro weit merkwürdiger als an der Nordseite ist. Gleich hinter Simpeln geht es über die Brücke des Lorribachs , und bald nachher über die Brücke des Kronbachs , nach Im Gsteig (auch im Gutz') y 2 St., wo der Kronbach sich mit der Quirna (auch Lavina genannt), welche rechts aus einer Felsenenge aus dem Lavin -Gletscher hervorströmt, vereinigt, und die Ve- riola (oder Vedro und Diverio genannt) bilden, an deren Seite man bis 1 St. vor Domo d’Ossola bleibt. Von Im Gsteig nach Gunt oder Rüden , ein einzelnes 7-8 Stock hohes Wirthsbaus, von Stockaiper au» Brieg erbaut, i 1 j> St., durch eine enge Felsenkluft, wo sich die Strafse bald rechts bald links an dem Veriola-Ufer krümmt, über mehrere Brücken, durch den vierten Felsgang von 8°- Schritt Länge, und bey dem prächtigen Wasserfall des Alpirnhachs (Fiissiuone im italienischen) durch den fünften Felsgang von 20a Schritt Länge. Nahe bey Cant ( Gondo) der schöne Goldstaub führende Wasserfall des Baches , welcher aus der Kluft von fyrischbergen kommt, wo ein Goldbergwerk ist, und durch welche mau in das Saafsthal (ein Seitenthal des grofsen Vispach-Thals, welches sich mehrere Stunden unterhalb Brieg öffnet) gelangt. In dem Wirthshaus Gant mufsten, ehe die fahrbare Strafse angelegt war und alle Wöaren auf den Bücken von Pferden fortgeschafft wurden, öffters bey plötzlich einfallender gefährlicher Witterung hunderte von Saumrossen, bisweilen mehrere Tage verweilen. Yon Cant zu einer kleinen Kapelle St., wo die Grenze von TVallis und der deutschen Sprache ist. Das erste italienische Dorf ist St. Marco, dann Isella , wo die Reisenden von den Grenzzöllnern durchsucht werden; in der Höhe liegt Trasqueras. Durch den gräfslichen Felsenschlund der Yesellen nach Divedro, 2 St. von Cant. Divedro, 1782 F. übers Meer geniefst in dieser Felsenwüste einer fruchtbaren und heitern Lage und hat ein leidliches Wirthshaus. Von hier durchs wilde Thal di Vedro, über 2 Brücken, und durch einen sechsten Felsgang von 80 Schritt Länge nach Crevola 2 St.; seitwärts liegen die Dörfchen V*rzo und Murcantiuo. S I M P L O N. 260 Von Crevola über die 60 Schritt lange Veriolabrütke, ein Meisterstück, nach Domo d’Ossola* 1 St. Hier am Ausgange des Vedro - Thaies lieferten im J. 1487. die Walliser eine Schlacht gegen die Mailänder, und die Weiber von Domo nahmen für die von den Wallisern empfangnen Mifshandlungen an ihnen die wüthandste Rache. Von der schauderhaften Wildheit und Zerstöh- ruug des Thals Vedro von Crevola an, und von Di- vedro durch den Schlund der Yesellen sveiter hinauf bis Tm Gsteig läfst sich selbst kein schwaches Bild geben. Wenn auf viele Regentage stürmisches Wetter einfällt, so mufs man sich nicht gleich auf den Weg durchs Vedrothal und die Yesellen machen, weil man sonst Gefahr läuft, von herabfallenden Steinen getödtet zu werden. Als ich diese Felsschlünde durchreiste, traf ich sieben Kreutze an diesem Wege von wenigen Stunden, als Zeichen eben so viel unglücklicher Wandrer. Da das Thal sehr enge, und die meisten Felsen zgrschellt sind, so werden die obersten Felstrümmer , von Regen schlüpfrig gemacht , durch Sturtnstöfse bisweilen gleich einem Steinregen herabgeschleudert. Eben so giebt es ira Winter und Frühjahr ganze Wochen, wo diese Strafse der häufigen Schneestürze wegen sehr gefährlich ist. Neueste Kriegsgeschichte. Im May 1 799 * besetzten die Oesterrcicher den Simplon. Am 15. August Gelechte, in welchen die Franzosen die Oberhand behalten und den Simplon erobern. Am 22, September dringen die letztem unter Gen. Tiirreau nach Domo Mt, 'iS ■ 4t 1 4t lern dm öi- Di- Mi Ml Wulf fe ml iw ;A- «B ickli- 1®K- ita« 1 fati itidf 1- jjjfr ,v'f l' J P 1 SlMPLOM, 2ÖI i'Ossola herab, und nehmen dort die Österreichischen Verschanzungen weg. Wenige Tage nachher müfsen die Franzosen den Oesterreichern weichen , welche über den Simplon nach Brieg heiabdringen; dieses geschah zur seihen Zeit, als die Russen über den Gotthard vordrangen, und die Franzosen bey Zürich den Russen die grofse Schlacht lieferten. Den 4. October dringt Gen. Türreau wieder von Brieg aus auf den Simplon. Während des Marsches der Reserve-Armee über den Grofsen Bernhard unter dem Konsul Bonaparte wurden den 27. May x8oo. xooo Franzosen und Helvetier unter Gen. Bethencourt über den Simplon gesandt, um den Pafs der Yesellen und Domo d'Ossola cinzunehmeo. Schneestürze und Felssteine hatten eine Brücke weggerissen, und der Weg war in einer Breite von (jo Fufs durch einen schrecklichen Abgrund unterbrochen. Ein kühner Freywilliger erbot sich , folgendes Wagstück zu versuchen. Er trat in die Löcher der geraden Felswand, worin die Balken der Brücke gelegen hatten, und indem er seine Füfse von Loch zu Loch setzte, gelangte er glücklich auf die andre Seite. Das Sail, welches er mitgenommen hatte, wurde nun in Mannshöhe an den Fclseu gespannt; der Gen. Bethencourt war jetzt der erste, welcher, sich an den Strick hängend und die Füfse von Loch zu Loch setzend, den Abgrund überschritt, und nun folgten auf die nämliche Art 1000 Soldaten mit Waffen und Tornister beschwert. Zum Andenken dieser Kühnheit sind die Namen aller französischen und helvetischen Offiziere S i m r i, o n. 26a in den Felsen eingegrabcn worden. Fünf Hunde befanden sich bey diesem Bataillon; als der letzte Mann endlich hinüber gekommen war, so stürzten sich alle diese Hunde auf einmal in den Abgrund, drey wurden sogleich durch die wilde 1‘luth des Gletscherstroms fortgerissen; zwcy waren stark genug, um gegen den Strom zu kämpfen und an der andern Seite die steilen Wände nach dem Wege zu erklimmen, wo sie zer- schunden zu den Füfsen ihrer Herren wieder ankamen. Pfla n z e n. Die seltnen Alpenpflanzen des Simplons sind : Gentiana verna. Anemone apiifolia und baldensis, Hanunculus gla- cialis, Saxifraga petraea, Car ex curvula , sehr selten. Cherleria sedoides, Potcntilla grandißora. Aretia vita - liana, Sibbaldia procumbens, Centaurea phr.ygia. Filago leontopodium, Salix arenaria. F'eronica hellidioides. Son- chus alpinus hey Tun er nette, Achiilea moschata und nana. An der Südseite, besonders bey Divedro und Crevo la , wachsen viele Pflanzen der heilsen Länder, z. B. Cactus opuntia an Felsen zwischen Crevola und der Brücke; Phptolacca virginiana (?) in der INähe von Domo d’Ossola, Geognost. Thatsaclien. An der Nordseite des Simplons, von Brieg an bis an die /Cnnter-Brücke, streicht theils dichter, theils blättriger Urkalkstein mit Gneifs und specksteinartigem Gliinmerschielcr wechselnd; der Urkalkstein ist von Quarzadern durchzogen und bisweilen so reich an Glimmer, dafs er dem Gneifs gleicht. Hinter der Kanter- Brücke erscheint Urgyps, welcher mit Glimmerschiefer, der einen specksteinarti- gen Glanz hat, wechselt, liier war der entsetzliche Bergfall und die gefährliche Stelle bey dem alten Wege. Dieser Glimmerschiefer setzt nach im Grund. fort, erhält nach und nach in seinem Gemenge Quarz und etwas Feldspath, und geht bey eben genanntem Ort in bestimmten Gneifs über, der nach der Höhe weiter fortsetzt. Gauz auf der Höhe des Weges zeigt sich derber Granit. Der Urkalkstein, Gneifs, Urgvps und Glimmerschiefer, von Brieg an, streicht in fast senkrechten Schichten von NO. nach SW. Alle zahllosen Trümmer auf dem Rojsbodmer - Gletscher , die von den Hörnern des Flesch- Berges herabgestürzt sind, bestehen aus Gneifs; in dem Bache, der von diesem Gletscher abfiiefst , linden sich faustgrofse Granaten. Vor dem Dorfe Simplen Hornblendeschiefer mit Granaten. Der Bach Qnirna , oder Lavina, hey den Häusern am Gsteig, * 1 * St. vom Dorfe Simplen , wälzt aus S. her in seinem Bette viele Trümmer von Gneifse, Serpentin , Kalkstein , Hornstein , Hornblende , und schwarze Glimmerblätter von 2-3 Zoll Gröfse, an Quarz oder Gneifs sitzend. Von dem Bache Quirna. an herrscht an der Südseite des Simplons bis Domo d'Ussola Gneifs und adriger Granit, hin und wieder mit schönem weifsem salinischem Kalkstein und Gra- « natenfiihrendem Glimmerschiefer wechselnd , alles in Schichten, die sich nach S. unter einem W'inkel von 30-40 Grad senken (s. Domo d'Ossola'). Zwischen Im Gsteig und Gun-t siebt man eine Schicht weifsen Urkalkstein •; das letzte Felsenloch zwischen Divcdro 264 S I M P L O N. und Crevola geht durch Urkalkstein, und bey der Brücke von Crevola hat der Divcrio eine Schichte Urkalkstein durchfressen. Der Dolomit ist sehr häufig im Divedro- Thal. Der Granit ohnweit des unterirdischen Ganges vor dem Alpirnbach oder Frassinone enthält grofse Feldspathkrystallen und Adern. Oberhalb Gont, wo die Strafse etwas ebner wird , fällt neben dem Bach der schönste blaue Schörl derb und büschelweis in die Augen, und nicht weit davon ein schwärzlicher Gneifs mit schönen schwarzen Granaten, welche die Krystall- gestalt und die Eigenschaften der Hyacinthen haben. Aeufserst merkwürdig ist, dafs an der Südseite, von Rüden an, und ganz besonders in den schrecklichen Yesellen, zwischen Divedro und Crevola, die 2-5000 F. hohen Granitfelsen vom Fufs an in ungeheure Würfel zersprungen sind, die an vielen Stellen den täuschenden Anblick von Bastionen und Resten von Riesengebäuden geben, welche von Menschenhänden aufgethürmt zu seyn scheinen. Hie und da liegen diese Würfel ins Thal herabgestürzt, und geben das Bild der höchsten Zerstöhrung. Mineralogie. Nicht weit südlich von dem Wirthshause Rüden oder Gunt , an der Grenze des Wallis , hat, ehedem das in Brieg noch lebende Geschlecht Stockaiper auf Zryischbergen ein Goldbergwerk ausbeuten lassen. Das Gold fand sich in Schwe- elkiesen, welche in Quarz eingesprengt waren, genau so wie südwestlicher im Anzaska - Thal zu Pescerena im Fufse des Rosa , und nordöstlicher im Anligorio- Thal bey Crodo (s. Anzaska und Pommat). II. Maf- ßoli läfst seit einigen Jahren drey senkrechte Gänge bearbeiten, und hat auf der andern Seite des Flusses auch eine Grube öffnen lassen, weil er glaubt, dafs die I Gänge hinübersetzen. Der Bach, welcher von Zwisch- bergen kommt, und Gunt gegenüber einen schönen Wasserfall bildet, führt auch Goldsand. Sion, s. Sitten. S iss ach, grofses Dorf im Ergels-Thal oder Sifs- gau des K. Basel, von der Stadt Basel 1465. erkauft. Von hier führen Strafsen durch das Ilonberger -Thal über den Unter - Hauenstein nach Olten , und über die Schafmatt nach Aarau. SittBh (fr. Sion , lat. Civilas Sedunum), Hauptstadt von ganz Wallis. Wirthshäuser: Au Lion, und a la Croix blanche. Liegt au der rechten Seite der Rhone an dem Bache Sitten , der von den Gletschern des Gelten - Horns herabkömmt, in dem breitesten Theile des Rhone - Thaies nahe an den Hügeln, auf denen drey Schlösser liegen. Geschichte. Als die Römer znm erstenmal nach Helvetien eindrangen, mufste hier schon ein bedeutender Ort liegen, weil die liinwohner der ganzen Gegend nach demselben Seduni von den Römern genannt wurden. Die Seduner kämpften gegen die Römer unter Galba bey Martinach (s. diesen Art.), unterlagen, und kamen unter die Herrschaft Roms. Zu Sitten hatten die Römer feste Burgen. Im V. Jahrhundert wurden sie aus Sitten durch die Burgunder vertrieben. Altert liümer. Merkwürdigkeiten. Mehrere römische Alterthümer sind gefunden worden. Bey der grofsen Pforte der Kathedralkirche sieht man eine halb ausgelöschte Inschrift zu Ehren des Aagustus ,* in dem bischöflichen Pallaste befindet sich ebenfalls eine Inschrift, und noch andere, nebst römischen Münzen, giebt es in mehrern Sammlungen zu Sitten. — Diese Stadt ist der Sitz eines der ältesten Bisthümer in der Schweitz; denn das im IV. Jahrhundert zu Octodurum (Marti - nach) bestehende Bisthum wurde im VI. Jahrhundert hicher verlegt. In der letzten Hälfte des XIV. Jahrhunderts wurde Sitten mehreremal belagert, erobert und abgebrannt; Im XV. Jahrhundert mufste es wieder zwey Belagerungen aushalten. Ira J. 1788* branute die Stadt fast ganz ab, und 1799. wurde sie von den Franzosen mit Sturm eingenommen (s, die neueste Kriegsgeschichte unter dem Art. PJ'allis ). Die- drey Schlösser : Das niedrigste heilst Ma/oria*) (Mey erburgJ**) , die gewöhnliche Wohnung des Bischofs und der Versammlungsort des Landraths der Abgeordneten aller Gemeinden des TValliser- Landes im May und December. Das mittlere Schlots heifst Valeria , welches schon zur Bömcr- zeit befestigt gewesen seyn soll. Das höchste Schlofs *) Iu diesem Schlosse wurde der Bischof Just von Sillinen wegen seiner Anhänglichkeit an Frankreich, auf Ansliften Georg*s uf der ft'lue, und t5i 2. der Bischof Mathias Sinner gemazzet, und dadurch gezw ungen, aus ll allis zu Jltehen. **) Wurde, nachdem es abgebrannt war, vom Bischof jlihinn von Jiiednmtten 1 o.jy. wieder aufgebaut. S I T T E'N. 267 lieifst Tourbillon (Tiirbeln) , in -welchem die Bildnisse aller Bischöffe von dem J. 300. an zu sehen sind; bis ins XIII. Jahrhundert scheinen alle nach Gutdünken gemacht ; das Bildnifs des Bischoffs Mathias Sckinner , der in den Begebenheiten seiner Zeit eine so wichtige Rolle spielte (s. Arnen ), ist das merkwürdigste. Zwischen der Stadt und dem Sanetsch sieht man auf unzugänglichen Felsen die Reste der alten Schlösser Seon und Montorges ( Gerstenberg Zu Seon war es, wo der Freyherr Anton •von Thurn im J. 1375. seinen Oheim, LVitschard von Tavelli , seit 33 Jahren Bischof und allgemein geachtet, über die Felsen herabstürzen liefs, weil der Greis sich weigerte, einigen Ansprüchen desselben zu willfahren. Wegen dieses Veibrechens brachen die Walliser seine Schlösser zu Ayent, Gradez und Gestlenburg bey Raron, und jagten ihn aus dem Lande, nachdem er nebst vielen Grofsen von PT r allis , als Raron , Graf Rlandra , ein blutiges Treffen zwischen Sitten und St. Leonhard verloren hatte. Sein Freund, der mächtige Thiiring von Brandis im Simmen-Thale, fehdete hierauf die Walliser, fiel in ihr Land 1377., erlitt nicht allein eine gänzliche Niederlage, sondern wurde auch selbst erschlagen. Im J. 1417. wurde der Bischof PVilhelm von Raron (dessen Oheim LJ r it- schard von Raron , Landshauptmann, als das Haupt des mächtigsten Geschlechts in Wallis, so sehr den Unwil- *) Von diesem mächtigen Wallisischen Geschlecht war der GencraUieutenant Zurlauben in Zug, w-cloher am Hude des XVIII. Jahrhunderts starb, der letzte Spross?. er zßg 'S i T t K N. len seiner Mitbürger auf sieb gezogen hatte, dafs gemazzet ("geachtet) wurde, und nun durch Hülfe von Savoyen und Bern Wallis befehdete) im Schlosse Seyon, worin die Gemahlin, Kinder und Kostbarkeiten des fVitschard waren, belagert; und, nachdem ihm und den übrigen der freye Abzug gestattet worden war, verbrannten die Walliser Seon, Montorges, Majoria und Tourbillon.— Nahe bey Sitten fiel 147 5 ■ di® Schlacht zwischen den Savoyern und Wallisern vor, worin letztere siegten, und hierauf ganz Unter-Wallis eroberten ( s. Wallis'). Von öffentlichen Cebäuden und Anstalten sind in Sitten bemerkenswerth : einige Klöster, wovon das Kapuzinerkloster 1601. gegründet wurde; ein GyrSnasiutn in dem ehmaligen 1734. gestifteten Jesuiterhause; das Dohmstift mit 27 Kapitularen und Titular - Dohrnherren ; Ratbhaus ; Hospital; sechs Kirchen. Die Stadt Sitten ist zugleich Hauptort eines Zehnten von etlichen und dreyfsig Gemeinden, in welchem das Eringer begriffen ist, und dessen Regierung unter allen Zehnten im WAllis allein aristokratisch war bis 1798- (s. Wallis'). Die Stadt erwarb durch Kauf von dem J. 156..- 1603. die Herrschaften Bremis, Gradez und Chalens. — Herrliche Aussichten sind bey den drey ersten Schlössern, und angenehme Spaziergänge zwischen der Stadt und der Rhone , und jenseits des Flusses nach dem gegenüber liegenden schönen Berggelände, wo viele Sommer - Wohnungen stehen , und malerische Ansichten sind. — Sitten gegenüber ist in der Gemeinde Bremis eine Einsie- deley sehenswerth, die aus Kirche, Klostergebäude und Zellen besteht, welche im XVI. Jahrhundert in lebendigen Felsen eingehauen worden sind, anfänglich von Baarfüfsermönclien, jetzt nur von einem Einsiedler bewohnt. — Sitten schräg über nach O. öffnet sich das 12 Stunden lange und merkwürdige Eringer -Thal, aus welchem die Borgne heraustritt und zur Rhone eilt ( s. Eringer -Thal). — Bis zum J. 1798. erstreckte sich das obere oder freye Wallis bis an die Morgia nicht weit von Sitten, und da begann das Unter- oder < unterthänige Wallis. In Sitten wird französisch und deutsch gesprochen. — Die Hitze ist im Sommer hier entsetzlich; im Schatten steigt das Reaumür’sche Thermometer bis auf 24 °, der Sonne an den Felsen ausgesetzt auf 38 °, und bisweilen sogar auf 48 — Es giebt hier Kretins. Wege. Von Sitten nach Martinach 6 St. (s. diesen Art.)— Bergpfade führen von Sitten durch Aven, das Thal Cheville und über die Diablerets nach Bex (s. diesen Art.), über den Sanetsch ins Gsferg'-Thal, und über den Raxyl ins Lauenen — und Simmen - Thal im K. Bern. Von Sitten nach Siders 5% St. zuerst über den Liena- Bach welcher von Ravyl herabkömmt; hier befindet man sich der Oeffnung des Eringer— Thals gerade gegenüber, und links liegen in den Höhen der Gebirge Ayent und Lens. Durch St. Leonhard , über den Hügel la Plattere , auf dessen Höhe sehr malerische Aussichten sind , zurück nach dem Unter-Wallis, besonders aber die Rhone aufwärts. Das Thal ist mit kegelförmigen ITügelchen, zwischen denen sich die Rhone in vielen Armen durchschlängelt, besetzt. Auf jener Seite der Rhone sieht man Gradez , Respi und den Austritt der Usenz oder Navisanche aus dem Einfisch- Thal; links in den Gebirgen liegen Miesa und Ventona; nicht we^t von Siders geht man über den Mendiripi-Bach ( s. Siders )• Pf 1 a n z e n. In der Gegend von Sitten wachsen viele Pflanzen hcifser Länder, i) Bey Gonthey oder Gundis nahe bey Sitten: Alyssum incanum . Cheiranthus Bocconi . Anchusa angu* stifolia . Caucalis daucoidcs und latifolia; letztere nirgend* als hier. Scandix cerefolium, m S pivaea ßlipcndula. Artemisia vallesiaca , von hier an bis Lenk am Wege. Achill lea nobilis und andre. 2) Um Sitten : Punica granatum (Granatenbaum) bey dem Schlosse Valeria , Ephedra distachia beym Schlosse Tourbillon . Cenchrus raccmo- sus ; Tragopogon majus; Echinops sphaerocephalus (Kugeldistel). Artemisia abrotanum * Telephium imperati . Alle diese wachsen in der ganzen Schweitz ausschliefsend nur hier* Cactus opuntia ( S ta ch e lfe ige ) bey Sitten und St. Leonhard an den Felsen; nur hier und bey Lugano und Creola an der Südseite des Simplon . Antirrhinum cymbalaria . Sisymbrium tenuifolium beyra Schlofs Vale • ria . Sisjmbrium sophia, Spartium radiatum (Pfriemen). Coronilla minima, Medicago sativa (Luzerne). Euphor- bia falcata. Sempervivum arachnoideum , mit purpurri'ther Bliithc, beym Schlosse Tourbillon , Papavcr argemone . B* m Sitten. 271 pleurum junceum . Scorzonera laciniata , auf den Wegen. Hieracium statice/olium • Inula britannica, an feuchten Or* len, Achillea odorata , bey den Schlössern. Vicia lathyroi - des 9 auf den Hügeln Valeriana, rubra , bejm Schlosse Tourbillon» Stipa capillata (Pfriemengras). 3) Zvri* sehen Sitten^ Varonne und Sidersi Blitum capita* tum (Schininkbeerc) oberhalb Varonne ; nirgends als hier 9 im Z/vinen-Thal und im Veltlin • Centaurea crupina , Laetuca augustana 7 ausschliefsend nur hier, Pre- nanthes viminea , am Wege. Cistus fumana (Zistrose). Brassica eruca, und andere. An der Mittagsseite des Felsen Tourbillon wird Safran von den Einwohnern gebaut, Ueher de» Beichthum seltner Pllanzen wenige Stunden von Sitten s. den Art. F o u ly. Geognost. Thatsachen. Die Gegend von Sitten liegt in dem Urfelsgebilde, und nordwärts nicht fern von Sitten streicht das Flötz - Kalksteingebilde. Der Hügel des Schlosses Valeria besteht aus Gneifs mit mächtigen Quarzlagern, und der Hügel des Schlosses Tourbillon aus schwärzlichgrauem Urkalkstein, welcher auch am südlichen Fufs der Felsen nördlich Sitten streicht, und glimmerartiges Ansehn hat. Auf beyden Seiten des Thaies zeigt sich Gyps, auf der Südseite 2. St. von Sitten in dem £ringer-Thzl (s. diesen Art.), und hinter Sitten in dem Thälchen der Morgia , und zwischen Sitten und Siders an und auf dem Hügel ia Piatiere. Auf der Höhe desselben nahe am Wege geht dieser mit rothen Adern durchzogne herrliche körnige Gyps zu Tage, und streicht zwischen Glimmer und Thonschiefer in fast senkrechten Schichten von SW- S I X X Elf. 272 nach NO. Der Thonschiefer bedeckt sich f in der Nähe des Gypses mit Epsomsalz. Sitten gegenüber jenseits der Rhone, an dem Orte Chandoline , streicht eine 1-2 F. mächtige Schicht Kohlblende zwischen Alaun und Glimmerschiefer. Hier bricht auch eine Felsart, welche dem Glimmerschiefer nahe kommt, aber statt Glimmer Kohlenblende enthält, und welche H. Escher deswegen Kohlenblendeschiefer nennt. Die Kohlenblende wird von den Einwohnern für Steinkohle gehalten, als solche ausgebeutet und zum Kalkbrennen gebraucht ; sie brennt mit niedriger Flamme und ohne erdharzigen Geruch. Erklärung des Ursprungs der vielen Hü- gelchen im Rhone - und manchen andern Thälern. Die grofse Menge kegelförmiger Hügel von 50-40 F. Höhe mitten im Thal zwischen Sitten und Siäers , und von 150-200 F. Höhe zwischen Siders und Lenk sieht man in mehrern Thälern; z. B. in Grau- bündten zwischen Chur und Reichenau , und im Ränder-Thal. Sie bestehen aus Steintrümmern, grobem Kies und Sand, in grofser Unordnung über einander geschüttet. Dieser Gebirgsschutt füllt das ganze Rhone- Thal. Der Boden des Thaies war einst so hoch als diese Hügel. Wiederholte Anschwellungen der Rhone und ihre reifsende Wutli, bald hier bald dorthin im Thale stürzend, haben in der Richtung ihres Laufes von dem Thalgrunde vielen Schutt fortgeschwemmt, so dafs die kleinen Inseln zwischen ihren vielen Aermeu endlich als Hügel über das Thal hervorragten. Die Seiten dieser Hügel, welche dem Strom entgegenstehen, sind steil, abgerissen und kahl; die andern, welche stromabwärts liegen, sind gemach abhängend. Eben dasselbe gilt von dem Ursprünge solcher Hügel in andern Thälern. (S. den Art. Leuk über den Grund der so hohen Hügel zwischen Siders und Leuk). Soglio, im liregell - Thal (s. diesen Artikel). Sol rs, in Büudten ( s. Scharans). Solothurm, französ. Soleure (der Kanton), liegt zwischen der Aare und dem Jura , dehnt sich durch den Jura nordwärts nach dem ehmaligen Bisthum Basel (dem jetzigen Departement des Ober-Rheins) bis gegen die Festung Landskron , enthält 12-13 Q Meilen, auf welchen 45300 M. im J. 1803. wohnten, die alle, einige Gemeinden ausgenommen, katholisch sind. Aufser der Hauptstadt ist nur noch eine Stadt, Olten ; dagegen sind zehn Klöster und zwey Chorherrenstifter (wovon das Stift Clara Werra zu Schönenwerih vom Graf von Falkenstein schon in der Mitte des VII. Jahrhunderts gegründet war) und die Reste sehr vieler Burgen, ehmalige Stammsitze sehr mächtiger Geschlechter, als der Grafen von Falkenstein , Thierstein , Froburg u. s. w., in dem Gebiet des Kantons. Die Juragebirge in dem Kanton erheben sich ohngefähr 3000 F. über die Fläche der Aare , und üb. Meer ohngefähr 3-3500 F. Viehzucht und Ackerbau sind die Hauptbeschäftigungen der Einwohner; letztrer wird nach Verhältnifs in keinem Kanton der Schweitz so stark betrieben, wie hier. Auf dem Jura sind gute Sennereyen. Weinbau ist unbeträchtlich, Obstbau desto stärker. .Die 'Wiesenwäs- 274 S O L O T H U R«. serung und Mistbeliandlung sind vortreflicb. Es gieht in diesem Kanton eine eigne Art von Ochsen, welche sehr dicke Schwänze haben. Spinnereyen und Webe- reyen für leinene, wollene und baumwollene Zeuge, sind nicht unbedeutend. Uebcr die Geschichte des Kantons s. den folgenden Art. Geognost. Beschaffenheit. In den Gebirgen herrscht Kalkstein, s. hierüber den Art. Jura. Gj ps- lager sind bey dem Dorfe JSunigen an der Grenze des K. Basel; auch findet sich Eisenerz in Bohnen (s. Ba.llsta.lJ. In dem südwärts den Jurabergen liegenden Theile des K. Solothurn herrscht das Sandstein- und Mergelgebilde. Solothurn (die Stadt), französ. Soleitre , ital. Soletta. Wirthshäuser: Krone und Rothe Thurm. Liegt dicht an der Aare , und % St. vom Fufse des Jura. Der Gold - Bach fliefst durch die Stadt. Geschichte. Unter den zwölf helvetischen Städten, welche vor dem grofsen Zuge der Helvetier nach Gallien ( s. Genf) verbrannt wurden, soll eine Stadt Salathurn an der Stelle der jetzigen gewesen seyn. Nachdem die Römer ihre Herrschaft über Helvetien ausgedehnt hatten, stand hier Solodurum, welches zufolge der hier gefundnen Inschriften von vielen angesehnen Geschlechtern bewohnt wurde. Unter dem Kaiser Dio- cletian ward hier eine Festung angelegt, und nun Castrum Solodurum genannt, wovon sich noch Ueberreste vorfinden. In neuern Zeiten, und zuletzt noch im J. 1762. wurden häufig römische Münzen und andre Ali tcrthümer ausgegraben. Die Allemannen zerstörten den Ort. Des Münsters des H. Ursu.s wird schon im J. 869. gedacht, und soll es von der Gemahlin Pipins erbaut worden seyn, welches sehr viel Wahrscheinlichkeit hat; denn Pipin hielt sich oft zu Bipp hoch am Jura, wenige Stunden von Solothurn, auf, und diese ganze Landschaft hiel's in den JJ. 85°- un d 860. die Pipinsche Grafschaft (s. U'itiisbathJ. Seit dem IX. Jahrhundert hob sich Solothurn , nachdem die Könige von Burgund’ ans dem Geschlecht der Sträflingen ( s. Orbe; St. Maurice •, A lullinen, Spietz ) , ihren Sitz hieher verlegt hatten. Von hier beherrschte Rudolph II. im J. 892. sein weites Reich, und als er 915. Italien wieder verloren hatte, gehorchten ihm noch alle Völker, welche von Scliafhausen und Basel an, bis ins Thurgau und den Wallenstadter - See in ganz Helvetien bis in die hohen Alpen, in dem ganzen Jura bis an die Saone, und von da die Rhone hinab bis ans Mittelländische Meer wohnten. Die Burguudische Königin Bertha (s. Payerne) gründete 930. das Stift des H. Ursus. Nach der Erlöschung des Burgundischen Königsstamms der Sträflingen wurde der deutsche Kaiser Konrad König von Burgund ( s. Payerne und Genf ), und dieser hielt zu Solothurn im J. 1038. einen Reichstag, auf welchem sein Sohn Heinrich zum König von Burgund erwählt wurde, der als Kaiser Heinrich III. hier oft Reichstage und Ritterspiele hielt. Der Kaiser Lothar erklärte Solothurn für Reichsgut, und setzte es nebst der ganzen Landgrafschaft Burgund 1126. unter die Verwaltung des P& Si. ■ .• M. 276 Solothurn. Herzogs Konrad von Zähringen (s. Bern, Payerne). Nach Erlöschung des Zähringischen Hauses vereinigte Kaiser Friedrich II, die Stadt nebst Burgund wieder mit dem Reich. Während der allgemeinen Anarchie nach Friedrichs Tode erhob sich die Bürgerschaft zur Selbst- thätigkeit, machte um ihres Schutzes willen öftere Bundesverträge mit der Stadt Bern , haute Mauern um ihre Stadt, und führte die Zünfte ein. Der neue Kaiser Rudolph von Habsburg bestätigte alle ihre Freyheiten. Als sich Solothurn für den Kaiser Ludcwig von Baiern gegen den Kaiser Friedrich von Oesterreich erklärt hatte, so wurde es vom Herzog Leopold von Oesterreich 1313. mit eiucm Heere belagert, welches, durch den Edelmuth der Solothurner überwunden, mit ihnen Frieden machte 11 ). Im J. 1325. kaufte die Stadt von dem Graf von Bucheck das Erbliche der Schultheifsen- würde ab, und Pantaleon von Cebestrafs war der erste von der Bürgerschaft ernannte Schultlieifs. Im Laufe des XIV. Jahrhunderts wnrde sie von dem Grafen Ky- burg-Burgdorf sehr beunruhigt, am ro. November 1382. sogar eine Mordnacht versucht, aus welcher grofsen Gefahr sie sich rettete (s. Pt'itlisbach ), und von allen Vasallen des Habsburgischen Hauses befehdet, da sie den Eidgenossen in allen Kämpfen gegen Oesterreich Bey- *) Die Aare schwoll durch ungeheure Regengüsse plötzlich so an, dafs die Brücke voll Kriegsvolk weggerissen wurde. In diesem Augenblicke vergafsen die Solothurner alles, und eilten mit eigner Gefahr Zur Rettung der in den Fluten der Aare untergehenden Feinde. Sie retteten die meisten, erwärmten u.nd erquickten sie in der Stadt, Solothurn. 277 stand leistete, und mit vielen Kantonen Bündnisse schlofs. Als Bundsgenossen der Schweitzer fochten die Solothur- ner alle Schlachten derselben im XV. Jahrhundert, wofür ihre Stadt 1.48 t endlich als neunter Kanton in den eidgenössischen Staatsverein aufgenommen wurde (s. Stanz), Ihr ganzes Gebiet erwarb die Stadt durch Kauf von dem benachbarten Adel seit 1383 - 1466- Die Reformation verbreitete sich durch den ganzen Kanton. Nach dem für die Reformirten unglücklichen Religionskrieg brach 1533. in Solothurn offner Kampf zwischen den Partheyen aus; die Protestanten mufsten aus der Stadt weichen, und in 34 schon protestantischen Gemeinden ward der katholische Kirchendienst wieder mit Gewalt eingeführt. Die Verfassung war ganz aristokratisch , denn nur eine geringe Anzahl Geschlechter der Stadt war in ausschliefsendem Besitz der Regierung; alle übrigen Bewohner des Kantons und der Stadt waren Untertbanen. Die Landeinwohner kauften sich nach und nach von der Leibeigenschaft los, und die letzten sprach die Regierung 1785. davon frey. Der Bauern-Aufstand von 1653. war wie K. Bern , so auch hier fast allgemein. Solothurn wurde am 2. Merz 1798. von den Franzosen unter G. Schauenburg eingenommen (s. Aarau , Bern , TVaat , Lengnau, Fraubrunn), und sandten sie ins Lager des Herzogs zurück. Hierauf begehrte Leopold mit 3o vornehmen Rittern in die Stadt gelassen zu werden, um derselben ein Partner ( Fahne ) zu verehren, und Friede zu machen. Abt Hermann hat diese Begebenheit dramatisch behandelt unter dem Titel r Das befreite Solothurn, Berühmte Männer. Jacob , war Dichter im Mittelalter; er ahmte die Sittensprüche des Dionys Cato nach, und schrieb Flores moralium. — H. Foitel, Hauptmann des solothurnischen Regiments irn Dienst des Königs von Spanien begann in seiner Garnisonsstadt Tarragona eine Schule nach Pestalozzischer Elementar- Methode. Die aufserordentlichen Früchte seiner Bemühungen erregten die Aufmerksamkeit des Staatsministers und aller Grofsen des Landes dergestalt, dafs zu Madrid eine grofse Pestalozzische Anstalt auf Kosten des Königs gegründet, und H. Hauptmann Voitel an deren Spitze gestellt wurde. Aus allen Theilen des Reichs kamen Professoren, Aebte, Bischöffe und audere bedeutende Männer in die neue Schule, und lernten die Methode, während alle Pestalozzische. Schriften ins Spanische übersetzt, und aufs prachtvollste in der königlichen Druckerey herausgegeben wurden. Als der Friedensfürst die Anstalt im J. 1807. wieder aufhob, waren schon eine Menge Jünger aus derselben uach allen Gegenden des Reichs ausgegangen. Merkwürdigkeiten. Sehenswertlt sind: Die Kirche des FI. Ursus , von dem Baumeister Pisoni aus Locarno in den J.J. 1762. — 1772. erbaut, kostete 800,000 Gulden. Die Vorderseite gehört zu den schönsten und edelsten Stücktn der Baukunst in der Schweitz. ln der Kirche hängen einige Gemälde von Dominicas Corvi, Bey Abbrechung der alten Iviiche fand man viele römische Alterthümer. Der alle Clockenthurm mitten in der Stadt soll ein Werk der Römer seyn. — S O L O T1} V K N. I 279 Das Gefängnifs wegen seiner uachahmungswüidigcn Einrichtung sehenswerth, wo jeder Gefangne ohne Ketten und ähnliche abscheuliche Mittel auf die sicherste Art verwahrt wird ; Mangel an Luftzug ist der einzige Fehler darin. Der Rathsherr Sari gab den Plan zu diesem Gebäude. Das Spital ist vortreflich eingerichtet. Das PVaisenhaus und Findelhaus , Katharinenspital für Verunglückte; Zuchthaus; das Gymnasium in dem ehmaligen Jesuiter- Kollegium , der ehmalige Pallast der französischen Gesandten *); fünf Klöster und das Ursus- Stift; das Zeughaus, Das Ralkkaus , wo Gemälde hängen. Hie Bibliothek der Stadt besitzt 10,000 Bände; der Dohmherr Hermann ist der Stifter derselben, und blofs durch die Bemühung dieses thätigen Mannes war sie schon so angewachsen. — Sammlung aller Vcrstei- *) Seit dem ersten Bunde der Eidgenossenschaft mit Frankreich unter dem König Louis XI. im J. i 474 * entstanden zwischen beyden Staaten so nahe und durch die mit jedem Kanton einzeln abgeschlofsnc Kapitulationen über Stellung von Kriegsleuten so vielfache Verhältnisse, dafs fast von jener Zeit an ein französischer Gesandte ununterbrochen zu Solothurn wohnte, welcher von hier aus die Friedens* und Bundesgclder, die öffentlichen und heimlichen Jahrgehalte über alle Kantone ausspendete, und den hör listen Eiullufs auf Solothurn, Freyburg und alle katholischen Kantone ganz besonders ausübte (s. Ebels Schilderung der Gebirg/völker , II. Theil S. 255 — 268 ). Nach dem Anfänge der französischen Revolution wurde dem Gesandten der Aufenthalt zu Solothurn so unangenehm, dafs er 179t. nach Baden, später nach Basel zog, und nun seit dem Anfänge des XIX. Jahrhunderts zu Bern wohnt. 280 Solothurn. ■ nerungen , die sich in dem Jura des Kantons finden, bey H. WalLier. — Der Kanton Solothurn hält seit Jahrhunderten ein Regiment im Dienste Spaniens. Aufser dem Durchgangshandel von Basel nach Italien und dem Genfer- See und der östlichen Schweitz nach der Waat entbehrt Solothurn alles Gewerbes, welches Kunstfleifs und Fabriken hervorbringen, so wie auch jeder littera- risch-wissenschaftlichen Thätigkeit. Französische Sprache, Sitten, Geschmack und Gesellschaftston herrschten aus- schliefsend in den höhern Klassen, und deutsche Literatur und Bildung waren in dieser deutschen Schweitzerstadt durchaus fremd, wenigstens bis 1798. , Aussichten und Spaziergänge. Angenehme Spaziergänge und Aussichten sind: Auf den Wällen ; aufser der Stadt zwischen den Gärten; nach dem Schlosse Waldegg J 2 St., wo ein herrlicher Wald, treflicbe Aussichten uqd Schwefel-Bäder; nach dem Schlosse Rhinberg 1 St. und nach dem Landhause des H. Gugger , wo auf einer Anhöhe schöne Aussichten. Nach den Landhäusern Rittenberg und Bleikenberg in schöner Lage. Nach der romantisch gelegnen Ein- siedeley der H. Verena St. Durch den Weg des H. Breteuil, und auf dem alten Wege zurück; zu Ende des XVII. Jahrhunderts wurde sie von einem egypti- schen Eremiten angelegt. Nach dem Bade zu Attis- holz 1 St. Der Weissenste in. Der Stadt gegenüber, nach NW. liegt die Hasenmalt und der fVeissenstein , auf dessen Höhe sich die Sennhütte sehr deutlich zeigt. Di» Aussicht dort ist so aufserordentlich und einzig, dafs ich jeden Freund der Natur einladen mufs, die kleine Reise hinauf zu machen.. In 2-3 Stunden geht man von Solothurn zu Fufs bis an die Sennhütte ; man kann auch dahin bequem reiten, selbst fahren. Der Weg führt durch Oberdorf , und dann zu einem einzelnen Hause, am Fufse des Jura. Hier thcilt sich der Weg; links durch eine Schlucht gehts auf den Hinter- und rechts auf den Vorder - Weifsenstein; den letztem Weg nach den Tannen hinauf mufs man wählen, und ihn bis oben bey zwey kleinen Hütten verfolgen, wo man dann rechts zur Sennhütte hinaufsteigt. Wer hier die Nacht zubringen will, wie es geschehen mufs, wenn man bey Abend - und Morgenbeleuchtung das Alpengebirge sehen will, findet kein anderes Nachtlager als den Heuboden; und wer mehr als Brod, Milch, Käse ) und Butter essen will, mufs sich von Solothurn mit andern Nahrungsmitteln versehen. Bey der Sennhütte und aus den Fenstern des obern Zimmers geniefst man die Uebersicht über das hügelreiche, 14-16 St. breite Thal zwischen dem Alpen - und dem Jura - Gebirge ; die Ansicht der erhabnen Alpen von O. nach W. in einer Länge von 130-140 Stunden, und gerade südwärts in die Alpen hinein, von dem Weissenstein an gerechnet, gegen 30 Stunden. Man erblickt nämlich die Alpen von dem Tyrol an bis weit südwestlich hinter den Montblanc und in ihrer Tiefe bis zum Rosa , Cer- vin und Weifs- Hörnern, auf der Grenze von Piemont und Wallis- Dieses Schauspiel bey Aufgang, beson- ^ ' : »;;• • 2ga Solothurn. sonders aber bcy Niedergang der Sonne, ist zu aufser- ordentlich und einzig, als dafs man davon die schwächste Beschreibung geben könnte. Nirgends giebt es auf dem Jura einen ähnlichen Standpunkt zur ganzen Ansicht der Alpen. Man mufs aber zu dieser kleinen Reise das reinste und hellste Wetter -wählen. Ehe die Sonne über dem Gesichtskreis erschien, sähe ich den ]Montblanc (gegen 40 St. vorn TVeissenstein entfernt) unter den zahllosen Hörnern zuerst, und den zweyten nach ihm, das Finster- Aar - Horn (gegen 30 St. nordöstlicher als der Montblanc ) erglühen. In O. erkennt mau den Säntis im K. Appenzell sehr deutlich. Dem TI'eissenstein gegenüber liegt der Niesen; hinter diesem die Bliimlis - Alp ; hinter dieser die Alt - Eis und das Bietsch- Horn ; in der weitesten Tiefe die Hörner des Rosa , und etwas mehr westlich der nadelförmige Cer- vin. Zu den Füfsen glänzen die Murten -, Bieter - und Neuchate/er-See n, unzählige Dörfer, Oerter, Hügel und Berge. Von der Sennhütte führt ein Pfad in 1 St. auf die /lasenmatt , viel höher als der TJ'ciJsenstein. Man mufs den Hinter- eissenstein , wo auch eine Sennhütte steht, rechts, und die Strafse, welche von demselben durch erwähnte Schlucht führt, links behalten. Eine Viertelstunde unter dem Gipfel wird der Weg ziemlich steil und rauh. Auf dem Gipfel der Hasenmatt steht ein hölzernes Kreutz. Die Aussicht nach den Alpen ist die nämliche, wie auf dem TVeissenstein ; allein man sieht hier über alle Paralell- Ketten des Jura - Gebirges nach den Bergen des Elsafs und Burgunds. Von der Hasenmatt geht der Weg zurück bis an die sehr rauhe Stelle; hier wendet man sich links und steigt nach Lommisyt'y l ziemlich steil aber ohne Gefahr herab, und von da nach Solothurn, in 2 y? St. von der Hasenmatt. Wege. Von Solothurn nach Bern, 6 St. Nach Biel 5 St., durch das Dorf Lengnau ( s. diesen Art.). Nach Basel 12 St. durch JVitlisbach und Ballstall (s. diese Artikel). Nach Aarau durch Olten 8 St. ( s. Olten'). Nach Münster im Münster - Thal im ehmali- gen Bisthum Basel, ein Fufsweg über den VYeissenstein 6-7 St. Nach Büren , Aarberg und Murten auf die Heerstrafse nach Lausanne und Genf. Geognost. Beschaffenheit. Zwischen Solothurn und dem Jura liegen sehr viele Granit- und Gneifsblöcke, wovon die meisten ihre scharfen Seiten noch zeigen; die Einwohner haben die mehrsten zu Aufführung von trocknen Mauern um Gärten und Felder benutzt. Diese Urgebirgstrümmer liegen an dein Jura weiter westlich nach Lengnau und Biel zu , so wie auch nördlich nach JVitlisbach in grofser Menge (s. Witlisbach und Biel). Alle diese Trümmer sind aus den hohen Alpen hieher geflutet worden. Alle, welche am Jura , von der Gegend Solothurns an, westlich herab nach Biel , Neuchatel und Granson liegen, kommen aus den Ui felsalpen um den Grimsel , den Aar— Hörnern und Vieseher - Hörnern u. s. w. her (s. Niesen); alle hingegen, welche am Jura von der Gegend Solothurns nördlich nach LYitlisbach bis au die Klus liegen, kommen von den Urgebirgsfelsen Graubündtens um den Crispalt, dessen Nachbarn, und aus dem Kanton Uri ('s. Rigi). Die Granitarten von Solothurn nach Lengnau u. s. w. sind auch ganz verschieden von jenen bey Witlisbach. In Betref der Beschaffenheit des Jura s. man diesen Artikel. Sonde io, Haupt - Flecken des ganzen Veltlin. Wirthshaus : In der Post. Das Schlofs oberhalb dem Flecken war ehedem sehr bedeutend (s. Veltlin). Liegt sehr schön am Eingänge des Malenker - Thals, aus dem der Maller herausströmt. Dieses romantische Thal, welches zum Veltlin und zum Königreich Italien gehört, zieht in die Berninakette hinauf, spaltet sich zu Chiesa, Hauptort des ganzen Thaies (3 St. von Sondrioj in zwey Aerme, wovon rechts das Valle di Lanzada nach dem Pusklaverthal, links das Val Ma- lengo nach dem Muretto und Monte del Oro, wo aus einem L-iee der Maller entspringt, hinauf geht; zwey Nebenthäler sind 4 St. lang , und von prächtigen Gletschern umringt ( s. Bernina). Das Malengothal ist sehr bevölkert, dessen Einwohner (von italienischem Stamm) sich durch ihre Lebensart, Gewerbsthätigkeit und Wirthschaftlichkeit von allen übrigen Veltlinern sehr auszeichnen. Die zwar kleine aber stämmige und sehr milchreiche Rindviehart dieses Thaies wird weit umher sehr gesucht; jede Kuh soll während 9 Monaten täglich 50 leichte Pfund Milch geben. In dem Thal sind sehr grofse Talk- und Topfsteinbrüche, wo Gefässe aller Art wie bey Chiavenna gedreht werden. SONDRIO. 2g5 Künstler. Pietro Ligario , 1686. zu Sondrio gebohren, ist unter allen veltlinischen Malern der befste. Von ihm sieht man einige gute Stücke in der Hauptkirche , und sein letztes und befstes Altarblatt in der Kirche des Nonnenklosters, mehrere Gemälde in den Häusern der H. Vicari und Perigalli in Sondrio , bey letztem 3 Fresko- und 2 grofse Oelgemälde. Von ihm hängen auch Gemälde in den Kirchen der veltlinischen Orte Ardenn, Cidrasco und Morbegno; in der Hauptkirche des letztem Orts sind von Ligario das prächtige al Fresko-Gemälde des Gewölbes, und 2 Altarstücke, die Abnehmung vom Kreutz und die Ausgiejsung des heil. Geistes. Dieser Mann besafs überhaupt ein allgemeines Kunstgenie, und st. 1748.; seine zwey Söhne wurden auch Maler. — Paolo Camillo Landriani aus Ponte (am Wege von Sondrio nach Tiran) lebte im Anfang des XVII. Jahrhunderts; man sieht einige seiner Gemälde in Ponte und in der Mariakirche zu Galle- vaggia im Jacobsthal. — Francesco Piatti , in der Mitte des XVII. Jahrhunderts zu Teglio (am Wege von Sondrio nach Tiran ) gebohren, und wohnte meistens zu Mazzo , oberhalb Tiran gelegen. Man sieht im Veltlin, sowohl in Kirchen als Wohnhäusern, viele Gemälde von ihm. Eine Kleopatra von ihm ist in der Perigallischen Gallerte zu Delebio aufgestellt. Wege. Hinab nach Morbegno 6 St. (s. diesen Artikel). Aufwärts nach Tirana 6 St. durch den grossen und schönen Flecken Ponte , unterhalb welchem Schciuro liegt, wo sich das alpenreiche Pontaskerthal SONDRIO, 286 öffnet, durch Trescnda, Boalzo, über welchem Teglio auf einer reitzenden Anhöbe, in dessen Nahe bey den Trümmern eines Schlosses eine herrliche Uebersicht des Veltlins bis Morbegno , durch Villa, über den Poschiavo, dann über die Adda (s. Tirano ). Von Sondrio geht ein Weg durchs Malenker - Thal über den Muretto nach Casaggia im Bregell, und nach Seglio im Ober- Engadin ; aber nur im hohen Sommer gangbar. Pflanzen. Bey Teglio wird Cicer arietinum gebaut, und treflicher Wein gewonnen. Geognost. Thatsachen. Durch das Malengo- Tkal streichen unter andern Urfelsarten Urkalkstein wie im Hintergründe bey dem Wirthshaus al Bosco ein ganz tveifser und feiner Marmor , und herrliche Talkarten von aller Art. Sehr berühmt ist der Topfstein , welcher bey la Torre und Chiesa gebrochen und verarbeitet wird. Der Topfstein zu Chiesa ist grüner, dichter, schwerer und schwerspathreicher als der von Chiavenna, deswegen sind auch die daraus bereiteten Gefässe dicker und schwerer. Wo sich das Val Lan- zada und Malengo vereinigen, ist oberhalb der Strafse der sehenswerthe Bruch der feinen Talkschieferplatten , welche wie Erz tönen und für ganz Veltlin zu Dachplatten gebraucht werden. In diesen Talksteinbrüchen findet man feinen und langen Amianth , alle Abänderungen des Asbest , Bergleder , Bergkork u. s. w. (Ueber das Spinnen des Amianths s. Como ). Mineralogie. Im Malengothale brechen Knpfer- und Eisenkiese , und schwarzes glänzendes Braunstein- Speicher. 387 erz als kleine Zapten und ästige niedliche Zeichnungen» ln dem Pontaskerthal werden reiche Kupfererze , erst seit wenigen Jahren entdeckt, ausgeheutet. Villa gegenüber öffnet sich das Belvisothal, in welchen bey Apricä Kupfer- und Eisenkiese brechen. Sonceboz, das letzte Dorf in dem untern Theil des St. Jmer - Thals (s. diesen Art. und Biel). S o N v i x, s. Sumvic. Speicher, ein hübsches Dorf ixia K. Appenzell, an der Landstrafse zwischen St. Gallen und Trogen. Erste Schlacht der Appenzeller zur Erringung ihrer Freyheit. Man sehe den Gang der Begebenheiten unter dem Art. Kanton Appenzell. Eine Viertelstunde von Speicher, auf der Voglis -Eck , da, wo die damalige Landstrafse *) nach der Hohlen Gasse abwärts neigt, erfochten die Appenzeller ihren ersten Sieg. Das 5000 Mann starke Heer des Abts von St. Gallen zog am 15. May 1^05. in das Land der Appenzeller , denen der Priester sein tyrannisches Joch mit deft Schwerdt aufzwingen wollte. Diese, 2000 M. stark, unter der Anführung des Jakob Hartsch , erwarteten den Feind oben auf den Höhen der Hohlen Gasse , deren waldigte Seiten von 200 Glarnern und 300 Schwytzern besetzt waren, welche den Feind von den Seiten und von hinten angriffen, so wie er oben am Ausgange der Hohlen Gasse hervortrat, und di« *) Die jetzige Landstrafse läuft mehr auf der Höhe fort, aber seitwärts sieht man noch einige Spuren des Weges durch die Hohle Gasse. 2$3 Spie Tz. Appenzeller sich ihm entgegenwarfen. Die Befehlshaber, welche ihre üble Lage sahen, riefen, zurück , zurück, in der Absicht, um unterhalb der Höhlung eine bessere Stellung zu nehmen. Dieser Befehl wurde mifsverstanden, und man floh nach St. Gallen zu. Es blieben 600, unter denen die beyden Bürgermeister der Stadt St. Gallen waren. Die Appenzeller verloren nur acht Mann, und eroberten die Fahnen der Städte Jjindau , Buchhorn , Konstanz und Ueberlingen , und 600 Panzer. Aussichten, p'öglis - Eck ist wegen seiner Aussicht über den Boden - See bis nach Konstanz und über das Thurgau berühmt; es steht hier ein Wirths- haus, aus dessen Fenstern man die herrliche Aussicht geniefseu kann, während man sich an köstlichem Appenzeller-Honig labt. Wenige Stunden von Speicher liegen die Dörfer Rehe — Tobel und Haiden , welche durch ihre prachtvollen Aussichten über den ganzen Boden-See gleichfalls berühmt sind. Der bel’ste Standpunkt zu Rehe-Tobel ist an dem Ort Krähen & Halde, zu Haiden bey dem Pfarrhause. Mineralogie! Im Baschloch in der• Gemeinde Speicher, streicht ein Steinkohlenßötz , welches aber nicht ergiebig ist. Sri etz, Dorf und Schlofs am südlichen Ufer des Thuner - Sees im K. Bern ; geniefst eine sehr schöne Lage. Merkwürdigkeiten. Der gewaltige Thurm zu Spietz ist von Rudolph von Sträflingen , welcher sich / S P I E T Z. 289 gS8. zum König von Hoch-BurgnnJ aufwärf, welches Reich mit grofser Erweiterung seinem Geschlecht bis zu dessen Eflöschung im XI. Jahrhundert verblieb (s. St. Maurice , Orl/e , Solothurn ). Von ihm ist die Michaeliskirche in dem nicht weit von Spietz am Wege nach Thun liegenden Dorf Sträflingen , welches des Königs Rudolphs 1. Lieblingsaufenthalt gewesen scyn soll; Zu Spietz stand die Stammburg des berühmten um den Freystaat von Bern so hoch verdienten Geschlechts von Bubenberg , dessen letzte Sprossen, Sohn und Töchter , mit einer von Erlach und dessen Bruder verlobt, bey einer Spatzierfarth auf dem Thunersee, am ilochzeittage durch ein Ungewitter überfallen, in den Fluthen des Sees umkamen. Geognost. Thatsachen. Merkwürdig ist, dafs die Cypslager , welche aus der Landschaft Bex durch das Saanen- Land und Simmen- Thal nordöstlich fortziehen, hier zwischen Spietz und Leijsigen streichen. Bey Krattingen geht der Gyps zu Tage, und da findet man denselben Schwefel wie zu Sublin bey Bevieux und im Lauenen -Thal. Bey Leijsigen quellen schwefelhaltige Wasser, wie auf dem ganzen Zuge dieser Gypslager (s. Etivaz , Lauenen , Simmen— und Adel- « boden-Thal ). In der Gegend von Spietz heilst eins Felsenwand die Salzflue , und eine Quelle dabey der Salzbrunn , in welchem man aber jetzt wenigstens nichts Salziges bemerken kann. Aus einer andern Quelle am Thuner- See bereitet ein F.inwohner aus Darligen Glaubersalz (s. Bex und Leijsigen ). — Steinkohlenjlnti m i 9 - Splügen. * 9 ° in dem Kräftig- Graben ist eine Fortsetzung der Stein- kolen im Simmen - Tliale. Splügen frhät. Spliija , ohne Aeliren), das Doif in dem Rhein - JT'ald - Tliale, K. Bündten. W'irths- haus : PVetJses Kreutz. Es liegt ohngefähr 3000 F. übers Meer, und an den zwey Pässen, nämlich über den Splügen und den Bcrnhardino , nach Italien , wodurch cs sehr lebhaft wird. Es gehen wöchentlich 4 - 500 Saum - oder Lastpferde hier durch. Im Dorfe Splügen verfertigen einige Leute artige Sachen aus weifsem Marmor , welcher hier bricht., Ueber die Merkwürdigkeiten dieses Thaies sehe man R/tein- yvald - Thal. Wege. Ueber den Weg nach dem Dorf Hinter- Bhein, dem Bernhardino, und ins Schamser- Thal durch die Rofflen s. Rhein - TVald - Thal. Ueber den Pafs des Splügner- Berges nach Chiavenna s. den folgenden Artikel. Von dem Dorfe Splügen führt nordwestlich ein Bergpafs über den Calendari nis Sarnen-Thal, und über den Lochli- oder Walischer- Berg ins Tomilthal, ein Nebenthal des Valserlhals, und nordöstlich geht ein Pafs über den Vals er — Berg (Cuolrn de Val) 2 St. bis auf die Höhe, und hinab nach dem Hauptort des Valser - Thaies, Platz genannt, in 2 St.; diese Pässe sind auch für Pferde gangbar, werden aber nur des Sommers benutzt. Sr lüg en (der Berg) Speluga , Vrsiis , Colmcrt del Orso, in dem Alpenkamm von Graubüudten; bildet die Scheide zwischen dem nordischen und südlichen Himmel. Splügen. agi Weg über den Splügen. Ueber dieses Gebirge geht die betretenste Strafse aus Deutschland durch Graubündten nach Italien. Seit Kaiser Augu- stus soll eine Strafse über den Splügen gegangen seyn. Wenigstens will man auf die Spliigner- Strafse beziehen, was in Antonios Itinerarium von dem Wege von Curla bis Tarvesede und von hier bis Clavenua gesagt wird; es bleibt aber immer sehr ungewifs, ob dieser Weg über den Splügen gieng. Erst seit dem XIII. Jahrhundert ist der Pafs über den Splügen und Bern- hardino geöffnet und benutzt worden; denn vor dieser Zeit gieng die gewohnte Strafse über den Septimer und Lubmanier. Von dem Splügenpafs finden sich sichre Anzeigen erst seit dem J. 1473. Von Chur über den Splügen nach Chiavenna sind es 18 St., über den Septimer 21 St. Von dem Dorfe Splügen längs dem Hausle - Bach auf die Höhe des Splügen- Passes *), ohngefiihr 6170 Fufs übers Meer, zu dem dortigen Wirtbshause 5 St. Hier hängt ein* Glocke, welche bey starkem Schneegestöber geläutet wird, um den Reisenden die Richtung des Weges anzuzeigen, welches auch durch eingesteckte Stangen, Stazas genannt, geschieht. Der zu Zeiten vom Schneegestöber eigentlich gefährliche Weg geht von dem Wirthshause durch die schreckliche Kardinell **), welche den Schöl- *) Das Tombohorn, nahe am Splügen, ist zufolge II, Müllers Messungen 9795 F. iil’-crs Meer. **) Die Strafse durch die Kardinell wurde 1709. mit grofse» Kosten gebaut, Splügen. 292 lenen auf dein Gotthard an Schauerlichem nahe kömmt, neben der wülhenden Lira hin, nach lsola 2 St. Hier ist das Wirthshaus besser , wie auf dein Splügen. Dann geht es ins Jacobs— Thal durch Campodolcin *), Cieston nach St. Maria 2 St., und von hier bis Chia- •venna 1 St. Auf der Emmet - Alp liegt ein kleiner See, und von dem Splügen führt durchs kleine Emmet- Thal ein Pfad ins Averser- und Ferrera - Thal. — Die französische Reserve-Armee unter General Macdonald zog im J. rSoo. vom 27. November bis 1. Decera- ber über den Splügen und verlor durch Lauinen viele Leute und Pferde. Pflanzen. Daphne cneorum, am Wege. Rumex ( acetosa) maxirjia , auf schattigen Alpen. Feronica aphylla, bellidioides und saxatilis. Poa disticha. Primula integrifolia. Phjteuma Seheuchzeri. Centaurea rliapontica , an der Südseite. An- thcricum serotinum oben auf dem Splügen . Geognost. Beschaffenheit. Man sehe zuerst den Art. Rhein - Wald— Thal. An der Nordseite des Splügen herrscht Gneifs und Glimmerschiefer. Auf der Hohe, wo die Landstrafse darüber geht, sehr schöner weifser salinischer Marmor, der in Platten von ^ Zoll bricht, und zwischen Glimmerschiefer von SW. nach NO. streicht. > An der Südseite des Splügen Hornblende und Spuren von Serpentin; tiefer im Jakobs-Thd Unter den Dächern der Häuser zu Campodolcin nistet des Sommers der Alpenvogel ( Motacilla alpina) Flue- oder Felsenvogel genannt, gleich den Sperlingen. Stanz. 293 Granit iu schrecklicher Zertrümmerung. Dieselbe Zer- stöhrung der Granitfelsen siehet man im Plurser- und » Ferrera- Thal. Auf dem Splügen findet man sehr helle und auch braune Krystalle. Stafa, am östlichen Ufer des Zürcher- Sees, eines der schönsten und reichsten Dörfer der Schweitz. Wirthshäuser: Sonne , Krone und Röfsli. Ein unvergleichlicher Standpunkt am Ende des Hafendammes, wo Bänke stehen. Oberhalb Stafa liegt bey dem Wirthshause zur Krone das TVannen - Bad, welches wenig Schwefel führt. Dieses ■ Dorf war der Mittelpunkt von einer Volksbewegung im J. 1794., deren Folgen den bittersten Ilafs zwischen den Stadt— und den Seebewohnern erzeugte ( s. Zürcher-See). S t a o , s. Amstäg. Staua, s. ßivio, Stakz, Hauptoit von Nid - Ff'alden im K. Unterwalden ( s. diesen Art.) Wirthshäuser: Krone und Adler, Liegt in einem schönen, fruchtbaren und heitern Wäesentbale zwischen dem Stanzer - Berg und dem 2316 F. hohen Bürgen - Stock, gleich weit von den Seebuchten von Buochs und Stanzstad , 1 St. nämlich, entfernt. Merkwürdigkeiten. Stanz ist der Geburtsort des treflichen Bildhauers Christen , welcher dermalen in Basel wohnt. Sehenswerth sind: Das Eathhaus, wo eine Menge Bildnisse der Häupter des Freystaats hängen; das Zeughaus ; die Kirche, welche rrfit marmornen Säulen geziert ist. Nahe bey der Kirche 6teht die ag4 Stanz. Bildsäule des grofsen Helden Arnolds von TVinkeL riedt auf einer Säule ( s. dessen Heldenthat in dem Art. Sempach) , und nahe bey dem Flecken ist noch sein Wohnhaus zu sehen, welches jetzt dem Landammann Trachsler gehört. Das Panzerhemd , welches Arnold am Schlachttage von Sempach trug, wurde im Zeughause zu Stanz aufbewahrt. Das Heldpngeschlecht der W inkelriedt. Schon im J. 1240. erscheint ein Struth von LVinkel- riedt als Kriegsheld unter den Schweitzern, welche für den Kaiser in Italien die Guelfen besiegten. Arnolds Heldenthat bey Sempach im J. 1386. ist erwähnt. Im J. 1491. war ein FFinkelriedt Landammaun von Nidwalden. Der letzte dieses Geschlechts, Arnold von TYinkelriedt , fiel im Aprill 1523. in der Schlacht zu Bicocca unter den Schweitzern, welche für Frankreich nach Italien aufgebrochen waren (s. den Art, Unterwalden ). Geschichte. Zu Stanz hielten die Fädgenossen im J. 1481. eine Tagsatzung über die Theilung der Burgundischen Beute und über die Aufnahme der Städte Frey barg und Solothurn in den eidgenössischen Bund, welches die Städte Bern , Zürich und Luzern wollten, die Kantone Uri , Schwytz und Unterwalden durchaus verwarfen. Schon seit 2 Jahren war die daher rührende Erbitterung aufs höchste gestiegen. Von neuem ward hierüber in Stanz berathet. Schon waren drev Tage im heftigsten Unwillen verstrichen ; weder die Städte, noch die Wald - Kantone, wollten nachgeben. Stanz. 295 Endlich trennte man sieh mir flammendem Zorn ohne Abschied, und das Geschrey lief durch die Strafsen von Stanz: Was Oesterreich und Burgund nicht ,, vermocht , das sey nun gescheht1; der letzte Tag ,,der Eidgenossenschaft sey erschienen". Der Pfarrer Hermann Im Grund von Luzern rannte eiligst zu dem Bruder Claus ins Melchtlial 5 St. entfernt (s. Sarnen) und berichtete ihm die Schrcckensbothschaft. Der Greis erhob sich, und sprach: „ Sage den Bothen , , der Bruder Claus habe ihnen auch etwas vorzu- ,, bringen Der biedere Pfarrer kehrte eilend zurück, und kam an , als so eben die Bothen abreisen wollten. Wenige Stunden nachher langt Claus an. Eine Stimme des Himmels sprach aus ihm : In einer Stunde wurde alles ausgeglichen, Freyburg und Solothurn in den Bund aufgenommen und der' ganzen Eidgenossenschaft durch ein neues Grundgesetz, Stanzer - Nerkommnifs genannt, neue Festigkeit gegeben. Diefs war der 22. December i 48 r * (S. Sarnen Neue Geschichte. Als im J. 1798. fast die ganze Schweitz die von Frankreich vorgeschriebne Einheits-Verfassung angenommen hatte, von allen Kantonen, selbst von Ob- und Nidwalden , Abgeordnete in der National-Versammlung safsen, der neue Bürgereid überall, seihst von Obwalden geleistet war, weigerte sich dessen das Volk von Nidwalden hartnäkig, obgleich der., bischöfliche Anwald zu Luzern mehrern Geistlichen geschrieben hatte, dafs der Eid ohne Gefahr der Religion geleistet werden könnte, und dasselbe die 296 S T A N Z. Geistlichen in Obwalden und Schwytz bewiesen. Die Pfarrer Lüfsi und Kaplan Kaiser aus Stanz , und Pfarrer Käs/i aus Beggenried, welche sich des überwiegendsten Einflusses aufs Volk bemächtigt hatten, verhinderten jede Bemühung der helvetischen Beamten sowohl als der leidenschaftlosen Geistlichen und andrer Nidwalder, Ruhe zu erhalten und das äufserste Unglück abzuwenden. Nach einer im Kapuzinerkloster zu Slam im August geh ahnen Versammlung aller Geistlichen, wo hilfsi den Vorsitz führte, wurde der helvetische Unter-Statthalter bey einem Volksauflauf ins Gefängnifs gesetzt, und alle von der helvetischen P>egierung ver- ordneten Beamten legten freywillig oder gezwungen ihre Stellen nieder. Von nun an ' leitete hilfsi mit seinen 2 geistlichen Kollegen nebst dem hinzugekotnm- nen Kapuziner Paul Styger aus Schwytz (welcher aus Tyrol zurückkam) unumschränkt das Volk von Nidwalden. Das helvetische Direktorium wollte die drey Geistlichen, welche das trefliche Volk lrethörten, auf- heben lassen; es mifslang, und nun hatte ihre Wuth keine Grenzen. Obgleich ihre nächsten Nachbarn in Obwalden , Engelberg , Schwytz, Uri , nicht gemeine Sache mit Nidwalden machten, so stürzten sie doch das Volk in den höchsten Fanatismus an einer gehalt- nen Landsgemeinde, welche offnen Widerstand und Krieg beschlofs. Das helvetische Direktorium setzte den Nidwaldern noch ein Ziel, um von der Unglücksbahn zurückzukehren, und die Franzosen drohten, und schnitten ihm Zufuhr an Lebensmitteln ab. Alles ver- Stanz. 297 gebens. Am 3. September zogen die Franzosen, 12 bis 16,000 Manu stark, zu Wasser und zu Land von allen Seiten gegen das kleine Ländchen, wo nicht mehr als 2000 Bewaffnete 10 verschiedne Pässe vertheidigen mufsten. Unter diesen 2000 heldcnmüthigen Männern waren 200 Freywillige aus dem K. Schwytz , und 80 aus Selisberg im K. Uri , welche sich durch keine Grenzwachen aufhalten liefsen, zu ihren alten Bundesbrüdern iu der höchsten Gefahr zu eilen. Am 3. gien- gen von Hergiswyl drey Schifte Franzosen gegen Kirsilen ab, wo die Nidwalder , so wie zu Stanzstad , einige Stücke aufgeführt, und die See - Anfuhrten durch Pfähle und schwimmende Baumstämme verrammt hatten. Am 4 - 5 - 7 * und 8. September machten die Franzosen von den Seeseiten mit mehrern Schiffen Angriffe, um die wahre Lage der Nidwalder zu erforschen, wobey erstere schon viele Leute verlohren. Der allgemeine Angriff geschah den 9. mit Tagesanbruch. Aufser denen, welche von Obwalden aus eindrangen, giengen 33 grofse Schiffe voll Franzosen über den See auf 6 verschiedne Stellen los. Die Hauptangriffe und Gefechte geschahen am Fufs der Blumalp bey dem Kern- serwalde , St, Jacob , Ennenmoos , auf dem Drachenried , wo die Nidwalder hinter hohen Erdwällen und hernach von den Höhen der Seitengebirge, so wie im Rotzloch und andern Eingängen alle Angriffe der Franzosen abschlugen , bis andere von diesen um 2 Uhr Nachmittags, nach ncunständigem Kampf, über den Bürgenstock und über Grofs-Aecherly die tapfern Stanz. 2£)8 Enkel TVinkelrieds in Rücken nahmen, und nun diese in einzelnen Haufen gegen die von allen Seiten einbrechenden Feinde kämpfen mufsten. Männer, Weiber, Mädchen, Greise und Kinder fochten wie Verzweifelte; die fanatischen Priester aber, welche die Köpfe des mannhaften und heldenmüthigen Volkes erhitzt und sich an dessen Spitze gestellt hatten, waren geflohen, so wie die Schlacht begann. Ganz Nidwalden, Iler- giswyl und Engelberg ausgenommen , wurde am g. verbrannt, (die Einäscherung von Stanz verhinderte der französische Brigadechef Müller ), an diesen und den nächstfolgenden Tagen geplündert, und alle, die sich nicht hatten retten können, gemordet. In diesen Schreckenstagen wurde im Vaterlande der TVinkelriedle jede Greuelthat verübt. Der General , Graf von Schauenburg , war es, welcher die Franzosen befehligte, und seiner Nation dieses schändende Denkmal stiftete. Hier nur einige Züge des Heldenmuths unter so vielen. Bey der Kapelle PT'inkelriedts stritten und starben 18 der muntersten Jungfrauen neben einander. Nahe bey Stanz kämpften 45 Nidwalder gegen ein ganzes Bataillon Franzosen. Die Freywilligen aus Schwytz , ganz umringt, bahnten sich einen Weg mitten durch die Feinde und kehrten mit ihrem Panner, für deren Erhaltung viere sich freywillig dem Tode geopfert hatten , in ihren Kanton zurück. Bürdi von Emmatten focht gegen ein halbduzend Franzosen , und vertbei- digte sich schwer verwundet auf der Erde liegend bis zum letzten Athcmzug. Ein Greis verliefs sein Kran- kenbett und liefs sich die Waffen nachtragen, um auf dem Kampfplatze zu sterben. ln Stanz wurden G3 Weiber und Greise, welche sich in die Kirche geflüchtet hatten, ermordet, ln der Schlacht waren nur 100 Nidwalder gefallen; aber durch das fortgesetzte zerstreute Kämpfen und Morden kamen überhaupt 259 Männer, xoa Frauen und 25 Kinder um. Die Franzosen sollen einige tausend verlohren haben. Gegen 600 Häuserj Ställe, Speicher, Kirchen und Kapellen wurden ein Raub der Flammen, und der durch Brand und Raub veruisachte Schaden ist auf 1,498,606 Schweizer-Franken geschätzt worden *). Eben so hoch belief sich der durch Requisitionen und Einquartirungen während des Krieges von 1799-1800. erlittne Verlust. Ohne die thätigste Unterstützung von Beysteuren aus der ganzen Sshweitz , aus Deutschland, Dännemark und England, wären die Einwohuer ein Raub des Hungers , und ganz Nidwalden eine Wüste geworden. Das helvetische Direktorium stiftete in einem Theile ' *) S. Zschokke’s historische Denkwürdigkeiten der helveti- sehen Staatsumwälzung 1804, Winterthur. Den II. Kd. Seite 65 . u. s. \v. Der schreckliche Tag am fl. September des J. 1798* tu Unterwalden, von wirklichen Augenzeugen acht beschrieben >799. ohne Druckort, g. 80 Seiten. — Busingers Wort der Beherzigung an seine verunglückte Mitbürger, 1799. Basel. — Die Buinen von Unterwalden in 12 geätzten Blättern und einer Karte von J. U. Meyer, mit einem Text, 1800. — Die öffentliche Rechenschaft über die Verwendung der Steuern für Nidwalden siche im Republikaner. November, igoi. vom g. Blatt an. 300 Stanz. des Frauenklosters zu Stanz ein Waisenhaus, in welchem der Menschenfreund Pestalozzi mit 8° Waisenkindern die ersten Versuche seiner neuen Unterrichts- Methode anstclhe. Aber schon im Juni 1799. wurde er von den Franzosen , welche bey dem Vordringen der Oesterreicher und Russen ein Krankenspital in dem Kloster errichteten, verdrängt. Sp a t z i er gäng e und Aussichten. Schlofs W o 1 t'en s ch i e fs. Stanz ist von den lachendsten Wiesen und herrlichen Obst- und Nufsbäumen umgeben , zwischen denen es die lieblichsten Spatziergänge giebt. Der Weg nach Stanzstad ist des Abends besonders äufserst angenehm. Bey dem Kapuziner-Kloster und am Knyri ebenfalls reitzende Aussichten. Von Stanz auf den berühmten Rotz - Berg 1 St., wo ein Einsiedler zwischen den Ruinen des Schlosses Wolfenschiefs wohnt, dessen Eroberung am 1. Jenner 1508.. beym Ausbruch der Verschwörung der Stifter der Eidgenossenschaft unter der Geschichte des Anneli und Jageli allen Kindern in Unterrralden bekannt ist. Einer der Verschwornen wurde von seinem Mädchen in der Burg an einem Strick in dessen Kammer gezogen , uud dieser half schnell allen seinen Begleitern auf dieselbe Art hinauf. Sie bemächtigten »ich alsdann aller Personen und der Burg, und hielten sich still, bis am folgenden Morgen, nach listiger Einnahme des Schlosses Landenberg bey Sarnen , das Zeichen zum allgemeinen Aufstande gegeben wurde. Hier auf dieser Hohe dse Rotz - Berges, 900 F. über den See, ist eine vortrefliche Aussicht über den Luzerner- See und seine Buchten, nach dein Rigi, Pilatus u. s. w. — Eine Viertelstunde von Stanz , am Wege nach Buochs, ist bey Wyl der mit Bänken besetzte und von grofsen Linden beschattete Platz, wo das Volk von . Nid - hp'alden jährlich seine Landesversammlung hält. Am Fufs des Bürgen- Stocks, welchem das StRnzer - Thal sein mildes Klima verdankt, weil derselbe die Nordwinde abhält, ist bey dem Sommerhaus Bergli eine sehr schöne Aussicht , und mitten am Bürgen eine periodisch flie- fsende Quelle* W ege und Merkwürdigkeiten. Von Atanz nach Buochs r St. Vor dem J. 1798. stand links nahe an diesem Wege ein Landhaus auf einer Höhe, bey welchem unter herrlichen Bäumen eine hübsche Aussicht über das Thal ist. Nicht weit davon kömmt man nach Wyl an die Aa , welche auf den Surenen- Alpen entspringt, und durchs Engelberger - Thal strömt, (s. Buochs ).— Von Stanz ins Engelberger-Tlhsl bis an die Abtey 4 ^4 St. Zuerst durch Thalevryl nach Wolfenschiefs 1 St. Hier war ehmals der Stammsitz der Freyherren von Wolfenschiefs *), wovon einer, welcher als österreichischer Vogt auf dem Rotz-Berge safs, von Konrad Baumgarten zu Alzelen nahe bey Wolfenschiefs im J. 1307. erschlagen wurde, Weil er seine Frau verführen wollte. Nahe bey Wolfenschiefs stand 1 lumlingen , welches im J. 1375. durch ein Erd- *) Einige dieses Geschlechts standen nachher als würdige Laudaiumanne an der Spitze ihres Volks. 302 Stanz. beben zu Grunde gieng. Hinter Wolfenschiefs wird die Kluft immer enger und finstrer bis Grafenort i St., und von hier längs dem Aa- Bach zwischen den Seli- und Welli - Stöcken (welche über 6000 F. hoch sind), bis zum Kloster 2 St. (’s. Engelberg). — Bis Stanz-Stad 1 St. ( s. diesen Art.) — Nach Sarnen 3 St. Zuerst kömmt man an die Trümmer der am 9. September 1798. von den Franzosen eingeäscherten Kapelle des Arnold und Struth von EVinkelriedt. Der erstere ist bekannt genug (s. Sempach) ; der andere tödtete 1250t eine ungeheure Schlange (Lindwurm genannt) am Drachen - Riedt, und befreyte die Unterwald- ner von der Plage dieses Ungeheuers. Es war der nämliche Struth von LYinkelriedt , welcher ("wie schon oben erwähnt) im J. 1240. als Kriegsheld in Italien erscheint. Dann kömmt man nach fernen-Moos oder Ennenmoos , wo die Kapelle St. Jacob steht, welche im J. 1340. eingeweihet wurde. Von hier gehts durchs Drachen - Riedt, welches der Mehl - Bach durchfliefst, der sich durchs romantisch malerische Rotz - Loch in den Luzerner - See stürzt. Rechts steht der Rotz- Berg ; links der Felsen, wo man die Drachen - Höhle Zeigt, in welcher die ungeheure Schlange sich aufhielt. Wer das Rotz- Loch noch nicht gesehen hat, mufs von diesem Wege da hinabsteigen (s. Alpnach und Luzern f denn es verdient sicher den Besuch. Wenn man von da wieder zurückgekehrt ist, so wandert man durch den Tvern-Wald am Fufse der 4392 F» hohen Blum - Alp, durch das zerstreute Dorf Tf ’eijs - Oehrli / Stanz- Stad, 305 uach Kerns, 2 St. von Stanz, welches schon in Ob- Waiden liegt, und von hier nach Sarnen 1 St. In der Kirche zu Kerns hängen fünf schöne Altar - Blätter von TVUrsch (s. Buochs ), welche, nebst dem Gemälde auf dem Rathssaale zu Luzern , und einem andern in dem Rathssaale zu Sarnen (welches letztre ein von dem Bruder Niklaus von Flüe bewirkt seyn sollendes W ander zum Gegenstand hat) diesen Künstler in seinem Vaterlande verewigen. Geognoät. Beschaffenheit. Die Gebirge in dem Thale von Stanz bestehen aus Kalkstein ; schwarzer Marmor bricht nicht weit von Stanz. Im Rotz- Loch und bey St. Antoni sind schwefelhaltige Quellen, und bey llumlingen in der Nahe von T 7 -olfenschiefs war eine Salzquelle. aus welcher Salz gekocht wurde, die aber durch das Erdbeben von 1375. verloren gieng« Man s. hierüber den Art. Sarnen im Abschnitte: Geo- gnost. Beschaffenheit . s Stanz-Stad, am Ufer des Luzerner - Sees, in einer herrlichen Lage, wurde am g. September 1798. ganz eingeäschert. Der hier am See stehende Thuim ward wahrscheinlich zwischen 1260. und 1308. erbaut, und diente in damaliger Zeit zu einer Warte über den See und nach den jenseitigen Ufern, wo Oesterreich den Waldstädten Gefahren bereiten konnte. Am 15. November 1315., am Schlachttage bey Morgarten ( s. Egerif liefs Herzog Leopold hier durch Luzerner von der Seeseite einen Angriff machen, während der Graf von Strasberg vom Brünig Obiralden überfiel P K 3«4 Staub - Bach. ( s. Alpnach). Nachdem 400 Unterwaldner nach der gewonnenen Schlacht zu Morgarten zurückgekoinmen waren, wurden die gelandeten Luzerner bey Stanzstade zurückgeschlagen und in den See gesprengt. Hier eine herrliche Aussicht über die Mitte des Sees bis nach KiiJ'snacht , Alpnach und J-VinheL In der Nahe von Stanzstad liegt links das Rotz -Loch, rechts am Fufse des Bürgen das Dorf Kirsiten , gegenüber das Dorf llergiswyl und das einzelne Haus am Klausen; äufserst malerische und romantische Oerter, die eine Spazierfahrt auf dem See verdienen. Bey Hergiswyl sind Felsenkeller (’s. hierüber Luzern und Alpnach). Staub-Bach, einer der berühmtesten Wasserfälle der Schweitz ( s. Lauterbrunn). Steijs, Städtchen im K. Schafhausen. Wirth.s- häuser : Schwan und Krone. Liegt am rechten Ufer des Rheins , bey seinem Austritt-aus dem Zeller-See , in einer schönen Gegend* Geschichte. An dieser Stelle hatten die Römer eine F'estung, Ganodurum , welche von den Altemannen zerstört ward. Im VIII. Jahrhundert stand hier schon wieder ein beträchtlicher Flecken, welcher 966. vom Herzog Burkard von Schwaben mit Mauern umgeben wurde. Die Stadt hob sich besonders, seitdem im J* 1005. die Abtey des H. Georg zu Stein hieher verlegt wurde. Die Herrschaft über die Stadt erhielten die Herren von Hohenhlingen; ein sehr altes Geschlecht, dessen Stammsitz dicht bey Stein am linken Ufer lag. Nach manchen Verpfandungen verkauften in» J. 1457. die damaligen drey Brüder von Hohenklingtn alle ihre Rechte in der Stadt für 24,500 Gulden an dieselbe. Stein erwarb sich fast gänzliche Unabhängigkeit, erweiterte sein Gebiet durch Kauf, ordnete seine Regierung, schlofs i 459 - einen Bund mit den Städten Zürich und Schaf hausen , begab sich aber wegen grofser Bedrängnifs von dein benachbarten Adel im J. 1484. mit Vorbehalt seiner Freyheiten in den Schutz des K. Zürich , welchen cs zu seinem Herrn und Obern annahm. Wegen Ausdrücken im Huldigungseide und andern Verhältnissen entstanden öfters Streitigkeiten zwischen Zürich und Stein, welche 1783. mit Gewalt der Waffen beygelegt wurden. — Im J. 1799. gieng hier am 22. May der Vortrupp, und bey Paradies einige Stunden abwärts das ganze österreichische Heer unter dem Erzherzog Karl , über den Rhein, und drang in Helvetien ein ( s. Zürich). — Stein wurde bey der Bildung der neuen Verfassung dem K. Schaf hausen zugetheilt. Merkwürdigkeiten. Das Geschlecht Hohen- hlingen , auch Klingenberg genannt, hat einige Geschichtschreiber hervorgebracht. Heinrich von Klingenberg, Bischof zu Konstanz im J. 1294., schrieb die Geschichte der Grafen von Habsburg. Die Handschrift liegt in der Bibliothek zu Wien. Drey Johann von Klingenberg, wovon der eine in der Schlacht zu Näfels 1388- fiel, hinterliefsen Chroniken, wovon die Handschriften verloren zu seyn scheinen; denn man kennt sie nur aus angeführten Stellen in spätem Ge- 1 F. so 306 Steinen. Schichtsschreibern. — Auf der Höhe eines Hügels am linken Ufer des Rheins dicht bey Stein , liegt das alte Schlofs, Steiner-Klinge genannt, der ehmalige Stammsitz der von Hohcnhlingen , wo eine herrliche Aussicht ist. Nicht weit von Stein erhebt sich Hohentrrid (s. diesen Artikel^, und der wegen seiuer herrlichen I'iscliabdrücke und mannigfaltigen Versteinerungen aus ijein Thier- und Pflanzenreich so berühmte Oeninger- Schieferbrach ist i St. entfernt; über diesen Bruch und den Zeller- oder Unter-See sehe man Zelter-See, Wege. Von Stein nach Schafhausen 4 St.; alle Wochen gehen Postschilfe den Rhein hinab bey Dies- senhofen und Kloster Paradies vorbey (’s. Diessen - hofen uui Schafhausen). Von Stein nach Konstanz längs dem Zeller-See ein durch seine Aussichten ergötzender Weg (s. Zeller-See und Konstanz ). Steinen, Dorf im K. Schwytz, 1 St. von dem Hauptort und nicht weit von dem Lon r erzer-See. Weiner Stauffacher und Margaretha Her- lobig. Dieser Ort ist in der Geschichte der Schweitz merkwürdig, weil hier das edle Geschlecht der Stauffacher wohnte. Rudolph Stauffacher war im XIII. Jahrhundert lange Landaininann oder Haupt der freyeu Schvrytzer. Dessen Sohne Werner machte der tyrannische Vogt Gefs/er drohende Vorwürfe über das neue Haus, welches er sich ohne seine ErJaubnifs gcb3uet hatte. Als dessen Frau, Margaretha Herlobig, die Drohung des Landvogts vernahm, und ihres Mannes Bckümmcinifs darüber sah’, sprach sie zu ihm; Gu weifst, dafs menger frommer Mann in unser Land ob des Landvogts Vl'iiterey sich klagt , so zweifle nur nit , dafs viel biderbe L.andliit in Uri und Unterwalden auch das tyrannische Joch trucke. Drum wäre gut und von Nöthen , dafs üwer et lieh , die einander vertruwen diirftind , heimlich zu Rath zusammen giengind , und Nachgedenken hättind , wie ihr des muthwilligen Cewalts abkommen möchtind , und einander verheifsend byzustahn und by der Gerechtigkeit zu schirmen , so würd iich Gott ohn Zweifel nüt verlassen , und die Unbilligkeit helfen lammet t, so wir ihn von Herzen anrufend, Werner y Stauffacher folgte dem Rath seiner Frau, gieng nach Uri j vertraute sich dem Walther Fürst von Attinghausen , bey dem sioh Arnold an der Halden aus dem Melchthal verborgen hielt, dessen Vater der Tyrann Landenberg die Augen hatte ausstechen lassen *). Diese drey Männer hielten auf dem Grittli Zusammenkünfte, wo der heilige Bund, ihr Vaterland zu befreyen, beschworen wurde ( s. Luzernef - See , Altorf , Burgien, *) Laudenberg hatte um einer geringen Sache wil ei» dem Arnold , gewöhnlicher Aerni genannt, zur Strafe ein Gespann Ochsen nehmen lassen. "Wie dessen Vater Heinrich den Verlast bejammerte, antwortete des Vogtes Knecht: „Wenn die Bauern Brodt essen wollen, so kö nnen sie seihst den Pflug ziehen Aerni vermochte nicht, seinen Zorn zu händigen, schlug den Knecht, und hrach ihm einen Finger. Aus Furcht floh’ er nun zu seinem Verwandten Attinghausen nach Uri, und Landen - borg lief* aus Rache seinem alten Vater Heinrich die Augen ausstechen, und alles Eigfntlmm nehmen. Stanz , Sarnen , Küjsnacht , Egeri'), Auf der Stelle, wo das Haus Werner Stauffachers gestanden hatte, wurde im J. 1400. zu seinem Gedächmifs eine Kapelle gebaut, welche noch zu sehen ist. Das Geschlecht Stauffacher besteht nicht mehr in dem K. Schvrytz aber in dem K. Glarus zu Elm , dem höchst gelegnen Dorfe des Sernft - Thaies. Im J. igot* **) stand ein Stauffacher aus Elm als Hauptmann unter den helvetischen Truppen. — Zu Steinen stiftete Konrad Hefsi*) ein Dominikaner - Nonnenkloster im XIII. Jahrhundert, welches im XVII. Jahrhunden nach Schwytz verlegt wurde. STOct-llotii M ) im K. Bern, ein Felsen, der durch die Gestalt meines Gipfels auffiillc, und sehr weit gesehen wird. Er steht südlich von Thun und dem Thuner - See an der Nordseite des Simmen - Thaies, 1-2 St. von dessen Eingänge, und ist 4987 F. über den Thuner- See, 6767 F. übers Meer. Die Aussicht *) Die Nachkommen dieses Konrad liefst zeichneten sich in den Kriegsdiensten Frankreichs sehr aus, unter denen besonders Gabriel Hefsi, welcher von 1665. bis 1729., also 64 Jahre lang in allen Kriegen dieser Zeit focht, und zum Gcnerallieutenant cmporslieg. Dieses Geschlecht ist jetzt ausgestorben. **) licllic anu s Reise auf das Stock ■ Horn im J. 1536., und gedruckt im J. i555. zu Zürich in lateinischen Versen, war eine der ersten Alpenreisen. Der V. hiefs MüU ler, und war Pfarrer in Biel, — Benedikt Aretius Beschreibung des Niesen und Stock-Horn im J. 156t. zu Strasburg gedruckt, war botanisch, utid zu jener Zeit in Betreff der neu gefundnen Pflanzen wichtig. Su.MVice. 309 von seinem Gipfel ist aufserordentlich, fast die nämliche wie auf dem Niesen , mit dem Unterschiede, dafs man alle westlich vom Stock- Horn gelegnen Berge hier besser als auf dem Niesen , und auf lctzterm die Gebirge nach den hohen Alpen besser als auf dem Stock- Horn sieht. Der Weg auf das Stock - Horn geht von Thun nach dem Dorfe Stock am Fufse dieses Felsen ; von hier ersteigt man das Aelpi - Thal in 2-3 St., wo eine Sennhütte steht, und dann bis zum Gipfel 1 St. Der Weg ist hin und wieder sehr rauh und mühsam, besonders an einer Stelle, wo man über eine unter 50 0 eingesenkte Grashalde oberhalb einer senkrechten Felsenwand heraufsteigen mufs; hier stürzte ein hoffnungsvoller junger Mann, Dezi aus Thun , im I. 1791. herab, und verlor sein Leben. Ganz bequem und ohne alle Gefahr läfst sich das Stock-Horn von Erlenbacli im Simmen-Thale ersteigen. An seiner Südseite liegen zwey Seen. Er ist reich an Alpenpflanzen. Geognost. Beschaffenheit. Das Stock-Horn besteht aus Kalkstein mit Thon gemengt; daher geht er bisweilen in Mergelschiefer über. Sein Gipfel besteht aus reinem Kalkstein. Von ihm zieht sich an der Nordseite des Simmen - Thale9 eine Kalksteinkette nach SW., die man die Stock - Horn - Kette nennt, und die nördlichste Kette der nördlichen Kalkalpen ist, an welche sich das Nagelflue - und Sandsteingebilde anlegt. Sutpv, s. Motiers. Sumvice (rhät. Sumvic), ein grofses Dorf, im ' - j •: >,• ; ; 510 Sdmvixf.r-Thai. Vorder-Rheinthal des K. Bündten, im Hochgericht Ili- «entis, zwischen Trons und Disentis an der Landstrafse" Dieses Dorf besitzt das gröfste und wohlklingendste Geläute in ganz Graubündlen ; die grofste Glocke stimmt mit b, die andere mit c, die dritte mit dem d, und zwey kleinere mit der Terz und Octav. Der hier gebaute Waitzen wird für den befsten im K. Bündten geachtet. Gegenüber liegt Surhein und die Oeffnung des Sumvixer-Thals. S um v 1 xer-Th A l, im Vorder - Rheinthal des K. Bündten. In den alten Urkunden wird es Val Tenija , Tenijerthal, von den Einwohnern des Longnäzthales Val Tenij , des Dorfes Sumvic Val , und der benachbarten Gegenden Val Sumvic genannt. Merkwürdigkeiten. Dieses Thal öffnet sich bey Surhein, zu dem es pfarrgenössig ist, seitdem ( 1785 .) dieses Dorf eine eigne Ffarrey erhielt. Es war bisher gar nicht gehörig beschrieben. Dieses an Alptriften, Wiesen und Wäldern reiche Thal zieht 5 St. lang zwischen hohe mit Gletschern belastete Gebirge. Es läuft anfänglich gegen S,, spaltet sich am Ende der Alp Tenija in zwey Thäler, nämlich nach W. ins Thal Vijlots , und nach S. ins Thal Greina, welches sich am Ende westlich und westnördlich gegen den Me- delscr - Gletscher wendet. Der Thalbach entspringt hauptsächlich in dem grofsen Medelser- Gletscher , wird Rhein-Val genannt, und ergiefst sich bey Surhein in den Vorder - Rhein. Es gränzt an die Medelser -, Beilenzer - und Longnäzer - Thäler, ist viel fruchtbarer als das Medels - Thal, und würde eben so viele Einwohner ernähren können als jenes. Jetzt stehen nur sechs wohnbare Häuser und ztvey Kapellen in dem ganzen Thal; dagegen bewohnen es in desto gröfserer Menge Gemsen, Murmeltbiere und wildes Geflügel. Eine halbe Stunde von Surhein steht ein Badhaus und eine Kapelle, dem Geschlecht Kigar in Sumvic gehörig’ das Heilwasser soll 'Schwefel und Eisenocker enthalten, und dient vorzüglich gegen Hautausschläge. Man sieht in diesem Thale mehrere Wasserfälle, unter denen der Greiner- Bach, welcher von Stufe zu Stufe in die Tiele Fronca stürzt, der schönste ist, und prächtige Gletscher, welche von drey Seiten ins Thal hinabstarren. Zwischen den Nebenthälern Vijlots und Greina erhebt sich der Piz J^ial, von den Einwohnern des Dorfes Sumvic Piz Miedsdi genannt, weil er ihnen die Mittagsstunde anzeigt. Dies ist ein sehr hohes und spitziges Felshorn in der Mitte eines grofsen Cletschers, welcher eigentlich den östlichen Theil des grofsen Mc- delser - Gletschers ausmacht, und wäre von seiner Südseite aus Val Greina zu ersteigen, wobey man die Nacht in den Sennhütten von Monterag bliebe. Surenen-Alpen, eine Felsenkette zwischen den K. Uri und Unterwalden ( s. deren Gestalt im ersten Alpenabrifs des I. Theils), über welche ein Pafs aus Engelberg nach Altorf führt. Die Aussicht von der Höhe dieses Passes gegen den Seiten - Umrifs des Titlis ist sehr merkwürdig, und über das J?e«ylt-Thal nach den gröfstenheils vergletscherten Gebirgen zwischen Uri, S V R S E E. 3(2 Glarus und Biindten sehr ausgedehnt und mannigfaltig. Die Surenen bestehen aus Kalkstein mit Quarz und Thon gemengt, und lagern auf Gneifs ( s. Engelberg ). Sur. see, Städtchen im K. Luzern. Wirthshäuser: Sonne und Kreuz, Es wurde 1415. während der Acht des Herzogs Friedrich von Oesterreich von den Luzer- nern belagert, genommen und mit dem Kanton Luzern vereinigt. Merkwürdigkeiten, Sursee liegt an dem nordwestlichen Ende des Sur — oder Sempacher — Sees seht angenehm (s. Sempach). Man geniefst von hier sehr schöne Aussichten nach dem Rigi, Pilatus und den Gebirgen der K.K. Uri und Unterwalden , welche sich in dem See spiegeln. Eine kleine Viertelstunde von der Stadt, bey der Kapelle Maria-Zell , geniefst man einer besonders anmuthigen Aussicht. Die Sur Riefst hier aus dem grünen See, ernährt die gröfsten Krebse der Schweitz, durchfliefst das fruchtbare Sur-Thal, und fällt in der Nähe von Aarau in die Aare, Eine Stunde von Sursee südwestwärts liegt Biittis- Holz, und nahe dabey der Engländer - Hubel, unter welchem die Gebeine einer Abtheilung von 3000 M. des englischen Heeres des Grafen Ingelram von Coucy verscharrt sind, welcher im J. 1376. hier von den Einwohnern des Entlebucher - Thaies geschlagen wurde (s. Büren und Fraubrunn ). — Nicht weit westlich von Sursee liegt der kleine Mauen- See, in dessen Mitte das Schlofs Mauen auf einer Insel stand, und dessen Aus- fiufs in den Egolzweiler ~ See fällt« Nordwestlich, SURSEE. 313 1 St. von Sursee, ist das Knutrryler- Bad, das besuchteste im K. Luzern, Knutwy le r - B ad. Dieses Bad ist seit i486, im Gebrauch und befsten Ruf. Die Lage ist angenehm. Di« Sur windet sich in Krümmungen durchs Thal von grünen Hügeln umgeben, und nach SO. zeigen sich die beschneyten Gipfel der Alpen. Die Wiesen sind mit Viehheerden bedeckt. Das Badhaus ist geräumig und anständig; eine Pappel-Allee führt in ein Eichenwäldchen , und nahe dabey liegen die Dörfer Knultryl , Büren und Bringen. Auf der^Berghöhe von St. Erhard Ist eine weit ausgedehnte Aussicht über den K. Lu- zern und nach den Alpen, auf den romantischen / Mauen -See. Die Heilquelle enthält: 1) einen der Siegelerde ähnlichen Thon, wodurch das warme Wasser seifenartig wird; 2) kohlensaure Kalkerde ; 3) Eisenvitriol. Es wird zum Baden und Trinken gebraucht. Vorzüglich berühmt ist es in Hinsicht alter Rheumatismen, Lenden - und Hüftweh, Kontrakturen, gichtischen Zufällen, Lähmungen von Schärfen entstanden, der Scropheln, aller Krankheiten, welche aus Atonie des lymphatischen Systems entstehen; der Geschwüre, des * Sodbrennens. Gewöhnlich mufs mit Baden und Trinken bis zum Ausbruch eines Ausschlags fortgefahren werden *). — Johann harze , aus Sursee , Chorherr zu Schönenrrerth im K. Solothurn , war berühmter lateinischer Dichter. Er schrieb in Hexametern Episteln *) D. K. Ariten’s Beobachtungen der Heilkräfte der Bad- und Trinkquelle zu Knutwyl. Luzern 1793. 3«4 Süss, im Namen der alten Helden der Sehweit? über ihre Handlungen, die gelieferten Schlachten u. s. w. an die ersten Staatsmänner der Kantone, welche unter dem Titel : Heroum helvetiorum Epistolae. Friburg. 1657 erschienen. Wege. Von Sursee nach Luzern 5 St. Die Land- strafsen von Luzern nach Zofingen, Bern und Aarau gehen nicht weit von Sursee vorbey. Surselva-Thal, ist das Vorder-Rheinthal oder Oberland in Bündten. Das rhätische Surselva heifst ob dem Wald , und die Einwohner von Panatuz bedienen sich dieser Benennung mit Recht, weil wirklich ein grosser Wald von Wildhaus bey Flims bis Versam reicht. Süss, ein grofses und schönes Dorf im Unter- Engadin. Merkwürdigkeiten. Auf den Hügeln Caschin- nas, Petral und Castlatsch standen im XVI. Jahrhundert noch Reste alter Mauern von drey Burgen, von denen man jetzt nur noch auf dem ersten Hügel Ueber- bleibsel sieht. Im J. 1572. wurden auf diesen Hügeln Dolche, Pfeile, Schnallen, Schüsseln, Scheiben, Rüstungen, Streitäxte, noch andere römische TVaffen, und am Fufse der Hügel silberne und eherne Münzen aus den Zeiten Antonin.us Pius und Hadrians gefunden. Der Hügel und die Trümmer des Schlosses Caschinnas liegen am Fufs des Berges Boufialg. — Bey Siifs öffnet sich das Thal Fliola (auch Flöga-, Süser - und Sepia - Thal genannt), aus welchem der Susasba tritt und durch Siifs Riefst. Das Thal ist 4 St. laDg, und Süss. Im i. > 5 ’ i- 0 Ö 0& an P ick iw* ’fl- t- ffl iti- ft fr l* * * t* V fit + 5*5 spaltet sich in die Nebenthäler Flefs , weiches ans Ferraina-Thal im Prettigau, und Grielesch , welches an das Disma -Thal in Davos stöfst. Unterhalb dem Dorfe Siifs öffnet sich das Thal Sagliaints, und f 3 St. davon bey Lavin das Thal Lavinuoz , und gegenüber auf der südlichen Seite des Inn das kleine Thal Zez- *nina , wo Bären, Wölfe, Füchse, Luchse, Dachsen und Gemsen leben. An der Westseite von Lavin erhebt sich der ungeheure Piz LinarJ , an der Ostseite der Piz da Gonda , und gegenüber der Piz Mesdi. Der Linard ist der höchste Felsen im Engadin, und einer der höchsten in ganz Biindten ; man sieht ihn in den Ebnen Schwabens; im Anfänge des XVII. Jahrhunderts ist er von einem Geistlichen aus Lavin erstiegen worden. Alle Jahre stürzen vom Linard bey der Schneeschmelze viele Felsstücke auf die Alpweideu, und vom Gonda alljährlich Lauinen herab, welche die Strafse unsicher machen. Siifs treibt Salz- und Kornhandel mit Davos. Berühmte Männer. Siifs ist der Geburtsort des Ulrich Campei , des befsten Geschichtsschreibers Graubündtens , und ersten Reformators im Engadin. Er schrieb mit mehr Unbefangenheit als alle übrigen bündtnerschen Geschichtschreiber, und zugleich mit der klassischen Einfalt des Livius, iip Laufe des XVI. Jahrhunderts (s. Scamfs ).— Martin Planta , zu Siifs 1725. geboren, 1^4. Prediger in ifizers, war grolser Mathematiker und Physiker, Erfinder (1755.) der Scheiben-Elek- trisir-Maschine , veranlafste durch die helvetische Gesellschaft zu Schinznacb im J, 1766., dafs der nachher so berühmte Kaspar Lavater eine Sammlung Volkslieder (1767. in Zürich gedruckt) dichtete, welche bald von allen Schweitzern gesungen wurden, stiftete mit Doktor Abis aus Chur die erste ökonomische Gesellschaft in Biindten, und gründete (176t.) die erste allgemeine Erziehungsanstalt in diesem Lande. Planta legte seine Predigerstelle nieder, wiedmete sich ganz der Erziehung,' verlegte bald von Zizers seine Anstalt ins Schlofs Haldenstein, wo sie bis 1771., und dann im Schlosse JUarschlins bis 177a. blühte, in welchem Jahre der edle Mann starb. Diese Anstalt dauerte hier , und nachher in Reichenau bis beynahe ans Ende des XVIII, Jahrhunderts fort. (S. Planta , Beschreibung und Geschichte des Seminariums zu Haldenstein in den Verhandlungen der helvet. Gesellsch. zu Schinznach von den J. 1766-1770). * Wege. Das Engadin aufwärts nach Cernez St. (s. diesen Artikel). Abwärts nach Ardez 2 St., zuerst durch Lavin am Lavinutzi , der aus dem Lavi- nuotzer - Thal tobend durch Lavin stürzt. Von Lavin nach Guarda auf schöner Anhöhe 1 St. Hier ein gutes Wirthshaus bey dem Landammann Hartmann Köng. Zwischen Lavin und Guarda findet der Reisende in kleinen' Hütten Schutz gegen die Lauinen des Piz Gonda im Frühling und Winter. Nahe bey dem Dorfe Guarda öffnet sich das Thal Titoi , 2 St. lang, welches auf das Thal Sardasca im Prettigau stöfst, und in welches ein Theil des Fermunt-Gletschers herabstarrt. Gegenüber öffnet sich das Val Nuna und Sampuoir. Von Guarda nach Boscia % St., und nun % St. abwärts nach Ardez. (S. diesen Artikel). — In dem Suser - Thal liegt im Hintergründe das Joch l’Oymps , über welches ein Weg ius Ferraina- Thal des Pretti- gau fühlt, bis auf die Joch -Höhe 5 St. und von da herab nach Klosters 6 St. (s. Ferraina). Durch das Flöga - Thal geht ein stark besuchter Pafs über den Fluela - Berg, und durchs Nebenthal Grieletsch ins Dismathal und nach Davos (s. Davos). Geognost. und mineralog. Thatsachen. Am Piz Misdi streicht Urkalkstein, in welchem weifser Marmor bricht. Am Fufs desselben brechen Kupfererze; auch goldhaltige Kiese , auf welche im XVIII. Jahrhundert Bau-Versuche gemacht wurden. Suze, CSusa) Stadt in Piemont, am Fufs der Kottischen Alpen. Geschichte Wahrscheinlich gründeten hier Cel- ten oder Deutsche nach einem erfochtnen Siege den Ort Sieghus , woraus die Römer Seguvium , und die % Italiener durch Zusammenziehung der Sylben und verderbte Aussprache Susa, Sitze bildeten. Diese Stadt war der Sitz eines Königs Cottius am Ende der römischen Republik und Anfänge der römischen Kaiser, deren Freund v er war. Alle Thäler südwestlich und ostwärts der Alpen vom Mont Viso bis Cenis machten das Königreich des Cottius aus, und diese Alpen erhielten entweder von ihm den Namen Alpes Cottiae, oder der König von den Alpen seine Benennung. Cottius verbesserte die Strafse über den Mont Genevre; Wofür ihö die römischen Schriftsteller mis Lob überhäufe»-, blieb dem Kaiser Augustus ergeben, als nach Caesars Ermordung und während den bürgerlichen Kriegen Roms alle Alpenvölker das Joch der Römer abschüttelten, und erbaute dem Augustus 211 Ehren den prächtigen noch stehenden Triumphbogen zu Suz%, worauf die zwölf Alpenvölker genannt sind, welche Freunde der Römer blieben , während Augustus alle andern bekriegen und unterwerfen mufste (s. den Art, Alpen) *). Cotlius Bruder, Vitalis , diente unter Vitellius gegen die Gelen, wurde Praetor in einer Provinz Daciens , und an ihn ist die siebente Elegie Ovids itn IV. Buche gerichtet. Ihr Vater hiefs Domnus. Cottius Sohn, Cottius II. machte sich bey den Römern so beliebt, dafs Kaiser Claudius seine Staaten vergrös- serte und ihm den Königstitel erneuerte; aber nach dessen Tode wurde sein Reich unter Nero römische Provinz. Merkwürdig ist es, dafs dieser Cottius, und *) S. l’Arco antico di Susa descrilto e diseguato dall Archi- tetto Paolo Antonio Massozza Torino, 1750. Die Inschrift des Triumphbogens lautet: Imperat. Caesar. Augusto Divi F. Pontifiei. Maximo Tribunic. Potestat. XV. Imp. XIII. M. Julius Regis Dontni F. Cottius Pracfectus Civitalum Quae subscriptae sunt. Segoviorum. Seguginurnm. Belacoruui. Caturigum (in der Gegend von Embrun). IMedullorum (im Thal von Maurienne). Tebavionim. Adanatium. Savincatium. Eg- dinioruin Vcaniiniorum. Venicamoruni. Jcmerioruin. Vestubianorum. Uvadiatium, et civitates, quae sub eo Praefecto fucrunt. SUZE. 519 der Allobrogische Brandts und dessen Bruder (zur Zeit, als Hannibal über die Alpen zog), die einzigen Fürsten sind, welcher unter so vielen Alpenvölkern die Geschichte erwähnt. Nach dem Sturz des römischen Reichs entstand zu Suze im J. 575. ein Benediktiner- Äloster; die Stadt erhob sich, und wurde Sitz der Markgrafen von Susa , nach deren Erlöschung ihr • Land an das Haus Savoyen fiel. Merkwürdigkeiten, lieber die Coltiscken Alpen geschahen die merkwürdigsten Heercszüge zur Eroberung Italiens von den ältesten Zeiten bis auf die der Könige Frankreichs; der Zug des Königs Franz /. am Ende Octobers im J. 1515. über den Col d’Argen- 1 tiere (nahe bey dem Mont Visoj und durchs Sturathal hinab war eben so aufserordentlich als der Zug Han- nibals ( s. Guicciardini und Paulus Jovius Beschreibungen , und St. Simon Geschichte der Kriege in den Alpen , 1745)- Bey Suze öffnet sich das Thal Susa, welches nach dem Mont Genevre , und das Thal von Novalese ober Rochemelon, welches nach dem Mont Cenis führt. Im Susathal liegt Usseau, das römische Ocellum, dessen Caesar auf seinem Zuge nach Gallien erwähnt. — Bey Suze standen zwey Festungen St. Marie und la Brünette; die letztere, von Carl Ema- nuel III. König von Sardinien erbaut , beherrschte sowohl die Strafse ins Thal Rochemelon nach dem Cenis, als auch die Strafse ins Susa - Thal nach dem Genevre; diese Festungen wurden 1796. von den Fran- » zosen geschleift. — Die Thäler der Kottischeei Alpen wurden der Zufluchtsort der Albigenser , als sie im XI. Jahrhundert vor den Grausamkeiten der Katholiken aus dem Languedoc und Dauphine entwichen. XII. Jahrhundert nannten sie sich nach Pierre Faux aus Lyon (Petrus Waldus), welcher die Herrschaft der Piibste und ihrer Geistlichkeit stürzen, und die christliche Religion nach der H. Schrift hergestellt wissen wollte, Vaudoix , JValdenser , welche durch die Verfolgungen, die sie im XVII. Jahrhundert von den Königen Piemonts und Sardiniens erlitten, allgemein bekannt geworden sind. Man bemerkte diese Sekte erst im XIII. und XIV. Jahrhundert, und als sie sich bis zum XVII. Jahrhundert über mehrere Tliä* ler, z. B. von Lucerne, Pragellas, Perouse u. s. w. ausgebreitet hatten, so begann 1655. die grausamste Verfolgung, und erneuerte sich mehreremal fast bis ans Ende dieses Jahrhunderts. Dia Schweitz wurde von den verjagten Unglücklichen aus den Piemontesischen Thälern , und i685- auch noch von zahllosen Refor- mirten aus Frankreich , welche nach Aufhebung des Edikts von Nantes durch Louis XIV. jeder unerhörtesten Grausamkeit preis gegeben ihr Vaterland flohen, überschwemmt. Die reformirten Schypeitzer-Kantone trugen allein die ganze Last, so viele tausende Waldenser und Hugenotten viele Jahre laug zu ernähren, zu erhalten, und Reisegelder zu ihren Ansiedelungen in den protestantischen Ländern Deutschlands zu verschaffen. Auch hatten sich die erwähnten Kantone, durch die thätigsten Verwendungen aufserordent- S uz r. 321 lieber Gesandtschaften an den König von Sardinien in Betref der Waldenser, durch ihre Gesandte an alle protestantische Höfe Europa's , sowohl um sie zu Vorworten an den König von Sardinien , als auch zu Gehlunterstützungen für die unglücklichen Waldenser und Huguenotten in der Schrveitz , und zur Aufnahme in ihre Länder einzuladen, und durch ihre unerschöpfliche nie müde werdende Wohlthätigkeit *), ein wahres Verdienst um die Menschheit erworben und neben dem Ruhm des Heldensinns flein Schweitzernamen noch eine schönere Ehrensäule gesetzt. — Am Ende des XVIII. Jahrhunderts betrug die Zahl der Reformirten fehmalige Waldenser ) in jenen piemontesischen Thä- lern der Kottischen Alpen 16,500 Alenschen. Aus diesen Thälern war der berühmte Bayle und Johann Leger (s. dessen Histoire des eglises evangeliques des Vallees de Piemont^ gebürtig. Geognost. Th at Sachen. Bey dem Dorfe Bus- solin, ^2 St. von Suze, bricht grüner Marmor , welchen man für Verde antico hält. *) Die Staatskasse des einzigen Kanton Zürich verwandte zur Unterstützung aller dieser unglücklichen Flüchtigen aus Piemont und Frankreich von i 683 — i'sjo. über 425,000 Gulden, wobey alle Privatsteuren dieses Kantons nicht gerechnet sind ; und o'iels in einer Zeit, wo die Grenzen der Schwcitz zu ihrer Bewachung viel Kosten verursachten und die Thcurung grofs war. a 1 IV. 52a Tamina-Tha£. T. Tamiüa-Thal. S. Pfeffers. Tarakta i je - Thal, in Savoyen, im jetzigen Departement Montblanc, zwischen dem Aosta - und Maurienne-Thal, von der lsere durchströmt. Es erhielt seinen Namen von einem alten Orte Durantasia. Zu Zeit Caesar’s war es von den Centrones bewohnt. Hauptstadt des ganzen Thaies ist Moutiers , zur Rö- merzeit Forum Claudii. Im V. Jahrhundert wurde hier ein Bisthuin und ein Kloster gestiftet, aus dessen Namen Monasterium, durch Verkürzung Moutiers , entstand. Humbert 11 . Graf von Maurienne, bemächtigte sich dieses Thaies , indem er dem Bischof gegen einen Mächtigen des Landes im Schlosse Briancon zu Hülfe kam. Später wurde das Bisthum zum Erzbisthum erhoben, und einer der hiesigen Erzbischöfe im J. 1376. Pabst unter dem Namen lnnocenz V. — Das ganze Thal enthält 60,000 Einwohner, treibt starke Vieh - und Maulthierzucht, und hat viele Seitenthäler. Wege. Durch dieses Thal geht die Strafse von Chambery nach dem Kleinen Bernhard , einem der bequemsten Pässe im ganzen Alpengebirge, und vom Kleinen Bernhard durch Aosta nach Turin; zwischen Moutiers und dem Bernhard berührt man Ayme und Bellentre (zur Römerzeit Axima und Bergintrum) t. Kleinen Bernhard. Durch Seitenthäler führen Weg* über den Col de Bonhomme nach Chamouny- Thal, und über den Isarn , wo die lsere entspringt, ins Pierhon- lesieche fto/iSa-Thal, Tavätscher-Thal. 323 Geognost. und mineralog. Thatsachen. Durch das Thal Tarantaise streichen auf beyden Seiten der Isere mächtige Urhalkstein- und Urgypsschichten , und zwischen diesen in dem Felsen Arbonne (3 St. von Maurice) nahe an der Schneelinie eine Art Steinsalz , nämlich ein marraorähnliches Gestein, welches ^3 seines Gewichts vortreliiche« Salz enthält , nach Auslaugung desselben einem löcherigen Tuf gleicht und im XVII. Jahrhundert gebrochen, zerstampft und ausgelaugt wurde. Bey Salin, ^ St. von Montier«, und in der Gemeinde Sausse am linken Ufer der Tau- viere sprudeln Salzquellen. Die von Salin fliefst in ä Aermen, bat 2 J2 Grad Salzgehalt, 25 ° Wäime nach Reaumür und wird in Moutiers und Coniians gra- dirt und gesotten, wo jährlich 16-17000 Ct. Salz gewonnen werden. Diefs ist das einzige Satevrerk mitten in dem Urfelsgebilde nicht blofs des ganzen Alpengebirges, sondern aller Gebirge in Europa. Der Bach St. Foix, welcher auf den Gebirgen St. Foix entspringt, führt Goldblättchen (s. Aosta). Silberhaltige Bleyerze brechen zu Briancon, Saut, und Bonneval; am letztem Ort werden sie ausgebeutet, und diese Gruben heifsen gewöhnlich die Silbergruben von Pezay. Kupfererze bey Doucy, nicht weit von Moutiers. Tavatscher - Thal, der oberste Theil des Vorder- Rheinthals in Graubündten. Merkwürdigkeiten. Hauptort ist Sadrun, a St. von Disentis, und dann noch höher folgen Ruäras , Selva und Camot 5 St. Wenn der Reisende nicht k :V jl ■’Ü bis Disentis oder ins Ursernthal kommen kann, so mufs er in Selva bey dem H. Pfarrer seine Zuflucht nehmen. Ruäras ist der am höchsten gelegne Ort Bändlens auf der Südwestseite. Die Erndte fallt nicht eher als im September. Der Menschenschlag ist sehr bochgestaltet. Die Einwohner sprechen nur romanisch. In dem kleinen Dörfchen Cainot begannen im J. 1799. einige Männer den Aufstand gegen die Franzosen, welcher wie ein Gebirgsstrom herabwälzte und die Franzosen bis Chur zurückschlug (s. Disentis und Reichenau ). — Der Vorder - Rhein strömt aus diesem Thale nach Disentis. Seine drey Aerme vereinigen sich bey Camot. Der mittelste Arm kommt vom Badus , aus dessen auf der Ostseite hängendem Gletscher Bäche abfliefsen, welche sich in zwey kleine Seen: Lac de Toraa und Lac Palidulca sammeln; der Abflufs dieser Seen strömt über den Torna ins Tavätsclierthal herab und wird il Rhein de Camot genannt. Zu dem Toma- See (auch Trämli-Ste genannt), der kaum 300 Schritt lang ist, steigt man in 3^2 St. hinauf. Der zyyeyte Arm kommt aus dem Thal Cornäre , heifst il Rhein di Cornära , und entspringt dort am Gebirge la Sceina de la Reveca , dessen höchster Gipfel von den Tavät- schern Piz Alv (weifses Horn), von den Livinern Pon- tenera genannt wird. Der dritte Arm kommt aus dem Cämer- oder Kämerthal (von den Tavätschern blofs Val genannt) am Fufse des Crispalt. Bis zur Vereinigung mit dem Mittel-Rhein nimmt der Vorder- Rhei/i io Bäche auf (s. Disentis , Medelserthal und » * 1 « Oit »dit ehr di. & I- in- hi- itrn gad du, heil : h •sei ji »■ hritt rtrli !hi* int' ff i» $ Vf > id TavÄts cher-Tha l. 325 Lukmanier ). — Der Badu. r im Hintergründe des Thaies erhebt sich 9085 F. übers Meer. Vor Alters hiefs er Adas und gehört zu den Gebirgen, welche Adula genannt wurden. Die Einwohner von Urseren heifsen ihn Sixmadun, Seksmaduna. Die Cima del Badus und sein Gletscher sind von Chur aus sichtbar. Er ist von der Nord-, Süd- und Westseite zu ersteigen , und sein Gipfel gewährt eine der ausgedehntesten Aussichten über die zahllosen Felsenhörner der Alpen. Gegen N. erblickt man über die Schlucht Valjlauna den Rigi, östlicher den Crispalt, Piz Cocen, Rusein, die ganze Kette bis an den Säntis in Appenzell , gegen O. das ganze Vorder-Bheinthal , Chur u. s. w., nach SO. den Scopi auf dem Lukmanier , den prächtigen Medelser — Gletscher, den Piz Valrhein (s. Lugnez ), durch die Schlucht Sella das Livinenthal , nach SW- den Mont-Rosa und Montblanc ; nach W. alle Hörner des Gotthard , die Furka , das Finster- Aarhorn u. s. w. Von Camot und Selva kann man den Badus in einem Tag ersteigen und zurückkehlen. — Das Tavätscher- thal ist schrecklichen Lauineu ausg"esetzt. Im J. 174g. wurde das Dorf Ruäras von einer Lauine, welche in der Nacht von der Bergseite Malamusa des Crispalt herabstürzte, fast ganz zerstört, ob es gleich fast 2 St. vom Crispalt entfernt liegt. Von 100 Meusclien wurden nur 60 lebendig hervorgegrabea. In der Nacht des 13. Deccmbers 1808- donnerte eiue Lauine vom Ruenatsch auf Selva nieder, und tödtete 42 Menschen und 337 Stücke Vieh; nur 15 Menschen wurden gerettet. TAV ANNES. 5*6 Wege. Von Sedrun nach Disentis a St. _ Nach An-der - Matt ins Urscrnlhat 6% St. Dahin führen 3 Wege: i ) Nach Ruäras, über die Bergmatten Ciis- pausn, durchs Gämertbal, nach der Sennhütte Tiarms *), zum Obetalpsee u. s. w., oder z) nach Ruaras, Selva, Camot, über Surpeliks, Muganaras, nach dem Kreutz zwischen den Calmot und Nuigallas, herab nach dem Oberalpsee, (s. Andermatt'). Von Sadrun über den Crispalt nach Amstag im Reufsthale 7-8 St. (s. Am- stag, Disentis und Crispalt ). Geognost. Beschaffenheit. Das Tavätscher - thal liegt in dem Urfelsgebilde. An den Tomasen liegen sehr viele zertrümmerte Felsblocke; man findet hier und an andern Orten des Badus grofse Quarzstücke, Feldspath und krystallisirten Glimmer, Granaten, grofse Schorle, die schönsten und reinsten Bcrg- krystalle. Tavannes. S. Dachsfelden. Tells-Kapblle und Platte, s. Luzerner-See, Küjsnacht , Bürgten. Tkhiger-Thal, s. Sumvixer- Thal. Tee ms, Termin i—T hal, s. Lttkmanier und Medels. *j Crispausa heifst Ruhehügel. Die Berghohe zwischen Camot und dem Gämertkal wird Crestas (Kämme) ge* Rannt. Vom Gtimer -Thal zieht sich ein kleines Nebenthal bis zu den Marksteinen vom Oberalpthal in Urserz und heifst Pal de Tiarms ; südwärts ist der Felsen Cal* »not, nordwärts die Sennhütte Tiarms, oberhalb derseb Tessin, Tesin, Ticin, der Hauptflufs des K. Tessin (s. Gotthard ). Seine Quellen liegen auf dem Gotthard, im Bedretto- und Piorathal, und hauptsächlich im Bellenzerthal und zwar in dessen Hinter- thälern Kamadra und Skaradra. Der Bellenzer - Tesin vereinigt sich mit dem viel kleinern Tesin aus dem Livenenthal bey Abiasco (s. Poleggio) , geht durch Bellinzona dem Langensee zu, und fällt unter Pavia in den Po (s. Langensee und Sesto ). Tessin (der Kanton), liegt auf der Südseite des Alpenkamms , und begreift die ehmaligen ennetbirgi- schen oder italienischen Vogteyen der XU. alten Kantone der Schweitz, nämlich die Vogteyen von Riviera- Thal, Bellenzer - Thal, Mayn- oder Maggia - Thal, von Bellinzona , Locarno , Lugano , Mendrisio , und das dem K. Uri gehörige Livinenthal. Alle diese Landschaften errichteten seit dem Februar 1798- eigne Regierungen, wurden auf alle Art sogar zu Lugano und Mendrys mit Gewalt bearbeitet, sich mit der damals jnngen Cisalpinischen oder Mailändischen Republik zu vereinigen ; aber das ganze Volk erklärte sich in allen Gemeinden im Monat May für Helvetien, Im Anfänge bildete man aus allen diesen Landschaften 2 Kantone; aber seit dem J. 1802. nur einen der ben ein Kammartiger Felsen Pez de Tiarms oder Sceina de Tiarms, und ostwärts des Gämerthals ein kammartiger Felsen Seeina Val Juf, und der höchste Felsen Cresta “Ita , woraus Crispa alta und endlich Crispalt entstanden ist. 328 Tessin. jetzigen XIX. Kantone der Schweitz, wovon Bellinzona die Hauptstadt ist. Her Hauptstrotn , welcher diesen Kanton in seiner gröfsten Lange durchströmt ist der Tessin; und daher sein Name. — Dieser 55 | | Meilen grofse Kanton ist aufserordentlich gebirgig 1 besteht aus 25-30 grofsen und kleinen Thalern, besitzt einen so grofsen Reichthum an kostbaren Wäldern , geniefst ein so mildes Klima, so grofse Fruchtbarkeit des Bodens, wie keine Gegend in der ganzen Schweitz, und seine zahllosen Bliche und Seen sind unglaublich fischreich. Der Segen des Himmels ist über diesen Kanton ausgegossen; die reitzendste wie die erhabenste Natur umschlingen sich liier in den mannigfachsten Gestalten, und schaffen diesen südlichen Saum der hohen Alpen zu einem Paradiese um. Aber leider wird dieses herrliche Land nicht von glücklichen Menschen bewohnt. Einwohner. Nirgends unter den Bergvölkern der Schweitz findet man eine so ans Elend grenzende Ar- muth , eine solche Träglieit und einen so niedrigen Grad der Kultur, wie hier *). Die Männer verlassen *) Hier ist nicht die Rede von den Bewohnern der vier Städte des K. Tessins, wie sich von selbst versteht, sondern von den Völkern der Tliäler. ln den hohen Thätern. wo nur Gras wächst, also nur Viehzucht und Alpenwiilhs haft den Einwohner beschäftigt, herrscht weniger Elend , als in der Tiefe der südlicher liegenden Landschaften, deren Boden so üppig und reich wie nur ein Eidenstück in- Europa ist. Gerade hier aber sind die Menschen vor Elend abgezehrt, und in Lumpen. ihren vaterländischen Boden und treiben in Italien , Frankreich , Holland und Deutschland mancherlej kleine Gewerbe* *), und die Weiber, denen die Mühe für den Anbau des Landes, die SSrge fürs Vieh und für die Kinder obliegt, sind zu den elendesten Last- thieren herabgewürdigt. Der seufzende Ausruf dieser armen Unglücklichen : JYon ho niente nel mondo che mia povera pena! zerschneidet das Herz. — Nach einer von der Kantonal-Regierung im J. 1808. ange- stellten Volkszählung enthielt der Bezirk Mendrisio 9630, der Bezirk Lugano 29,141, Locarno 17,384«' Val Maggia 6016, Bellinzona 7970, Riviera 302t, Belienzerthal oder Blegno 6181 , Livinenthal 9699 Menschen, also der ganze Kanton Tessin 89 )° 6 i Einwohner **). Man zäjilt darin 5 Städte, unter denen Kein deutsches Schweitzerschwein, wie H. von Bonstet • ten sagt, würde in einige der hie.sigen Menschenwohnungen gehen. Aus Mangel der gewöhnlichsten Ackerge- räthe sieht man bisweilen mit einer Mistgabel den Boden umrühren, und ihre Karren haben noch die Plumpheit und die aus einem Stück Holz gehauenen Räder, wie vor einigen Jahrtausenden. Feuerspritzen fiudet man .nicht, und Damme gegen die Wuth der Ströme sieht man nirgends, u. s. w. *) Schon zur Zeit der römischen Republik unter Cicero’* Konsulat giengen die Einwohner aller dieser Bergthälcr bis nach Rom, um als Taglöhner bey Feldarbeiten, als Kramer, öffentliche Ausrufer, Flöten- und Trompetenblaser etwas zu gewinnen* So ist es noch jetzt, nur haben sich die Erwerhsarten geändert, welche unter den Artikeln die verschiednen Thäler betreffend genannt sind. * k ) Nach Schinz Beiträgen betrug im J. 1780. zufolge dun 55 ° T s s s i Lugano die gröfste ist, 19 Klöster und 6 Chorherren- Stifter. Die Einwohner des ganzen Kantons, das einzige Dorf Bosco im Maggia - Thal ausgenommen, gehören zu dem Menschenstamm Italiens . Körperbau, Hautfarbe, Gesichtsausdruck und Temperament zeigen auf den ersten Blick, so wie man die höchste Alpen« Scheidewand übersteigt, ein ganz andres Geschlecht, als auf der Nordseite; und die italienische Sprache*) spricht sogleich dessen Abkunft aus. Dieses Volk, voll der herrlichsten Anlagen, war bis 1798» aus Mangel an Unterricht und Bildung **), aus Mangel eines Verzeichnifs der Pfarrer, die Bevölkerung der Vogt eyRel linzona aus 9 i 5 o M.j die Bevölkerung aller italienischen Vogteyen wurde von allen schweitzerischen Geographen und Statistikern stets auf i 56 — 161,000 M, angesetzt ! ! Nur in den höchsten Thälern, welche an die Zentral- Kette stofsen, giebt es Wörter einer unbekannten Sprache; z. B. Kie , Haus* Trono, Donner. Tosa, Mädchen. Tschiauz, Unterrock, Hosen. Tsckiau - gcty Strümpfe. Tschiauzi , Schuhe. Tschia- }>uha y Kappe. FemhvoJ's , Erdbeer. Tschipa, Öberrock. Burgh, Schwein. Nyeft gelbe Rüben. Aspag, genug. Calende , der Anfang eines Monats u. s. w. Die Aussprache wechselt von Thal zu Thal, und n»an hört hier Tone, welche deutsche Kehlen nicht nachsprechen können. **) Aufser den Städten gab es fast keine Schulen ; und die Seminarien in Poleggio, Bellinzona, Lugano, Locarno und Ascona waren in den Händen der Mönche, wo alles klösterlich - schlolastisch getrieben wurde. In diesen Seminarien und zu Conto oder Mailand studirten alle Geistliche dieser Landschaften. Rechtsgelehrte und Aerit« Tessin. 331 Vaterlandes*^ (welches sowohl den Bürger zu unterstützen, mancherley Naturübel seines Landes zu bezwingen und die daiaus fliefsenden Quellen der Verarmung zu verstopfen , als auch durch öffentliche Anstalten die Entwickelung seiner Kinder der menschlichen Bestimmung gemäfs zu befördern sucht), auf der Kulturleiter des Erwerbs, des Kunstfleifses und der Moralität so sehr gesunken, dafs es hierin den übrigen Völkern der Schweitz, welche auch sonst in keiner Rücksicht von der Natur so begünstigt sind, nachstehen mufs. Vielleicht blühet jetzt diesem Volke nach Vereinigung aller bisher abgesonderten Landschaften in einen einzigen Kanton ein Vaterland auf, in welchem allen Menschenfreunden und edeln Bürgern die schönste Bahn zu einer wohlthätigen Wirksamkeit zum Befsten ihrer Mitbürger geöffnet ist. Schon läfst die Kantonal - Regierung seit einigen Jahren eine grofse Landstrafse von Lugano über den Mont Cenere durch die Bezirke Bellinzona, Riviera und Livinen bis nach Airolo, am südlichen Fufs des Gotthards, bauen. Der Papisrn herrschte studirten in Italien, erstere bisweilen auch in Freyburg im Breisgau. Für das weibliche Geschlecht gab es keine Schulen als einige Nonnenkloster, und diese nur für die Töchter der r^hern Klassen in den Städten. m * ) Die XII, souverainen Kantone der Schweitz liefseu die Landschaften dieses Kantons bevogten, zogen aus denselben keine Einkünfte, bekümmerten sich aber auch gar nicht um das Wohl oder W'ehe dieser Völker, deren althergebrachte Freyheiten unverletzt blieben, und eine Hauptursache waren, dafs keine neuen Einrichtungen und Anstalten getroffen und gegründet werden konnten. 33* Tessin. in diesen Landschaften bis im J. 1798. mit allen seinen schändlichen in den meisten andern katholischen Ländern unerhörten Misbräuchen *), und die Chikane zahlloser Rabulisten machte jedem Rechtschaffenen sein paradiesisches Land zur Hölle **). — Polenta und Kastanien sind das tägliche Nahrungsmittel des gröfsten* Theils der Einwohner. Die Kastanienwälder bedecken die Bergseiten aller Thäler bis 5-6 St. vor dem Alpenkamm, und deren trefliche Früchte vertreten hier die Stelle der Erdäpfel des deutschen Schweitzers. Wein und Getraide wird nicht so viel gebaut als verbraucht wird ; die Haupt - Kornmärkte für diesen Kanton sind Varese und Como. Alpen, Gletscher und Ueberschwemmun- gen. Die Bergweiden und Alpen dieses Kantons sind nicht so fruchtbar, wie jene auf der Nordseite, weil sie nicht durch die Schmelzwasser von Gletschern und Schneefeldern wie dort befeuchtet werden; denn aufser den wenigen Gletschern an der nördlichen Grenze des Kantons, am Gotthard ., Lukmanier und Muschel- Horn, findet man nirgends in dessen Gebirgen weder unvergängliches Eis noch Schnee. Das *) "Wenn Meuchelmörder in Klöstern und Kirchen Schutz und Zuflucht finden, wie dies noch am Ende des XY1II. Jahrhunderts in diesen Landschaften der Fall war, so darf man sich des Ausdrucks schändliche Misbräuche wohl bedienen. **) Die Reformation hatte in Locarno bedeutenden FufS ge- fafst, aber ihre Anhänger mufsten der katholischen regierenden Kantone wegen auswandern (s. Locarno). Tessin. 333 Rindvieh fet auch hier um die Hälfte kleiner als in der deutschen Schweitz, urn Lugano am kleinsten ; die gröfsten Kälber, welche hier den Schlächtern verkauft werden, wiegen nicht mehr als 40 Pf. Gemästete Ochsen von 6 Ctr. ist sehr viel. Die Farbe ist meistens *rothbraun, Nur in dem Ober-Livenen - Polenzer- und Maggia - Thal beschäftigen sich die Einwohner ausschliefsend mit Viehzucht und Alpenwirthschaft. (Man s. über den Landbau der südlichen Gegenden dieses Kantons die Art. Giornico , »Poleggio , Riviera , Bellinzona, Locarno , Lugano , Mendrisio und Maggia). Die wenigen Gletscher und Schneefelder dieses Kantons sind auch die Ursache, dafs die an dessen Grenze liegenden Seen nicht zur Zeit der gröfsten Sommerhitze anschwellen, wie die Seen in der deutschen Schweitz; aber dagegen sind hier die Regengüsse viel heftiger und überschüttender. Da alle Gebirge hier weit steiler und aneinander gedrängter sind, als an der Nordseite der Alpen, so werden diese Regengüsse dem Lande öfters entsetzlich gefährlich. Im J. 1566. brachen im September so fürchterliche Wasserflutlien über die Maggia- Onsernone und Centovalli - Tliäler, und über die Gegend von Locarno aus, dafs Hauser und Brücken weggerissen wurden, und viele Menschen umkamen. Aehnliche Ueberschwemtnungen verwüsteten das Mag— g'io-Thal im September der J.J. i 57 °» I 57 I > i 588 . und 1601. In der Landschaft Lugano rissen Wasser- Ruthen im J. 1571. viele hundert Häuser, Mühlen und Brücken weg, wobey eine Menge Menschen ihr Grab fanden. Itn Oktober u es i. ij 85 . Wurden alle Gebirgs- / 334 Tessin. ströme nach heftigen Südwinden und Regen so entsetz, lieh angeschwellt, dafs alle Thäler überschwemmt wurden , und der Langen - See 24 Ellen hoch stieg. Aus diesem Grunde giebt es auch in den hiesigen Thälern so hohe Brücken, wie man sonst nirgends in der Schweitz sieht. Die Regen in diesem Kanton erfolgen, immer bey Winden, welche die Alpen aufwärts blasen, so wie die den Alpen abwärts blasenden Winde gutes Wetter bringen. Auch erscheinen hier gewöhnlich die Donnerwetter gegen den Morgen , da sie hingegen in der deutschen Schweitz gegen Abend ausbrechen. T hie re. In dem K. Tessin leben Gemsen (die sich bisweilen mit Ziegen begatten, wovon die Frucht sehr schön und geschätzt ist, aber nach der ersten Generation wieder ins Ziegengeschlecht ausartet); Wölfe, Bären, weifse Hasen, Dachse, Lämmergeier, Goldadler, Urhahnen, Birk - Schnee- und Haselhüner, Schneppen, Fischottern, Vipern und Schlangen. Ausfuhr-Produkte. Die vorzüglichsten Erzeugnisse, welche nach Italien ausgeführt werden, bestehen In Käse, aufserordentlich viel Holz, Kohlen, Tere- binth, jungen Kälbern und Ziegen, sehr viel Fischen, Wild, Seide 11 ), Fellen, Topfstein, Marmor, Krystallen, geflochtnen Strohhüten, Trüffeln. Auch beschäftigt und ernährt der Frachthandel, welcher über den Gotthard *) Jährlich 60-80 Ballot, 2 - 3 oo,ooo Livres an Werth; in einigen Gegenden ist die gezogne Seide so vortreflich, dafs sie der mailändischen vorgezogen wird. Tessin. 335 und Lukmanier durch diesen Kanton nach Italien so lebhaft ist, sehr viele Einwohner. Berühmte Männer. Auf der Bahn der Wissenschaften hat sich kein Eingeborner dieser Landschaften ausgezeichnet; eben so wenig in der Kriegskunst, wenn man Simon Muralt im XIII. Jahihundert aus- uimmt ( s. Locarno). Dagegen haben sich viele als Maler, Baumeister und Bildhauer hervorgethan ( 8. Men - drisiOy Lugano , Locarno , Canobbio ). Geognost. Beschaffenheit. Dieser grofse, Kanton liegt ganz in den Uralpen, und nur an der äufsersten südlichen Grenze erheben sich Berge aus Flötz - Kalkstein und Kalksteinschiefer. Gneifs, adriger Granit, Glimmerschiefer, Urkalkstein und Gyps, Topfstein , Porphyr streichen durch diesen Kanton, deren Schichtung und Streichung sind in den Art. Airolo , Dazio , Giornico, Poleggio , Beilenz , Maggia-Thal , Bosco , Olivone, Lugano , Locarno , Langen-See angedeutet ; doch bleibt hier noch für den Geognosten ein weites Feld der Untersuchung offen. (Ueber die vor- treflichen Fossilien, welche hin und wieder gefunden werden, s. man Airolo und Dazio; und über manche Eigentümlichkeit der Felsen und Thäler dieses Kan- tons s. den Art. Locarno). Wenige Erze sind bisher in dem Gebiet des Kantons entdeckt. Pflanzen. In botanischer Hinsicht ist dieser Kanton noch wenig oder gar nicht bereist und durchsucht. Mehrere seltne Pflanzen sind unter den An. Mendri - rj'o, Lugano und Locarno bemerkt worden. t-..- - y, Tetf, noire, ein Felsen im Unter - Wallis , über welchen eine an schauderhaften Schönheiten reiche Strafse ins Valorsin - und Chamouny-Thnl führt (s .Valorsine). Teufe ek (TuffenJ, ein schönes Dorf in dem K. Heformirt - Appenzell, zwischen llerisau und Trogen ; von St. Gallen i y» St. entfernt. Liegt sehr angenehm in einer sonnigen, fruchtbaren und anmutuigen Gegend. Teuffen hat viele erfinderische Köpfe hervorgebracht; unter an#!ern den Johannes Gmünder , wel- ,cher Hemde und grofse Säcke ohne Naht webte, und es geniefst die Ehre, der Geburtsort eines ausgezeichnet mechanischen Genies zu seyn, nämlich des Ulrich Grubemans , dessen hölzerne Brücken zu Schaffhausen t TVettingen , Reichenau u. s. f. als wahre Kunstwerke ein halbes Jahrhunders bewundert worden sind * **) ). Werner von Teuffen ist unter den Minnesängern des XIII. Jahrhunderts bekannt.— Bey dem Kloster Wonnestein in der Gemeinde Teuffen bildet der Bach Roth einen schönen Wasseifall, der hohe Fall genannt. Thalwyl, ein Dorf am westlichen Ufer des Ziir- c/rer-Sees, geniefst einer herrlichen Lage (s. Zürcher-See ). Thonon, ehmalige Hauptstadt des Herzogthums Chablais in Savoyen* 11 ), am südlichen Lfer des Gen- fer- Sees, 6 St. von Genf. Die Aussicht von der Ter- *) S Ebels Schilderung der Gebirgsvolher, I. Theil. S. 338 — t)4. **) Diese ganze Landschaft hiefs zur Zeit der römischen Herrschaft Provincia equestris, später Ager Caballiacus , woraus Chablais entstanden ist. I Thonon. 337 rasse zu Thonon über die gröfste Breite des Sees ist berühmt (s. Genfer-See). Zwischen hier und Rolle beträgt die Breite 3^ St. — Eine halbe Stunde von der Stadt zu Marelaz quillt ein eisenhaltiges Mineralwasser, welches in 56 Unzen i 1 /* Gr. Eisen, 1 % Gr. Selenit und 7^4 Gr. Kalkerde enthält; diese Quelle ist also reicher an Eisentheilen, als die zu JEvian. Herzog Amadeus. Amadeus , erster Herzog von Savoyen und der FVaat , hatte 4 ° Jahre regiert, und war damals weit und breit der reichste Fürst von fester Macht. Im J. 1434. übergab er seinem Sohne Luderrig die Regierung, und zog sich nach einem Schlosse von sieben Thürmen, welches er neben einer Einsiedlerklause nahe bey Thonon, dessen Gegend er von Jugend liebte, erbaut und Ripaglia genannt hatte, nebst 6 sechzigjäh- Tigen Männern, welche Witwer waren, und sich in Kriegs- oder Staatsdiensten ausgezeichnet hatten, zurück. Erst 1630. wurde an die Stelle der Einsiedeley ein Karthäuscrkloster gebaut, welches mit dem alten siebentbürmigen angenehm abstach. Der gark von Ripaille war der gröfste am Genfer-Sec. Da sich Amadeus in seinen Schlofshallen, statt zu beten und zu fasten, sehr gütlich that, so wurde aus dem an- dare a Ripaglia, faire Ripaille (mit schlemmen gleichbedeutend j. Amadeus wurde so allgemein geehrt, dafs die Kirchenversammlung zu Basel ihn zum Pabst unter dem Namen Felix V. ernannte, wo er 1439. gekrönt wurde ( s. Basel). Im J. 1449. legte er die pabstlich* Würde wieder nieder, zog sich nach Ripaille zurück, ir. az 32 \ 553 Thun. verwaltete von liier das Bisthum Genf, und starb 1451. Sein Schlofs wurde 1 589 - von den Bernern belagert und genommen. Seit der Eroberung Savoyens durch die Franzosen im J. 1793* l st Ripaille an Privatpersonen verkauft worden. Wege. Von Thonon über die Dranse nach Evian 3 St. (s. diesen Artikel ). — Von hier führt ein Weg für Fufsgänger und Reuter durch Samoens, Six und Servoz nach Cliamouny in 15 St.; zu Pferde kann man die Reise in einem Tage zurücklegen. In Six findet man allenfalls Nachtlager (s. Genf und Servoz J.— Ueber Vacheresse, der Dranse nach aufwärts nach Notre Dame d’Abondance, Capelle und Chalet führt ein,Pfad ins Val de Lie im Unter-Wallis (siehe diesen Artikel). Thun, Stadt im K. Bern. Winhshäuser: Freyhof und TVeifse Kreuz. Liegt an der Aare , nicht weit von deren Ausflufs aus dem Thuner-See in einer angenehmen Gegend. Geschichte. Nachdem die Grafen von Thun - % ausgestorben waren, fiel es an das Haufs Kyburg. Graf Hartmann von Kyburg verwaltete im Anfänge des XIV, Jahrhunderts von Thun aus das ganze Oberland bis in die Hoclialpenj das Emmen- Thal bis Lands- hut und Burgdorf und viele Güter in Aargau. Zu dieser Zeit waren über 70 adeliche im Oberlande zerstreute Geschlechter Ausbürger von der Stadt Thun. Sein ältester Sohn Hartmann liefs nach des Vaters Tode seinen Bruder Eberhard , wie er ihn zu Landshut in seinem Hause besuchte, binden, und auf die Veste Bochefort bey Neuchatel gefangen legen. Der Herzog Leopold von Oesterreich entschied, dafs Hartmann Landesherr bleiben, und Eberhard auf der Burg zu Thun ■wohnen solle. Zur feyer der Versöhnung wurde nach Thun eine grofse Versammlung des Adels berufen. Nach der Mahlzeit sprach Hartmann solche beleidigende Worte über seinen Bruder, dafs einige Begleiter desselben zürn Schwerd griffen. In dem wilden Getümmel wurde auf der Burgtreppe Hartmann erschlagen, und sein Leichnam über die Mauern herabgestürzt; Graf Eberhard sandte (1523.) in dieser Verlegenheit an die Stadt Bern j versprach deren ewiger Bürger zu «eyn, und derselben einen Theil seiner Herrschtfften und das Lehnrecht über Thun zu übertragen, welche* angenommen wurde. Sein ältester Sohn Hartmann Verpfändete die Stadt Thun im J. 1375. an Bern , seit welcher Zeit sie eine Munizipalstadt des K. Bern war, bis sie nach 1798* die Hauptstadt eines eignen aus dem ganzen Oberlande bestehenden Kantons auf einige Zeit wurde. Ein zweyter Sohn, Bertold , Bischof von Strasburg, wurde die Ursache, dafs Karl IV. von Frankreich nicht deutscher Kaiser wurde. Merkwürdigkeiten. Bey dem Schlosse eine prächtige Aussicht über die ganze Landschaft und den See nach dem Oherlande oder den hohen Alpen, wo die Grindel -, Lauterbrunn -, Frutigen-, Ränder -, Adelboden - und Simmen - Thäler liegen. In der Nähe Jet Stadt ein schöner Spaziergang nach dem Schlosse Schn- 34 ® Thun. dau dicht am See, wo eine unbeschreiblich schöne und erhabne Aussicht, besonders bey Abendbeleuchtuug ('s. die Benennung mehrerer Felsen dieser Ansicht im folgenden Artikel). Eine Stunde von Thun eine schwefelhaltige Quelle. Wege. Nach Bern 6 St. Dahin geht wöchentlich viermal eine öffentliche Postkutsche, und ein - oder zweymal ein Postschiff auf der Aare , welches in 2 St. den Weg zurücklegt. Nach Unterseen und Brienz fahren von Thun wöchentlich zweymal, Montags und Freytags ein Postschiff, und Mitwochs und Sonnabends ein Marktschiff; kostet bis Brienz 10 Batzen. Ein eignes Schiff mit zwey Schiffleuten bis Neuhaus 4 St. kostet 2 1 [s Gulden. Von Thun geht ein Fufsweg nach Unterseen an der Nordseite des Sees längs dem Ufer und über den Beaten- Berg; ein andrer Weg für Reuter und Fufsgänger an der Südseite des Sees durch Spietz und Leifsingen. — Von Thun nach Müllinen 3 St. Dies ist die Strafse nach dem Cemmi, den Ränder -, Adelhoden -, Caster - und Kien - Thälern ( s. Müllineny. Nach VUimmis 2 St. Dies ist die Strafse nach dem Simmen-Thale (s. LVimmis und Simmen- Thal.). Nach den Bädern Blumenstein und Gurnigel an der Stockhorn -Kette wenige Stunden.— Von Thun gehen Wege nach Langnau und Tschangnau im Em- men -Thale; und der Weg ins Entlebucher -Thal führt durch Stäffisburg , Schwarzen-Eck , über Moorland und öde Gegenden; über den iSc/ta/Zen-Berg, der sich in 1 Stunde ersteigen läfst, auf welchem Sennhütten stehen und eine weite Aussicht ist; durch Tschang- jtau, und von hier herab nach Marbach , Eschlismatt r Schupfen u. s. w. (s. Entlebuch Pflanzen. Die Vanillengeruch duftende Alpenpflanze, welche nur in sehr hohen Berggegenden sich gefallt, das Satyrium nig- rum (schwarze Stendclkraut) steigt bis auf die Rofsweide bey Thun herab. ^ Thuher-See (im VII. Jahrhundert PVenden-See , Lacus Vandalicus genannt) liegt 1780 F. übers Meer, ist 4-5 St. lang, 1 St. breit, zwischen Leissingen und der Nase 120 Klaftern tief, und sehr fischreich. Der Aalbock ("Salmo marena) ist der köstlichste aller seiner Fische, und ist der nämliche Fisch wie die Fera des Genfer- Sees, wurde ehedem in der Gegend von Unterseen aufserordentlich häufig gefangen, ist aber, seitdem man die Kander in den See geleitet hat, sehr selten geworden.— Wenn man nicht sehr schnell rudern will, so sind zwey Schiffleute hinreichend (s. Thun). Ansichten und Merkwürdigkeiten an dem See. Das ganze nördliche Ufer ist mit Gebirgen besetzt; die Hälfte der südlichen Ufer ist flach. Wenn man aus der Aar von Thun in den See einfährt, so sieht man rechts das Schlofs Schadau , Zeinigen ) Spietz t hinter denselben südwärts den Niesen in seiner ganzen Schönheit; ain Fufs desselben das Schlofs FVimmis , wo der Eingang ins Simmen-Thal ist; westlicher die Sinimen - Flue , das Stock - Horn und dessen Gebirgskette; noch westlicher den Längen -Berg, wel- eher nach Bern herabzieht; vor Zeinigen den Einflufs der wilden Kander in den See, und nahe dabey die Reste des Schlosses Sträflingen (s. Mül/inen und Spielz ), Links oder südöstlich des Niesen liegt der Eingang ins Kander- Thal, und ein herrlicher fruchtbarer Hügel, auf welchem man Aeschi , und an dessen Fufs Faulensee , Kratingen und Leissingen sieht. Leber diese Berge stufen die Alpen immer höher, und himmelwärts glänzen das Jungfrau- Horn, der Mönch , die Eiger, die Blümlis -Alp oder Frau u. s. w. Ani nördlichen Ufer zeigen sich die Döifer Hilterfingen , Oberhofen , Ganten am Fufs des Blum- Bergs, Sigriswyl und Ralligen an der Ballig - Flue, Merlingen am Eingänge ins Ueschis- oder /«sfz\t-Thal zwischen der Rollig - und FFand- Flue. Das ehmalige Städtchen Ralligen ist durch einen Bergfall von der Rallig -Flue verschüttet worden, nur einige Mauern sind noch davon vorhanden; die Zeit dieses Ereignisses weifs man nicht. Nahe dabey macht der ÄSa/n/n-Bach einen Wasserfall. Am See bey Gunten, Ralligen und Merlingen wächst Wein, und hin und wieder einige zahme Kastanienbäume. Merlingen gegenüber liegt Spietz (’s. diesen Artikel). Das /«sSts-Thal hat von Merlingen bis an die sogenannte Scheibe 8 St. Länge, aber nur 6-7 Minuten Breite. Der Ziegenkäse von Merlingen. wird sehr geschätzt. Bey Merlingen legen die Schiffer gewöhnlich an, um sich zu erfrischen, oder auch bey bevorstehendem Sturm. Die Einwohner von Merlingen haben in der Gegend den Ruf der lächerlichsten Albernheit und Thuner-See. 345 Dummheit, wie in Deutschland die Schöppenstädter. Die Wand-Flue tritt hier weit in den See hinein, und ihr äufserstes Vorgebirge wird die Nase genannt. Jenseits derselben giefsen der Jungfer - Brunn, Kraut - und Bartli- Bach herab. An der südöstlichen Seite der TTand - Flue liegt der Beaten-Berg, in welchem die St, Beaten- Höhle*). Man kann entweder von Merlingen zu Fufs in i St. dahin gehen, und das Schiff unterdessen um die Nase nach Sunglau, wo man wieder herabkömmt, fahren lassen; oder man bleibt in dem Schiff und steigt auf der andern Seite der Nase aus, wo man zur Höhle nur % St. zu steigen hat» Die Aussicht von dieser letztem ist sehr schon; aus ihr stürzt der Beaten- Bach hervor. — Wenn man wieder herab gestiegen ist, so fährt man auf dem See nicht bis an dessen Anfang, sondern man landet bey Sie hat ihren Namen von dem H. Beat, welcher der erste christliche Missionär in der Schweitz gewesen seyn soll. Er hiefs eigentlich Suetonius , und war ein Engländer, welcher unter dem römischen Kaiser Claudius nach der Schweitz, das Evangelium zu predigen, gesandt wurde. Jm hohen Alter begab er sich in diese Huhle, wo er im J. 112. als Greis von 90 Jahren sta b und begraben wurde. Seit dieser Zeit wurde diese Höhle ein Wallfahrtsort, und das Fest des H , Beat den 9. May alljährlich gefeyerl. Nachdem die Reformation im K. Bern angenommen war, so wurde der Schädel des St. Beat im J. i5ag. von zwey Gesandten der Regierung von Bern aus dieser Höhle genommen , und zu Interlachen begraben ; als aber die Wallfahrten nach der Höhle doch nicht aufhörten, so liefs man sie im J, i566. zumauern. SH Thuner-Sf.e. ’Neultaus. Hier tritt der Lohn - Bach aus dem Hab- kern - Thal in den See ; nahe dabey ist ein Heilbad für offne Wunden; gegenüber erhebt sich der Abend- Berg, an dessen Fufse Dättlingen , und am Einflufs der Aar in den See Beste eines Schlosses PVeifsenau. Von Neuhaus zu Fufs bis Unterseen t St. ( s. diesen Art.); wer nicht gehen will, läfst sich aus dem Dorfe kleine Leiterwagen holen. — Die Wiesen neben dem Wege sind mit dem Sumpfeinblatt (Parnassia palustris) bedeckt. Geognost. Tliatsachen. Die Gebirge, welche südlich nnd östlich den See umgeben, bestehen aus Kalkstein ( s. Stuck-Horn und Niesen). Die Pf^and— und Rallig- Flue sind das aufserste südwestliche Ende der Pilatus- Kette, welche zwischen Unterwalden , Brienzer - See, Entlebuch und Emmen - Thal zieht. Nördlich derselben liegt das Nagelflue - und Sandsteingebilde, welches in dem Art. Rigi weitläufiger beschrieben ist. Die Schichten des Kalksteins an den Pf r and- und Rallig- Fluen streichen von NO. nach SW., und senken nach S. Die Nagelflue zeigt dieselbe Streichung und Senkung; das südlicher liegende Kalkflötz liegt also auf der Nagelflue auf, doch nicht unmittelbar; denn ein an Mergel reiches Sand- und Kalksteinschieferlager streicht zwischen beyden. Am Beaten - Berg finden sich in schwarzem Schiefer Turbiniten und Tclliniten. In dem Kalkstein bey Merlingen ist ein weiches Erdharz enthalten, welches man beym Zerschlagen des Gesteins darin findet, und hier Steinöl genannt / T H U N E K - S E E. ' 345 wird. Auf der Südseite der Wand - Flue findet man in dem Habchern -Thal dasselbe flüssige Steinöl öfters auf den Bächen schwimmen (s. Habchern - Thal Auch streichen hier'zwey Steinkohlenflötze über den Beaten - Berg , in welchem sich Kochliten finden, und eins bey Sigrisrryl zwischen der Rallig- und Wand— Flue. Die Steinkohlen über dem Beaten - Berg werden ausgebeutet. Die Stollen - Oeffnungen liegen in den schauerlichen Felswänden des Beaten- Bergs t St. über dem Dorfe Sigrisrryl , a St. über den See, gegen das ■T’ßsfis-Thal. Etwas höher, auf dem Nieder- Horn, ge- ntefst man eine herrliche Aussicht der Alpen vom Tit- Iis bis zu den Diablerets. Auf der gegenüber liegenden Seite des Sees bey Krattingen streicht auch ein Stein- kohlenflötz. Näher gegen Thun in dem Sandstein - und Nagclflue-Gebilde sind bey Diesbach , Grüjsisberg , Sieglisberg und Herdlitberg auch Steinkohlen - Flötze. Ueher dem Dorfe Sigrisrryl und in der ganzen Nagelflue- berggegend liegen ungeheure Granit — und Kalkstein— Trümmer zerstreut, wovon viele nur zur Hälfte aus dem Boden hervorragen. Von einem einzigen solchen Stein wurde vor einigen Jahren ein ganzes Haus mit Keller und Stallung gebaut. Drey St. oberhalb Sigrisrryl ist unter dem Rothhorn (Gipfel der Rallig - Flue) eine grofse Höhle, Schaaflocli genannt, weil bey Gewittern die Schaafe hieher flüchten. Die Höhle ist hoch, geräumig, voll Tropfsteine; man hört in derselben starkes Rauschen von Wasser; der Eingang liegt nach SO.; in ihiem Hintergründe sieht man mehrere grofse I 546 Thurgau. Thurgau (der Kanton* *), Diese ausgedehnte Landschaft, welche ihren Namen von dem Flusse Thur (s. dessen Ursprung im Art. Toggenburg ) erhielt, und gegen Deutschland von dem Boden - See und dem Rhein begrenzt wird, enthält etwas über 16 CJ Meilen, und aufser der Hauptstadt noch die Städte Arbon , Bischofzell , Diefsenhofen und Steckborn . Im J. 1792. betrug die Bevölkerung 74,000 Seelen, unter denen 56,700 Protestanten waren. Eiskegcl, deren Zahl und Gestalt mit jedem Jahr ändert, und bey Fackelschein einen schönen Anblick gewähren. Geschichte. Das Thurgau machte von dem V. tt Jahrhundert an einen Theil des Herzogthums Alleman- Zürich, Baden, Toggenburg, St. Gallen und Appenzell. ^ Die Grafen von Thurgau sind besonders vom VII. ^ Jahrhundert au der Geschichte genau bekannt, und 1 scheinen die Vorfahren des Hauses Kyburg gewesen ^ zu seyn (s. Kyburg ), nach dessen Erlöschung im J. ^ 1264. Thurgau an die Grafen von Uabsburg fiel. ^ Oesterreich verlor es 1415. während der Acht des ^ Herzogs Friedrich , indem es durch König Sigismund eingezogen und an die Stadt Konstanz verpfändet wurde, bekam es aber einige Jahre nachher wieder. ^ jl *) Die bisher vollständigste Karte des Thurgau wurde von den Brüdern Nötzlin in Zürich entworfen, wovon die 0 1 Zeichnung zu Frauenfeld und Zürich ist. Die Meyerschc ^ Karte vom Thurgau strotzt von Fehlern, nien au?, und hatte seine eignen Grafen. Damals er- y 0 |i streckte sich dieser Gau auch über die Landschaften i * 0 , niesen e- e- m T. I, i Stil «1 (et fdJ< lit* i* ** Thurgau. 347 Im J. 14C0. wurde Thurgau von den sieben alten ,Kan- tonen der Schweitz in dem Kriege mit Herzog Sigismund von Oesterreich erobert, und von diesem im Frieden förmlich abgetreten, aber erst »499- erhielten die acht alten Schweitzerkantone in dem Frieden mit Kaiser Maximilian I. die volle Oberhoheit über Thurgau , welches durch Landvögte bis 1798- regiert wurde, wo es zu einem eignen Kanton erhoben ward, dessen Hauptstadt Frauenfehl ist. Unter allen schweizerischen gemeinschaftlichen Landvogteyen war die vom Thurgau die einträglichste. Seit der Einführung des Christenthums im VII. Jahrhundert und unter den Fränkischen und Karolingischen Königen verfiel das Volk in Leibeigenschaft, und Klöster und Adel häuften sich im Thurgau so sehr an, dafs es in der Schweitz keine Gegend giebt, wo so viele Schlösser und Klöster sind wie hier. Merkwürdigkeiten. In diesem Kanton wechseln wagrechte Ebnen mit Hügeln, welche sich gegen das Toggenburg zu Bergen höchstens von 2500 Fufs über den Boden - See erheben. Drey unbeträchtliche aber fischreiche Seen liegen zwischen den Hügeln dieses Landes. Die Ergiebigkeit seines Bodens macht ihn jum fruchtbarsten Kanton in der deutschen Schweitz. Alpen giebt es hier nicht, aber Getreide , Flachs, Hanf, Obst- und Weinbau sind allgemein. Das obere Thurgau , welches sich von Arbon bis nach Stein längs dem Boden - See und dem Rhein , und 5 - 4 St, tief nach der Thur zu erstreckt, ist aufserT 343 Thürgaü. ordentlich fruchtbar. Hier wird ein und derselbe Acket zweymal mit Leinsaamen, und nach der zweyten Flachs- erndte im Herbst noch mit Roggen oder anderm Getreide besäet, und der prächtigste Birn- und Apfelbaum-Wald der ganzen Schweitz dehnt sich meilenweit aus. Viele einzelne Bäume tragen jährlich 60 - too Viertel Früchte, welche zu Cyder geprefst 30-50 Gulden eintragen. Aller Flachs und Hanf des Kantons wird in dem Lande gesponnen und zu Leinwand gewebt. Schon mit dem Ende des XIII. Jahrhunderts begann dieser Erwerbsfleifs, welcher die dortige Leinewand - Fabrik zur höchsten Blüthe erhob. Der Thur- gauer verfertigt die feinste und schönste Leinewand, welche der Handel von St. Gallen verbreitet. Seit der Mitte des XVIII. Jahrhunderts, wo die Baumwollen - Spinnerey und Moufselin - Weberey eingeführt wurde, und besonders seit dem J. 1787., wo in Frank - reich hol e Zölle auf die Schweitzer-Leinewand gelegt wurden, hat diese Leinewand-Weberey sehr abgenommen ; doch ist sie immer noch ansehnlich, und der Handel der buntgedruckten leinernen Hals- und Schnupftücher, u. dgl., von Arbon , Hauptrryl , Islikon , und andern Orten des Thurgaus, beträchtlich. In manchen Gegenden dieses Kantons wird viel Baumwolle gesponnen und Moufselin geweht. — Das Kloster Kreuz- lingen im Thurgau, nahe bey Konstanz , hat, nach dem Beyspiel der Abtey Hauterive im K. Freyburg, im J. 1808. auch angefangen, die Landwirthschaft nach Fcllenhergs Verbesserungen einzuführen, und sich mit Hofwyl in Verbindung zu setzen. / Einwohner. Die bürgerlich - politische Lage der Einwohner dieses Landes war bis zum J. 1798- betrübt. An ihre Oberherren, die VIII. alten Kantone, hatten die Tburgauer wenige oder fast keine Abgaben zu entrichten; allein sie waren sowohl der Willkühr und der unverschämten Habsucht der weit mehrern ihrer Landvögte, (von denen manche für das zweyjährige Amt 8 -i°! 00 ° Gulden bezahlten) und derselben Unterbeamten, als auch jedem Drucke ihrer Herrscbafts- herren, deren leibeigene Unterthanen sie zum Theil waren, Preis gegeben. Achtzehn Klöster und Stifter, viele Städte und Privatpersonen besafsen nämlich in dem Thurgau 72 Herrschaften (Gerichtsherrlichkeiten), die alle ihre mehr oder minder ausgedehnten Rechte entweder in Person oder durch Beamtete ausüben Hessen. Die protestantischen Einwohner Thurgaues , welche über Zweydrittheil der ganzen Bevölkerung ausmachen, erlitten noch aufserdem theils von den katholischen Landvögten, theils von den Klöstern unendliche Bedrückungen, welche erst seit dem Bürgerkriege von 1712., in welchen die reformirten Kantone die Oberhand behielten, aufgehört haben. Erst durch diesen Friedensschlufs wurde der fanatischen Verfolgungssucht der katholischen Klerisey in allen gemeinschaftlichen Vogteyen ein Ziel gesetzt, und überall Duldung und Eintracht festgegründet. An vielen Orten üben diese und die Katholiken ihren Gottesdienst in einer und derselben Kirche *). *) Ebels Schilderung der Gebirgsvölker. I. Th. S. 22-^0. Berühmte Männer. TValter •Von der Vogel- vreide, Minnesänger im J. 12311, war aus dem obcrn Thurgau. Gabriel Buzelin (Bucelinus) aus Diefsen- hoj'en , Benediktiner-Mönch j hat eine Geschichte hinterlassen, wovon die Handschrift in dem Kloster JVein- garten in Schwaben aufbewahrt wurde. Melchior Goidast von Haimenfeld aus Bischofzell, berühmter Rechtsgelehrter im XVII. Jahrhundert, hat sich durch mehrere für die Geschichte wichtige Werke ein dauerndes Verdienst erworben; sein Werk: Alemannicarum rerum Scriptores hat mehrere Auflagen erlebt.— Ulrich Hugwald Muz (Mutius) ln dem Dorfe Stuken oder TVylen bey Bischof zell 1496. gebohren, war berühmter Professor der Philosophie zu Basel, wo er 1571. starb. Unter seinen Werken zeichnet sich besonders aus: Geschichte des Ursprungs , der Sitten , Institutionen , Gesetze und merkvr ürdigen Begebenheiten der Deutschen , Basel, 1539. in FoL die erste Ausgabe. — Als medicinische Schriftsteller haben sich am Ende des XVIII. Jahrhunderts die Aerzte Aepli zu Gottlieben und Scherb zu Bischofzell in dem Rahni- schen medicinischen Magazin rühmlich bekannt gemacht! P fl a nz en. Diesem Kanton eigenthüinliche Pflanzen sind: Zysima- chia thyrsißora . Festuca heterophylla und ameihystina (die sich auch auf dem Uto im K, Zürich finden soll), Acro- phularia vernalis bey Bischofszell. Noch sind nicht alle in diesem Kanton wachsenden Pflanzen bekannt. des Thurgaus liegt in dem horizontalen Sandstein - und Mergel-Gebilde (’s. Ezel und Rigi), deren Schichten nur um einige Minuten nach N. einsenken. Der Sandstein ist theils fein- theils kleinkörnig; der crstere hat mergelartiges Bindemittel und geht oft uninerklich in die unter ihm liegenden Mergellager über. Dieser Uebergang hingegen findet nie nach der Höhe oder der aufliegenden Mergelschicht statti Der kleinkörnige Sandstein hat Stinkstein - Bindemittel, und zeigt sich viel seltner; denn seine io Fufs mächtigen Schichten liegen ungefähr ioo Fufs in senkrechter Höhe von einander. Nur an den höchsten Stellen dieses Gebildes zeigen »ich wagrechte Nagelflue - Lager. Im südlichen Theil des Obern Thurgaus ist das eigentliche Sand— Steingebilde allgemein, gröfstentheils kleinkörnig mit kalksleinartigem Bindemittel, und nach Osten oder Westen einsenkend. Sie liefert vorzüglich gute Bau-r steine. Wo sich das Thurgau gegen das Hochgebirge erhebt, liegen wagrechte Nagelflue-Lager, welche Gra.- nit, Gneifs , Feuerstein, Hornstein, Kieselschiefer, Quarz, Kalksteingeschiebe und grobkörnigen Sandstein mit Kalkstein - Bindemittel enthalten. Erst über diesen Nagelflue liegen die aufgeschwemmten Sand - und Schuttkegel jeder Art. Durch das horizontale Sandstein- und Mergel - Gebilde streicht ein tiefliegendes Steinkohlenflötz von SW* nach NO. , welches noch oft Stinkstein zwischen sich enthält; bey Elgg und Erauenfeld ist cs schon aufgefunden worden; am letztem Ort ist es nur 6-8 Zoll mächtig (s. Appenzell ). TlF. FENKASTEJ*. 55 a I Tiefenrasten (rliät. Caste), am Eingänge ins Oberhalbsteiner- Thal, am Zusammenflufs des Albuta und des Oberhalbsteiner- Landwassers, im K. Bündtcn. Von hier führt die Landstrafse nach dem Septimer und Julier; zuerst i St. lang steil aufwärts an schauerlichen Abgründen vorbey über den Stein ins Ober- Halb -Steiner -Thal, und vom Eintritt ins Thal St. nach Konters. Auf dem Wege dahin sieht man rechts Prasanz und die Reste des Schlosses Rauschenberg an einem schönen B«ge (s. Konters ). — Von Caste nach Ober -Hatz 1^2 St., und von hier durch den * C Scltyn nach Scharons 2 St. ( s. diesen Art.}. — Von ä Caste über Lenz und Parpan nach Chur 6 St. (s. die- 1,1 sen Artikel). Geognost. und mineralog. Thatsachen. I|n Nahe an der Albula ist eine Quelle, welche Schwefel, ' Eisen und Salz führt. — Gyps und Serpentin strei- n chen hier. In dem Serpentin brechen Kupfererze , 1® welche seit i8°5* vom H. Demengha, so wie Rleyerze zu Obersax , gebanet werden. Verwaltung und Vor- it rathsbäuser dieses Bergwerks sind zu Reichenau. d Tirano (rhät. und in der gemeinen Veltliner- G Sprache : Tiran) grofser und schöner Flecken im I VeltUn , an der Adda. Wirtlishaus : Die Post. Es liegt in einer sehr fruchtbaren Gegend. Nach Norden j öffnet sich als eine enge Schlucht der Eingang ins 1 Pusklaverthal, aus welchem der Poschiavo hervorkömmt ‘ und sich in die Adda ergiefst. Bey der Kirche alla Madonna eine herrliche Aussicht. V Tir ano. 353 Felsen s turj. Nahe bey Tirano stürztd arti 71 Deceraber tßoj. oberhalb dem Dörfchen ai Barusin! ein Tbeil des nördlichen Gebirges in das Bett der Adda , bedeckte die Mühlen und Weinpressen von Sernio mit 4 Menschen, verstopfte den Lauf des Baches Val-Chiusa und der Adda dergestalt, dafs ihr Bett bey Tirano ganz trocken lag. Am 9. stand schon das halbe Dorf Lucro unter Wasser, und in kurzer Zeit war der neue See so angewachsen, dafs ganz Lucro, Tovo, Mazzo,. Vervio und Grossoto, und am 16. Januar Schon wieder vier andere Dörfer im Wasser standen. So wuchs dieser See stets bis in die Mitte Juni igo8. wo er endlich durch den Schutt des Bergsturzes durchbrach, aber die schönen Ebnen von Tirano ganz verwüstete. Wege. Von Tirano nach Sondfio 6 St. (s. diesen Artikel). Von Tirano das Veltlin aufwärts nach Bormio 7 St. Auf diesem Wege geht man bey Mazzo*)* 3 St. von Tirano, über die Adda nach Grossoto bey dem Eingänge des Grossiner — Thaies vorbey, aus welchem der Ruasco von den im Hintergründe liegenden Gletschern herausstürzt. Bald nachher geht es bey Cosio wieder auf die linke Seite der Adda nach Bo- ladore bey dem Valte di Rezen vorbey, nach le Prese 5 St., wo die Grenze des Veit lins ist. Von hier *) In der Marialirchc zu Mazzo ist das Altarllatt von dem Maler Giovan. Pietr. Malacrida (aus diesem Dorfe ge* bärtig), der am Ende des XV. Jahrhunderts lehte, ein schöne» Gemälde nach dem Geschmack der damaligen Zeit. IV. 35 durch die Felsenschlucht la Serra (wo man noch die Reste der Mauer und des Thores sieht, womit ehedem der Eingang ins Yal di Bormio verschlossen war), nach Bormio oder ins Kalte-Land 2 St. (s. Worms).— Durch das Vall di Rezen geht eine Strafse über deu Cavia und Tonal ins Val Camonica und ins Tyro- liscke Val di Sole und di Nos. — Von Tirano gehen Pässe gerade ins Val Camonica , welches während venetianischer Regierung wegen Räubern und Mördern entsetzlich gefährlich zu bereisen war. Durchs Puskla- rer-Thal über den Bernina ins Engadin und Tyrol ( s. Pusklav und Bernina ). Ccognost, Beschaffenheit. Von Sondrio bis Tirano kann man wegen der vielen Weinberge und dem Pflanzenwuchs nichts bestimmtes erkennen, doch scheint Glimmerschiefer zu herrschen; von hier his Bo/adore, herrscht röthlicher und grauer Gneifs mit Speckstein und Hornblende gemengt, abwechselnd mit Granit. Zwischen diesen streicht salinischer Marmor, wie im Pusklaver- Thal, im Val di Ambria und Val Camo— nica. Von Boladore an wird der Granit mit sehr grofsen Glimmerblättern häufiger, dessen Korn nach und nach feiner und bald mit kleinen schwarzen Schörl- blättern, bald mit schwarzer Hornblende und Fingers dicken Feldspath-Adern, bald mit Speckstein, bald mit vielem Quarz und Granaten erscheint. Nahe vor Bormio zeigt sich grauer Granit, und dann Urkalk- stein, welcher durch die Thäler Furba , Freel und Pedtnojs vom Granit abgesondert ist. (S. Worms). Toggenbüro. 555 Ti tl is, im K. Unterwalden, über 10,000 F. hoch. (S. Engelberg). Toccia CTo.ia), entspringt an der Südseite des Gries aus Gletschern aul der Grenze von ff'allis und ' Piemont , und bildet nach dem /l/iei« - Fall den prächtigsten und aufserordentlichsten Wasseifall (s. Pommat und Gries). Togcenburg *), ein 12 St, langes, sehr schmales Thal in dem jetzigen K. 67 , Gallen ( s. K, St. Gallen)^ welches die ganze Abendseite des K. Appeniells um- fafst, von der Thur durchströmt, welche an der Westseite des Säntis entspringt, einige 20 Bäche aufnimmt, oft äufserst reissend wird, und hey Elliken im K. Zürich in den Rhein fällt. Hohe Gebirge, unter denen der Säntis über 7000 F. hoch ist, umscliliefsen dieses Thal von O. nach SW. und scheiden es vom Rhein- thale und dem l lalle /ist adl er - See (s. /'/ ildhaus ). Nordwärts erhebt sich die Allmans - Kette zwischen dem K. Zürich und dem Toggenburg , unter deren grasreichen Bergen die Strahl- Eck, Schnabel- Horn, Zf///i-Egg, Hulft — Egg und das JJörnli die höchsten sind; das letztere erreicht 2510 F. über den Zürcher- See, oder 3589 F. übers Meer. Das obere T/iur-Thal oder des ganzen Toggenburgs ist wahres Wiesen- und Alpenland; das untere Thur - Thal, welches sich nordwärts öffnet , ist voll niedriger Hügel , wo nur *) S. die weitläufige Beschreibung des Volks von Toggenburg im II. Th. S. I — 37. von Ebels Schilderung der Gebirgsvölktr. fd[ 556 Toggenburg. Ackerbau getrieben wird. Auf dem Sdnlis liegt ein Gletscher. Das obere T/mr-Tbal ist durch seine herrliche Wiesen, Obstbäume und zerstreute Häuser sehr belebt und schön. Die Einwohner Toggenburgs, (gegen Ende des XVIII. Jahrhunderts ohngefähr 40,000 M.) deren gröfster Theil protestantisch ist, haben sich so sehr der Flachs- und Hanf-, in der letzten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts auch der Baumwollen - Spinnerey und Weberey ergeben, dafs sie ein wahres Fabrikvolk genannt werden dürfen. — Toggenburg enthält das Städtchen Lichtensteig , 4 Klöster, 2 Probsteyen und von ehmaligen 19 Schlössern nur noch drey. — Die grofse Landstrafse von St. Gallen und dem K. Appenzell nach dem K. Glarus , dem PValdstädtersee und dem Ziirchersee führt durch das Toggenburg (s. Lichtensteig , LVattvryl , Bildhaus , Peterzell , TVildhaus). Geschichte. Dieses Land hatte in den frühesten Zeiten seine Grafen -von Toggenburg. Das Schlofs Alt - Toggenburg auf einem Felsen zwischen Lütisburg und PUyl, nahe bey dem Kloster Fischingen, wurde 1083. von Ulrich , Abt von St. Gallen verbrannt, welcher dem in den Bann gelegten Kaiser Heinrich IV. treu blieb. Das Schlofs Neu - Toggenburg lag oberhalb Lichtensteig. Im J. 1228. liefs Graf Dielhelm seinen Bruder Friedrich während eines Besuchs in seinem Hause meuchelmorden, worüber die Eltern im Schlosse zu Lütisburg schnell vor Gram starben, nachdem sie die Stammburg Alt - Toggenburg nebst TT'yl an die Abtey St. Gallen übergeben batten. Diethelin verlohr alfe seine Besitzungen in Toggenburg. Der letzte und mächtigste dieses Geschlechts *) , Graf Friedrich VI. besafs ganz Toggenburg, Uznach, Ga- ster , Sargans, Wartau, Rheinthrd, viele Güter im Thurgau, das ganze Wallgau vom Bodensee bis Grau- bündten, Feldkirch, Bregenzerwald, Maienfeld, ganz Prettigau. Er regierte 51 Jahr, hatte seine Herrschaften theils durch Eroberung, theils durch Verpfändungen fast verdoppelt, wurde Bürger von Zürich auf Lebenszeit , Landmann im K. Schwytz auf ro Jahre, und hernach auch auf Lebenszeit, wandte wechselsweise die Künste fürstlicher und demagogischer Politik an, hart und erbarmungslos gegen seine Unterthanen. Friedrich starb den 1. Aprill 1456. ohne Kinder und ohne Testament. Noch bey seinem Leben, von 1432. an, bemühte sich Zürich , von ihm das L astersehe PVindek versichert zu erhalten, welches die Häupter des K. Schn'ytz zu verhindern suchten, und von dieser Zeit an begannen zwischen diesen beyden benachbarten Kantonen die ersten Zwiste, welche durch Friedrichs Tod, von dessen grofsem Erb beyde Vergröfserungen suchten, unter zwey ehrgeizigen Volkshäuptern, ltal Reding in Schwytz, und Rudolph Stüfsi zu Zürich, zum vollsten Ausbruch kamen, und die ersten Bürgerkriege vom J. 1438—1442. herbeyführten (s. Pfcf— jßkan, Zürich , Morgen , Baar) und den schrecklichen *_) Eine Linie dieses Stammes kaufte sich in der Landschaft Grub bey Ilanz in Graubiindtcn ein, und wohnt noch zu Uugein. 558 Toggenburg. innerlichen Krieg von 1444—1446- zur Folge hatte, 1®* wo die Eidgenossenschaft am Rande des Verderbens #' Stand (s. Zürich , Greifensee , Basel , Lindau ). Das iS * 11 Volk von Toggenbnrg sorgte in der allgemeinen Ver- j*' wirrung in den verschiednen Landschaften des grofsen #11 Erbes von Graf Friedrich für sein Bestes selbst, ver- ifi sammelte sich in eine Landesgemeinde, ordnete eine «irt Landesregierung, und verband sich mit dem K. Schwytz k® und Glarus durch ein Landrecht, der Ursprung aller gji seiner nachmaligen Freyheiten. Unter den vielen Ver- u wandten der erloschnen Grafen von Toggenburg fiel am Ende das Ihurlhal oder das Poggenburger~ Land ( dem Petermann von Baron zu, welcher der letzte a Sprosse des mächtigen Geschlechts von Raron in ^ PVallis war (s. Sitten , Siders , li nllis ). Petermann , ßj kinderlos, verkaufte im J. 1469. das ganze Poggenburg ^ für 14,500 Gulden an den Aht Ulrich Roesch von St. Gallen ( s. Roschach), und starb 1479. im Kloster Rüti, welches oberhalb Rapperswyl im K. Züiich liegt, und wo die Gruft des Toggenburger-Hauses war. — Seit der Annahme der Reformation in Toggenburg, hatten die Protestanten unaufhörliche Bedrängnisse von den Mönchen St. Gallens, und von den herrschsüchtigen Achten das ganze Volk Willkühr und Gewaltsamkeiten •zu erdulden. Als die Tyranney gegen Ende deV XVIL Jahrhunderts den höchsten Grad erreicht hatte, erhol) sich das Volk zur Erhaltung seiner Rechte und Verfassung, und der nun beginnende Kampf zwischen dem Abt und Toggenburg führte den Bürgerkrieg vom J. 1712. « Tomils. 359 zwischen fünf katholischen Kantonen und den reformir- ten Kantonen Zürich und Bern herbey , worin die letztem die Oberhand behielten. Ohne den edelmüthi- gen Schutz Zürichs und Berns und den staatsklugen und heldenmüthigen Ulrich Nabholz aus Zürich, welcher an die Spitze der Toggenburger gestellt war, wäre dieses Volk in die härteste Knechtschaft versunken (s. Ebels Schilderung der Gebirgsvölker , II, Tb.) Seit 1798- sind die Toggenburger freye Schweitzer, und dem K. St. Gallen zugetheilt. Berühmte Männer. Ekhard , Mönch zu St. Gallen, Kronikschreiber im X. Jahrhundert, Krafton und Friedrich Graf von Toggenburg , Minnesänger im XII. und XIII. Jahrhundert, und der grofse Reformator Ulrich Zwingli waren aus Toggenburg (s. PVildhaus und PVattwyl'). Geognost. Beschaffenheit. Die Santir-Kette, welch« von O. nach SW. das Toggenburg umgiebt, so wie die Gebirgskette der Kuhfirsten und des Ammons längs der Südseite des obern Thurthaies, bestehen aus Kalkstein und Mergelschiefer; alle übrige Gebirge aus Sandstein, Mergellagern und Nagelllue (s. K. Appenzell , und kValle ns ladt er - See ). Tomils, ( rhät. Tomil , Domil) in dem Dom— hschger- Thal, K. Bündten, auf einem Hügel gelegen. Bey der Kirche eine herrliche Aussicht. In der Nähe, zwischen Paspels und Ortenstein , liegt sehr romantisch auf der Spitze des Hügels St. Viktor die Kirche St. Lorenz , wo Eusebius Skotus 50 Jahre lebte und 360 ' Tomils. im J. 884 * starb. Das Schlofs Ortenstein , welches schon im XIII. Jahrhundert stand, geniefst eine sehr romantische und an herrlichen Aussichten reiche Lage, und dessen Besitzer, H. von Travers , übt edle Gastfreundschaft. Nachdem die Schlösser Ortenstein , Ca- nova und Süns , Burgen des Grafen Heinrich von Werdenberg-Sargans, von den Graubündtnern ira Jahr 145°. zerstört worden w'aren , trat Tomils zu dem Grauen Bunde. Nahe bey Tomils , bey dem Hofe Moos , ist ein Sauerbrunnen , weloher gehörig gefafst dem St. Moritzer im Engadin gleichkominen würde, und etwas entlegner das Bad Rothenbrunn , eine kalte Schwefelquelle, welche alles röthlich färbt. Bey Iio- tbenbrunn giebt es im Sommer viele herrliche Schmetterlinge , z. B, Apollo, Antiopa, Aegeiia u. s. w. Oberhalb diesem Bade liegen auf Felsen die Beste des uralten Schlosses Nieder - Juvalta , welches von der Familie Juvalta , die noch jetzt im Engadin blühet, in der Mitte des XIII. Jahrhunderts verlassen wurde. Oberhalb Tomils , im Gebirge, liegen die Dörfer Feldis , Scheidt und Purz , und ein kleiner fischreicher See, Canovner -See genannt, W^ege. Nach Reichenau durch Rothenbrunn über den Feldisser -Tobel 1 St. Nach Scharans 1 St. durch Ahnens , Rotels und Fürstenau , auf welchem Wege man über den Tomilser- und Duscher - Tobel und den fürchterlichen $ie/-Bach wandert. Die Einwohner von Almens sind sehr mit Kröpfen behaftet. Zu Rotels in dem Battagiiaschem- Hause, in einem Baumgarten des TI. von Jällin , oberhalb der Stiafse nach Paspels, und an andern Orten der Gegend, giebt es Hungerbrunnen oder periodisch fliefsende Quellen. ln der Wiese Pardatsch ist eine andre Quelle, welche in wenigen Tagen alles mit Tuf überzieht ( s. Scharans ). / Pflanzen, Crataegus oxyarlmtha maxima wächst am Rhein , nicht fern von Ruthenbrunn. Engeheure Holder- und "Weifs- dornslauden bey Rothenbrunn, und oberhalb Hoch-Juvalta sehr grofse Eibenbäume. TossitcHs (Val) auch Cervin- Thal genannt, im Piemont; lauft von dem Matter-llorn aus, welches am Ende des Vispac/ter- oder Nikolai - Thals steht. ( s. Maller-Horn, Vispach und Aosta ). Travaolia-Thal, zwischen dem I.uganer- und Langcnsee , im K. Italien, von der Margot abbia durchflossen, welche sich in die Trcsa vor Luino cr- giefst. Durch dieses Thal geht eine Strafse von Lutno nach Varese. S, Gana -Thal und Varese, Merkwürdigkeiten. Zwischen Gtantola im Thal und Cunardo auf der Höhe liegen einige runde, röthliche fast nackende Hiigcl, welche der französische Mineraloge Fleuriau de Bellevue für erloschne Vulkane erklärte. Der Mailändiscbe Naturforscher Pini widerlegte diese Meinung. Im J. 1797. besuchte der *) Rrmenogildo Pini d’alcuni fossil! slngolari neffa T.om bardia. 17^0.. Milano, * 362 Tr av aglia - Th al. berühmte Mineraloge Dolomieu dieses Thal, und bestätigte die Aussage seines Landsmannes (s. Journal des Mines, Nro. 41.); und nachdem er diese Gegend nach seiner Zurückkunft aus Egypten im J. 1801. zum zwey- teninal untersucht hatte, blieb er bey der Meynung Fleuriau’s. Ohnerachtet so gewichtiger Zeugnisse solcher Meister, hat es hier nie Feuerberge gegeben, und dieser streitige Gegenstand unter den Naturforschern ist endlich durch den verdienten Mineralogen Giuseppe Cautieri für immer geschlichtet. Geognostische Thatsachen. Durch dieses Thal streicht die nördlichste Linie der südlichen Kalkalpen auf Urfels aufgesetzt, welcher hier überall nackenden Tage steht, wo die Kalksteinllötze weggerissen und fortgeführt worden sind. An den Kalksteinbergen, welche sich an den Seiten des Thals noch erheben, finden sich Versteinerungen-, Erdöl an ver- schiednen Orten, z. ß. in den Gemeinden Ferrera, Ran- cio, Mesenzana; am letztem Ort, zwischen Nagelflue, Spuren von Steinhohlen; Nagelflue steht bey Mesenzana und andern Orten an. —■ Unter den nackten Felshügeln zwischen Grantola und Cunardo wird einer von den Bewohnern eines Dorfes Monte bruciato, und ein anderer Sasso nero genannt. Diese Hügel, welche man für erloschne Vulkane hielt, bestehen aus schwarzem fast in Obsidian übergehendem Pechstein - Porphyr und röthlichhraunsm Jaspis - Porphyr mit vielen Feldspath- krystallen, welcher sehr schnell verwittert, wodurch die Oberfläche voll Löcher und Höhlen. An der Luft wird ! der Porphyr von dem vielen beygemischten Eisen, welches sich oxidirt, braunschwarz, spaltet stets prismatisch, rhoraboidalisch oder vierseitig, ist nicht durchscheinend, hat hin und wieder Glimmer beygemengt, und unregclmäfsige Adern Quarz , Karnio}, Jaspis , P?- trosilex, und zeigt die magnetischen Pole. Solche nackte rothe Porphyrhügel zeigen sich nicht blofs hier von der Prato della Selva an bis zum Sasso stretto, sondern Grantola gegenüber auch bey Pianaccio, bey Mondonico, Bedero, Masciago, Rancio (und liier sieht man den Flötzkalkstein sehr bestimmt auf den Porphyr gelagert, wie am Orta - und Luganer-See ), ferner in den benachbarten Tliälern Gana uud Cuvia; und im Departement dell’ Agogna ist die ganze Strecke von Vasciago bis Gozzano und Maggiora, von hier bis Ro- magnano, ins Departement der Sesia durch Gattinara bis in die Nähe von Trivier, Mosso und Biella nart zugerundeten, TÖthlichen und nackten Porphyrhügeln besäet. Der Porphyr zeigt überall im Traväglia-Thal die regelmäfsigste Schichtung. Am Monte Bruciato und bey Campaccio stehen dessen Schichten ganz senkrecht. Der schwärzliche Porphyr wechselt an verschiednen Orten nicht blofs mit dem rotlien Porphyr, sondern auch, wie bey Pianaccio, mit Schichten Granit, Granatenführendem Glimmerschiefer, Gneifs, Ilornblendeschiefer, schiefrigem Speckstein, Art Mandelstein u. s. w., am Fufs und der Spitze Cuco mit Granit, und an andern Orten. Die Granite nahe am Porphyr sind auch voll Löcher. Auf bey den Seiten des Thals zeigt sich die 564 Tra vers - Thal. gröfste Uebereinstimmung der Urfelsarten und des Flötz- kalksteins, ganz gleiche Streichung und Neigung ihrer Schichten.— Wenn man von Ferrera kommt, und den Sasso stretto hinter sich läfst, zeigt sich eine Jaspisader, und auf beyden Seiten derselben eine hochrothe Erde, welche mit dem Pechsteinporphyr abwechselt; dies ist eher Bolus als Puzzolana. Derselbe Bolus findet sich auch zu Maggiora und Biella. Auch findet man neben der Jaspisader eine Art Töpferthon , und nicht weit davon ein Mineral, dem Trippei ähnlich. — Grüner Porphyr in Geschieben am Abhange des Hügels Pietra nera *). , Travers-Thal (Val TraversJ in dem Fürsten thum Neuchatel , zieht von den Boches des Cluzettes ( s. Neuchatel und Bochefort) nach W. 5 St. lang, und wird von der Beufse durchflossen. Das Thal gehörte zur Herrsohaft Granson, und kam 1218- nebst Verrieres und Brevine an den Graf Berthold von Neuchatel. Von Noiregue**) , welches seinen Namen von einem Bache erhalten hat, und wo viele Eisenwerke und Kohlenbrenner sind, nach Bosieres y« St.; Travers y 2 St.; Couvet 1 jo St., ein grofses gutgebautes Dorf *) Confutazione delia opinione di alcuni Mineraloghi sulla Volcanita de Monticelü tra Grantola e Cunardo ncl Dipartiniento di l.ario, di Giusseppe Gautieri. Milano 1807. Seiten 77. # ‘) Egue , aigue hiefs im Zeltischcn Wasser; daher findet man noch in dem Patois grande Egue. Egue freidc , Neiregue oder Noiregue , Schwarzwasser; Albegue t W eifswasser. i $ tii fr f Its Sal mei äei I tit Ar ca Ei di' 9 $ k 1 Travers - Th al. 365 iu lachender Lage; Motiers ^ St. Couvet ist der Geburtsort des Ferdinand Berthoud , welcher durch di* Erfindung der See-Uhr zur Bestimmung der Länge, und durch sein Werk über die Uhrmacherkunst so berühmt geworden ist (starb 1806.)- Unter den Einwohnern dieses Thaies giebt es viele Uhrmacher, Eisen - und Stahlarbeiter, Spitzenklöpperinnen, Maurer und Zimmerleute, welche des Sommers im K. Waat und in der Gegend Genfs arbeiten (s. Motiers ). Geognost. und tnineralog. Merkwürdigkeiten. Das Thal liegt im Jura. Die Kalkstein- Felsen dieses Thaies sind wegen ihrer sonderbar gekrümmten und gestellten Schichten merkwürdig (s. Motiers). Man findet viele Versteinerungen, und reiche Asphaltminen in diesen Felsen. Eine Viertelstunde über dem Dorfe Travers , bey dem Orte, a la Combe genannt, und nicht weit davon im Bois de Croix , sind die Gruben in das Asphaltlager, dessen Mächtigkeit 9-10 F. beträgt, eingetrieben. Der Asphalt wird geschmolzen , um ihn von den erdigen Theilen zu reinigen. Seitdem ein Mann den Gedanken gehabt hat, aus dem Asphalt Röhren zu verfertigen, welche zusammengesetzt als Wasserkanäle unter der Erde mit desto gröfserm Vortheil gebraucht werden, weil sie nicht wie hölzerne Röhren verfaulen, werden diese Gruben sehr stark ausgebeutet. Die Asphaltquelle zu la Comte bey Travers giebt täglich 3 Pinten, welche für 12 Batzen verkauft werden. — ' In der Gegend von Couvet sind Eisenminen. — Das Thal von Travers taufst» 365 Trient. einen See bilden, so lange der Boudry und Tour ne nicht so tief eingerissen waren, dafs ein Abllufs möglich wurde, wie es jetzt der Fall ist. Trient, kleines Dörfchen im Unter - Vp'allis , an dem Trient , welcher ein Abflufs des Trient -Gletschers ist. Liegt an der Strafse ton Martinach nach Cha- monny. Das Wirthshaus ist nicht ganz schlecht, und allenfalls kann man hier übernachten. Wege, Nach Chamouny 7-8 St. entweder über den Tete noire und durch Valorsine , oder über den Col de Bahne (3. diese Artikel). Nach Martinach 3-3 St.; zuerst ansteigend auf den Forclaz , St. lang, ist 46G8 F. übers Meer. Im Herabsteigen unter herrlichen Tannen-, Erlen-, Birn-, Kastanien- und aufserordentlichen Nufsbäumen, öffnen sich an manchen Stellen yortrefliche Aussichten aufs Rhone - Thal bis nach Sitten hinauf. Pflanzen. Man trifft auf dem Wege über dea Forclaz viele herrliche Alpenplianzen. Geognost. Beschaffenheit. Bevm Aufsteigen des Forclaz geht man über graugrünlichen Hornstein 1 ^) mit Kalk gemengt, und beym Ilerabsteigen über Gneifs, dessen Schichten von NNO. nach SSW. streichen. Trogen, einer der Hauptörter des reformirten Appenzells ,, Wirthshäuser: Hirsch und Lürve. — Liegt am nördlichen Fufse des Cäbris in ziemlicher Tiefe. Hier sind die wichtigsten Handlungshäuser des K. Appenzells ; vor allen dasjenige der HH. Zeihreger. Hier ’) Saussure's Pierre de Corne, T R O N S. 367 und zu Hundrryl wird wechselsweise die Landesge- meinde von Reformirt - Appenzell , welche sich auf 9 - 10,000 Kopfe belauft, im Anfänge des Frühlings gehalten.— Auf dem Kirchthurm und auf mäfsiger Höhe aufser dem Flecken geniefst man längs dem Lauf des Goldachs eine schmale aber magische Durchsicht nach dem Hoden-See und dessen schwäbischen Ufern. Wege. Von Trogen auf den Gäbris x St. Hier eine weite und herrliche Aussicht (s. Gais'). — Nach St.Gallen 2^2 St. eine fahrbare Strafse. Nach Gais 2 St. Troms, Trums (rhät. Tron ), im K. Bündten, ehmaliger Hauptort des Obern oder Grauen Bundes. Geschichte. Nach Diseutis war Trons der erste Ort, welcher die christliche Religion annahm, und in diesem Dorfe war Placidus l'oparcha der erste durch Siegisbert im J. 614. bekehrte ; dieser verwandte sein Vermögen zu Erbauung des Klosters Disentis, wurde seihst Mönch, und kam durch die Tyranney des Graf Victor von Chur, welcher jenseits des Rheins in dem Schlosse Vi- linja bey dem Dörfchen Bralf wohnte, im J. 632. als Märtyrer um. Ursprung der Frey heit Graubündtens. Die Gegend von Trons ist nicht hlofs merkwürdig, weil sich von hier die christliche Religion über Graubiindten verbreitete, sondern weil sie auch die Wiege der Frev- heit für dieses Land wurde. Als im Anfänge des XV. Jahrhunderts die Fehden des Bischofs von Chur gegen die Freyherren, und dieser wieder unter einander ewige Verwirrung verbreiteten, und deren Amtleute Härte, ■j. % m 3% T RONS. Stolz und Verachtung des Volks den höchsten Grad erstiegen hatten, wurden es die Rhälier milde, dem Muthwillen grausamer Menschen langer zu dienen, Die kühnsten Männer in langen Bärten versammelten sich üi dem elimaligen Walde bey Trons, und beschlossen durch vereinten Willen, den Adel unter das Gesetz der Gerechtigkeit zu nöthigen. Um diesen heiligen Zweck zu erlangen, schlossen alle Rhätier im Vorder- Rheinthal eine Verbindung, und sandten die ältesten und angesehensten Männer an ihre Herren, mit der Erklärung ihres Willens, und mit der Einladung, eine gerechte und freye Verfassung zu gründen. Alle Herren (ausgenommen Graf Heinrich von fVerdenberg — Sargans s. Sargans) , fügten sich, und so ward im Merz 1424. bey Trons unter einem grofsen Ahornbaum von Peter von Pontaningen , Abt von Disernis (aus dem Vorder - Rheinthal gebürtig), den drey Brüdern Hans , Heinrich und Ulrich Brun von Razins , dem Graf Hans von Sax und Misox , dem Graf Hugo von JP^crdenberg (Bruder des berühmten Graf Rudolph von Werdenberg, s. Cais ), und den Vorstehern aller Gemeinden des P'order - Rheinthals des Longnäz-, Savien-y halben Domleschger -, Schamser- und Rhein- rvald — Thals, der erste Bund , der Obere oder Graue Bund genannt, beschworen, welcher der erste Anfang zum Frey Staat Graubiindtens wurde. Dieser noch bestehende Graue Bund , sechszehn romanische und zrvey deutsche Hochgerichte oder Bezirke enthaltend, wurde alle zehn Jahre erneuert, das letztemal im J. 1 778 ' T R O N S. 369 Diese grofsen Bundesversammlungen wurden in einem kleinen Wiesenthal Tavanasa, 1 v l2 St. von Trons, nahe bey der St. Annen - Kapelle, welche zum Andenken des ersten Bundesschwures erbaut Worden war, gehalten; nahe bey einer Quelle liegt ein Fels, in dessen Ritzen lange Nägel geschlagen waren, an welche die Vorsteher und Gemeindsboten ihren Ranzen voll Mundvörrath hiengen, welchen sie, ins Gras gelagert, verzehrten. Der oben genannte Ahornbainti stand 1798. noch , und sein Stamm hatte nahe an der Erde einen Umfang von 52 Fufs. Seit 1778- ist llanz Hauptort des Bundes geworden, und die Versammlungen werden nun dort gehalten. Merkwürdigkeiten. Trons liegt Viertelstunde vom Rhein , ist der schönste und fruchtbarste Ort im Hochgericht Disentis , und geniefst einer malerischen Lage und die schönsten Aussichten im Vorder- Rheinthal, Wenn die sumpfige Ebne unterhalb dem Dorfe von Steinen und Gesträuch gereinigt und angebaut würde, so müfste die Lage von Trons noch gesunder, und die Einwohner wohlhabender werden. Um Trons standen ehedem die fünf Schlösser Bardejlun, Grota, Tyrraun, Zijnau und KrastaCa, von denen nur noch die drey letztem sichtbar sind; Tyrraun hat den Namen Freyberg , und Zijnau den Namen Rinhenberg erhalten. Nördlich über Trons öffnet sich das wilde gletscherreiche Thal Pontajlas , aus Welchem der reifsende Bach Ferrdra , hervorrauscht, der gleich nach «einem Ursprünge im Fonlajler - Gletscher einen sehr hohen und schönen Wasserfall bildet. Aus diesem Thal bläst in den Sommerabenden ein erquickender Wind, welcher die heifse Schwüle der Tiefe mäfsigt. Oberhalb Trons erhebt sich das hohe und wilde Gebirge Tumpio , welches man nebst dem Greplium (Selbst- sanft) und Durgin (Kistenberg), beyde auf den Grenzen des Oberbundes und des K. Glarus (s. Disen- tis ) von Chur aus prächtig erblickt. Zwischen diesem Gebirge Tumpio liegt das Thal Frisal , von dem Bach Flum durchströmt, und von grofsen Gletschern umstarrt. Von Brigels aus kann man dieses Thal in einem Tage sehr gut besichtigen* Ein entsetzlich scharfer Wind stöfst aus diesem Thal auf Brigels. Der Felsen Grepgron liegt zwischen den Thälern Frisal und Pontajlas, und ist merkwürdig, weil die Westwinde so heftig an ihm anprellen, dafs daraus viele und beträchtliche Höhlen entstanden sind* Der Grcpliun (Selbstsanft) steht jenseits dem Thal Frisal, und ist nach dem Doedi und Rusein einer der höchsten Felsen dieser Kette; der Durgin (Kistenherg) erhebt sich zwischen dem Frisal -, Pontajlas -, Sand - und Ummer-Thal, und von ihm entspringt der Ummer-Bach, eine der Quellen der Linth im K. Glarus. Im Hintergründe des Frisalthals liegt noch der Piz Bar- cunpecen , Pis Plalalva , zwey Kavistraus u. s. w. Im 9 Hintergründe des Pontajlas - Thals erhebt sich der Piz Urlaun , den man von Rinkenberg und auf der Land- strafse unter d’Arvälla erblickt; über dessen Ersteigung sehe man den Art. Disentis. Diese beyden Thä- Turbach-Thal. 37 t ler Pontajlas und Frisal sind wegen ihrer Wildheit, aufserordentlichen Gletschern und mannigfaltigen Felsarten sehr sehenswertli. — Trons war im XV. Jahrhundert und 1807. in Gefahr, von Lauinen zerstört zu werden ; über sehr merkwürdige Schneestürze hier s; Laninen. Wege, ^on Trons durch Tavenas und Rauvis nach //am 4 St. (S; dieseu Artikel). Nach Sumvic 1 St., und von hier durch Compadels und den Eingang des ßarkunser - Thals vorbey nach Disentis 3“ St. (s. Sumvic und Disentis Geognost. und mineralog. Thatäacheh. Das Urfelsgebilde streicht von Disentis das Vorder- Rheintlial herab bis Trons; hier beginnt Flötzkalkstein und Schiefer, welcher nach Ilanz fortsetzt. Daher findet man in der Gegend von Trons sowohl Granit, Serpentin, Talkarten, als auch Thonschiefer, welcher zu Ofen und Dachplatten gebrochen wird, Flötzkalkstein mit Versteinerungen, farbige Marmorarten, Gyps im Gebiete der Gemeinde Slans westlich von Brigels. — Ein Bach hey Trons führt Goldsand, Oberhalb Trons nordwärts brechen Kupfererze , die mit Eisen vermischt sind, und südwärts silberhaltige Bleyerze, Im Anfänge des XVII; Jahrhunderts wurden die Kupfererze von »wey Bernern, II. -von Müllinen , und hernach von LVyfs Betrieben ; man sieht die Grube noch, und die Schlafen bey derselben zeigen, dafs man die Scheidung der Metalle nicht verstand. Turbach-Thal, im Saanen - Lande, K. Bernj vom Tur-Bach durchflossen, der sich i St. vor Saanen mit dem Lauenen - Bache verbindet. — In diesem Thal Schwefelquellen und Bader (s. Lauenen). Tureen - Thal, in der Altmans - Kette, ,, an der östlichen Grenze des K. Zürich , von der Löfs durchflossen. Hier lagen drey Schlösser Landenberg , Stammsitze des Geschlechts -von Landenberg , welches schon im VIII. Jahrhundert sehr begütert und angesehn, und vom X. bis XVI. Jahrhundert aufserordentlich zahlreich war. Die Landenberge zeigten sich als bittre Feinde der jungen aufblühenden Freyheit der Schwcitz, und standen in den Reihen der sie bekämpfenden Oesterreicher. Im J. 1508 . wurde aus Unterwalden der österreichische Vogt vertrieben, und in der Näfelser— chlacht vom J. 1388 - fielen sieben Landenberge. In dem XV. Jahrhundert trat indessen dieses Geschlecht selbst dem Freyheitsbunde bey, und nahm das Bürgerrecht von Zürich an, wo der dortige letzte Sprosse der einen Branche im J. 1795. erloschen ist. Das unglückliche Schicksal des Wildhansen Laudenbergs 1444. im Dienste von Zürich s. unter dem Art. Greifen-See .— Hans von Landenberg war Hauptmann von 3000 Zürichern in der Schlacht von Murten 1476. Ein Landenberg erscheint unter den Minnesängern des XIII. Jahrhunderts. T u s 1 s (rhiit. Tusan, Tosana) Tuscis eigentlich (zu den Thusciern), in* dem Homleschger — Thal, K. Bündten. Wirthshaus : LT^eifse Kreuz. Soll seinen Namen von ehmaligen Tusciern oder Toscanern erhalten haben, welche zur Zeit des Einfalls der Gallier un- Tusis. 373 ter Bellovesus in Italien (600 J. vor Christi Geburt) in die Gebirge Bündtcns flohen (’s. Graubündten'). Ist einer der wohlhabendsten Oerter in ganz Graubündten; liegt zwischen dem Hinter-Rhein und der schrecklichen Kalla *) , am Fufse des durch seine Schönheit so berühmten Heinzen -> Berges (la MontagnaJ , welcher bis Räzunr, 2 St. lang und 2 St. hoch, stufenmiifsig sich ausdehnt, und endlich in die Alpen des Stella übergeht. Der Anblick dieses Berges ist durfch die herrliche Bebauung und Wiesenwässerung, durch seine sechs Dörfer, viele Höfe und unzählige Maiensäfse ergötzend. Auf dem Heinzen- Berge liegen der ^Pascomina - See , Pischoler - See, A/petta —See und der Lüscher - See; dieser letztere liegt gerade über Tschapina, 1 St. von Glafs, ist ohne Zuflufs und sehr tief, macht bisweilen grofses Getöse, und sein unterirdischer Abflufs ist wahrscheinlich die Ursache der vielen Unfälle dieser Gegend, wo der thonschiefrige Boden nach der Notla herabiutscht. Das tiefe Purteiner— Tobel durchschneidet den Heinzcn- Berg. Die Nolla läuft zwischen dem l'iz Beverin, der sich südwärts erhebt, und dem Hügel Masüg: diesseits Masüg gegen Tschapina liegt der Tschapiner-Tobel, in welchen aus dem Tschapiner-Gebiet alle Erdschlipfe hinabglitschcn, und der Tschapiner-Bach allen schwarten Schieferschlamm der Nolla zuführt, wodurch dieser Bach so verwüstend wird. Die Erdschlipfe bey Tschapina und die schrecklichen Verheerungen der Nolla bc- *1 Im rhätischen heifst sie Anujl, welches IViAder bedeutet. 374 T us is. gannen in der Mitte des XVIII. Jahrhunderts, und dauerten bis 1770. ; hörten dann auf, und haben mit Anfang des XIX. Jahrhunderts so entsetzlich zugenommen, dafs von Tschapina viele Häuser und Güter, von Tusis viele Grundstücke versunken, und 1807. die Verwüstungen auf einen furchtbaren Grad gestiegen sind, wodurch das Domleschger - Thal seine ehmalige Schönheit immer mehr verliert *). Der Piz Beveriti fauch Bafrin und Cornudes genannt), 8385 F. übers Meer, läfst sich von Tschapina (sehr mühsam und zum Theil gefährlich) ersteigen. Alle Bewohner des llein- zen - Bergs sind Protestanten , und sprechen romanisch, ausgenommen Tusis und Tschapina , wo man allgemein «eit dem XVI. Jahrhundert deutsch redet. — Die Spaziergänge auf dem Heinzen -Berge und die Aussichten über das ganze Domleschger- Thal sind unbeschreiblich mannigfaltig. Das Schloff Tagstein geuiefst einer sehr weiten Aussicht. Nordwärts liegt Tartar , von dessen Einwohnern einige Schriftsteller fabeln, dafs es Abkömmlinge von Hunnen seyen. Das Dorf Käzis ist merkwürdig, well diese Gemeinde ganz besonders von der Kropfkrankheit geplagt ist. Das hiesige Augustiner-Kloster wurde schon im J. 750. gestiftet. Hier ist viel Baumzucht; das Thal überhaupt ist an Obst so ergiebig, dafs mit dem getrockneten Obst durch Glarner- Aufkäufer ein beträchtlicher Handel bis nach Rufsland getrieben wird. Die Luftdarren fürs Obst in diesem Thal sind sehenswerih. Auf der andern Seite des *) Man sehe hierüber des verdienten H. Eschen Bericht. Rheins, bey dem Schlosse Realla , die befste Uebcrsicht des ganzen Domlescliger-ThzXcs (s. Si/s). Das Quell- wasscr von Tusis steht in Biindtcn im Rufe eines vorzüglichen Trinkwassers. Da dieser Ort an der grofsen Strafse über den Splügen liegt, so ist er sehr lebhaft; 1 [n St. von hier beginnt die merkwürdige Via mala (s. diesen Artikel). Im Tschapiner - Gebiet gegen Urmaia und Flerda viel Torf (s. Domleschger-Thal), Wege. Von Tusis nach Chur 4 St. eine fahrbare Strafse (s. Reichenau ), etwas weiter, wenn man den Weg durch Sils, Scharans , Tomils , Reichenau nimmt (s. diese Artikel). Von Tusis ins Savien- Thal; der Weg geht durch Tschapina , Glas und über die Steige, einen steilen Felsenweg, hinab nach der Kirche im Plate; kann geritten werden (s. Savien-Thal ).— Die grofse Strafse nach Italien führt von Tusis durch den berühmten Felsensclilund, Via mala genannt, nach Zilis in 2 St. (Die Merkwürdigkeiten dieses Weges s. man unter dem Art. Via. mala ), Pflanz en. Auf dem Jieverix: Artemisia pontica, Bey Tusis : Angelica verticillaris. Das häufig au der Ko lla und dem Rhein wachsende Saponaria ofßcinalis dient den armen Einwohnern, mit Aschcnlauge gekocht, statt der Seife. Taxus baccata (Eiben), Crataegus oryacantha (Weifsdorn) und Samluccus nigra (scjhwarzer Holder) erlangen in dem Domleschger-Thal einen ungewöhnlichen hohen »nd stämmigen Wuchs, Von dem Sambticus wächst auch eine Spielart mit weifsen Beeren. 37 6 T wanne. Geognost. und mineralog. Thatsachcn. Schiefer und Kalkstein herrschen in der Gegend von Tusis und am Heinzenberg. In einer Urkunde vom J. i 475 - den Heinzenberg, Tschapina und Tusis betreffend, wird von Erzen dieser Gegend gesprochen, und nach Scheuchzer soll bey Tschapina Bleyerz brechen. Twakne (Tavanne , DouaneJ , Dorf am westlichen Ufer des Bieter- Sees; hier ein schöner Wasserfall (s. Biel und Bieter-See), u. Ueberlingen, Stadt am schwäbischen Ufer des Bodensees. Sie soll von den fränkischen Königen erbaut worden seyn, war nachher Sitz der Herzoge von Schwaben, seit 1267. freye Reichsstadt, seit 1325. im vielfachen Bunde piit Zürich, Schafhausen, Luzern und einer Menge Reichsstädte, genofs eines ausgezeichneten Ansehens bis über die Mitte des XV. Jahrhunderts, verlohr 1802. seine alte Verfassung und wurde dem Grofsherzog von Baden unterthanig. Die Stadt steht auf Felsengrund, und in den Stadtgraben werden Sandsteine zum bauen gebrochen. Auch quillt in den Gräben eine mineralische Quelle, welche zum Baden gebraucht wird. Wege. Von Ueberlingen nach Märsburg 2-3 St.; zwischen heyden Städten liegen am See Unter- Aldingen, Seefelden und Murrach. Von Ueberlingen weiter den See herab liegen Caldbach von Felsen umge- a U N T E R S F. E N. , / 377 ben, Siplingen mit zwey zerfallnen Schlössern in einer felsigten Gegend , wo Wohnungen und Treppen in den Felsen ausgehölt sind, Heidenlöcher genannt. Dann folgen Sernatingen und Bodman, Flecken mit uraltem Schlofs, welches zur Zeit der Karolinger Aufenthalt der Kaiser yvar, und wovon der See seinen Namen Bodman , Bodensee erhalten hat. —- Von Ueberlingen über den See nach der Insel Meinau St. (s. Meinau'j. Ufnau, (Insel), s. Huttens-Grab. Umbra il, auch Braulio, Braglio, Wormser-Joch genannt, s. JYorms. Unter seen, im K. Bern. Wirthsliaus: KauJ- haus , bey Alltnan sehr gut, zehn Minuten weiter, in Interlachen , ein eben so gutes Wirthshaus (’s. Interla- chen). Vorzügliche Führer sind Jacob Michel , Vater; Jonathan Michel , Sohn; und Heinrich und Caspar Michel , Vetter der Vorigen. Liegt an der Aare und zwischen den Brienzer— und Eituner — Seen, nahe an» Abend- und Harden- Borg. Unterseen kam 1388- an die Stadt Bern. Mer kwü rd i gkei te n. Hier viele Sagemühlen und eine sehr beträchtliche Schachtel -Fabrik. In Unterseen stehen hölzerne Häuser noch von den J. 1530. und 1650. Hier wohnt der ausgezeichnete Landschafts— und Charakter - Maler II. König, welcher schon viele vortrefliche Stücke geliefert hat; man s. hierüber im !• Theil den 16. Abschnitt. Zu Aarmühl , nahe bey Unterseen, hat Doktor Ebersold, so wie zu Unterseen selbst Doktor Blatter und der Kunstmaler König , 37^ Unterseen. Einrichtungen für solche Personen getroffen, welche die Ziegenmolkenkur gebrauchen wollen. Diese Gegend ist zu einem Aufenthalt von einigen Wochen ganz geeignet. Die Natur zwischen dem Thuner- und Brien- zersee und in der Nähe von Lauterbrunn, Grindel- tvald und Hasli, vereiniget so viel Mannigfaltigkeit des Grofsen und Erhabnen mit dem Romantischen und Rei- tzenden, als man in wenigen Gegenden der Schweitz findet. Die Ebne zwischen den beyden Seen ist an Wiesen und den gröfsten Obstbäumen im hohen Grade fruchtbar. Nufsbäume von der Gröfse, dafs ein einziger 40 - 50 Klafter Holz giebt, findet man sonst nirgends in der Schweitz. Ein Spatziergang in der grofsen Nufsbaumallee bey Vollmondschein giebt einen seltnen Genufs. Zwischen beyden Seen liegen Unterseen , Interlachen , Aarmühle , Böningen ; etwas höher südwärts Gsteig und fWildersrryl. Herrliche Standpunkte giebt es { 1) Auf der Insel in der Aare, 2) Auf dem Galgenhügel % St. entfernt. 3) Bey den Ruinen des Schlosses Unspannen , und von hier durch LVildersvpyl zurück. 4) Ueber den See nach Rinken- berg , wo man bey dem Pfarrhause den ganzen Brienzersee übersieht. 5) Nach dem in einem Obstbaumwalde verborgnen Böningen am Fufs des Breit- lani, wo sich die Lätschine in den See ergiefst. Weite *) Hans von Rinkenberg war Minnesänger im XIII. Jahrhundert. Anton von Ringenberg war Hauptmann von 3oo Haslithalern in der Schlacht von Lauppen ani 21 . Juni 1 33g. in den Reihen der Berner. Unterseen. 579 Spatziergänge auf Berge: i) Auf den 6000 F, hohen Höhgant in der Pilatuskette; der Pfad ist gut. 2) Auf die Rotheßue und ins Saxetethal; der Weg geliE durch Wildriswyl , längs dem Saxetebach aufwärts über die Rotheßue ins Saxetethal x St., zu dem Dörfchen Saxeten 1 St. Auf der Rothenßue hat man rechts den 1 tranig links die Isselt — Kette, und mau sieht das ganze Thal von Interlachen , den Harder , die Höhgantkette , und die Eiger und TVetterhörner in Crindelwald. Nicht weit von Saxeten, aber höher, das Dörfchen Eisenßue uud der 400 F. hohe Wasserfall des Bellabachs , und der Fall des Saxetenbach fast an gleicher Stelle. Von hier auf die Sulek , 4360 F. über den Thuuersee, 3 St.; der Weg geht über die Nefsler - Al[), Bellenstaffel und Ober - Bellalp. — Eine Gesellschaft von Bernern hat ein Alpenliir— teufest gestiftet, welches den 17. August 1805. zum erstenmal bey Unterseen gefeyert wurde. Mehr als 3000 Menschen waren versammelt. Der Zweck ist, die Spiele und Wettkämpfe der Alpenhirten zu erhalten und durch ausgesetzte Preise zu vervollkommnen. — Die in Untersc’en wohnenden drey Brüder Jakob Michel sind als Führer zu Alpenreisen zu empfehlen; sie sprechen französisch. Wege. Ueber die Fahrt nach Brienz s. man den Art. Interlachen. — Von Unt'erseen nach Grindehvald I und Lauterbrunn 5 St. Zuerst nach Malten, (rechts der kleine Rügen , die Reste des Schlosses Unspunneu Und das Dort JJ'ildersrrjl) ; hier über den Saxete- \ 38 ° Unterwalden. Bach, nach Zrveiliitschinen 3 St. Vor diesem Ort führt eine malerische Brücke linker Hand auf die Isel- ten- Alp; von Zweilütschinen nach Lauterbrunn 1 St.; oder nach Grindelwald 3 St., (s. das nähere unter Grindelrvald , Lauterbrunn und Int er lachen}. — Ins Habkern - Thal (s. diesen Artikel), P'fl a n z e n. Carpesium cernuum wächst im Golde i lrey Unterseen; und Asperula taurina in Menge ini "Walde des grossen Häg c n. Geognost. Bemerkung. Der Brienzer - und Thuner - See bildeten ehmals einen einzigen grofsen See. Die 1 St. lange Ebne, welche sie jetzt trennt, ist durch die Steintrümmer und allen den Schutt entstanden, welche die Lütschine von Süden, und der Lom - Bach von Norden, in aufserordentlicher Menge seit Jahrtausenden in den See führten, und ihn endlich so ausfüllten, wie wir es jetzt sehen. Unterwalden (der Kanton), ist einer der drey Urkantone, welche vor dem XIV. Jahrhundert die Waldstädle genannt wurden. Im XI. Jahrhundert hiefs Unterwalden stets Sylva , Forst. Der Kanton enthält ohngefähr 12 Q Meilen, 33,070 Einwohner, keine Stadt , und 5 Klöster. Dieses Wiesen- und Alpenland besteht aus vier Thälern, enthält 4 Seen, und wird von zwey Aa - und dem Melcli- Bache duich- slrömt. Seine Gebirge steigen von 2600 bis 10,000 F. übers Meer, und die Surenen - Alpen und der TitHs tragen unvergänglichen Schnee und grofse Gletscher. Der östliche Theil des Kantons ist sehr mild ; die Obst- und Nufshaumzucht geräth hier aufserordentlich; bey Kirsiten wachsen efsbare Kastanien, und hin und wieder werden die Wiesen viermal gemähet. — Die Einwohner von, Unterwalden gehören zu den Alpen - und demokratischen Völkern der deutschen Schweitz, sind katholisch und haben sich von jeher durch ein ernstes, andächtiges Wesen und unbedingten Glauben an ihre Priester ausgezeichnet. Alpenwirthschaft ist ihre einzige Beschäftigung; nur im Engelberger- Thal wird Floretseide gesponnen. Die Rindviehart ist klein, 3-4 Ct. das Stück schwer. Der Kanton soll 10,000 Stück Rindvieh im Sommer ernähren. Der Unterwald- ner-Käse hat mit dem Emmenthaler und Saaner gleichen Preis, verbessert sich mit dem Alter, ist nicht sehr fett, sehr hart, dauert aufserordentlich auf den fernsten Seereisen und wird deswegen sehr gesucht. Der gröfste Theil desselben geht nach Italien. Geschichte. Die Geschichte dieses Kantons s. unter dem Art. Schwytz.— Seit dem J. 1150 . ist Unterwalden in zwey abgesonderte Bezirke eingetheilt, welche durch die Felsenkette vom Titlis hinab nach der Blumalp und durch den Kcrnwahl geschieden werden; deswegen wird der höher oder nach S. liegende Bezirk ob dem EB'alde oder Obwalden , und der tiefer oder nach N. liegende nid dem Walde oder Nidwalden genannt. Beyde Bezirke bilden seit dem J. 1508 . zwey für sich bestehende Freystaaten, die in gewissen Beziehungen gemeinschaftlich handeln und in dein Bunde Jer Eidgenossenschaft nur als Ein Staat betrachtet Werden. — Die Klöster Engellferg , St. Leodegar in der Stadt, und Münster im K. Luzern , Muri im K. Aargau, Oesterreich und der benachbarte Adel , bcsafsen in Unterwalden fast alle Zehnten, Pfarreybesetzungen, eine Menge Meyereyen, Gefälle und andre Rechte, welche alle die Unterwaldner bis zum XVI. Jahrhundert mit Geld erkauften. Seit dem Ursprünge der Eidgenossenschaft im J. rjog. hat Unterwalden sein Gebiet nur mit der Gemeinde Alpnach vermehrt. In Obwalden ist der Menschenschlag schöner als in Nidwalden ; auch herrscht im erstem gröfserer Wohlstand als im letztem, welches durch die Verwüstungen der Franzosen im J. 1798- ins tiefste Elend gestürzt wurde. Siehe hierüber Stanz. Berühm'te Männer. Arnold an der Halden , einer der drey Freyheitsstifter der Schweitz (1307), Arnold von Winkelried, welcher durch seine helden- tnüthige Aufopferung und glücklichen Einfall an der Schlacht von Sempach den Schweitzern Sieg verschafte ^ Landammann Tiejselbach von Obwalden, der als Held an diesem Tage vor Sempach fiel ( 1386.), die Land- ammanne Müller und Zeiger , welche in der Schlacht am Hirzel i 443 m Feldhauptmann Rudi Brnndly , der nebst 'rrachsei , Christen , Riiltimann in der Schlacht von St. Jacob 1444. als Helden starben (s. Horgert und Basel'), sind nur wenige Namen der vielen Ta- pfern Unterwaldens, welche von Stritt Winkelried 1240. an bis zum schrecklichen Kampf des 9. Septcni- Fers 1798- in allen Schlachten der Eidgenossen fürs Vaterland oder für dessen Ruhm fochten und fielem Eben so haben sich viele Unterwaldner in den Kriegsdiensten Spaniens , Venedigs , Frankreichs sehr ausgezeichnet ; z. B. die Lüfsi , Imfeld und Andere. Nikolaus von Flue , der Retter der Eidgenossenschaft im J. 148i. war aus Obwalden. S. Sarnen. Unter den Staatshäuptern glänzt ganz besonders Melchior Lüfsi*), welcher zehnmal als Landammann, als Landshauptmann des ganzen Kanton, als Gesandter an mehrere Päbste, nach Spanien, nach Venedig, an’s Trien- ter - Koncilium u. s. w. seit 1556— 1616. seinem Vaterlande die ausgezeichnetsten Dienste leistete und überall so sehr die Würde des schweitzerischen Namens im Auslande behauptete, das er vorf allen Fürsten und allen Parthejen die höchste Hochachtung genofs. — Niklaus Späthig ( ans Saxeln) Pfarrer, beschrieb in lateinischen Versen die Geschichte der Schweitzerhelden. Basinger und Zeiger haben sich als Geschichtschreiber ihres Kantons, FViirsch als Mahler, und Kristen als Bildhauer rübmlichst bekannt gemacht. Geognost. Beschaffenheit. Der ganze K. Unterwalden liegt in den Kalkalpen (s. Engelberg, Buochs , Stanz, Sarnen, Alp nach). ) ljifsi ist eins der ältesten Geschlechter .Unterwaldens, welches seit dem Ursprünge der Eidgenossenschaft in diesem Kanton 10 Landammanne, 10 Landshauptmänner, 5 Pannerherrn und eine Menge anderer Staatsbeamter unter ihre Clieder zählte. St. Urban. r*0 / öb J St, Urban, Abtey im K. Ludern, s. Langenthal. Uri (der Kanton), einer der drey Urkantone, besteht aus 10-12 Thälern, enthält 8-10 Seen, wird von der ReuJ's durchströmt, in welche sich alle übrige Bache ergiefseu, und umlafst den ganzen nördlichen und westlichen Theil des Gotthard - Gebirges. Nach dem Verlust von Livinen beträgt die Gröfse des Kantons nur ungefähr 20-24 O Meilen. Im J. 1798. •zählte man 28,000, ohne Livenen nur 12,000 Einwohner. Die meisten Thäler sind enge; die Gebirge erreichen die Hohe zwischen 5-10,000 F. übers Meer, und sind mit Gletschern und nie schmelzendem Schnee belastet. Der ganze Kanton ist ein Vliesen - und Alpenland. Die Einwohner gehören zn den Alpen - und demokratischen Völkern der deutschen Schweitz, und sind katholisch. Aufser der Viehzucht giebt die so betretne Frachtstiafse durch den Kanton über den Gotthard nach Italien grofsen Erwerb. Die Rindviehart ist klein, 3-4^ Ct. das Stück schwer. Im Sommer soll der Kanton 10,000 Stück ernähren. Die Urner bereiten mehr Butter als Käse, und ihr Käse ist fetter als der Uuterwaldner, wird aber nicht so bezahlt als dieser, weil er sich auf weiten Reisen nicht gut hält. Das Haupt-Thal liegt dem Südwind, Föhn genannt, sghr offen, und bewirkt, dafs die Gegend von Altorf ein Klima wie Giornico in Livinen ge- niefst; dafs hier Pfirsiche, Kastanien, feine Gemüse wachsen, und überhaupt alles i j Tage früher ist als in Luzern. Der Föhn bringt aber auch durch seine Uri.. 585 entsetzliche Sturmheftigkeit die gröfste Gefahr. Der Kanton enthält keine Stadt, dagegen 3 Klöster. Altorf ist Hauptort. Geschichte. Uri verdankt seinen Namen den Ur- oder Auerochsen , welche vielleicht diese Thaler bewohnten, als sie bevölkert wurden. In alten Urkunden wird es immer ad Uros (im Lande der Urochsen) genannt Von der Zeit seiner Bevölkerung weifs man nichts. Ein im Landarchiv von Uri voihandner Brief des K. Ludeyvig des Deutschen beweist, dafs diese Landschaft sich im J. 809. mit Beybehaltung ihrer Freiheiten in des Reiches Schutz begab, und dafs derselbe König 853 . dem Münster in Zürich seine Rechte in Altorf, welches Pagellum Uraniae genannt wird , übertragen habe ; schon 744* kommt Altorf in Schriften vor. Ueber die Geschichte des Ursprungs der Eidgenossenschaft sehe man Schrvytz , Steinen , Altorf , Bärgier}, Kiifsnacht , Egeri. Seit der Begründung der Eidge- *) Nach Caesars Bericht waren zu dessen Zeit die Auerochsen in Deutschland und besonders im Schwarzwald sehr häufig. Noch vor wenigen Jahrhunderten wurden in mehrern Cegenden der Schwcitz die Stiere Uren genannt. Der Kanton Uri führt in seinen Wappen den Kopf eines schwarzen Stiers mit einem rothen Itinge durch die Nase, und der vorderste Hornbläser der bewaffneten Urner - Mannschaft hiefs immer der Stier von Uri. — Der rhälische Geschichtsforscher, H. Placidus a Specha behauptet, die Urner seyen Abkömmlinge der Rhätier, ihr Hauptort habe Alt-Port (die hohe Anlände), und die Reufs habe Urs (Bär) geheifsen, woraus Uri, Urania entstanden sey. IV. 3 $ 336 Uri. nossenschaft (im J. 1308.) vergröfserte sich das Ge- bieth des K. Uri mit dem Thal Ursern und Livinen im XV. Jahrhundert. Livinen ist seit 1798- von Vri getrennt und dem K. Tessin zugetheilt worden. In den J. 1799. und 1800. war der K. Uri immerwahrender Schauplatz des Krieges zwischen den Franzosen, Oesterreichern und Russen. Von Altorf bis Giornico wurde das Land geplündert, Vieh und Pferde geraubt, alle Lebensmittel verzehrt und vergeudet. Oft sahen sich viele Einwohner gezwungen, mit ihren Kindern in Felsklüften zu hausen; Brodt war eine seltne Sache, und Ziegenmilch nebst wildem Obst waren für viele Menschen Haupt-Nahrungsmittel. Im J. rgoo. wurden die Einwohner gezwungen , Pulver und Kugeln der französischen Division Moncey , welche nach Italien zog, auf den Rücken über den Gotthard zu schleppen; für den Centner erhielten sie eine Ration Coinmisbrodt und Brandtwein. Die Herüberschaffung dauerte drey Wochen. W T ie Lasttliiere bepakt zogen die Urner in langen Reihen, zuerst die Männer, dann die Weiber, die Kinder , zuletzt die Greise, unter dem Befehl einiger französischen Unteroffiziere, welche sie nach Gefallen halt machen liefsen oder antrieben, ja oft sie % mifshandelten. Viele wandelten aus Noth aus, andere ergriffen die Waffen und kamen um. Am Ende des J. 1800. war der sechste Theil der ganzen Volksmenge bettelarm und mehrere hundert Kinder mufsten von der helvetischen Regierung bey den Einwohnern andrer Kantone uutergebiacht werden. (S. Altorf , Lnzerner- see, Bürgten , Schächenthal , Amstäg , Maderanthal , Maien-Thal, Ursern - Thal, Andermatt, Hospental , GotthardJ. Berühmte Männer. Wilhelm Teil und Walter Fürst von Attinghausen, Stifter der Eidgenossenschaft (1507.), dessen Geschlecht das Volk von £/ri die Würde eines Landammanns 90 Jahre lang aus Dank verlieh; die Beroldingen, Sillinen, Pünliner, alte Geschlechter , deren Glieder von dem XII. bis Ende des XVII. Jahrhunderts die höchsten Staats- und Eriegsämter in £ 7 ri bekleideten , und fast in allen Schlachten der Schweitzer für ihre Freyheit fochten. In der Schlacht von Morgarten (1315.) fiel ein Beroldingen in der Schlacht von Sempach (1386.) ein Sillinen, in der Schlacht von Bellenz (1422.) Heinrich Piintiner. Landammann Conrad, ein Attinghausen , Antoni zum Port starben den Heldentod am Tage zu Sempach , der alte Landshauptmann Joh. Imhof von Blumenfeld nebst Heinrich Jauch in der Schlacht am Hirzel (1443.) oberhalb Horgen, Landammann Hans Rot in der Schlacht von Bellenz ( 1422,), Landammann Arnold Schik in der Schlacht von St, Jakob ( 1 444 )• Arnoldi führte den linken Flügel der Schweitzer an der Schlacht zu Cranson , ( 1475.) und Heinrich Troger (beyde Landshauptleute ) gewann die Schlacht Rey Giornico (1478)- Diefs sind nur einige Namen aller der Tapfern, welche fürs Vaterland und dessen Ruhm in Menge geblutet und gestritten haben. In den Kriegsdiensten Spaniens , Frankreichs und Portugals zeichneten sich seit dem XVI. Jahrhundert mehrere Beroldingen. Pilntiner, Bester, Basier, Pro, Kuhn, Crivelli in den höchsten Befehlshaberstellen bey den gröfsten Schlachten in Italien, Spanien und Frankreich auf das glänzendste aus. — Albert Altorfer, aus Altorf, war Mahler und Kupferstecher im J. 1500., und Melchior Acontius, auch aus Altorf, Dichter im XVI. Jahrhundert; seine Verse findet man im I. Th. der Deliciae poetarum germanicorum Francfort, 1612., und sein Epithalam des Georg Sabinas ward 1538. zu Strasburg mit den Gedichten dieses Sabinus, Schwiegersohn Melanchthons, gedruckt. Vincenz Schmidt schrieb eine Geschichte seines Kantons und fiel 1793. \ im Gefeoht gegen die Franzosen bey Brunnen. Geognost. Beschaffenheit. Der gröfste Theil des K. Uri liegt in dem Urfelsgebilde, auf welchem nordwärts die Kalkalpen aufgesetzt sind (s. Altorf, Schächen-Thal, Amstäg, Maien-Thal und Gotthard Ursern-Thal, (rhät. Ursara, deutsch ins XV. Jahrhundert Ursara) im K. Uri, zieht von dem Urner- Loch am Tenfets - Berge 3 St. lang nach der Für ha in der Richtung von NO. nach SYV. % St. breit , von der Reufs durchflossen und von allen Seiten mit den höchsten Granitfelsen geschlossen. Der einzige Eingang , ohne Felsengräte zu übersteigen, ist nordwärts durch einen gesprengten Stollen, Urner - Loch genannt, über welches hinaus das Gebieth von Ursern durch die schrecklichen Schöllenen bis zur Häderlisbrücke, % St. von Gestincn, geht. Das Hauptthal hat 6 Ne- Ursern-Thal 389 benthäler, das Ober- und Unter-Alpthal , das Rudunt- Thal, das Käser- Enn- und Grojs- Thal. Nur das Haupttbal ist bewohnt, und enthält 4 Dörfer. Es gehört zu den höchsten bewohnten Thälern der ganzen Schweitz ; denn sein niedrigster Theil liegt 4356 F. übers Meer, und erhebt sich in jeder halben Stunde um einige hundert Fufse höher. Der Winter dauert acht Monate, und gewöhnlich wird zehn Monate ein- geheitzt. Ist Alpenland, und durch die Ursern - Käse, welche zu den fettesten und befsten der ganzen Schweitz gehören, berühmt. Alle Alpweiden sind gemeinschaftlich. Ehedem war es mit Wald bedeckt, von welchem nur noch ein kleiner Hain oberhalb An-der-Matt steht; im Thal längs der Reuls wachsen viele Erlen, und Torf giebt es genug. Auf den Seitengebirgen des Hauptthaies liegen 4 - 5 Gletscher : der St. Annen -, Matten-, Bielen- und JVei hwasser - Gletscher. Die gro- fsen Strafsen über den Gotthard nach Italien, über die Furca nach Wallis, und über die Oberalp nach Grau- bündren, gehen durch dieses Thal, wovon die Einwohner viel Gewinn ziehen, indem sie zur Fortschaffung der Waaren 300 Pferde halten. Das Thal gehört wegen der wilden Natur, welche innert seinen Grenzen liegt (denn sein Gebiet dehnt sich niederwärts bis in die Schöllenen ) , wegen der Teufels - Brücke , des Urner - Lochs und des wunderbaren Kontrastes dieser Schreckens - Scenen mit den freundlichen Alpenfluren ira Thale selbst, zu den sehenswerthesten Gegenden des schwcitzerischen Hochlandes. (Ueber die Wege 1 und Merkwürdigkeiten s. man Am-Släg , Andermalt und Hospital). Geschichte. Ob der Name des Thaies von dem Flufs Reufs, im alten Celtischen Urs, rhät. Ursa (Bärin) genannt, welche ehedem in dieser Gegend einheimisch waren, herkoramt, ist unausgemacht *). Da* Volk, welches das Ursern - Thal bewohnt ; spricht deutsch und wird für ächten deutschen Stammes gehalten. Von N. aus Uri war das Thal unzugänglich; in NO. wohnten und wohnen noch nur rhätische und romanische, in SO. nur italienische Völker. Diese* Thal erhielt also seine ersten Ansiedler aus SW. über die Furca her, von den deutschen Völkern des Ober- TVallis; so wurde bisher allgemein angenommen. Folgende Geschichtstliatsachen machen dies aber sehr zweifelhaft. Als Sigishert im VII. Jahrhundert sich bey dem jetzigen Disentis als christlicher Bekehrer ansiedelte (s. Disentis), waren die höher'gelegnen Thäler Ta- vätsch und Medels, und eben so Ursära ganz unbewohnt. Wie die Bevölkerung bey Disentis zunahm, zogen die neuen Christen des Sommers mit ihren Heer- den in jene Thäler. Aus anfänglichen Sennhütten wurden nach und nach einzelne stete Wohnungen, und aus diesen zuletzt Dörfer. Ob im J. 1048., als die Aebte *) In der allerältesten celtischen Sprache hiels Urus nnd Barus Flufs j einige Dialekte liefsen das U weg, und sagten Rus ; andre ltefsen das zweyte u weg, und sagten Urs. Daher der Name des Flusses lleufs und Ursern - Thal entsprungen seyn soll. Die Urserer führen in ihrer Fahne einen Bär. Ursern- Thal. 39 * von Disentis von dem deutschen Kaiser mit der ganzen Herrschaft Disentis , in welche das Ursära - Thal begriffen war, belehnt wurden, Ursära schon bevölkert gewesen, ist nicht bekannt. Die Neubekehrten waren damals zum Anhören der Messe nicht an Sonn- und Feiertagen, sondern nur zu gewissen Zeiten des Jahres gehalten. Die Ursärer hatten daher lange Zeit keine Priester, und wie sie Messer (Priester) erhielten, so waren es die Kloster-Geistlichen von Disentis, zu welcher Kirche sie gehörten. Disentis liefs die ersten Kirchen im Medels -Thal 1456., im Tavetscher - Thal 1490., und im Ursären - Thal die Kirche des H. Co- lumbanus (in welchem Jahr ist ungewifs) bey An~ der - Matt bauen. Anfänglich war dies eine Filialkirche von Disentis, aber seit 1490- wurde die Kirche der HH. Peter und Pauli in An-der-Matt geweihet, und stehende Seelsorger ihr zugegeben. Räalp (ein Name, welcher den rhätischen Ursprung sehr deutlich ausspricht) erhielt die zweyte Kirche, und zum-Dorf u. Hospital wurden Filialkirchen; zu allen diesen Kirchen hatte der Abt von Disentis das Ernennungsrecht. Seit der Bevölkerung Ursärens stellten dessen Einwohner alljährlich eine grofse Kreuzfahrt nach Disentis zu dem Grabe der Heiligen Sigisbert und Placidus , ihren ersten Aposteln des Christenthums, an. Ursära stand von Alters her unter dem Bisthum von Chur, welches nicht statt gehabt hätte, wenn dieses Thal von Wallis aus bevölkert worden wäre. Die Abtey Disentis war Besitzer des Gotthards und der dortigen Alptriftcn, und 3<)2 Ursern-Thal. die Abtey war e« auch, welche aut der Höhe des For- tunci (etimaliger Name des Gotthards) gegen Ende des XIV. Jahrhunderts eine dem H. Gotthard geweihte Kapelle und ein Spital erbauen lief». Alle diese That- sachen beweisen ziemlich gewifs, dafs das Ursdrn- Thal ursprünglich von den Rhätiern des Vorder-Rheinthals bevölkert wurde, und der Abtey Disentis angehörig und pflichtig war. Die rhätische Sprache herrschte hier durchaus, bis das Thal im XIV. Jahrhundert mit den Bewohnern des K. Uri durch Eröffnung des Weges um den Teufelsberg vermittelst einer in Ketten hängenden Brücke, und durch das mit Uri aufgerichtete Landrecht in die genauste Verbindung kam. Der stets mehr betretne Pafs über den Gotthard setzte die Ursä- rer nicht blofs in tägliche Berührung mit deutschen Schweitzcn, sondern es liefsen sich auch viele derselben hier nieder, und so gewann die deuts.he Sprache i in dieser rhätischen Kolonie (wie in Graubüudten selbst an mehrern Orten mitten unter romanisch redenden Gemeinden , z. B. zu Tusis') so allgemeines Ueberge- wiebt, dal's die rhätische Sprache ganz verschwunden ist. Nach dem Zeugnifs Glareans ( in den Annot. in Comment. Caesar. L. IV. p. 120.) redeten die Einwohner von Ursärn noch im XVI. Jahrhundert rhätisch. —■ W eder Felix und Regula , noch Siegisbert und Colum- ban reisten im III. und VII. Jahrhundert durch Ursärn- Thal, wie die Legenden erzählen. Die erste Erwäh- nung desselben geschieht in einer Urkunde vom J. 1300., worin von einem Heinrich und JValter von \ Ursern-Tha t. 393 Hospendal als Zeugen die Rede ist, und zu dieser Zeit stand schon ein Hospital am Fufs des Gotthards, nämlich da, wo jetzt das Dorf Hospital . Die älteste Urkunde im Archiv (Kasten genannt) von Ursärn ist vom J. rjti., und betrifft ein Urtheil in einer Erbschaftssache gegen einige Walliser. TYilhelm de Planczia , Abt von Disentis, schlofs 1519. ein Bündnifs mit den Urnern , und seit dieser Zeit bat die Eröffnung des Weges aus Uri nach Ursärn und über den Gotthard den Anfang genommen. Eine Urkunde von 1321. betrifft einen Streit zwischen den Einwohnern Vrsärens und UrCs wegen Lieferungen und Versäumungen bev dem Pafs über den Fortunci (Gotthard); der Abt schützte die Ursärer , und der Streit wurde bey- gelegt. Eine Urkunde vom J. 1331. enthält den Landfrieden, welcher, nach langem offnen Krieg zwischen den Ursärern und Livenen über die Abtriften am Gotthard, geschlossen wurde. Der Abt Marlin von Sax nebst den Freyherren von Belmonte, Montalto, Flums, Ilanz, Langenberg, Laax und Maffei (Vogt vom Beilenzer-Thal) suchten die Eidgenossen, um Oesterreich zu gefallen, im J. 1333. zu beschädigen, und verlangten, dafs die Thalleute von Ursärn den Urnern deü Pafs sperren sollten. Da dies nicht geschah, s* überfiel der Abt die Thalleute auf der Oberalp, wo die Urner aus einem Hinterhalt hervorbrachen, und den Sieg davon trugen ; 500 der Leute des Abts blieben, und der Anführer wurde gefangen. Gleich nach dem ersten gefallnen Schnee überfiel der Abt Martin die Ursärer t 394 (Jrs ern-Thal. wieder, lieferte eine zweyte Schlacht, erschlug 300 derselben, und die übrigen mufsten sich auf Gnade ergeben. Unter dem Abt Thiiring von Ettinghausen wurde 1339. mit den Urnern Friede geschlossen. Die Aebte setzten wahrscheinlich Vögte über Vrsärn ; denn ein Brief des Kaiser Carl vom J. 1354* befiehlt, dafs Niemand als das Römische Reich die Thalleute von Ursärn bevogten solle, und es scheint, dafs die HH. von Hospendal die Reichsvogtey erhielten. In einer Urkunde des J. 1390. wird die Wahl eines Thal- Ammanns bestimmt. Die Urner suchten im J. 1400. bey dem Abt die Erlaubnifs, mit bewaffneter Mann- • Schaft durch Ursärn nach Livinen zu ziehen, welches der Abt bewilligte. Als dieser Zug im J. 1402. geschah, lehnten sich die Thalleute von Ursärn gegen den Abt auf, verbanden sich mit Uri, und errichteten 1410. ein ewiges Landrecht mit dem Kanton, worin sie Uri als Oberherrn erkennen, alle ihre Freyheiten und alle Rechte und Dienste , welche sie an die 'Ahtey Disentis zu leisten schuldig sind , Vorbehalten. 9 Der Abt Peter von Ponteninja , Miturheber des Grauen Rundes (5. Trons ) schwieg, gieng Z425. selbst nach Ursärn , und hielt eine kraftvolle Rede an die ganze t versammelte Landsgemeinde. Als diese erklärte, sie wollten Leute vom Kreuze des H. Placidus seyn, und ihm Treue wie ihre Vorfahren angeloben, so wurde eine Urkunde aufgesetzt, welche die geistliche und weltliche Gerichtsbarkeit des Abtes fortsetzte. Zufolge derselben ernannten die Thalleute ihren Ammann und Ursern-Thal. 395 alle ihre Vorsteher ganz unabhängig vom Abte, und mufsten nur dafür ein Paar weifse Handschuhe demselben verehren ; der Ammann zog die Gefälle des Abtes ein. Die ganze Verfassung Ursärens wurde nach der des K. Uri gemodelt; das Völkchen regierte sich nach eignen Gesetzen, empfieng Jahrgehalte von Frankreich und Spanien wie der K. Uri seihst, und bildete fast einen eignen Freystaat. Alle Rechte, welche Disentis noch besafs, kauften die Thalleute im J. 1649. los, und beriefen 1687. Kapuziner zur Besorgung des Kirchendienstes nach An —der - Matt und Räalp , blofs um nur von Disentis auch bey Besetzung der Pfarreyen losgebunden zu seyn. Im J. 1754. widersetzten sich die Thalleute der alten Uebung des Kreuzganges nach Disentis mit offner Gewalt. Nachher folgten sie wieder der alten Sitte bis 1780., wo wieder darüber ein Anstand war; und nun glauben sie sich durch die Mediationsakte vom J. 1803. ganz davon befreyt. Vom J. 1798- an wurde Ursärn ganz mit dem K. Uri verschmolzen, lieber die neuste Kriegsgeschichte s. Andermatt , Allorf j Gotthard* **). Schri fsteller. 'Stadler von Sursee, Kapuziner *1 Da in allen geographishhen und geschichtlichen Schriften über Ursärn - Thal bisher die unvollständigsten Nachrichten mitgctheilt wurden, so hat der V. diesen Artikel absichtlich durch Aufzählung der Urkunden, welche sowohl in dem (seit 1798. verbrannten) Archiv der' Ahtey Disentis als in dem Kasten zu Ursären aufbewahrt werden , und durch die daraus sich ergehenden neuen Ge- schichtslhatsaclien verlängere. 396 U Z N A C H. und -Pfarrer zu Andermatt, hatte eine Philosophie in vier Bänden zu Basel bey Thurneisen im XVIII. Jahrhundert drucken lassen. P fla n z en. Viele se tne Alpenpflanzen wachsen in dem Ursern- Thalc. Agrostis alpira. Campanula linifolia und barbata. Phyteuma ovala. Gentiana purpurea und utriculosa. Astranr tia minor. Laserpitium hirsutum. Imperatoria ostruthium. Anlhericum liliastrum. Cherleria. Cerastium arvense, Po - tentilla grandiflora. Centaurea phrygia. Tozzia alpina. Pedicularis recutita. Ilypochaeris unißora. Carduus helle• nioides und heterophyllus. Arnica montana. Satrrium re - pens. Salix repens. IJieracium Jacquini , blatlarioides, melle und spicatum. Viola montana, u. a. Geognost. Beschaffenheit. Ueber die merkwürdige geognostische Beschaffenheit und über die seltne Fossilien des Ursern - Thaies s. man die Artikel Gotthard ., Andermatt und Am - Stag. Der im Thal brechende Topfstein (Giltstein) wird zu dicken grofsen Platten gehauen, aus denen man die Stubenöfen verfertigt, welche durch die Hitze ganz* schwarz werden. Die Farbe des Steins ist grünlich grau, sehr feinkörnig, mit graulich weifsetn Schwerspath übermengt, der als glänzende Blättchen und als kleine rautige Drusen erscheint. Uz nach, Flecken und Ilauptort eines Bezirks im K. St. Gallen , St. vom Anfänge des obern Zürcher-Sees. Liegt in einer fruchtbaren Wiesen- Ebne. Das Land hatte in den ältesten Zeiten seine U Z N A C H. 397 eignen Grafen, von denen cs an die Grafen von Alt- Raperswyl, und durch Heirath irn J. 1190. an die Grafen von Toggenburg fiel. Nach dem Tode des letzten Gral Friedrich von Toggenburg brachte es die Thätigkeit Ital Redings von Schwytz dahin, dafs die Einwohner dieses Ländchens, so wie von Gaster und Toggenburg, im Dezember 1436. mit dem K. Schwytz und Glarus ein Landrecht schlossen, und dafs die F.rhen des erloschnen Toggenburger - Stammes im J. i 458 - an die beyden Kantone Uznach verpfändeten, wodurch alle Vergröfserungsabsichten des Bürgermeisters Stüssi von Zürich für seinen Kanton durchkreuzt, und die Erbitterungen so hoch getrieben wurden, dafs dieses Ereignifs als ein mächtiger Funke zur Entzündung de« ersten Bürgerkriegs angesehen werden mufs. (S. Ifefßkon , Zürich , Toggenburg). Seit 1438. vvar Uznach eine unterthäuige Vogtey der freyen Völker von Glarus und Schwytz bis 1798. , wo dies Ländchcn dem K. Linth , und 1803. dem K. St. Gallen zuge— theilt wurde. — Die Kirche vor dem Flecken Uznach ist 1505. aus den Trümmern des von den Zürchern unter ihrem Hauptmann Graf Rudolph von Habsburg 1267. zerstörten Schlosses Uznaberg oberhalb Uznach gebaut worden. Diese Landschaft ist reich an Heu, Obst und herrlichen Wäldern. — Nahe bey Uznach liegt ein Braunkohlenflötz zwischen blaugrauen Thonlagern, enthält noch ganz unversehrte Baumstämme, und wird ausgebeutet. Wege. Nach Schmerikpn an dem See 1 j : St. Nach 393 Vallengin. Rappersvryl 3 S.r.— Ins Toggenburg eine vortrefliche Fahrstrafse durch ein Wald- und Wiesenreiches II ü- gelgelände aufwärts durch Ermenschyreil und Gauen * *), Bildhaus , durch den Hummel - Wald nach bVatlyyyl 2-3 St.; auf diesem Wege bieten sich die schönsten Aussichten dar (s. Bildhaus ). — Nach Wesen 3 St. durch Kaltbrunn und Schännis ; ein angenehmer Weg zwischen Wiesen und Obstbäumen (s. Schännis und Wesen r. Valleng in, Ilauptort der Grafschaft Vallengin, welche den gröfsten und volkreichsten Theil des Fürstenthums Neuchatel ausmacht. Liegt an- dem tiefsten Theil des Rüz - Thaies, am Seyon , 1 St. von der Stadt Neuchatel ( s.. Neuchatel und Rüz-Thal'). Von dieser Lage in einer engen Tiefe hat es den Namen Val- lengin, Vallis angina erhalten. Es gehörte seit den ältesten Zeiten zur Grafschaft Neuchatel. Graf Rudolph II., unter welchem im Anfänge des XII. Jahrhunderts das Rüz-Thal urbar gemacht wurde, bestimmte Vallengin für die jüngern Söhne des Hauses, und belehnte einen Bruder Berchtold im J. 1132. damit. Das Land kam im J. 1236 . an die Linie Neuchatel - Aarberg, ' k *) Oberhalb Gauen Hegt ein IVounenkloster, auf dem Berg Sion genannt; wurde 1767, von Joseph Jlclg, einem "Weltpriester, nebst noch zvrey andern Klöstern, zum Berg Tabor im Klettgau unweit Rheinau, und Neu St . Gallen in dem alten Schlofs Glauburg bey Oberbür&i im K, St. Gallen gestiftet. Valorsine-Thal- 399 nach deren Erlöschung es 1517. 3 “ die Grafen von Challant in Piemont durch 11 eirath fiel, von denen cs Maria von Longueviile 1579. kaufte, und wieder mit dem F. Neuchatel vereinigte. Berc/ito/d baute 1155. das Schlofs in Vallengin, und das Städtchen entstand nach 1301. Zu der Grafschaft Vallengin gehören die Thäler von Ritz , Sagne , Locle , Ckaux de Fond und Brenets ( s. diese Artikel ). / Valor be. S. Orlen-Thal. Valorsime-Thal, in Savoyen, zwischen dem Chamouny - Thal und Unter - TVallis , ein sehr enges Thal, zieht 3 St. lang von W. nach O., von dein Berard oder schwarzen IVasser durchströrnt, welches in den Gletschern am Buet (ein 10,468 F. ühers Meer hoher Felsen an der Westseite) entspringt ( s. Buet). Dieses Thal ist reich an romantisch-wilder und sanfter Natur, an malerischen Aussichten, an Wasserfällen und fürchterlichen Felsen. Unter mehrern Mühlen ist diejenige, welche in der Mitte des Thaies am Eingänge eines Nebenthaies liegt, die seheuswertheste, weil man hier einen der malerischten Standpunkte geniefst; man mufs aber 8 - 10 Minuten von der Landstrafse abwenden, um zu dem prächtigen hinter der Mühle rauschenden Wassersturze zu gelangen. Von dem Dorfe Valorsine, % St. nach NW'i macht der Berard vortref- liche Fälle, welche man auf der Strafse nach dem Tete noire aus der Ferne sieht. Westlich vom Dorfe Valorsine stehen die F’elsen Berard, Loggia und Buet. — Ein schöner Menschenschlag bewohnt dieses Thal, be- 4 öo Valorsine - Thal. sonders zu Finiol, — Der Winter dauert sehr lange: erst im Juni schmilzt der Schnee. Die ganze Bevölkerung des Thals beträgt nicht mehr als 5G0 Seelen. Im Sommer arbeiten die meisten Einwohner im PVallis oder in der Tarentaise. In Valorsine steht das einzige Wirthshaus neben der Kirche, wo man die befste Aufnahme, aber nichts weiter als Milch, Reis, Wein und eine Art Kuchen findet. — Die Lauinen siud hier fürchterlich; sie stürzen bis zur Kirche herab, weswegen maar eine hohe Schutzmauer aufgeführt hat. Hier liegt die Grenzwache der französ. Mauth - und Zoll- knechte, wo der Reisende durchsucht wird. Wege. Von Valorsiue nach Chamouny 4 St. (s. diesen Artikel). Ins Unter - Wallis nach Martinack 5 St. Vom Dorfe Valorsine steil hinab am Fufse du gros Perron nach dem wilden Berard , durch eine romantische Bergenge in der Nähe des bei Oiseau , über eine Brücke ans rechte Ufer des Berard , über eine Felsentreppe , durch einen gräfslicben Pafs und eine Grenzpforte des Valorsine-Thals und Savoyens , wo man Pf r allis betritt. 'Eine Viertelstunde weiter geht es bey der vorhin erwähnten Mühle vorbey , und dann auf den Tete noire , wo die Stralse steil, im höchsten Grade rauh und beschwerlich, doch ohne alle Gefahr ist, obgleich bisweilen tiefe Abgründe zur Seite gähnen*). *) Als der französische General Montesquieu im J. 1732. in Savoyen einrückte, flohen einige hundert vornehme französische Flüchtlinge über diesen entsetzlichen Weg nach Wallis; Gräfinnen, Marquisinucn, die ihre Kinder Valörsine-Thal. 40 i Jenseits denselben zeigen sich die Felsen Gt-os Perron und le bei Oiseau, zwischen denen die Balbeline durchströmt, und in schönen Wiesen das Dörfchen Finiol. In 2 St. ersteigt man die Höhe des Tete noire , wo die Strafse über eine Felsentreppe, Mdpas f mauvais Pas) genannt, und dann sehr steil abwärts nach dem Trient führt, der, mit dem Berard vereinigt, links die Felsen durchbricht, und 6t. von Martinach in dem PJione- Thale zum Vorschein kömmt. Längs dem Trient geht es dann aufwärts nach dem Dotfe Trient (s. Trient). Ein zweyter Weg von Valorsine ins Unter-Tf'allis folgt unausgesetzt dem Thale des Trient über die Dörfer Finio und Salvent, Dieser Weg ist kürzer als der über Trient , besonders für solche Reisende, die nach St, Mauritz und Beos gehen. Man steigt von der Vereinigung der Eau noire mit dem Trient steil an der Haken Seite des Thals durch einen Felsenweg aufwärts, und folgt dann immer dieser Thalseite abwärts. Zwischen Finio und Salvent ist die Gegend wild und einsam; bey letzterm Orte wird sie auf einmal milde, fruchtbar und schön. Steil steigt man zwischen dem Trient und der Pissevache ins Rhone - Thal hinab; an einigen Stellen dieses merkwürdigen Weges geniefst man schöner Aussichten auf Sitten und ins Ober-Wallis hinauf. — Von Valorsine geht ein Weg über den Col de Berard nach Sisc und Thonon am Genfer — selbst trugen, Geistliche, Offiziere, der achtzigjährige Bischof von Nisrnes, die Hände gen Himmel ringend, bih> deten einen langen jammervollen Zug. IV. 26 See. — Ehe H. Exchaquet von Servoz aus einen bessern Weg, den Buet zu besteigen, ausgefunden hatte, so wurde derselbe immer von Valorsine aus bereist (s. Buet). Von hier bis auf den Gipfel desselben 9-10 St., wovon man 2 St. reiten kann. Die befsten Führer dazu sind Marie Chamel und Jactpies Claret. Der Weg geht durchs Dörfchen Couteraye , einen engen schwarzen Schlund, über den Col de Be- rard , durch einen Lerchenwald, einen steilen Schneeabhang hinauf, wo man die Spitze des Buet erblickt, zum platten Felsen Pierre d Berard , unter welchem eine Sennhütte und Ställe für Kühe angebracht sind. Hier mufs man die Maulthiere verlassen. Nach 2 St. gelangt man an den Fufs eines Felsens, Table au Chantre genannt, weil H. Boucrit liier einmal sein Mittagsmahl hielt. Hierauf geht es 5 1 j 2 St. lang gröfsten- theils über Schnee. — Den Fufswcg aus dem Valorsine* Thal auf den Col de Bahne (s. diesen Artikel). G e o g n o s ti s ch e Thatsachen. Das Valorsine- Thal liegt in den Uralpen. lieber die merkwürdigen geognostischen Thatsachen am Buet und Col de Balme , aufwärts aus dem Valorsine - Thal (s. diese Artikel}. Im Dorfe und der Gegend von Valorsine liegen .unzählige Trümmer von Granit und Gneifs aller möglichen Art, wodurch dieses Thal dem Steinforscher sehr werth wird. Die Felsen des Perron und Oiseau bestehen aus Gneifs in senkrechten Schichten von N. nach S. streichend. Am Tete noire erscheint schwarzer Glimmerschiefer mit Kalk gemengt ebenfalls in senkrechten V A L S A IN T E, 403 Schichten von N. nach S. streichend. Oft ist dieser Felsen von Trümmerblocken aus Sandstein und Nagel- flue (Ur- Grauwakedie herabgestürzt und ganz denjenigen ähnlich sind, welche bey dem Dörfchen Jours ( s. Col de Balme ) streichen, bedeckt. Einer dieser Blöcke, Barme rousse genannt, der so grofs ist, dafs 50 Personen unter ihm Schutz finden können, besteht aus Quarz, Glimmer und Kalk. Gleich jenseits der Höhe des Tete noire , oder des Mäptts, trifft man Felsen , welche aus diesem Gemenge bestehen, und über diese glimmerreichen Kalkstein, beyde in unregelmäfsi- gen Schichten von N. nach Si streichend, und unter einem Winkel von 50 Grad senkend. Hinab nach dem Trient findet man nichts als Gneifsstücke, und längs diesem Bache eine Menge Blöcke Nagelflue (grofskör- nige Grauwake) wieder derjenigen des Dörfchen Jours ähnlich; das aus Sand und Glimmer bestehende Zement ist grau, sehr hart, und die gerollten Steine sind Quarze und Gneifse. Diese merkwürdige Nagelflue- Art streicht ins Rhone — Thal. (Saussure — Auf dem Wege von Valorsine durch Finio und Salvent ins Wallis findet man Urthonschiefer, Gneifs, Grauwake mit Glimmerschiefer uhd Granit. (Escher). Man sehe St. Maurice. — Auf dem Berge Oreb bcicht silberhaltiges Iilcjerz. Valsainte (ehedem Val de tous les Saints) t Kloster in einem kleinen Thal zwischen dem Charraey- oder Bellegarde - Thal und dem Schwarz - See (I.,ac d’Omeine)^ am südlichen Fufs des Berra, im K. Frev*. bürg. Dieses Karthäuserkloster wurde 1294. von Cer- hard von Corbieres und Charmey gestiftet, im J. 1778- aufgehoben, und 1791. dem Dora Augustin de l’Estrange, Novizenmeister der berühmten Trappisten - Abtey in Frankreich (welcher nach der allgemeinen Aufhebung aller Klöster in Frankreich mit 24 Mönchen nach Freyburg kam ) nebst den daran stofsenden Grundstücken für 25,000 Livres verkauft. Seit dieser Zeit befindet sich hier ein Trappistenkloster , welches das Mutterkloster von mehrern andern Anstalten desselben Ordens in Europa und Amerika geworden ist. Das Kloster Valsainte hat hier eine grofse Schulanstalt gegründet , in welcher die Lehrer Trappisten — Mönche von der dritten Ordnung sind, die, nicht der übermäfsigen Strenge in der Lebensweise wie die wahren Trappisten im Kloster unterworfen , sich auch in ihrer Mönchskleidung von den andern etwas unterscheiden. Am entgegengesetzten Fufs des Berges Berra liegt an dem Orte Riedera genannt ein Trappisten - Nonnenkloster. — Von Bulle und Gruyeres bis ins Val Sainte nur einige Stunden. (S. diese Artikel und Bellegarde - Thal). Vilsek-Thu, im K, Bündteh, (s. Longnäz ). Val Tn avers, (s. Travers - Thal). Vanasha-Thal, im K. Bündten, s. Longnäz - Thal, Varaina-Thal, im Kw Bündten, s. Fer- raina - Thal. Vaxese, Städtchen an dem südlichen Fufs der Alpen, im Königreich Italien, zwischen dein hangen -, Luganer- und Comersee, nahe an der südlichen Grenze der Sehweite. Merkwürdigkeiten. Es ist der beliebte Sommersitz der reichen Mailänder; daher ist Stadt und Gegend mit Landhäusern und prachtvollen Pallästen besäet, unter denen sich besonders der ehmalige Pallast des Herzogs von Modena, jetzt Serbelloni-Zin- zendorf auszeichnet. Prächtig ist auch die Villa Bossi, und in der Villa Orrigoni zu Biuma sieht man schöne Freskogemälde von Morazzoni, Ghisolfi, Störer u. s. w. Varese ist der grofse Markt der Einwohner des Kanton Tessin, wo sie Korn und Reis einkaufen. Die Gegend von Varese ist geschichtlich sehr merkwürdig. Man hat eine Menge Inschriften und Bildhauerarbeiten nach Gallarate zu gefunden und in dem Hause Archinto (später Visconti Borromeo) zu Mailand aufgestellt. Auf dem Wege nach Gallarate liegt Castelseprio , das alte Insubrium, später Subrium und Seprium, welches die erste Niederlassung der Insubri oder Gallier war. Entweder hier oder bey dem nahe gelegnen Viseprio stand das alte Vicus, wovon Polybius spricht. Es sind hier sehr alte Denkmäler gefunden worden. (Man s. Bonav. Castiglione Gallorum Insubrium. antiqua sedes. Bergamo, 1595). Castiglione erzählt, dafs man zu seiner Zeit hier noch die Ueberreste einer grofsen Stadt sähe, und viele hetruscische und römische Inschriften gefunden habe. — Der See von Vnrese , 4o6 V ARESE. dessen Ausilufs bis Bardello in den Langensee fällt, liegt 154 F., und die höchsten Berge zwischen Varese und Lavena am See 3t87-3206 F. über den Langen- See. Es soll liier zur Zeit der Gallier ein Schlofs gestanden haben, um den Rhätiern den Eingang in das Land der Insubrier zu versperren, Im Mittelalter wurde Varese von den Bürgern Como’s zerstört, weil dessen Einwohner mit denen von Castelseprjo und Mailand in der Gegenparthey standen. Die achteckige Kirche zu Varese soll aus der Zeit der Langobarden (im VIII. Jahrhundert) staptmen, und nach dieser ist da* ehmalige Kloster Cavedra das älteste Gebäude, Schöne Aussichten sind auf dem Thurm von San Vit- tore, und auf dem Sacro Monte. Der Weg dahin führt durch die Dörfer Arabrogio, Roborello, Fogliano, und von hier geht es neben 15 Kapellen, welche eine Menge Bildsäulen, Basreliefs und Gemälde (in der siebenten Kapelle von Morazzone, in der zwölften Kapelle von Bianclii, Panfilo, Pristinani, Legnani) vor) guten Malern und Bildhaftem enthalten, aufwärts zum Kloster della Madonna del Monte, zu welcher viel gewallfarthet wird. Die nahegelegnen Thäler wurden , so erzählt die Sage, durch Hülfe der Maria von einem schrecklichen Raubthier befreyt, und ihr zum Dank stifteten die Bewohner hier eine Kapelle, auf deren Stelle im XV. Jahrhundert Katharina Rufßni und Juliane Cassini ein Kloster gründeten, Der Kirch- thurm liegt 2049 F'ufs über den Langensee. In der Kirche sind gute Gemälde, Die Aussicht von dem I Varese. 4°7 Sacro monte ist berühmt. Man übersieht die Seen Varese , Comabbio, Ternate, Monate, Langensee, einen Theil des Comersees , die lombardische Ebne bis über Milano hinaus gegen die Appenninen, wo vor Roms Entstehen die Tyrrhener oder Tnsker, auch He- trusker genannt , in einer Eidgenossenschaft vieler Städte ruhig lebten, bis die Gallier unter Bellovesus 620 J. vor Christi Geburt über die Alpen einbrachen, diese hetruskisch - umbrischen Länder eroberten, (s. Graubündten) sich hier festsetzten, und die Stadt Milano gründeten, seit welcher Zeit dieses Land das tisalpinische Gallien genannt wurde. Hannibal zog (230 J. vor Christi Geb.) mit seinen Karthaginensern über den Tessin bey Somma, und schlug Scipio auf der hohen Ebne hier zn den Füfsen von Varese (t, Sesto, Alpen, Bernhardsberg ). Die in diesen Ebnen wohnenden cisalpinischen Gallier wurden von den Römern unter den C. C. Claudius und Marcellus 178 J. vor Christi Geb. unterjocht, Vier und sechszig Jahre nachher brach die ungeheure Heeresmacht der Cimbrer über die Alpen in dfese Ebnen hinab (s. Arona), und so waren sie stets der Schauplatz der immer neu andringenden Völkerzüge aus Germanien, der ewige Kampfplatz der welfischen und gibellinischen Partheyen, und in Milano, Pavia, Como, der deutschen, spanischen, französischen und schweitzerischen Heereszüge * und der zahllosen Schlachten, in denen sich diese verschiedensten Völker bisweilen für Recht und Frey- heit, gewöhnlich für den Ehrgeitz, die Herrschsucht V ARESE. und Tyranney ihrer . Führer bis auf die neueste Zeit zerfleischten. (S. Arona über die Schlachten der Schweitzer in dieser Ebne ). — Zu Varese besitzt H. Dandolo eine grofse spanische Schäferey, welche in 3 Jahren, nach Abzug der Kosten, 59,000 Lire eintrug. ( Wege. Von Varese nach I.avena am Langensee ' 2 Posten, durch ein herrliches fruchtbares Land; bey Colciago schönes Landhaus und Gärten des Luftschiffers Andreani ; bey Comerq und Gavirate herrliche Aussichten über die Ufer des Langensees, s. Lavena. — Nach Lugano, entweder; 1) Durch Biumo, steil abwärts, über die Olonna, durch Induno, Arcisate, Bisuschio, wo im Pallast alte Freskogemälde von den Schülern des Campi, nach Porto di Morco am Luga- nersee 1 Post, und von hier zu Schiffe nach Lugano-, oder 2) Von Varese nach Induno wie vorhin, links aufwärts nach der Villa Frescarolo des Pabstes Pius JV> dessen Geschlechte Medizis aus Meregnano sie gehört, über die Höhe nach Gana in Val Gana, durchs Val Marchirolo nach der Ponte di Tresa, Lugano, der gewöhnliche Weg des Schweitzerviehs nach Italien, übel, aber fahrbar ( s. Gana- oder 3) Von Varese nach Mendrysia, Capo di Lago und über den See nach Lugano. — Von Varese nach Luino am Langensee jenseits der Tresa geht es durch Brinzio, wo ein kleiner aber tiefer See ist, über den Berg Mericcio nach Bancio, abwärts nach Cassano, durchs Val Travaglia, Germinaga , ein fahrbarer Weg, ater zwischen Brinzio Varf.se. 4°9 und Ranzio beschwerlich; eine bequemere Strafse hin- l gegen führt von Varese durchs Val Cuvio, nämlich durch Brenta, Guvio, Rancio u. s. w. (S. Cuvio uncj Trnvaglia - Thal ). — Von Varese nach Como 2 Posten, herrlicher Weg geht über den Hügel Beiforte, über die Olona und Anza , aufwärts nach Malnate, Binago, Solbiate, Olgiate u. s. w. — Nach Mailand 4 Posten; die Strafse führt durch Bizozero, Marcolina , über die Olona, durch Tradate, in dessen Gegend sehr guter rotber Wein wächst (die graue Vorzeit der Schvreitz kann den sufsen Trcdater nicht genug rüh- ' men); durch Mozzate, wo herrliche Pflanzungen amerikanischer Bäume des H. Castiglioui; durch Saronno, dessen Kirche nach Tibaldi Entwurf gebaut ist, und die besten Gemälde des Bernardino Luino (der beste Schüler von Leonardo da Vinci ) besitzt, und in dessen Nähe die prächtige Villa der Litta mit herrlichen Gärten, wo schöne und selbst antike Bildsäulen stehen, unter anderrn eine Büste des Laocoon, dessen Winkelmann im T, II. S. 194. seiner Geschichte der Kunst erwähnt; — durch Carbagnate, wo die berühmte Villa Castellazzo der Busca, in welcher man die antike Bildsäule des Pompe jus sieht, an welcher Caesar zn Rom ermordet wurde; durch Garegnano, in dessen Kirche schöne Freskogemälde von Daniel Crespi sind. In dem nahe dabey gelegnem Orte Inverna wohnte eine Zeitlang Petrarca , und vermählte hier seine Tochter mit Francesi da Brusano aus Mailand, von welchem ihm auf dem Kirchplatz zu Arquate in den Euga- 4io Vatz. neischen Hügelu bey Verona ein Grabmal errichtet worden ist. In den Gegenden vor Mailand ist die Bewässerungskunst der Wiesen und Aecker merkwürdsg,— Geognost. Thatsachen. In der Gegend von Varese bestehen die Berge aus Flötzkalkstein. Unter dem Gipfel des Sacro Monte streicht roiher Wetzschiefer. Alabaster in der Höhle unter dem Hügel Pugaz- zano ; weifser Marmor mit regelmäfsigen Lagen von Kalcedon , und reich an Feuersteinen bey Gavirate Ueber die herrlichen Marmorarten bey Yigiu nahe bey Porto (s. Luganer -See), Bey Brinzio und Cassano stöfst rother Granit unter dem Kalkstein zu Tage. Der Hügel Beiforte besteht aus Nagelflue. Bey Colciago ganze Hügel voll Gerolle aus Urfelsarten. Ungeheure Menge Granit, Gneifs, Porphyr, Serpentin, Quarztrüm- nrer zwischen Varese und Quinziano, zwischen Varese und Porto, und besonders zwischen Bisuschio und Vi- giu, auf dem Wege nach Malnate. Dieses merkwürdige Urfelsgerölle liegt in verschiednen Höhen, und gleichsam lagerweis. — Auf dem Monte Merizzio brechen Bleyerze und Coldkicse , und im Monte Legnone Misenerz, Vatz, im K. Biindten (s. Scharans ). Vauillon (Dent de), eine Jura - Höhe im K. TVaat ( s. Joux - Thal), Vedasca-Thal, im Königreich Italien, an der Grenze des K. Tessin, öffnet sich am östlichen Ufer des Langen- Sees nordwärts der Tresa, und wird von der Giona durchströmt (s. Luino und Langen-See). fl" fH' „Stl 1. St.) w* t&r Im ifirM, ifl st i 4M ZX zt i Uri Me Mil & 01 üo dtp deail >tttp Veltliner - Thal, 4u Vedro-Thal, an der Südseite des Simplon (s. diesen Artikel). Veltliner-Thal, im K. Italien, auf der Südseite des Alpenkamms des K. Biindten , ist eins der gröfsten Tliäler in den Alpen, zieht von NO. nach SW. von dein Serra-Schlunde bis an den Corner-See 20 St. lang ; in seiner gröfsten Breite vom Murelto bis zum Corno d'Ambria 8 St. (in der Thalebne nur St.) von der Adda durchströmt, welche von der Noidseite sechszehn Bäche, und von der Südseite fünfzehn Bäche empfängt. Die Bernina - Kette , mit Ungeheuern Gletschern belastet, ummauert das Thal nordwärts , und die Legnone- Kette, in welcher nur ein einziger Gletscher im Ariger - Thal liegt, südwärts. Vier grofse und einige kleine Tliäler drängen sich in die Bernina -, und acht Thäler in die Legnone - Kette hinein. Ueber die Bernina - Kette führen zwey Alpenpässe ins Engadin ; über die Legnone - Kette gehen durch sieben Thäler Slrafsen in die ehmals venezianischen Thäler Brembana , Seriana , Carnonica , und nach Bergamo. Kastanienwälder überziehen die Nord - und besonders die Südseite des Thaies, in denen die kleine und grofse Kastanie wächst; Mandel-, Feigen-, Granat-, Oliven-, Lorbeer-, weifse Maulbeerbäume gedeihen, und Ahorn-, Pappeln und Obstbäume werden zum Schatten des Weins gepflanzt, denn die Hitze ist hier aufseror- dentlich. Der Weinstock bedeckt die Nordseite des Thaies zu einer beträchtlichen Höhe, und ist das Haupt- erzeuguifs. Die Trauben sind so vortrefiich, dafs sie der Kaiser August für seine Tafel kommen liefs. Der Veltliner - Wein würde einer der befsten von Europa seyn, wenn er nicht durch eine üble Behandlung ganz verdorben würde; eine dickrothe Farbe ist dem Veltliner das wichtigste, und um deswillen opfert er alle andern Eigenschaften auf. Die vornehmste Traubenart ist die Kläfner (Chiavanasca *). Der Boden giebt vier Erndten, nämlich Winterfrucht, Mays, Nachmays (Qnz- xantino, weil er in 40 Tagen reif wird), und Rüben zwischen den Reihen der Weinstöcke. Es wird viel gemeiner und italienischer Hirse (Panic. miliac. und ital,), und einige Arten Moorhirse (Holcus sacharat, bicolor, Sorghum) gebaut. Auf den Alpentriften weidet ein schöner Viehstamm ; die Milchkeller sind musterhaft eingerichtet ( s. Sammler I . Jahrgang, 1779. St. 37,). Die Käse von alla Costa im Thal Livrio oberhalb Ca- jolo und besonders die vom Thal Bitto wetteifern mit dem Parmesaukäse. Die Adda ist reich an Fischen, besonders an Lachsforellen ., Peschiera genannt, von 20 Pf. Schwere, der köstlichste Fisch im Corner-See. Das Veltlin ist eins der fruchtbarsten und reichsten Thä- ler in Europa, besitzt die Produkte Siziliens und der Alpen, vereinigt die Reize der italienischen und Alpen-. Natur, wird aber von einem armen, elenden, rohen und *) Eine ausführliche Nachricht aller Traubenarten findet man im Bündtner-Sammler III. Jahrgang. 1781. St. aa.; und über die verschiedne Pfianzungsart des Weinstocks sehe man Verhandlungen der Gesellschaft y/irthschaftl. freunde in Biindten. III, St. S. 27. Veltliner-Thal. 4*3 unwissenden Volke italienischen Stammes bewohnt, welches durch Priester-, Adel-, Advokaten- und hungriger Landvögte Herrschaft seit Jahrhunderten in den tiefsten Grad des bürgerlichen Elends gestürzt worden ist. Bis gegen Ende des XVIII. Jahrhunderts wurden hier, der nichtigsten Kleinigkeiten wegen, Mordthaten in Menge begangen. Im J. 1786. betrug die Volksmenge im Thal 66766 M. Die Sterblichkeit ist grofs, besonders unter Kindern ; faule und hitzige Fieber raffen die Erwachsenen sehr weg. Der Volksstamm ist nicht schön, Besonders sind die Weiber von der Last schwerer Arbeit verunstaltet. Kröpfige und Kretins sind häufig, besonders in Talamona. Bis 1797. waren 700 Geistliche ira Thal. — Würde dieses gesegnete Land ( von einem fleifsigen und Ordnung liebenden Volke bewohnt, so könnten manche örtliche Ursachen gefährlicher Fieber gehoben werden, und dann müfste die Bevölkerung wenigstens noch einmal so stark seyn , als sie bis jetzt war. — Die Männer wandern, besonders als Pastetenbecker, in der Welt umher. — Der rothe und schwarze Bär sind im Veltlin, und vorzüglich im Masiner- und Malenker - Thal, einheimisch (s. Morbegno , Son- drio und Tirana ). Geschichte. Das Veltliner-Thal wurde von den aus Oberitalien fliehenden Hetruskern, als die Gallier unter Bellovesus, 620 J. vor Christi Geb. über die Alpen einbrachen (s. Alpen und Craubündten ), bevölkert, und erhielt seinen Namen von dem ehmaligen Hauptort Tejl, Tejlio, Von hier verbreiteten sich die \ 414 Veltliner-Thal. alten Thuscigr in die übrigen Thäler Bllndtens. — Karl der Grofse schenkte das Veltlinertlial im J. 780, an die Abtey St. Denys bey Paris ; während ihrem Besitz wurde der Olivenbauin eingeführt und Märkte angelegt. Im XI. und XII. Jahrhundert gehorchte das Thal der Stadt Corao, Haupt der Gibsllinischen Parthey in Ober-Italien (’s. Cofno ). Als in den Jahren 1255-So die della Torte in Mailand und auch in Como mächtig wurden, so zogen diese ins Veltlin und zerstörten 1263. zu Teglio die Tellenburg. Der Krieg zwischen Gibellinen und Welfen dauerte im Veltlin fort bis 1305. Als Como sich 1335* dem Visconti ergab, zog dieser ins Veltlin, und berannte das feste Und durch seinen Adel glänzende Sondrio, welcher in der Welhschen Parthey stand. Der Hauptmann Laz- zarino (von Lucinoj schlug alle Stürme Visconti’s ab. Später unterwarf es sich den Herzogen von Mailand. Mastino Visconti, als er vor seinen Söhnen floh und zu Chur lange gastfreundlich erhalten wurde, übergab 1404. an den Bischof von Chur die Thäler Veltlin , Chiavenna , Bormio und Pusklav. Das Dokument, welches noch im Archive von Chur liegt, blieb ein unnützer Titel über 100 Jahre, bis der Herzog von Mailand die Rhätier fürchten mufste. Im J. 1512. eroberten der Bischof und die Biindtner , zufolge jener Schenkung, diese Crenzländer. Bald darauf trat sre der Herzog Max Sforzia von Mailand , der von den Schweitzern wieder eingesetzt worden war, an Grau - hiindten förmlich und auf ewige Zeiten ab, und nach-» V* »*" (UlC isi* äff. * ’mii ijltlit null Juli P hm ia cid iHei um *'i,s lis t «0 tu lieh »elcl ä, nrft 1 % 1 Y eltlinf,r-Thal. 4*5 her wurden sie den Biindtnern von allen Kaisern, so wie von Frankreich und Spanien , sehr oft bestätigt und gewährleistet. Der Besitz dieser Landschaften stürzte das Volk von Graubündten in der ersten Hälft» des XVII. Jahrhunderts in die heftigsten innern Unruhen und den blutigsten Kampf der Partheywuth, welcher, unaufhörlich durch Spanien , Oesterreich und Frankreich angeblasen, das Land an den Rand des gänzlichen Verderbens führte. Während dieser Zeit wurden im Veltlin an Einem schrecklichen Tage ( 13, Juli 1620.) alle Protestanten, bis auf das Kind in der Wiege ermordet. Gleich darauf nahm Spanien Besitz davon, wurde aber im J. 1628. durch ein französisches Heer unter dem Herzoge von Rohan daraus vertrieben. Erst im J. Z637. gelangte Biindten wieder zur Herrschaft über Veltlin, nachdem es die Franzosen gezwungen hatte, das Land zu verlassen. Unbestritten war von nun an dessen Besitz ; aber sehr oft herrschten grofse Streitigkeiten zwischen Biindten und Veltlin, welche vom J. 1786. an sehr lebhaft wurden, und bis zum Frühjahr 1797. dauerten , wo die Mehrheit von Graubündten verlangte, als vierter Bund aufgenom- fflen zu werden, welches die falsche Politik der Häupter dieses Freystaats abschlug. Die .Veltliner wandten 'ich nun an den französischen General Buonaparte, welcher die ganze Lombardey erobert hatte. Biindten sandte auch einen Gesandten an ihn, und es wurde üu Ausgleichung dieser wichtigen Sache eine Zusam- ®enkunft zu Edoio im Val Caraonica bestimmt. Als 4i6 Veltliner-Thai,. hier die Bündtner-Gesandten nicht erschienen, setzte der Feldherr ein Ziel auf a Monate, und als auch nun Biindten wieder keine Gesandten schickte , so •wurde Veltlin nebst den Landschaften Chiavenna und Borifiio am to. October durch einen Machtspruch des Generals Bonaparte von der Schweitz abgerissen, und mit der damaligen Cisalpinischen Republik vereinigt. Im Frühjahr 1809. empörten sich die Veltliner gegen die Regierung zu Mailand , als das österreichische Heer in Ober-Italien einrückte; mit Gewalt der Waffen wurden sie wieder zum Gehorsam gebracht. Berühmte Männer. Das berühmte mailändische Geschlecht Beccaria lebte im Ober - Veltlin schon im J. 1124. reich, edel und wohlthätig. Veltlin hat mehrere gute Mahler hervorgehracht, welche in den Art. Morbegno, Sondrio , Tirana genannt sind. Ausser * diesen ist noch Giacomo Paravicini , zu Caspan 1640. gebohren, anzuführen. Von diesem Mahler sieht man zu Trahona in der Hauptkirche drey grofse Altarstücke, zwey in der Kirche zu Sondrio, zwey Gemälde in der Jesuiterkirche zu Ponte, die besten Stücke zu Caspan, und verschiedne Bildnisse in dem Peregallischen Hause; er starb 1729. und seine Nachkommen leben als Mahler in Mailand. Geognost. Beschaffenheit. Das ganze Veltlin liegt in den Uralpen (s. Bernina , Sondrio und Tirano'j. Auch die Felsenkette des Legnone besteht aus Gneifs und Urkalkstein. Ueber die Fclsarten der Berninakette s. Bernina. An der Südostseite der Leg- b‘ ltct ; M En* U* In* Ser Uff Me tob ri iw «I Mt [in KC ut n l CD er» Gis «cd ir. \ Verrie res - Thal. 4i7 nonekette in dem Departement del Serio ist im J. 1804. der dunkelrubinrothe Corund oder Diamantspath in Glimmerschiefer entdeckt worden ( s. Bergamo j. Eine reiche Ader von Glimmer - Eisenerz durchziehe diese Kette; sie zeigt sich in allen Thälern des Veltlins, und des Bergamasker - und Bresciatier - Gebiets, die in selbige hineindringen , bis in die tyrolischen Thäler. Einsmals wurden auch schätzbare Erze in dem Volle d'Amltria und ßelviso gefunden. Ueber die audern Erze des Veltlins sehe man die verschiednen Artikel Sondrio, Tirana u. s. w. Veltlin ist in geognostisclier Hinsicht noch bey weitem nicht hinreichend untersucht. Bey Castione sind ungeheuer viele Felstrümmer durch Ryffenen zusammengefülirt , und für den Steinliebhaber merkwürdig. V erk'i e r es - T h & l, im Fürstenthum Neuchatel, das westlichste aller Thäler dieses Landes, an der Grenze von Frankreich, ist eng und bewaldet. — In diesem I Thale wohnen viele Uhrmacher, Spitzenarbeiterinnen, Eisenarbeiter u. s. w. Aufserdem wird starke Viehzucht getrieben. — Westwärts von Verrieres liegt das zerstreute Dorf Cote aux Fees , bey welchem es mehrere Felsenhöhlen giebt. Die berühmteste, Temple aux Fjes , ist hinter der Hütte le Cret; der Eingang ist so enge, dafs man auf dem Bauch hineinkriechen mufs; sie erweitert sich aber sogleich, und theilt sich in drey Gänge, wovon der mittelste 6 F. breit, 200 F. lang ist, und am Ende eine Oeffnung hat, durch welche mau das Val de St. Croix im Bezirk Yverdun erblickt ; »7, \ IV. 4i8 Verzaska-Thal. sie ist unstreitig die schönste aller Schweitzerhöhlen. Auf den Alpen dieses Dorfes werden Käse bereitet, welche dem Gruyeres - Käse nahe kommen, und häufig dafür in Frankreich verkauft werden. Eine halbe Stunde westlich von Verrieres liegt sehr hoch das Schlofs Joux , welches ehmals der Sitz eines Geschlechts desselben Namens war (s. Orbe). Die Aussicht vom Schlosse ist malerisch ; der Doux ist hier noch ein sehr kleiner Bach. Nicht weit davon ist ein enger Pafs la Cluse, durch welchen die Schureitz von dieser Seite sehr leicht geschlossen werden kann. Hier ist die Grenze Frankreichs, und % Stunde von der Klufs das Städtchen Pontarlier. Durch diese Klufs gehen die Heerstrafsen von Neucha- tel durch Val Travers, und von Basel durch Münsterthal und die Thäler St. Irnier, Chaax de Fond, Locle und Brevine nach Frankreich.— Viele Versteinerungen, als Korallgewächse, Ostraciten , Tubuliten, Nautiliten, Buccarditen, Pebtiniten u. s. f. finden sich in den Kalksteinfelsen dieser Gegend. Wege. Nach Motiers ( s. diesen Artikel j. Durch hayard führt ein Weg nach Brevine (s. diesen Art.). Verzaska-Thal, im K. Tessin, öffnet sich nicht weit von Locarno , oberhalb Tenero , zieht nach NNW. 8 St. lang zwischen dem Maggia- und Livinen- Thal aufwärts, wird vom Lavxrtezzo geschlossen, und spaltet sich an dessen Fufs in zwey Nebenthälcr. Es ist eigentlich kein Thal, sondern ein aufgerifsncr Fclsenrachen zu nennen, dessen Bergseiten so steil sind, dafs der Fufspfad, über den Abgründen der Ferzasca und andrer Yerzaska-Thal. Bäche schwebend, mit wahrer Gefahr für den Reisenden sich fortwindet, und die Häuser der Einwohner nur übereinander gebaut werden können. Die Verzasca fliefst so tief in dem aufgerifsnen Felsenrachen, dafs hier die Fischer so gut wie Gemsen klettern müssen. Dieses äufserst sonderbare und ganz unbesuchte Thal ist reich an Kastanien - und Nufswäldern und Alptriften. (Die Einwohner bauen Wein , Mais und Hanf. Weg in das Thal. Wenn man von Locarno kömmt, so führt von Gordola der Weg ins Verzasca- Thal auf einmal aufwärts über eine Felsentreppe, Alle Scalate genannt. Die ersten Häuser, welche man in dem Verzasca links hängen sieht, heifsen Mergoscia, und die ersten Häuser an der Strafse gehören zur Gemeinde Vogogno , wovon die Hauptkirche zu St, Bar- tholomeo steht. Bald erblickt man in der Ferne den Lavertezza mit zwey Hörnern; dann geht es über die Ponte Rore , und nun erblickt man, auf der andern Seite des Flusses, Corrippio , wo beyde Ufer durch eine Brücke Zusammenhängen. Bey Val dclla Porta führt die Strafse in einer fürchterlichen Gegend über eine zweyte Brücke, die ihren Namen von einem Thor erhalten haben soll, welches zu den Zeiten der Herzoge Visconti während Pestzeiten zugeschlossen wurde, so dafs damit der Zugang zu dem obern Theile de* Tha- tes unmöglich war. Nach dieser Brücke langt man bald bey St, Bartholomeo an. Eine halbe Stunde weiter kömmt die Strafse an den Flufs Verzasca, und -das Thal wird eben, breit, schön und fruchtbar. An dem Fufse des Lavertezzo liegt das Dorf gleichen Namens. Hier spaltet sich das Thal in zwey Nebenthäler: Das nördliche ist unbewohnt und hat nur Alpweiden; das nordwestliche enthält die Dörfer Brione und Sanogno. Von Lavertezzo gehen Fulswege nach Giornico (Irnis} J m Livinen -Thal und nach Prato im Lavizzara~ Thal. Einwohner. Die Einwohner beschäftigen sich mit Alpenwirthschaft; ihr Rindvieh ist sehr klein. Aufser etwas Hanfspinnerey und Verfertigung von Halbtuch üben sie gar keine Industrie. Die Männer wandern als Kaminfeger umher. Das Volk ist aufserordentlich arm, und seine Wohnungen über alle Vorstellung elend. Die Männer sind äufserst eifersüchtig, jähzornig und rachsüchtig ; in keinem Thale des K. Tessin sind die Mordthaten häufiger als hier. Alle tragen hinten am Gürtel ein Schuh langes oben gekrümmtes scharfes Messer, Falce genannt, mit dem sie sich morden. Jener Eifersucht der Männer ungeachtet, sind die Weiber denselben mit strenger Treu zugethan, und tragen da- bey die ganze Last der Haus - und Feldarbeit. Sonst herrscht unter diesem Volke nichts ^eigenthümliches in Sitten und Kleidung. — Das Thal entvölkert sich seit geraumer Zeit merklich. Geognost. Beschaffenheit. Alle Felsen bestehen aus Urgebirge, als Gneifs, adrigem Granit und Urkalkstein: es ist noch nie gehörig bereist und untersucht worden (s. Locarno). ViViY, Stadt im K. Waat. Wirthshäuser: Aux trois Conronnes und a la Croix. Liegt unter dem V E V A Y. /|2t 46’, 26', o" nördl. Breite, und 24°, 3a' o" der Länge, am Fufse des Chardonn », welcher ein Theil des Jorat ist, dicht am Genfer- See. Die wilde Vevaise , welche an der Westseite des Molisson im K. Freyburg entspringt, fliefst am westlichen Theile der Stadt, richtet bisweilen grofse Verwüstungen an, und durch den Thalschlujid dieses Flusses bliist der Nordwind bisweilen mit der Heftigkeit eines Sturmes auf Vevay los.. Die Trinkwasser sind nicht gut ; auch sind hier die Kröpfe häufiger, als in keinem Orte am See, Geschichte. Vevay hiefs zur Zeit der Römer Vi- viscum , und lag an ihrer grofsen Heerstrafse, aus Italien über den Bernhards - Berg, nach der westlichen und nördlichen Schweitz. Von Vevay lief die Strafse nach Bromagum (welches bey dem See de Bray lag), Moudon , Avenche u. s. w. (s. Wallis'). — In der Kirche zu St. Saphorin ist ein zu Gerolle gefundner römischer Meilenzciger, welcher sagt, dafs von Vevay bis Avenches 37000 Schritte seyen ; er wurde im J. 47. der christlichen Zeitrechnung unter Kaiser Claudius errichtet. Der lieldenmüthige Kaiser Heinrich IH ., nachdem er vom Pabst in den Bann getlian war, und seine Feinde, die Herzoge von Schwaben und Baiern alle AlpenpäSse besetzt hielten, begab sich mit einer kleinen Begleitnng an den Genfer-See, und hatte zu t Vevay im J. 1076. eine Unterredung mit Adelheid , Markgräfin von Suz9, welche ihm den Pafs des Grofsen Bernhards öffnete, über welchen der Kaiser nach Italien gieng. Alle Grofsen und Geistliche waren in di» Parthey des Pabstes und des Kaisers getheilt, und überall war Krieg und Verwüstung. — Als während de 4 Burgundischen Krieges der Herzog Karl der Kühne sich kaum von Lausanne 1476. entfernt hatte, überzog der Bernerische Landvogt im Simmenthal sowohl Ve- vay als Tour du Peyl, tödtete alle waffenfähige Mannschaft, und zerstörte alles Eigenthum, weil die Einwohner den Savoyarden und Italienern , welche zum Heere Karls gezogen waren, allen Vorschub geleistet hatten. Merkwürdigkeiten. Die Lage dieser Stadt ist durch die blendende Mannigfaltigkeit sowohl einer wilden und erhabnen, als hinwieder einer reizenden und schönen Natur einzig. Der prachtvolle See, die reizen- * den Hügelufer voll Städte, Dörfer und Schlösser, die furchtbar melancholischen Felsen von Metl/erie, die erhabnen Gebirge des Wallis, die Gletscher des Pain du Sucre (einTheil des grossen Bernhards ), die herrlichen Alpen, mit Sennhütten besetzt, oberhalb Montreux, u. s. f., erzeugen einen ewigen Wechsel von Ansichten und Naturgemälden, welche unbeschreiblich sind. Diese aufserordentlich herrliche Lage, nebst der Fruchtbarkeit und dem Klima warmer Länder, hat Ve- vay von jeher zu einem Lieblingsaufenthalte der Reisenden gemacht. Es herrscht unter den dortigen Einwohnern eben so viel Geselligkeit als in Lausanne, aber weniger Prunk, Glanz und Leichtigkeit. Auch ist es hier nicht so theuer, wie dort. Es giebt hier Pensionsanstalten ; auch Landhäuser, welche vermiethet werden. — Ein Naturalienkabinet bey dem H. Doktor Le- i tade, und eine Vögelsammlung bey II. Chavannes. Nahe bey Vevay die Marmorsäge des II. Dorets, wo Sau- len, Altarstücke, Grabdenkmäler u. s. w. gearbeitet werden. Hr. Doret ist ein sehr guterr Bildhauer. Beträchtliche Sammlung von Schweitzer - Landschaften bey H. Brandoins Witwe, von ihm selbst gezeichnet. Der grofse laufende Brunnen ist seines vortreflichen antiken Geschmacks wegen sehenswerth. —. Das Grabmal Edmund Ludlorr's in der Kathedralkirche , und sein Haus, mit der Aufschrift über der Thüre: Omne so/um Forti patria , tjuia palris. Ludlövr war einer der Richter Carls I. von England, handelte in den Zeiten der Unordnung in seinem Vaterlande immer nach gleichen Grundsätzen mit Festigkeit und Würde, widersetzte sich den despotischen Verfügungen Carls I, , so wie den Anmafsungan Cromvrells , und nichts vermochte ihn, die Sache der Gerechtigkeit und Freyheit zu verlassen. Er war von der Begnadigungsakte Carls II ., so wie alle Richter Carls I. ausgeschlossen, und verfolgt. Einige seiner sieben Freunde wurden in dem Pays de Vaud erschossen. Die Regierung von Bern erwies ihm die gröfste Ehre und Achtung, und er genofs zu Vevay während 30 Jahren nicht blos den kräftigsten Schutz, sondern auch Berns Wachsamkeit vereitelte alle »Verschwörungen gegen ihn. Er starb hier 73 Jahre alt im J. 1693. Er bcsafs grofse militairische Talente, und gab Denkschriften der Begebenheiten seiner Zeit heraus, welche meisterhaft sind *). — Zwischen Vevay und *) Ludloyv schrieb in Vevay die Denkwürdigkeiten seiner 4*4 V e v a r. Lausanne wächst der so geschätzte Vin de Vaux ( s. hierüber den Art. Lausanne ). In Vcvay speist man die köstlichsten Weintrauben von Europa. Alle vier Jahre wird in Vevay von den Winzern und Landleuten das Weinlesefest gefeyert, wozu sich sehr viele Menschen versammeln. Befände sich nicht im festlichen Zuge ein Abt, die Arche Noä und die grol'se Traube von Kanaan, so hätte alles übrige einen giiechischen Zuschnitt; denn e$ erscheint dabey Bacchus in der Mitte von Faunen und Bachanten, Satyre, Schlachtopfer mit vergoldeten Hörnern, Dreyfüfse, Altäre vor der Grofspriesrerin, Silen auf seinem Esel, die Ceres auf einem Wagen unter einem Bogen von Korngarben, begleitet von Schaaren Winzern und Feldbauern unter fröhlichem Gesänge u. s. w. Der Ursprung dieses Festes ist sehr alt und dunkel. Die Mähre sagt: Die Mönche von Hautecrest ( Alta crista), welches ina J. 1134. von zwey Grafen von Creiers an den Quellen der Broye gestiftet worden war, hätten auf den öden Bergstrich Desaley Wein gepflanzt, und die erste Weinlese mit Mahlzeiten, Tanz und Gesang gefeyert. Wahrscheinlich ist dieses Fest älter, als die Mönche überhaupt. In der Gegend von Cuil/j fand man einen Stein mit der Inschrift: Libero Patri Cocliensi , woraus man wohl schliefsen darf, dafs die Römer hier den Weinstock Zeit vom J. 1640— *673. Das ganze Werk wurde i75o, zu London in drey Theilen Folio gedruckt, nebst einem Supplementband von merkwürdigen Aktenstücken über die damalige innere Krise von England. Der letzte Theil enthält Nachrichten von T.udluyvs Leben und seinen Schicksalen in der Schwelt*. Y F. V A Y. 4 2 5 pflanzten und dieses Fest schon fcyerten. — Ueber die köstlichen Fische des Sees s. man Genfer - See. In Vevay sind grofse Niederlagen von Gruyeres - Käse. Trcfliche Krebse kommen aus dem See de Bray . — Der ehmalige Prediger Muret zu Vevay hat sich durch seine tiefen Kenntnisse sehr ausgezeichnet. In der Sammlung der Ökonomischen Gesellschaft zu Bern stehen trefliche Abhandlungen von ihm, besonders über die Bevölkerung der Waat. Aussichten und Spatziergänge. Die Mannigfaltigkeit der schönsten und entzückendsten Aussichten romantischer, malerischer, sanfter und wilder Landschaften (je nachdem die Beleuchtung, der wahre Seelenausdruck jeder Landschaft, statt findet,) ist in der ( ganzen Gegend von Vevay, welche noch durch Rous- seau’s Heloise für gefühlvolle Menschen einen eignen Bei'tz besitzt, unbeschreiblich. Für diejenigen, welche hier keinen langen Aufenthalt machen, und alles Schöne bey ihren Spatziergängen nicht von selbst aulfinden , mufs ich einige Standpunkte Bedeuten : i) Spatziergang am See, derricre l'Aile genannt, wo das Amphiteater der Gebirge und das grofse Seebecken ein prachtvolles Schauspiel sowohl bey dem heitersten und stillsten Wetter, als bey dem heftigsten Sturm gewähren. Gerade gegenüber stürzen die schwarzen Felsen von Meil- lerie in die Flutlien; und von diesen thürmen sich die hohen Gebirge Savoyens , Wallis , Rex und Aigle's , in einem Halbzirkel bis nach NO. um den See, wo «ich links himmelwärts, oberhalb Montreux , das spitz« 426 Vevay. Horn des Jaman sehr bemerkbar macht. Von Vevay an erblickt man links an dem Ufer das Städtchen Tour du Peil , das Schlofs Clärens , das Dorf Montreux , das Schlofs Chillon und VUleneuve; gegenüber St. Gingou/ph und Meillerie. Nach W. schweift das Auge über die Seefläche von 10-12 Stunden, und ruht 4 nuT den stuffenartigen schönen Ufern bis Njon hinab. 2) Aufserordentliche Aussichten auf der Terrasse des elnnaligen Landvogtsschlosses. 3) Bey der Kirche St. Martin und auf dem Thurm. 4) Bey dem Landhause Cheminin. 5) Bey dem Rebhäuschen Richevue. 6 ) Auf der Terrasse des Schlosses von Tour du Peil, y) Bey dem Schlosse Chatelar , im J. 144i. von Johann von Cingins erbaut, welcher die ältere Burg mit seiner Gemahlin von Lasarra erheyrathete. 8) Auf der Terrasse des Schlosses Blonay ist eine der prachtvollsten Aussichten im K. Waat; hier war seit dem XI. Jahrhundert der Sitz des Geschlechts von Blonay. 9) Bey dem Tour de Gaules. 10) Auf dem Pelerin, 2-3 St. von Vevay, übersieht man den ganzen See, und nach N. dje wilde Gegend der Abgründe der Vevaise und gegen den Molcsson; der am wenigstens steile Pfad führt zwischen den Dörfern Chardonne und Corsier; ehe man die Höhe erreicht, kommt man in ein Berg- tliälcheu, wo eine Sennhütte steht. 11) Bey dem Dorfe Montreux. 12) Auf dem ganzen Wege von Vevay nach VUleneuve. 13) Bey dem Schlosse Chillon , welches auf einem Felsen im See im J. 1238. von Peter von Savoyen erbaut wurde, vor Erfindung des Geschü- VfiVAT. 'f^vj tzes nicht einzunehmen war, und von dieser Seite den Eingang in Spvoyen deckte. Im J. 1273. hei nahe bej Chillon eine Schlacht zwischen Peter von Savoyen und dem Herzog von Kophingen (Vogt dieser Landschaften im Namen des deutschen Reichs) vor. Peter , der Kleine Carl der Grofse genannt, benutzte seinen Sieg, und bemächtigte sich des Pays de Vaud , welches bis 1536. dem Hause Savoyen unterthan blieb, wo es von dem K. Bern erobert wurde; von dieser Zeit bis 1733. diente es dem Bernerschen Landvogt von Vevay zur Wohnung, nachher zum Staatsgefängnifs. In diesem Schlosse sind die untern Gewölbe, welche im lebendigen Felsen tiefer als die Oberfläche des Sees eingehauen sind, sehenswertb. Hier safs Bonnivard , der Prior von St. Victor in Genf , der edle Vertlieidiger der Unabhängigkeit dieser Stadt, während 6 Jahren gefangen, und wurde im J. 1536., als dieses Schlofs von den Bernern dem Herzoge von Savoyen entrissen wurde, in Freyheit gesetzt. (S. Genf). In der Nähe von Chillon ist der See 312 F. tief. (In Betref des Sees s. den Art, Genfer-See). — Die ganze Gegend zwischen Vevay und Montreux , und Vevay lind Lausanne, wird von dem Jorat gebildet, auf dessen Abhängen jedes Dorf und Landhaus eine eigenthümlich schöne Lage geniefst, und in welchem kleine Thäler liegen, von denen man auf der Landstrafse nichts wahrnimmt. Da mufs man die schönsten Landhäuser und äufserst romantische Lagen suchen. Ein sehr angenehmer Spatziergang führt oberhalb Vevay, unterhalb dem I Schlosse Blonay weg, durch das sogenannte Banset , bey dem Schlosse Chatelar vorhcy, nach dem Dorfe Montreux (s. Montreux). — Oberhalb des Schlosses Blonay auf dem Berge Lala ist eine schwefelhaltige Quelle. Auf dem Berge Thonmy , oberhalb dem Dorfe ■Bren, ist die merkwürdige Kohle Sequepliau (Felsen, welcher regnet), welche voll Tropfsteine ist. Von oben tröpfelt beständig Wasser herab und bildet auf dem Boden Konkretionen, die man unter dem Namen Con- fetti di Tivoli kennt; die Tropfsteine dieser Höhle sind sehr fein, und inwendig glänzend weifs wie Quarz. Von diesem Berge fliefst der Bach Baye de Bren , oder de Clärens , herab. Felsen stürz. Vevay gerade gegenüber geschah ob Tauretunum, wahrscheinlich zwischen St. Cingoulph und Meillerie im J. 565. ein so fürchterlicher Felsensturz in den See hinein, dafs nicht blofs Burg und Flecken Tauretunum mit allen Einwohnern zerschmettert, sondern auch der ganze See, welcher damals grösser war als jetzt, in die Höhe getrieben, und dadurch alle an den Ufern liegende Städte und Oerter mit Menschen und Heerdcn ersäuft und verwüstet, selbst die Brücke in Genf dadurch zerrissen und hier auch viele Menschen ersäuft wurden. Marius , Bischof von Aventicum, erzählt dieses entsetzliche Ereignifs in seiner Chronik (s. Payern «). Wege. Nach Lausanne 4 St. (Ueber alle Merkwürdigkeiten dieser Keise s. Lausanne ). — Nach VH- leneuve 3 St. Zuerst durch Tour du Peil , über den Vevay. 429' Bach Baye de Bren oder de Clärens , welcher vom Berge Thomay herabkömmt , und bisweilen grofse Ueberschwemmung verursacht, bey den Dörfern Clärens und Montreux vorbey, über den Baye de Mon- treux , bey dem Schlosse Chillon ( s. Villeneuve ). — Von Vevay nach Bulle im K. Freyburg 5-6 St. eine grofse Landstrafse, welche längs der f^evaise neben tiefen Abgründen 2 St. aufwärts durch Bossonens nach Chatel St, Denys führt, wo das Steigen aufhört; reich an wilden und romantischen Ansichten und herrlichen Aussichten (s. Bulle), — Von Vevay nach Moudon eine Landstrafse bey dem Wirthshause Chevres , 1 St. von Vevay auf der Höhe, wo eine herrliche Aussicht ist, und bey dem fischreichen See de Bray ( Bromagus , nach einem Orte, wovon keine Spur mehr vorhanden ist, zur Römerzeit genannt) vorbey, der 1 Stunde im Umfange hat, und bey dem der Bach Grenet die gröfs- % ten Krebse liefert, durch Esertes und Mezieres , wo man rechts nach O. die Schlösser Oron und Rue erblickt. — Von Vevay nach Montbovon im K. Freyburg, und von da ins Saanen- Land, ein Weg für Fufsgänger und Reuter über den Jaman; zuerst durch Clärens , Schlofs Chatelar und Charney; von hier links, dann über die Baye de Montreux , auf die Höhe des Jaman 5 St. (s. Jaman)-, herab nach Montbovon a St. ( s. Montbovon ). Pflanzen. In der Gegend von Vevay wachsen viele schöne Pflanzen. An den Ufern der Bäche; Corrigiola littvralU . Längs Via mala. 430 den Mauern: Panicum dactylon; Rumex pulcher; Mrosotis lappula ; Stipa penn ata ; Lepidium graminifolium. Am Ufer des Sees de F.tliy ; Melampyrum ntmorosuni, herrliche und in der Schwcilz sehr seltne Pflanze; Carex limosa; Sedum villosum; Eriophorum vaginatum ; Polytrichum alooides Hedw. Bev der Bach Clärens'. Chlora perfoliata; I/ippopliäe renn, noides; Sisymhrium murale ; Epilohium Dodonaei ; Uieracium staticifolium, eine Alpenpflanze, welche bis an die Vevaise und den Bach de Clärens fast bis ans Seeufer herabsteigt. (S. die Artikel IVaat und Montreux ). Geognost. Beschaffenheit. Bis Clärens Sandstein und Nagelflue; von hier südwärts Kalkstein. Die meisten Bäche zwischen Clärens und Chillon setzen viel Tuf ab. Vor Chillon , bey dem Dörfchen Territet , ist in einer Wiese eine beträchtliche Tufhank. Die Bäche Vevaise und Baye de Breit wälzen aus der Nagelflue des Jorat eine Menge gerollte Steine dein Genfer- See zu. (S. Jorat und Lausanne). Via mai.a. So wird die Strafse genannt, welche von Tusis durch eine der merkwürdigsten Felsen- Schluchten und schauerlichsten Gegenden der Schweitz ins Schamser - Thal führt, und von Tusis bis Zilis a Stunden lang ist. Dieser ungeheure Felsenrifs liegt zwischen dem Beverin und Muttner - Horn, und ist oft nur wenige Klafter breit; in dessen schwarzer Tiefe wüthet der Hinter-Rhein ungehört, aber an dem pfeilschnell schiefsenden Schaum bemerkbar, und seine zer- rifsnen nach oben überhängende Wände sind mit alten Tannen besetzt, welche das Dunkel dieses Schlundes l* X p p 'fl. K P P & j P 11 in du tat, ah im z ik ha io I ui 4« l«, TI ki itiu Jet, !« noch vermehren. Die eingesprengte Strafse, 3-4 Fufs fcreit und 2-400 Fufs über die Abgründe des Rheins, windet sich bald an der rechten bald an der linken Felsenseite fort, und wird durch drey Brücken verbunden. Zur Verfertigung dieser Brücken mufsten Mast- baum-hohe Tannen durch Stricke oben über die Felsenwände des Schlundes herabgelassen, das eine Ende derselben an die eine Seite befestigt und das andere an die jenseitige Wand gelagert werden. Die Stiafse ist gut unterhalten, gegen Unglücksfälle ziemlich gesichert, im Sommer nicht gefährlich, und nur bey schneereichen Wintern und Frühlingen sind Lauinen zu befürchten, und verdient jetzt nicht mehr den Namen Via n"* mala. Von Tusis geht es über die Nolla, ^ St. aufwärts nach dem Hofe Rongella (rliät. Ronkejla). Auf dem Wege dahin sieht man rechts auf einem Felsen die Reste des Schlosses Obertagstein, höher die Sai/ser- Maiensäfse, und über diese die Jomser- Alp; links ziehe der Grabsteig mit seinem Tannenbewaldeten Gipfel; nach N. geniefst man einer herrlichen Aussicht nach dem Heinzenberg und üher einen Theii des Domlesch— ger- Thaies. Dicht vor Rongella erblickt man jenseits des in der Tiefe verborgnen Rheins auf der Höhe einen Theii vom Dorfe Obermutten. Vom Rongella führt der Weg nach der Via mala herab. Bald leitet eine kühne steinerne Brücke auf die rechte Seite des Schlundes, dann mitten durch ein Felsenloch; und nach einigen 100 Schritten führt eine zweyte kühne Brücke, 7 i St. von Rongella, wiedef auf die linke Seite. Diese 43 z Via mala. in einem Bogen gesprengte Brücke ist 40 Fufs lang, und der Abgrund unter derselben soll 430 Fufs tief seyn, aus welchem das wüthende Toben und Aecbzen des Rheins dem Ohr kaum vernehmbar ist. Nicht weit von der zweyten Brücke bildet der Rhein einen Fall, welcher, wenn grade die Sonne in die Schlucht scheint, einen schönen Regenbogen zeigt. Eine halbe Stunde weiter geht der Weg über eine dritte Brücke, 160 F. über den Rhein (zufolge der Messung des II. Pfarrer Truog in Tusis), auf die rechte Seite, und bald nachher bey der Kirche des II. Arahrosius (von den Einwohnern Ambriesch oder auch la Baselgia genannt) tritt man aus der Kluft ins lachende und reitzende Schamser -Thal, wo Zilis das erste Dorf ist f s. Zilis ). Zwischen der ersten und zweyten Brücke, ist der an schauerlicher, erhabner und romantischer Natur reichhaltigste Standpunkt. Das feyerliche Dunkel dieser wilden Felsengegend stimmt zur Schwermuth, und die schwarze Unthat eines Ungeheuers von Geistlichen, der ein von ihm verführtes Mädchen hier in den Abgrund stürzte, erfüllt die Seele mit Grausen und Entsetzen. Dagegen wurde dieser Ort auch durch die beyspiellose Kühnheit und Uneigennützigkeit des noch lebenden H. Salomon Hangar , Landammann in Tusis verherrlicht. Eine Lauine stürzte bey der zweyten Brücke ein mit Reifs beladues Saumpferd in den Abgrund des Rheins hinab. Der Eigenthümer zeigte in Tusis an, dafs sich in einem Reifssacke Gelder befänden. Nie war es einem Bündtner beygekommeu, in diesen Schlund " Via mala. / ( 35 sich hinabzuwagen, und allgemein ward es für unmöglich gehalten, ohne offenbar sein Leben einzubiifsen. Ohnerachtet dessen hatte H. Hungar die Kühnheit, sich an Stricken hinabzulassen. Es gelang ihm, glücklich in die Tiefe des Abgrundes zu kommen, schwebend mit einer Hackenstange den beeisten Rhein zu durchforschen, endlich den Reifssack zu finden, festzuhacken, ans Ufer zu ziehen, das in Löschpapier gehüllte Geld herauszunehmen, und nun das Zeichen zum Heraufziehen zu geben. Diefs war aber sehr schwierig; eine ganze Stunde hieng der kühne Mann in der Luft und half sich am befsten mit seiner Stange, indem er an derselben emporrutschte. Er rettete so 200 Thaler einem ilandelshause in Rorscbac/i. — Die Via mala wurde 1470. durch die Gemeinde von Tusis angelegt, und führte ganz an der Westseite; die erste Brücke wurde erst 1738- und die zweyte 1739. erbaut, wodurch der Pafs mehr Sicherheit erhalten hat. Vor Eröfnung der Via mala gieng die Stiafse am Piz Beverin in beträchtlicher Höhe, durch die Oberst — Alpen , den Dürren— Wald , gegen das Maiensäfs Seifsa, oberhalb den Dörfern Lohn, Mathon, V'ergenstein, Arosaalp nach Sufers im Rheinwaldthale. Im Dürre a-Walde sieht man noch ' Spuren eines 6 Fufs breiten Weges, und H. Pfarrer Truog sah noch » 789 . am Piz Beverin in beträchtlicher Höhe Mauerreste von der ehinaligeu Strafse. Pflanzen. In der fi a mala wachsen: Pyrola unißora. Juncus niveus und die so seltne Linnea horealis . IF. *8 I 454 "V I E G E. Gcognost. Beschaffenheit. Die Felsen dieser ungeheuren Kluft bestehen aus senkrechten Schichten Kalk - und Thonschiefers, an deren Wänden das sogenannte Gletschersalz ( Bittersalz) ausschlägt. Auch streicht liier Gyps in senkrechten Schichten. V 1 E G E ( S. Visp ). Vier waldstad ter - See (s. Luzerner -See). Vigezza-Tiial, zwischen dem K. Tessin und dein italienischen Oscclla-Thal, durch welches von Locarno der geradeste Weg nach Domo d’Ossola, io bis 11 Stunden führt. Weg. Man sehe Centovalli - Thal, wo der Weg bis Borgnone beschrieben ist. Von hier geht es bergab nach Comedo zur Brücke über die Ribellasca (die Grenze des K. Tessin und der Schweitz}, und nun bergauf nach der Kapelle und dem Dorfe Olgia, wo man das ganze Centovalli übersieht, und wo sich das Vigezzathal öfnet; herrlich stellt sich hier der Monte Finaro dar. Von Olgia geht es nach Malesco auf malerischem Hügel; hier muis man von Locarno kommend des Nachts bleiben. Gegenüber liegen auf Hügeln Maria Maggiore, Hauptort des Thaies, und St. Silvastro, zwischen denen sich eine Kluft öfnet. Ob Malesco zeigt sich ein enges Bergthal, durch welches ein Pfad in 5 Stunden nach Canobbio am Langensec führt, und man erblickt die Dörfer Craveggio, Presti- none, Fosseno und Benoguo. Von Malesco geht der Weg durch Crana, Riva, wo der Melezzabach einige schöne Falle bildet, bis ans Ende des See ebnen Thals, i> j* f ui 1 iii ) 1 «! litt KM «1 i a m nfc Q i. ist 1* ic I# « 1 Vo Itt tu« ( Vicez l a-Thal. 435 und nun aufwärts durch den Felsendurchbruch Tron- tano, wo grauenvolle Zerstöhrung herrscht, nach Ba- jesco, steil abwärts über Gerolle ins Städtchen Masera, wo man links das Dorf Trontano sieht, und von hier in i St. nach Domo d’Ossola. Merkwürdigkeiten. Das Vigezzathal hat zwey Aerme, und hat das eigentümliche, da (’s es bey Riva durch eine Höhe getrennt ist, von wo die östliche und westliche Melezza abfliefst. ln dem östlichen Arme erhebt sich nordwärts Crana, der hohe Kamm Piodina di Crana , aus welcher Gegend ausserordentlich viel Holz nach dem Langensee gellofst wird ; die Bäche werden dazu vermittelst künstlicher Anschwellungen, welche die Italiener Serre nennen, zu diesem Zweck tüchtig gemacht. Das Thal ist schön, obgleich nur Gras und Rokken wachsen. Es giebt hier viele reiche Kaufleute, welche ihre Handelshäuser in den gröfsten Handelsstädten Europa’s halten, ihre Frauen und Kinder aber in diesem Thale lassen, und auch immer wieder zurückkehren, um ihr Leben zu beschliefsen. Ohn- erachtet des Reichthums sind doch die Einwohner noch so einfach, wie sie vor aoo Jahren waren. — Auf den Bergen quellen an zwey Stellen schrrej’ei/iallige Wässer, 4 St. von Craveggio, und oberhalb Malesco.— Von einem Dorfe Vocogno schliefst Ferrari , dafs in dem Vegezzathal das Völkchen, von den Römern Vo- contii genannt, gewohnt habe. Geognost. Thatsacheu. Das Thal liegt iu dem Urfelsgebilde. Glimmerschiefer, Granat, Urkalk- stein ) Topfstein streichen durchs Thal. In dem westlichen Thal herrscht Glimmerschiefer in senkrechten Schichten, welcher in der gröfsten Verwitterung sich befindet, weswegen die Strafse über den Trontano bey Regen und Schneestürzen sehr gefährlich ist. Bey Buseni ist der Glimmerschiefer von Schichten eines weifslichen Thons durchzogen, und hier finden sich schöne Strahlsteine. Oberhalb Malesco bricht schwarzer und weifser Marmor, welcher so schön wie der Carrarische ist. Nordwärts Crana adriger Granit, der in schönen Tafeln spaltet, die sich nach SO. senken. Im Bache des Val di Forno, welcher den Weg nach der Alp Trence durchschneidet , streicht ein Lager Schwefelkies , und hier sieht man beträchtliche Anhäufungen eines feinen Quarz- und Flufsspatsandes. Bey den höchsten Sennhütten in einem kleinen Tobel unweit dem Schnee entdeckte der mailändische Naturforscher Amoretti im J. 1797. zwischen Granit eine 4 Zoll breite Kaolin- Ader, welche in einem mehrere Fufs breiten Gange einer schwarz'grauen blättrigen Steinart streicht; wo der Kaolin rein ist, erscheint er in viereckigen faserigen Säulchen krystallisirt. — Bey Maion, dem östlichsten Dorfe , bricht erprobtes aber bisher unbenutztes Eisenerz. — Die ganz wagrechte östliche Thalebne ist westlich bey Riva und östlich bey Majon durch Nagelfluehügel geschlossen, und es ist augenscheinlich , dafs das Thal ehedem einen geschlofsnen See bildete. VuuäBBvs (Pcnnilucus zur Römerzeit) im K. Villeneuve. 457 Waat, an ^ er Strafse von Aigle nach Vevay. Zwischen diesem Dorfe und Boveret fällt die Rhone in den Genfer- See. Das "VVirthshaus ist gut, und man findet hier köstliche Forellen. Schlacht der Helvetier gegen die Römer. Die Gegend zwischen Villeneuve , Roche und Port Vallais ist deswegen sehr merkwürdig, weil hier die Römer unter dem Consul Lucius Cassius von den Tigurinern , unter Anführung des Divico , im J. 64C. nach Erbauung der Stadt Rom (1197. vor Christi Geb.J gänzlich geschlagen wurden. Der Konsul und die Blütlie des Heeres blieben, die übrigen flohen dem Lager zu; allein dieses mufste sich den Helvetiern erge- geben , welche alle römische Rüstungen und eine Menge Geifseln nahmen. Diese schreckliche Niederlage erregte in Rom eine aufserordentliche Bestürzung. Fünf Jahre nachher zog das ungeheure Heer der Cimbern mit den Helvetiern vereint über die Alpen nach Italien, (höchstwahrscheinlich durch Wallis und über den Simplon, s. Arona und Simplon) , wo bey Vercelli Marius durch seinen Sieg Italien und Rom vor den nordischen Barbaren rettete. — Bey Villeneuve sind römische Münzen, Bruchstücke von Inschriften und Mosaik-Fufsboden gefunden worden. Wege. Von Villeneuve nach Roche 1 St. (s. Rocke). Nach Vevay 2 St. Von Villeneuve breitet sich der See mit seinen herrlichen Ufern vor dem Auge aus, und entwickelt sich auf dem Wege nach dein Schlosse Chillon und Montreux immer mehr. Man 438 VlLLMERGEN. sieht die Seeufer von Rolle an, die Stadt Lausanne , die stuffenartigen Hügel des Ryf- Thaies (Cote de VauxJ, den Montagne und Tour des Gaules oberhalb Vevhy , Tour du Peil , die Schlösser Chatelar , Btonay , Hauteville, u. s. w. Die Merkwürdigkeiten von Chillon und Montreux s. man unter dem Art. Vevay. Pflanzen und geognost. Beschaffenheit. Die Alpenpflanzen Epilobium angustifolium und Nar- cissus poeticus steigen bis bey Villeneuve herab. Die Sümpfe in der Nähe von Villeneuve bieten eine Menge merkwürdiger Pflanzen dar. Ueher die geognostische Beschaffenheit s. den Art. Roche, Villmerg en, merkwürdig durch zwey Schlachten, welche die Schweitzer in ihren Bürgerkriegen hier lieferten ( s. Hallvryler- See). Vtso (Mont), Mons Vesulus von' den Römern genannt, das höchste Fclshorn in den Kottischen Alpen, innerhalb der Gienzen von Dauphine. Man sicht dieses aufserordentliche spitzige Horn von Turin und Mailand sehr deutlich. An der Ostseite desselben entspringt in 3 Aermen der Po , Fluviorum rex Eridanus von deb Römern genannt, und 5 Thäler ziehen nach der piemomesischen Ebne herab. In der Nähe des Viso führte Bellovesus, Hannibal, Caesar, August, die Könige von Frankreich ihre Heere über die Alpen nach Italien und nach Gallien (s. Alpen , Suza , Grofsen Bernhard). — Im Monat April 1808. waren zur selben Stunde die heftigsten Erdbeben in den Kottischen Alpen, in 'Turin , Grenoble , Genf , Lausanne , Tou- Visp oder Vis pa ch. 459 ton; die Erderschütterungen dauerten in den Thälern der Kottischen Alpen das ganze Jahr von Zeit zu Zeit fort, selbst noch im Jenner, und am 12. Juni des Jahrs i 8 ° 9 . Visp oder V 1 spach (franz. fliege), Grofser Flecken in Ober - TVn.HU , am Eingänge des p'isper- Thales, an dem ^'t^-Flusse nicht weit von der Rhone , liegt 2004 F. übers Meer. Der Hauptort eines Zehnten, wo dessen Versammlungen und viele Märkte gehalten werden. Der p’isp- Flufs, welcher hier aus dem langen Visper - Thal hervortritt, ist so grofs und voll als die Rhone selbst. Auf der Brücke sieht man im Hintergründe des Thaies den Gipfel des Mont Rosa (s. den folgenden Art .) Oberhalb dem Flecken stand ehedem das Schlofs Hübschburg , Sitz des Grafen von Visp und Blandra. Zu jener Zeit wohnte hier der meiste wallisische Adel, von dessen Hochmuth die Geschichtschreiber ’ viel erzählen. Nachdem die Walliser im J. 1383. in dem unglücklichen Krieg gegen Savoyen das ganze Unter - Wallis verloren hatten , und der Graf Rudolph von Greierz den Krieg für Savoyen fortsetzte, um Oberjrallis zu erobern, wurde er mit 8000 M. bey Visp den 20. December 1388. von den Oberwallisern unter ihren Landshauptmann von Raron gänzlich geschlagen, wobey 4000 Ritter und Lanzenknechte theils durchs Schwerdt umkamen, theils in der Rhone ertranken. Aus Rache führten die Savoyarden 2 Söhne Rarons gefangen fort , welche der Herzog enthaupten liefs. Nach der gewonnenen Schlacht zerstörten die Walliser die Hübschburg. 44o Visper-Thal. Wege. Von Visp nach Siders 6^2 St. ( 5. Siders'), ' Nach Brief; 2 St. zuerst durch Gambsen ; bald darauf, vor der Oeffnung des Nanzer - Thaies vorbey, durch die Reste einer Mauer, welche von den Gebirgen bis an die Rhone herablief und für eine römische Schutzmaier gegen die oberhalb derselben wohnenden Viberi gehalten wird , durch Gliis (in dessen Kirche das Grabmal des Georg Snpersax oder von der Flue mit seinen 23 Kindern zu sehen ist, welcher in den italienischen Kriegen im Anfänge des XVI. Jahrhunderts als wüthendes Partheyhaupt für Frankreichs Vortheil und als Gegner des Bischofs Schinner sein Vaterland in die gröfsten Unruhen stürzte^, über den Saltinenbach nach Brieg. Von Glüs geht die neue Ilcerstrafse auf den Simplon ; man s. hierüber Brieg. Geognost. Beschaffenheit. Von Visp bis Brieg zeigt sich Glimmerschiefer mit Quarzadern, grüner Talkschiefer mit Glimmer, und glimmerreicher Kalkstein. Visper-Thal, auch Vispacher - Thal genannt, in Ober-Wallis, öfnet sich bey Visp , zieht 9-10 Stunden lang nach S. und O. zwischen den höchsten Gebirgen , welche Wallis von Piemont trennen , vom Vispach durchströmt, und von dem Rosa oder Mittags-Hora, dem Matter- Horn und Moro geschlossen. Dieses Tlial ist reich an wilder, erhabner und roman- tischer Natur, reich an den seltensten Pflanzen und Steinarten, und wird von einem deutschen Alpenvolke bewohnt, bey welchem die Sitteneinfalt der patriarcha- Visper-Thal, 44 i lischen Zeit herrscht; dennoch wird es gar nicht besucht, und ist deswegen fast unbekannt. Beschreibung des Saafs-Thaies und des Matter- oder Nikolai-Thaies. Von Visp i ^ St. entfernt spaltet sich bey Stalden das Thal in zwey Aerrne: i) Der linke oder nach O. ziehende Arm erhalt den Namen Saajser - Thal, auch Rosa - Thal (Val RosaJ, weil es vom Rosa und Möro geschlossen wird. Der Hauptort desselben heifst Saafs , 4^ St. von Stalden. Aus dem Saafser - See entspringt der östliche Arm des Vispach-I'lusses , der von den Bächen vieler Gletscher vermehrt wird. Oberhalb dem Dörfchen Vermegro liegt der grofse Morogletscher. Auf der Höhe des Passes über den Moro ins Anzascathal bietet sich eine unbeschreiblich schöne Aussicht des ganzen östlichen Schichten - Durchschnittes des Mont Rosa dar, welcher sich von seinem Fufs bis zum vergletscherten Gipfel zeigt. Der Rosa oder das Mittags- Horn ist nur wenige Klafter niedriger als der Montblanc , steht an der Grenze zwischen Piemont und Wallis , und scheidet das Saafser- Thal von dem Val Anzasca. S. die Merkwürdigkeiten des Rosa unter dem Art. Rosa. Ehedem war die Strafse aus Wallis über den Moro nach Italien betreten, und selbst die Briefpost nahm diesen Weg. 2) Der rechte oder nach S. ziehende Arm wird nach dem Dorfe St. Nikolas , welches 3St. von Stalden liegt, Nikolai - Thal, und nach .dem letzten und höchsten Dorfe Matt , 4^ St. von Nikolas entfernt, auch Matter - Thal genannt. Dieter Hauptarm des Vispaclier - Thaies schickt einige Nebenthäler in die Seitengebirge. Dieses Thal wird von dem Matter- Horn und Breit- Horn, welche mit Ungeheuern Gletschern belastet sind, geschlossen, aus denen die oberhalb Matt liegenden Seen und der Visp- Flufs feinen Zuflufs erhalten, — St. Nibolas, ein grol’ses Dorf, liegt 3596 Fufs übers Meer. Matt (auch Zer Matt , Zur Matt , und Praborgne genannt), das letzte Dorf, gehört zu den am höchsten gelegnen Dörfern in der Schweitz. Grenchen oder Grächen , zwischen Stalden und Nikolas , war der Geburtsort Thomas Plätters , des eifrigen Reformators und berühmten Arztes und Professors zu Basel , welcher in seiner Jugend, wo er Ziegenhirte war, die wunderbarsten Schicksale erlebte, und späterhin einer der merkwürdigsten (obschon minder bekannten) Zeugen und Mitwirker der Glaubenstrennung in der Schweitz ward*). Das Matter-Horn. Oberhalb Matt erhebt sich einer der prächtigsten und aufserordentlichsten Felsobelisken des ganzen Alpengebirges, nämlich das Matter- Horn (welches von den Piemontesern Mont Cervin und Sylvio genannt wird). Man sehe dessen Gestalt auf dem zweyten Alpenabrisse. An dessen Fufs führt ein Pafs auf die Südseite nach Italien, deswegen sehr merkwürdig, weil es die höchste Strafse unter allen Ge- *) Man sehe seine Lebensbeschreibung in den Miscellaneis Tigurinis , und einen sehr kernhaften Auszug davon im helvetischen Almanach vom J. 1790 — 92. und in den Etrennes helvetiennes des Hrn, Prof. Bridel. Visper-Thal. 443 birgspässen in Europa ist; denn der höchste Punkt dieses Weges liegt 10,284 F* übers Meer. Auf der Höh* dieses Passes, in dem Col de Cervin , brachte H. von Saussure mit seinem Sohne im J. 1792. vom n. bis 14. August zu. Das Matter- Horn selbst erhebt sich über das Joch noch 3570 F., und ist also 13.854 übers Meer. Das Barometer stand auf dem Joche 19 3', o ". Der Anblick des dreiseitigen Matter- Horns ist aufserordentlich prächtig. Nach SW. erheben sich die vreifsen Hörner; nach SO. das fireif-Horn 12,012 Fufs übers Meer, den 13. August von dem H. von Saussure erstiegen. Die Kette des Breit- Horns 2ieht erst nach SO. und hernach nach S., und ist vom Mont Rosa durch einen Gletscher getrennt, der sich mit dem Gletscher des Matter - Horns an der Nordseite nach Matt zu vereinigt. Das Matter-Mora und dessen Joch stehen schon auf piemontesischem Boden. Ungeheure Gletscher lasten auf der Süd - und Nordseite dieser Felsen, ujid starren überall in die Tbäler herab. An der Südseite des Matter - Horns liegt das Val de Cervin oder Tornanche , 8 St. lang, welches sich bey Chatilion , und das Val d' Ayas oder Challant , 7 St. lang, welches sich bey Verrex , beyde ins Val d'Aosta öffnen. Wege. Nur in dem höchsten Sommer läfst sich die Reise über das Joch des Matter - Horns und des Moro unternehmen. Von dem höchsten Dorfe Matt oder Zer Matt bis zum Anfänge des Gletschers 4 St.; über den Gletscher bis auf die Höhe, des Jochs 2 St. 1 444 Visper-Thal. also von dem Flecken Visp am Ausgange des Vispach- Thales 15 Stunden. An der Südseite herab, bey der Redoute St. Theodule (welche vor 2-3 Jahrhunderten von den Einwohnern des Val d'Aosta erbaut wurde) vorbey, über einen Gletscher 1 St., zu dem ersten Sommer - Dorfe Breuil (6162 F. übers Meer) im Gerinn-Thal e 3 St., und von da bis Chatilton 8 St.; oder ins Ajas - Thal über den Gletscher 1 y» St., nach dem Col de Cimes blanches oder l’enelre d'Avantine t St. Von hier nach St. Jacques 3-4 St., nach Verrex 7 St. am Ausgange des Ayas -Thaies; oder von St. Jacques über die Furca di Betta nach Gressonay ins Lesa-Thal 7-8 St., von Deutschen bewohnt, welches sich bey St. Martin ins Val d'Aosta öffnet (s. Anzasca-Thal ). Der Pafs übers Joch des Matter- Horns ist für Maulthiere und Felsenpferde gangbar; die Dünnheit der Luft wird in dieser Höhe den Thieren so beschwerlich, dafs sie kläglich keichen. — Von Zer Matt über den Weifsen Grat nach Macugnaga im Anzasca - Thale 11 St.; äufserst gefährlich ; man muf® einige tausend Fufs höher steigen, als das Joch des Matter - Horns, und 4 St. lang über steile Gletscher wandern. — Von Visp nach Saajs im Saafs - Thale 6 St., und von Saajs über den Monte Moro nach Macugnaga im Anzasca - Thal 8 St. (s. Anzasca und Moro ). Pflanzen. Das Vispacher - Thal gehört zu den an den seltensten Alpenpflanzen reichsten Thälern der ganzen Schweitz. Visper-Thal- 445 ln dem rechten Arme desselben, oder dem Ai k o la i-Thale, yon St. N ikolas an, bis an den Gletscher des Matter- Horns, wachsen: Serratula alpina. Antirrhinum genistifo • lium, ' Viola pinnata. Apargia crispa. Juniperus sabina in Menge, Astragalus leontinus. Astragalus exscapus, oberhalb Matt in einem Walde von Lerchenbäumen ; wächst ausschliefscnd im W allis. Anemone baldensis. Agro- stemma Flos Jovis . Myosotis nana Jacquini, Artemisia spicata und glacialis . Potentilla rubens und rupestris. Aira spicata. —— Auf den Alpen des A' ik o la i - Thals : 1) Auf dem Ober - Staff el: Astragalus Halleri. Carex stri - gosa, bicolor , capillaris und panicea. Ranunculus rutaefo- lius . Lychnis alpina . a) Auf dem Stock : Ganz eigentümlich hier: Herniaria alpina, Vill, und Alyssum alpestre. Potentilla multifida. 3 ) Auf dem Berge Fluelen' Die schone Pflanze Anemone Ilalleri. 4) Auf den Alpen oberhalb Zer Matt : Phyteuma paueißora. Aretia alpina mit purpurrother Blume, Aretia vitaliana mit gelber Blume; auf dem Berge Bafel entdeckte H. Thomas (der Sohn) ein neues Phy- teuma, welches H. Gaudin ( s, JVyon ) rigida genannt hat; es ist eine kleine sehr hübsche Pflanze, deren Blatter linienartig und sehr steif sind. 5 ) An der Nordseite des Matter- Horns zwischen Matt und dem Joch’. Silene vallesiaca\ Saponaria lutea, bey dem See auf der Seite des Gletschers; diese beiden Pflanzen sind eigentümliche Pflanzen des Ob er-TVallis. Trifolium saxatile am Gletscher, Potentilla norvegica und nivea, Ranunculus glacialis. Phaca alpina und frigida . Melissa nepeta. Thlaspi Hall . helv. 519. Arabis Halleri. 6) An der Südseite des Matter - Horns, nach Breuil hinab s Saxifraga muscoides Jacquini , 44 ® Visper-Thal. aspera und bryoides. Valeriana celtica, Chciranthus alpi- nus. Sempervivum globiferum nirgends als hier und auf dem Pilatus. Phyteuma Scheuchzeri. Primula villosa Allioni. Avena versicolor , Vill. Slatice armeria. Aretia helvetiea. In dem To manche - Thal am Fufs des Cervin hat H. Thomas auch die wahre Agrostis rubra entdeckt, welche sicher nichts mit der Nro 1513. Pall, gemein hat.*— lieber die seltnen Pflanzen des Monte Moro im Auay* - Thale s. Moro. Geognostische Thatsachen. Durch das Vis- pach-Thal streichen Glimmerschiefer, Topfstein, Gneifs, glimtberreicher Kalk, Serpentin und Jade (magrer Nephrit^. Bey Termine sind Topfstein - oder Gildstein- Gruhen ; auch wird hier viel Amianth gefunden ; der hiesige Topfstein, welcher gröber und unreiner als der bey Chiavenna ist, wird zu Ofenplatten verarbeitet. Am Eingänge des Visperthales streicht Urkalkstein mit glim- merreichen Ablösungsflächen ; weiter im Thal Glimmerschiefer, welcher oft in Gneifs übergeht, und mit Urkalkstein abwechselt. Bey Stalden ist Glimmerschiefer herrschend, und geht nur selten gegen das Dorf Saals in Gneifs über. Bis über das Dörfchen Vermegro hinauf liegt das Saafsthal in Gneifs, welcher in Glimmerschiefer übergeht. An der Nordseite des Moro findet man den magern Nephrit (Jade) mit Smaragdit häufig als Gebirgsart, und der Morogletscher bringt eine ungeheure Menge Nephrit -Trümmer herab, von denen so viele gerollte Stücke am Genfersce in der Gegend von Genf gefunden werden. Längs dem Wege den Mort t hinauf bis zur Höhe sieht man aber nichts als Gneifs, der mit Glimmerschiefer abwechselt. (EscherJ .— Das Matter - Horn scheint aus drey Paralell-Schichten zu bestehen, wovon die oberste isabell gelblich, die zweyte grau, und die dritte wie die erstere aussieht. Die erste und dritte Schicht bestehen aus Serpentin, abwechselnd mit glimmerigem Kalkstein ; die zweyte scheint Gneifs und Glimmerschiefer zu seyn. Das Breit- Horn bestellt last ganz aus Serpentin, äufserlich von isabell bräunlicher, innerlich von grüner Farbe; enthält viel magnetischen Eisenstein in wurmartiger Gestalt, woraus, wenn das Erz aufgelöst ist, Löcher entstehen, welche aussehen, als hätten Würmer den Fels zerfressen. Man findet auch hier blättrigen Serpentin, und hin und wieder Glimmerschiefer ohne allen Quarz. Der Felsengrat bey dem Joche des Matter - Horns zeigt von dem untersten Theil nach oben: i) Grauen Gneifs mit Hornblende und Feldspathadern. 2 ) Höher: Grünen Glimmerschiefer mit Kalkspathadern und Eisenkiesen. 5 ) Braunen Gneifs mit vielem Glimmer. 4) Gneifs mit bestimmten Körnern. 5) Eine Schicht körnigen Feld- spaths. 6) Schwarzen Speckstein mit vielem magnetischen Eisenstein. y) Viele Trümmer eines weifsgelbli- lichen Kalksteins. 8) Gneifs und grünen Glimmerschiefer. 9) Kalktuf. 10) Spiegelspeckstein, die letzte Schicht vor Anfang des Schnees, wo noch Trümmer von schiefrigem Serpentin mit glasartigem Strahlstein, und grünbraune Bruchstücke, mit vielen Granaten gemengt, liegen. Dieser Gratb verbirgt sich einige hundert Fufs 448 Yisper-Thal. unter Schnee, und steigt dann nördlich wieder empor. Da wechseln dann Serpentin, grüner Glimmerschiefer und glimmeriger Kalkschiefer. Steigt man eine Stunde aufwärts, so liegt auf glimmerigem Kaikschh.fcr; i J * Eine 20 Fufs mächtige Schicht Gneifs, der sehr hart, fein, und grauweifslich grünlich ist, in dünnen Blättern von 8~ 9 Linien, höchstens i Zoll bricht; liegt fast waagrecht. 2) Auf diesem Gneifs sitzt bläulicher fein- » körniger Kalkstein mit grauweifsen Adern. 5) Dann folgt eine Schicht, die dem Kalktu’ gleich sieht. 4) Dann glimmeriger Kalkschiefer in dünnen Blättern. 5) Derber Kalkschiefer. 6) Eine dicke Bank grünen Gneifses mit weifsen Feldspathkörnern. 7) Auf diesem Gneifs sitzt gelblicher Kalkstein mit Glimmer gemengt. Die Schicht Kalktuf ist 1-2 F. mächtig und gelbbraun, und besteht aus Kalk mit vielen weifsen Glim- merblättcben, grünen Talkblättern und vielem Thon gemengt, welcher auswittert und eine Menge unregelmä- fsige Oeffnungen zurückläfst. Diese Schicht liegt in der Höhe von ro,8oo F\; eine zweyte ganz gleiche Schicht streicht in der Höbe von 10,320 Fufs ; eine dritte an der Südseite nach Breuil hinab in der Höhe von 9C00 Fufs, und eine vierte und fünfte in der Höhe von 7200 - 7800 F. übers Meer. An der Südseite des Matter -Horns beym Herabsteigen nach Breuil (im Cervin- Thal) zeigt sich Gneifs zwischen glimmerreichem Kalkstein ; 1200 Fufs oberhalb Breuil weifser Gneifs; über diesen lagert Kalktuf; dann glimmerreicher Kalkschiefer, hernach wieder Tuf, und dann grünlicher Gneifs. Waat. 449 Dicht oberhalb Breuil zeigt sich Gneifs mit vielen Granaten und stahlblauer Hornblende. Südwestlich von Breuil ist Spiegel - Blutstein ,• schöner Dolomit mit kleinen Tremoliten, und mefsinggelben kubischen Schwefelkiesen. Von Breuil bis Chatilion herrscht im Cervin- thale meistentheils Serpentin, und körniger glimmefi- ger Kalkstein. ( Saussure). — Ueber die geognostischc Beschaffenheit von dem Joche des Matter - Horns ins Ayas-Thal s. Rose. —- Die beyden Aerme des Vispa- cher-Thales, nämlich das Saafs- und Nicolai-Thal verdienen eine genauere geognostischc Untersuchung, als sie bisher gewürdiget worden sind. Vögliseck, s. Speicher, Vorder-Rheih-Thal, im K. Bündten, von Reichenau bis Camot 15 St., bis hinten in Cornära oder Maigels, oder bis auf die Höhe des Crispalt 1$ St. lang, zieht von SW. nach NO. Im Rhätischen wird es Surselva, d, i. ob dem. Walde , auch Oberland genannt ( s. Oberland , Reichenau, llanz , Trons , Di- sentis , Tavätscher - und Medels - Thal ), Da dieses Thal vom Vorder-Rhein (rhätisch: Surselver - Rhein ) durchströmt wird, so schien dem V. diese Benennung die bestimmteste. IV. * Waat (der Kanton), auch K. Vaud , und Leman genannt; einer der gröfsten Kantone der Schweitz, denn er enthält 70 -Q Meilen und 144,474 Einwohner, Jot * r . 29 450 WaaI’. J. 1806. zahlte man in diesem Kanton 56 , 89 * Stück Rindvieh, 22,000 Pferde, 65,846 Schaafe, 15 ,683 Zie* gen, und 20,452 Schweine. Besteht aus dem ehmaligen Pays de Vaud , den Landschaften Aigle und Bex y und den ehmaligen Vogteyen Eschallens , Orbe und Cranson . v Geschichte. Die Römer hesafsen dieses Land bis ins V. Jahrhundert*), wo die germanischen Völker übet den Rhein eindrangen, und überall die Römer und Gallier vertilgten oder vertrieben. In dieser Epoche entstand der Name Waat , Waat- Land, Wätsch - Land. Die Deutschen nannten jeden Fremden, und so auch die Gallier: Wale , Walen . In dem salischen Gesetze der Fianken werden die Gallier Vuala genannt, und die Engländer geben den alten BretonS deu Namen Gallig WallU Die in die Schweitz eingedrungenen Deutschen ' *) Es befinden sich noch 15 römische Meilenzeiger iin K. Waat- 1 j ßey Gerolle , jetzt in der Kirche von St. Saphorin , im ’J. 47. unter Claudius errichtet. 2) Bcy Persoixy jetzt zu Genf, auf dem Platze In diesem Kanton sind na Herrschaften, eben so viel bewohnbare Schlösser (über deren alte Geschlechter man Guichenon Histoire de la maison de Savoj e nachsehen mufs), und aufser der Hauptstadt Lausanne noch 20 Städtchen. — Sowohl ein Theil des Jura als des Alpengebirges liegt im Gebiet des K. 'Waat, doch ist der gröfste Theil desselben mit niedrigen Hügeln bedeckt; die weite Abdachung des Geländes vom Jura hinab nach dem Gen - jer- See gehört zu den schönsten und reizendsten Landschaften in der ganzen Schweitz und in Europa, und genieCst mit Recht den allgemeinen Ruf, welcher aus allen Ländern Europa’s so viele Reisende zu einem Aufenthalte hier bestimmt. Die Ansichten des Genfer- Sees und die Aussichten über ihn hin nach den Hochalpen der Schweitz und Savoyens sind einzig (s. Gen- fer-See J.— Land-,und Weinbau sind Hauptbeschäftigung der Einwohner. Alpenwirthschaft wird nur in wenigen Bezirken am Jura , im Jorat und in Aigle und Bex getrieben. Aufser Durchgangshandel und den gewöhnlichen städtischen Gewerben giebt es in den vielen Städten keine Betriebsamkeit für Fabriken und Handel. — Die TVaatländer haben seit einigen Jahrhunderten die Auswanderung theils in fremde Kriegsdienste, 454 Waat. theils in grofse Handelsstädte sehr geliebt, wodurch ^ das Land bisweilen merklich an Volkszahl abnahm (s. ^ Muret sur la population du Pays de Vaux, 1764.). Alle ^ Einwohner des K. Waat sind Protestanten.— In die- Sem Kanton liegt das einzige Salzbergwerk der ganzen W* Schweitz ; ( s. Bex*), Berühmte Männer. Da dieses Land erst 1536. ^ mit der Schweitz verbunden wurde, so konnten dessen & Einwohner an dem Heldenruhm der Eidgenossen keinen Theil haben. Seit dieser Zeit haben sich mehtere Waat- länder in englischen und französischen Kriegsdiensten ^ in hohen Befehlshaberstellen ausgezeichnet; z. B. Ge- m neral Haldimand j Gouverneur von Canada, General ha Harpe, Reynier in Frankreich. — Viret und Farel waren berühmte Reformatoren. Martin Lefranc , Dich- ter im Anfänge des XVI. Jahrhunderts. Bochat und Ru- chat , berühmte Geschichtsforscher, Vicat und Gaudin, I® botanische, Struve und van Bereitem, naturhistorische, ^ Muret nnd Durand, statistische Schriftsteller. Tissot, ^ l 'l einer der berühmtesten Aerzte und medizinischer Schrift- ( Steller im XVIII. Jahrhundert. Bridel, beliebter Dichter. Pflanzen. Dieser Kanton ist aufserordentlich ^ reich an den seltensten Pflanzen sowohl der heifsen als v kältesten Zonen. (Man s. Aigle, Bex, Montreux, Ro- „ che über die dortige reiche Ausbeute). Unter den in ^ diesem Kanton liegenden Jura - Höhen sind besonders ^ *) S. die Notiees d’utilile publique de la Sceiete d’emulation du Canton de F'aud, vom J. 1804. an. Sie enthalten l’rti viele Abhandlungen, den K. Waat betreffend. , Waasbw. / t 55 der Thoiry (welcher zwar schon in Frankreich, abe r nicht weit von Nyon liegt), Dole und Mont Tendre besuchenswerth. Die beyden ersten kann man von Genf und Nyon, den letztem aus dem Jonx -Thale am bequemsten ersteigen. In den mildesten Gegenden des K. Waat, nämlich am Genfer • See, wachsen ausschliefslich nur hier (und zum Theil auch in der italienischen Schweitz) folgende Püsnzen : Arundo donax. Scirpus holoschoenus und supi- Suis. Salvia sclarea » Laurus nobilis bey Montre ux. Der- hascum pulverulentum, Mentha cervina. Tcrdjlium maxi - mum. Sisymbrium murale. Vicia lutea. Lupinus angusti- folius. Anagallis tentlla. Laserpitium prutenicum. Sca- biosa pyrenaica. Kastanienwälder breiten sich in verschied- nen Gegenden aus; z. B, bey Besr, zwischen Morges und Aub o nne f hinter Nyon, (Ueber den vortreflichen Faitd- Wein s. man den Art. Lausanne, und über den Cote-Wein den Art. Morges ). Geognost. Beschaffenheit. Der gröfste Theil des K. Wtiat liegt im Sandsteingebilde. Die Gebirge des Jura und der Alpen innert den Grenzen des Kantons bestehen aus Kalkstein. Alle geognostischen Merkwürdigkeiten sehe man unter den Art. Jorat, Jura, Aigle, Roche, Bex , Genfer -See, Genf, Joux -Thal, Lausanne, Orbe, Vcvay. Waaseh, im K. Uri, an der Strafse nach dem Ursärn- und nach dem M a im - Thal. Wirthshäuser: a um Hirsch und im Zoll (s. Amstäg und Maien-Thal). 456 WadenschWEil. W a d e n s c h w e i l , grofses Dorf am westlichen Ufer des Zürcher- Sees. Hier war die Stammburg der Edlen von Eschenbach-Wädenschweil, von denen Walter im J. 1223. Schultheifs von Bern war. Dieses Geschlecht verkaufte die Herrschaft Wädenschweil, in welcher Rich- terschweil mitinbegriffen war, im J. 1287. an den Johanniterorden, und dieser wieder im J. 1549. an die Stadt Zürich. In einem offnen Lusthause nahe bey dem ehma- ligen landvögtlichen Schlosse eine aufserordentlich schöne Aussicht. — Hier war in den J. 1646. und 1804. der Mittelpunkt eines Volksaufstandes, welcher mehrere Einwohner aufs Blutgerüst führte. In den ersten Tagen der letztem Unruhen wurde das schöne Schlofsgebäude durch den zwecklosesten Frevel in Brand gesteckt. Gegen Ende des XVIII. Jahrhunderts war Wädenschweil eins der reichsten Dörfer der Schweitz, wo Lesebibliotheken waren, im Winter Konzerte gespielt wurden u. s. w. und befindet sich auch jetzt noch durch die Industrie seiner Einwohner in zunehmendem Wohlstände u. Flor. Waggis, Dorf iin K. Luzern, am südwestlichen Fufse des Rigi und am Ufer des Luzerneb-Sees , ge- niefst eines äufserst milden und fruchtbaren Klima’s nnd einer herrlichen Lage. Die Nordwinde sind abgehalten, und Kastanien- Mandel- und Feigenbäume wachsen hier (s. Rigi, den Art. Pßanzen'). Geschichte. Wäggis gehörte dem Kloster Pfef- fers, von welchem cs die von Ranstein, und alsdann im J. 1342. die von Hertenstein zu Lehn trugen, welches Geschlecht schon 1199. vorkömmt. Der Rathsherr Hertenstein Zu Luzern verkaufte sein Lehn an die Stadt. Im J. 1378* kaufte sich TVäggis von vielen Lasten los, und schlofs einen Bund mit den drey Waldstädten, Schwytz, Uri und Unterwalden. Im J. 1431. entstanden Zwistigkeiten zwischen IVäggis und Luzern , welche nur durch die Vermittlung aller Eidgenossen verglichen werden konnten. Ohnerachtet die JYäggiser Untcrthanen von Luzern waren, so zogen sie doch nur unter den Bannern des K. Schwytz in Krieg. Schlammstrom. Ein Theil des schönen Wäggis wurde im Juli 1795. von einem Schlammstrome des Rigi verschüttet und in den See geführt. Schon im Frühling spaltete an der Westseite des Bergs, an dem untersten Drittheil seiner Höhe, die Erdlage, wo man eine rothe Wand sieht. In der Nacht des 15. Juli kündigte sich der Schlammstrom durch ein unbekanntes Getöse an, und wurde durch eine Vertiefung eine Zeitlang aufgehalten. Bey anbrechendem Tage sahen die Einwohner einen dicken rothen Schlamm viele Klaftern hoch in der Breite einer Viertelstunde gegen das Dorf aurücken. Während 14 Tagen ftofs derselbe langsam dem See zu, so dafs man Zeit hätte, alle bewegliche Habe zu retten ; aber eine Menge Häuser und der befsten Grundstücke wurden in dem Schlamm und Schutt begraben. Merkwürdig ist, dafs an der Nordseite des Rigi bey Immensee, zur selbigen Zeit ein gewaltiger Spalt entstand , und die dortige Gegend mit ähnlichem .Unglück bedrohet wurde,— Oberhalb Fiznau liegen die Höhlen Bruder- Balm, PValdis - Balm und Dreck- Balm. -> Wege. Von Wäggis auf den Rigi 3 St. ein guter Weg, bey dem Schwester-‘Rom vorbey (s. Rigi), Von Wäggis kann man sich nach allen Seiten über den See wenden (s. Luzerner-See). Waoci-Thai (Ff'äggis- Thal) , im K. Schwytz, von der Aa durchflossen, öfnet sich nicht weit von Lachen am Zürcher-See, und zieht 4 St. lang südwärts zwischen hohen Gebirgen nach dem K. Glarus; ist Alpenland und wird von zwey Gemeinden bewohnt. Viele nach Norden steil abgerifsne Felsen erheben sich aus diesem Thale, die man in der nördlichen Schweitz sehr deutlich sieht, und PVäggi- Stöcke nennt. Der TYäggi oder FViggis , ein Nachbar des Glärnisch, 6.985 F. übers Meer, steht ganz im Hintergründe des Thaies, ßey der Sennt.ütte Sattel-Eck., im Langen- Lainbach am Kleinen Aubrig , sieht man von O. nach S. den Ktipfi- Berg, den Grojsen Aubrig , den Niefs- Eck, Zindeln , Nederten und Scharten; gegen SW» den Diethelm auch Fluberig genannt, und Saajsberg. Wege. Aus diesem Thale führen Fufswege nach Näfels und ins Klönthal im K. Glarus, und über den Kleinen Aubrig und durch Schönenbühel ins SiAZ-Thal Hach Einsiedeln, Auf der Höhe des Passes nach dem Klönthal ist die Ansicht des Glärnisch und seiner Nachbarn merkwürdig. Geognost. Beschaffenheit. Die Nagelfiue- Kette zieht von NO. nach SW. durch das Wäggi- Thal, und legt sich an die Kalkfelsen an, welche im südlichen Theile des Thaies stehen. — Der Kleine und Grofse Aubrig sind besonders merkwürdig, weil sich an ihnen grüne Sandstein - Lager mit Chloriterde- Wallenburg. '459 Bindemittel n n d vielen Numuliten - Versteinerungen findet. Die Numuliten ( Kiimmick - oder Kümmelstein von den Landleuten genannt) finden sich in ungeheurer Menge an den A übrigen , auf dem hohen Fläsch, auf den Zindeln nnd der Alp Stäßen. Am Kleinen Aubrig erscheinen sie zuerst bey dem Cispis - TYeifs -Bach , und zeigen sich a St. weit nach der Höhe immer häufiger. Auf den eben genannten Bergen findet man auch in dem grünen Sandstein Jakobs - Muscheln , grofse Austern, Ecliiniten, Pectiniten und kuglichte Schwefelkiese, besonders auf dem Grofsen Aubrig , und auf dem Kleinen Aubrig im Langen Rainbach, Diese Numulitenhaltige Lager haben wahrscheinlich eine weite Ausdehnung; Bruchstücke davon findet man in der im Sihl- Thale, und an dem Schtvytzcr- Hacken zeigen 6ie sich auf die nämliche Weise ( s. Kaden); sie verdienten daher gehörig untersucht und beschrieben zu werden. Es finden sich auch an andern Orten in einem röthlichen Gestein unvermengt Ostraciten, Pek- tiniten, Echiniten und Heliziten. — In dem Felsen Diethelm sind zwey Höhlen, das Silber- und Gold- Loch genannt. Wollen bürg, Städtchen im K. Basel, am nördlichen Fufse des Obern Hauensteins , an der Frenke , 1290 F. höher, als die Stadt Basel, oder 2S30 F. übers Meer. Nur Ein Wirthshaus hier. — Hoch auf dem Felsen liegt das ehmalige landvögtliche Schlofs Wallenburg , welches von den Landleuten den 18. Jenner 1798. verbrannt wurde. Wallenburg , Städtchen und 460 Wallenburg. Schlofs ¥ ), trug der Graf von Thierstein vom Bischof von Basel zu Lehn, so wie die ganze Landgrafschaft über das Sifsgau. Otto von Thierstein verkaufte im J. Z416. an die Stadt Basel grofse Rechte in diesen Landschaften, und später der Bischof von Basel die «einigen, so dafs Basel die volle Hoheit erhielt. — Bcym Ausgange des Städtchens nach Langenbruck stos- sen die Felswände ganz nahe in einen spitzigen Winkel zusammen, in welchem die Frenke durchströmt; man sieht, dafs dieser Bach die Felsen durchnagt hat. Wege. Von Wallenburg auf den Obern Hauenstein r St. sehr gemach aufwärts bis ins Dorf Langenbruck , wo ein gutes Wirthshaus ist ( s. Langenbruck). Auf diesem Wege sieht man die schönen Alpen des Kantons Basel , auf deren Höhen weite prächtige Aussichten sind. — Von Wallenburg nach Liechstall (s. diesen Artikel). Pflanzen und Versteinerungen. Zwischen IVallenburg und Langenbruck'. Stachys alpina. Melissa ojjficinalis. Daphne laureola. Saxifraga burseriana (?) Salvia glutinosa. In den Kalkfelsen bey TVallenburg finden sich: Chamiten, Buccarditen, Muskuliten, Echiniten, Tubu- *) Der Graf Thierstein hatte im J. z 4 T 8 - einen wohlgebildeten Knecht in den Thürm des Schlosses gefangen legen lassen. Dessen Schicksal rührte so sehr das Herz der Gräfin Verena (aus dem Hause Nidau), dafs sie bey Nacht aufstand, mit einer Axt die Gefangnifsthiiro erbrach, die Bande löste, und den Gefangnen entliefs. liten, Gryphiten , Ammonshörner. ( S. Basel , den Kanton ). W allen Stadt, (rhät. a la Riva), Städtchen im K. St. Gallen, am Pulse des Sichel - und Ochsen— Kamms. Wirthsliäuser; Crofshaus, und aufserhalb dem Städtchen ostwärts ein freystehendes Wirthshaus, wo die Luft gesunder ist. Liegt eine kleine Viertelstunde von dem Wallenstadter- See in einer sumpfigen, äufserst ungesunden Gegend. Alle Strafsen der Seeseite sind mit Schlamm bedeckt, und man kriecht auf Brettern an den baufälligen Häusern fort. — Die Ueber- schwemmungen des Sees haben an der Ost- so wie an der Westseite seit 60 Jahren immer zugenommen (s. Wesen). — Die Hörner des Sichel— und Ochsen- Kammes werden die sieben Kuh — Firsten genannt. — Südwärts sieht man auf einem Hügel das Schlofs Grep- lang (Crappa longa). Die Bewohner dieses Städtchens leben von Alpen, Fischerey, Schiffahrt und der sehr lebendigen Frachtstrafse aus Deutschland und der nördlichen Schrveitz durch Craubündten nach Italien. Ueber den Zoll des Portus Rivanus, nämlich dem jetzigen Wallenstadt , kommen schon Nachrichten aus den J. 965. und 975. vor; denn schon damals gieng der Handelsweg von Zürich durch Bündten nach Italien. So lange der levantische Handel in den Händen der Genueser und Venetianer lag, war der Waarendurch- gang auf dieser Strafse aufserordentlich. Dicht am See steht eine Waaren-Niederlage, und die Schiffahrt des W^Ucnstadtcr - Sees ist von den KK. Glarus und St. Gallen der Aufsicht eines dazu niedergesetzten Beamten auvertraut. — Wallenstadt geheilte, zur JLand- vogtey Sargans, wurde 179g. dem Kanton Linth und 1 802. dem K. St. Gallen ciuverieibt (s. Sargans). —. Den 1. Juli 1799. brach durch Unvorsichtigkeit eines Soldaten Feuer aus, und das ganze Städtchen, mit Ausnahme weniger Häuser wurde von den Flammen verzehrt , und 33. zu Hülfe geeilte Männer wurden unter dem Einsturz eines Gewölbes erschlagen. Wege. Von Wallenstadt nach Sargans 3 St. (s. diesen Artikel). Ueber den See nach Wesen au dem westlichen Ende 4 St., wenn der Wind nicht widrig ist. Für zwey Schiffleute und einen offnen Nachen zahlt man 2 Gulden, und 15 Kreutzer für Wein und Brod; und für eine übergespannte Decke zum Schutz gegen Sonne und Regen 1 Gulden. — Von Wallenstadt führt ein Weg, reich an malerischer Natur und herrlichen Ahorn- Nufs- und Buchbäumen, über das ÄtW-Feld an dem südwestlichen Ufer in 2 St. durch Meis. Terz , Quart und Murg nach Mulli-Woin im K. Glarus. Von hier über den See nach Wesen 2 St, Man findet dort stets Schiffe, und rüstigere, weniger unverschämte und widrige Schiffer , als zu Wallenstadt. Ist das Wetter stürmisch und gefährlich, so kann man vom Miilli- Horn aufwärts über Kerenzen in 2-3 St. nach Mollis gelangen, von wo man seinen Weg dann weiter verfolgen kann. Ein steiler einsamer Pfad führt von Wallenstadt gleich aufwärts, in der Nähe des Sichelkamms vorbey, zwischeu die sieben W ALLENST ADTER-SeB. 463 Kuhfirsten durch, nach Wildhaus im Toggenburg, Ein andrer Pfad südwärts ins Sernfitthal des K. Glarus. Pflanzen. Bey Wallen Stadt wachsen : Cyclamen europaeum (Schweinsb ro d), eine Heine Pflanze mit eigenthüiuli- eher Blume. Arundo phragmites (Bohr) in grofsrr Menge. Die Cegcnd ist reich an Sumpf- und solchen Pflanzen, dio nur in warmem Klimaten leben; denn die Nordwinde sind abgehalten. Wsuebstadtm-Ssi fWallen-See *), rhät. Lac de la Riva , Lacus ripanus) , 4 St. lang, kaum 1 St. breit, fast überall 4-500 F. tief; liegt in der Richtung von W. nach O. und ist an diesen beydeu Seiten offen, aber süd- und nordwärts von steilen, nackten, zerrifsnen, gegen fiooo F. über die Seefläche erhabnen Felsen ummauert, welche nur an der Südseite, vom Multi- Horn nach Wallenstadt zu, milder und mit Wäldern und Wiesen bedeckt sind. Eine Menge Bäche, unter denen die Sees aus dem Weifistannen-Thal der stärkste ist, führen dem See alle Gewässer aus einem Gebirgsbezirke von 12 St. LäDge' und 4-5 St. Breite zu. An seinem westlichen Ende tritt die Mag heraus. *) Diese Benennung schreibt sich aus dem III-V. Jahrhun-, derte her, als die deutschen Völker in diese Gegenden, ■welche von Rhätiern bewohnt waren, vordrangen. Die Rhätier wurden von den Deutschen Realen, dieser See, welcher an der Grenze ihres Gebiets lag, Walen-See, und der erste beträchtliche Ort Walen - Stadt beirannt. Das umständlichere hierüber s. man S. i 36 . des 11 , Th. von Ebel’s Schilderung der Gebirgsvblker. 464 Wallenstadtkr-Sf.e. (Man s. den Art. Wesen über den Grund der Heber- $ «chwemmungen an seinen östlichen und westlichen w Ufern). Der See friert nie zu. Er ist fischreich, und ® der Lachsfang sehr beträchtlich; die Lachse steigen aus $ dem See durfch die Seez bis ins Weifstannen - Thal, i 151 und man fängt sie zu 20-30 Pf. schwer. Auch der sü 1 Salmo salvelinus, Röteln , welcher so sehr geschätzt kV wird, lebt in diesem See. »0 Schiffahrt über diesen See. Dieser See ist m wegen seiner gefährlichen Schiffahrt in sehr übelm Ruf, si aber eben so mit Unrecht, wie der Luzerner - See. f Freylich kann man nur zu Wallenstadt , Wesen , /; MüLli - Horn , und von da südwärts an einigen Stellen, 10 an der ganzen Nordseite aber nirgends, als zu Quin— j ten , anlanden; deswegen ist die Gefahr wirklich sehr B grofs, wenn man von schrecklichen Ungewittern uud ,, Stürmen in der Nähe der gräfslichen und senkrecht in den See fallenden Felsen überfallen wird. Allein die JJt Winde beobachten auf diesem, wie auf allen Seen, welche am nördlichen und südlichen Fufse der Alpen jn der Richtung eines Qucrthales liegen, eine gewisse Regelmäfsigkeit, welche der Reisende benutzen kann. Nämlich : Es blasen während den schönen Sommermonaten , wenn nicht gerade Ungewitter und Nordwinde eine Störung verursachen, vor und nach Sonnenaufgang Alpenwinde bergab, welches auf dem Wallen-See ein Ostwind wird; von 9 bis 12 Uhr wird Windstille; Nachmittags erhebt sich ein gelinder Westwind, und bey Sonnenuntergang bläst wieder der Alpen- oder KU ku * Wallenstadter-Ser. 465 Ostwind bergab. Gewöhnlich steigen die Ungewitter Nachmittags von Westen herauf; wenn man also vor der Abfahrt von fVescn den Himmel oberhalb den Gebirgen des K. Glarus beobachtet, und je nach dem Anschein jogieich abrudert oder noch die Abfahrt verschiebt, so wird man nicht das Mifsvergnügen haben, bey der Heise über diesen herrlichen See gestört zu werden. Wer von Pl'allenstadt abfährt, mufs, wo möglich, immer früh Morgens die Reise machen; geschieht es Nachmittags , so kann man von hier den Himmel gegen Abend noch besser beobachten, als zu JYesen , und darnach seine Abfahrt beschleunigen oder verschieben. Der gefährlichste Wind auf diesem See ist heftiger Nordwind, den die Schiffer Blätliser nennen, weil er über die Gräthe dieses Felsens an den schroffen Wänden mit ungeheurer Wuth auf den Seekessel herabstürzt, und nicht langgezogne sondern un- regelmäfsige, himmelthürmende Wellen erregt. — Es herrscht eine strenge Aufsicht über die Schiffahrt: Kein Schiff darf länger als drey Jahre gebraucht werden. Bey ungewisser Witterung sind die Schiffer befehligt, sich an der mittäglichen Seite zu halten; und bey gefährlichen Winden darf kein Schiff abfähren. Felsen, Oerter und W assertälle dieses Sees. Dieser See verdient ganz besonders einen Besuch. Wildheit, Kühnheit und schauerliche Gräfslich- keit vereinigen sich hier mit höchst malerischer und romantischer Natur. Um alle Schönheiten dieses Sees kennen zu lernen, müfstc man sich mehrere Tage in IV. 50 466 Wallenstadter- See. TF r esen und Multi - TTorn aufhaken, und von da seine ^ südlichen Ufer durchwandern, ari den nördlichen her- ^ umrudern und hie und da aussteigen. — An der Nord- ^ Seite erscheinen von Wesen an folgende Felsen : Ober- Spitz, an dessen Fufs Wesen liegt; Dlätliser , Watt- ® Stock, Ammon- Berg, Speer- Kamm, Quinten- Berg, 1,11 Gaach , Joosen , Schuralbis - oder Sichel- und Ochsen- Kamm, deren nackte Hörner die sieben Kuh - Firsten 1111 genannt werden. Am Ufer liegen W^esen, Fley und Bätlis; an gelbröthlichen F’elswänden, über welche der * Ammon- Bach herabwäscht, hängen die Reste des Schlos- 1 ses Strahl-Eck , und hoch in der Wolkengegend sonnet p sich der herrlich grüne und bewohnte Ammon -Berg*), llj welcher, wenn man vom südlichen Ufer ankömmt, wt einen besonders reitzenden Anblick gewährt. Von Bätlis (j'/j St. von Wesen) bis nach TVallensladt liegen an der Nordseite nur das Dörfchen Quinten am Fufse des g Quinten - Bergs, und einzelne Häuser, theils hie und ^ da an Klüften, wo herabstürzende Bäche durch den ^ herabgeführten Schutt Hügelchen gebildet haben; theils ^ auf hervorspringenden fruchtbaren Felsplatten und Ab- hängen in der Mitte von Wiesen, schönen Weinlauben, ^ Obst- und Nufsbäumen, in sehr romantischer Lage. Vor | Quinten stürzt von dem Seren der Screra-Bach 12 bis ^ 1600 F. in verschiednen Sätzen herab (wenn es lange nicht geregnet hat , so hört dieser Bach zu fliefsen 0 ffic, Einige leiten Jen Namen Ammon von Mons amoenus , ^ andre von au munt, auf dem Berge, her. ° u Wali.enstadter-See. 467 auf), und in der Höhe von einigen 100 Fufs strömt aus einer mit Gebüsch und Ephen bekränzten Felswand der wasserreiche herrliche Baier- Bach mit gewaltigem Rauschen schäumend hervor. Um diese Wasserfälle in der Nähe zu sehen, mufs man hier landen und durch einen engen Schlund über Felstrümmer in die enge Bucht klimmen (was mit geringer Mühe und ohne die mindeste Gefahr geschehen kann), wo sich beyde Bäche vereinigen; in dieser Bucht, seewärts gewendet, erblickt man durch den engen Schlund das Dorf Miillihorn. Diese nackten hohen Felsen des nördlichen Ufers tragen auf ihrer entgegengesetzten Seite die fruchtbaren Alpen des Toggenburgs , welche sich bis an ihre Gipfel ausdehnen (’s. Wildhaus). An dem südlichen Ufer des Sees zeigen sich von Wesen aus: Der Walen-Berg, Cofel - Stalden, der sonnige grüne Kerenzer- Berg , himmelwärts der nackte Miirtschen - Stock, südlicher die bewaldeten Murger- Quarter- und Terzer-Berge. Am Ufer zeigt sich am Cofel- Stalden eine Felskluft und das kleine Dörfchen Müllithal; auf dem Ktrenzer- Berg das Dorf Kerenzen , dicht am Ufer Miillihorn , ein roth gefärbter Bach, Rothe-Bach genannt, welcher hoch aus dem Gebirge rothe Steine hcrabführt, und dann von Miillihorn an die mildern Eifer, welche reich an schönen Wiesen, sprudelnden Quellen, niedrigen Wasserfällen, prächtigen Nufs- und Ahornbäumen sind, zwischen denen die Dörfer Murg , Quarten und Terzen liegen. Vier Stunden oberhalb Murg liegt in der Murg- Alp der untere Murg- See, vou Felsen 468 Walleks t ad ter-See, und Wald umgeben; in dessen Mitte eine Insel mit Bäumen bewachsen; hinter dem See ein Wasseifall, und oberhalb demselben ein y* Stunden langes Thal, in welchem zwey kleine forellenreiche Seen, die bis im Julius zugefroren bleibcff, und Sennhütten; aus diesem Thale führt ein Fufspfad über Felsen ins Ser/z/’f-Thal im R. Glarus . — In einem Horn des Mürtschen - Stocks ist ein grofses Loch, durch welches zuweilen die Sonne auf den See scheint; am Fufse dieses Horns liegen auf einer Alp zwey kleine fischreiche Seen, Thal - und Spanegg-See genannt. Nur Gemsjäger können den Mürtschen- Stock erklimmen, auf dem sich viele Gemsen aufhalten. Der £/?o/z-Bach, welcher auf den Alpen des Mürtschen entspringt, fällt in den A/«r£-Bach *). — Von Müllihorn geht eine Strafse über den Kerenzer - Berg nach Mollis und Glarus; *) Ein Gemsjäger Joseph Schorer aus Ammon, entdeckte vor wenigen Jahren an den "Wänden des Mürtschen das Nest eines Lämmer-Geyers. Nachdem er das Männchen erschossen hatte, klimmt er unbeschuhet, um sich mit den Zehen besser an die kurzen Felsvorsprünge halten zu können, aufwärts nach dem Nest. In dem Augenblick, wie er, über Abgründe schwebend, und den Rücken fest angolebnt, mit dem linken Arm über sieb aus dem Nest die 4 jungen Geyer fassen will, stöfst mit schrecklicher Wuth das Weibchen aus der Luft auf ihn herab, haut seine Krallen in dessen Lenden, und verwundet ihn in den linken Arm mit dem Schnabel* Der Jäger, welcher durch heftige Bewegung oder Wendung leicht in den Abgrund stürzen konnte, verlor die Gegenwart dos Geistes nicht. Er blich unbeweglich stehen, legte seine Flinte, welche er in der rechten Hand hielt, an die hier sind in den J. 1799. und 1800. viele Gefechte zwischen den Oesterreichern und Franzosen vorgefallen. k Pfla n z en. Bey Quinten und jdmmon wachst: Lilium bulbifcrum, Geognost. Beschaffenheit. Die Felsen um den Wallen-See bestehen aus grauem Und gelblichem Kalkstein. An der Südseite streichen in beträchtlicher Höhe rothe Kalkstein- und Thonschiefer - Lager zwischen dem Kalkstein durch, aus denen der Roth- Bach zwischen Miilli- Horn und Murg sehr viele Trümmer berabführt. Diese Lager sind eine Fortsetzung derselben Thonstein- und Grauwake - Lager des K. Glarus (s. Glarus ). Bey Murg senken sich diese Lager bis ans Seeufer herab. Sie bestehen aus rothem Thon- schiefer, welcher durch Beymengung von Sand- und Füfse, spannte mit der grofscn Zehe den Hahn, richtete die Mündung des Laufs von unten an den Körper des eingekrallten Raubvogels, drückt mit der Zehe los und tödtet den Geyer, ohne sich zu verletzen. Mit H eilung seiner 'Wunden brachte er einige Monate zu. Aul' der ßlärtschenalp stiefs ein Lämmergeier auf den Ilund eines reisenden Schlächters, trug ihn vor den Augen seines Herrn auf einen Felsen und verzehrte ihn. Dieser grofse Raubvogel wohnt ganz besonders in der Felsen- ketle von Ammon an über Quinten bis in die Äuh-Firslen. Bisweilen haben die Einwohner von Bätlis und Quinten in einer ^Voche 5-6 junge Ziegen durch den Läimuer- gever verlohren. — Der berühmte Gemsjäger, David Zwicki aus Mollis, schofs einst auf dem Mürtschen am Treib - Stock (ein Felsenabsatz, wo die Gemsen eingeschlossen sind) 5 Gemsen hinter einander in fünf ver- schieduen Schüssen. 470 Wallenstadter-S ee. Glimmerkörnern in Grauwakeschiefer übergeht, und mit einer rotlien gröb- und grofskörnigcn Grauwake abwechselt. In der Alp Bärenboden am östlichen Fufs des Manschen- Stocks liegt der Kalkstein unverkennbar auf diesem rothen Grauwakelager. Obeihalb Meis werden in dem grofskörnigen Grauwakelager Mühlensteine gebrochen (s. Sargans'). Am Ufer bey Mülli — Horn liegen eine Menge schwarze, sehr harte glänzende Trümmerblöcke , welche ein eignes Gewebe in ihrem Innern zeigen. Aus diesen und andern Wahrnehmungen glaubt ein französischer Mineralog, hier die Spuren eines ver- loschncn Vulkans entdeckt zu haben. Meinen Beobachtungen zufolge habe ich nichts Vulkanisches hier auffinden können. Merkwürdig indessen ist es, dafs diese Gegend ganz besonders Erdbeben ausgesetzt ist; vom September 1763. bis May 1764. spürte man zu Miilli- Horn 50 Erschütterungen. Ihre Richtung geht von W. nach O.; nämlich ihre Wirkung wird hauptsächlich von dem Linth- Thal im K. Glarus, queer durch das SernJ't. - Thal nach Mülli - Horn, von hier queer über den See nach dem Quinten -Berge, von da durchs obere Toggenburg in der Gegend von I Vildhaus , uud westlich weiter durch die Landschaft Sax verspürt. — Die Schichtenlage der Felsen des Wallen-Sees ist nicht überall die nämliche. Die Schichten der ersten Kalk- , stein-Felsen oberhalb hj'esen senken nach S., beugen sich unter Ammon in concaven Linien durch, und steigen am Quinten- Berg und an den sieben Kuh- Firsten so sehr aufwärts, dafs sie sich an diesen Hörnern ifrt S jiotl' Ef*“' fidle«' sid. «ml « stk l'tbi idit sd i sin im rtt E tili* 4tmt kt 8 ta s<> Au, des« ein 1 1/srj ftr. 1 mj j Wallis. ^71 nach N. einsenken, während an den Füfsen des Sichel- und Ochsen- Kamms die Schichten nach S. senken. An der Südseite zeigen sich gleichfalls nördliche und südliche Schichteneinsenkungen. An dem Miirtsclicn- Stock auf der Alp Bärenboden wurde im J. 1601. ein Kupfer - Bergwerk betrieben, wo noch die verfallnen Stollen, und der Ort wo die Schmelze stand, zu sehen sind. Im Anfänge des XVIII. Jahrhunderts wollte man es wieder herstellen, kam aber nicht zur Ausführung. Es scheint auf Kupfergrün, getrieben worden zu seyn, welches in sehr zerklüfteter schiefriger Crauwake, als Ueberzug, angeflogen und eingesprengt brach. An ver- schiednen Stellen der Südseite des Wallensees zeigen sich Eisenstein-hager. — Die Richtung des vier Stunden langen Sees schneidet die Streichungslinie der Felsenkette fast queer durch; sie mufste also mitten in ihrer Körpermasse durchrissen werden, wozu eine Gewalt nothwendig war, die alle menschliche Vorstellung übersteigt, lieber die Wahrscheinlichkeit, dafs einst der Rhein durch den Wallen - See und den Linth- Kessel geflossen sey, s. maii die Art. Ragatz und Baden. Wachs (Walliser-Land) , ist das längste und gröfste Thal der Schweitz, welches von seinem Anfänge bis zu seinem Ende die Rhone durchströmt, und deswegen mit Recht Rhone- Thal heifsen sollte. Es ist ein Längen-Thal, zieht von NO. nach SW. bis nach Martigny , und wendet sich von da bis an den Gen- fer- See nach W. Es ist von dem Fufse der Furkei und des Galen - Stocks bis Martinach 28 % St., von 1 47 a Wallis. it Martinach bis St. Gingoulph an der Grenze 6-7 St. * | also 55-36 Stunden lang. Die Breite des Hauptthaies J £1 ist an wenigen Orten 1 St. Allein- die Breite des gan- ~ " zen Landes beträgt io- 16 Stunden; denn in die süd- ^ liehe Gebirgskette drängen sich 13 bewohnte Thäler (wovon viere jo Stunden lang sind), und in die nörd- e#l(ö liehe Gebirgskette 3 ebenfalls bewohnte Thäler hinein, * ^ ohne die andern zu rechnen, welche unbewohnt sind, Das Hauptthal steigt von dem Genfer -Siet bis an den Fufs der Furha , wo die Rhone entspringt, 4366 Fufs, W* lieber den Ursprung und Lauf der Rhone s. die Art. tt>( Furha und Rhone, An allen Seiten ist Wallis von den höchsten Gebirgen umgeben , und der einzige ebne Du > Eingang in dasselbe bey der Klause zu St, Maurice ia 1 ist so enge, dafs nur die Rhone Raum findet, zwischen jed den steilen Wanden des Dent de Morcle und Dent de atc Midi durehzufiiefsen, und dafs hier vermittelst des t kj Brüken-Thores das ganze Walliser - Land verschlossen wird. Die beyden Felsenketten, zwischen denen Wallis liegt, sind, nächst dem Montblanc, die höchsten in JjjJ, den Alpen. Die unzähligen Hörner derselben erbeben t , sich 8 -t 4 i 58 o Fufs übers Meer, und ihre Einsattlun- ^ gen oder Joche ( Col im franz.), durch welche ge- ^ triebne Pässe führen, liegen alle in der Höhen-Linie ^ zwischen 6000 und to ,284 Fufs. Auf der südlichen ^ und nördlichen Kette lasten die gröisten, ausgedehnte- ^ j sten und ungeheuersten Gletscher und Eismeere der _ Li ganzen Schweitz, und in dem Unter - FVallis von Sit- ^ ten nach Fouly herrscht des Sommers eine Hitze von . 1,1 lic Wallis. 473 a4 fa Grad im Schatten, und von 38-48 Grad Reau- mür, der Sonne am Felsen ausgesetzt. Die Nordwinde sind gänzlich abgehaltcn, und nur Ost- Süd- und Westwinde haben Zutritt. Wallis gehört zu den allermerkwürdigsten Landschaften nicht blofs der Schweitz, sondern von Europa ; denn nirgends vereinigen sich in einem so kleinen Bezirke wie hier die Klimate und Produkte aller Ereilen von Island bis Sicilien und Afrika, die- schnelle Abwechslung der entgegengesetztesten Gegenstände , die unbeschreiblichste Mannigfaltigkeit einer gräfslichen, Tod und Zerstörung ankündigenden, und hinwieder der üppig fruchtbarsten Natur. Das Veltliner - Thal möchte in melirern Rücksichten dem Wallis am meisten gleich kommen ; allein ira Ganzen ist letzteres durch seine erhabnere und aul’ser- ordemlichere Natur, so wie durch seine mancherley Völker, bey weitem merkwürdiger. An vielen Orten fallt die Erndte im May, an andern im Oktober; und wenn hier das Obst nicht mehr reift, so wachsen dort wilde Mandeln, Feigen, Granaten, die Stachelfeige, Spargel u. s, w. Ohne eigentliche Sorge und Pflege wachsen Weine , welche bey gehöriger Behandlung den stärksten spanischen Weinen gleich seyn würden.— In den Gebirgen leben Gemse, Murmelthiere, Lüchse, Wölfe, bisweilen Bären, Häsen, Rehe, viel wildes Geflügel, und in der Tiefe der Thäler sehr seltene Insekten - Arten. Einwohner, Wallis wird von zwey ganz ver- schiednen Völkern bewohnt. Der deutsche Volksstamm hat sich von der Furca , dem Crimsel und Gries bis nach Siders ausgebreitet; und von hier durch das üb— i ge Wallis wohnt der alte celtisch- römisch- gallisch- burgundische Volksstainm. Die Sprachen beyder Völker sind nicht durch ein Gebirge geschieden, sondern sto- fsen im Thal selbst zusammen. Die Ober - Walliser sprechen die deutsche Sprache des XIV. und XV. Jahrhunderts mit geringen Abänderungen; die Unter-Walliser ein Kauderwelsch (Palois) *) , welches aus celti- schen, gallischen, römischen, griechischen, burgundischen und italienischen Wörtern zusammengesetzt ist; die Gebildeten unter letztem reden gut französisch. In d evaEin- * fisch- Thale sollen die Bewohner von einer Kolonie Hunnen abstammen. Die Ober-Walliser sind ein freyes und kräftiges Alpenvolk, welches sich durch Mäfsigkeit, höchste Sitteneinfalt, Bedürfnifslosigkeit, Gutmiithigkeit, Castfrey- heit und Biederkeit auszeichnet. Diese Grundzüge mufs der Reisende nicht an der gewohnten Heerstrafse, sondern in den Seitenthälern zu fiuden und zu beobachten hoffen. Zu wünschen ist, dafs der Karakter dieses Volks selbst durch das namenlose Elend, in welches dasselbe in den letzten Jahren durch die Franzosen gestürzt worden ist, *) Die lateinische Sprache hatte durch ganz Sequanien , in dem Lande der Allohr ogen , Verehrer und Seduner die Oberhand gewonnen ; allein sie war im Munde des Volks ccltischen Stamms verdorben worden, und es entstand daraus eine kauderwelsche Sprache, die man rustica ro- rnana (fr, languc romance ) nannte. Durch die Ueber- schweminung der cinfallenden Völker verdarb dieses Ko- mancc noch mehr; die lateinische Sprache verlor sich, aber das liomance blieb, und wurde im IX, Jahrhundert die allgemeine Sprache von Gallien und der westlichen Wallis. 475 nicht gelitten habe. Die Unter-Walliser besitzen weder dis Energie, noch jene Eigenschaften in so ausgezeichnetem Grade, treiben zwar Alpenwirthschaft und Feldbau, sind aber aufserordentlich faul, nachlässig und unreinlich, und waren Unterthanen der Ober-Walliser und des Bischofs. Kunstfleifs von keinerley Art hat bisher in Wallis Eingang gefunden. Selbst in der Viehzucht, dem Wiesen - Feld- und Weinbau, stehen die Walliser ihren Nachbarn den Bernern und Waat ländern erstaunend nach. Die schlechte Wirthschaft zeigt sich überall, und ganz besonders im Hauptthale der Rhone , wo man alles dem Strome preifsgiebt, ohne an Dämme und Wuhren zu denken. Die einzigen Produkte, welche Wallis ausführt, sind Vieh, Käse, Felle, Wild, etwas Wein, Topfstein, Krystalle, Blev, Kobalt. — Die papistisehe Kirche herrscht durcli ganz Wallis. Die Reformation fand im XVI. Jahrhundert viele Anhänger, wurde aber bis zum J. 1626. mit Gewalt gänzlich unterdrückt. Für Schulanstaltcn ist schlecht und fast gar nicht gesorgt ; daher herrscht in Wallis zum Theil mehr Unwissenheit, Aberglauben und Scliweilz. In den letzten Jahren der Regierung Carl des Grofsen erhielt das liomans eine regelinäfsige Form, wurde im X. Jahrhundert die gallische, und später, nach gröfserer Ausbildung, französische Sprache genannt. In der westlichen Schweitz erhielt sich unter dein Volk das alte verdorbne liomans, welches in Wallis, in der Landschaft Aigle , im Pays de Uaud und in A'euchatel in vier verscliiednen Dialekten gesprochen wird. S. eine Samin* laug von Wörtern im I. Theil dieser Anleitung S. aSi-yi, Fanatismus als iu andern katholischen Ländern der Scliweitz. Geschichte. Die Geschichte von Wallis ist aui'serst dunkel, und nie kritisch und mit Benutzung aller Urkunden, die in den Archiven des Bisthums Sitten und jedes einzelnen Zehnten liegen, bearbeitet worden. Caesar nennt die Völker von Wallis JSantuales , Veragri und Seduni , und glaubte, dafs letztere alles Land weiter aufwärts inne hätten. Piinins nennt zuerst das Volk, welches höher als die Seduni wohnte, Viberi, Jouberi; die Furka hicl’s Jouberus , und das Unter- Wallis von St. Maurice nach dem Bernhard liiefs Val - lis Poenina oder Pennina *). Es sind in Wallis Inschriften gefunden worden, in denen der Name Seduni und yantuates vorkömmt, aber nichts von den beyden andern Völkern. Die Römer hatten zu Maurice , Mar- tinach und Sitten ihre festen Burgen (s. diese Art.), und eine zwischen Brieg und Visp ehmals das Thal verschliefsende Mauer hält man für römisch, oder für die Grenze, über welche die Römer ins Ober - Wallis nicht vorgedrungen sind. Durch das Vallis Pennina lief eine der grofsen Heerstrafsen aus Italien nach der Scliweitz und Deutschland, Sie ging nämlich über die Alpes penninae (den Grojsen Bernhard ), durch Octo- durutn (Martinach), Agaunum fSt. Maurice) , Penui- *) Den Ursprung dieses Namens s. unter dem Art. Bernhard, Einige leiten das Wort Pennina von dem celtischen Wort Pen (Spitze, die höchste Zinne); daher selbst Jupiter Perm , Pin genannt wurde. Wallis. 477 « iucus (f’illeneuve), Viviscuin (p’evay), den See Bro- magus (Lac de Bray) vorbey, durch Minidunum (Mou- donj, Aventicum (Avenche), Petenisca (nahe bey Biel), von hier theils durch Castrum Solodururn (Solothurn), Olea (Ulten ), Vindonissa ( Windisch ) , Vitodurum (Winterthur), und Brigantia (Bregenz) nach dem südlichen Deutschland, theils durch das Felsenloch Pierre pertids , durch das Münster- Thal nach Augusta Raura- corum (Augst bey Basel), und von hier weiter nach Deutschland. Im Anfänge des V. Jahrhunderts wurde den Römern die Herrschaft über Wallis von den Burgundern , und diesen im VII. Jahrhundert von den Franken entrissen. Seit dieser Zeit wird es Vallesia , Pagus Wdldensis , Thal-Gau genannt. Nach Erlöschung der Karolinger kaiu Wallis im IX. Jahrhundert an das zyveyte burgundische , und im XI. Jahrhundert ans deutsche Reich. Während diesem Wechsel hatte sich ein zahlreicher Adel und mit diesem die Feu- dalität in Wallis festgesetzt, und die Gewalt des Bischofs war sehr angewachsen. Kaiser Konrad II. über- liefs irn J. 1035. Unter - W'aliis dem Graf Humbert von Savoyen , vermehrte die Gewalt des Bischofs in Ober- Wallis , und setzte den Herzog von Zähringen zum Reichsvogt des Ober-Wallis. Von dieser Epoche bis ins XIV. Jahrhundert unaufhörlicher Kampf des Bischofs und des Adels, theils unter einander, theils gegen den Grafen von Savoyen und andere benachbarte Mächtige. Im Anfänge des XV. Jahrhunderts erhob sich das Volk gegen den Druck des Bischofs, welcher Hüif» bey Bern und Savoyen fand. Der Krieg dauerte von dem J. 1414. bis 1420., während welchen die Ober- 'WaHiscr von Goms , Brieg und Visp einen Bund mit den KK. Uri , Unterwalden und Luzern schlossen, und sich völlige Frcyheit und Unabhängigkeit errangen. Bis tum S. 1473 . bildete ganz Ober - Wallis, von der Furca bis Sitten einen Freystaat, welcher sich genau an die Eidgenossenschaft durch Bündnisse anschlofs. Wallis schlofs unter dem Bischof / Falt er uf der Fltie mit Bern und den Eidgenossen im J. 1474. ein ewiges Bünd- nifs. Am 12. Nov. 14 75 - brachen der Herzog von Savoyen und Bischof von Genf mit 10,000 M. ins Ober- Walfis ein, um die Eidgenossen, welche damals gegen Herzog von Burgund und Graf von Romont, Herren der I Waat, im Kriege lagen, von allen Seiten anzufallen. Ein schneller Volksaufbruch von 4000 FVallisern und 3000 Bernern über den Sanetsch eilten nach Sitten , wo am 13. November die Savoyarden mit einem Verlust von 1300 M. geschlagen wurden. In den folgenden Tagen eroberten die Walliser ganz Unter - Wallis mit 17 Schlössern, und blieben von dieser Zeit an in stetem Besitz dieser grofsen Landschaft, deren Einwohner bis 1798. Unterthanen der Ober-Walliser blieben. Wegen dieser grofsen Erweiterung des Landes blieb der 13. November ein Landesfest der lUalliser. Von dieser Zeit an erschienen die Ober -TValliser in der Reihe selbstständiger Völker, welche durch ihre nahe Verbindung mit den Eidgenossen stets als Schweitzer betrachtet, aber als ein unabhängiger Freystaat, so wie Grau- bündten , von den gröfsten Mächten Europa’« behandelt und geehrt wurden. Der berühmte Jost von Sillinen (s. Bern , Granson , Konstanz) wurde 1484. Bischof von Sitten, nachdem er vorher schon Bischof von Grenoble gewesen war. Er baute die Schlösser Martinach und St. Mauriz , legte im Lötschthale ein Silberbergwerk an, bekriegte den Graf von Arona , wurde in dem Ossolathal bey Punicello von den mailändischen Hauptleuten blutigst geschlagen, und durch das I’artheyhaupt Georg uf der Fine aus Wallis vertrieben. Aut ihn folgte als Bischof Niholas Schinner , und auf diesen im J. 1500. dessen Neffe Mathias Schinner ( s. fernen ) welcher in den Begebenheiten und schrecklichen Kriegen der damaligen Zeit eine so grofse Rolle spielte (s. über ihn den Geschichtschreiber Guicciardini), und am Ende auch durch die demagogischen Künste des Georg uf der Flue aus Willis vertrieben wurde. Am Ende traf diesen mächtigen Georg dasselbe Schicksal, und er starb verbannt 1529. zu Vevay (s. Visp). Das Ober-VFallis bestand, seiner innern Verfassung nach, aus einem Föderativ - Staat von VII. Zehnten (Cente- nenj*), oder Republiken, wovon sechse demokratisch, und der siebente, von Sitten nämlich, aristokratisch waren, und welche nur für die allgemeinen Angelegenheiten durch Abgeordnete in einen Landrath jährlich zusammentraten, beratheten und die Landeshäupter cr- *) Dieser Name stammt vom ccltischen Worte Cent , Cant, Kant (Bezirk, Krcifs); ist zugleich Wurzel des Worls Kanton. nannten. Unter -TVallis wurde von Vögten der Ober- Walliser und des Bischofs regiert und verwaltet. Jeder der sieben Zehnten hatte seine eignen Gesetze, welche noch nie durch den Druck bekannt gemacht worden sind. — Im J. 1536. eroberte Wallis das Savoyische von Maurice an bis Thonon am Genfer- See, und blieb in Besitz dieses Landstriches bis im J. 1568., wo es denselben bis nach St, Gingoulph an den Herzog zurückgab. Neueste Geschichte. Die Ober - Walliser vii- dersetzen sich im May 1798- den Befehlen der französischen Gewalthaber in der Schweitz; liefern Gefechte an der Marge; unterwerfen sich, nachdem Sitten mit Sturm erobert wird, und treten, als ein besondrer Kanton, der Einheitsverfassung der Schrreitz bey. Im J. 1799., als die Franzosen in Deutschland und Italien gegen die Oesterreicher so unglücklish waren, bricht in Ober-Wallis ein Aufstand zu derselben Zeit aus, als auch in Graubiindten und in Uri dasselbe geschah. Am 11. May erschienen die Oesterreicher über den Simplon in Brieg, Die blutigsten Gefechte zwischen den Ober-Wallisern und Franzosen am 17. May bey Varanne in Unter - Wallis ; die folgenden Tage zwischen Faxen und Leuker - Bäder, den 28. May bey Lösch , den 1. Juni bey Naters und Mörell , den 17. Juli bey Naters , den 81 13. un d 14. August bey Mörell und Rosenfeld; den 15. August erobern die Franzosen den Simplon , und den 17. die Furka. In diesen Gefechten sollen 7-800 Walliser und mehrere tau- send Franzosen geblieben seyn. Einige hundert alte und junge Kretins wurden zu Martinach und Sitten u. s. w. niedergehauen. So erlagen die muthvollen Ober - VFalliser der französischen Uebermacht, welche hier, wie in Unterwalden, alle Greuel und die unglaublichsten Verwüstungen angerichtet hatten. Sieben Dörfer wurden ganz vertilgt, und in dem einzigen Bezirk Leuk 571 Wohnungen eingeäschert. Wochenlange Plünderungen, Kriegsforderungen aller Art, Viehsterben, Seuchen unter den Einwohnern und Hungertod waren die Züge des jammervollen Gemäldes von Wallis in dieser Zeit. Das Elend von ganz Ober-FFallis erstieg den höchsten Grad, und ohne die aufserordentlichsten Unterstützungen an Geld und Nahrungsmitteln von Seiten der helvetischen Regierung hätte der Hunger einen weiten Kirchhof aus Ober - EVallis gemacht*). Von dieser Zeit an blieben die Franzosen in FUatlis , schal- teten hier wie Gebieter, bedrückten im J. ißor. die unglücklichen Einwohner auf alle Art, um sie zu einem Vereinigungs - Gesuche mit Frankreich zu zwingen, trennten endlich das Land wider den einhelligsten und lautesten Willen des ganzen Volks eigenmächtig von der Schweitz, und schrieben im J. Z803. ihm eine eigene neue Verfassung vor. Pflanzen. Kein Theil der Schweitz ist so reich an den seltensten Pflanzen, sowohl der Länder des Nord- *) S. Friederike Bruns Episoden aus Reisen durch Deutschland und die Schweitz, in den JJ. 1801 —rgo 5, Zürich 1806. S. afti. pols als auch der südlichsten Breiten von Europa. In Wallis wachsen 2000 verschiedene Pflanzen, und 1000 Lichen, Moose und Farrnkräuter-Arten (s. die Art. Bagnes - Thal , Bernhard , Brieg, Fouly, Le uh , Marti gny, Maurice, Siders , Sitten, VispJ. Insekten. Wallis ist auch an Insekten sehr reich. Unter deu Schmetterlingen sind besonders merkwürdig: Der grosse und kleine Apollo; le Vallaison, ein olivengrüner Schmetterling; l'Jris bleu und l'lris a Col de Colombe . Geognost. Beschaffenheit. Ganz Wallis liegt in dem Urfels-Gebilde, einen kleinen Theil der Felsen an der Nordseite ausgenommen, wo die nördlichen Kalkstein - Alpen , auf Schiefer ruhend, ziehen. Merkwürdig, dafs Gyps durch ganz Wallis, sowohl an der rechten als an der linken Seite der Rhone durchlangt, wo man ihn an sehr vielen Orten zu Tage ausgehen sieht. Auf der linken Seite der Rhone streichen zwischen Gneifs und Glimmerschiefer grün,e Talklager und Urkalkstein in sehr vielen Schichten durch ganz Wallis. Schöne zwölfseitige Schwefelkiese von aufser- ordentlicher Gröfse, silberhaltige Bleyerze, Kupfer, Kobalterze, Eisenerze, Goldkiese brechen in den Gebirgen von Wallis. Uebersicht von Wallis. Wallis, obgleich eins l der merkwürdigsten Länder der Schweitz, ist in allen Rücksichten sehr wenig bereist, beobachtet und erforscht. Hier liegt noch ein weites Feld dem Freunde der Natur, dem Menscheubtobachter, dem Geschichts- und Naturforscher, dem Mineralogen, Geognosten und Botaniker offen. (Man s. über alle Merkwürdigkeiten und Wege die Art. Aernen, Antremont, Bagnes- Thal, Bernhard, Brieg, Ferrex , Furca , 5 r. Gingoulph, Gries, Lenk, Lie-Thal, Loetsch - Thal, Maurice, Mar- tinach, Münster, Obergestein, Siders , Simplon, Sitten, Trient, und Fisp.) \ Wattwyl, im Toggenburg, Kant. St. Gallen; Wirthshäuser : Röfsli und Löwe. Ein grofses Dorf an der Thur, am Fufse des Hem - Bergs. Gegenüber das Nonnenkloster St. Maria, und höher das Scblofs Iherg, das einzige, welches von 19 Adelsitzeu im Toggenburg noch erhalten ist. Nicht weit von FFattrryl lebte der arme Moufseünweber Braeker, welcher durch die Lebensgeschichte und natürlichen Ebentheuer des armen Mannes im Toggenburg , herausgegeben von H. H. Fuefsly, Zürich 1789., und durch das Tagebuch des armen Mannes in Toggenburg, Zürich 1792. sehr bekannt geworden ist. Wege. Nach FP r ildhaus 6 St. durch schönes Alpen- und Wiesenland (s. Fprildhaus ). — Nach Lichtensteig 1 5 t. Nach Uznach und FFesen 4-6 St. Durch den Hummel- Wald, bey dem Wirthshause Bildhaus vorbey (s. diesen Artikel) eine breite gute Landstrafse. Abkürzende Fufspfade führen über die Alpen nach Ammon und hinunter auf Lf'esen. Von Wattwyl ein abkürzender Pfad über den Hem- Berg nach Peterzell 3 St., und voq da über die fruchtbarsten Anhöhen, mit /|S4 Weissenburg. den weitesten Aussichten (wie z. B. bey Schrrellbrunn) nach dem K. Appenzell. W bisse k bürg, Dorf und Bad ( auch Buntschi - und Obervreiler-Bad genannt), im Unter - Simmen- Thale, K. Bern, 5 St. von der Stadt Thun. Von dem Dorfe JVeisscnburg geht der Weg westlich ^2 St. lang zwischen die Gebirge, wo das Bad in einem romantischen Schlunde liegt. Das Badhaus ist zu Ende des XVII. Jahrhunderts erbaut worden; Wagen können nicht bis hinan fahren, weil die Strafse zu eng ist. Die Heilquelle sprudelt am Fufse eines Felsens, % St. vom Badhause in einer entsetzlichen Felsenkluft, deren ganz« Breite der Buntschi-'Buch einniinmt. Ist derselbe nicht angeschwollen, so kann man ohne Gefahr, obgleich über Felsblöcke, Baumstämme, Leitern, und auf dem Rücken des Bademeisters (Badewäscher hier genannt), dessen fester sichrer Cyklopentritt in dem rauschenden Gehirgs- wasser jede flüchtige Angst verscheucht, bis zur Quelle gelangen. Dieser Spaziergang verdient blofs um seiner Sonderbarkeit willen gemacht zu werden. Der Buntschi-Bach strömt von Norden her aus ziemlicher Ferne von den steilen Wänden des SfocÄ-Horns und Neunen- Flue herab, und vor dem Eingänge in seine Kluft vereinigt sich mit ihm der Morgete - Bach, welcher aus Westen von dem Ganterisch und Ochsen- Horn herabkömmt. Die hohe Felsenwand, welche zwischen beyden Bächen sich erhebt, heifst die Haken - Flue. — Im Mittelalter lebte hier ein Geschlecht von TYeifsenburg , deren Glieder Bürger von Bern wurden, Johann von WErSSENBURe. 285 TVeifsenburg focht als Hauptmann von 300 Simrnetha- f lern am 21. Juny 1539. in der Schlacht von Lauppen unter den Bannern von Bern. Besta nd thei 1 e des Heilwassers. Das Wasser ist hell, ohne Geruch, sehr leicht, von mildem Geschmack, hat einen leichten Schwefeldunst, bey der Quelle selbst 23 Grad, in dem Badhause 21^2 Grad Reaumür. In 2 Pfund dieses Wassers sind nach H. Morell enthalten: 2 Kubikzoll fixe Luft, 9% Gran vitriolischer Kalk, 2 5 ]g Gr. salzsaures Bittersalz, % Gr. salzsaures Mineral - Alkali, 1 ^g Gr. luftsaure Magnesia , % Gr. luftsaure Kalkerde, ^g Gr. Eisen, gemeine Luft 1 1 jg Kubikzoll. Es laxirt gelinde. Von Brust- und Lungenkranken wird es sehr häufig besucht. Es sind 32 Badekasten hier aufgestellt. Jedes Bad kostet 1 Batz. Mittag- und Abendessen ohne Wein 20 Batz., und die ■Zimmer täglich kosten 10-12-15-20 Batzen. Wege. Wer von dem Bade das Simmen - Thal weiter aufwärts bereisen will, darf deu Weg zum Dorf fVeifsenburg nicht zurücknehmen, sondern man wendet sich einige Minuten vom Badhause in den Tobel des Buntschi- Baches herab, gehet über die Brücke, und folgt dann einem Fufswege, der nach Ober-fVeil in die Landstrafse, und von hier durch IV^iistenbach , Boltin- gen , TVyfsenbach , Garstadt und Laubeck nach Zwey- simmen in 4-5 St. führt. Zu Boltingen und TYyfsen- bacli gute Wirthshäuser. Von Boltingen kann der Fufs- gänger einen abkürzenden Pfad über Wiesen nach TVy- fsenbacli nehmen ; rechts oder westwärts zeigen sich V 486 Weissenstein. die sonderbar gestalteten Mittags - Hörner, zwischen denen zwey kleine Seen liegen, auf deren Grat die Grenze des K. Frey bürg fortlauft, und an deren Westseite der Schwarze - See ist, aus welchem die Sense entspringt ( s. Cnggisberg ); ein Ful'spfad führt zwischen die Mittaghörner durch ins Bellegarde - Thal, nach Bulle und Creiers , ohne Wegweiser nicht gut zu linden. Bey Boltingen und Ober - TV eil gehen Steinkohlen- Flötze zu Tage, Hinter Laubech endigt sich das untere Simmen- Thal, und das obere St/nme/j-Thal beginnt; der Land- Bach, der aus Westen vom Ruck kömmt, bildet die Grenze. Zwischen dem Hunds- Ruck rechts und Boldern links, ist das Thal sehr eng und rauh. Auf jener Seite der Sirnrne liegen Grubenwald , die Reste eines Schlosses Mannenberg und Oberried, An der Westseite des Hunds - Ruck liegt das Yaun- Thal, und an der Ostseite des Botder - Horns, Muntig und Kini-Galens, das Diemten - Thal (s. Zweysim- men ).— Von TVeifsenburg das Simmen -Thal abwärts nach Erlenbach (s. diesen Art.). Vom Weifsen- burger-Bade über die Morgetenalp und den Ganterisch nach dem Gurnigelbade 5 St. Weissenstein ( s. Solothurn ). WrissTANNEN-THAt, K. St. Gallen, in der Landschaft Sargans; öffnet sich bey Meis , der Stadt Sargans gegenüber, und zieht südwärts 3-4 St. nach den Grauen - Hörnern , von denen Gletscher herabhängen ; ist reich au Alpen und Wäldern, bewohnt, und wird gar nicht besucht (s. Sargans ). Zwey Stunden ii fifl *|( iif. film jin 1 Ufa isl Ttil Id nie fl" G r«/ ■ 14 in 1 V » hi U X' tu hm Jeu U Werdenberg. 4^7 •b Meis , welches ain Auslaufe dieses Thaies liegt, ist das Dorf JVeifstannen; ein durch schöne Wasserfälle und Gebirgs-Aussichten merkwürdiger Weg führt hinauf. Von diesem Dorfe geht ein Pfad über einen hoben Felsengrat ins Ca{/’e«sern-Thal, und von da nach Pfef- fers , oder über den Kunkelsberg nach Reichenau. Ein andrer Pfad führt in den Hintergrund des Thaies hinauf, nnd von da in 3 Stunden ins glarnerische Krauch— Thal, welches sich bey'Matt im Sernft - Thale öffnet. Auf der Scheidecke dieses Passes ins Krauch - Thal ge- niefst man sehr schöner Ansichten der zum Theil vergletscherten Felsfirsten im Kant. Glarus und im bar- gansischen. Geognost. Beschaffenheit. Am Ausgange des TVeifstaunen- Thaies bey Meis streicht rothe Grauwake, dann bis in den Hintergrund Kalkstein; zwischen dem TVeifstannen - und Krauch - Thal Thonschiefer, welcher durchs Krauch-Thal herabzieht. Werden eerg, ehmaliges Städtchen, im K. St. Gallen. Wirthshaus : Bär. Oberhalb dem Orte liegt das Schlofs, welches das Stammhaus des berühmten Graf Rudolph von TVerdenberg ist, welcher im Anfänge des XV. Jahrhunderts den Appenzellern ihre Freyheit erfechten half ( s. Gais J, und aus Dankbarkeit dafür von den Appenzellem die von ihnen eroberte Grafschaft TVerdenberg wiedererhielt. Dieser Graf Rudolph scheint 1414* gestorben zu seyn. Nach Erlöschung dieses seit dem XI. Jahrhundert mächtigen Geschlechts *) in der *) Das seit dem X. Jahrhundert bekannte Haus Montfort 488 Werdenberg. Mitte des XV. Jahrhunderts gicng die Grafschaft durch Kauf aus einer Hand in die andere, bis sie, nebst der Herrschaft Wartan , im J. 1517. an den K. Claras kam , welcher sie durch einen Landvogt regieren lieis, der in dem Schlofs wohnte. In den J. 1525. und 1719. waren heftige Aufstände tj es Volks von Fb'erdenberg gegen den K. Glarus. Seit dem J. 1798- wurde diese Landschaft dem K. Linth , und endlich dem K St. Gallen einverleibt. Die Einwohner sind Protestanten; sie treiben Alpenwirtlischaft, Feld- und Obstbau, haben viel Pferdezucht und spinnen Baumwolle für die Fabriken Appenzells und St. Gallen. — Sehr nahe bey Werdenberg das in Obstbäumen versteckte Buchs und der schöne Grabser - Berg. Werdenberg gegenüber wurde i<$ 99 * bey Frastenz zwischen den Eidgenossen und den Oesterreichern eine Schlacht gefochten, wo unter Anführung von Ulrich von Sax und durch den Heldenmuth T / l r o!lebs die Schweitzer den vollsten Sieg davon trugen. — Rudolph von Montfort gehört zu den berühmten Dichtern und Minnesängern des XIII. Jahrhunderts; v.on ihm die allgemeine Welt-Chronik , Josaphat , Barlaam , u. s. w. S. Docen Miscellaneea oder Werdenberg bestand aus drey Zweigen, und wurde von vielem Unglück verfolgt. Die von der schwarzen Fahne besafsen das ganze Rhcinlhal, Werdenberg, Starkenstein, Sonnenberg, Pludenz, Freudenberg bey Rapatz und viele Gitter in Rliälien. Die von der weifen Fahne besafsen Sargans und sehr grofse Herrschaften in Rhätien. Bis IÄ04. batten diese beiden Zwr.ge fast alle ihre Herrschaften , theils gegen Oesterreich, welches sich auf alle Art in diesen Gegenden austudehnen suchte, theils % Werbenbirg. /|Ü9 zur Geschichte der deutschen Litteratur . München I. und II. B. 1807. Gcognost. Tliatsachen. Die Gchirge ira Bezirk Werdenberg bestehen aus Kalkstein. Dein Wer- denbergischen Dörfchen Rälis gegenüber gebt in der Landschaft Vaduz Gyps zu Tage, und wird hier ausgebeutet. Auf der Wartauischen Alp Labric, und oberhalb Seveln zu Raus schwefelhaltige Quellen. Wege. Nach Wildhaus , das erste Dorf im Tog- genburg, 1 1 j 2 St. für Fufsgänger und Reuter ein sehr steinigter Weg. Nach Sennvyald 3 St. (s. diesen Art.). Nach Sargans 4 St. durch Seveln (wo ein leidliches Wirthshaus , und oberhalb dem Dorf zu Raus ein Schwefelbad ist), aufwärts in die Landschaft Wart au , bey den Resten des Schlosses Vf^artau auf hohen Felsen vorbey, durch Trübbach und über die hohe Wand am Fufse des Scholl ^Bergs (s. Sargans'). Auf diesem Wege erblickt man auf der deutschen Seite des Rheins das Schlofs Lichtenstein , das Städtchen yaduz und dessen Burgreste auf einem Felsenvorsprung, das Dörfchen Balzers , die Reste des Schlosses Gutten- berg , und der hohen TVand gegenüber den Luzien- durch nothgedrungnen Verkauf verloren, und beydc Zweige waren vor der Mitte dieses Jahrhunderts ausgestorben. Die von der rothen Fahne besahen Feldkirch, Hohen-Embs und vieles in Schwaben, und dieser Zweig hat bis ans Ende des XYIIl. Jahrhunderts in Schwaben geblüht, wo er auch erloschen ist. Ob zu Hohen ~Embs oder zu TV erdenberg die Stammburg dieses alten Geschlechts gewesen sev, ist ungcwifs. /|9 <> Weser. Steig - Pafs nach Graubündten. Diese ganze Seite der Schweitz hat im Kriege der J. 1799. und rßoo. sehr gelitten. — Wer gerade nach Ragatz wandern will, 1 darf Sargans nicht berühren, sondern kann ’fa St. vor dem Städtchen einem Fufspfade durch Wiesen folgen, welcher nach der Landstrafse abkürzend führt (1. Sargans ). Wtu», Flecken in der Landschaft Caster , K. St. Gallen. Wirthshäuser : RöJ'sli und Schvrerdt. Liegt am westlichen Ende des TVallenstadter - Sees und am Fufse des Ober - Spitz. TVesen wurde im J. 1386. von den Glarnern besetzt und in Eid genommen, nachdem der österreichische Vogt Stadion von hier aus in Glarus eingefallen und geschlagen worden war (s. Glarus ). Die Bürger von Wesen machten eine Verschwörung mit den Grafen von Sargans und Rapperswyl gegen die Eidgenossen in der Stadt auf eine so listige Art, dafs diese nichts ahndeten, und so wurde die aus Glarnern und Urnern, bestehende Besatzung in einer Nacht 1388* ermordet. Es versammelte sich nun hier eine Schaar unter dein Graf Johann von Sargans, Peter von Thorberg, Joh. von Bonstätten, Ulrich von Sax, mit Kriegsleuten aus dem Thurgau, Aargau, Toggenburg, Hegau, Schwarzwald u. s. w. Dieses Heer brach in Glarus ein, und es erfolgte 1388* die Schlacht von JVä/'els, worin die Glarner siegten, und hierauf IVesen verbrannten. Seitdem hat sich dieses ehrnals wohlhabende Städtchen nie wieder erholt. Hinter dem Wirthsha^se zum RöJ'sli ist ein hübscher itid* 0 ' »tit« lli ® 1 ID 5 * «idi U ii ia 1 faul kl 1 m 1 ate vfc a Kt m iiikn Jd-B iteh mni ihn Gek wo < Jo (u r ifc 1 Wesen. 49 1 Wasserfall, und schöne Aussichten eherhalb Wesen sind an verschiednen Punkten, und längs dem Ufer nach Bätlis und Fley. — Auf den wiesen- und alpen— reichen, bevölkerten Ammon - Berg nur r St. Nicht weit von Wesen am Fufse des Bätliser ein Wind- und Wetter-Loch. Wesen ist der Hafen des K. Glarus , wo ihm Getreide, Wein und Baumwolle ausgeschifft wird, und der einzige Landungs- und Schiffahrts-Ort an der ganzen Westseite des Wallen - Sees. Ueber den See und dessen Schiffahrt s. man die Art. Wal- lenstadter-See und JVallenstadt. Seit 60 Jahren leidet Wesen und dessen Gegend immer mehr und mehr von den Ueberschwemmungen des Sees , ist dadurch äufserst ungesund und in hohem Grade arm geworden. Der Kiieg von 1799. und 1800. erhöhte das Elend der armen Einwohner ; denn selbst das in die höchsten Berge getriebne Vieh wufstcn die Soldaten aufzufinden. Die österreichisch - russische Armee stand mit ihrem linken Flügel im J. 1799. von Wiesen nach der Zie- ge/-Brücke, und an dem rechten Ufer der Liuth liiuab nach dem Zürcher-See. Am 25. und 26. September wurde sie von den Franzosen angegriffen, und verlor ihren General llotze bey dem Anfänge der Schlacht. Gefechte bey Wesen , Schännis und der Ziegel-Brücke, wo die Oesterreichischen Verschanzungen erobert, und der ganze Flügel zum Zurückzug genöthigt wurde, ( s. Zürich J. Ursache der Versumpfung. Die Mag fällt St. von Wesen in die reilsende Liuth. Der unge- teure Schutt, deu dieser Strom immer vor dem Einflüsse der Mag und in seinem eignen Bette bis zum Zürcher - See seit 60 Jahren aufgehäuft hat, ist die Ursache der Erhöhung des Wasserstandes vom TVal-X Jen-See (der um to Fufs zugenommen hat), und der entsetzlichen Ueberschwemmungen. In der Gegend von . TVallenstadt sind seit dieser Zeit 600 Morgen, an der Westseite zwischen Wesen, Urnen und der Ziegel- Brücke 900 Morgen, und von der Ziegel- Brücke bis zum Schlosse Grynau bey dem Einflüsse der Linth in den Zürcher-See 4 _ 5 0 °o Morgen Feld und Wiesen theils ganz ersoffen, theils halb versumpft. Das ganze I.and wird von den schädlichsten Ausdünstungen verpestet, und die davon entstehenden bösartigen Krankheiten zeigen sich bis nach der Stadt Zürich herab. WArde man noch 50 Jahre diesem Uebel so unverantwortlich unthätig Zusehen, so müfste ein Sumpf von 6 Q Stunden entstehen , dessen fürchterliche Dünste die Hälfte der nördlichen Schweitz zu einem Kirchhof unfehlbar machen würden. Die Tagsatzung des J. 1804. hat endlich diesen wichtigen Gegenstand in Berathung gezogen und beschlossen, dem Uebel zu steuern, indem die Linth von Näfels an in den TVallen - See geleitet, das Bett der Mag erweitert, und das Bett des Flusses bis zum Zürcher-See geräumt und tiefer gemacht werden soll. Schon vor mehrern Jahren machte der kennt- nifsieiche und achtungswürdige H. C. Eicher in Zürich die befsten Vorschläge darüber durch den Druck bekannt ; und ihm gebührt die Ehre des von der Tagsa- Wesen. 495 tzung angenommnen Entwurfes, welcher unter seiner Leitung seit mehrern Jahren ausgeführt wird. Man s. H. Esckers officielles Notizblatt , die Linth — Unternehmung betreffend , i. bis 7. Heft, 1807-1809. Zürich. Die grofseu Summen, welche diese kostspielige Unternehmung erfordert, Sind durch Aktien zusammengebracht worden. Wege. Von Wesen in den K. Glarus nach Mollis und Näfels 2 St. eine fahrbare Strafse mitten durch den Sumpf. — Nach der Ziegel - Brücke, wo sich die Linth und Mag vereinigen, durch Urnen und Eilten nach hacken 4 St. — Nach Sckännis 1 1 jz St. ( s. diese Art.) Auf dem Wege nach der Ziegel - Brücke sind die W^eitsichten in das Thal des K. Glarus und zwischen dessen kolossalische Gebirge herrlich. Bey der Ziegel- Brücke läuft der Sthänniser-Berg in einen scharfen Vorsprung aus ; der Weg wendet sich an dessen Westseite, und hier öfnet sich eine unabsehbare Thalferne nach NW. Auf einem Vorhügel, rechts, die Reste des Schlosses Unter— Windeck , und grade gegenüber jenseit der Linth , auf einem Vorsprunge des Urner-Berges , die Reste des Schlosses Ober -Windeck , Wohnsitz der Grafen von Windeck, ehmaliger Herren der ganzen Landschaft Gaster (s. Gast er). Von der Ziegel — Brücke nach Sckännis geht der Weg am Fufse des Schänniser - Bergs fort, wo man die westliche Bergkette vom Biltner- Berg 10 St. weit in herrlicher Fernsicht erblickt. Ueber die Ziegel-Brüc\Le nach Bil- 1 ten läuft die Strafse am Fufse des Rothen-Berges hin (s. Lachen). Ein Pfad führt von Wesen über eine steile Felsenwand zum Dorfe Ammon hinauf, und von da über sanft ansteigende Weiden ins Toggenburg auf Starhenback hinüber in 4-5 St. Die Aussicht, die man auf diesem Wege geniefst, ist überaus schön und mannigfaltig. Ob Ammon übersieht man das tiefe Bette des Waüen-Sees und die prächtige Gebirgskette, die ihn südlich einschliefst. Auf der Toggenburger- Seite hingegen sieht man über das Thal der Thar hinaus die Gebirgskette des Säntis. Pflanzen. Nahe bey Wesen: Cyclamen europaeum (Schweins» brodt). Aepeta nepetella und Melissa nepeta . » Geognostische Thatsachen. Zwischen Thesen und der Ziegel - Brücke ist die Grenze der Kalksteinfelsen und das Beginnen der Nagelflue - Berge. Von Wesen setzt der dichte schwärzliche Kalkstein noch Stunde nordwestlich nach der Ziegel- Brücke weiter, und dann beendet man sich am Fufse des mehrere tausend Fufs hohen Schänniser- Berges, der ganz aus Nagelflue besteht. Hier steht man im Queer- Durchschnitt der Kalkstein - und Nagelflue - Ketten, an denen folgende merkwürdige Thatsachen beobachtet werden können.^ Die Felsen sind hier durch eine Sfa St. breite Thalebne getrennt; aber auf beyden Seiten der Linth folgt auf den Kalkstein der Nagelflue, an der Ostseite im Schänniser- Berg; auf der Westseite im Rothen- Berg; ihre Schichtung, Streichung und Senkung, so wie ihre röthliche Farbe ist genau dieselbe, W E S E it. so dafs sie ohne Zweifel einst eine zusammenhängende Kette bildeten, welche vom Rothen - Berg westwärts nach dem Rigi, und vom Schänniser -Berg ostwärts nach dem K. Appenzell fortsetzt (s. Rigi , Appenzell und Ezel). Die Nord- und Westseiten des Schdnni- eer- Bergs sind steil abgerissen, und da läfst sich di# innere Beschaffenheit desselben genau wahrnehmen.' Die Schichten der Nagelilue streichen von ONO. nach WSW. und senken steil unter einen Winkel von 50-70 Grad nach SOS. Genau eben so streichen und senken die Schichten des Kalksteins nach Wesen zu, und also sind diese auf den Nagelilue gelehnt. Sein unmittelbares Aufliegen kann man hier nicht beobachten, weil zwischen dem sichtbaren Aufhören des Kalksteins und dem Beginnen des Nagelflues eine Verschüttung ist; vielleicht liefse es sich höher hinauf oder auf der andern Seite an dem Rothen - Berge bestimmt beobachten. Die gerollten Steine dieser ungeheuren Nagelflue-Berge sind: Granite und Gneifse aller Art, Kieselschiefer, Hornsteine, Feuersteine, Porphire, Marmorarten, mancherley Thonsteine, eisenhaltige Steine und gerollte Stücke einer uralten Nagelflue. Das Bindungsmittel aller dieser Geschiebe ist ein kalkartiger, röthlicher sehr fester Sandstein. Am Fufse des Schdn- niser- Berges, wo ich den Nagelflue in ganz frischem Bruch betrachten konnte, weil man die Strafse breiter machen wollte, lagen ungeheuer grolse gerollte Steine von 50 und mehrern Kubikfufs Inhalt, welche aber, 4-6 Fufs höher, in ihrem Umfange immer mehr ab- nahmen; auch durchzogen mehrere Kalkspathadern von ^ 2 -1 Zoll Dicke senkrecht und schief die Nagelflue- Schichten, indem sie sich um die gerollten Steine herumwanden. An der westlichen Kante des Schdnniser- Berges, welche eine nakte Seite der Ziegel - Brücke zuwendet, liegen alle eingekütteten Steine mit ihren breiten Flächen nach SOS. oder 'NWN. gekehrt. — Wahrscheinlich hat dieselbe Gewalt, welche alle Kalkfelsen des ff'allen- Sees in der Mitte durchrifs, auch hier die Kalk- und Nagelflue-Ketten zerbrochen und von einander getrennt. WmiSBOso (s. Avenche). WitDHi us, das höchste Dorf im Toggenburg , K. St. Gallen. In der Nähe desselben entspringt die Thur auf dem Miinster-Kied aus zwey Quellen, und wird bald sehr reifsend und wild (s. über diesen Flufs die Art. Toggenburg und Thurgau). Von Wildhaus ersteigt man den Säntis , den höchsten Felsen Appenzells. — Westwärts von Wildhaus liegen die befsten Alpen des Toggenburgs bis an den Speer, auf dem Rücken der nackten Felsen ah der Nordseite des Wal- lenstadter-Sees. Ueber die Alpen erheben sich 6 Berg- spitzen : Astakäfer- Rück, bT'ilchaiiser-Sc/iaaf-Rück, Zuslol , Brise- Berg, Schibenstol, Luner- oder Selu- ner-Rück; diese Bergspitzen sind die Hörner des Sichelund Ochsen- Kamms an der Seite von f'T'allenstadt , und werden dort und in der nordwestlichen Schweitz, wo man sie sehr gut sieht, die sieben Kuhfirsten genannt. Nach dem Seluner - Rück folgt Leist- Berg ; Wildhaus. 497 i St. weiter der Coggegcn mit zwey Hörnern; dann fj'indplesser- PleJ'.i , Bremecher- Schilt und der Speer. (Man vergleiche damit die Namen derselben Felsen an der Südseite unter dem Art. kf 'allenstadter-See ). In dem Seluner - Rück ist eine tiefe Höhle, und naher bey Wildhaus eine andere Höhle, Rauch -Loch genannt. Von All. St. Johann liifst sich der Speer, der höchste Felsen in Toggenburg , gut besteigen. Die Aussicht ist fast die nämliche wie auf dem Säntis , aber noch angenehmer. Die vielen Felswände des Speer verursachen ein unvergleichliches Echo, so dafs ein Pistolen- schufs wie der Donner widerhallt. (Jlr i ch .Z w in g 1 i. Hier in Wildhaus wurde Ulrich. Zrringli am i. Jenner 1 484- geboren. Sein Vater * war Amman der niedern Gerichte. Ulrich Zrringli, dieser aufgeklärte und edle Diener der Wahrheit, dieser Rächer der Vernunft, w'urde, nebst Martin Luther in Sachsen, das Haupt einer Revolution *), welche die schändlichen Fesseln der verruchtesten Tyranney zerbrach , die Geistesfreyheit der Menschheit errettete, und dadurch die Wiedergeburt aller Völker begann. Im Januar 1519 . stellte sich Zrringli laut an die Spitze der religiösen und politischen Reform, und be- *) Den wichtigen sittlichen, politischen und litterarisohen Einflufs derselben auf die Gesellschaft von Europa hat ganz neuerlich wieder einmal Carl Uillers in seiner von dem National - Institut zu Paris gekrönten (überall bewunderten, und nur in Frankreich selber heftig angefochtenen) Preisschrift ausführlich erörtert. 1F. 5» t siegelte sein tugendhaftes Unternehmen mit dem Heldentode ( s. Zürich und Cappel ). Wege. Von Wildhaus nach FVerdenberg i f, St. — Nach IVattwyl 6 St. (s. diese Artikel). Auf den Säntis geht der Weg von Alt St. Johann noch eine Strecke das Thal aufwärts, nahe bey einem Hause und Erdglitsch vorbey durch die Nessel- Halde, den Kuh- Boden, die Dihete- TYeide , Laurre, über eine Brücke, längs der Thur ins Aepli ; von hier steiler aufwärts in die Camplent und die Fliejs- Alp, (wo verschiedne Quellen den Ursprung der Thur bilden, welche gleich gewaltige Stürze macht), in die Alp Im Loch , immer steiler in den Schaafboden , (3 St. von St. Johann), neben der fürchterlichen vreifsen TV and vorbey, über Schnee und Felsstücke auf den Kälber - Säntis , über einen Felsengrat (wo eine prächtige Aussicht sich darbietet), über den grofsen Schnee neben tiefe Abgründe; dann sehr steil aufwärts auf die Spitze des Säntis. Ein gefahrloserer Weg hinauf führt von Appenzell , s. diesen Artikel. — Nach Appenzell 7-8 St. s. Appenzell. — Nach Gambs 1 St. durch Tannenwald. — Nach fVallenstadt über die Kuhfirsten auf mühsamem Pfad, 6 St. — Nach TYesen über die Felsen und Ammon 3-4 St. Wimm rs, Dorf und Schlofs am Eingänge ins Sirnmen - Thal, K. Bern, 2 St. von der Stadt Thun. Liegt sehr romantisch und geniefst herrlicher Aussichten (s. Sirnmen - Thal und Niesen ). Von Wi mm * s nach lirlenbach 1 *[2 St. (s. diesen Art.) W i N D l s c H. 4gg Wisdisch, Dorf im K. Aargau, liegt auf einem breiten Hügel, üer dip drey zusammenstofsende Flüsse, Reufs, Limmat und Aar , beherrscht, an der Land- strafse zwischen Basti und Zürich. In dem Hause des Pfarrers eine schöne Uebersicht der ganzen Gegend. Römische Alterthümer. Hier stand das grofse yindonissa der Römer, ihre berühmte Grenzstadt ge-, geu die Germanen und Allcmannen , welche Drusus Gc/manicus und Tiberius zum wichtigsten Waffenplatze machten, und yespasian verschönerte. Vin- do'hissa umfafste die ganze Gegend von Gäbistorf , am Fahr , VI'indisch , Königsfc/den , Brugg , Alten- bürg , Hasen und Lindhof. Altenburg, von dicken Mauern umgeben, war vielleicht der wichtigste Tlieil des Lagers. Das Lager bey Koblenz (Conßuentia RhcniJ, wo sich die Aare in den Rhein ergiefst, und das Kastell (später der Stein ) bey Baden waren die äufsersten Festungswerke von yindonissa. Die XXI. Legion, der Kern der römischen Truppen am Ober- Rhein , lag beständig hier; auch einmal die XI. Legion. yindonissa wurde von den Vändalen und Allemannen im III. und IV. Jahrhundert, im V. Jahrhundert von den Hunnen , und im J. 594. von dem fränkischen Könige Childebert 11. gänzlich zerstört, und das Bisthum nach Konstanz verlegt, weil sich die Einwohner dieser Landschaft, damals yarnen genannt, gegen ihn empört hatten. In den Dörfern Windisch , Königsfel- den , Gäbistorf und Altenburg sind bis in die neuesten Zeiten ausgegraben worden: Eine Menge Steine und Grabsteine mit der Zahl XXI. und XI.; silberne nnd goldene Bildsäulen, der Ceres , Venus , Minerva , Mars , Apollo , Mercur, /jz\r ; Münzen in grofser Menge: Als Consular-Münzen, Münzen von Caesar , Augustus, Nero, Vespasian, Domitian, den Antoninen, Severus, Constantin, Valentinian, u. s. w. Die Münzen des Vespasian am häufigsten ; und noch Verschiedenes von mancherley Art. Die Reste des Amphitheaters siehet man bey fVindisch in der Bärlis- Grube, wo man vor einiger Zeit auch Elephantenkno- chen und Gefängnisse fand. Eine schöne Wasserleitung gieng von dem Kernen— oder Bruneck- Berge über das Birr - Feld nach Konigsfelden i St. weit. Die von Altenburg ngch Brugg regelmäfsig eingehauenen Ufer der Aare verrathen die Hand der Römer. An der Reufs unten am Lindhof verrathen Bruchstücke von altem Gemäuer, dafs hier eine Brücke gewesen seyn mag. Auch bey Altenburg ist noch altes Gemäuer kenntlich. Bey Gäbisdorf ist in neurer Zeit eine Inschrift gefunden worden, woraus sich ergiebt, dafs die XXI. Legion ihren Arzt hatte. Am Zusammenflüsse der Aar und Limmat bey Vogelsang findet man Reste eines römischen Weges, Inschriften u. dgl. Merkur , Kastor und Pollux sind auf einem in der Kirchmauer zu PVindisch eingesetzten Cippus vorgestellt, aber sehr beschädigt. Eine hier gefundne Inschrift, welche Gun- *) Die grüfste Sammlung der hier gefundnen Münzen siehet man zu Bern bey il. Baller von Konigsfelden. Winterthur. 501 dejjinger beschrieben hatte, war wieder verlören gegangen. Im J. 1779. entdeckte man sie von neuem tu Brugg im Halhveiler -Hof, wo sie in der Mauer des Kornhauses im untersten Stock zu einem Fenster gebraucht ist, zwey Zeilen aber weggesprengt sind. Die Inschrift sagt, dafs die Einwohner von Vindonissa unter der Regierung des Kaiser Titus Vespasian dem Mars, Apoll und der Minerva Ehrenbogen durch die Magistrate T. U. Matto , T. V. Albanus , L. V. Mel- locotius, Rufus, Quint 11s und Sextus haben errichten lassen. — Das Bisthum von Konstanz entstand zu Windisch , und wurde im J. 597. nach Konstanz »erlegt. Von Windisch % St. liegt Königsfelden (dessen Geschichts-Merkwürdigkeiten s. unter diesem Art.) Die Bäder zu Schinznack sind 1, die von Baden 3 St. von Windisch entfernt, die Stadt Brugg nur Stund. W istesthüs, hübsche kleine Stadt itn K. Zürich. Wirthshäuser: Sonne und n'ilde Mann. Liegt an dem Flüfschen Eulach in einer hügel- und waldreiches Gegend, 4 St. von der Stadt Zürich, an der Landstrafse von Zürich nach Frauenfeld, Konstanz und St. Gallen. Römische Alterthümer. Auf der Strafse nach Frauenfeld, *j 2 St. von Winterthur, liegt das Dorf Ober-TYinterthur, das Vitodurum der Römer, wo man noch den Grund der Mauern und Reste eines römischen Weges nach Frauenfeld sieht, welcher bey Elliken noch unter dem Namen Rörnerstrafse vorhan- / J.i. I 502 Winterthur. den ist, und in dessen Nähe man Gewölber gefunden hat, die für Bäder gehalten werden , und wo viele römische Münzen, Bildnisse und andere Sachen ausgegraben worden sind, welche gröfstentbeils in der Bibliothek zu Winterthur aufbewahrt werden. Von Vita- durum gieng ein Weg über Kloten und Buchs, wo auch römische Alterthümer gefunden sind, nach Baden , PVindisch und über den Vocetius (Botzberg) nach Augst bey Basel, und auf der andern Seite durch Pfyn nach Stein und Konstanz , Arbon und Bregenz am Boden - See. Geschichte. Am Ende des IX. Jahrhunderts lieferte bey dem alten Vitodurum, nicht weit von Kyburg, Rudolf II., König von Burgund, dem neu entstandnen Herzog von Schwaben Burhard eine Schlacht, welche letztrer gewann. — Zu Tofs , ^ St. von Winterthur , erlitten die Zürcher im J. 1292. von den Oesterreichern unter Anführung des Herzog Aibrechts die härteste Niederlage, welche sie je in allen ihren Kriegen erfahren haben , durch unerwartete List. In der ersten Hälfte des XI. Jahrhunderts erscheinen Grafen von Winterthur, deren Erben die Grafen von Kyburg waren, von denen Graf Hartmann die Stadt Winterthur im J. 1180. erbauen liefs, und zur Hauptstadt von ganz Thurgau machte , welches er beherrschte. (S. Kyburg). Im XIII. Jahrhundert fiel sie an den Graf Rudolph von Habsburg, und blieb unter den Herzogeö von Oesterreich bis i 4 1 5 -> wo sie zur Reichsstadt erklärt wurde; sie huldigte aber im J. 1443, bt& fr® I« I' Si{«» Üi \itte >!»« in fo Itrtbn Siml tdifdi * nr .'•Wh Bilbtl fit Eim Mt} äurcb Mootsi Iltis Spini S'tyl Stligi Sicht "sltt «icbtij Winterthur. t> OS Oesterreich von neuem, litt sehr viel bey den Kriegen desselben mit den Eidgenossen , besonders wahrend sie im J. 1460. von den Schweitzern belagert wurde, wobey alle Einwohner, selbst Weiber und Kinder, aufseror- dentliche Beweise von Mutli und Aufopferung gaben. Im J. 1467. wurde Vf'interthur von dem Erzherzog Sigmund dem K. Zürich für 10,000 Gl. verpfändet. Merkwürdigkeiten. Bibliothek; dort beträchtliche aus 4°oo Stück bestehende Sammlung römischer Münzen, Medaillen und geschnittner Steine, welche alle in der Gegend der Stadt und des Dorfes Ober-Winterthur gefunden worden sind. Eine Vögel— und Fisch- Sammlung , durch Kunst dem Leben so gut wie möglich, nachgebildet, nebst vielen physikalischen Instrumenten bey dem verdienstvollen und gelehrten H. Doktor Ziegler. Der Wiesen— und Weifibau wird um die Stadt sehr gut betrieben. Seit der Annahme der Reformation haben sich die Einwohner von Winterthur durch Kunstfleifs man- cherley Art, durch ihre Liebe zu den Wissenschaften und durch berühmte Männer ausgezeichnet. Fabriken von Moufselin, Zitz und Kattun-Druckereyen schon längst, und seit kurzem eine durch Wasser getriebne Bantnwoll- Spinnmascliine an der Tö fs. eine von Dr. Ziegler angelegte ansehnliche Fabrik von Vitriolöl, Tauchendem Salzgeist, cyprischem Vitriol, Alaun, grünen Farben und Glaubersalz.— Buchhandlung und Druckercy hier. Nicht weit von VVinterthur das hohrli - Bad, und das uralte Schlofs Kyburg, ehmaliger Stammsitz eines sehr mächtigen Geschlechts (s. Kyhurg ). if.r ft 5°4 WlTLISBACH. Berühmte Männer. Joh. Ceorg Sulzer, der berühmte Akademiker zu Berlin, und Verfasser der Theorie der schönen Künste war aus Winterthur, wo er auf einer Beise im J. 1776. starb. Sein Geschlecht zeichnet sich durch kenntnifsreicbe und trefiiche Männer aus. — Winterthur ist der Geburtsort einer Menge trefiicher Maler und Zeichner, z. B. des berühmten Portraitmalers Graf zu Dresden (Schwiegersohn des Prof. Sulzer Aberli's , Ritters , Biedermanns , Steiners , Kuster’s, Troll's, Schellenbergs , David Salzers u. a., von denen aber die wenigsten in Winterthur leben. — Der jetzt entlarvte Bauer Bossard , welcher im J. i 8 ° 4 - seine Lebensbeschreihung herausgegeben hat, wohnte nicht weit von PT'interthur. Geognost. Thatsachen. Zu Elgg bey dem Hofe Birmenstal, nicht weit von Winterthur, sind 1782. Steinhohlenflotze entdeckt worden, welche zum Behuf der Vitriol-Fabrik ausgebeutet werden. Witliseach, Städtchen im K. Bern, am Fufse des Jura , an der Landstrafse zwischen Solothurn und Ballstal. Nahe dabey, hoch am Jura, liegt das Schlofs Bipp , welches seinen Namen von dem fränkischen Ilaus- meier, nachmaligen Kaiser Pipin erhielt, welcher cs erbauen liefs, und sich hier oft der Jagd wegen aufhielt. Die ganze Landschaft hiefs im J. 85 <>- 859 - die Pipin- sche Grafschajt. — Graf Rudolph von Kj bürg -Thun erkaufte Bipp im J. 1377. vom Graf von Thierstein, und machte hier den Anschlag, durch Verschwörung und Gewalt sich der Städte Solothurn , Aarberg und Thun zu bemächtigen. Am 10. November 1382- geschah WiTLISBACH. 505 sein unvermutheter nächtlicher Angriff auf Solothurn , welcher vereitelt wurde. Hieraus entstand ein Krieg der Solothurner und Berner gegen die Grafen von Kyburg-Bipp, Kyburg-Burgdorf und alle ihre Dienstritter (s. Burgdorf ). Im J. 1411. verkaufte der Graf von Kyburg - Bipp die Landgrafschaft über Burgundien von Thun an bis zur Brücke von yjarwangen an Bern. Wege. Von Witlisbach nach Solothurn 4 St.; auf dem Wege dahin kommt man durch Flumen-Thal ehmals Herrschaft Balm genannt, wo sonst noch die Trümmer einer Burg der Freyherren von Balm zu sehen waren, von denen Rudolph von Balm nebst dem Herzog Johann von Schwaben den König Albrecht mordete (s. Königsfelden ). Diese Herrschaft kaufte die Stadt Solothurn im J. 1411. Geognost. Thatsachen. Der zu Tage gehende Fufs des Jura , nördlich von Witlisbach an der Land- strafse, besteht aus mächtigen Lagern Pioggenstein. In dem Kalkstein des Jura finden sich Chamiten und Tere- bratuliten. Merkwürdig ist die Menge aufserordentlicb grofser Granitblöcke, welche längs dem Jura, von der Klus an, hinter Thürmülli fort nach Witlisbach , und weiter westwärts überall zerstreut liegen. Sie sind tief in der Erde verborgen, und nur die geringsten Theile der grofsen Blöcke ragen in den Wiesen hervor. Besonders in der Gegend von Witlisbach liegen sie in solcher Menge, dafs die daraus gehaunen Mühlsteine unter dem Namen Witlisbacher-KlöhXsioine weit und breit gekannt 5o6 Worms. und gesucht werden. Diese Granitblöcke sind so grofs, d®’ dafs aus einem einzigen bisweilen zehn Mühlsteine ge- hauen werden. Der Granit besteht aus grofsen Feld- spatkörnern, Quarz und wenigen schwarzen Glimmer- bliittchen, denjenigen Trümmern vollkommen ähnlich, welche ich am Luzerner- und Zuger- See und im Reujs- ‘ ^ tr Kessel in Menge gesehen habe (s. Art, Küfsnacht, Lu- l* 1, ^ zerrt, Mellingen ). Ohne allen Zweifel sind diese hier am Jura liegenden Granittrümmer vom Crispalt und dessen Nachbaren zwischen dem Rigi-, Pilatus- und fc Ruffi -Berg durch ungeheure Fluten hieher gewälzt End worden. Man s. den Art. Rigi. ® ^ Worms f Bormio J, Hauptort der Landschaft Bor- I«»!. mio, wird von den beyden Bergketten des Veit lins ganz simei umschlossen, mit dem es nur durch eine enge Kluft, Hin i la Serra, in Verbindung steht. Die ganze Landschaft js i besteht aus 4*5 Thälern, ist io St. lang und breit, ein ruchlä Alpenland, wo der Winter 9 Monat dauert, und dessen «J« Gebirge, welche an den Ortler, einen der höchsten Fel- . ^ ^ sen in dem Alpengebirge, anstofsen, Gletscher tragen. mj,,, Geschichte. Die Kirche von Bormio wurde vom longobardischen Könige Cunibert im J. 701. dem Bis- s ; t ^ thum Como vergäbet ; in spätem Zeiten erhielt das Feint; Hochstift Chur die Landschaft, welche im J. 1350. dem- {fey selben von Job. Visconti entrissen wurde. Bündten fe/, erwarb dieses Land zu gleicher Zeit mit Veltlin im ^ Anfang des XVI. Jahrhunderts (s. Veltlin'). Bormio 1(tj ^ blieb eine Vogtey des K. Bündten, bis es nebst Veltlin ^ im J. 1797. von der Schweitz abgerissen und mit der ^ Worms. 507 cisalpiniscben Republik vereinigt wurde. Das I.nnd litt in dem schrecklichen Kriege des XVI. Jahrhunderts ( s. Veltlin) sehr viel, und in dem Kriege vqm J. 1799. wurde der Hauptflecken Bormio von den Franzosen erobert, geplündert und verbrannt. Merkwürdigkeiten. Quelle der Adda. Bäder. In der Kirche des H. Antonius zu Bormio siehe man gute Gemälde von Antonio Canelino , aus Bormio gebürtig, welcher in der Mitte des XVII. Jahrhunderts lebte. Bormio liegt am Fufse des Umbrail (auch Braulio , TVormser — Joch , Monte Juga genannt) und am Bache Fredolfo , welcher aus dem Fnrba - Thal kommt. Im XIV. und XV. Jahrhundert gieng ein sehr betreuter Weg aus Italien vom Comer-See her, durch Veltlin über den Umbrail, durchs Münster-Thal nach Glurns und Inspruk. Diese Strafse wurde seit 1516. vernachlässigt, und gieng ganz zu Grunde, weil Biind- ten der Republik Venedig , welcher dieser Pafs zuwider war, gefällig seyn wollte. Im J. 1807. wurde wieder an diese Strafse gedacht, und daran gearbeitet. An der Westseite des Umbrail ist der Ursprung der Adda ; sie stützt dort aus einem runden Loch an einer hohen Felswand krystallhell hervor, fällt 50 F. herab, wird gleich von dem Umbrail-Thtich , hernach von dem Vol- biola aus dem Pedenosser - Thal, dann durch den Frc- iolfo , der wasserreicher als die Adda ist, hernach weiter noch durch einige kleine Bäche verstärkt, und wühlt durch den engen Schlund la Serra ins Veltlin (ihren weitern Gang s. unter Veltlin und Adda'). Oiine Zwei- ;!■■■:- 5^8 Worms. fei ist die Adda der Abflufs eines nabe am Vmbrail liegenden Sees. Von Bormio hat man durch das enge und steile Umbrail- Thal bis zu dieser sehenswerthen Quelle 3 St. — Nahe bey Bormio St. oberhalb Mo- lina , auf einer 300 F. hohen Felsenwand des Umbrail' die Wormser - Bäder (Bagno di St. Marino genannt). Das Heilwasser hat 30 Grade Reaumür, ist ohne Geruch und Geschmack, enthalt Mittelsalz, und entspringt aus dunkelgrauem Stinkstein. Es sind drey Baderäume, wo die Kurgäste gemeinschaftlich baden. Alle Sommer befinden sich hier viele Personen aus Craubündten , Tyrol , Schwaben und Italien. Ursprung eines Gletschers. Auf dem Berge Valazeta ist seit dem J. 1774. ein Gletscher entstanden. Ein Einwohner von Bormio, der in der Nähe Alptriften besafs, wollte ihn drey Jahre nachher zerstören; allein er fand bald, dafs 1000 Männer einen ganzen Sommer Arbeit haben würden, um diesen Zweck zu erreichen, und somit unterblieb sein Bemühen. Im J. 1787. war dieser junge Gletscher schon sehr beträchtlich. Thäler von Bormio. Ostwärts von Bormio drängt sich das Valle di Furba in die Gebirge, und spaltet sich in zwey Arme. In diesem Thale, 3 St. ven Bormio, bey der St. Katharinen - Kirche, quillt in einem Thonschiefer - Boden ein Sauerwasser, welches durchs Verschicken seine Kraft verliert. Das Furba- Thal ist von Gavia, Fornio und andern mit Gletschern bedeckten hohen Gebirgen, in dessen Nähe der ungeheure Orteier *) steht, geschlossen. — Nordwärts von *) Der Maler Runk hat in der Ederschen Buchhandlung zu % \ -SKI . §■ - « äi ' 1 l Worms. 509 Bormio zieht das Valle di Pedenojs oder Fuori , aus welchem der Valbiola der Adda zueilt. An dem Eingänge desselben, bey Torripiano , führt ein Felsenwcg, Scaletta di Freel genannt, in das hohe, enge, wilde, 6 St. lange Valle di Freel (Vallis Je r r c aj 1 an dessen Ende St. Giacomo liegt, und welches sich in ein Neben-Thal nach W., und in ein anderes nach SO., Val dentri Laghi genannt, ausdehnt, in welchem zwey fischreiche Seen liegen. Das Val di Pedenojs ist ein angenehmes bewohntes Alpenthal, welches von dem schönen Hügel Trepal geschlossen ist, und von dem letzten Dorfe St. Carlo das enge Nebenthal Valbiola nach SW. ausschickt. Das Pedenosser- Thal ist bisher in allen geographischen Karten ganz falsch dargestellt. Jenseits dem Hügel Trepal beginnt des schöne Livino- Thal; über dessen Merkwürdigkeiten s. Livino. Orteier. Dieses ungeheure Gebirge erhebt sich zwischen Tyrol und Bormio , und steigt aus den Drofni- und Sulden-Tliälern empor. Vom Orteier bis zum Gavia, 10 St., läuft eine mit Schnee und Gletschern belastete Felsenkette, von welcher Nebenketten ausgehen, die das südliche Tyrol durchschneiden, und zwilchen denen die Thäler Pejo, dei Tenaci, Rabbi, Sole, Non liegen. Der Orteier wurde den 27. September 1804. auf Veranstaltung Sr. Kais. Hoheit des Prinzen Johann von Oesterreich , und unter Leitung des Hrn, Bergoffizier Gebhard , von dem Pafseyer-Jäger Joseph Wien Blätter herausgegeben, auf denen der Orteier im Hintergründe dargeslcllt ist. Worms. 5io Pichler zum erstenmal erstiegen. Pichler trat am 27. Uff* um 2 Uhr Morgens, von zwey Zillertlialer-Jägern be- jj # gleitet, von Drofni die Reise au, und erreichte zwischen |Di to-n Uhr die Spitze. Kaum konnten sie es hier 4 Minuten aushalten. Abends um 8 Uhr kamen sie in ^ pflfid Drofni halb erstarrt und anfangs der Sprache beraubt, titl zurück, nachdem sie r7 Stunden lang über Felsen, 10 Gletscher und Schnee, an vielen Stellen mit Lebensge- fahr gegangen waren; denn sie rnufsten über acht steile Felswände, wo nur zollbreite Stellen für das Eingreifen der Fufseisen sind. Das Barometer stand auf dem ^ Orteier zwischen ro und 11 Uhr iß 1 ' 2 /;/ , der Ther- ^ mometer 3 0 unter Null, zu Mals der Barometer 25“, 11J ^ dar Thermometer 15 über Null. Ueber Mals ist der Orteier 10,930 F. erhaben. H. Gebhard bestieg ihn < ^ ,l) im J. Z805. dreymal, und fand nach sorgfältigen Ba- * m rometer-Beobachtungen dafs die Spitze wenige hundert Fufs höher als 13000 F. übers Meer liege. Vom Sul - ^ ' den - Thal ist er etwas leichter zu ersteigen. Wege. Von Bormio ins Veltlin nach Tirano 7 St. (s. diesen Artikel).— Nach Livino 6 St.; der Weg W dahin geht von Bormio durch Premaglio nach der Ckr/i Kirche dclla Madonna di Pieta, von hier entweder 1) über die Scaletta di Freel, durch Pedenofs nach Isolac- cia, oder 2) gerade nach Isolaccia, von hier durch Sa- M 1 mavo, nach St. Carlo, das letzte Dorf (3 St. von Bor- Kitte mio), aufwärts nach NO. auf den Monte di Foscagno, tat ft auf dessen Höhe man das ganze Pedenosser-Thal über- Hil ) sieht, durch die Trepaller-Alp nach Trepall (2 St. von Pf| Dit W OKMS. 5U Carlo], welcli.es zur Gemeiltttc Samovo gehört, und von hier über die Höhe des kleinen Berges Eira hinab nach Livino 7 * St. Auf dem Foscagno, und zwar oberhalb alli Dassi liegen zwey kleine Seen, deren Abflufs südwärts in die Valhiola geschieht; Trepall gegenüber öffnet sich das Thälchen Alpetin, dessen Bach durch schreck- I liehe Klüfte dem Livino-Bach zueilt.— Von St. Carlo führt ein Weg links durchs enge Val-Biola über Pis- eiadell nach Poschiavo in 3 St.; der 1 ungeheure Gletscher, den man seitwärts sieht, heifst Vallaccia, und liegt im Hintergründe des Veltlinischen Grojsiner- Thals. Eine Stunde von Carlo kreuz* ein Pfad, welcher aus Livino durchs hohe Thälchen delle Mine, Val- Biola ins Grofsiner-Thal führt, den Weg nach Poschiavo. — Nach Livino führt auch ein Weg von Bor- tnio ins Freel-Thal, durch das westliche Seitenthal über den Alpisell ins Thälchen Alpetin und durch Trepall.— Nach St. Maria im Münster - Thal entweder durchs Freel-Thal, oder den gradesten Weg durchs enge wilde Umbrail-Thal, bey der Adda - Quelle vorbey, über das Joch des Umbrail ; von St. Maria nach Täufers und Glurns , 12 St. von Bormio.— Durch den südwestlichen Arm des Furba - Thals führt ein Weg über den Gavia und Tonal ins veuetianische Falle di Camonica , und durch den östlichen Arm Val dei Tenaci ein beschwerlicher Weg über den Gavia-Glctscher, und durch den Pafs delle Sforzelle ins Pejo -, Rabbi - und Sole- Thal , und von hier nach Trento. Pflanzen. Die Berge und Thäler von Bormio sind sufscrordentlich 512 W ORMS. reich an seltnen Pflanzen. Auf dem Umbrail: Viola, pinnata. Gratiola alpina minima (blüht im Juli), Hör- minam pyrenaicum ( äufserst selten, mit violetten Blumen). jdstragalus uralensis y und viele andere. Geognost. Thatsachen. Alle Gebirge an der Südseite der Landschaft Bormio bestehen aus Granit, Gneifs, Glimmerschiefer, und an der Nordseite aus Urkalkstein, welcher aus W. von dem Val di Fien her nach O. grade durch den Umbrail streicht, weifsgelblich und eisenhaltig, und sehr der Verwitterung unterworfen ist. Bey den Bädern von Bormio wird nicht selten Stinkstein angetroffen. In diesem Kalksteine brechen schöne weifs und schwarz gesprengte Marmorarten, Die Thäler Pedenojs und Furba scheiden den Urkalkstein vom Granit, dem viel Hornblende beygemengt ist (s. Tirano ). Silberhaltiger Bleyglanz bricht im Pedcno- fser -Thal zu Piatta, Premaglio, Campeccio, und Eisenerze im Freelthal zu Fratello neben dem kleinen See, Fonte d’Adda genannt, welche ausgebeutet werden. — Der Urkalkstein setzt aus Bormio nach NO. weiter, und streicht durch den Orteier , an dem der Kalkstein gräulich schwarz, mit feinem Kalkspat durchschnürt, und voll eingesprengter weifser Punkte ist; die Farbe des Kalksteins verändert gegen die Spitze verschiednemal, und Kalkspatkrystalle finden sich nicht selten. Auf der Seite nach Sulden findet man Granit links am Wege in grofsen Trümmern, und von da südwärts nach Rabbithal herrscht Granit, Serpentin mit Hornblende, Ur- thonschiefer mit fufsdicken Quarzadern. 1 p V ffid lütt Um iit U in c Kl » npe äaitr H Ii Kl li (« 1 tine j luui. fönt: Avm tun jtui Mal, 'ty, Baapi tiie i Mi fr Wrin-Tha£, ein Seitenthal des Longnäz im K; Biindten ( s. Longnäz J. r. Y verdun ( deutsch Jfferten ) , Stadt im K. FFaatt Wirthshäuser: TVilde Mann und Roth-Hans. Ist ein heitres, lachendes Städtchen in sehr reizender Lage am Neuchatcler - See, von der Orbe Und Thiele umflossen, die vereinigt sich in den See ergiefsen; Geschichte. Hier stand das Ebrodunurn der Römer. Die Reste von den Mauern dieses Castri sind in der Gegend der jetzigen Stadt aufgefunden worden, so wie auch eine unter Septimins Severus zu Treyco- vagnes im J. 202. gesetzte Meilensäule, welche in der Mauer eines Hauses in der Strafse du Four eingernauert ist. In Chavornay , zwischen Yverdun und Orbe, siehet man auch in einer Mauer eine unter Septimins Geta (im Ji 208.) gesetzte Meilensäule. Es gieng nämlich eine grofse römische Heerstrafse von Genf durch Nyon , Lausanne , Orbe und Ebrodunurn wahrscheinlich über Pontarlier, wie noch jetzt, nach Besancon, und von Avenches traf auch die römische Strafse hier mit jener zusammen. Diese letztere Strafse gieng gerader, als die jetzige; denn die Entfernung betrug damals 17 römische Meilen oder 6 Stunden, wie die Meilensäule zu Yverdun zeigt. Im IX; und X. Jahrhundert war Yverdun der Hauptort eines Gaues. Nahe bey der Stadt hat man eine schöne Mosaike gefunden , welche aber durch ungeschickte Arbeiter zerbrochen wurde. Zwischen Yver- 5 r 4 Yvekdun. | dun und Avenche wurde St. von der alten römischen {** Strafse zu Yvonens bey Cheyres im J. 1707. ein Mo- P saik-Fufsboden entdeckt, aber wieder verschüttet, weil iS* der Grundbesitzer nicht seine Erndte verlieren wollte. B®® 1 Im J. 1778. wurde derselbe ro Fufs tief unter der dieC Oberfläche wieder gefunden und ausgegraben. Die bä 1 Gröfse betrug 374 Q Fufs. Die Steinchen hatten 3 ®1 Linien im Durchmesser, und der vorgestelltc Gegenstand Jn ist Orpheus von Thieren umgeben. Die Zeichnung jfa davon wird auf der Bibliothek zu Bern aufbewahrt. £e Auch hat man hier das Bruchstück einer Inschrift ge- sc i funden, worauf das einzige Wort Catoni zu lesen war. Im J. 1769. fand man bey Grabung eines Kellers in ^ ( einer Sandlage eine Menge Menschengerippe gegen Morgen gekehrt, zwischen deren Beinen kleine irdene ^ und gläserne Urnen mit rothen irdnen Platten bedeckt ^ standen, auf denen noch Knochenreste von Geflügel ^ lagen; dabey Kupfermünzen, wovon einige aus den ^ Zeiten Constantins. Alles, was hier gefunden Wurde, ^ ^ ist in der Stadtbibliothek aufbewahrt. Zwey Stunden , tranzi von Yverdun. zu Ursin. sind viele TÖmische Münzen ’ Mt 1 ausgegraben worden. — Als im October 1475 . die ^ Eidgenossen , welche dem Graf Romout , Herrn der 6 ’ ans, Waat, den Krieg erklärt batten, vor Yverdun erschie- m nen entgieug die Stadt durch schleunige Uebergabe Iftli dem Loose von Estavayer (s. diesen Artikel ). Die hier ^ in Besatzung liegenden Schweitzer wurden im Jenner fremd, 1476. durch Graf von Romont, der mit seinen Leuten "i< Ft durch Einverständnifs der Einwohner in die Stadt ein- gelassen worden war , ganz unvermutliet überfallen. Die Schweitzer bahnten sich den Weg zum Schlofs, dessen Fallbrücke Hans Müller aus Bern behauptete. Romont drohte und forderte auf. Die Bürger füllten die Gräben mit Stroh und zündeten es an. Die Schweitzer machten einen Ausfall, Romont ward ,verwundet, und seine Leute flohen. In diesem Augenblick kam den Eidgenossen Verstärkung zu, und nun ergriffen alle Bürger die Flucht. Die Schweitzer zündeten zur Bestrafung die Vorstädte und das Schlofs an , und schlugen sich nach Granson durch das Heer Karl des Kühnen , welches schon alle Dörfer besetzt hatte. ( S. Granson Merkwürdigkeiten. Das Schlofs, im XII. Jahrhundert gebaut , wird von der Unterrichts - Anstalt Pestalozzis bewohnt. — Stadtbibliothek, wo einige wenige römische Alterthümer, und das Naturalien-Kabinett des Hr. Bertrand. Einst berühmte Druckereyen, aus denen seit Anfang des XVII. Jahrhunderts grofse französische Werke hervorgegangen sind. Die Einwohner zeichnen sich durch Liebe zu den Wissenschaften, durch gute Erziehung und feine gesellschaftliche Sitten aus, weswegen sich hier oft Fremde aufhalten. Auch gieht es hier mehrere Privat - Erziehungs - Anstalten. Wenig Kunstfleifs, und Handlung. Das Städtchen wird durch die Pestalozzische Anstalt und die grofse Menge Fremde, welche deswegen hieher kommen, sehr belebt. Die Fracht- und Handelsstrafse zwischen Basel , Genf , Piemont und dem mittäglichen Frankreich geht über YVERD UN. 516 j Yverdun und den Neuchateler - See. — Eine halbe Stunde von der Stadt ein schwefelhaltiges Bad, wel- ^ ches des Sommers sehr besucht wird. Das Heilwasser yjd hat 19^2° Reaumür, Schwefelleber - Geruch und Ge- 5l, ( schmack, ist sehr leicht, und enthält in einem Pfunde ftffl 4 1 l 2 Gran fixe Theile, als Küchensalz i Selenit, Kalk- ^ erde, Bittersalzerde und etwas Eisen. — In der Mitte des XVII. Jahrhunderts entwarf man den Plan, den 010 Neuchateler-See mit dem Genfer-See durch einen Kanal von 7 Stunden zu verbinden. Er wurde wirk- ^ lieh bis Cossoney geführt; aber hier gerieth die Unter- m nehmung ins Stecken. Bis Entreroches ist der Kanal ^ von Yverdun schiffbar. General Haldimand, welcher ®^ e durch seine persönlichen Verdienste zur höchsten Be- ^ 1 fehlshaberstelle in englischen Kriegsdiensten emporstieg * und gegen Ende des XVIII. Jahrhunderts Gouverneur von Canada war, macht seiner Vaterstadt Yverdun Ehre. »ft Aussichten und S p a t z i e r g än g e. Zwischen 0M11 der Stadt und dem See ein herrlicher Spatziergang liue unter Bäumen, wo man den Neuchateler- See in seiner iith ganzen Länge übersieht (s. Neuchateler - See). Ein jie 1 öffentlicher Garten. In der Nähe der Stadt sind viele die. Landsitze in den schönsten Lagen, und eine grofse im Mannigfaltigkeit von Spatziergängen und vortreflichen ftls Standpunkten für die Aussichten nach den Alpen längs J a | dem Jura oberhalb Yverdun und nach Granson zu. mj, Oberhalb Valeires geniefst man eine sehr schöne Ueber- p sicht des K. Waat. Alle diese Gegenden am Jura in i ls |. der Nähe von Valeires (dem Landgute des durch seine Y VERDUN. 5I7, tieflichen Schriften berühmten Karl van Bonstetten) geniefsen eines sehr milden Klimas, denn hier blühen Blumen bis im December. Ueberall, sowohl bey Valeires, Les Clees, Vigneroles, Montcharand, Rance, St. Christoph, Schlofs Champvent, als auch in der Gegend von Orbe und im Val-Orbe, (nur einige Stunden von Yverdun) giebt es höchst romantische, ossianische und idyllische Gegenden, welche durch Gestalt und Wildheit der Felsen und mannigfaltig gefärbte Kalkwände, durch das Behänge derselben von Bäumen und wucherndem Epheu, und durch Waldreichthum bey dem Wechsel der Lichter und Schatten unendliche malerische Reitze entwickeln. Der Theil des Jura , der am Anfänge des Sees steht, heifst hier Cliasseron und ist 3625^2 F. über die Seefläche nach H. Tr alles Messungen erhaben. — Die berühmteste Aussicht in der Gegend von Yverdun ist auf der Aiguille de Baume , oberhalb dem weitschauenden Dorfe Baume, welches hinter Granson auf dem Jura liegt , wo man den Bieter- Murten- Neuchat eler- Rousset- Genfer- See, die KK. FFaat , Bern und Frey bürg , Savoyen , und die Alpen vom Gotthard bfs zum Montblanc erblickt. Am südlichen Ufer des Sees bis nach Estavayer ebenfalls schöne Landsitze in herrlicher Lage. (Ueber die Merkwürdigkeiten von Granson , Orbe und Orbe-Thal in der Nähe von Yverdun s, man diese Artikel). Pestalozzi und dessen Unterrichts - An- stalt. Flein rieh Pestalozzi , aus Zürich, der seit einigen Jahrzehnden berühmte Verfasser des unschätz- « 5>S Yvebdun. baren Volksbuchs: Lienhard und Gertrud , begann »79f). in dem von dem helvetischen Direktorium neu errichteten Waisenhaus zu Stanz in Unterwalden seine praktische Schulmeister Laufbahn ( s. Stanz ). Hier verdrängt eröffnete sich im J. 1800. zu Burgdorf (5 St. von Bern) durch Unterstützung des helvetischen Direktoriums dem edeln Menschenfreunde ein glücklicherer Wirkungskreis. In seiner Schulanstalt zu Burgdorf wurde alles, was das Genie, vom reinsten Wohl- 1 wollen befeuert , aus den Tiefen der menschlichen Natur erforscht , und als Grundsatz und Regel zur zweckmäfsigsten Entwicklung und Erziehung des Menschen entworfen hatte, praktisch geübt, ausgeführt, und die Elementar - Methode gegründet, welche seit 1801. die Aufmerksamkeit der Welt mit stets steigendem Antheil auf sich gezogen hat. In Burgdorf arbeitete Pestalozzi mit seinen treflichen Gefährten bis 1804., vvo er das Schlofs der Kautonal-Regierung von Bern zurückgeben mufste, welche ihm ein Gebäude zu Münchenbuchsee einräumte. Pestalozzi blieb hier mit der einen Hälfte der Anstalt, und die andere Hälfte unter H. Bufs gieng nach Yverdun, wohin 1805. auch Pestalozzi selbst zog, so dafs nun die ganze Anstalt wieder vereinigt war. Der Stadtrath von Yverdun liefs das Schlofs für den neuen Zweck in Stand setzen, und machte sich durch diese Unterstützung sehr verdient. Die Widersächer der Elementar - Methode Pestalozzis mögen fein oder plump schreiben und sprechen, es bleibt dennoch ausgemachte Wahrheit, dafs der wahre Elementar—Unterricht bisher durchaus mangelte, und dafs die Festsetzung desselben auf die einfachsten psychologischen Grundsätze und dessen glückliche Ausführung das unentreifsbare und unsterbliche Verdienst Pestalozzi's ist. Diese Anstalt zu Yverdun, wo die Methode im umfassendsten Sinn unter 150-180 Kindern ausgeübt wird und in fortschreitender Entwicklung begriffen ijt, verdient daher die höchste Aufmerksamkeit jedes Alenschenfreundes, jedes vaterländisch gesinnten Bürgers, jedes Vaters, jeder Alutter. Diese Unterrichtsart ist ein unzuberechncnder Gewinn für alle Kinder, welche durch die Kunstmittel des Unterrichts, unverwahrlost, ungelähmt und ungemanert, schnell in reiner Entwicklung derjenigen Kräfte fortschreiten sollen, welche die Natur jedem Einzelnen zugetheilt hat, und welche die Grundlage der ganzen künftigen Ausbildung jedes Menschen , des Landmanns sowohl als des höchsten Staatsbeamten sind. Die übergrofse Wichtigkeit der Pestalozzischen Elementar - Methode ist schon von vielen Regierungen erkannt worden. Die Kantone Zürich und Bern haben alle schon angestellte Schulmeister, der König -von Wiirtenberg eine Menge Schulmeister und Prediger durch den ausgezeichneten Schüler Pestalozzi’s, 11 . Zeller , unterrichten lassen. Derselbe verdienstvolle Alann ist im J. 1809. von dem Könige •von Preufsen berufen worden, um Schulmei- ster-Seminarien in allen Provinzen des Reichs zu gründen, und die Pestalozziscbe Alethode allgemein einzuführen. Was in Spanien durch die Königliche Regie- rung Ferdinands unter Leitung des schweitierischen Oberst Voitel zur Verbreitung dieser Methode vor einigen Jahren geschah, ist bekannt. In dem J. 180g. sind 40 junge Männer aus verschiednen Ländern in Yverdun angekommen, (worunter auch einige Juden), von denen die meisten von auswärtigen Regierungen hieher gesandt sind, um in einem { vollständigen Cursus die Methode vollständig zu erlernen *). — Neben der grofsen Ppstalozzischen Anstalt hat seit a Jahren II. von Türk (welcher aus dem gemeinnützigsten Eifer seine Stelle als Regierungsrath in Oldenburg aufgab, um sich ganz der Erziehung wiedmen zu können) in Yverdun eine Privat - Anstalt für Söhne der hohem Stände gegründet, welche nur auf eine beschränkte Zahl berechnet ist, so dafs die Kinder neben allen Vortheilen der Pestalozzischen Schule, in welcher H. von Türk • ebenfalls Unterricht ertheilt, auch eine häusliche Erziehung geniefsen. Wege. Von Yverdun nach Neuchatel und Lausanne ( s. diese Artikel). Nach Morges durch Orbe, Lasarra und Cossoney ( s. diese Artikel ). Nach Mou- don und Payerne. Die Landstrafse nach Frankreich führt durch die Klus Laclees, Balaigues (bellae atjuae), Joigne 5 St. von Yverdun, wo die Grenze des Kanton *) S. Pestalozzis Schriften : Lienhard und Gertrude , die neueste Auflage von 1804. — i Ilc Gertrude ihre Kinder lehrt t Bern 1801.— Pestalozzis Elementarbücher.-— Pestalozzis Zeitschrift für Menschenbildung, — Amtlicher Bericht über Pestalozzis Unterrichts-Methode von H. Dekan Ith. Bern 1802. — Grüner über Peslaloz- *ä- Yverdun. 521 Waat ist, nach Pontarlier 4 St., und Besanpon. — Nach Motiers im Thal Travers ein Weg für Chars a hanc 4 St* — Ins Orbe — Thal (Val d'Orbe) geht der Weg durch Trois Covagne, Susseve , Mathou , res , Lignerolles und Balaigre 3 1 j 2 St. Bis hieher kann man fahren, und von da geht man zu Fufs nach / Vallorbe . (’S. die dortigen Sehenswürdigkeiten unter dem Art. Orbe-Thal)* Pflanzen. In der Gegend von Iverdun wachsen eine Menge Sumpfpflanzen. Unter andern : Utricularia vulgaris . Sagittaria sagittifolia. Oenanthe ßstulosa , slllium senescens. Tka «* lictrum flamtm. Jlottonia palustris • Graiiola officinalis • Poa aijuaiica , Selinum carvifolia, Butomus umbellatus , Hanunculus lingua und ayuatilis Leys . Ophrys spiralis. Zathyrus palustris • Fumaria solida Ilofm . Bey der Ziegelhütte von Granson : Chelidonium glaucium . Mentha gratis• sima . In den Feldern bey Mathode : jisperula arvensis , Caucalis grandißora, daucoides und helvetica . Delphinium consolida. Zathyrus ciccra y aphaca und tuberosus, Serrav tula tinctoria . Geognost. Thatsachen. Ueber die geogno- stische Beschaffenheit der Gegend und die ebmalige 5 St. westlichere Ausdehnung des Sees s. man den Art, Neuchateler - See . — Der Sandstein , welcher längs zische Lehrart, 1804. — II. wo» Türk über Pestaloz- zisclie Lehrmethode. — Johannes Niedrer über Pestalozzis gegenwärtigen pädagogischen Standpunkt im Februar i 8 o 5 . geschrieben, in Jenaer AUg. Litter. Zeit, in den Heften Aprill und May v, J. i 8 o 5 ., im IntelligenzblaU.T-* 52a Zeller-See. dem Jura auf dessen südlichen Schichten auiliegt, ist jie(* weich und untauglich ; in der Höhe enthält er viel S ^ 1 t Kalkspattheile und Versteinerungen, und an einigen J ttS Orten, wie am Berge de la Tour de la Moliere, ist /««<* er so hart, dafs Mühlesteine darin gebrochen werden. — p,' Oberhalb Buron , bey Serrnüz und Gresis , findet man yjg- dünne Schichten sehr schönen getsreiften Gypses zwi- la! sehen schwefligem Mergel. Diesen letztem Mergella- j ait l gern verdankt wahrscheinlich das Schwefelbad von y, t \i Yverdun seine Bestandtheile. — Bey Sussevaz findet j(n man Chamiten und Terebratuliten. Zwischen Yverdun p ar J und Granson liegen viele Granitblöcke. pinä y Zeller - See (auch Unter - See genannt). So somiei nennt man denjenigen Theil des Boden-Sees, welcher läoch' an der nördlichen Grenze der Schweitz zwischen dem 3 .Jahi K. Thurgau und Schwaben gelegen, St. von Kon- ud stanz anfängt, und sich bis Stein nordwestlich, und ßj bis Zell nördlich ausdehnt, von welchem Städtchen ltn |, dieser See seinen Namen trägt. Die schweizerischen lohten Ufer sind sehr lebendig und schön, die deutschen öde. Von Konstanz nach Zell liegen am schwäbischen Ufer ^ Wollmatingen , IJegnen und Alienspach , und von Zell nach Stein trifft man Moos, Weiler, Gundelzen ^ und Horn, die Schlösser Geienhofen, Marbach, die Dörfer Kattenhorn , Wangen, Kloster Oeningen (von ^ ^ Cuno von Oeningen im 965. gestiftet), und Stiegen ^ ^ am Ausflusse des Zellersees. Am schweitzerischen Ufer . $ , Zeller-See. ' 52^ liegen, von Stein an, Eschenz, Mammern Dorf und Schlofs, Kloster Feldbach , Stadt Siekborn, Berlingen, uraltes Schlofs Sandegg , Mannebach , Salenstein, Arenenberg, zwey Schlösser, Ermattingen, Triboltin- gen, und Gottlieben beym Einflufs des Rheins in den Zeller - See. Insel Reichenau. In diesem See schwimmt die Insel Reichenau , Sintlesau zur Zeit der fränkischen Könige genannt, nach einem von Sintles, unter dessen Vogteyamt Pirminius, Bischof von Meaux, unter Carl Martei im J. 724. hier ein Benediktiner - Kloster gründete, welches eine der reichsten Abtcyen in Deutschland wurde. Der Abt hatte fürstliche Würde. Die Abtey besafs eine kostbare Sammlung von Handschriften, besonders für die Geschichte des Mittelalters. Ein Mönch derselben, Graf von geringen, übersetzte im XI. Jahrhundeft den Aristoteles aus dem Griechischen and besonders aus dem Arabischen. — Kaiser Karl der Dicke liegt in dieser Abtey begraben , welcher 888- starb, nachdem er alle Kronen Karl des Grofsen ver- lohren , und wenige Wochen in dürftiger Einsamkeit zugebracht hatte. — Die Insel ist 1% St. lang, ^2 St. breit, und enthält in den drey Dörfern St. Johann, Ober- und Niederzell 1600 Einwohner. Am östlichen Ende sind die Ruinen der Burg Schöpfen. Im Herbst schwindet der See so sehr, dafs man von Schöpften nach Wollraattingen trocknen Fufses gelangen kann. Die Insel ist fast ganz mit Weinbergen bedeckt; der befste Wein des ganzen deutschen Ufergeländcs um \ 524 Zeller-See, den Bodensee ist der Schleitheimer auf der Insel Rei- chenau. Auf dem höchsten Hügel der Insel steht ein ^ Kreutz , wo sich eine herrliche Aussicht darbietet. — ^ Die Abtey kam in Verfall, wurde im J. 1538. dem ^ Hochstift Konstanz einverleibt, und gehört nebst der W irt Insel und den schwäbischen,, Ufern am Zellersee seit ® ^ 1802. dem Groftherzog -von Baden. Merkwürdige Versteinerungen. Oenin- W 5 ger-Bruch. In dem Steinbruche bey Zell , und bey A® Berlingen , schöne Versteinerungen von Flufsrauscheln, m* Erd- uno Wasserschnecken, Baumstämmen und Zweigen, S 1 Blättern und Früchten aus der hiesigen Gegend. Am im merkwürdigsten ist aber der Oeninger-Schief erbruck, ftiok welcher zwischen Wangen und Oeningen, St. von Cwfl letzterm Ort, 1 St, vom See, an der Südseite des ^Mlia Schienerberges , 5-600 Fufs über den See liegt. Der Krag Bau des Bruches wird vom Ziegler und Kalkbrenner Jamlsti zu Unterbühl besorgt. Das Stift Oeningen erwarb im rsolfu J. r68°* diesen Bruch, welcher damals schon lange bekannt war, und liefert Kalksteine zum Pflaster, zu 5 te j,, Gebäuden und Bddhaucrarbeit. In der Kirche des jj Stiftes Petershausen sind Statuen aus diesem Steine zu j tIl sehen. Erst 1708. werden die Oeninger-Schiefersteine g tl( j durch Dr. J. J. Scheuchzer in Zürich und Dr. Lang in Luzern der wissenschaftlichen Welt bekannt, und ^ seitdem sind sie ein Handelszweig einiger Bürger zu Stein geworden , und wandern nun nicht mehr blofs in den Kalkofen. Die schönste Sammlung der Petrefakte ^ dieses Bruchs fanden sich bey Jäh. Gefsner (jetzt phy- Zeller-See. 525 sikalische Gesellschaft in Zürich), Dr. Rathsherr La- vater , Pf. Rahn in Zürich, Freyherr von Deuring in Gottmattingen, Dr. Amman in Schafhausen, im bischöfi. Naturalien - Kabinet zu Mersburg , des Reichsstifts Petershausen in Schwaben, und des Klosters Rheinau im K. Zürich. 1) Der obere oder der Steinbruch bey Suhl wird zu 31. F. in der Tiefe angenommen , und besteht von oben aus schwarzer Dammerde 7 F. , aus Thonerde und Mergel 2 F., Stinksteinschiefer it. Pflanzenblätter 8 F., Schicht - Mergel 6 Zoll, und unter dieser folgen nun in einer Tiefe von 12 - z3 Tufs 18 Schichten Stink - Kalksteinschiefer von verschiedner Farbe und Gewebe, welche theils Fische, theils Muscheln, theils Pflanzentheile und Insekten enthalten. Diese an Versteinerungen reiche Flötze ruhten auf dem bläulich-grauen Sandstein , der die ganze Gegend durchzieht. Die zwölfte Schicht, von der Dammerde an gerechnet, di» Tischplatte genannt, 3 Zoll dick, und vom weifsesten Stein des ganzen Bruches, enthält sehr viele Fische. 2) Steinbruch bey PVangen , % St. südl. vom vorigen Bruche, an einem steilen Abhange des Berges, grade oberhalb dem Dorfe Wangen, von welchem man hinaufsteigt. Der Bruch ist verlassen, und seit 1800. mit Gesträuch überwachsen. Unter der Dammerde folgen 2 Schichten Mergel 10 F., 3 Schichten Kalk~ steine 2-3 F., dann Kalkschiefer mit Versteinerung; dieser Kalkschiefer unterscheidet sich durch seine fast okergelhe Farbe, durch gröfsere Härte, durch die Glätte der Oberfläche und den gänzlichen Mangel des stinksteinartigen Geruchs vom obern Bruch. In dem obern Bruche Anden sich : VieTfüfsige Landthiere, als ein Iltis, Hirsch, Mause u. s. w.; Theile von Vögeln ; Amphibien , als Schildkröte, Frösche , Kröte, Schlangen, Blindschleiche, Fische in aufserordentlicher Menge und ganz vortreflich erhalten, so dafs man an ihnen sogar die Flossen mit ihren Strahlen, die Knorpel des Kopfs, die Zähne, die Kry- stal-Linse, die Kiemendeckel, Schuppen, und das eingetrocknete Fleisch am Rumpfe erkennt; Stücke von 16 Z. bis 2 F. und mehr Länge, und 6-9 Zoll Breite; Insekten allerley Art, Krebse, Sumpfkrabben, deren Oti- ginal bisher in diesen Gegenden noch nicht aufgefunden ist , Gewürme ; Wassermuscheln , Landschnecken; Pßanzentheile in ungeheurer Menge, unter diesen auch Theile von Nufsbäumen, Linden, Maulbeerbaum, (Myr- thensträuche,Pflrsichbaums-und Zypresscnblätter-Abdrücke sind vielleicht etwas zweifelhaft), Wallnüsse, Blätter, Stengel, Blüthen und Saamen von Wasserpflanzen, Weiden, Pappeln, Bim, Apfel, Kirschen, Pflaumen, Buchsbaum, Erlen, Eichen. Obgleich das meiste, was sich in diesem Schieferbruch flndet, aus der Gegend ist, und man sieben bis zehenterley Karpfen, 10 andere Flufs- und Bodensee-Fischarten erkennt, so Anden sich doch auch Fische mit einem Hörne, andere mit grossen Köpfen und sehr dünnem Rumpfe, welche noch gar nicht bestimmt sind , Theile von Meerfischen , Meerkrabben , Zähne des Mammuth vom Ohio, wo- Z O F IN C E N. 537 von Hr. Dr. und Rathsherr Lavater in Zürich ein Exemplar aus diesem Bruch besitzt. Merkwürdig ist es, dafs in den 18-20 Schichten dieser Brüche eine periodische Wiederholung derselben Gebilde statt findet; denn es zeigen sich darin 6 Abwechselungen von Petre- fakten enthaltenden Schiefern mit andern Stinksteinschiefern , weiche keine organische Körper, oder doch fast keine Spur davon enthalten. Z 1 l 1 s, Dorf im Schamser -Thale, K. Graubiindten, an der Strafse nach dem Splügen, Winhshäuser: Adler und Löwe (Leuen }; bessere Gasthäuser zu Andeer (s. diesen Art. und Schamser-Tkal). Hier in Zilis steht, die älteste Kirche des Schamser - Thaies, welche vom König Otto dem Bischof von Chur im J. 940. geschenkt wurde. Zofingen (lat. Tobinium) Städtchen im K. Aargau. Winbshäusei : Sonne und Röfsli, Liegt am Ausgange des Wigern- Thaies, an der LViger , welche in den Luzerner -Bergen entspringt, die goldführende Luttern, die aus den Sand- und Nagelfluebergen des Ent- lebuchs und Emme - Thaies herabfliefst, oberhalb Zofingen aufuimmt, und bcy Arbig in die Aare fällt. Die Heerstrafse von Luzern nach Bern und Aarau führt* durch Zofingen. Geschichte. Der Graf von Froburg gründete hier im J. i2ii. das Stift Zofingen. Im J. 1251. unterwarf sich die Stadt dem Graf Rudolph von Habsburg, u nd blieb unter dem österreichischen Hause bis 1415. während welcher Zeit die Bürger 31 Kriegszüge im 528 ZOFINGEN. Dienste Oesterreichs thaten, bey welchen sie sich öfters $ durch die höchste Tapferkeit auszeichneten, wie der 5 *** Schultheifs Nikolas Thut in der Schlacht von Sempach ^ 1386. Als die Eidgenossen auf Befehl des Königs Sig- ^ mimd in der Kirchen-Versammlung zu Konstanz im J. lin® 1415. dem in die Acht und Bann gethanen Herzog 1 Friedrich von Oesterreich den Krieg erklärten, wurde Zofingen von den Bernern belagert, denen es sich er- G>® gab. Seitdem war es eine Munizipalstadt mit vielen litt Freylieiten in dem K. Bern; seit 1798. macht sie einen is Theil des K. Aargau aus* Merkwürdigkeiten. Das Städtchen zeichnet sich Aar durch den lebhaftesten Erwerbs - Fabriken- und Handels- HB. geist aus. Leinewandbleichen, Leinen- Seiden- und Halb- jördl, seiden-Band-Fabriken, Zitz- und Kattun-Druckereyen J(wr, u. s. w. — Die Wiesenwässerung wird hier im vollkom- jjg j, mensten Grade ausgeübt. — Sehenswerth die Stadtbiblio- thek, welche im J. 1693. angelegt wurde, ein vortrefliches y, „ Münzkabinet und merkwürdige Briefe der Schweitzer-Re- ^ ^ formatoren und das Künstlerbuch enthalt. Die helvetische ^ Gesellschaft (s. Olten) begann wieder in Zofingen am 1. ^ Jun. i 8 ° 7 « Dr. Suter, botanischer Schriftsteller und Arzt ^ ■ zu Bern, ist von hier.— Nahe bey Zofingen standen auf - jjy Hügeln die vier Burgen, JVyken genannt, von denen 1415* — *J F zwey eingenommen und gebrochen wurden. — Zu Culm, Ai 2 St. von Zofingen, entdeckte man 1 JS 8 - ein römisches ^ hager der XXI. Legion auf dem Mauerhubel , welcher l fl das Thal und den Eingang in dasselbe beherrschte. Si Schmidt de Rossan Description des Antiquites decouver- 1 Ce tes ä Culm. In dem Boo - W'alde bey Zofingen stehen ZÜRICH. 529 die gröfsten und schönsten Tannen (Pinus abies ) der Schweitz. In der Nähe von Zofingen werden Muriciten gefunden. Zügen, ein merkwürdiger Felsenpafs im K. Grau- bündten ( s. jilveneu ). Zürich ('die Stadt). Wirthshäuscr: Schrverdt und Rabe.' Beyde genicfsen der schönsten Lagen unter allen Gasthäusern der Schweitz ; die Aussichten aus allen Zimmern der Vorderseite des erstem, besonders aber aus den Eckzimmern des dritten Stocks, sind prächtig*) f Lage und Klima. Das Observatorium auf dem Karlsthurme zu Zürich liegt, zufolge der Messungen der HH. Feer und Paulus Usteri unter dem 47 °, 22', 15 11 nördlicher Breite, 26°, 12% 24“ der Länge, 1279' üb, Meer, an den Ufern der krystallhellen Limmath , welche hier aus dem Zürcher - See tritt, mitten durch die Stadt fliefst, und innerhalb derselben den Wolfs- Bach und die zahme Sihl aufnimmt. Die mittlere Barometerhöhe ist 26", 9 ; das Reaumürsche Thermometer fällt im Winter 22 0 unter den Gefrierpunkt, und steigt auf 22 Q Wärme und darüber im Sommer. Das Thal (oder der Li/zf/t-Kessel), worin Zürich liegt, zieht von SSO. nach NNW., ist von dem Zürcher- Berge bis am Fufse des *) Fremde Familien, welche in der Gegend Zürichs einen Aufenthalt machen wollen, werden in dem Landhause der Mad. Ott vom Schwerdt — nicht weit von der Sihl- brücke, und Gefsners Denkmal auf dem grofsen Schii- tzenplatz gegenüber — die freundlichste Wohnung, die angenehmste Gemächlichkeit und die zuvorkommendste Gefälligkeit in der Besitzerin finden. IV. 34 Hütli i St., die eigentliche Thalebne aber nur ^ St. breit und wird von Bergreihen eingeschlossen, die sich 12- 1500 F. über den See erheben. Die gröfste Hälfte der Stadt am Fufse des Zürcher- und Susen- Bergs, und die kleine Stadt an dem Hügel der Peters- Kirche und des Linden-Hofes haben viele ansteigende Stra- fsen ; nur die Vorstädte Thalacker und Stadelhofen liegen ganz wagrecht; drey Brücken, wovon nur eine für Wagen, verbinden beyde Tlieile der Stadt. Geschichte. Zur Zeit der Römer stand hier ein Ort, Thuricum *) genannt. Dieses erhellt aus einem römischen Denkmal, welches man im J. 1747- innerhalb der jetzigen Stadt fand, und auf der Stadtbibliothek aufbewahrt wird. In den JJ. 1766. und 1787. grub man auf dem Münsterhofe und am Eingänge des Spithals Gräber mit Gefäfsen voll Münzen von Vespasian aus. Von Tespasians Regierung an hob sich Thuricum , und wurde eine Zollstadt, welche auch die Römer Statio rjuadragesima Calliarum nannten. Im V. Jahrhundert zerstörten sie die Allemannen; sie ward bald nachher, unter dem Namen Casteilum Turegum , wieder aufgebaut, und gehörte unter der fränkischen Herrschaft zum Herzogthum Allemannien , und besonders zum Pagus Turigavi oder Thurgoviae. Mit Anfang des VII. Jahrhunderts ward in dieser Gegend das Christenthum ein- *) Nicht Tigurum , wie man immer geglaubt hat. Welchen Theil llelvetiens der Pagus Tigurinus, wovon Caesar, Stralo und andre sprechen, eigentlich ausgemacht hake, ist noch unentschieden. ZÜRICH. 53 t geführt, und. im J. 697. erbaute Ruprecht , fränkischer Grofser in dem allemannischen Ilelvetien und Besitzer von Gütern am AIbis, auf einem Hügel zu Zürich das Crofs-Münster, welches unter Carl dem Crossen sehr begabet wurde. Im J. 885 - erbauten Hildsgarde und Bertha, Töchter des Königs Ludewigs der Ostfranken, Urenkelinnen Carl des Grofsen, am linken Ufer der [Jrnmat , das Frauen - Münster , welches sehr grofses Ansehen gewann, als Regulinde (Tochter des ersten bekannten Grafen von Nellenburg , Witwe des ersten und zweyten, Schwiegermutter des dritten, Mutter des vierten, und Crofsmutter des fünften Herzogs von Schwaben ) im J. 948. Aebtissin desselben wurde. In Urkunden vom J. 929 . heifst Zürich schon Civitas Turegum und Turicum , in der Landessprache Turek und Turik ; und vor Ende dieses Jahrhunderts war sie eine der be- 'rühmten Reichsmünzstädte, welche daraus, dafs sie an der Handelsstrafse zwischen Deutschland, Burgund und Italien lag, grofse Vortheile zog. W ährend dieser Zeit entstand die grofse und kleine Stadt, und beyde Theile wurden mit einer Mauer umgeben. Sie arbeitete sich immer mehr zur Freyheit emper, wurde im J. rar8. zur freyen Reichsstadt erklärt, schlofs zu ihrer Sicherheit ihr erstes Bünduifs im J. 1251 . mit den drey Waldstädten Uri, Schwytz , und Unterwalden , und wählte den Graf Rudolph von Habsburg (nachmaligen Kaiser) zu ihrem Ilauptmann, mit dessen Hülfe sie bald nachher alle feindliche Burgen in ihrer Nachbarschaft eroberte und zerstörte. Gewerbe, Wohlstand, freyere Denk- 53 2 ZÜRICH. , art und Selbstgefühl blühten immer mehr unter den Einwohnern Zürichs auf. Sie verachteten den Bann des Pabstes, und jagten die Priester und Mönche, welche demselben Folge leisteten, aus der Stadt; sie schlossen Bündnisse mit allen Städten bis an den Maynstrom; vertheilten sich in Zünfte, lehnten sich gegen die bisher hestandne Adelsregierung, und stürzten sie im J. 1336. unter Anführung des Partheyhauptes Rudolph Brun , (dessen Geschlecht schon am Ende des XII. Jahrhunderts erscheint) eines der merkwürdigsten Karaktere in der Geschichte des Zürcherschen Freystaats. Diese Begebenheit gründete die Volksfreyheit und demokratische Regierung der Stadt, verwickelte sie vom J. 1337. an in die blutigsten Fehden mit dem vertriebnen Adel und den Grafen von Rappersrryl*), und zwang den Bürgermeister Brun , um gegen die Rache der Herzoge von Oesterreich wegen der gänzlichen Zerstöhrung von Rappers- vyyl und Gefangenhaltung des Grafen Hans von Habs— *) Die Vertriebnen aus Zürich fanden bey dem Graf von Hahsburg - Rappersweil Schutz und Unterstützung; er befehdete Zürich i336. und wurde dabey erschlagen. Sein Sohn Johann und viele Ritter liefsen sich durch die Vertriebnen in eine heimliche Verschwörung gegen die Stadt Zürich im J. t35o. ein, wobey sie in einer Nacht die ganze Gegenparthey ermorden wollten. Viele der Ver- schwornen hatten sich in die Stadt geschlichen. Ein Beckersjunge, welcher in dem Zimmer des Wirthshauses zu schlafen schien, wo die Häupter die letzte Verabre* düng hatten, hörte und entdeckte die Gefahr. Mit Mühe rettete sich Budolph Brun aufs Rnthhaus, wo er die Sturmglocke ziehen liefs. Es entstand in allen Strafsen K *«! nii iJtr lei seid H Jo « Si kr >55' cer 1! seit i iirch iiotse HiiCD tte'l ei C V 1 I II H Ti «i ) Gr lei U ZÜRICH. 533 bürg Hülfe zu suchen, in den eidgenössischen Bund mit Uri , Sckryytz , Unterwalden und Luzern zu treten, welcher Anfangs May 1351. in Zürich besiegelt wurde. Oesterreich , dadurch noch mehr aufgebracht, überzog nun Zürich mit Krieg, und wollte den wachsenden Bund der Eidgenossenschaft gänzlich vernichten, welche wegen dieser Gefahr im J. 1352. Glarus und Zug, und im J. 1353. Bern in ihren Verein aufnahm. So erwuchs die freye Schweitzer-Nation unter jeder neuen Gefahr schnell zu immer höherer Kraft, und ihr Name wurde bald ein Gegenstand des Schreckens und der Bewunderung. — Die Stadt Zürich besafs im J. 135z. aufser ihren Mauern nichts als einen Wald an der Sihl und einige Güter am See, erwarb sich aber seit 1384 * * his zum Ende des XV. Jahrhunderts theils durch Eroberung, meistentheils aber durch Kauf, das grofse Gebiet des jetzigen Kantons. Im J. 1353. erschien Herzog Albrecht von Oesterreich vor Zürich, weil die Stadt den Graf Johann*) gefangen hielt, und ein heftiger Kampf, wobey die Verschwornen unterlagen. Graf von Toggenburg ertrank in der Limniat, Johann von Rappersweil und Bonstetten wurden gefangen. Drey Tage lang blieben alle erschlagnen Feinde auf den Stra- fsen liegen; 37 mitverschworne Bürger und einige Vorsteher aus den alten Geschlechtern wurden vor ihren Häusern enthauptet und aufs Rad geflochten. Sieben Tage nachher zog Brun nach Rapperswyl, nahm es ein, und zerstörte es bis auf den Boden (s. Rapperswyl ). *) Graf Johann lag als Gefangener in dem PVeilenberg mitten in der Limniat 2 ,\Ji Jahr; er milderte sein hartes Loos durch Verfertigung von Gedichten, unter andern: * 554 ZÜRICH. Rappersrrjl nicht wieder aufbauen wollte, und bald darauf wurde Friede vermittelt. Der Herzog ciklärte dem ohngeachtet im folgenden Jahre von Neuem Krieg an Zürich , so wie auch selbst der Kaiser, und es erschien auf einmal ein Heer von 44,000 M. vor der Stadt. Ohne weitere Ereignisse zog der Kaiser sehr schnell wieder ab; aber im nächsten J. 1355. unterschreibt der Bürgermeister Brun einen Bund mit Oesterdeich, nachdem er sich heimlich für ein Jahrgehalt an Oesterreich verpflichtet hatte ; Brun starb t56o.— Ein zweyter grofser Bürgermeister war Rudolph Stüjsi, welcher von 1414 — 1444. der erste Staatsmann und die «Seele dieses Freystaats war, und die schrecklichsten Begebenheiten in der Eidgenossenschaft veranlafste. Voll Patriotismus für sein Vaterland suchte er Vcrgröfserung seines Kantons. Vom J. 1431. begann er Unterhandlungen bey dem Graf Friedrich von Toggenburg zu diesem Zweck, dem der Landammann vom K. Schwytz, ltal Reding entgegenwirkte, und hiemit begann die gegenseitige Erbitterung zwischen diesen beyden leidenschaftlichen Staatshäuptern, welche nach dem Tode des Graf Friedrich (imj. 1436-) über die Erwerbung eines Theils seiner Herrschaften in die Flammen des Bürgerkriegs ausbrach. Stüjsi zog im J. 1437. zum ersteB- tnal, und 1439. tum zweytenmal gegen die Schwytzer > Ich weijs ein schönes Rlümlein u. s. w. — Ulrich von Bonstätten wurde früher aus der Gefangenschaft erlöst; von ihm und der Tochter des Helden Rüdiger Manefs in Zürich stammen die noch in Bern bestehenden Bonstätten . (*• Pfeffikon, Gaster , Toggenbnrg , Sargans). Die Pest stürzte im J. i 439 - ^ en vierten Theil der Einwohner der Stadt Zürich ins Grab ; aber die Wuth der Leidenschaft minderte sich nicht. Schurytz und Glarus , und gleich darauf alle übrige Eidgenossen , sandten Fehde an Zürich. Der Kanton wurde eingenommen, verwüstet, und Zürich erhielt im gleichen Jahr Frieden mit Verlust von den Dinghöfen Ilurden , TVolrau , Pfeffihon u. s. w. am See, welche der K. Schwytz sich einverleibte. Leidenschaft trieb Stüfsi und die Räthe von Zürich zu Abschliefsung eines Bündnisses mit Kaiser Friedrich von Oesterreich im J. t 4 4 3 -1 worauf der Kaiser die Grafschaft Kyburg von Zürich zurückerhielt, ganz Aargau von Bern zurückforderte, selbst nach Zürich kam, und durch die Kantone bis Genf reiste. Zürich steckt im J. 1443. das österreichische Feldzeichen auf, und österreichische Hauptleute werden Befehlshaber in Zürich und Rappersrryl. Die Erbitterung der Eidgenossen hierüber erstieg den höchsten Grad, und Schrrytz erklärte zuerst im May 1443. Krieg an Zürich und Oesterreich. Die ersten Schlachten s. unter Pfeffihon, Baar und Morgen. Vom 18. May bis 19. Juny wurde der K. Zürich verheert. Als Markgraf VEilhelm Truchsefs , Verweser Oesterreichs in dessen Vorlanden, den Gang des Kriegs sah, und die übrige Lage Oesterreichs keine Hülfe verstattete, so wandte er und der Kaiser von Oesterreich sich an den König von Frankreich Karl VIT., um ihn zu bewegen, gegen die Eidgenossen ein Ileer Franzosen anrückcn zu lassen. Die Schwytzer und Glarner zogen unter lla.1 Reding und Jost Tschndi den 22 . July z444* über den Albis durch Birmenstorf, Kieden und Wiedikon gegen die Stadt Zürich, Der Streithaufe der Zürcher stand jenseit der Sihl zwischen Wiedikon und dem Siechenhause unter dem Bürgermeister Stiifsi und Thiiring von Hallwyl. Die Schlacht begann. Durch eine List Redings wurden die Zürcher in den Kücken genommen, wodurch ein solches Schrecken entstand, dafs alle Zürcher nach der Sihlbrücke zurückflobeu. Stiifsi , mitten auf der Brücke, suchte mit aller seiner Macht die Fliehenden aufzuhalten, stand fest und hielt die Feinde auf, bis ein Bürger Zurkinden ihn mit den Worten: „ Bey Gotteswunden ^ du bist an Allem schuld!" niederstieis. Nun stürzten die Glarner und Schwytzer über die Brücke durch die Vorstadt an die Stadtthore, wo viele Zürcher fielen, bis die Zugbrücke niedergelassen und das Fallthor aufgezogen wurde, wo dann mit den fliehenden Zürchern auch Feinde in die Stadt drangen, wo der Landschrei- Ler von Glarus dem Bannerträger von Zürich die Fahne entrifs, und ihn erschlug. Im Schrecken vergals man das Thor zu schliefsen, bis ein Weib Zieglerin das Fallthor niederliefs. Die eingeschlofsnen Feinde wurden getödtet, und man schofs von den Mauern anf die Schwytzer und Glarner , welche rund um Zürich alle Dörfer und Häuser bis Altstädten und Kilchberg in Brand steckten, den Leichnahm Stüfsi’s in unzählige Stücke zerhieben, und dessen Herz zerbissen, auf blutigen Leichnahmen sitzend zechten und dem Brande zu- / sahen. Andere Züge von der Grausamkeit und Par- theywuth in diesem Bürgerkriege sehe man unter dem Art. Greifensee. Zürich wurde nun zehn Wochen aufs strengste belagert, während welcher Zeit die Eidgenos - sen gegen das Heer der Franzosen, welches König Karl VII. gegen die Schweitz gesandt hatte, zu Sc. Jacob bey Basel die ewig denkwürdige Schlacht fochten (s. Basel). Der Bürgerkrieg währte noch einige Jahre, bis 1450. der Friede hergcstellt wurde, vermittelst welchem der Bund Zürichs mit Oesterreich vernichtet, und Zürich wieder zur Eidgenossenschaft treten mufste ( s. Constanz , Lindau). — Auf der grofsen Tagsatzung zu Zürich im Jenner 1474. wurde der Bur- gundische Krieg beschlossen, indem die Eidgenossen mit Oesterreich einen ewigen Frieden machten, und gegen eine Summe von 150,000 Gld. alle Ansprüche auf Hochburgund zu Gunsten Erzherzogs Maximilians und Maria , seiner Gemahlin, entsagten. Es waren hier die Gesandten der acht alten Kantone, ihrer Bundesgenossen in der Schweitz und Elsafs, des Königs von Frankreich, des Kaisers, der Erzherzoge, der Herzog Renat von Lothringen, Erzbischof von Besancon, eine grofse Zahl Grafen, Herren und Ritter, so dafs gewöhnlich 400 Männer die Sitzungen der Versammlung besuchten.— Vom J. 1483. stand an der Spitze dieses Freystaats als Bürgermeister der grofse Feldherr Johann JValdmann *) ( s. Baar , Granson und Murten ), der *) Pt'aldmann wurde als Hauptmann von 2000 Schweitzern im J, 1462. dem Churfürst von der Pfalz Friedrich in 538 ZÜRICH. angesehenste Staatsmann und reichste Bürger der ,lf Schweitz , dessen durch Partheywuth herbeygeführtes schmahliges Ende unter Henkersbeil am 6 . April 1489. ^ seine Geschichte nur desto merkwürdiger macht * *). Im ,#1 Anfänge des XVI. Jahrhunderts erscheint hier Ulrich Zn' ; ngli , dieser aufserordentliche Mann, welcher mit ^ den Kenntnissen eines Gelehrten die Einsichten, die ^ Weltklugheit und Gewandheit eines Staatsmannes ver- M band , und mit dem seltnen Muthe einer tugendhaften Seele, welche Wahrheit, Vernunft und Würde der 4 * Menschheit heilig hält, die religiöse Reformation hier ®>‘ im J. 1519. begann (s. TVildhaus und Kappel Zü- m rieh geniefst den Ruhm, die edeln Bemühungen dieses Mo grofsen Mannes auf alle Art unterstützt, und zur Be- iS förderung der Geistesfreyheit in der Schweitz wesent- im 6 lieh beygetragen zn haben. 6tfed Neueste Geschichte. Während des letzten Ufa, Krieges befand sich die Stadt Zürich stets in den gröfs- Ju r seinem Kriege gegen den Kaiser zu Hülfe gesandt von den sieben alten Kantonen. JKaldmann vollendete des Churfürsten Sieg hey Seltenheim im J. 1462., wo drey Fürsten seine Gefangnen wurden. Im J. 1468* erscheint TFaldmann als Liauptmann der Spiefse in dem Kriege gegen Oesterreich hey der Belagerung von fj'aldshut und von 1474. an glänzt er in dem Burgundischcn Kriege ganz besonders hervor. *) S H. H. Füfsly’s Ritter Johann Waldmann u s. w. Zürich 1780.. und Müllers Geschichte 11. s. w. V. Th. S. 365 —- 4 rh. — Waldmanns Leichnam war int J. 1646. in seinem Grabe zum Fraumünster noch ganz un- verwes’t. Sa; ( gröü iss, den Res in'rgi prnl itdti l»i Vorfe i* 1! ZÜRICH. 539 ten Gefahren; denn nirgends in der ganzen Schweitz war ein solcher Tummelplatz der feindlichen Heere und der blutigsten Schlachten, wie hier. --016 Stadt war immer der Mittelpunkt der Heere und der Gefechte." Die Franzosen drangen im Anfang des Merz 1798. in die Schweitz, und erscheinen am 37. April in Zürich. Nach dem Ausbruche des neuen Krieges rückten die Oesterreicher den 22. May 1799. bey Stein und Paradies über den Rhein in die Schweitz, und schlugen die Franzosen überall zurück. Am 2. Juni heftige und blutige Gefechte nahe um Zürich auf der Höhe von Vf'ytikon, den 3. Juni bey Zollikon und Riesbach , den 4. allgemeine Schlacht. Die Franzosen müfsen die Stadt und das rechte Limmath-Xiicc verlassen, und am 6. rücken die Oesterreicher ein. Unbedeutende Gefechte an der Südseite der Stadt den 8- Jtmi bey Albisrieden, den 15. bey l'Viedikon und in dem Hard. Das russische Heer kömmt am 18. August bey Zürich an; den 28. August zieht der Erzherzog Karl mit dem gröfsten Theile des österreichischen Heeres nach Schiraben , und der General Korsakow übernimmt zu Zürich den Oberbefehl. Den 4. September trifft die russische Reuterey, unter welcher Kosaken aus dem Ural- Gebirge waren, in die Linie des Heeres, deren Mittelpunkt die Stadt Zürich war; deren rechter Flügel am rechten Limmath - Ufer hinab nach Baden u. s. w., der linke Flügel von Schmerikon bis Wesen, und die Vorhut an der Südseite der Stadt fc-i St. weit nach der Sihl zu stand. Das französische Heer unter Gc- 1 54 ° ZÜRICH. neral Massena lagerte inzwischen von den ersten Tagen an, gleich gegenüber längs der Albis - Kette und am linken Ufer der Limmath und der Linth. Am 8. September die ersten Gefechte bey TYollishofen zwischen den Russen und Franzosen. Die russischen Befehlshaber und der englische Gesandte TVickham , (welche den Marsch des Gen. Surrarorrs kannten , und wufsten, dafs er am 25. September den Gotthard überstiegen haben und dann wenige Tage nachher in den Rücken des französischen Heeres einbrechen könnte, welches das Losungszeichen zum Angriff für das Heer Korsakows seyn sollte), hielten die Vernichtung der Franzosen für so gewifs, dafs sie alle Welt in die gröfste Sicherheit einlullten, und daher alle Familien wie mitten im Frieden in ihren Landhäusern blieben. Man ahndete so wenig Gefahr, dafs in dem Hause FVickham's für den 25. September ein aufserordentliches Gastmahl, zur Feyer der Ankunft Survarows an der Nordseite der Alpen, bereitet wurde. Der General Massena liefs inzwischen am frühen Morgen des 25. Septembers bey TVotlishofen auf die Vorhut der Russen den heftigsten Angriff machen, während dem die Division des Gen. Lorge zwischen Dietikon und Schlieren , genau an dem Orte, wo die Landstrafse von Zürich nach Baden dicht am Ufer des Flusses vorbey- führt, über die Limmath , und die Division Soult bey Eilten über die Linth setzen. Hier bey Dietikon hatte G. Massena hinter einem Hügel unbemerkt seine Schiffbrücke, und andere Anstalten bereitet. Nur an diesem OH fs;' Js® 1 iieF> lic F Mm in r DU 1 iie St ik je Urei i) sie litis US ], Wen sei i tesaht F ü( *3. s (t8i W« ZÜRICH. 5^1 Ort war der Uebergang des Flusses möglich, und die Franzosen erstiegen von hier die Anhöhen des rechten Limmathufers zwischen Höngg und Affcltern, und nahmen den Käferberg in Besitz. So wurde die Linie der Russen durchbrochen, und der rechte Flügel derselben von dem Hauptheere getrennt. Am 26. rückten die Franzosen vom Käferberg gegen die Stadt durch die Einsenkung zwischen Käferberg und Zürichberg , welche mit Wohnungen, Gärten, Weinbergen, Hecken, Mauern , Schluchten und Bächen durchschnitten ist. Man schlug sich den ganzen 26., während % Th eile des russischen Heeres nich . Theil an der Schlacht nehmen konnten, und die Franzosen drangen fechtend in die Stadt *). Die gänzlich geschlagnen Russen zogen sich jetzt theils bey Eglisau über den Rhein , theils durch Winterthur und Frauenfeld hinter die Thur , wo sie sich, während Massena gegen Suwarow im Mutta -Thale und in Glarus focht, (s. Altorf\ Glarus , Mutta-Thal und Pragei) behaupteten , aber dann am 7. October gezwungen wurden, den Schweitzer- Boden zu verlassen, und bey Büsingen über den Rhein nach Schwaben zurückzugehn. Ueber das Schicksal des linken Flügels s. Wesen. Der Stadt Zürich wiederfuhr in diesen schrecklichen Tagen kein Unglück, *) S. Relation detaillee du Passage de la Limniat effectuee le 3. Kendemiaire l’an 8. , pas le C. Dedon, chef de brigade de l'artillerie, avec une carte. Paris an IX. (1801). — Militärische Karte von der Gegend um Zürich, von D, Breitinger, i£04. Zürich, 543 ZÜRICH. als dal's einige wenige Häuser von Franzosen geplün- “ dert wurden (denn Massena's Eifer uud Zucht verhin- ^ derte gröfseres Uebel, und die Russen , obgleich vom ^ Hunger gequält, fielen in kein einziges Haus, sondern Laten aul den Knieen um Brod); aber sie hatte zwey ihrer geschätztesten Bürger zu beweinen. Der berühmte Lavater , Welcher am 2C. September, aus Menschen- liebe getrieben, einem vor seinem Hause von Franzo- sen bedrohten Mitbürger zu Hülfe eilte, erhält einen 011 Schufs in die Brust von dem Soldaten, welchem er so 1,1 eben Geld gegeben hatte; und der Zunftmeister Irmin- ^‘ ger wurde in seinem Garten von Russen erstochen, die ihn wahrscheinlich seines blauen Rocks wegen für ^ etl einen Franzosen hielten. Lavater litt an den Folgen ^ ' seiner Wunde den ganzen Wänter und das folgende ia f’ Jahr unaussprechlich, und starb den 2. Jenner 1801. ^ Im September 1802. als die KK. Uri , Schwytz und Unterwalden sich weigerten, die neue durch Notabein “i der Nation entworfne und der Annahme des Volks vor- gelegte Konstitution anzunehmen, und von der helve- pW tischen Regierung mit Truppen bedroht wurden, ver- i’de 1 schlofs auch Zürich den helvetischen Truppen die Thore. ferjll Der helvetische General Andermatt benutzte die Zeit «(ad eines mit den Waldstädten geschlofsnen Waffenstill- tleids Standes, und erschien in der Nacht vom 9-10 Sept. «ig,, mit seinen Truppen vor Zürich, welches er von einem kleinen Hügel bey der Brandschenke in der Gemeinde Enge , ohne gehörig vorhergegangene Auffordei ung, in der Nacht noch mit Kanonen und Haubitzen bescbofs, ZÜRICH. 543 aber ohne grofsen Schaden in der Stadt au verursachen. Die Bürgerschaft der Stadt, aufgebracht über dieses Benehmen des helvetischen Generals, bewaffnete sich nun allgemein, zog Milizen aus den ihr ergebnen Gemeinden des Landes an sich , trieb einen versuchten Sturm bey dem PVollishoJer - Thor ab, und beschlofs nun förmlich, sich den helvetischen Truppen zu widersetzen. General Andermatt verstärkte sich seinerseits mit Milizen aus den der helvetischen Regierung ergebnen Gegenden des Kantons, begab sich an die rechte Seite des Sees, und setzte sich den 12. Sept. auf dem Zürich- Berg fest, wo er Batterien aufwarf. Ihrerseits besetzten die Zürcher ihre Bonifikationen mit Artillerie, und organisirten Löschungsanstalten, um ihre Weigerung, die helvetischen Truppen aufzunehmen, nun aufs Aeufserste zu behaupten. Um Mitternacht zwischen dem t2. und 13. Sept. beschofs Andermatt neuerdings, ohne irgend eine Aufforderung zur Uebergabe vorangehen zu lassen, die Stadt, hauptsächlich mit Haubitzgranaten, glühenden Kugeln und einigen Brandkugeln.; viele Gebäude in der Stadt wurden beschädigt, aber überall konnte die Entzündung verhindert werden; und, ungeachtet diese Beschiefsung Zürichs bis den 13. Sept. Abends fortdauerte, ward doch in der Stadt niemand verwundet, als der verdienstvolle Diacon Schult hejs , dem die Scherbe einer Haubilzgranate, nicht weit von der Stelle, wo 3 Jahre vorher Lavater verwundet wurde, den Schädel verletzte, so dafs er 8 Tage darauf starb. Während dieser Zeit fielen mehrere kleine Gefechte 544 Zürich. auf der Landschaft zwischen den der Stadt ergebnen " Landbürgern und den helvetischen Truppen und ihren ^ f Anhängern vor. Endlich kam der helvetische Regie- rungs - Commissair May bey dem G. Andermatt an, stellte sogleich dieses zweckwidrige Bombardement ein, ^ iL und trat mit der Municipalität der Stadt in Unterband- 4 lung. — Mittlerweile nahm die Insurrection gegen die helvetische Regierung so überhand, dafs die helve- " ol tischen Truppen vom Zürich- Berg abziehen mufsten, P' um nicht von Bern abgeschnitten zu werden, Bern ^ gieng inzwischen durch Kapitulation an die von Ber- n nerbürgern angeführten Landleute vom Aargau über, ^ und die helvetische Regierung begab sich auf Lausanne; ihre Truppen aber, einzig noch durch die Militzen des ^ ihr treugebliebnen LVaallandes verstärkt, mufsten sich l * 1 schlagend vor der zahlreichen Armee der wider sie aufgestandnen Waldstädte , Zürichs , Aargaus und ^ Berns zurückziehen, bis endlich der französische Consul ^ Bonaparte diesem Bürgerkrieg ein Ende machte, die We Schweitz neuerdings mit Truppen besetzte , und die d« Mediationsakte zur Verfassung aufstellte, welche gegen- toi wärtig die Constitution der Schweitz bestimmt. Kunstfleifs und Handlung. Mit der An- flli nähme der Reformation entstand in Zürich eine neue ittj Thätigkeit. Landbau und Gewerbe wurden vervollkomin- net, der Kunstfleifs entwickelte sich, und stieg wie die Liehe zu den Wissenschaften zu einem hohen Grade, ' • Von dem XIII. Jahrhundert an wurden zwar in Zürich Wolle- Leinwand- Seiden- und Leder - Fabriken be- /1 ZÜRICH. 545 trieben; aber erst nach der Reformation schwangen sie sicli so empor, dafs der Handel nach den entferntesten Ländern eine grofse Ausdehnung erhielt. So wie die Seiden-Manufakturen zu Lyon und Tours in der Mitte des XVI. Jahrhunderts zu blühen begannen und dem Absätze Zürichs grofsen Nachtheil brachten, warf sich hier die Thatigkeit auf die Verarbeitung der Baumwolle, woraus endlich eine Manufactur erwuchs, welche einen grofsen Theil aller Einwohner des Kantons beschäftigte, bis in die J. ij 90. den höchsten Grad der Blüthe erreichte, und die Stadt Zürich zu einem der wichtigsten Fabrik- und Handlungsplätze der Schweitz erhob*). W issenschaften, Gelehrsamkeit und berühmte Männer. Eben so zeichnete sich diese Stadt schon irn Mittelalter durch Gelehrsamkeit verhältnifsmäfsig sehr aus, und wurde schon damals unter den Schweitzern das Gelehrte genannt. Schon in der Mitte des X. Jahrhunderts war der Priester Rudolph durch sein Werk über die Psalmen und der Dichter Merz (Amar- cius) berühmt. Konrad von Mure (Chorsänger am Münster, starb 1281.) schrieb die Gedichte: Fabularius de divers, poetarum fabulis (Fabelbuch) und Clypearius (Wappengedicht ); von dem erstem, welches im Beginnen der Buchdruckerey zu Basel gedruckt wurde, giebt ff. H. Hotlin§er den befsten Begriff in Schola Tigur. *) S. II. II. Schinz: Versuch einer Geschichte der Handelschaft der Stadt Zürich . fl Zürich 1763. — Und J. C . Hirzely über den Zustand der Oekonomie und Industrie in dem hanton Zürich. ir- 35 546 ZÜRICH. Mure schrieb ferner über die Natur der Thiere; über i die griechische Philologie ; die Folge der Kaiser und I» Könige; Reimkronik des grofsen Karl; das Lob Ru- jd dolphs von llabsburg und noch andere Werke. Hoger *ot Manefs , Dichter (lebte noch 1504. J, hinterliefs eine £>i Sammlung auserwählter Gedichte von mehr als 140 (in Verfassern, seit Heinrich von Vehleck am Ende des itU XII. Jahrhunderts an *). Boner , Fabeldichter (sein jb Gedicht, der Edelstein , wurde von Oberlin 178a. be- n kannt gemacht), und Hadloub, Dichter (dessen Gedicht ci über seine unglückliche Liebe in der Manessischen Samrn- ge lung ) lebten im Anfang des XIV. Jahrhunderts. Felix in Hemmerlin (Malleolus), 1389. in Züiich geboren, Vor- fen sänger und Chorherr am Münster, durch seine Gelehrsam- (feil keit für jene Zeit bewundernswürdig, besafs die gröfste Bibliothek, 5-600 Bände, in dem ganzen grofsen Bis- thuin Konstanz, schrieb mit der gröfsten Freymüthigkeit ^ und WMirheitseifer gegen alle Misbräuche und Laster *) Unter diesen Verfassern sind: Walther von der Vogel- weide, aus Thurgau; Hans von Rinkenberg; Heinrich von 1 Striitlingen; ein von Bubenberg; Jacob von Wart; liost 1 Kirchher aus Sarnen; Gelter aus Wallis; von Landenberg; ■* von Teilikon; von Klingen; Trostberg; Graf Krafton und Friedrich von Toggenburg; Werner von Honberg; >- Graf Hans von Rapperswyl; Graf Alhrecht von Rappers > , ^ wyl; Graf Ulrich und Rudolph von Neuchatel; Ulrich und Wotfram von Eschenbach-TVudenswyl; dieser letzte war vor allen Minnesängern seiner Zeit berühmt TFolJ- c lifl rum lobte 1207., als Landgraf Hermannen Thüringen auf der W.irtburg den berühmten Wettkampf der deutschen Di-hier hielt. Wolfram besang den Dichterkampf auf 4 er kVartburg y die Kreuszüge (auf der Bibliothek »u Zürich. - 547 der Geistlichen seiner Zeit, und gab mehrere Werke heiaus* *). Durch seine heftigen Schriften gegen die Schsrytzer während des schrecklichen Bürgeikrieges, worin Zürich so sehr litt, erregte er sich aufser der Geistlichkeit noch politische Feinde, wurde < 454 - ein Opfer des Hasses, und staib im Gefängnifs zu Luzern im J. 1464. (s. die umständliche Verfolgung dieses Mannes in Müllers Geschichte IV. Th. K. 4. S. 278 )-— Der Arzt Rudolph Schleusinger schrieb 147a. ein Weik über die Kometen , ohne Ortsnamen schön gediuckt. Am ersten Januar 1519. hielt Ulrich Zsringli in Zürich seine erste Predigt, und damit begann die Reformation in Zürich. Seit Annahme derselben entwickelte sich die Liebe zu den Wissenschaften in einem solchen Grade, dafs Zürich das Athen der Scliweitz wurde, und nach Verhältnis seiner Bevölkerung (zwischen 2-3000 Bürger) mehr grofse und berühmte Gelehrte in fast allen Zweigen der Wissenschaften her- Wien), die Abentheuer JKilhelm von Omnse, Titurels, Parcifal u. s. w. Casperson in Kassel und Heinrich Müller in Berlin gaben 1782. und 8 i. einige dieser Gedichte heraus. S. Docen Miscellanien zur Geschichte der allen Litterutur Deutschlands. München 1808 — 9. *) De nobilitate et rusticitate dialogus, theologiae, juiium philosophorum et poetarum sententiis, hisl. riis et face- tiis refertissimus, in Fol, »449 — Variac ohlccta- tionis opuscula. Fol. von Sebastian Brandt 1496. herausgegeben — Passionale, Registruni Quereiae, und andere merkwürdige Schriften welche noch ungedruclt sind. Der Schulmeister in Zürich, Aliktas von bKjl schrieb Hemnieileins Leben iin J. > 4 ^ 4 - 548 Zürich. vorgebracht hat, als keine andre Stadt der neuern Zeit. Die Nachfolger Zrvingli's in der ersten geistlichen Stelle, Bullinger, Cualter , Lavater , waren grofse Gelehrte und Schriftsteller; Bullinger schrieb das befste Schweitzerische Chronicon, Gualther war auch Dichter. Neben diesen glänzten im XVI. Jahrhundert Conrad / Cefsner , der gröfste Naturforscher seiner Zeit; Lee- mann , als Astronom; Jos. Simmler , der sein Werk de Republica Helvetiorum nach einem bewundernswürdig einfachen Plane schrieb; Petrus Martyr , berühmter Theologe (s. dessen Lebensbeschr. von Schlosser , Heidelb. 1809.); Hans Fiifsli , Haller , Stumpf, schrieben gute Zeitbücher (der erste war zugleich eifriger Beförderer der Reformation ; Jacob Ruef ( ursprünglich aus dem Rheinthal), dtamatischer Dichter; Keller , Dichter und Alterthumsforscher. — Im XVII. Jahrh. dann zeichneten sich aus : der Antistes Breitin- ger (eben sowohl durch seinen Patriotismus als durch seine Kenntnisse); der grofse Orientalist H. Hottinger; Heidegger , Schweitzer, Wolf Ardiiser , und so viele andre Gelehrte und Schriftsteller. — Das XVIII. Jahrhundert endlich war noch viel reicher an ausgezeichneten Gelehrten aller Art. — Unter die aufgeklärtesten Theologen zählen wir vornehmlich J. J. Zimmermann, J. J. Lavater, den verstorbnen Antistes Ulrich , Jolt. Tobler , in einigen Rücksichten auch den berühmten Joh. Casp. Lavater und die noch lebenden Antistes Hefs und Canonicus Nüscheler. — Unter die Philologen: J. J. Breilinger; Steinbruchei; Leonh. Usteri; y ZÜRICH. 5/j g * J. J. Hottinger; Bremi u. a. — Unter die Naturforscher: Die Scheuchzer; Joh. Cefsner; Dr. Hirzel; in neuern Tagen den Canonicus Rhan; die Schinzen; die Botaniker P. Usteri und J. J. Römer; den Entomologen J. C. Füfsli; den (gemeinnützigen) Mineralogen J. C. Escher. Unter die Geschichtskundigen : Die Bürgermeister Leu und Ott; die Rathsherren Sa/. Hirzel , Sdhinz und Fiijsli; Leonh. Meister. Unter die Geographen: J. Conr. Fiifsli und J. Conr. Fäsi. — Als Kunst— richter und -wesentliche Beförderer eines bessern Geschmacks leuchteten der schon erwähnte J. J. Breitin- ger , und J. J.Bodmer (st. 1783*) lange selbst Deutschland vor. Letztrer verdiente überdas, als Bildner der Jugend, vornehmlich durch Umgang, der Sokflates seiner Vaterstadt genannt zu werden. Dichter besafs Zii— rieh , neben ihm, einen einzigen, aber von der ersten Gröfse, den unsterblichen Salomo Cefsner , dessen früheste Arbeiten, Daphnis und ein Theil der Idyllen, schon im sechsten Dezennium des XVIII. Jahrhunderts erschienen waren. — Unter die Philosophen für^die Welt Heinrich Meistern. Mit Anfang des XIX. Jahrhunderts verbreitete Heinr. Pestalozzi durch seine wichtigen Bemühungen um Unterrichts-7 und Erzieliungs - Methode Ruhm über seine Vaterstadt und die ganze Schweitz+). (S. Yverdun ). *; S. L. Meisters berühmte Zürcher. 1 Th. Zürich 1782.— Zwingli’s Lebensbeschreibung von JSüschelcr-, dessen Verdienste um die Glaubensvereinigung in Europa in Planks Geschichte der Entstehung und Fortpflanzung des 55o ZÜRICH. K rl eg s h e 1 den. Rüdiger Manefs (1352.) Haupt- ronnn der Zürcher gegen die Oesterrcicher, und siegreich bey Tatrrj l; Ritter Schtvend, Felix Keller , .loh. FT oldmann, Rudolph Stiijsi , von Landenkc' e, waren grofse Feldhauptleute und Befehlshaber in allen Schlachten des XV. Jahrhunderts, und die ersten Staatshäupter von Zürich. Ulrich Stopfer , Konrad Engelhardt , Bürgermeister Marx Röust glänzten als Feldhauptleute in den Schlachten von Novarra und Maiignan in den 3 . 1512.— 1515.; in der letzten Schlacht blieben allein von den Ziirchern ßoo M. Auch in auswärtigen Kriegsdiensten haben sich stets bis ans Ende des XVIII. Jahrhunderts viele Zürcher in hohen Befehlshaberstcllen ausgezeichnet. Zürich besal’s stets grofse Staatsmänner unter seinen ersten Käthen und Häuptern. Alte Geschlechter. Von den alten Geschlechtern aus dem XII. Jahrh. bestehen noch die Wyfs, Keller , Meifs ; vom XIV. Jahrhundert tii Escher und Andere. Sehenswürdigkeiten. 1) Die Stadt - Biblio- theh (welche im J. 1628. gestiftet wurde, und protestantischen I.ehrhcgt iffs. — Lavaters Lehen, von ' Gelsuer, — Karl Ladewig von Faller Denkmal der Wah heit auf Joh. Kaspar Lavater .— Salomon Gefsner’s Lebensbeschreibung, von Fvttinger. — Briefe von lu>d- mer, Sulzer und Gesner aus Gleitns 1 literarisch m Nachlaß, herausgegehen von Körte, Zürich rfio.',., für die Geschichte der deutschen Litteratur von ij 5 o— i; 8 <>. sehr wichtig. *) Schon im J 1259. war für den Bücherschrank im Münster zu Zürich ein Aufseher. Lutold von Regensberg ZÜRICH. 55 t jetzt, nachdem sie die grofsen Bibliotheken von den Gelehrten Leu, Simm/er und Steinbriichel duich Vermächtnisse erhalten hat, gegen 40,000 Bände besitzt), ist in der sogenannten Wasserkirche aufgestellt; s. den Katalog der Zureiter - Bibliothek , B. V. u. VI. Zürich 1809. Die PJ'asserbirche wurde zwischen 147a. und 1479. unter Joh. fL'aldnann durch freywillige Steuern erbauet, und war der Siegeslempel; denn hier glänzten die eroberten Fahnen im Burgundischcn Krieg. Vorher stand auf dieser Stelle eine Kapelle zum Gedächtnifs, dafs hier die Stadtheiligen als Märtyrer umgekommen sind. Merkwürdig in der Bibliothek sind ; Das Original-Manuscript von Quintilian; ein Theil des Codex Vaticanus, auf violetgefärbtem Pergament; lateinische Briefe der berühmten Johanna Gray an Bullinger ; viele Handschriften Zsringli's ; Sammlung der Original- Briefe zürcherischer Gelehrten; 700 Handschriften die Schweitzer - Geschichte betreffend; das befste Bildnifs Zsringli's * *) und seiner Frau; eine Menge Bildnisse der Häupter des Zürcher-Freystaats vom J. 1356. bis 1798.; mehrere römische Alterthümer, welche in der Gegend und im K. Zürich sind gefunden worden, und ein aus 4000 Stück bestehendes Münz - Kabinet. Der Fremde kann zu jeder Zeit Eintritt erhalten. Dicht brachte im J. 1276. aus Viterbo die Jahrbücher Otto’s von Freisingen, welche mit dessen A nmcrkungeu versehen auf der Stadt-Bibliothek aufbewahit werden. *) S. einen wohlgerathnen Stich nach demselben an der Spitze von Ebels Gebirgsvölkeru, II. Bd, / i 5''-l - s 1 : 55^ ZÜRICH. an der Wasserkirche, worin die Stadt-Bibliothek aufgestellt ist, eine kalte Schwefel - Quelle, welche vor der Reformation den Mönchen zur Vermehrung des Aberglaubens diente, seit 1556. aus protestantischem Eifer verschlossen wurde, nachher einige Jahrhunderte verloren war, und erst vor wenigen Jahren wieder aufgefunden und eingefafst worden ist. 2) Die karolinische Bibliothek, welche im XIII. Jahrhundert ihren Anfang nahm, verlor kostbare Handschriften durch die Konzilia zu Konstanz uud Basel, ist aber noch reich an historischen Manuscripten, an den ältesten gedruckten Büchern uud Handschriften von Zwingli , Bullinger , Hottinger , Breitinger und andern Reformatoren und Gelehrten Zürichs, in 60 Foliobänden. Die Bibliothek und das grol'se herrliche Naturalien - Kabinct der physikalisch - ökonomischen Gesellschaft , welche das Herbarium des Naturforschers Johann Gejsners in 36 Foliobänden besitzt, in denen 7000 Pflanzen aus der Schweitz, Rufsland, von dem Cap der guten Hoffnung, aus Ceylon u. s. w. enthalten sind. Als H. Dr. Rahn sein eignes wichtiges und des Chorherrn Joh. Gejsners kostbares Naturalien - Kabinet im J. 1805. verkaufen wollte, so schofs der. Gemeinsinn vieler Bürger Zürichs 15,000 Gl. zusammen, und erwarb es für die physikalische Gesellschaft. Die 15,000 Bände starke Bibliothek des H. Zunftmeister Heideggers , welcher sehr frühe Abdrücke aus dem XV. Jahrhundert, seltne und typographisch schöne Ausgaben und viele Handzeichnungen besafs, wurde, nach dessen Tod, seit 1809. zum Ver- V pferi bey ZÜRICH. 553 kauf ausgebothen. 4) Die Naturalien - Sammlungen bey den HH. Doktoren Lavatcr , Römer und Schinz; erste- rer besitzt eine der vortrefiiehsten Sammlungen von Krystallen und Fischabdrücken aus dem Platten - Berge in Glarus , und aus Oeningen am Zeller-See ('s. Claras und Oeningen) ; der zweyte ist besonders reich an Pflanzen ; der dritte an ausgetrockneten Vögeln. 5) Die Stein- und Gebirgsarten - Sammlungen zur geognostischen Kenntnifs der Schvveitz, bey H. C. Escher im Seidenhofe. 6) Gemälde, Zeichnungen und Kupferstich-Sammlungen , bey dem H. Zunftmeister Schinz und den Erben des H. Schult hejs zum rothen Thurm. 7) Gemälde-Sammlung von alten und neuen Künstlern aus Zürich, bey II. Obrist Keller. 8) Sammlung von Künstler - Bildnissen und Kunstgeschichte - Bibliothek, bey H. Fiifsli beym Feuermörser, der jetzt das Allgemeine Künstlerlexikon seines sei. Vaters mit unermüde- tera Fleifs ergänzt und fortsetzt. 9) Vollständige Sammlung von Schweitzer - Landschaften und Landkarten , bey H. Rathsherrn Zieglers Erben. 10) Bildnisse- Sammlung von Schweitzern, bey dem H. Zunftmeister Lochmann. 11) Sammlung schweitzerischer Medaillen und Münzen , bey den Erben der HH. Rathsherrn Schinz und Schulthej’s zum rothen Thurm. 12) Sammlung von Schaumünzen aller Art, bey den HH. Zunftmeister Schinz und Lavater zum grofsen Erker. 13) Sammlung alter Müuzan, bey H. Pestaluz zum Steinbock. 14) Einige Bände Studien und vortrefliche Landschaften des berühmten Idyllen - Dichters Salomon Gefsner bey seiner verwittibten Gemahlin *). 15) Einige Bände Studien, und eine Anzahl Schweitzer-Landschaften ohne ihres gleichen, von H. Ludwig Heft, bey dessen Frau Wittwe. 16) Apparat mathematischer und physikalischer Instrumente , bey H. Breitinger. 17) Gypsabgüsse und Zeichnungen, auf dem Kunstsaale. t 8 ) Das im J. 1398- erbaute und 1699. erneuerte Raihhaus, in dessen erstem Vorsaal auf zwey Gemälden alle Fische des Zürcher - Sees und der Liitimath in ihrer natürlichen Gröfse abgebildet sind. 19) Die Sternwarte. 20) Das Waisenhaus, im J. 1765. erbanet. jt) Der in der Mitte der Limtnath stehende Thurm, Wellenberg genannt, ist das Staatsgefängnifs, worin der Graf Hans von Habsburg — Rapperswyl in der Mitte des XIV. Jahrhunderts zwey Jahre gefangen gehalten wurde, wo der Feldherr Waldmann im J. 1488. und in der letzten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts der bekannte Pfarrer Waser vor ihrer Enthauptung gefangen safsen. Künstler. Im XVI. Jahrhundert lebten in Zürich die Maler: Asper und Murer; im XVII. Jahrhundert die Maler: Hof mann, Fufsli, BT'erdtmüUer , Gyger, Meyer , Ringgli , der grofse Mechanikus Schmutz, der Bildhauer Dietschi, der" berühmte Waffenschmidt TVeerder , der Kunstdrechsler Herrliberger, grofse Uhrmacher Bachofen, der berühmte Bildsäulengiefser l ) Salomon Gefsners Gemälde in geätzten Nachbildungen von Kolbe in Dessau, Fol. Zürich i8o5. 6. Hefte. Joh. Balthasar Keller , welcher in der blühendsten Zeit Ludwigs XIV. die von Girardon modellirte Statüe dieses Königs zu Pferde, 21 Fufs hoch, aus Einem t Stück (30,000 Pf. Metall) gofs, welches vorher noch nie geschehn war, und wozu er sich mancherley Erfindungen zuvor machen tnufste; aufser diesem Kunstsück gofs er noch andere für den Garten von Versailles; Keller starb in Paris im J. 1702. Im XV 11 I. Jahrh. der Geschichtsmaler H. Füjsli in London , und dessen unlängst in Wien verstorbene Bruder, Rudolf Füjsli , ein geschickter Zeichner und Verfasser des kritischen Verzeichnisses der befsten Kupferstiche. H. Füjsli studierte von 1770 - 78. in Rom und zeigt unter allen neuern Schülern des Michel Angelo das meiste Talent; nach seinen Zeichnungen und Gemälden sind viele Blätter in London, jetzt auch in Umrissen zu Zürich gestochen worden. — Der vortrefliche Antiken - Zeichner, Professor Me) er in Weimar. Die Bildnisse- Maler PJ'enninger und Mademoisell Pfenninger — die Landschaften - und Bataillenmaler Cefsner , der Sohn des Idyllen - Dichters, und I.andolt — die Landschaftsmaler PPüsty Huber , Maurer , Rhan (jetzt in Wien}. — Die Landschaften - Zeichner: H. Füfsli und Bultinger — der Zeichner und Kupferstecher Lips, der in Rom ^ 783-87 studierte, und hier grofse Stücke gestochen hat. — Der geistvolle Charakter — Zeichner und launige Dichter M. Usteri *) — die Landschafts- *) Von ihm : Die Mutterlteue; die Findet treue ; das Vater- unser eines Unterwaldners; der Iiünstlerspiegel, u. s. vr. N 556 ZÜRICH. Kupferstecher Meyer und Hegt — der Prospekt- und Bergprofil - Zeichner Keller — die Bildhauer Keller in Rom und Muralt in Stuttgardl — der Bildschnitzer Vageli — die Maler und Zeichner Scliulthefs und Oeri , beyde Schiller Davids, Kalla und März (beyde letztere todt), Rudolf Tanner , sind alle Bürger der Stadt oder des K. Zürich . (Diejenigen von Winterthur s. unter diesem Art.} Bey denen in Zürich wohnenden Künstlern findet der Keisende fast immer Produkte ihrer Talente, die sie den Liebhabern verkaufen, und in der Kunsthandlung der HH. Filfsli auf der Meisenzunft den gröfsten Vorrath von Schweitzer- Landschaften, und andern alten und neuen Kupferstichen. Seit dem J. 1799. findet in Zürich jährlich eino öffentliche akademische Kunstausstellung statt. Man s. das helvetische Journal für Litteratur und Kunst. Schulen und Anstalten zur Beförderung der Wissenschaften. Merkwürdig: 1) Die theologische Universität , oder das Collegium Carolinum. 2) Collegium Humanitatis, oder Vorbereitungs-Gymnasium für die erstere höhere Anstalt. 3) Die sogenannte Kunstschule ist eigentlich Bürgerschule für alle, welche nicht Gelehrte werden wollen. 4) Eine Gelehrten- oder lateinische Schule. 5) Eine neuorganisirte aus vier Klassen bestehende eigentliche Bürgerschule. 6) Die Töchterschule, im J. 1773. von Prof. Usteri gestiftet. 7) Zwey Schulen nach Pestalozzischer und verwandter Methode. 8) Kriegsschule. 9} Medizinisches Seininarium, im J. 1783. von Doktor Rahn ge- f # jirC Polin' (01 J äs «» 5 lilisc (OO Jfit hä/t »P l ierzn daou Ith eine a Geteilt '» { Cai nick ton ol also b it Am labile tfänijfsj Archiv ■sämig •Koichl fetten ZÜRICH. 557 gründet, und ein anatomisches Theater, io) Die helvetische , jetzt einstweilen schlummernde Gesellschaft zur Gervvi, von Bodmer gestiftet, für Geschichte und Politik bestimmt, n) Die militärische Gesellschaft, im J. 1777. errichtet. 12) Die Gesellschaft des Kunstsaales, * von Salomon Gefsner im J. 1775. gestiftet. 13) Die ascetische Gesellschaft entstand 1768. 14) Die physikalisch- ökonomisch- und naturforschende Gesellschaft, von dem Bürgermeister Heidegger und dem grofsen Naturforscher Johann Gefsner im J. 1745. gestiftet, hält alle Montage und Sonnabende um 5 Uhr Nachmittags Sitzungen. Die correspondirende Gesellschaft der Aerzte und Wundärzte der ganzen Schweitz, von dem schon bemeldten Doktor und Chorherrn (Canonicus) J. H. Rahn im J. 1788* gegründet, hält alljährlich in Zürich eine allgemeine Versammlung. 16) Wolilthätigkeits- Gesellschaft. 17) Hülfsgesellschaft, den 31. October 179g. von zwölf edeln Zürchern gestiftet, welche mit 4 Carolin begann. Es gab damals 6549 Arme, die nichts verdienen konnten, und 21,678 Arme im Kanton ohne Arbeit. Die Gesellschaft sammelte bis 1807., also in 8 Jahren, 5146 Carolinen. Im J. 1800. begann die Austheilung der Rumfordschen-Suppe, alsdann eine Fabrike für Arme, im J. 1S05. «ine zinstragende Er- sparnifskasse für alle Einwohner des Kantons. Das Archiv dieser Gesellschaft ist ein Schatz wichtiger Mittheilungen und Erfahrungen über die Milderung des menschlichen Elends. Man sehe die Reden des Presidenten Joh. Kaspar Hirzel und die Schriften der t Gesellschaft , welche bey den Presidenten verkauft werden. — 18) Zürcher- Lehr- und Arbeitsschule; s. deren öffentliche Rechenschaft vom J. 1794- 1807. _ 19) Merkwürdige Singanstalt bey H. Nägeli, welcher sich als treflicher Komponist gezeigt und grofse Verdienste um die Gesangmethode hat. — 20) Taubstummen- Anstalt, durch H. Ulrich , steht noch zu erwarten. In 1808. fanden sich in dem Kanton 138 taubstumme Kinder. — 21) Ehemals Knaben-Gesellschaften, unter der Aufsicht gebildeter Männer, wurden alle Donnerstage von 4-8 Uhr gehalten.— 22) Allgemeine Kuabenfeste an dem Tage der Frühlings- Tag- und Nachtgleiche (Sechseläuten genannt) und am 22. August. Gesellschaftlicher Umgang. Fast alle Tage sind geschlofsne Männer - und Frauen - Gesellschaften ; gemischte Gesellschaften sind selten. Zu den erstem kann der Fremde leicht Zutritt erhalten. Im Winter werden wöchentlich grolse Konzerte gegeben; es gicbt in der Schweitz keine Stadt, wo Geschmack und Talente für Musik so ausgebildet sind, wie hier. Die jährlichen grofsen Zunftversammlungen, wo die Bürger ihre politischen Rechte ausübten, wurden vormals mit gemeinschaftlichen Mahlzeiten beschlossen, an denen auch der Fremde Theil nehmen konnte, wenn er eingeführt wurde. Bäder. Einrichtungen zu warmen Bädern findet man im Drahtschmidtli und an der Sihtbrücke ; gute ZÜRICH. 559 Badeplätze im See bey der St. Niholas- Säule und andern Stellen, und in der Si/tl bey der Engi. Führer und Wegweiser. Einige der befsten Führer und Wegweiser für den Ausländer auf seinen Reisen durch die Schweitz wohnen zu Zürich. Sie lieifsen : Pfister , Johannes (Begleiter Kaspar Lavarers auf seiner Reise nach Koppenhagen), Heinrich und David Egli , Heinrich und Salomon Hofmeister; s. den VIII. Abschnitt des I. Theils. Schöne Aussichten und Spatziergänge. I. Innerhalb der Stadt: i) Auf der sogenannten neuen oder hohen Promenade. 2) Auf den Festungswerken nahe an dem Kronen- und Nieder darf er - Thore. 3) Auf dem Linden - Hof, 115 Fufs über die Limmath , wo ehemals das Pallatium oder Pfalz der Grafen und Reichsvögte stand, und wo im IX. und X. Jahrhundert öffentlich zu Gericht gesessen wurde. 4) Auf dein Wall die Katze *) genannt. 5) In dem Garten de* Waisenhauses und aus dessen hintern Zimmern. 6) Auf der obern und untern Brücke. 7) Auf der Brücke , welche vor dem Platze , wo die Bausteine ausgeladen werden, nach einer kleinen Schanze in dem Flufs führt , und in der anmuthigen Schanze selbst. 8) In oder bey dem Pavillon nahe bey dem Gebäude, unter dem die Schiffe des Staats stehen. 9) In den meisten Zimmern der beyden genannten Gasthöfe, und V Von diesem Standpunkte ist die Ansicht des Titclkupfers im I. Th. genommen. 560 Zürich. in so vielen Häusern, die in den beyden Vorstädten, ^ oder an den Ufern der Limmath und gegen den See ^ au liegen. & ^ II. Aufserlialb der Stadt: x) Auf dem Schützen- Platze, wo das Denkmal Salomon Gefsners steht, und W die i Si/il sich mit der Limmath vereinigt; Donnerstags ^ und Sonntags Nachmittag wird dieser Platz von 5 Uhr an sehr besucht. 2) Nach dem Sihl - Hölzchen. — ^ tt ' Ueberbaupt auf allen Seiten der Stadt giebt es Wege und Fufssteige, welche die angenehmsten Spatziergänge Su und die mannigfaltigsten Aussichten auf den See, die ““ Vorgebirge und die Alpenkette, und auf das Thal nach Baden darbieten. Eine der schönsten, reichsten, präch- hf tigsten Aussichten und Natur-Schauspiele aber geniefst man 3) eine Viertelstunde von der Stadt auf dem so- tun genannten Bürgli *) aus der Kammer im dritten Stocke, man besonders des Morgens oder des Abends. Man über- rau sieht da das rechte oder westliche Ufer des Sees bis Diets an die Halbinsel der Aue, und das linke oder östliche Hütl; Ufer bis zum Landhaus in der Schipf genannt ; die schöi Aussicht nach dem Vetliberg ist wild. Wenn man jfjy den Hügel des Biirglis in die Strafse herab gekommen „f^ ist, und nach der Engi zum Waldstrom der Sihl , die ^ nur 6 Minuten davon entfernt ist, geht, so führt 4) ^ rechts ein Fufssteig durch Gesträuch bey dem Sihl- ^ Hölzchen vorbey nach der Stadt zurück. 5) Links ^ bringt ein andrer Fufssteig durch dichtes Gesträuch, — J, t *) Man erhält hier Milch, Kaffee und Wein. IK ZÜRICH. §Qi über eine anmuthige kleine Wiese, immer am Ufer des lebendigen Waldwassers fort auf die grofse Allmende , den Uebungsplatz der Artillerie, wo man zwischen angenehmen Waldungen weiter spatzieren kann. Diese Gegend steht wegen ihrer grofsen Stille und Einsamkeit, wegen des einfachem, wildern und sanftraelancho- lischen Charakters im gröfsten Kontrast mit der lachenden, reichen, muntern Landschaft jenseits des Hügels, und gewährt an mehrern Stellen (besonders wo der Strom in der Nähe eines Hauses nahe am Hügel, wo ein Weg nach der Stadt zurück führt, sich krümmt und dann in gerader Linie weit nordwärts fortläuft) bey Abendbeleuchtungen den Genufs von äufserst interessanten Ansichten und malerischen Parthien. 6 ) Läfst man sich in der Engi über die Silil setzen, so kann man einen besonders angenehmen Spatziergang durch einen schattigen Wald nach dem Höckler machen. Diefs ist ein Haus auf einer kleinen Höhe am Fufs des Hütli - Bergs, i St. von der Stadt, wo man eine sehr schöne Aussicht geniefst. Man bekömmt hier Kaffee, Milch, Obst, Wein u. a. 7 ) Vor dem Kronen- Thor, auf dein Wege nach Winterthur , sind ebenfalls vor- trefliche Aussichten, und mehrere Landhäuser, deren Lage sehr schön ist, wie z. 13. das des H. Schinzen. Wenn man auf der Landstrafse St. spatziert hat, kann man auf Fufssteigen zwischen Wiesen und Weingärten links hinab gehen, und auf die angenehmste Art nach der Stadt zurückkehren. 8 ) Der Weg nach WipUngen , Hotigg , l'Veiningen , ist gleichfalls reich 7)ß IV. 562 Zürich. an Aussichten. Die Landhäuser, welche die schönst* und sehenswertheste Lage an der Nordseite der Stadt geniefsen, sind: Ein Landhaus am Eingänge des Dorfes Iföngg , welches einem Junker Meifs gehört; das Landhaus des H. Hefs im Bechenhof *) (in dessen Garten an den Schlachttagen des 25. und 26. Septembers 1799. die Franzosen mit ihrer Artillerie manoe- vrirten); nahe däbey die Landhäuser der HH. Tobler und Scheuchzer auf dem Riedtli; das Landhaus des H. Ochsner , die JVeid , auf dem FFipkinger- Berge**), und das 1513. erbaute und 1619. vom Geschichtschreiber Guter von Ff'inek bewohnte Schlöfsli des H. Schulthefs am Zürcher - Berge. Nicht weit davon stand ehedem das Kloster des heil. Martin. 9) Vor dem Oberdorf- Thore : Die Landhäuser des H. Major Schulthefs an der Landstrafse nach Kiifsnacht , der Madame Landolt am Horn , der Madame Ziegler auf dem Kreutz - Jfü hei. 10) Vor der kleinen Stadt: Die Landhäuser des H. Zieglers und der Madame Frey bey der Brandschenke; des H. Rathsherrn Werdtmüllers sei. (jetzt mehrerer Zürcher ) an der Landstrafse nach Richtersrryl (welches sich von der hohen Promenade sehr schön darstellt ), und nahe dabey der Madame Gofsvryler. 11) Aufserdein gewähren der *) Hier stand ehedem das Schlofs der Edlen von Beckenhof. **) Ein junger Künstler, H. Keller von Zürich, hat ein sehr schönes Blatt von diesem Standpunkte aufgenommen, im Geschmackc desjenigen des H. Studers von "der grofsen Bergkette, die man aus den Gegenden um Bern erblickt. ZÜRICH. 563 fVipkinger - Ceifs - Zürcher - und Hottinger - Berg, welche mit Fufspfaden durchschnitten sind, die auge~ nehmsten Spatziergänge und Aussichten, besonders bey den Hochwachen (Signalen) des Ceifs - nnd Zürcher- Berges. 12) Ein äufserst angenehmer Spatziergang nach dem Burg -Hölzchen, welches leider wahrend des Krieges zum Theil niedergehauen worden ist. Unter den verschiednen Wegen dahin ist der anmuthigste folgender : Vor dem Oberdorf- Thore wendet man sich rechts bey der Mühle vorbey, nach 10 Minuten links in die Landstrafse, dann über eine bedeckte Brücke, gleich wieder links bey einzelnen Häusern vorbey, und durch einen Busch aufwärts in gedachtes Hölzchen , wo eine herrliche Aussicht ist. 13) Der Spatziergang nach Küfsnacht längs dem See 1 St., ist äufserst mannigfaltig; aus den obern Zimmern des Wirthshau- ses dicht am See herrliche Aussichten. Im J. 1778. richtete hier der Bach, welcher durchs Dorf fliefst, durch einen Wolkenbruch 50-60 F. hoch geschwellt, gräfsliche Verheerungen an, wobey 62 Personen ihr Leben verloren, und der Schaden 133,000 Gl. betrug. Bey dieser Gelegenheit zeigte sich der wohltliätige Geist der Einwohner Zürichs im schönsten Lichte. — Auf allen bisher angeführten Standpunkten geniefst man, vorzüglich bey Abendbeleuchtung, am befsten die herrlichsten Aussichten See-aufwärts nach den Alpen. Entferntere S pa t zi er g ä n g e. An der Ostseite der Stadt: 1) Nach der Forche , (2 St.) 7-800 F. über den See, ein Wirthshaus auf der Höhe der \ grofsen Strafse über diesen Berg. Hier öffnet sieb eine 0 weite Aussicht über ein reiches Thal des Kant. Zürich, fik 1 wo eine Menge Dörfer, Schlösser, und der Greifen- it “ See liegen, und wo inan ein Stück des Ober-Zürich- Sees , die Allmans - Berge (unter denen das Hörn/i , litr ^ der höchste Berg des K. Zürich, 3589 F. übers Meer), die Gebirge Toggenburgs und die Alpenkette von dem Säntis bis nach Unterwalden sieht. Der Rigi zeigt 10 ' sich hier von seiner nordöstlichen Seite vortreflich; ^ auch sieht man den Pilatus. Von diesem Wirthshause ^ kann man in ^ St. nach dem Greifen - See Jhinabstei- ^ £l gen *). Auf dem Wege nach der Forche giebt es mehrere Standpunkte, wo man reitzende Aussichten, und durch das Tannengehölze romantische Durchsichten geniefst. — An der Westseite der Stadt: 2) Nach dem Hütli-Berg oder Ulo, der höchste Berg in der Nähe der Stadt, 1523 Fufs über den Zürcher — See, kni 2802 F. übers Meer. Mehrere Wege führen hinauf: «tsei Der eine führt durch Albisrieden in 3 St. für Fufs- Sah« ganger und Reuter, der zweyte bey dem Hakler vor- tinj! bey in 2 1 j-> St., der dritte und nächste in 2 St. Die- Mi ser führt durch die Enge über die Sihl, hey dem um Gifsiibel und Kolbenhof vorbey, durch die fruchtbare üis Berghalde am Fufse des Hütli, längs dem Fahrwege ;an l bis zu dem Fufspfade, der rechts abführt, und welchem amt man folgen mufs ; er steigt zwar steil, aber über eine ■— -- ') s *) Die Gegend um den Einflufs des (/.Iter-Baches in densel- ^ ben ist vielleicht eine der dichterisch schönsten Stellen ^ in der Schweilz. j j ZÜRICH. 565 Art von Treppe recht gut aufwärts. Ist man auf dem Rücken des Berges angekommen, so folgt man dem Fahrwege rechts % St. lang, und wendet dann rechts in einen Fufsweg, der auf die Kuppe des Ulo führt. Die grofse und herrliche Uebersiclit ist hier, wie bey der Hochwache des Albis , nur wegen des verschiednen Standpunktes verändert, unumschränkter und ausgedehnter. Ueher die Bilanzen und geognostische Merkwür-' digkeit des Uto s. man den Art. Kanton Zürich. Von dem llütli kann man immer auf dem Rücken der Bergkette bis zum Albis in 2 St. gehen. 3) Nach dem Nydel- Bade, 3 St. ein Fahrweg; Fufsgänger können längs dem See, oder zwischen und über angenehme Hügel dahin gehen. Der Bäder wegen, die hier sind, wird es des Sommers aus der Stadt und der Gegend besucht. Vor dem Nydel- Bade auf der Höhe steht ein Landhaus , wo man den ganzen See überschaut und aufserordentlich schöne Aussichten geniefst ; in der Nähe des Nydel - Bades kann man die angenehmsten einsamen Spatziergänge machen *). — 4) Nach dem Albis 3 St. Fahrweg. Wer nicht nach Zug oder Luzern reist (bey welcher Gelegenheit man über den Albis kömmt), sollte nicht versäumen, bey recht hel- jera Wetter einen Abend und Morgen auf dem Albis zuzubringen. Man s. die dortige herrliche Aussicht *) Nicht weit vom Nydel -Bade sind Torflager, in denen Stämme grofser Tannen mit ihren Aesten liegen, und unter dem Torfe findet sich eine, 1 J'?. F. dicke Lage Muscheln und Schnecken. 1 t unter dem Art. Albis *). — 5) Nach der Boche 3 St. Fahrstrafse, ein ehroaliges Landhaus, jetzt ein Wirths- haus, wo Bader sind. Die Aussicht über den See und dessen Ufer ist hier noch ausgedehnter, als bey dem Nydel - Bade, und unbeschreiblich schön; in der Nahe giebt es höchst angenehme Spatziergänge. Oberhalb der Bocke nach SO. liegt der ito/i-Berg (oder hohe Rohne , wo die Grenze der KK. Zürich, Zug und . Schrrytz zusammentrifft), der höchste Punkt der aus Sandstein bestehenden Hügelreihe des Kantons Zürich, wo Alpenwirthschaft getrieben wird. Auch auf der Höhe der Hügel zwischen der Boche und dem 5 iA/-Flufs sieht man schöne Milchkeller, und findet herrliche Standpunkte, unter denen besonders sich die bey der Hochpracht des Zimmer - Bergs auszeichnet; denn hier sieht man auch den Zuger- und Luzerner- See, Rigiy Pilatus u. s. w. 6) Nach Regensberg und dem Läger- Berg 5 St. Fahrweg durch Affholtern , bey dem Katzen- See und den Ruinen des Schlosses Alt-Re- gdnsberg vorbey, durch Adühen , 1 j 2 St. hinter diesem Dorfe, jenseits eines Hügels links. Man s. die Merkwürdigkeiten des Läger- Bergs unter dem Art. Regensberg. Ueber die Spatzierfahrten auf dem See und an dessen Ufern s. sogleich den Art. Zürich - See. Wege. Grofse Landstrafsen ; Nach Zug 5 St. *) Der schon benannte Zeichner, Keller, hat einen Thcil der Alpen, , die man von der dortigen Hochwache erblickt. in der Manier des vortreflichen Blatts von Studer, und vom Uto ein Rundansicht herausgegeben. ZÜRICH. 567 Nach Luzern 10 St. beytle über den Albis (s. diesen Artikel ). Auch führt eine Fahrstrafse nach Zug, ohne den Albis zu übersteigen; nämlich über die Boche nach der Sihl- Brücke, durch Baar, 7 St. Für Fufsgänger geht von der Boche ein abkürzender und sehr schöner Pfad bey dem Hofe Wydenbach vorbey nach der Sihl- Brücke (s. diesen Artikel). — Nach Baden 4 St. Nach Bern 24 St. durch Baden, Mellingen und Lenzburg. — Nach Basel 18 St. durch Baden , Windisch, Brugg, über den Botz - Berg ; oder über Mellingen , Lenzburg, Aarau, Olten und den Ilauenstein. — Nach Schafhausen 8 St. über Eglisau, oder 9-10 St. über Andelfingen und das Schlofs Lauffen ( s. Schafhausen). — Nach Zurzach 7-8 St. durch Baden. Nach LVinterthur 4 St. Nach Frauenfeld 7 St. Nach Konstanz 12 St. durch Winterthur , Frauenfcld und Pfyn. — Nach St. Gallen 15 St. durch Winterthur , Elgg und Wjrl. — Nach Herisau im K. Appenzell über St. Gallen 17 St. , oder über Rappersyyeil , Uznack , Bildhaus, durchs Toggenburg 15-16 St. Der geradeste Weg für Fufsreisende führt durch Dübendorf, Pfeffihon, Bauma, nahe bey dem Hörnli vorbey, durch Fischingen, Kilchberg, Batzenhaid, Müh- lau, Flohtvyl, Ober glatt und Gossau. Nach FFesen am Wallenstadter- See 13 St. entweder an der Ostseite des Zürcher- Sees durch Stäfa, Rappersrryt, Uznach und Schännis, oder an der Westseite durch Richter— svyyl, Lachen, Bitten, und über die Ziegel-Brücke. — Eben so nach Glarus, an der Westseite des Sees 13 St. / 5^8 ZÜRICH. an der Ostseite 15 St. (für fuhrwerke der bequemere). So können auch die Reisenden nach LVesen und Glarus auf dein See bis Lacken 8-9 St. fahren, wo man immer bedeckte Wagen zu weitrer Reise findet. _ Nach Einsiedeln 8 St. über Richtersrryl. Nach Schyyytz 12 St. über Richterstvyl und Sattel; der geradeste Weg für Fufsgänger führt über die Bocke , die Sihl- Brücke, Egeri , Sattel und Steinen , 10 St.; oder über Ricktersfvyl , Hutten , Egeri u. s. w. Man s. alle genannten Artikel bey Ausführung einer dieser Reisen. Ueber den See fahren beynahe täglich Marktschiffe nach IJargen, Ll adcnschyvt’il , Richterstvyl , Lachen , wo jede Person sehr wenig bezahlt. Eben so gehen wöchentlich einigemal Postschiffe nach Lachen und Richters fryl; der Postläufer nach Lachen gebt über dejn Splügen in Graubündten, der andre nach Richter- srvyl über den Gotthard nach Italien; die Postmeister können sowohl auf ihre Schiffe als ihre Postwägen einige Reisende mitnebmen, und die Kosten betragen viel weniger, als bey eignen Schiffen. Auch fahren wöchentlich mehrere öffentliche Kähne von Zürich die Limmath hinab nach Baden in 2 Stunden, eine sehr wohlfeile, schnelle und angenehme Fahrt, wobey der sogenannte Kessel , x St. von Baden, der wildeste Theil ist *). — Nach Bern , Basel , Schaf hausen, St. Gal- *) Im J. 1576, fuhren am 20. Juni 54 Zürcher - Schützen von Zürhh die i.imniath herab, langten um 8 ühr Abends zu Strasburg an, und speisten mit der dortigen Schützen^ gcscllschaft um 9 Uhr Abends, Sie brachten in einem Zürcher-See. 5 % ^en und Konstanz gehen von Zürich öffentliche Postkutschen. Pflanzen. Ueher die Pflanzen und über die geog- nosiischen Thatsachen der Gegend von der Stadt Zürich s. bald unten den Artikel : Kanton Zürich. Zürcher-Sef-, ist bis Schmerikon ro St. lang, zwischen Stäfa und Richtersnyl 1 *j 3 St. breit, in der Gegend der Au 100 Klaftern tief, und 1279 F. übers Meer nach der Messung H. Us/eri’s. Viele Bache fallen in den See; der Hauptstrom aber, welcher ihm unaufhörlichen Zuflufs bringt, ist die Linth. Sie entspringt aus den Gletschern des Toedi- und Kisten- Beigs, welche man von dem Walle, die Katze ge-' nannt, sehr genau sieht (S. Litt, c und d auf dem Titelkupfer des 1 . Tlieilsj; nimmt bey der Ziegel- Brücke den Abflufs des TKallensladter - Sees , die Mag , auf, und geht unter dem Namen Lindmag bis zum Zürcher-See, in welchen sie sich am Buch-Be rg bey dem Schlosse Grynau ergiefst. (S. die genaue Beschreibung des Ursprungs der Linth unter Art. Glarus J. Eine Viertelstunde von den Pallisaden der Stadt Zürich 144 Pf. schweren eisernen Topf Hirslrey mit, der in Zürich gekocht und bey ihrer Ankunft in Strasburg noch so heifs war, dals man bey der Austheilung desselben noch blasen mufste. Die Zürcher sagten den Strasbur- gern : Wir haben die Absicht gehabt, Jederman zu zeigen , dafs wenn die Stadt Strasburg überfallen würde, die Stadt Zürich ihr zu Hülfe kommen könnte, ehe ein solcher Brey kalt wird. S. Murer, der warme Hirslrey von Zürich auf dem l'reyschicfscn zu Strasburg, 17,Oa. - \ ! i „ i . j IM ■: .''•'«jl .■ 1 -.>■1 i 57° Zurcher-See. stand bis zur Revolution in dem See eine steinerne Stadtbann-Säule, St. D/ikolas - Säule genannt, an der Stelle, wo der See zu flicfsen anlängt und die Limmath heraustritt. Gleich unterhalb der Stadt an dem Schützenplatz nimmt sie die wilde Sihl auf; und einige Stunden hinter Baden , in der Gegend von Bruggs vereinigt sie sich mit der Aare , welche 2 Stunden weiter in den Rhein mündet. Die Linlh wird schon in dem Kanton Glarus schiffbar, von wo öfters mit Waaren befrachtete Kähne ihren Wasserweg nach Holland antreten. Das Wachsen des Sees im Sommer. Während den heifsesten Sommermonaten steigt der Zürcher- See, so wie alle andern Seen am nördlichen Saume der Alpen, am höchsten, und überschwemmt seine Ufer. Der Grund dieser Erscheinung liegt offenbar in den Ungeheuern Gletschern und Schneelasten der Alpenkette, welche durch grofse Hitze ungewöhnlich stark geschmolzen werden, alle Seen, 6-15 F. bisweilen, über ihren gewöhnlichen Wasserstand anschwellen, und den Haupt - Ableiter aller Gewässer der nördlichen Alpenkette, den Rhein , durch ganz Deutschland zum höchsten Wachsthum während dieser Zeit bringen. Der Zürcher - See ernährt 28 Fischarten, welche man auf dem Rathhause zu Zürich auf zwey grofsen Tafeln, von Melchior Fiifsli abgebildet, sehen kann; er ist besonders reich an Lachsen oder Salmen, Forellen und Karpfen. — Die schwersten Schiffe, welche diesen See befahren, tragen 250 Centner. Der Ober- See, von n & 5 | Jircl viril 1« i renile hin ffit Efe MS hei ti Hin« Messi voll irsclö miete litt 1 Stadt Seel öfset Zwist] wisch ful j ui 1 Kl 4 ■Wo ’ltet Zürcher - See. 57 * Rappersrryl bis Lachen und Schmerihon , friert fast alle Winter zu; der Unter- See aber selten. Spatzierfahrten auf dem See. Die Ufer des Zürcher-Sees gehören zu den allerschönsten und sehenswertesten Gegenden der ganzen Schweitz. Kein andrer See vereinigt eine so angenehme, sanfte und reizende Natur mit einem so aufserordentlichen Reich- thume der Kultur und Bevölkerung, wie dieser. In dem Mittelalter standen 21 Schlösser und Burgen an den Ufern des Sees, von denen nur noch 3 oder 4 stehen ; von allen übrigen sieht man keine Spur mehr. Jetzt breiten sich achtzehn Kirchspiele mit ihren unzähligen Häusergruppen, in denen nicht weniger als 32-35,000 Menschen wohnen, an den Ufern aus. Die Reisen sowohl auf dem See selbst als an dessen Ufern, sind unerschöpflich an Aussichten, reizenden Landschafteu und malerischen Naturscenen. Da der See von Zürich aus sich bald nach Osten krümmt, so sieht man aus der Stadt und deren Gegend nur ein 2—3 Stunden langes Becken; fährt man aber 1 - 2 St. den See aufwärts, so öffnet sich die Aussicht auf eine 5-6 St. lange Seefläche. Zwischen den Dörfern Thalrryl und Herliberg , und zwischen Oberrieden und Meilen , in der Mitte des Sees, sind die schönsten Standpunkte zur Aussicht hinunter nach der Stadt und aufwärts nach Rappersn'yl , und auf das ganze Gemälde der entzückenden Ufer, Hügel, Berge und hohen Felsen. Je weiter man hinauffährt, desto mehr entwickelt die Landschaft einen hehren Ka- rakter. Das S^eyte grofse Becken zwischen Stdja , Richterswyl und Rappersnyl , wo der See am breitesten wird , ist prächtig und unendlich schön; der Glär- nisch schaut hier sonderbar über die bewaldeten Gebirge. Bey R.appersrvyl wird der See durch die Erdzunge, auf welcher diese Stadt prangt, und durch eine andre sehr lange und schmale Erdzunge, welche das Dörfchen Hürden tragt, auf 1800 Schritte verengt. Gerade hier stellt eine Brücke ( s. den Art. Rappersyyyl). Jenseits dieser Brücke dehnt sich der See wieder in ein weites 2-5 Stunden langes Becken aus, Ober- See genannt, dessen Ufer einen einfachen, ländlichen, einsamen aber innern gröfsern Karakter erhalten. Nach S. glänzt Rachen , in O. Schmerikon; zwischen beyden dehnt sich der waldreiche Huch- Berg aus; in SW. erhebt sich der Eiei, und an dessen Fufs zeigen sich mehrere Dörfer. Ehe man an die Brücke von Rappers- vryl kömmt, liegen im Seespiegel nach SW. die Inseln Lüzelau und UJnnu; (über die Merkwürdigkeit und die prächtige Aussicht der UJiiau s. man den Art. Huttens - Grab). Das südwestliche Ufer von Richters- vyyl bis an das Schlofs Crynau , nicht weit von Schmerikon , liegt im Gebiet des K. Schrrytz , und die östlichen Ufer von Rapperswyl nach Schmerikon im Gebiet des K. St. Gallen. Reise an den Ufern des Sees. Die Reise an den Ufern gehört zu den genufsreichsten, welche der Fremde in der Schweitz machen kann. Wer die ganze Schönheit derselben geuiefsen will, mufs das hellste und heiterste Wetter abwarten, und dann Nachmittags Zürcher-See. 575 aus der Stadt durch TVollisliofen, Kilchberg, Rüsck/i- hon *) , bis nach Thahvyl 2 St. reisen', wo inan im Wirthshaus zum Adler recht gut ist. Hier auf dem Kirchhofe, aber noch günstiger % St. weiter bey der Kirche von Oberrieden, öffnet sich die vollste Aussicht über den See; der Anblick des Naturgemäldes, welches sich hier darbietet, ist bey guter Abendbeleuchtung entzückend und über alle Beschreibung. In dem Pfarr- hause zu Oberrieden fieng der berühmte Lavater sein grofses physiognomisches Werk an, und vollendete es. Den folgenden Morgen reise man von Thahvyl weiter, um bey der Morgenbeleuchtung dieselbe Landschaft zu geniefsen, durch das obengenannte Oberrieden, Morgen**), Käpfnach***), links bey der an Aussichten reichen Halbinsel Au, welche Klopsloch besang, vorbey, durch Wädenschyreil****), durch einen anmuthigen Tannenwald (bey dessen Ausgang eine prächtige Aussicht auf das weite runde Seebecken, auf die Landschaften *) Bey Hüschlikon am See ein versteinerndes Wasser; und einige hundert Fufs über dem See wird in einer Tiefe von 11 F. Torf gestochen. Unter dem Torf findet man Stücke von grofsen Tannen; dann folgt ein 1 fi F. dickes Lager grauer Thon , in welchem viele kleine Wasserschnecken und Muscheln liegen. **) Ilorgen ist der Ablade-Hafen für die Waaren, welche von Zürich nach dem Zuger- See, Küfsnacht, über den f.u terner- See nach Altorf, und dann über den Gotthard nach Italien gehen ( s. Zug und Sihl Brücke). *'*) Kinige Minuten von Käpfnach sind Stcinkohlengrubcn, welche im Anfang des XVIII. Jahrh. entdeckt wurdcu. **’*) S. den Art. kKädenschweit. 574 Zühcher-See. Caster , Uznach , March , die Gebirge ToggenLurgs , ^ Appenzells u. s. w.), nach Rich{ersryyl 3 St. (s. die- fe 1 sen Artikel). Nach dem Mittagessen von hier durch dH Bach, Freienbach , Hürden , über die Brücke nach /{ojb- 0 * persyyyl 2 St. (s. diesen Artikel), und, wenn es die Zeit kB® noch erlaubt, am östlichen Ufer abwärts durch Kem- liefe praten , Feldbach (der erste Ort wieder im K. Zürich ), rill, Schirmensee , Uerikon , nach Stäfa 2 St. ( s. diesen «tÜ* Artikel). Zwischen Feldbach und Kempraten wurden il® ; s bey dem Rapperswyler - Hofe Gubelstein im J. 1689. fefe beym Graben zum Grunde einer Scheuer 1900 römische die ! Münzen, und bald nachher 1700 Stück von den Kai- flm sern Valerian, Gallienus, seiner Gemahlin Salonina, vom peil Claudio, Aureliano, Tacito, Probo, Victorino, Tetrico, trer Postumo, Mario gefunden. Hier breche man den fol- genden Morgen wieder auf, um in der Morgenbelcuch- 5^ tung die westliche Ufer - Seite zu genieseu, und reise ^ ( durch Männidorf*) , Uetikon , Meilen , Herrliberg+*), ^ fo F.rlibach ***), Küfsnacht , Goldbach , Zollikon , Ries- hach nach Zürich 4 St. Diese Reise kann man in der t Kutsche machen, nur mit dem Umstande, dafs sie von ^ Hürden um den ganzen Ober-See einen meist elenden ^ *) Oberhalb Mdnnidorf liegt der s. g. Pfannenried, der Hu j höchste Punkt in der Bergreihe am östlichen Ufer, auf dessen Gipfel eine Hoclrwache mit vorlreflicher Aussicht. * 4 ) Im Steinbruche zu Herrliberg streichen Steinkohlenlager, aber sehr unbeträchtlich. ***) Oberhalb dem Dorfe macht der Erli -Bach eineu hübschen Fall. Zürcher-See. 575 kann man auch bey stillem Wetter die Kutsche über die Brücke führen lassen. Deswegen ist es füglicher, die ganze Reise um den See zu Pferde oder zu Fufs zu unternehmen, weil man Reitpferde über den See setzen, oder über die Brücke führen lassen kann. Wer nicht beyde Ufer-Seiten, sondern nur eine bereisen will, der mufs das westliche über Thalwyl wählen, weil dieses an Mannigfaltigkeit der Aussichten am reichsten ist, obgleich das östliche Ufer durch seine Fruchtbarkeit und Kultur, durch seine prächtigen Dörfer und die Ansichten der herrlichen Buchten des westlichen Ufers wieder ganz eigne Reize besitzt. Für Fufsgänger giebt es dicht an dem See Fufspfade, welche, neben ihrer äufsersten Reinlichkeit, ihre besondern Schönheiten haben. An dem westlichen Ufer führt, ^2 St. von der Stadt, aus der Strafse ein Pfad links ab, welcher bis nach Horgen dicht am See fortgeht. Hier mufs man in die Landstrafse hinauf, und derselben bis hinter der Au folgen, wo wieder links ein Pfad abführt, bis Rich- tcrsvryl am See fortläuft, und reich an den herrlichsten Aussichten ist. Wer diese Reise hur einmal machen kann, dem rathe ich jedoch, nicht die Fufswege, sondern die eigentliche Landstrafse zu wählen, welche sich meistens an den mittlern Höhen der Hügel hinzieht, und deswegen reichhaltigem Genufs gewährt. An dem östlichen Ufer geht gleich vor dem Thore der Stadt rechts, hey einer Mühle, ein Fufspfad ab, welcher längs dem See nach KiiJ'snacht führt. Von hier wendet inan sich iu die Landstrafse und bleibt auf derselben bis % St. hinter Erliback; hier folge man rechts einem Fufs- pfade, der längs dem See aufserordentlich reizend, bey den Landhäusern des H. Bürgermeister Kilchspergers*') ? (jetzt des H. Harmes , Gatten der berühmten Verfasserin der Caledonia ) und H. Eschers in der Schipf vor- bey, bis nach Herliberg führt**), wo man in die Land- strafse hinauf geht, welche nun sehr schön weiter zieht. Ueberall, wo sie sich vom See zu sehr entfernt, oder rauh und schlecht wird, findet man immer die anmu- thigsten Fufspfade. Zürich (der Kanton***), einer der gröfsten und volkreichsten Kantone der Schweitz; derselbe enthalt 45 D ÄWlen und 182,125 Einwohner. (Dessen Ursprung und Geschichte s. oben unter dem Artikel Stadt Zürich ).— In seinem Gebiete liegen der Zürcher - PJcffikon- Greifen - Diirler- Katzen - und fViden - See; bey dem letztem leben Schildkröten. Die höchsten Berge, z. B. das Hör tili, erheben sich nicht über die Linie von 2310 F. über den Zürcher- See, oder 3589 F» *) S die Lebensbeschreibung dieses verehrenswürdigen Mannes, dessen hohes Amt in die kritischen Zeilen der französischen Revolution fiel, von seinem Schwager dem Alt— Seckehneister S. Hirzel ( Q. Zürich). **) Von dem Hause des H. Bürgermeister Kilchspcrgers l»is Herrliberg ist die Landstraße steil und nicht angenehm; deswegen ist es anzurathen , bey Erlibach die Kutsche zu verlassen und dieses Stück zu Fufs am See zu machen, ***) Die Karte des K. Zürich , in 2 Blattern, von Paul Usteri , igoi., läfst in topographischer Rücksicht wenig zu wünschen übrig. Zürich (der Kanton); 577 übers Meer. — Alpenwirthschaft wird daher sehr we- nig, und zwar nur östlich in den jfllmanns-üergcn, und südlich oberhalb 7 l'aaenschfveil und Jiichtersnyl getrieben. Die bel'ste Rindviehzucht im K. Zürich ist vornehmlich in den Bezirken Horgen und Metmenstätten ; im erstem ist durch Vermischung mit Schwytzerkühen eine sehr gtol'se Art entstanden. Auch in den Gegenden Vster , Grüningen und ichraltorf ist gute Zucht. Acker- uud 'Wiesen-, Obst- und Weinbau, und Riüdviehzucht, sind aufserot deutlich beträchtlich. Nirgends in der Schweif/. versteht man die Behandlung des dicken und dünnen Mistes (Gülle. genannt ) und deren Benutzung tür Wiesen, Cärten und Obstbäuine in solchem Grade, wie in diesem Kanton, besonders an den Ufern des Zürcher - Sees, wo die Stallfütterung allgemein ist. Eben so hat man die Wässerung der natürlichen und künstlichen Wiesen und die Vermischung der Erdarten in verschiednen Gegenden, z. B. bey Winterthur , Marthalen , im Wen- Thal u. s. f. zur höchsten Vollkommenheit gebracht. Der Obstbau ist aufserordentlich, besonders am Zürcher -See, und in den ehmaligen Vog- teyen Knonau und Kyburg , wo der gröfste Theil der Birnen und Aepfel zu Wein geprefst, und die Kirschen zu Kirschengeist oder Kirschwasser gebrannt werden. Der Weinbau ist noch weit beträchtlicher. Schon im J. 1145. gab es bey Zollikon einen Weinberg. Der befste Wein im Kanton wächst bey Winterthur zwischen der Thur und dem Rhein , und am östlichen Ufer des Zürcher -Sees, besonders bey Meilen. Die Weinberge am IV. 37 1 578 Zürich (der Kanton). westlichen Ufer geben einen sehr säuern aber so viel l Wein, tlafs eine Juchart (36,000 Fufs) in aufseror- t* * deutlichen Jahren 250 Gulden eintragen kann. Der Preis 4 * des Weinlandes steigt daher anch für die Juchart von jtdf 800 bis 2000 Gulden 11 ). — Noch weit mehr zeichnet ] sich der Kanton Zürich durch Kunstfleifs, Industiie und 5! Handel aus. Von der Stadt Zürich hat sich dieser „( Geist fast über alle Gegenden dergestalt ausgebreitet, pid, dafs man zwischen den J. 178°- und 90. auf dem Lande Po gegen 50,000 Fabrikarbeiter zählte. (Man s. über die jcl verschiednen Zweige der Industiie den obigen Art. Stadt sie Zürich J. Es ist für den Ausländer gewifs merkwürdig, Akk in die Häuser von Wein - und Landbauern zu gehen, «dt und da von groben Händen schöne seidne Zeuge, Bäu- t» der und feine Moufseline verfertigen zu sehen. J* (Fm Die Einwohner des ganzen Kantons sind Protestan- ffra ten und waren bis zum Js 1798- Unterthanen der Stadt, len) deren Hoheitsrechte durch 32 Landvögte verwaltet wur- Gt« den ; seit jener Epoche geniefsen sie mit den Bürgern ^ der Stadt gleiche bürgeiliche und politische Rechte (s. ^ di e Mediation*-Akte). Ueber den merkwürdigen Gang ^ der Bevölkerung von der Mitte des XV. Jahrhunderts au, und ihrer aufserordentlichen Zunahme seit 1772. ( s. ^ zwev Schriften II. TVaser, über die Bevölkerung , und 7 " J J All «1 *) Wer nähern Unterricht über die Landijkonomie des Kan- tons Zürich wünscht, lese: J. C. Hirzeis auserlesene *1 Schriften zur Beförderung der Landwirthschajt . Zürich 179*2., und dessen vortrefliche Schrift: Heber den Zu~ stand der Oekonomie und Industrie im Kant, Zürich, d t Zürich (der Kanton)* Hirz eis schon genannte Abhandlungen*). Der Kanton gehört zu den bevölkertsten Ländern in Europa j denn es lebten gegen Ende des XVIII. Jahrhunderts auf jeder Q Meile 4047 Menschen. Pflanzen. Die Gegend von der Stadt Zürich ist außerordentlich reich an Glasern* 1) in und nahe bey der Stadt Agrostis his~ piäa (Strausgras), an den Mauern der WasserUrche. Poa angustifolia (Rispengras), auf dem Felde vor dem Schiffschopf. Pca palustris und Panicum dactylon (Fen- nich), blüht im August und September an dem Rande und Abhänge der äufsern Gräben der kleinen Stadt. Festuca multiflora (Schwingel), blüht im May. Bromus Tigurh nus (Trespe)? Carex tomentosa, ßlifortnis , verna und pallescens (Riedgras) in Wiesen. Alopecurus agrestis (Fuchsschwanz) in Feldern* Agrostis vinealis y in Weinbergen. Festuca decumbens . Juncus maximus (Binsen). Carex inflatdy pedata, digitata, vesicaria und Carex Gesneri ? in Wildern. Carex glauca . loliacea und remota , bey Bachen. Juncus bulbosus 9 an feuchten Oertern. Schoe • nus compressus (Knopfgras). Helleborus viridis (äufserst selten in der Schweitz) bey Zürich und Kyburg. Hibes nigrum. Cardamine amara , bey den Gräben. Jnula heit - nium 9 auf W’iesen. Zanichellia palustris , an der Sihl . *) Alle Thatsachen dieser Schriften findet man auch in Norr - manns Geographie der Schweitz im I. T. 8. 69^92. Dort auf Seite 73. sind die Gemeinden Schlieren , Sax+ Senn - wuld und Salez deswegen unter die Gemeinden am Zur- vher-See aufgezählt (von denen sie übrigens weit entfernt durch Thäler und Berge getrennt liegen), weil solche ehmals in das Rural - Capitel dieses Namens gehurten* . 58 ° Zürich (der Kanton). Lemna trisulca (Wasserlinse) an den Bächen. a) Auf dem Zürcher — Berg: Carex pilosa , alla. Gladiolus communis. Gentiana centaurium und campestris. Ilex aejuifo- lium , 3) Am Katzcn-See, i St. von der Stadt: Juncus conglomeratus (blüht im Juli). Oyperus fuscus (Cyper- gras), blüht im Juli. Scirpus boeothryon (Binsengras) und acicularis . Eriophorum vaginatum (Dunngras) und angustifolium 9 blüht am Ende Aprils und im May« Agra- stis canina und pumila , blüht im May und Juli. Schoenus mariscus , nigricans und albus , blüht im Herbst. Carex dioica 9 C. diandra, arenaria , limosa , intermedia, leporina , hirta, muricata , palustris , und pseudo - cyperus, Satyrium rrpens • Ophrys spiralis . Vaccinium Oxycoccos. 4 ) Bey dem H6 c hier^ l St. von der Stadt: Lathraea syuamari* (Schuppenwurz)« Cypripedium calceolus, Ophrys rubra. 5) Im ÄÄi/er - Holz : Scilla bifolia . 6) Auf dem Hütli- Berg: Agrostis arundinacca, an der Nordseite gegen M a- negg • Melica coerulea major (Perlgras)* Festuca ame - thystina . Thalictrum aquilegifolium. Stachys alpina . Buph- thalmum salicifolium. Ophrys myoides und arachnites. Se» rapias rubra und lancifolia. Carex Uetliaca , an dem bewaldeten Fufse des Af ü f /z - Bergs. Carex prostata , mon- tana > tomentosa , maxima , filiformis und emarcida ? 7 ) lm Zürcher-See : Trapa natans (W^asser n ufs), Geognost. Beschaffenheit. Der ganze Kanton Zürich liegt in dem horizontalen Sandstein - und Mergel-Gebilde, ausgenommen Sein nordwestliches Ende am Lä^er-Berge , wo der Kalkstein des «Tur/z streicht. Ueber das Sandstein - und Mergelgebilde s. die Art. Albis und Thurgau. — Nagelflue zeigt sich am See- Zürich (der Kanton). 55* Ufer in der Gegend von StäJ'a , zwischen Greifensee und Pfeffihon , im Bauma — Thal, und bedeckt die höchsten Kuppen der Sandsteinberge, wie z. B. das Hörnli Und den Uto, Die steile auf allen Seiten abgerifsne Kuppe des Uto besteht aus abwechselnden Lagen Na- gelllue und sehr reinen Sandes, welche man besonders an der südöstlichen Seite deutlich sehen kann, wo die Landleute den Sand ausgraben. Ungeheure Nagelflue- Trümmer, welche von dieser Kuppe herabgestürzt sind, liegen an der Südwestseite des Uto längs dem Fahrwege. Ohne Zweifel ist der Nagelflue des Uto und Hörnli der letzte Ueberrest von einem sehr ausgedehnten Nagelflue - Lager, welches das ganze Sand- und Mergel - Gebilde bedeckt hat. Wenn man an den steilen Wänden der Kuppe des Uto her\imkrieclit, so wird man mehrere unterwaschne Stellen und solche Ein - und Ausbeugungen beobachten, die offenbar von strömenden Gewässern verursacht worden sind. Ueber die Steinkohlenflötze, welche dieses Sandstein-Gebilde durchstreichen, s. den Art. Albis ; über ihre Zerreifsung und über die zahllose Menge Trümmerblöcke *), besonders eines rothen Thonsteins und Breccia, welche auf der Oberfläche fast aller Gegenden des Kantons, hauptsächlich in dem Linthhessel und in den Schutthügeln desselben zerstreut liegen, s. den Art. EzeU Wahrschein— *) Einer der ungeheuersten dieser Blöcke liegt am östlichen Seeufer, 1 fs St. oberhalb dem schon mehr benannten Landhause in der Schipf, i, r/a St. von der Stadt, nahe bey dem Dorf Urlibach» / 58* Zug (die Stadt). lieh ist elimals der Rhein in den Zürcher-See oder durch den ganzen Linth - Kessel geflossen ( s. darüber die Art. Ragatz und Baden). In jener Zeit, als der ganze Linth- Kessel bis an den Läger -Berg bey Baden nur Einen grofsen See bildete, mufsten der Lindenhof und die andern Höhen der kleinen Stadt Zürich Inseln seyn. — An der Südwestseite des Albis y in der Gegend von Knonau findet man vortreflichen Thon, der halbtrocken sich schon poliren läfst, aus welchem das feinste Geschirr verfertigt werden kann, und den schon zu der Römer Zeit Töpfer benutzten (s. Knonau). Mehrere Gegenden des Kantons sind reich an Torf. — In der Gegend von Eglisau findet man Bohnerz in dem eisenschüssigen Thonlager, welches längs dem ganzen Jura streicht (s. Jura). Merkwürdig ist es auch, dafs die Gegend von Eglisau den Erdbeben ganz besonders unterworfen ist. Diese Stadt liegt in der Streichung des Jura , und in der Nähe von dessen äufsersten nordnordöstlichen Zweigen. Wahrscheinlich dürfte man wohl in dieser Lage den Grund jener Erscheinung suchen; denn das Jura-Gebirge erfahrt, seit dem XI. Jahrhundert fast durchgängig häufige Erderschütterungen. Zur. (die Stadt). Wirthshäuser: Hirsch und Ochs r Liegt am Fufs des fruchtbaren, 913 F. hohen Zuger T Bergs und am östlichen Ufer des Zuger-Sees äufserst angenehm. Geschichte. Die Geschichte dieser Stadt ist sehr dunkel. Sie soll das Tugiurn der Römer seyn. Dieser fiatne soll von dem celtischen Ausdrucke Dov in eni (», t'ts ^ joch td' nidit Isont llSSUI SOS Im J Grafe i3*5- Iropo. tu ul seltsl J,.j. am 1 aus ti M so4 in Je flm'gei M legtj Hunt »«ti 'nein Zug (die Stadt). 533 (bey einem tiefen Wasser geboren) herkommen, woraus Strato Toügenoi, die Römer Tugeni , zur Bezeichnung des Volks, welches hier wohnte, bildeten. Man hat noch nie römische Alterthümer ausgegraben; doch läfst sich nicht bezweifeln, dafs die Römer diese Gegend nicht kannten ; denn nur wenige Stunden von Zug, bey Knonau , sind die Spuren einer römischen Niederlassung gefunden worden (s. Knonau ). Wann und von wem die jetzige Stadt erbaut wurde, ist unbekannt. Im Mittelalter war die Landschaft in den Händen der Grafen von Lenzburg, Kyburg und Habsburg, Im J. 1315. zog von der Stadt Zug das Heer des Herzogs Leopold aus, um die Hirten und Bauern von Schwytz zu unterjochen, und im J. 1352. stand Stadt und Land selbst in dem jungen Bunde der Eidgenossenschaft. Im J, 1415. wurde zum erstenmal der Zuger Peter Kolin. zum Landammann erwählt; bis dahin war derselbe stets aus einem andern Kanton genommen worden. — Im J. 1798 - kämpften die Zuger gegen die Franzosen, besonders in den Gefechten am 26. April bey Dettikon in den freyen Aemtern, wacker, und büfsten viele der ihrigen ein. Merkwürdigkeiten. Nicht weit von der Stadt liegt auf einer Anhöhe, am rechten Ufer der Reujs , der Thurmstock des alten Schlosses Hünenberg , Heinrich von Hünenberg gab im J* 15*5*1 den Abend vor dem Abmarsch der österreichischen Armee nach Egeri , den wachenden Schätzern bey Art , vermittelst eines Pfeiles, den er abschofs, die Nachricht, sich bey Morgarten >: , y A ■{ -[»*. • f,A ;tav :• £84 Zug (dif. Staut). zu gewahren , llerman von Hünenberg bewies sich als ein Feind der Eidgenossen, und deswegen wurde ^ der Stammsitz dieses Geschlechts nach der Sempacher- Schlacht t 386 . zerstört. Die Geschichte der alten ” Schlösser Maschwanden und Rüjsegg i ^ St. von W 11 Zug (s. unter Art. Iinonau). Nur 3 Stunden von ^ Zug liegt Morgarten; jene Gegend, welche durch die 1 > ^ erste Schlacht der Eidgenossen so .merkwürdig geworden ^ ist ( s. Bgeri ),— Im J. 1435. entstand am 5. Merz in *»ii< der Stadt Zug ein heftiger Knall, und zwey ganze Stra- i> & {seil mit Mauern und Thürmen stürzten in den See, [W® wobey 60 Personen, Kotin, das Haupt des Freystaats, Wut und PVikard mit dem ganzen Archiv, umkamen. Wi- «ta kards Kind, Adelreich , in der Wiege schwamm auf dem Iuliet Wasser, wurde gerettet, und in der Folge Vater eines titleV wohlverdienten Geschlechts; aber seine Mutter ertrank demD dabey. Im J. 1594 - sanken auch wieder einige Häuser ilni in den See, und 1795. brannte ein grofser Theil der Stadt ab. Sehenswerth in der Stadt ; Das Zeughaus, Aussv wo viele in den Schlachten der Schweitzer eroberte bj 1 Waffen, und die mit dem Blute Peter Ko lins und des- < er f|j[ sen Sohn getränkte Fahne, welche 1422. bey Beilenz. Q oer fielen ( s. Bellinzona'), — Anf dem Rathhause eine | M S1 vortrefliche Karte des Kantons, von dem Obrist Land- wing entworfen, und gemalte Glasscheiben von dem ^ im XVI. Jahrhundert berühmten Glasmaler Miqhel Mül- ((l j ( ler aus Zug. In der Kirche Gemälde von Johann ■— Brandenberg aus Zug, welcher im J. 1729. starb; der 1 dt Kirchhof, wo alle Gräber mit Blumen bepflanzt und Zug (die Stagt). 535 sorgfältig gepflegt werden *), und nahe dabey ein Beinhaus, wo die Schädel der Verstorbenen mit ihren Namen aufgestellt sind. — Gymnasium von Priestern, und eine treffliche Töchterschule von Nonnen besorgt. — Kapuziner-Kloster, und zwey Nonnen-Klöster, eins nahe bey der Hauptkirche, das andere 1 St. entfernt. In der St. Osn-aldkircke , und in der Kapuzinerkirche sind Altarblättcr von Carracci. — Pfarrer Eberhard wurde 1478- der Stifter der ersten Büchersatnmlung. — In der Stadt Zug wird alle Jahre im Frühlinge die bandesgemeinde des ganzen Kantpns gehalten. — Zug besitzt keine Fabriken, und keinen einzigen Zweig von städtischem Kunstfleifs; da es an der Frachtstrafse nach Italien liegt, so kommen von fforgen am Zürcher-See viele Waaren hieher, welche dann über den See nach dem Dorfe Immensee, und von da nach Küfsnacht und über den Luzerner- See nach Altorf gefahren werden. Aussichten und Spatziergänge. Schöne Aussichten auf dem Thurme des Kapuziner-Klosters, bey der St. Osrvaldkirche und auf deren Thurm; ausserhalb der Stadt, bey dem ehmaligen Landhausc des General -von Zurlauben, und an so vielen Standpunkten am Zuger- Berge. Prächtig zeigen sich der Rigi , Pilatus , zwischen beyden die Gebirge des K. Unter- tralden, und über diese himmelwärts die hehren Felsen des Grindelrralds und Lauterbrunns. Ein schöner *) Eine Sitte, welche die Einwohner der kleinen Kantons der Schweitz mit den Bewohnern von IVales in England gemein haben. 585 Zug (die Stadt). I Spatziergang nach Obenveil, längs dem See, äufserst malerisch und romantisch durch die Mannigfaltigkeit der Wiesen , Kastanienbäumen , Weinreben, Felsen und Hütten. Zwischen Zug, Baar und dem Kloster Frauenthal ein schöner Wald von Eichen und Buchen. Oberhalb der Stadt am Zuger- Berge sind Sennhütten, wo aber nur Butter und magerer Käs bereitet wird. Die Spatzieifahrten auf dem See sind herrlich (s. den folgenden Artikel). Wege. Von Zug nach Zürich 5 St. durch Baar, Kappel und über den Albis (s. diese drey Art.). — Wach Horgen am Zürcher - See, die Waarenfracht- Strafse ,4-5 St. durch Baar und über die Sihl-Brücke ( s. den letzt genannten Artikel). — Nach Luzern, die Landstrafse 5 St. über die Lorez zweymal, durch Cham, Hönau u. s. w. Der kürzeste Weg geht von Zug über den See nach Buonas; von hier auf einem Fufswege, zum Theil sehr angenehm, his an die Reufs- Brücke in die Heerstrafse. Aber der genufsreichste Weg führt von Zug über den See nach Immensee 3 St., zu Fufs durch die Hohl-Gasse nach Küfsnacht 1 j 2 St. und von hier über den Luzerner- See nach Luzern 3 St. (s. Küfsnacht). — Nach Egeri 3 St. durch Alletvinde (s. Egeri). — Nach Menzingen 3 St. (s. Art. Kanton Zug). Nach Art 3 St. entweder über den See, oder längs dem Ufer durch Oberweil, an der Eylen, J-Valchn-eil und St. Adrian, nur für Fufsgänger und Reuter; einer der anmuthigsten Spatziergänge in der Schweitz. ZüGER-SeE. 587 Zuoer-See, 4 St. lang, i St. breit, bey der Stadt 20 — 30 Klafter, gewöhnlich an andern Stellen 20-40 F., bey der Adrianskapelle ara Ruffi und am Rigi dort, wo man es den wilden Strich nennt, 200 Klafter tief, einige Fufs tiefer gelegen als der Luzer- ner- See, wird zwischen dem Rofs- Berg, Rigi und dem Kiemen , Ober- See, zwischen den Kiemen , Röthelich , Cham und Zug aber Unter-See genannt. Der Obersee friert selten so zu, dafs Lasten darüber fahren können, Viele Bache fallen in den See, unter denen die Lorez , Abflufs des Egeri- Sees, der gröfste ist. Dieser forellenreiche Strom ergiefst sich von der Nordseite bey Cunger-Häusli in den See, tritt nicht weit von seiner Mündung etwas westlicher zwischen Cham und dem SchlöJ'slein wieder heraus, und führt allen Ueberflufs des Zuger - Sees der Reiifs in der Nähe von Masch — wanden zu. Die nördlichen und westlichen Ufer sind ganz flach, einförmig und wenig belebt; es liegen da nur Cham , das Schlafs Ilertetstein, Buonas, und die Kirche von Rusch oder Buonas. Am östlichen Ufer zieht der Zuger- Berg, dessen Höhe, Kamistal , 912 F, über den See liegt, und stuffet immer höher in den Ruffi - Berg, 3516 F. über den See. Am südlichen Ufer des Ober -Sees steigt die senkrechte 4356 F. hohe Wand des pyramidenförmigen Rigi empor, und süd- westwärts erheben sich von dem in den See einspringenden Vorgebirge, die Kiemen genannt, der Hügel Rotherberg bis zur Höhe von i57 a Fufs, von welchen die Höhen nach Luzern lierabziehen, Der Ober-See 588 Zuger-See. liegt fast ganz im Gebiet des K. Schrrytz; in der Gegend der Kiemen stöfst der K. Ludern an den See, und nur der ganze Unter-See bis an Rötheli-lLck oder Lotterbach gehört zum K. Zug. Die gefährlichsten Winde sind der Süd- und Südwest, von den hiesigen * Schiffleuten Wetterfön , und der Nordwest, Arbis genannt. Der Unter-See friert in heftigen Wintern zu, der Ober-See fast nie. Dieser See ist aufserordentlich fischreich, und ernährt die gröfsten Karpfen und Hechte % in der Schweitz. Im Juni und Juli ist bey Buonas und Zug grofser Karpfenfang; man fängt sie zu 9-20, sogar von 50-90 Pfund schwer, und sie werden häufig liarpunirt. Eben so giebt es Hechte von 50 Pf. Der köstlichste Fisch dieses Sees aber ist eine Forellenart, liötele , Rothforelle (Salrno salvelinus) genannt, die nebst der Fera im Genfer- See, dem Aalbock des Thuner- Sees, und mit dem Ombre Chevalier des Neu- chateler-Sees sehr übereinkommt, und nebst diesen zu den köstlichsten Fischarten der Schweitz gehören. Diese Rötelen halten sich nur zwischen dem Kiemen und dem gegenüber liegenden Röteli- Egg auf, werden im Novemher und December gefangen, und in Essig gelegt weit versandt; sie erreichen bisweilen die Schwere von 5-7 Pfund. (Reise auf dem See. Die östlichen Ufer des Sees sind die fruchtbarsten, und dessen Lage gegen Mittag so mild , dafs zwischen Obcrvyyl und VFalchweil ganze Wäldchen Kastanien wachsen, die einzigen in der nördlichen Schweitz. Bey einer Fahrt über den Sttf ji si* &j < 0 lil«' rid “ E1 (riihh ».erlJ 3® « Dei h ;y JTir !rt iss bi; iijs, i Jlp, t. Geo ffer Je raita lt Scittei len, k fe Kai »dem V- Kaatoa •seiet liiie fi Stet; i4»ee Zug (öer Kanton). 5gg See geniefst man nach S. SW. und O. die herrlichsten Ansichten. Gerade südwärts steht der prächtige Rigi, der immer malerischer und aufserordentlicher wird, je näher man ihm kömmt; südwestlich in der Ferne zeigt sich der finstre Pilatus, die Gebirge Unterwaldens, Crindehvalds und Lauterbrunns, und die Bilder dieser erhabnen 6-16 Stunden entlegnen Kolossen schwimmen rein und deutlich auf der Spiegelfläche des Sees. Der befste Punkt zur Uebersicht des ganzen Sees ist i ^2 St. von der Stadt Zug in der Nähe des Vorgebirges Kiemen; da erblickt man die herrliche Bucht nach Art und nach Immensee, die Ufer des ganzen Unterstes bis Zug und Cham , die ganze Nordseite des Rigi, den RuJ'ß - Berg und Zuger- Berg, die Schnee- Alp, u. s. w. Geognost. Beschaffenheit der Ufer. Die Ufer des Sees sind in geognostischer Hinsicht sehr merkwürdig. Man s. hierüber den folgenden Artikel. Zug (der Kanton). Ist der kleinste Kanton der Schweitz, denn seine Ausdehnung beträgt [] Meilen, worauf 12,500 Menschen leben. Die Geschichte des Kantons s. unter dem Artikel Stadt Zug, — Ausser dem ausgedehnten flachen Thalboden zwischen dem Zuger- Berg, der Lorez und der Reujs, ist der ganze Kanton voll bewachsener Berge; aber die höchsten, wie der Ruffi- oder Rofs- Berg, übersteigen nicht die Linie von 3516 F. über den Zuger-See, 4836 F. übers Meer; Gletscher giebt es hier nicht, und selbst der Schnee schmilzt im Frühling sehr bald. In dem Ge- 59 <> Zug ( der Kanton ). biete dieses Kantons liegen der Zügen- Egeri- und Fimter- See, der letztre bey Menzingen. Das ganze Gebiet ist in die Bezirke Zug, haar, Egeri und Menzingen eingetheilt. Egeri und Menzingen liegen hoch in den Bergen; Zug theils an den Abhängen des Zuger -Berges und in der Ebne, ’Baar ganz in der Ebne. Alpen , Wiesen und Wälder überziehen das ganze Land; doch sind die hiesigen Alpen bey -weitem nicht so gut, als in dem Hochgebirge. Unter den kleinen Waldkantonen hat Zug die gröfste Rindviehart, von 4-6 Centner Schwere das Stück. Das hiesige Rindvieh hat längere und dünnere Hälse, und nicht solche Stier- köple wie im Simmenthal und Frutingen. Die Bewohner des Kantons Zug sind katholisch, geniefsen seit dem J. 1353. eine demokratische Regierung, und beschäftigen sich mit Obst- Wein- und Ackerbau, hauptsächlich mit Alpenwirthschaft und ViehBerühmte Männer. Der kleine Kanton Zug hat gegeben zu haben. Johann T-Valdmann , der Held von Murten und der gewaltige Bürgermeister von Zürich. zucht. Doch, da weder Alpen noch Rindvieh so gut sind, wie bey ihren Nachbarn, so bereiten sie in ihren Sennhütten keine fetten Käse, sondern nur Butter und magere Käse. Die Bewohner der Beziike Egeri und Menzigen kann man zu den Alpenvölkern der Schweitz rechnen. Aufser Spinnerey wird keinerley Art von Kunstileifs in diesem Kanton ausgeübt. Dieter hniu lim Irncl ms ] eins an) ait ei “! Kittes den Ruhm, dem Vaterlande der Schweitzer in den Zeiten der höchsten Gefahren grofse Feldherren und Helden Zug (der Kanton). 5g i war aus Blickcnstorf (t St. von Zug) gebürtig, s. Baar und Zürich. Aus den Geschlechtern Kolin und Steiner (aus der Stadt Zug) bluteten eine ganze Reihe tapfrer Männer für die Vertheidigung des schweitzeri- schen Vaterlandes. Joh. Seiler , (aus der Stadt Zug) Hauptmann, fiel in der Schlacht von St. Jacob, Joh. handn-ing glänzt als Held in der Schlacht bey Bel~ lenz , in welcher der Landammann Peter Kolin , nebst seinem Sohne Hans , fielen +). Das Geschlecht von Zurlauben gab dem Kanton mehrere Staatsmänner und zählt mehrere Generale und berühmte Feldmarschälle im Dienste Frankreichs *) **). Beat - Fidel Anton Dominikus von Zurlauben , der letzte Sprosse dieses alten Geschlechts, Generallieutenant in französischen Dien- *) Dieser Peter Kolin war der erste Zuger, welcher x 4 i 5 . Landammann vom K. Zug Wurde; denn bis dahin war dieses hohe Amt immer mit einem Schweitzer aus einem benachbarten Kanton besetzt worden. Seil der Schlacht von Beilenz (1422.) wurde während 376 Jahren hintereinander (die 10 Jahre zwischen 1736-1746. ausgenommen) das Amt eines Pannerherrn von dem Volke stets mit einem Kolin besetzt. *') Dieses Geschlecht ist ein Zweig des seit dem XI, Jahrhundert bekannten Geschlechts im Thurm von Gesteinburg (de la Tour-Chatillon) in Wallis. Balthasar im Thurm nannte sich gegen Ende des XIV. Jahrhunderts Zurlauben , um dem Hafs der Walliser zu entgehen, (s. Sitten) und zog in den K. Uri. Dessen Enkel Anton, welcher sich in der Schlacht von Granson so sehr hervortiiat, dafs er das Bürgerrecht von Zürich erhielt, begab sich 1488. nach Zug, und wurde hier der Stammvater der Zurlauben in diesem Kanton, 59* * Zug (der Kanton). sten, und Mitglied der Academie des luscriptions et ' ^ des helles lettres Seit dem J. 1749., ist besonders in ^ den Jahrbüchern der Litteratur der Schweitzer-Geschichte ^ sehr merkwürdig Er hesafs die wichtigste Privat- ^ Bibliothek in der ganzen Schweitz (?), welche im histori- sehen Fache Schätze enthält wie wenige öffentliche ^ Bibliotheken. Als Greis von 8° Jahren war er 1796. ^ gezwungen, diese Bibliothek dem Kloster Muri für eine Leibrente zu überlassen, weil er alle seine Jahr- ® 1!l gehalte aus Frankreich während der Revolution verlohr; ^etil jetzt befindet sie sich in Aarau. S. diesen Artikel. Er starb im J. 1799. in der Stadt Zug. TVcrner Steiner, Wil Landämmann und Feldliauptrnann in mehrern Schlach- biir ten, schrieb eine Chronik der Begebenheiten von 1503. bis 1513. Dessen Sohn, fYerner Steiner , Priester, kji« welcher 1529. nach Zürich gezogen und reformirt ge- tmä worden war, wurde der Stammvater der Steiner in Jshrhi Zürich (welche sich hier als Staatsleute und Kriegs- G männer sehr ausgezeichnet haben), und schrieb eine liegt Geschichte des K. Zug von 1515-1541. mit deutschen tildi Liedern über die alten Schlachten der Eidgenossen, fer- Berg ner eiue Kronik des K. Zug von 1503 - 1516., und !a ,] Anmerkungen zu der Kronik Etterlins , welche sein Kjgel Vater gekauft hatte. — kVcifsenbach , Anselm Karl , — iesset *) Mehrere seiner Werke sind im XVIII. Abschnitte des I. Theils angezeigt. Viele vortrefliche Abhandlungen von ihr« ihm stehen in den Aleinoires de TAcademie royale des ° Xnscriptions et des helles lettres. Tom. a3. 25. 32. 34» ^stii 35 , 36 . 4o. 4z. Ufer Zug (der Kanton). 593 (aus der Stadt Zug), schrieb die Geschichte der Abtey Muri irn XVII. Jahrhundert. Weifsenbach (Job. Kaspar), lyrischer und dramatischer Dichter im XV(I. Jahrhundert; seine zwey Schauspiele, Mademoisell Helvetia, und Hagiophila, wurden zwischen 167a - 78. in Zug aufgeführt, gedruckt, und zwey- bis dreymal wieder aufgelegt. — Kollin (Job .), schrieb eine Chronik im XVI. Jahrhundert. — Malier, (Michel ) berühmter Glasmaler im XVI. Jahrhundert. — Müller, {Paul'), berühmter Glasmaler im XVII. Jahrhundert. — Schell, {Karl), geschätzter Bildhauer iin XVII. Jahrhundert._ TVikard, (Michel), Maler und Baumeister im XVII. Jahrhundert. — Brandenberg {Job. von), Geschichts- und Bildnifsmaler im XVII. und XVIII. Jahrhundert._ Bossart (Viktor), aus Baar, vortreflicher Orgelbauer, und Clausner, geschickter Kupferstecher, im XVIII. Jahrhundert. Geognost. Besch affenheit. Der ganze K. Zug liegt in dem Nagelflue- Mergel- und Sandstein - Gebilde (s. die Art. Albis und Ezel). Die höchsten Berge des Kantons, wie der Ruffi-HeTg, bestehen bis zu ihren Höhen ( 55 l 6 F. über den Zuger - See) aus Nagelflue. Der RuJ'fi-T&eig gehört zu der hohen Nagelflue-Kette an der Nordseite der Alpen, in welcher dessen naher Nachbar, der Rigi, den höchsten Theil ausmacht (s. Rigi). Die Uebergänge der Sandstein - Mergel- und Nagelflue - Lager lassen sich nirgends so bestimmt und schön beobachten, als an dem östlichen Ufer des Zuger- Sees* — Folgende Thatsachen zeigen ir . 38 c 594 Zug (der Kanton). sich hier. In dem Lorez - Tobel, der die Hügelkette des Zuger -Berges durchschneidet, und y 2 St. von der Landstrafse bey Baar entfernt ist: Wagrechtliegender Nagelflue, dessen Geschiebe meistentheils aus feinkörnigem Sandstein und dichtem Kalkstein bestehen, und durch einen grobkörnigen Sandstein, dessen Schichten mit den Nagelflue-Lagern wechseln, nur locker gebunden sind. 2) Gleich jenseits der Stadt Zug erscheint ein feinkörniger fester Sandstein, dessen Lager längs dem See bis an die Sägmühlen , oder Röteli -Egg fort- seuen. Geiade gegenüber zeigen sich an dem Vorgebirge Kiemen ganz gleich streichende und senkende Sandsteinschichten, die aufs deutlichste ihren ehmaligen, und noch jetzt durch den See in der Tiefe fortlaufenden Zusammenhang mit dem Röteli - Egg beweisen. Von den Sägmühlen an wendet sich das Seeufer auf einmal nach Süden, und damit befindet man sich in dem äufserst merkwürdigen Schichten-Durchschnitt des Sandstein- und Nagelflue-Gebildes. Von den Sägmühlen setzt derselbe Sandstein fort, aber 5) Man sieht stellenweise Nagelflue-Geschiebe beygemengt. 4) Weiter hin wird die stellenweise Beymengung der Nagelflue regelmäfsig, so dafs Sandstein und Nagelflue-Schichten abwechseln, aber ohne Ablösungsfläche. Diefs geht so bis PJ'alchfrjl fort. Hier 5) erscheinen härtere Sandsteinlager, ohne Glimmer und Feldspathkörner, aber statt deren mit Quarzsand und Kalksteinkörnern, oft von Kalkspathadern durchzogen. 6) Dann folgen y 2 St. lang Mergellager, welche mit Sandsleinschichten wech- fth ii K»! liebe Lip ten- bohe lieb; Eid m len 1 late eil . 8«8« vom h , tiei welch lern. M \ »tu, lütt; lebet lein Obe r . Zug (der Kanton). 595 sein, auf deren Ablösungsflächen gegen den Mergel sich schöner halbdurchsichtiger rhorahoidaliseher Kalk- spath zeigt. 7) Auf diese Mergellager erscheinen ■wieder feste Sandsteinlager aus Kalkstein und Quarzkörnern, die oft so grofs sind, dafs es in Wurststein (Pudingstone) übergeht. 8) Höher in dem etwas vom Seeufer entfernten Durchschnitt zeigt sich das eigentliche Nagelflue - Gebilde des Ruffi - Berges in starken Lagern, und südwärts sieht tnan den prächtigen Schichten-Durchschnitt des Rigi , an dessen über 4000 Fufs hohen Wand die Nagelflue - Schichten auf das Deutlichste und Schönste beobachtet werden können. (H. C, JEscherJ. — Die Schichten dieser verschiednen Gebilde von N°. 2. an streichen von NO. nach SW. und senken nach S. (Man s. die kleine geognostische Profilkarte vor dem II. Th. und die Art. Art , Rigi, Schrrytz und Altorf). Eine Viertelstunde von Andreaskapelle gegen Art zeigen sich in geringer Entfernung 2-3 vom Ruffi in den See hinabsteigende, durch denselben in gleicher Richtung fortsetzende und an dem Rigi wieder aufsteigende aber etwas verborgne Felsschichten, welche durch ihre Absätze die Tiefe des Sees vermindern. Noch % St. weiter, am Anfang des Sees bey Art läfst sich eine mehr verborgne Schicht wahrueh- tnen, welche in gleicher Richtung wie die vorigen durchs Thal zieht, und am Ruffi und Rigi aufsteigt, lieber noch mehrere Schichten, welche vom Ruffi nach dem Rigi fortsetzen, s. man den Art. Art. Auf der Oberfläche des Sandstein-Gebildes, an den Ufern des Zuger- Sees, liegen ungeheure Granitblöcke von 8000 Ct. Schwere zerstreut, welche vom Gotthard und Crispalt her zwischen dem Rigi und Rnffi- Berg durch Fluthen einst hieher gewälzt worden sind (s. Art'). Sie werden zersprengt und zu den Grundlagen der Gebäude angewendet, und bald wird man keinen dieser so kostbaren Denkmale vergangner Erdrevolutionen mehr hier sehen noch finden *). Ohne allen Zweifel hieng .ehmals der Zuger -See mit dem Luzerner- See zwischen Immensee und Küfsnacht zusammen. Zu ra-Thal, Zuor-Thal fauch Campier-Thal genannt), an der Südseite des Lukmanier. S. Olivone. 0 Zurzach, Städtchen im K. Aargau , nahe am Rhein , zwischen Koblenz und Kaiserstuhl. — Es sind hier römische Alterthümer gefunden worden, und einige Forscher glauben, dafs hier das Forum Tiberii , Andre, dafs Certiacum da gestanden habe. Ist merkwürdig, weil diefs die einzige Stadt in der Schweitz ist, wo jährlich im Frühling und im August beträchtliche Messen gehalten werden. Oberhalb Zurzach liegen die ungeheuren Ruinen von Kiissenberg, ehmaliger Sitz der Grafen von Sulz, welcher die Eidgenossen im XV. Jahrhundert sehr beunruhigte. Diese Burg wurde in *) Bey Buonas und Küfsnacht sähe ich ungeheure Blöcke dieses Granits, welche nur wenig aus dem Boden liervor- raglen, ausgraben, und in hunderte von Stücken zersprengen. Dieser Granit besteht aus grofsem Feldspalh und Quarzkörnern mit wenigen schwarzen Glimmer- blältchen. ZWEYSIMMEN. 597 diesem Jahrhundert von den Eidgenossen zweymal eingenommen, und endlich 1633. von den Schweden unter dem Feldmarschall Horn zerstört. Ein Jost von ICüs- senberg stritt bey Sempach 1386. gegen die Eidgenossen und wurde erschlagen. Man geniefst bey' diesen Ruinen eine weite und herrliche Aussicht. Zutz (lat. Tutium), im Ober-Engadin , K. Grau- bündten. Ist eins der gröfsten und schönsten Dörfer der ganzen Schweitz, in einer sehr angenehmen Lage. Merkwürdig hier der Thurm Planta , das Stammhaus der Famijie Planta *), welche im J. 1139. das Engadin zu Lehn erhielt, in der Geschichte des Freystaats von Bündten eine so wichtige Rolle gespielt hat, noch jetzt hier blühet, und ihr Fajnilien - Archiv hier hat. Johann von Travers , grofser Staatsmann, Krieger und Freund der Wissenschaften, welcher die Reformation auf alle Art beförderte, zuerst in Ladin schrieb, und es auf der Kanzel einführte, war aus Zuz gebürtig. — Sehenswerth hier die Bibliothek des verstorbnen Major Pult. Wege. Von Zutz aufwärst nach Punt ^2 St., und abwärts nach Scamfs *[0 St. (s. diese beyden Artikel}. Zweysimmen, im Simmen-Thale, Kanton Bern. Wirthshaus : Bär. Liegt 2832 F. übers Meer, in dem breitesten und offensten Theile des ganzen Simmen— Thaies, und an der Vereinigung der grossen und klei- *) S. stnr.utationes generales circa velustissimam ac lio ‘ manae originis familiam de Planta. nen Simme; daher dessen Name. Die kleine Simme entspringt auf den Honek- Scklundi- und Horn- Bergen , nicht fern von Zweysiimnen. Den Ursprung der grofsen Simme s. unter Lenk und Simmen-Thal. Wege, Nach an der Lenk im Hintergründe des Simmen - Thaies 3 St., bey dem alten Schlosse Blankenburg*'), wo der Landvogt wohnte, und den Bergen Dürr-Berg und Rinder - Berg, links stehend, vorbey r durch die Dörfer Krodaz , Mofs , Matten, über den Fermel- oder Matten - Bach , welcher aus dem Fermel- Thal kömmt, nach Lenk. Grodaz gegenüber liegt St. Stephan (’s. Lenk). — Nach Saanen 3 St. (s. diesen Artikel.)— Das Simmen-Thal abwärts (s. Ff'eifsenburg'). Pflanzen und geognost. Beschaffenheit. In dem Teufels- Graben bey dem Schlofs Blankenburg wächst Sonchus Flurnieri. — Bey St. Stephan geht Gyps zu Tage (s. Simmen-Thal ). *) Stammsitz des Geschlechts von Blankenburg. Anton von Blankenburg , Bürger der Stadt Bern, war iin J. 133 g. Hauptmann der 600 Berner, welche die Stadt Laupen gegen alle Angriffe verlheidigten, bis die Feinde geschlagen waren (s. Laupen). Folgende Zusammenstellung aller Oerter und Artikel, welche von jedem Kanton der Schweitz und jedem angrenzenden Lande in den drey letzten Bänden aufzufinden sind, wird die Benutzung des Werkes sehr erleichtern. I. Allgemeine Artikel. Aa. Alpen. Gletscher. Lauinen. II. Die neunzehn Kantone der Schweitz. i. Kanton Aargau. Aar. Aarau. Aarburg. Aargau, der Kanton. Baden. Bötzberg. Bremgarten. Bruck. Frey-Aemter. Frick- Thal. Habsbarg. Hallwyler-See. Heidegger-See. Königs- felden. Koblenz. Laufenburg. Lenzburg. Mandacb. Mellingen. Morgenthal. Muri. Rheinfelden. Schafmatt. Schinznacher - Bad. Villmergen. Windisch. ZoHngen. Zurzach. 3. Kanton Appenzell. Appenzell, der Kanton. Appenzell, der Flecken. Gab- risberg. Gais. Herisau, Kamor. Säntis. Speicher. Teufen, Trogen. Vögliseck. Zusammenstellung her Oerter 600 3. Kanton Basel. Angst. Basel, der Kanton. Basel, die Stadt. Ergelz- Thal. Farnsburg. Frenke-Thal. Hauenstein. Langen- bruck. Liechstall. Regolzweiler-Thal. Schafmatt. Sis- sacb. Wallenburg. 4. Kanton Bern. Aarberg. Adelboden-Thal. Afflentschen-Thal. Anet oder Ins. Bern (Kanton). Bern (Stadt). Bieler-See. Blumenstein. Boltingen. Brienzer-See. Biiren. Burgdorf. Cerlier od. Erlach. Diemten-Thal. Emmenthal. Engi- stein. Erlach od. Cerlier. Erleubach. Etivatz-Thal. Fer- tnel-Thal. Finster-Aar-Horn. F’raubrunn. Frienisberg. F'rutigen. Gadmen-Thal. Ganterisch. Gaster-Thal. Gemini. Gentel-Thal. Grimsel. Grindelwald. Gsteig-Tlial. Guggisberg. Gurnigel. Guttannen. Habkern-Thal. Handeck. Hasli. Hindelbank. Ins od. Anet. Interlachen. Joch- Berg. Jungfrau. Justis-Thal. Kanderstäg und Kander- Tlial. Kien-Thal. Langenthal. Langnau. Lauenen-Thal. Laupen. Lauterbrunn. Leifsingen. Lengnau. Lenk. Ma- causa-Thal. Meiringen. Mühli-Thal. Müllinen. Neueneck. Nidau. Niesen. Oberland. Oeschenen-Thal. Oex. Peters-Insel, lleulissen. Rongeinout. Saanen (der Flecken). Saanen od. Sarine (derFlufs). Saanen-Land. Sarine od. Saane (der Flufs). Scheideck. Schreckbörner. Sinuneu - Thal. Spietz. Stockhorn. Thun und Thuner- See. Turbach - Thal. Twann. Unterseen. Weifsenburg, Witnmis. Witlisbach. Yaun-Thal. Zweysimmen. nach den Kantonen. 601' 5. Kanton Freyburg. - Bulle. Charmey oder Bellegarde-Thal. Chatel St. De- nys. Estavayer. Freyburg (Kanton). Freyburg (Stadt). Greiers oder Gruyere. Jaman (Dent de). Jorat. Moleson. Montbovon. Murten. Murten-See. Val Sainte. 6. Kanton St. Gallen. Altstätten. Bildhaus. Boden-See. Gallen (St.), der Kanton. Gallen (St.), die Stadt. Gaster. Goldinger- Thal. Gofsau. Huttens-Grab oder Ufnau. Kalfeuser-Thal. Kobelwies. Lichtensteig. Neckar-Thal. Peterzell. Pfef- fers-Bad. Ragatz. Rapperschweil. Rheineck. Rheinthal. Roschach. Sargans. Sax. Schännis. Schmerikon. Senn- wald. Toggenburg. Ufnau od. Huttens-Grab. Uznach. Wajlenstadt. Wallenstadter-See. Wattwyl. Weifstannen - Thal. Werdenberg. Wesen. Wildhaus. 7. Kanton Glarus. Doedi. Glärnisch. Glarus, der Kanton. Glarus, Hauptort. Klön-Thal. Linth. Linth-Thal. Mollis. Nä- fels. Panteubruck. Pragei. Sernft-Thal. g. Kanton Graubiindten. Albula. Alveneu. Antonien-Thal. Ardez. Assa-Thal. Bergün. Bernina. Bivio oder Stalla. Bregell - Thal. Brusasca-Thal. Casaecia. Cellerina. Cernetz. Chur, Hauptstadt des Kantons. Chuiwalden. Cunters. Davos. Engadin - Thal. Feed - Thal. Fermunt. Ferraina- Thal. Fettan. Fideris. Filisur. ’Finstermünz. Flucla. da— landa. Graubiindten, der Kanton. Jenazer-Bad. Jeuis- 6oa Zusammenstellung der Oerter berg. Inn. Julier. Klosters. Laviner-Thal. Lenz. Luzien- steig. Maienfeld. Malans. Maloja. Maria (St.). Moritz (St.). Münster - Thal. Ober-Halbsteiner—Thal. Parpan. Ponte od. Punt. Pontresina. Prettigau. Punt od. Ponte. I’usklaver-Thal. Remüs. Rhätikon. Samaden. Scaletta. Scämfs. St:arla-Thal. Schalfiker-Thal. Scharans. Schuls. Selvaplana. Septitner. Sils od. Siglio. Soglio. Solls. Süfs. Tiefenkasten. Tomils. Vatz. Zügen. Zutz. g. Kanton Luzern, Entlibuch. Entlibucher-Thal. Knutwyler-Bad. Luzern, der Kant. Luzern, die Stadt. Luzerner- od. Vierwaldstädter-See. Mauen-See. Pilatus. Roth-See. Sempach. Sursee. Vierwaldstädter - oder Luzerner - See. Wäggis. ro. Kanton Schaf hausen. Schafhausen, der Kanton. Schafhausen, die Hauptstadt. Stein. ii. Kanton Schrrytz. Art. Bisis-Thal. Brunnen. Einsiedeln. Ezel. Gersau. Haken. Küfsnacht. Lachen. Lauerzer-See. Mark. Mutta- Thal. Pfeffikon. Pragei. Rigi. Rothcntliurn. Sattel. Schwytz, der Kanton. Schwytz, Hauptort. Steinen. Wäggis-Thal. 12. Kanton Solothurn. Ballstall. Dörnach. Olten. Solothurn, t(er Kanton. Solothurn, die Stadt. 15. Kanton Tessin. 4gno- od. Isone-Thal. Airolo. Beilenz, die Haupt- nach den Kantonen. 603 Stadt. Bellenzer-Thal. Bosco. Camadra - Thal. Canaria- Tlial. Canobio. Cenere. Centovalli. Cgntvall. Dazio. Faido. Giornico, Gotthards-Berg. Isone — oder Agno— Thal. Langen-See. Lavizzara-Thal. Livinen-Thal. Locarno. Lufenen. Luganer-See. Lugano. Maggia- oder Mayri-Thal. Marobier-Thal. Mendrys. Monterasca-Thal. Müggia-Thal. Olivone. Onsernone-Thal. Piora-Thal. Poleggio. Pontirone-Thal. Riviera-Thal. Scaradra-Thal. Tessin, der Kanton. Tessin, der Flufs. Verzasca-Thal. Zura- Thal. 14. Kanton Thurgau. Arhon. Boden-See. Diessenhofen. Frauenfeld, Hauptstadt. Pfyn. Romishorn. Thurgau, der Kant. Zeller-See. 15. Kanton Unterwalden. Alpnach. Briinig. Buochs. Rngelberger-Thal. Kaiserstuhl. Lungern. Luzerner-See. Melchthal. Rotzberg. Rotzloch. Sarnen. Stanz. Stanzstad. Titlis. Unterwalden, der Kanton. 16. Kanton Uri. Adula. Altorf, der ITauptort. Am-Stag. Andermatt. Bürglen. Fluelen, Furca. Gösclienen. Gotthards-Berg. Grütli. Hospenthal. Isen-Thal. Luzerner- od. Vierwald- stadter-See. Maderan-Thal. Maggia- od. Mayn-.Thal. Reufs. Schachen-Thal. Scheer-IIorn. Teils-Platte. Vier- waldstädter - od. Luzernei-See. Uri, der Kanton. Urscrn- Thal. Wasen. 17. Kanton TVaat, Aigle. Avenche. Aubonne. Bex. Coppet. Cossongx. Dole, Genfer-See. Granson. Jaman. Jorat. Joux-Thal. Jurat. Lasarra. Lausanne, Hauptstadt. Montreux. Mor- ges od. Morsee. Moudon. Nyon od. Neus. Orbe. Orbe- Thal od. Vallorbe. Orinonder-Thal. Oron. Payerue. Roche. Rolle. Romaintnotiers. Romont. Vallorbe od. Orbe- Thal. Vauillon. Vevay. Villeneuve. Waat, der Kanton. Yverdun. 18. Kanton Zürich. Albis. Cappel. Eglisau. Fischen-Thal. Greifen-See. Horgen. Hütli-Berg od. Uto. Huttens-Grab od. Ufnau. Knonau. Küfsnacht. Kyburg. Läger-Berg. Lauffen. I.inth. Lunnern. Pfäffikon. Regensberg. Rheinau. Rich- terswyl. Stäfa. Thalwyl. Turbe-Tlial. Ufnau od. Huttens-Grab. Uto od. Hütli-Berg. Wädenschweil. Winterthur. Zürich, der Kant. Zürich, die Hauptstadt. Zürcher-See. ' 19. Kanton Zug. Baar. Blikenstorf. Egeri. Meniingen. Morgarten, Sihlbrücke. Zug, der Kanton. Zug, Hauptort. Zuger - See. III. Die Republik Wallis. Anniviers- od. Einfisch-Thal. Antremont -Thal. Ar- nen. Bagnes-Thal. Bernhards-Berg (der grofse). Bin- nen-Thal. Branchier. Brieg. Cervin- od. Matter-Horn. Diablerets. Einfisch- od. Anniviers-Thal. Eringer-Thal. Ferrex- oder Orsieres-Thal. Forclaz. Fouly. Furka. Gemmi. Gingouph (St.}. Gries. Grimsel. Illiers- od. Lie-Thal. Leuk. Leuker-Bad. Lie- oder Illiers-Thal. Lötsch - Thal. Matt (zur). Matter- oder Cervin-Horn. Maurice (St.) Münster. Midi(Dent de). Morde (Deut de). Moro (Monte). Natters. Nikolai-Thal. Ober-Gestein. Orsieres- oder Ferrex-Thal. Pierre (St.). Rhone. Rosa- oder Saafser - Thal. Siders. Sintplon. Sitten, die Hauptstadt. Trient. Visp. Vispach-Thal. Wallis> die Republik. Zur Matt. IV. Das Fürstenthum Neuchatel. Blaise (St.). Brenets-Thal. Brevine. Chasseral. Chaux de Fond. Cluzette. Cote aux Fees. Ferrieres. Jura. Locle. Motiers. Neuchatel, das Fürstenthum. Neuchatel, die Stadt. Neuchateler-Sce. Rochefort. Rüz-Thal. Sagne- Thal. Travers (Val). Vallengin. Verrieres. V. Länder, welche zu der Schweitz gehörten, und seit 1797. abgetrennt sind. 1. Ehmalige Republik Genf, mit Frankreich vereinigt. Genf. Genfer - See. a. Ehmalige Republik Biel, mit Frankreich vereinigt. Biel. Bieler - See. 3. Einige Thaler des ehmaligen Bisthura Basels , mit Frankreich vereinigt. Dachsfelder-Thal. Imer-Thal. Malleray. Münster. Münster-Thal. Pierre-Pertuis. Sonceboz. . I ah clin . Chiavenna , Bormio , mit dem Königreich Italien vereinigt. Adda. Bernina. Bitto - Thal. Bormio, s. Worms. Braulio. Chiavenna od. Cleven. Codera-Thal. Coiner-See. Fraciscier-Thal. Freel-Thal. Furba-Thal. Jacobs-Thal. Isola. Legnone. Lei-Thal. Luvino-Thal. Malenker-Thal. Masino-Thal. Morbegno. Orteier. Pedenosser-Thal. Plurser-Thal. Ratti-Thal. Sondrio. Splügen. Tirano. Valteliner-Thal. Worms oder Bormio. VI. Einige Landschaften Deutschlands ■ an der Grenze der Schweitz. Boden-See. Bregenz. Feldkirch. Hohentwiel. Kaiserstuhl. Konstanz. Lindau. Meinau. Mörsburg. Oenipgen, Reichenau, die Insel. Ueberlingeu. Zeller-See. VII. Savoyen, oder die zwey französischen Departements Montblanc und Leman. Aiguebelle. Allee blanche. Annecy. Bernhards-Berg (der kleine). Bonneville. Buet. Cenis (Mont-). Cham- hery. Chamouny - Thal. Chede. Cluse. Col de Balme. Col de Bonhomme. Col de la Seigne. Evian. Joie-Thal. Mauricnne (St. Jean de). Maurienne - Thal. Meillerie. 4 DER O E R T E R U. S. F, 607 Montblanc. Montmelian. Salenche. Servoz. Taramaise- Thal. 'Tete noire. Thonon. Valorsine. .VIII. Einige Landschaften des ehmaligen Piemonts, welche theils Frankreich, theils dem Königreich Italien einverleibt sind. Antigorio - Thal. Antrona - Thal. Anzasca - Thal. Aosta-Thal. Arona. Ayas- od. Challant-Thal. Bernhards-Berg (der grofse). Bernhards-Berg (der kleine). Borromäische Inseln (Madre und Bella). Bugnanco- Thal. Canobina-Thal. Cervin- oder Matter-Horn. Cer- vin- od. Tornanche-Thal. Challant- oder Ayas-Thal. Courraayeur. Dobbia-Tlial. Domo-d’Ossola. Entreves- Thal. Eschen-Thal. Formazza- oder Pommat-Thal. Gries. Intra. Langen-See. Lesa - oder Lys-Thal. Ma- cugnaga. Matter- oder Cervin-Horn. Mergozzo. Orta- See. Palanza. Poinmat- oder Formazza - Thal. Kosa (Monte). Sesia-Thal. Simplon. Suze. Toccia. Tornan- che- oder Cervin-Thal. Vedro-Thal. Vigezza-Thal. Viso. Yvrea. IX.* Einige Landschaften des Königreichs Italien. Assina-Thal. Bergamo. Cavargna - Thal. Como. Coruer-See. Cuvio-Thal. Gana-Tlial. Generoso. Intel- vi-Thal. Langen-See. La-vena. Lecco. Luino. Sassina- Thal. Sesto. Travaglia-Thal. Varese. Vedasca - Thal. Verzeichnifs aller merkwürdigen Menschen, welche in diesem 'Werke Vorkommen, nebst der Anzeige des Orts, wo von ihnen die Rede ist. A. S chw eit z e r. \bauzit, Geschichtschreiber, s. Genf und Cenis. Aberli, berühmter Landschaftsmaler, s, Winterthur, und I. Th. S . 149. Acontius, Dichter, s. Uri. Aebli, Hans, Landanimann und Friedensstifter, s. Glarus. — — Werner, Kriegsheld, s. Glarus. — — Stempelschneider, s. Glarus. Affry, .Miterbauer Freyburgs, s. Freyburg. — — Adam, Hauptmann in Murten, s. Freyburg . — — Louis von, erster Landanimann der ganzen Schweitz, zufolge derVermittlungs-Akte im J. 1805., s. Freyburg. Acasse, berühmter Pferdemalcr, s. Genf. Albertoli, Bildhauer, s. Lugano. Alpincs, gekrönter Dichter, s. Cernetz• Altorfer, Maler uud Kupferstecher, s. Uri. Amquel, Matthias und Heinrich, Clarnerhelden, s. Glarus . Amstein, Dr , Naturforscher und Schriftsteller, s* Chur. Amman, Verfasser einer Reisebeschreibung nach Palästina, s. Zürich. 4 Ammerbach, berühmter Buchdrucker, s. Basel. Andermatt, helvetischer General, heschiefst die Stadt Zürich im J. 1801., s. Zürich. Ardüser, mathematischer Schriftsteller, s. Zürich. Verzeichniss merkwürdiger Personen. 609 Abetiüs, Benedikt, einer der ersten Beschreiher der schweizerischen Alpen und Botaniker, s. JViesen. Akcand, Erlinder der Argandschen Lampen, s. Genf Arlaud, Maler, a. Genf» Arnoldi, Anführer des linken Flügels der Schweitzer in der Schlacht von Granson , s, Granson und Uri , Asper, Maler, s» Zürich . AixiivGnAusEBr, Walter von, Landammann in Uri im J. 1306. Unter ihm Erneuerung d'es Bundes der III. Wald* stadte, s. Schwj tz . " — Walter Fürst von, einer der drey Stifter der Eidgenossenschaft im J. i 3 o 8 ., *• Steinen» — — — Held in der Schlacht von Sempach im J. 138Ö» s» Sempach . AxiBiGifjE, d', Befestiger Genfs und Geschichtschreiber, s, Genf, Fremde , Abundiu«, Jacob, Abt von Disentis, Verf. einer Rcisebe* Schreibung nach Jerusalem in romanscher Sprache, s. I, Th. & 277. Addison, berühmter dramatischer Dichter und Schriftsteller Englands, Verfasser einer Reise durch die Schweilz , s. /. Th. S . 17 1. Adelheid, Kaiserin, Friedensstiftern, s. Orbe * — — Markgräfin von Suze, öffnet Heinrich IV. den Alponpafs, s. Fevay, Aklics, Priester Augusts, Wohlthäler der Stadt Moudon, s. Moudon. Aenea x, Silvius (Piccolomini), Pabst, s. Basel. ArspRj'HG • Verfasser einer Reise - Beschreibung durch difc Schwei tz, s, I. Th. S. i 84 * Aghis, Königin von Ungarn, s. Baden und Königsfelden. Ai.brecbt, Herzog v. Oftsterreich, s. Brugg und Dmterthar. — — deutscher Kaiser wird erniordel, s. Baden und , Jionigsfelden. At.butius ; Silus, v. Arona. ir. 59 Allobrogen, s* Alpen * Altrihcer , österreichischer General, nimmt Rheinfelden durch List, s. Bheinfelden, Amadeus, Herzog v. Savoyen und Pabst Felix V., s» Thonon, Amoretti, Naturforscher, s. Corner - und Zangensee, Vi~ gezzathal, und /. Th, S, 100. Akdreae, deutscher Gelehrter, Verfasser einer Reiseheschreibung durch die Schweitz, s. I. Th, S. 175. Anno, Abt von St. Gallen, uiugiebt im X. Jahrh. die Stadt St. Gallen mit.einer Mauer, s. St, Gallen, Anton, von Burgund, Heerführer gegen die Schweitzer, s. Murten, Antonin, geographischer Schriftsteller, s .Biel, Bivio, Bregell und Cunters . A&bstio, Feldherr des Kais. Constanz, s, Beilenz und Bern* hardino, Arcun, Peter von, Schiedsrichter in einer grofsen eidgenös- sichen Angelegenheit, s. Lindau, Arialdo, Verfechter des Coelibats, s. Luino, Augusius, s. Alpen, Bodensee , Suze, B. Schn’ eit z er. Balm, Rudolf von, Mörder Albrechts I., s, Halhvyler-See, Königsfelden und W^itlishach, Balthasar, Joh. Ant. Felix von, einer der ersten Geschichtsforscher der Schweitz, Schriftsteller und Stifter der Bibliothek des K. Luzerns, s. Luzern uud I, Th % S • a 3 o. a 3 i. a 3 z. 3 a 3 . Barze, Johann, Dichter, s, Sursee, Bauhin , berühmter Arzt und Professor, s. Basel, Baumgarten, Conrad von, Unterwaldner, tödtet den Vogt Wolfenschiefs im J. 1307., 9. Stans . Beda, Abt von St. Gallen, Vater seines Volkes, s. St, Gallen, Bll, Pierre, aus der Waat, Verl, einer Wegkarte durch den Kanton Bern, s, /, Th. S, 219. 6n t MERKWÜRDIGER PERSONEN. ' Beli, altes Geschlecht in Davos, s. Davos • — — Lahdammann, Stifter des Zehengerichtenhundes, s. Prettigau. Benedict, Niclas, heldenmüthiger Kämpfer gegen die Frau- zosen im J. J 798 » s. Fraubrunn # Benz, Land^chaftszeichuer, «. I. Th. S. i6,<^ Berchem, Berthoud von, aus der Waat, Herausgeber eines Wegweisers, s. I. Th. S. Berenger, Geschichtschreiber Genfs, s I. Th. S. 245. Bernouilli, Daniel, Jacob und Johann, grofse Mathematiker, s. Basel , und I. Th. S. 176. 240. Bero, Graf von Aargau, Stifter des Kloster Beronmünster, s; Luzern , der Kanton. Beroldingen, von, altes Urner - Geschlecht, s. Uri . Bertha, Gemahlin des Graf Ulrich von Vineiz, Erbauerin der Kirche zu Neuchatel, s. Neuchatel , die Stadt. Berthoud, Ferdinand, Neuchateier , Erfinder der Seeuhr zu Bestimmung der Länge, s. Travers. Bertrand , Elias, Gelehrter und Schriftsteller, s. Orbe. Beza, Theodor de, grofser Reformator und Nachfolger Calvins, s. Genf und Lausanne . ^ Bianchi, Gcschichtsmaler aus Lugano, s* Lugano und Vare.se . Biedermann, treflicher Maler, s. Winterthur und I. Th , S. iÖ5. Birrmann, treflicher Landschaftsmaler, $, Basel und 2 . Th . * 5 *. 160. Bischofberger, Kronikschreiber Appenzells, s, 7 . 77 *. J. 238. Biveron, ausSamaden, im Engadin, der erste Uebersetzer in ladinischer Sprache, s. St. Moritz, Blankenburg , Anton von, Hauptmann der Berner zu Laupcn, s. Laupen. Bleuler, Landschaftsmaler, s. Schafhausen , und 7 . 7 %. 5 166. Bochat, Professor und Alterthumsforscher, s. Zöuiamic, und 7 . 77 *. i?. 224. Bodmer, Dichter und Kritiker; s. Bodensee und Zürich, Boner, Fabeldichter in Zürich, s . Zürich . Bonnet, berühmter Naturforscher, s. Coppet und Genf. Bonnivard, Gründer der Bibliothek zu Genf, $. Genf und Vevay. 6ia V EHZEICHNISS Ho^stettt* . AlWecht von , GeschicHtschrPlber, «. Einsiedetn. — — — Carl von, geschätzter Schriftsteller, s. Bern, Nyoit) Sarnen , und 1 . Th. S. 183. 196. —- — — Roll von, Tapferer Berns, 9 Granson. — — — Ulrich von , Stammvater der noch lebenden Bonstelten, s. Zürich. Bossard, Zürcher-Landmann , Herausgeber seiner Lebensbe- Schreibung, s* TVinterthur. — —• Zuger, vortreflicher Orgelbauer, s. Zug , d. Kanton. Bourget, berühmter Gelehrter und Naturforscher, s. Neu- chatel, Bourrit, ßeachreiber mehrerer Reisen in die Alpen, s. Genf, und I. Th. S. 174. 175. 301, Bousquet, R*‘f**rmator, s. Genf. Boyve, Schriftsteller über die Gesetze der Waat und Neu* chatel«, s. I. Th. S . a4°» 242* Braeker, Toggenburger, armer Moufselinweber und Schriftsteller , s. /•/'' attwyl, Braeisdli, Unterwaldner - Hauptmann, fiel in der Schlacht bey St. Jacob 1444 » s« Unterwalden. BR\?t»E!fBERG, Job. von, Zuger, Geschieht«- und Bildnifsma* ler, s. Zug, der Kanton. Brardis, von, altes und erlös; bene« Geschlecht, s. Burgdorf* — — Thiiring von, Stifter eines Klosters, s, Entlebuch und Erfenbach. —- — Wolfarth von, Erzfeind der Schweitzer, s. fiagats» Breitikcer, Reformator und berühmter Theolog, s. Zürich • David, Verfasser einer militärischen Karte von der Gegend Zürichs, s. J. Th. S. 137. — — — J. J., berühmter Gelehrter und Kunstrichter im XVIII. Jahrhundert, s. Zürich. Bridel, Dichter und Professor, s. Lausanne , und I. Th. S. 188. Brieivz, Graf Arnold von, Stifter des Klosters zu Seedorf* s. Fluelen . Briguet, Schriftsteller über Wallis, s. /. Th. S. 2 42« Brukiser, Alterthuimforsehcr, *. Basel y und I. Th. S. 238. »*• —» Daniel, Verfasser einer Karte des Kanton Basel» s. /. Th. S . x3i. MERKWÜRDIGER PeRSONEX. 6l3 Brust, Rudolf, Haupt einer politischen Parthey, mächtiger Bürgermeister von Zürich, Zerstöhrer Ilapperswyls. Unter ihm tritt Zürich zum Bunde der IV. Waldkantone, s. Rapperswvl und Zürich . Ekumner , Beförderer der Reformation , s, Glarus . Bubejvberg, von, altes Geschlecht, welches Bern erhauen half, und dem Staate viele Helden und grofse Staatsmänner gab, s, Bern und Spitts, — von, Minnesänger, s. Zürich, •“* ™ — Adrian von, heldcnmiithiger Yertheidiger Murtens, s. Murten, Johann von., Feldhauptmann, s, Laupen. Bitzler, Hanna Maria, Bündtnerin, Heldin gegen die Franzosen im J. 1799., s. Heichenau, Bütcdt, Thomas in der, Walliser - Held , s. Münster, Buesikcer, Geschichtsschreiber Unterwaldens, s, Unterwalden und /. Th, S, 23 a. Büttikow, Thüring von, Hauptmann der Berner, s. Granson, Bullihgzr, berühmter Reformator und Nachfolger Zwingli’s, s. Rremgarten und Zürich, — — J. B. Maler, s. I, Th, S> 14g. Burgauer, Reformator im Rheinthal, s, Rheinthal, Bcrkard van Schwanden, oberster Meister des deutschen Ordens , s. Glarus, Buswf* Peter, gekrönter Dichter, s. Selvaplana. Buzeliw, Geschichtschreiber, •. Thurgau, Fr e /n de» Bacgeset?, berühmter dänischer und deutscher Dichter, Verf* einer dichterischen Reise nach Lauterbrunn, Parthe- nais betittelt, s. Lauterbrunn. Balmat, Jaques, einer der ersten ßcsteiger des Montblanc, s. Montblanc, Bayle, berühmter Schriftsteller und Philosoph, s. Coppet und Suze.^ Beatus, Engländer, Verbreiter der christlichen Religion in der Schweitz, s. Thunersee, 614 Verzeichniss Beaufoy, Engländer, nimmt die Polhöhe des Montblanc auf, s. Montblanc. Beccaria, altes Geschlecht, s, Veltlin. Bellisle, französischer General, s. Rheinfelden . Bellovese, Anführer der Gallier, 600 Jahr vor Christi Geburt, s. Alpen und Varese • Benedict XIII., Pabst, a. Konstanz, Berengars Gemahlin, vertheidigt die Insel Julio, s. Ortasee . Bernhard , Herzog von Weimar, s, Rheinfelden. Bertha, Urenkelin Karl des Grofsen, Erbauerin des Frauen- Münster in Zürich, s. Zürich. — — Burgundische Königin, Erbauerin des Münsters zu Payerne, und Stifterin des Heil. Ursusstiftes zu Solothurn im X. Jahrhundert, s. Payerne und Solothurn , Bertholet, berühmter Chymiker, s. Annecy. Besson, französischer Mineralog, Verf. einer Reisebeschreib. durch die Sehweite, s I. Th. S. 18 ^. Bethengourt, französischer General, s. Simplon. Bitsch, Graf von, kämpft in den Reihen der Schweitzer, s. Mutten. Blaiiyville, Gelehrter Englands, Verf. einer Reisebeschreib. dureü-die Sehweite, s. I. Th. S. 173. Boiufaz, Markgraf, Erobrer des Schlosses von Murten, s. Murten , Borromaeo, Carl, Stifter eines theologischen Seminariums für Schweitzer in Mailand, s. Arona und Iiristalinerthal. — — — Friedrich, Stifter enes Hosjitiums auf dem Gotthard, 8. Gotthard und Poleggio. — — — Vitaliano, s. Borromäische Inseln. Bourgois, setzt die Psalmen in Musik, s. Genf. Bouterwek, berühmter deutscher Philosoph und Professor zu Göttingen, Verf. von Briefen auf einer Reise durch die Sehweite, s. 7 . Th. S. 193. Bramawte, berühmter Baumeister, s. Como und Sesto . Brandenburg, Churfürst Friedrich von, s. Diefscnhofen % und Konstanz. Brun, Friederike, aus Dänemark, deutsche Dichterin, *. üfjron , und 7 . TA. S # 197. Brune, französischer General, eröffnet den Feldzug gegen Bern , s. Bern und Neueneck. Brunhilde, fränkische Königin, stirbt durch Henkershand, s. Orbe . Brüys, Peter von, Abt von Clugny, 8 . Fischcnthal . Bonaparte, erster Konsul Frankreichs und Ertheiler der Vermiltlungsakte, s. Bernhards - Berg und I. Th . S. 220* Burkard, Herzog von Schwaben, umgiebt Stein mit Mauern im 3 . 996. s. Stein. Burnet, berühmter Geschichtschreiber Englands, Verf. einer Reisebeschreib, durch die Schwciiz, s. /. Th, S. 17a, c. Schweitzer. Calvin, berühmter Reformator, s. Genf. Campel, Ulrich, der erste Geschichtschreiber Craubiindtens, • und Reformator, s. Siifs. Canelino , Geschichtsmaler, s. JVorms. Cappeler, Naturforscher und Schriftsteller, s, Luzern. Carabelli, berühmter Baumeister, s. Meudrjs. Carloni, Bildhauer, s. Lugano. Chal&iandrier , Verb eines Plans der Stadt Genf, s. I. Th, S. 143, Chandieu, Anton von, Staatsmann bey dem König von Navarra und Prediger zu Genf, s. Lasarra. Chavannks, aus. Yevay, Verf. eines Werks über die Unter« terrichts- und Erziehungsmethode Pestalozzis, s, I, Th. S . 244. ChIalderar, Bündtner, bekämpft die tyrannischen Vogte, s, Schamser • Thal. Christen , Unterwaldner, fällt in der Schlacht von St» Jacob, s, Basel und Unterwalden. — — — aus Stanz, treflicher Bildhauer, s. Basel un Pusclav und TVorms. Cürti, venetianischer Patrizier, Yerf. eines Werk® über die Sehweite, $, /. Th. S • 194* D. Schrreitzer . Daegerfelden , Konrad von, Mörder des Kaiser Albrecht 1 ., s. Baden und Königsfelden, Delarive, treflicher Maler, s. Genf 'Deluc, berühmter Naturforscher Genfs, s. Buet y Genf) und I. Th, S. 176. 216. 319. Demekcha, Landantmann in Misox, eifriger Bergwerks-Unternehmer im K. Bündten, s. Ferrera - Thal y Misox , Tiefenkasten und Trotts, Dekitler, humoristischer Schriftsteller, s. Langen - Thal. Diessbach, Niklas von, einer der gröfsten Staatsmänner Berns, und Feldhauptmann, s Bern , Freyburg und Granson, Dietsghi , Bildhauer, s. Zürich. Diocc, Bildnifsmaler aus Ürsern-Thal, s. Andermatt, Discepoli, Maler, s. Lugano. Divico, Heerführer der Helvetier, Besieger eines römischen Heeres, und Haupt des helvetischen Volks, bey dem Wegzuge aus der Sehweite, s. Alpen, Genf und Villeneuve. Doret, Bildhauer, s. Vevay. Drok, Jactjues, berühmter Mechaniker, s. Chaitx de Fond, Dcckos, treflicher Maler, s. Lausanne, Dufour» Haupt einer YVaatliindischen Kolonie iu Kentuki, and Pflanzer des ersten Weinbergs in Nordamerika,, s. Montreux, Dusk-kr, Maler in Bern, «• I. Th, S. 14O, merkwürdiger Personen. 619 DupRe, Einsiedler und Aushöhler einer unterirdischen Kir- che im K Freyburg, s. Fr er bürg. Du*.™, Prof, zu Lausanne, Verf. einer Statistik derSchweitz, *• /* 27 ». S . 23 2 . Fremde» Dagobert, erster fränkischer König, ®. Konstanz u. MÖrsburg . Denina, Geschichtsforscher, s. Bernhards • Berg, D esaix , franz. General, s Bernhards - Berg, Dietrich , König von Italien, bekriegt seinen Schwiegersohn Siegmund, König von Burgund , s. 5 /. Maurice. Dolcino , Haupt einer Sekte und Märtyrer sciiicr Lehre, $• Domo d’Ossola. Dowati, italienischer Naturforscher, s. Chedc, Drusus, Stiefsohn des K. August, Ueberwinder der Rhätier, s. Alpen , Graubündten , Lindau und Windisch, Domas, französ. General, Yerf. der Anaales miiitaires, Alpen, Sch pv eit z er, Ecilari), Kronikschreiber, s Toggenhurg, Edl ibach, Kronikschreiber Zürichs, s Zürich, Effinczr, Held in Grauholz gegen die Franzosen im J. 1798. s. L'raubrunn . Eich, Jakob zur, aus Zürich, Herausgeber seiner Reise nach Guinea im XVII. Jahrhundert, s Zürich . Engelhard, Conrad, berühmter Feldhauptmann Zürichs im XVI. Jahrhundert, s. Zürich, Erlach, von, eines der ältesten noch bestehenden Schweitzergeschlechter, s. Bern, ^ _ Ulrich von, Anführer der Befner in der Schlacht am Donnerbühel, s. Bern, _ Rudolph von, der siegreiche Feldherr der Berner bey Laupen, s. Bern und Laupen, —, _ Rud. von, Held und Feldherr am Tage von Mur- tfcn, s, Murten, Erlach, von, Feldherr des Bernerischen Heeres gegen die Franzosen im J. 1798. wird von seinen WafFenhrü* dem ermordet, s, j Fraubrunn, Ermeltraut, Maler, s. Freyburg, Eschenbach-Waedenswyl, Ulrich und Wolfram, berühmte Dichter im XIII. Jahrhundert, s. Zürich, — — —• —- — — Walter von, Meuchelmörder Kaiser Albrecht II., ’s. Albis , Baden , Cappel und 7iö- nigsfelden, Escher, II C., ausgezeichneter Mineralog und Geognost, Ober- Aufseher der Arbeiten bey den Linth-Versumpfungen, s, VFesen, Zürich, und 7. Th S', 315. — — von Berg, Verf. einer Schrift über die Feilenberg, Landwirtschaft, s. 7. Th , V. 234* EsiAVAYe. Claudius von, ein altes Ges blecht, s Estavaye . Euler, Leonhard, einer der gröfsten Mathematiker, s, Basel , Eupa, Baurin aus S hleims, rettet 1499. durch List das Unter- Engadin, s Bemus, ExchaQitet, Verfertiger von Reliefs und Karten einzelner Gebirgsgegenden u. Landschaften, s. 7. Th, S* 130* 140. Fremde, Ebel, Dr. , Verf. dieser Anleitung, der Schilderung der Ge- birgsvölker der Schweitz, und über den Bau der Erde in den Alpen u. s. w. , s. /. Th. S. 198, 317. Eberhard, Graf, Stifter des Klosters Einsiedeln, s. Einsiedeln* Eggers, C. D. von, Dänischer Staatsrath, Verf, einer Schrift über die Schweitz, 9. I. Th, S, 199* Eppenstein, Ulrich von, Abt von St. Gallen, durch seine männlichen Eigenschaften merkwürdig, s. St, Gallen, Eptinger, Hermann von, fehdet die Stadt Basel durch seinen Hund, s, Rheinfelden. Erasmus, Desiderius, s. Basel, Essasseriaux , französischer Gesandter in Wallis, Verf, einer Schrift über Wallis, s. 1 . Th. S * 204. MERKWÜRDIGEM PERSONEN. F. Schypeilzer. Ü2I I Faesi, J. C., Verfasser einer Geographie der Schweitz, s. I. Th. S. 221. Faesi , Professor , Herausgeber einiger Schriften, die Schweitz. betreffend, s. /. Th. S. 220, 223. Falconi, Bildhauer, s. Arona und Lugano. Falkeisen, treflicher Kupferstecher, s. Basel. - Falkenstein, Graf, Thomas von, Erzfeind der Schweitzer und Mordbrenner von Bruch, s. Bruck , Farnburg und Rheinfelden. — —- — Graf von, Gründer des Stifts Clara "Werra zu SchÖnenwcrth, im VII. Jahrhundert, s. Solothurn. Farel, Reformator, s .Genf Fassbind, Verf. einer Karte des K. Luzern^ s. I. Th. S. i 5 3 * Favrod, Schulmeister zu Oex in Sarnen, ausgezeichneter Pflanzenkenner und Entdecker, s. Oex. Faussicni, Peter von, Hauptmann der Freyburger in de» Schlacht von Murten, s. Freyburg . Feer, Verfasser einer treflichen trigonometrisch aufgenomme- neu Karte des Rheinthals, s. Rheinthal^ I. Th. S. 136. Fegeli, Hans, Feldhauptmann Freyburgs, befehligt den rechten Flügel der Schweitzer an der Schlacht von Murten, s. Murten. FeLlenberg, Emanuel von, berühmter Landwirth und Verbesserer der Landwirtschaft zu Hofwyl, s. Bern und 1 . Th. S. 224. Ferrari , Maler, s. Locarno. Feyerabend, Dr., erster Besteiger des Titlis, s. Engelberg. Flue, Niklas von'der, berühmter Einsiedler Unterwaldens und Retter der Eidgenossenschaft im J# 1481. s. Sarnen und Stanz • m — Walter auf der, Bischof von Wallis. Unter ihm schliefst Ober-Wallis ewiges Bündnifs mit den Eidgenossen, und erobert ganz Unter - AVallis im Jahr 1475., s. Amen und JVallis. — — Georg uf der, Partheyhaupt in Wallis im XV, und 622 Verzeichnis* -XVI Jahrhundert, wird aus Wallis vertrieben, s. Brieg und Fisp. Foktatne. Chorherr, Gelehrter und Schriftsteller, s. Freyburg und Lausanne. Fohtapta, Bündner-Held und Sieger, «• Remus. — — Domin., berühmter Baumeister und Mechanikus, 9 . Lugano. Fossati, Anton und Georg, Maler und Kupferstecher, 9, Lugano. Fostzr, Hauptmann der Bieter am Tage von Murten, s* Murten. Frei, Ges hlchtschreiber , s. Zürich. Fkeudenberger, vortreflirher Ma'er ländlicher Sittenstücke, s. Hern und /, Tb S 1 65 . Frey, Jacob, treflicher Kupferstecher, s. Luzern. Fries Gelehrter , s. Zürich. Frizzohi, der einzige Maler Engadins, s. St. Moritz. Frobeh, berühmter Buchdrucl er in Bas* 4 !, Hasel . Froburg, Graf von, Slifter des Klosters im Schönthal und eines Klosters zu Zohngen, s. Lattgenbruck und Zo- fingen. Fromewt . Reformator, s* Genf. Fuchs, Ildephons, Geschieht* hreiber, s Rheinau. Füesli, berühmter Gb-ckengiefsor, s. Zürich. — — Maler im XVII. Jahrhundert, s. Zürich. — — Caspar, Verfasser eines Werbs über die berühmten Maler der Schweitz, s« I. Th. S. 244* « — Conrad, Verf. einer Geschichte der Waldenser, £* Fischen - Thal. — —*. Hans und Heinrich, Geschichichtschreiber, s. Za* rieh und I. Th. S. s 3 o. a 33 . — — Heinrich, Geschichtsmaler, s, Zürich • — — Heinrich, Landschaftsmaler, s. I. Th. S. 162. •— — J, C, , Entomologe, I. Th, S. 2*8» — — H. H., Geschichtsforscher und Fortsetzer des Allg, Künstlerlexikons, s. Zürich. — — Joh. Conrad, Verf. einer Geographie der Schweitz, s, Zürich und /, Th t S. 221. 623 merkwürdiger Personen. Füesli, Rud., Verf. des Allgemeinen Künsllerlexikons, s. Zürich. Rudolph, Maler und Verf. eines Verzeichnisses der befsten Kupferstiche, s Zürich. Fuws, Adeihcrt von, Abt von Oiseutis, romanschcr Schriftsteller im VIII. Jahrhundrrt, s. I. 2'h S *'177. Flss, Niklas, greiser Methenialikcr und Mitglied der Akademie zu Petersburg, s. Basel, Fr emd e, Fabius, Quintus, römischer Konsul, Besieger der Allobrogen, s. Alpen. Feiiber , schwedischer Naturforscher, Verf. einer mineralog* Reise durchs F, Neuchatel, s. 7 , Th S. 216. Fichte, berühmter deutscher Philosoph, spricht sein Urtheil über Pestalozzis Erziehungsmethode aus, in seinen Reden an die deutsche Nation, s. 7 . Th.S. 24 4* u. 345* Fischer , von der Gesanglehre nach Pestalozzi*« Methode , s. Lenzburg, FolaRd , Geschichtschreiber und Comentator des Polybius, 5, Bernhards - Berg, F&idolih, irländischer Mönch, Stifter des Klosters Seckingen und der ersten Kirche im K. Glarus, s. Glarus. FjuedHicu I., deutscher Kaiser, setzt eine Kolonie Deutsche ins Rheinwald-Thal, s. Rheinwald-Thal. — I., König von Preufsen, wird Oberherr des F, Neuchatel, s. Neuchatel, —. — II., König von Preufsen, s. Chaux de Fond, Afe» tiers , Neuchatel . _ ^. Wilhelm III., König von Preufsen, tritt 5 as P* Neuchatel an Frankreich ab, s. Neuchatel . G. Schvreitzer, Gabriel, Stephan, Engadiner, Verf. dei in Biindten üblichen Katecbismu», «. ieltan . / 6 24 Verzeichniss GafneR , Abraham, tapferer Kämpfer gegen die Franzosen 1798., s. Langnau. Gallati , Kaspar, berühmter Feldmarschall m franz. Dienst, s. Glarus, — — Giarner-Gelehrtcr, s. Glarus, Gartenhaeuser , über die Rcligionsunruhcn Appenzells, s. /. Th. S . 237. Gaudin, Prediger zu Nyon , geschätzter botanischer Schriftsteller, s. Nyon und I. Th. S. 214, Gebestrass, Pantaleon von, erster Schultheifs von Solothurn» im J. 1 ^ 25 . s. Solothurn • Celter, aus Wallis, Minnesänger im XIII, Jahrhundert, s« Zürich. Centil, treflicher Mechanikus, s. Chaux de Fond. Gering, Ulrich, der erste Buchdrucker in Frankreich, s. Lu • zern , der Kanton. Gesler, Landvogt Oesterreichs, in Uri u. s. w, wird von Teil erschossen, s, Altorf, Iiüfsnacht , Lenzburg und Luzerner m See, Gessner, Conrad, grnfser Naturforscher, und Zoologe im XVI. Jahrhundert, s. Zürich, und I. Th, S. 17a. 214. 317. —* —- Con ad, lebender Bataillen- und Landschaftsmaler, s. Zürich. — — Georg, Verfasser einer Lebensbeschreibung Lava* ters, s. Zürich. — —. Johann, grofser Naturforscher, einer der Stifter des physik - ökonomisch - naturforschenden Gesellschaft, s. Zürich , und 1 . Th. S. ai 3 . 219. — — Salomon, Idyllen-Dichter und treflicher Landschaft** Maler, s. Glarus, Zürich , und I. Th. S. 146. Gingins, Job, von, Erbauer des Schlosses Chatelar, s. Fevay. GiRaüdet, in Locle, Maler und Kupferstecher, s. I, Th. S. i 48 « Glan, Wilhelm von, Stifter der Abtey Hauterire, s. Freyburg. Glük, Peter, tapferer Kämpfer gegen die Franzosen 1798* s. Langnau • \ MERKWÜRDIGER PERSONEN. 625 Göldlih, Caspar, berühmter Fehlhauptmann von Zürich, s. Granson und Zürich . Heinrich, Bürgermeister Zürichs* 6 , Frey bürg und Zürich * b>. B., lebender Geschichtschreiber der Sehweite, 6. /. Th. S . 3a4. Gozbert, Abt von St, Gallen , einer der Stifter und Vermeil- rer der Kloster-Bibliothek, s. St. Gallen. Graf, Anton, einer der berühmtesten Bildnifsmaler, s. Win~ terthur. Grafe? s. Stanz, Heinz, von Stein, Bauern - Anführer gegen Jen Adel im IX. Jahrhundert, s* Schaff hausen, — — Maler, s. Bern. Heinzman, Verf. einer Schrift über die Stadt Bern, s. I, Th, S, 239. Heitz, berühmter Glarner-Gemsjäger ,*s, Glarus, x IIemmerun, Felix, grofser Gelehrter und Schriftsteller Zürichs, im XIV, und XV, Jahrhundert, wurde ein Opfer seines Eifers für "Wahrheit, 9, Zürich , Herlobig, Margaretha, Gattin Werner Stauffachers, hat grossen Theil an dessen Entschlüfs, s. Steinen. Hermann, Freyburger, Tapferer in der Murtenschlacht, s. Freyburg, Hermanni , Verf. einer Schrift über das Geschlecht der Tschudi, s. Glarus, llERRE^scnvrATSD, berühmter Arzt, s, JKfurfen. HertfjTstein , grofser, Staatsmann, berühmter Feldherr Luzerns, s. Freyburg, Granson , Luzern . Hess, L., einer der gröfsten Gebirgsmaler der Schweitz, s, Zürich und /. Th. S . » 47 * IIessi, E., Stifter eines Nonnenklosters zu Steinen im XIII. Jahrh., s, Steinen, — — Gabriel, berühmter Kriegsbefehlshaber des XVII. Jahrhunderts in fremden Densten, s, Steinen, Hirzel, J. C., Dr. und Rathsherr, Stifter der helvetischen Gesellschaft zu Olten, berühmter Gelehrter und Schriftsteller, s. Olten , Zürich, und I, Th. S . 233, 334. —. — JoÜ. Caspar, Stadtarzt und Präsident der merkwür» digen Hülfsgescllschaft in Zürich, s. Zürich, Höchle, Maler, s. Baden, Hopfner, Alhrecht, aus Biel, Naturforscher und Verf. einea Werks über den Freystaat Biel, s. I. Th, S, 211, 216. und 242« Hofmann, Reformator Schafhausens, s, Schaf hausen . — — Maler im XVII. Jahrh., s. Zürich, Hohenbalken , Entdecker der Heilquelle von Pfeffcrs, Hoheitbaum, Moriz van der Meer, einer der gelehrtesten Be- nediktinermöche in der Schweitz, Geschichtsforscher und einer der fruchtbarsten Schriftsteller, s. Rheinau. Hohensax, Ulrich von, Feldhauptmann in der Schlacht von Murten, in der Schlacht von Frastenz, Feldherr eines Schweitzerheere? in Italien i 5 ia. s Sax und Murten , — —- Hans Philipp von, wurde 1596, von seinem Vetter ermordet, und sein Leichnam war noch in der letzten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts unverwes’t, s. Sennwald. mm — Friedrich von, verkauft seine Landschaft Sax an Zürich 161 5 ., s. Sax. Holbein, berühmter Maler, s. Basel. Homberg, Graf von, s. Hornberger-Thal* Horner, aus Zürich, Astronom, Erdumschiffer mit dem rus-» sischen Seekapitain Krusenstern im Anfang des XIX, Jahrhunderts, s. Alpen. Hory, aus Neuchatei, Alterthumsforscher, s. Keuchatel (das Fürstenthum), IIottinger, Heinrich, einer der grüfsten Orientalisten im XVII* Jahrhundert, s. Zürich. — — — Heinrich, Geschichtschreiber, 8 . Zürich und 1 . Th. S. 229. _ — — J, J., GeschichichtschreiLeä, s. Zürich und /• Th. S. 329. mm —. — J* J,, Professor, noch lebender grofser Philologe, Gelehrter und Schriftsteller, s. Zürich, Hozz, österreichischer General (aus Richterswjrl), fällt im Gefechte gegen die Franzosen, im September 1799* s, Feldkirch und Schännis. — Dr,, berühmter Arzt, s. Richterswj'l. Huber, Landschaftsmaler, s. Zürich • — — in Genf, trellicher Maler und Bildnifsausschneider vermittelst der Scheere, s. Genf. — — der Blinde, berühmter Naturforscher der Bienen, in Ouchy, s, Lausanne. Hünenberg, Heinrich von, aus der Gegend von Zug, Dienst- MERKWÜRDIGER PERSONEN. 63 * mann Oesterreichs, erzeigt den Schweizern i3i5. ein^n wichtigen Dienst, s. Art und Bürgten • Hugo, Bischof von Lausanne, macht sich sehr verdient uni seine Zeitgenossen, s, Romont und Lausanne. Huneried, Graf von Chur, Stifter des Frauenstifts von Schän- nis, s. Schännism Hckt/vyl, Grofser Staatsmann, berühmter Feldherr Luzerns, s. Freyburg , Granson und Lusern» Fremde • Hackert , Landschaftsmaler, s. /, Th, S . i5$ und 159. Hacquet, deutscher Naturforscher, Ycrf, einer Reise durch Bündten, s. I, Th. S. 185* Hannibal, Feldherr Carthago’s, übersteigt die Alpen, und schlägt die Römer, s. Alpen , Arona y Bernhardsberg, Sesto und Varese. Hanrich, Haupt einer Sekte, s. Fischenthal. Harmes, deutsche Dichterin, Verfasserin mehrerer Gedichte, die Schweitz betreffend, s, /. Th. $. 346. H edwig , Herzogin von Schwaben, den Musen hold, s. Hohentwyl. Herter, Wilhelm, tapfrer Feldhauptmann der Stadt Strasburg , s. Murten. Heigehn, Verf. einer Reisebeschreibung durch *Bündten, s. I. Th. S. 337. Heinrich I., deutscher Kaiser, Erbauer des Münsters zu Basel, s. Basel. — — II., — — — — s. Bregelthal. — — III., — — — — s. Solothurn • — — IV., — — — — s. Vevay . — — VI., —* — — — s. Pfeffers. — — IV., König von Frankreich, s. Montmelian. Heinse, berühmter deutscher Schriftsteller, Verf. einiger Briefe über die Schweitz, s. I, Th. S. igi. Hiacinthus de Quiros, Spanier, Professor zu Lausanne, s. Lausanne. Hieronymus, von Prag, Lehrer auf der Universität zu Prag, und Märtyrer der Wahrheit, s. Konstanz. V ERZEICHNISS 632 Hildegaide, Urenkelin Carl des Grofsen, Erbauerin des Frauen-Münsters in Zürich , s. Zürich, H iller, österreichischer Oberst, s. Feldkirch . IIilperich, burgundischer König im V. Jahrh., $. Genf. HiRVUtGER, Tapferer des Frickthales gegen die Ungarn, s, Frickthal . Hork , schwedischer Fcldmarschail, s. Zurzach, Hess, Johann, Lehrer auf der Universität zu Prag, und Märtyrer der Wahrheit, s. Konstanz. Httteh , Ulrich von, einer der edelsteu und gröfsten deutschen Männer im Anfang des XVI. Jahrhunderts, s. Iluttensgral. Schweitzer, Jacob, Dichter im Mittelalter, s. Solothurn, Jauch, Urner - Held in der Schlacht am llirzel, s, Sorgen und Uri. Ida, Gemahlin Graf Radbots von Habsburg, Stifterin der Abtey Muri, s. Muvjr. •— — wird von ihrem Gemahl, Graf von Toggenburg von der Burg herabgestürzt, s, Lichtensteig. Jezler, Stifter eines Waisenhauses, s. Säntis u, Schafhausen, Jaihof, von Blumenfeld, Feldhauptmann Uris, fallt in der Schlacht am Hirzcl, s. Sorgen und Uri. Johakkes III,, Abt zu Disentis, Erbauer des Hospitals Maria auf dem Lukmanier, s. Lukmanier. Irmikger, Becker, und eines der angesehensten Regierungs- Glieder Zürichs, wird von den Russen 1799. erstochen, s. Zürich. IsxLin, Mitstifter der helvetischen Gesellschaft zu Olten, und berühmter Schriftsteller, s. Basel y Olten , und 7 . Th. S. a 3 9, Iso, einer der gelehrtesten Benediktiner - Mönchen von St. Gallen, s. Rheinthal. Ixs, Dccan und berühmter Schriftsteller Berns, Verfasser 1 eines amtlichen Berichts über die Pestalozzische Erzie* hungsanslalt, s. Bern, und /. Th. S. 244 . Justincer, Kronikschreiber Berns, s, Bern, Fremde, Jellachich, österreichischer General, s. Feldkirch., Jevan ap Einion ap Griffith, englischer Heerführer, wird von den Bernern geschlagen, s. Fraubrunn. Johann, Herzog von Schwaben, Mörder seines Oheims, Kai* ser Albrecht I., s. Königsjelden, Johann XXIII., Pabst, entflieht aus Konstanz und wird ge* fangen, s. Konstanz. Johann Philip^ Rheingraf, erobert Rheinfelden, s . Rheinfelden, Johansen, Verfasser einer Schrift über Pestalozzis Anstalt, s. I, Th. S. 344. 34Ö. Joux, burgundischer Hauptmann und Vertheidiger der Burg zu Orbe, fallt als Held gegen die Schweitzer, 9. Orbe, Inier, Ritter, erster Ansiedler im Imerthal, s. Imerthal, K. Kaesli , Kaiser , Schw eit z er, Pfarrer in Unterwalden , fanatische Demagogen, die das Volk von Nidwalden 1798* in* Unglück stürzen , s. Stanz.. Keller, Felix, grofser Feldhauptinann der Zürcher, s, Gran* son und Zürich. —. — Dichter im XVI. Jahrhundert, s. Zürich, — — Job. Balthasar, einer der berühmtesten Verfertiget von metallenen Bildsäulen und Kunstwerken im XVII, Jahrhundert, s. Zürich, — — Heinrich, vortreflicher Bildhauer in Rom, s, Zürich, _ _ Herausgeber einer Karte des K. Luzern, s, 1 , Th» S, 15 2* — — treflicher Gebirgszeichner und Landschaftsmaler, S» Zürich , und 1 , Th, S. 162, i63. 634 Verzeichniss Keron, Mönch in St. Gallen, einer der ersten Schriftsteller in deutscher Sprache, s. St. Gallen. Kessler, Job», Beförderer der Reformation in St. Gallen, Kronikschreiber und Dichter, s. St Gallen. Kirohkr, Rost, aus Sarnen, Minnesänger im XIII, Jahrh., s. Zürich. * .KiRCHHortR, von Schafhausen, Verfasser einer Schrift über Sam. Wagner, Reformator seiner Vaterstadt, s. I. Th. S. 3 a 5 . Klauber, Maler des Todtentanzcs, s. Basel. Klausner, Kupferstecher in Zug, s. Zug. Kleinjogg, berühmter Landwirth, s. Eglisau, und Dr. Hir* sebWerk überden philosophischen Bauer, I. Th.S. 234. Klingen, von, Minnesänger im XIII. Jahrhundert im Thurgau, s. Zürich. Klincenberg, Heinrich von, Bischof von Konstanz, Geschichtschreiber über das «Haus Habsburg, s. Stein» — —» Joh. von, T I Kronikschreiber im XIII. Jahr- — — — Joh, von, > I hundert, s. Stein , —» ~ — Joh. von, % König, treilicher Landschaftsmaler, 9, Unterseen , und /• Th. S. i 36 . — Emanuel aus Bern, Naturforscher, s. I. Th. S . 219, Kolin, Peter, der erste Zuger, welcher Landammann seines Kantons wird, und als Held in der Schlacht von Bel* lenz fällt, s. Beilenz und Zug , — — Joh., fällt in der Schlacht bey Bcllenz, s. Bellenz und Zug. — — Joh, Verf. eirier Kronik im XVl. Jahrh., s. Zug. Kon rad, Landammann von Uri, fällt als Held in der Schlacht von Sempach, s. Sempach . Kuekzle, Briefbothe, Haupt des Volkes im Gebiet der Abtey St. Gallen, wahrend dortiger Staatsreform, s. Gofsau. Kuhn, Verfasser einer Karte vom Grindelwaldthale, s. /. Th. S. i 38 » und 139. Küster, macht sich verdient um das Rheinthal, s. Altstädten. — — Maler, s. Winterthur , und /. Th. S. I48. Kxburc, Graf von, eines der ältesten und mächtigsten Ge* jchiechter innerhalb der Schweitz, s. Kjhurg. merkwürdiger Personen. ' C35 Ktbüsc, Graf Welf (der Grof»e von ) , Erbauer von Kyburg, s. Kjburg. ™" “““ t^raf Hartmann von, Gründer der Stadt Diefsenho- fen, und Erbauer der Stadt Winterthur im XII, Jahrhundert, s, Diessenhofen und JT'interthur. — — Graf Hartmann von, der letzte diese« Stammes im XITI. Jahrhundert, s. Kyburg, *— — -Btrp, Graf Rudolf von, Haupt einer Verschwörung gegen Solothurn im XIV. Jahrhundert, s. Solothurn und Witlisbach. - Bijrodorf, Graf von, s, Burgdorf, - Thujt , 1 gegen einander im XIV. Jahrhundert, und erstrer verpfändet Thun an Bern x s. Thun, K.euh, preussischer Feldmarschall und Gouverneur von Neu- chatel, Beschützer Roufseau's, s. Motiers und Neuchatel . Ki.opstock, einer der gröfsten Dichter Deutschlands, Verfasser einer Ode über die Au im Zürichsee, s. /. Th. S. 246. Koktablaias, Professor der griechischen Sprache in Basel im XV. Jahrhundert, $, Basel. Rorsakow, Feldherr des russischen Heeres in der Sehweite im J. 1799. wird von dem französischen General Mas- sena bey Zürich geschlagen , s. Zürich. Küssekberg, Jost von, fällt in der Schlacht von Sempach al$ Feind der Schweitzer, s. Zurzach. Küttker, deutscher Gelehrter, Verf. zvreycr Reisebeschrei- büng du.rch die Sehweite, s. i. Tk. S. i 85 . Lacrekaz , grofser Botaniker, s. Basel. Lafond, Landschaftsmaler, s. Bern , und ‘I* Th, S. Lambert, Reformator, s’. Genf 1 Graf Eberhard von , waltthätigkeiten Fremde, L. Sch vf eit z er. $ \ K 636 V ERREICHNISS Landenberg, von, eines der alles len Geschlechter in der Schweitz, s, Glarus und Turhenthal. * — — Minnesänger im XIII Jahrh., s. Zürich. — — — Beringer von, Österreichischer Vogt zu Sarnen, und Tyrann Unterwaldens im Anfang des XIV. Jahrhunderts, s Sarnen •™* — Hans von, Hauptmann Zürichs im Schlofs Greifensee, im Bürgerkriege 1444., wird von Ital Beding, nebst seiner Besatzung hingerichtet, s. Greifensee . — H'ins von, tapfrer Hauptmann der Zürcher im hurguudischen Kriege, s. Granson und Murten. Lakdolf, Errichter einer ladinischen Druckerey in Pusclav, und Befördrer der Reformation in den italienischen Schweitzer - Gegenden , s. Pusclav. Landwiwg, Johann, aus Zug, Held in der Schlacht von Bellenz, $. Bellenz und Zug. Langenstein , von, Stifter der Abtey St. Urban, $. Langenthal, Lasarra, Ebal von, Stifter eines Klosters im Joux-Thal, s* Joux~ Thal. Lavater , berühmter Theologe und Schriftsteller im XVI» Jahrhundert, s. Zürich. — — Kaspar, einer der berühmtesten Männer des XVIII. Jahrhunderts, Dichter, Verf. eines Werks über Phy- siognomick, und viel andrer Schriften, s. Zürich. Lauffen, Elias von, errichtet die erste Druckerey in der Schweitz, s. Kanton Luzern. Lauffer, Geschichtschreiber, s. I. Th. S. 226. Leemann, guter Astronom im XVI. Jahrh., s, Zürich . Lefranc, Martin, Dichter im XV. und XVI. Jahrhundert, s. Lausanne . Lenzburg, Graf von, eines der ältesten und mächtigsten Geschlechter der Schweitz, s. Lenzburg. — — Ulrich von, Schirmhauptmann der Waldkantone im XIII. Jahrhundert, s. Schyvytz. Leu x J. J., berühmter Geschichtschreiber Zürichs, s. I. Th. S . 226. 23 l. Lifs , treflichcr Zeichner und Kupferstecher, 3. Zürich. Lrnoiu, Bildhauer, s, flendryr. Lobwasser, Uebersctzer der französischen Psalmen Calvins ins Deutsche, s. Genf. 1 Locher, Maler, s. Freyburg, Lorit , Glarner, Dichter und grofser Gelehrter, s. Glarus. Lory, Landschaftsmaler, s. Bern und 7. Th. S. 148, i5a, 155. Loup, Yerf. einer Karte des südwestlichen Theils des Berner- Oberlands, s. I. Th, S. 138, 139. Luce, Abt von Bellelay, Stifter einer Erziehungsanstalt, s. Dachsfelden, Lüssi, Pfarrer, fanatischer Demagoge in ^Jnterwalden, stürzt seine Mitbürger in grofses Unglück, s. Stanz. Lütishofen, Schultheifs von Luzern, und Kriegsheld, s. Horgen. Lutz, Pfarrer, Vert eines Werks über Basel, s. 7. Th.S. 239. Fremde. Landriani, P. C., guter Maler Veitlins, s. Sondrio. Langenstein, Arnold von, Erbauer des Schlosses auf de* Insel Meinau, s. Meinau. Lapide, Joh. de, berühmter Professor zu Basel im XV. Jahrhundert , s. Basel. Laufenbürg, Graf Johann von, der letzte dieses Zweiges des Habsburger - Stamms , s. Laufenburg. Laurentius, italienischer Kapuziner auf dem Gotthard, Wetterbeobachter während langer Jahre, s» Gotthard. Lazzarino, Hauptmann der Veltliner im XIV, Jahrhundert, s, Veltlin . Lebrun, französ. Maler, s. Borromäische Inseln . Lecourbe, französischer General, s. Bernhardin und Luser - nersee. Leger, Joh., Geschichtschreiber, s. Suse. Legnani, italienischer Maler, s. Varese . Lehmann, deutscher Gelehrter, Verf# einiger Schriften über Bündten, s. 7. Th. S. a36 und 327. Leinincen, Graf von, kämpft in den Reihen der Schweitzer an der Murtner- Schlacht, s. Murten . Ligario, Pietro, der befstc al,Ur Maler Veltlins, % Sondrbm 638 Vuriäichniss Link, Anton und Konrad, Landschaftsmaler, s. /. 37 t. S. i 5 g. und i 5 f>. Livics, Titus, Geschichtschreiber Roms, s. Bernhardsberg. s. I Tk> S . 157. Lothar P Söhne Kaiser Ludewig des Frommen, halten mit Lvdewig ^ ihrem dritten Binde? Car Zusammenkunft wegen Theilung des Reichs, s. Orbe, Locterbourg, aus dem Elsafs, vortreflicher Landschaftsmaler, Ludi.Ow, Edmund, Engländer, Richter Carls I. Königs von England, und Geschichtschreiber seiner Zeit, s. f'evay. Ludwig XL, König von Frankreich, liefert als Dauphin eine blutige Schlacht gegen die Schweitzer 1444#) macht Riindnifs mit den Eidgenossen, giebt ihnen Jahrgehalte, reizt sie zu dem Kriege mit Carl dem Kühnen, nimmt sie in den Sold u. s, vr., s, Basel , Konstanz und Zürich. Luino, der befste Schüler Leonardo'« da Vinci, s. Varese . Lupiciin'ius , Burgunder, Stifter des Klosters Romain-Motiers, St. Claude im Joux-Thal und noch zwey andrer Kloster, s, Romain-Motiers, M. Schvreitzer. Maderxa, Carlo, grofser Baumeister, s. Lugana. — — Stephan, Bildhauer, s. Lugano. Magati, Geschichtsmaler, s. Mendrys, Maulet, aus Genf, Geschichtschreiber, s. Genf, •— —* Verf einer Karle der Waat und Genfs, s. 1 . Th. S , 142. Maness, Rüdiger, Held gegen Oesterreich, und Bürgermeister von Zürich, im XIV. Jahrhundert, s. Baden. —■ — Rüdiger, Ritter, Minnesänger, Sammler vieler Gedichte des XII. und XIII« Jahrhunderts, s. Alhis und Zürich . Matter , Heinrich , aus Bern, Hauptmann an der Schlacht ▼on St, Jacob 1444. , s. Basel. M£RKWURDIGER PERSONEN. 639 Maurer, Josias, Verfertiger einer in Holz ge&chnittnen Karle des K. Zürich, s. I. Th. 8. i 36 . Rudolph, Vcrf. kleiner Reisen i/n Schweilzerland, und einer Schrift über die Bäder in der Schweitz, $. /. Th. S. 191. 316. und 234. — — lebender Landschaftsmaler, s. Zürich. Mat, fällt als Held gegen die Franzosen 1798., s. Traubrunn. *“ *° n Romain-Molier, Geschichtschreiber, s« I. Th. S. 227. Mazetti , Bildhauer, s. Lugano . Mechel, Christian von, in Basel, berühmter Kupferstecher und Herausgeber mehrerer Karten , Landschaften und Gegenden der Schweitz, s. Basel und I. Th. S. 1^4. Megger , von Bremgarten , tapfrer Hauptmaun in Rapperswyl gegen die Schweitzer, s. Bapperswyl. Meier von Knonau, Hauptmann der Zürcher, und Kriegsheld im J. 1443., s. Morgen . — — von Schauensee, Luzerner, grofser Organist, s Luzern , — von Baldegg, aus Luzern, Mönch zu Einsiedcln, Dichter, s. Einsiedeln • — — tapfrer Hauptmann der Rapperswyler gegen die Schweitzer, s, Bapperswyl . — •— Zürcher, Maler im XVII, Jahrhundert, s. Zürich. — —■ guter lebender Kupferstecher, s, Zürich und I. Th. S. 147* — — Zürcher, in Weimar» treflicher Antikenzeichner, s, Zürich. — — J. R., Besitzer einer Bandfabrik in Aarau, hat auf seine Kosten die ganze Schweitz aufnehmen, iu erhob« ner Arbeit darstellen und trefliche Karten herausgeben lassen, s. I. Th. 8* 143, — — Rudolph, zu Aarau, Geognost, Mineraloge und Schriftsteller, s. Aarau und /, Th. S. 21 5 . Meis, von, altes Geschlecht in Zürich, besteht noch, s« Zürich • Meisner, Dr. , Prof, zu Bern, und Naturforscher, s. Bern und /. Th. 8. 21a. 218 und 219. Meister, Leonhard, berühmter Geschichtschreiber und Schriftsteller Zürichs, $. /. Th. 8. i 5 t, aaa, 327, aas, * 3 ^ 233 und 244, u Meister, Heinrich, berühmter Schriftsteller in französischer Sprache, s. Zürich . Merz, Dichter im X. Jahrhundert, s« Zürich • Meyer, $, Meier . Minichow, Jakob, Kaplan, "Walliser-Held, s# ^fu/ufer. Möscuic, Kronikschreibcr von Saanen, s» Saunen • Mola. , Maler, s. Lugano . — — Joh. Raplist, Maler, s. Mendrys • — — Peter Franz. Maier und Direktor der Akademie St. Lukas, s. Mendrys • Monod, aus der Waat, Verf. einer Schrift über die Revolution in der Schweitz, s. /. Th . *y. 239. Montenach, von, ein sehr altes Geschlecht, welches Freyburg mit erbauen half, s. Freyburg • Montmolin, Alterthumsforschcr, s. Neuchatel, Monts, Freyherr von, Gründer der Stadt Rolle, s. Rolle • Moos, Schullheifs von Luzern, fällt als Held, s. Sempach . Mooser, treilicher Klavier- und Orgelbauer, der noch lebt, s. Freyburg • Morell , in Bern, Verf. eines Werks über die Bäder der Schweitz, $. /. TA* 5 1 . 216. Moretini, aus dem Maggiathal, berühmter Jngenieur, sprengte das Urnerloch, s. Maggia - TW und Amstä g. Müller , Hans, aus Bern, ein Tapfrer im Burgundischen Kriege , s. Yverdun, — — Johann, Landammann Unterwaldens, Kriegsheld im J. i 443 m 8 * Morgen, _ _ Johann von, aus Schafhausen, der berühmteste Geschichtschreiber der Schweitz, s. Nyon , Schafhausen , und /. TA. & 227. — —■ J. Georg, Professor zu Schafhausen, Verf# mehrerer W’erke , s. Schafhausen • — — oder Hhcllicanus, Zürcher, Herausgeber einer der ersten Alpenreisen, s. /. TA. S. 170. — — Zürcher, einst Professor au Berlinj Ycr£ Michel ? aus Zug, berühmte Glasmaler im XVL Paul x un( i XVII. Jahrhundert, s. Zug . MERKWÜRDIGER PERSONEN. G/ { l Reise durch einige Kantone der Schweitz, s. I, Th, S. 188 - Müller, Mathematiker, der viele Berghöhen gemessen, und einige herrliche Schwei'zerkarten in erhobner Arbeit verfertigt hat, $. Engelberg und Luzern Müllitien, llemmann von, Feidhauptmann Berns, s. Granson. Muhlcr , Rudolph ion, Feldhauptmann Berns, $, Laupen, Mummenthaler , Mechanikus, s. Langenthal . M.uralt, Simon, aus Locarno, berühmter Feldherr in Italien, s Locarno und Como. — — Zürcher, Bildhauer, s. Zürich. Mure, Konrad von, Dichter im XIII. Jahrhundert, s. Zürich . Murer, Josias, Maler im XVI, Jahrhundert, und Verf. einer * Karte des Thurgau., s. Zürich, Muhet, aus der Waat, statistischer Schriftsteller, s. Vevay und I Th, S. 24°* Muz, Thurgauer, Geschichtschreiber, s. Thurgau, Mukrith, Probst des Wallisischen Klosters des Bernhards- Bergs, Natur- und Allerlhumsforscher, $. Bernhards - Berg und Martinach, Fremde, Maetsch, Graf von, Herr von Pusclav, s, Pusclav. Maoaoald, schottländischer Mönch, Gefährte des Gallus, und Heidenbekehrer in der Schweitz, s. St , Gallen, Makenberg, Strafsenbauer im Münsterthal, im X. Jahrhundert, s. Münsterthal, MAi.iCRiDA, Maler Veitlins, s. Tirana, Marcellus, römischer Konsul, besiegt die cisalpinischen Gal ier 178. J. vor Chr, Geb., s. Varese , Marcossay, Bischof von Genf, und Erbauer von Genfs Ringmauern , s. Genf. Maria Theresia Charlotte, Tochter Louis XVI., hingerich- teten Königs von Frankreich, s. Laufenburg, Marius, römischer Konsul, vernichtet die Cimbern 114 J. vor Chr. Geh., s. Arona. _. __ Burgunder, Gründer von Payerne, Bischof von Lau- 45 m \ IV. Verzeichniss 64z sänne, und ChronikschreÜber im VI. Jalnk., s. Law sänne und Patente . Markakd, berühmter deutscher Arzt und Schriftsteller, Verf. einer Reise durch die Schweitz, s• /. Th. S. 194. Marsus, spanischer Gesandte in der Sehweite, $. /. Th» S. 171. Martin V. (geborner Graf Otto Colonna aus Rom), wurde i4ig. von der Kirchensammlung zu Konstanz zuiu Pabst erwählt, s. Konstanz, —- — Geschichtschreiber, s* Bernhardsberg. Martikus, Bekehrer der Einwohner der Waldkantone zum • Ghristenlhum, s. Schwytz . Martyr , Petrus, gelehrter italienischer Bischof, wird Protestant und Professor der Theologio in Zürich im XVI, Jahrhundert, s. Zürich . Nassem, französischer General, Feldherr des französischen Heeres in der Schweitz und Besieger der Russen int J. 1799. s. Zürich. Mathisson, berühmter deutscher Dichter, Verf. von mehrern Gedichten die Schweitz betreffend, und vieler Briefe über die Schweitz, s. Nyon und /. Th. S. 195, Mautertuis, berühmter französischer Gelehrter, s. Dörnach » Maurice, Anführer der thebaischen Legion, Martjrer des Christenthums, s* St. Marice. ÖIedigino, Giacomo, kühner Räuber, nachher Feldherr Carls V., s. Corner •See. Medikus, deutscher Gelehrter, Verf» einer Schrift über die Alpenwirthschaft, s. I. Th. S » 2 i 3 . Meimers, berühmter deutscher Professor zu Göttingen, Verf* einer der befslen Reisebeschreihungen durch die Schweitz, s. I. Th. S. i 87 * Meinrad, Graf zu Hohenzollern, Einsiedler, s. Einsiedeln. Mentkon Bernhard du, aus Aosta, Gründer des Klosters auf dem Bernhards-Berg, s. Bernhards -Berg. Mercurin, Kanzler Kaiser Karl V., s* Arona. Merian, Verf einer Topographie Helvetiens, s» 7 . Th. S, Meklo, Don Juan de, spanischer Ritter, veranlagt in Basel einen prächtigen Ritterkampf im J, s. Basel. M£HKWürdiger Personen 6 43 Merveili,eux , Verf. einer Karte von Neuchatei, s* /. Th 4 S, 14 r. Munch, Burkard, Erzfeind der Schweitzer, führt das Heer der Franzosen gegen die Eidgenossen, und findet auf eine eigne Art seinen Tod nach der Schlacht von SU Jacob, s. Basel. Montanus, elegischer Dichter, s. Conto. Montaigne, Michel von, berühmter Schriftsteller Frankreichs im X\I, Jahrh,, Verf. einer Reisebeschreibung durch die Schvreitz, s. /. Th. S. 194. Montfaucon, Freyherr von, erbaut die Mauern von Orbe, s. Orbe. Montfort, Graf Rudolph von, Wohlthater seines Volkes*, s, Feldkirch. — — Graf Rudolph von Werdenberg-, berühmter Dichter im XIII. Jahrh. , s» TFerdenberg. Morazzont Maler, s. Como und Farese. iV. Schweitzer, Naegeu , Schultheifs von Bern, Eroberer der Waat im J. 1536., a. Kern und Waat. —- — Georg, Gründer einer Singanstalt au Zürich, Torf, einer Gesanglehre, und der musikalischen Zeitschrift Teutonia, s. Zürich, Necker, Genfer, Staatsminister Frankreichs im Anfang der Revolution, und berühmter Schriftsteller, s. Coppet. — — Frau von, Schriftstellerin, s. Coppet _ Neuchatel, Graf ßurkard von, Erbauer der Burg Erlach im XI. Jahrh., s. Erlach. — _ Graf Ulrich von Yinelz, Hersteller der Stadt Neu- chatel im XI. Jahrli., s. Neuchatel. _ _ Graf Rudolph II. von, läfst das Rüz-Thal im XII. Jahrhundert urbar machen, *. Küz - Thal. — — Graf Ulrich von, giebt der Stadt Neuchatel einen Frcyheitsbrief im XUI. Jahrhundert, s, Neuchatel. 644 Verzeichniss Neuchatel . Graf Ulrich und Rudolph von, Minnesänger im XII# und XIII. Jahrhundert, s. Zürich. —• — Graf Berchtold von, Erbauer de« Schlosses Yal- lengin, s. Vallengin, — Graf Cuno von, Erbauer des Klosters St. Johann, s, Erlach.' — — Graf Ludewig von, der letzte dieses Zweiges im XIV. Jahrhundert, s# Neuchatel • ~ — Grtf Conrad von Hochberg, Erbe des Fürsten- thums Neuchatel, schliefst ewiges Bündnifs mit Bern, welches die Grundlage der Unabhängigkeit Neuchatel« vcrm deutschen Reichs wird, ». Neuchatel. — — -Nidau, Graf Rudolph von, Wohlthater von Et- lach im XIII# Jahrhundert, s# Erlach . — — — — Graf Rudolph V. von , erbt das Fürstenthum Neuchatel im XIV. Jahrhundert, und ist der letzte dieses Zweiges, s. Neuchatel und Eurer, Nossetki, Baumeister, Lugano . Notker, Mönch in St# Gallen, Dichter und Uebersetzer aller klassischer Werke im IX. Jahrhundert, s. St, Gallen, Fremde, Natoleoi?, Buonaparte, Kaiser der Franzosen, läfst prächtige Heerstrafsen üher den Simplon und Cenis im Anfänge des XIX. Jahrhunderts bauen, und schenkt das Fürsten* thum Neuchatel im J, igo6# an den General Ber- thicr, s. Cenis , Neuchatel und Simplon, Nellenbcrg, Graf Eberhard von, Stifter der Abtey Allerheiligen in Schafhausen, und Mönch in derselben y s. Schaf hausen, Nicolas, Pabst, nöthigt die nach Lausanne gegangne Kirchen* Versammlung von Basel, sich aufzulösen, im J. i449* s. Basel. Niemeyer, deutscher Gelehrter, Verf. einer Schrift über Pe* stalozzi’s Methode,.«. /. Th. S. 234 und aa5* Normaitk, deutscher Gelehrter, Verf, der bisherigen bcLteft Geographie der Schweitz, s. I, Th. S . 223. merkwürdiger Personen. 645 0 . Schweitzer. Odet, Botaniker, j\ Freyhurg. Oecolampadiüs (d. i. Hausschein), berühmter Theologe in Basel, s. Basel • Oeri, Felix, berühmter Feldhauptmann Zürichs im XV. Jahrhundert, s. Zürich. — — lebender Gcschichtsmalcr in Zürich, s. Zürich. O roeto r ix, Helvetier, vor Christi Geburt, veranlafst die Auswanderung des ganzen helv. Volkes, s. Genf. Osterwald, Neuchateler, politischer Schriftsteller, s. I. Th, S. 241. Othmeier, erster Abt von St. Gallen, und Gründer einer berühmten Schule im VIII. Jahrh., s. St» Gallen . Ours, St., Maler, s. Genf. Ower, Hans, Schlachtensänger, s. Ragatz, Fremde» Oetvingew, Cuno von, Stifter des Klosters Oeningen, im X, Jahrhundert, s. Zcllersee. Oesterreich, Herzog Albrecht von, schlägt im XIII. Jahrhundert die Zürcher, s. Brugg und Winterthur . — —. — Herzog Leopold I. von, bekriegt die jungen Eidgenossen, und verliert 1515* die Schlacht am Morgarten, s. Arty Baden, Egeri und Zug. _ — — Herzog Leopold von, Erbauer der Brücke über den Zürchersee i 358 ., s. Rapperswyl . _, _ Herzog Leopold III. von, bekriegt die Eidgenossen, verliert die Schlacht bey Sempach, und bleibt selbst, s. Baden und Sempach. _ _ _ Herz. Friedrich von, bekriegt die Appenzeller und verliert die Schlachten am Stofs und zu Wolfshal- den , wird in Acht und Bann erklärt,* und verliert fast alle seine Länder, s .Appenzell, Brugg , St. Gallen , Gaifs und Konstanz , < I 646 Verzeichnis* Oesterreich, Erzherzog Sigmund von, verpfändet Winterthur an Zürich im J. 1467. und sch'iefst ewigen Frieden mit den Eidgenossen, s. Konstanz , Prettigau , Winterthur und Zürich, — — — Erzherzog Carl von, Fe'dherr des österreichischen Heeres in der Schweitz, im J, 1799. besiegt die Franzosen , s, Zürich, — —• — Erzherzogin Margaretha von , vermählt sich in Romain — Motiers, s. Pomain- Motiers. Oettikgem, Graf von, Hauptmann der Strafsburger in den Reihen der Schweitzer an der Schlacht von Murten, s 4 Murten, Oraihen, Prinz von, hurgundischer General Carl des Kuhnen gegen die Schweitzer , s, Murten, — — Prinz von, Oberherr von Neuchatel, s. Neuchatel, Oriani, italienischer Astronom und Mathematiker , s» Comei - see, Langensee und Luganersec . Otto I., deutscher Kaiser, schenkt im X, Jahrhundert die Kirche im Schamserthal an den Bischof von Chur, si Einsicdeln und Zilis, p. Schweitzer. Paracelsus, aus Einsiedeln , berühmter Professor der Arzney- kunde und Schriftsteller, s. Basel. Patin , Alterthumsforscher, s. Basel. Paul, trcflichcr Mechaniker, ?, Genf. Plsta i.o/./1, Heinrich, aus Zürich, Verfasser des so geschätzten Volksbuches Lienhard und Gcrtrude, einer Schrift über die Entwicklung des menschlichen Geschlechtes, berühmter Gründer einer neuen Elementar - Methode des Unterrichts in einer grofsen Erziehungs-Anstalt, s. Burgdorf , Stanz , Yverdun, und I. Th, S. 344. a 45 . Petitot , Maler, s, Genf Peyer , H., «Verfasser einer Karte von Schafhausen, s. /. Th. S. 157. PrENNiftGER, Maler, von Zürich, s. I. Th. S. 168, ( mfrkwurdiger Personen. 647 Pfyffer, Ludewig, aus Luzern, Oberst, Retter Carl IX. Königs von Frankreich, und dessen Mutter Catharina von M dicis, s. Luzern . —■ — Geueral in französischen Diensten , Erfinder der in erhobner Arbeit verfertigten Karten der Schweitz, s. Luzern . Picxet, Professor der Physik, Mathematiker und berühmter Schriftsteller, s. ßuet , GenJ\ und I . Th , S. 334. Pisoki, aus Locarno, Baumeister, s. Solothurn. Planezia, Wilhelm, Abt von Diseutis; unter ihm beginnt der Pafs über den Gotthard, s, Gotthard . Planta, sehr altes Geschlecht in Graubündten, s. Zutz. — — Martin, ausgezeichneter Physiker und Mathematiker, Erfinder der Elektrisir - Maschine aus ' Glasscheiben , Gründer einer Erziehungs-Anstalt, Chur und Süjs, — — Pompeius und Rudolf, Brüder, Partheyhäupter in Bündtcn, s, Engadin • — — Verfasser einer Schrift über die romanische Sprache, s, l. Th. S, 237. Plantijj, Professor in Lausanne, Geschichtschreiber, s. Th» S. 224. 225 . Platter, Thomas, Walliser, berühmter Professor der Arzney- kunde und Reformator, s. Basel. Pol, Prediger und Naturforscher in Biindten , s. Fiderishad. Pontaninja, Peter von, Abt von Discnlis, Stiller des grauen Bundes, s, Disentis und Trons • Port, aus Uri, fällt als Held, s, Sempach . Porto, Roseius ä, Geschichtschreiber ßüudtens, s. Fettan» und 2 , Th. S. a 35 . Pourtales, Neuchateler, Erbauer eines Krankenhauses iai J >808», s. Neuchatel . Pozzi, Pfarrer in Airolo, sucht das Hospitium des Gotthard 1802. wieder aufzubauen, s. Gotthard. pRAZrosms, das älteste Geschlecht Crauhündtens, s. Bregell. Puntiner , Paiinei träger von Uri, fallt als Held, s. Bellen^, mmm — Landammann von Uri, setzt den Herzog Sforza ein, s» Zürich. 6/,8 "V erzeichriss r: • : % -A> Püry, David, grofscr Wohlthäter seiner Vaterstadt, s. Neuchatei. — — de Itive, Neuchatelcr, Kronikschrcibcr des XV. Jahrhunderts y s. Neuchatel. Fr em de • Paccard , Dr., der erste Besteiger des Montblanc nebst Keniat, s. Chamouny. Pahjilo, italienischer Maler, s. Varese. Paraviciki, Maler Veltlins, s, Veltlin. Perpekti, in Como, Erfinderin des Aniianthspinnens, s. Conic^ Petrarca, berühmter italienischer Dichter, &. Varese. Petris, Petro de, Maler Veltlins, s. Morbegno. Peyer, von , verkauft das Rheinthal an Appenzell, s, Rheinthal. Piatti, F., guter Maler Veltlins, s, Sondrio. Pichler, Tvroler - Jäger aus Passeyr, erster Besteiger des Orteier, s. TVorms . Pini, italienischer Naturforscher, s. CoffAard, Langensee , Pommat, Travagliathal , und /. 7A. A’. 215 Pi pik , von Herstal, llausmeier des Königs von Frankreich) Stifter des Klosters St. Gallen, und Erbauer des Schlosses Bipp, s. St. Gallen und JVitlisbach. — — König von Frankreich, sendet ein Heer über die Alpen , s. Lukmanicr. Pirminius, Stifter des Kloster* Reichenau im ^111, Jahr* hundert, s. Zeller-See. Plakcus, Munatius, General des Kaisers Augustus, Führer einer Colonie nach Augusta Rauracorum, s» Augst und Basel. Plinivs, aus Como, berühmter römischer Schriftsteller, s. Como und Cömersee. Poccio, Franz, berühmter italienischer Gelehrter, Entdecker mehrerer klassischen Autoren in der Abtey St. Gallen, s. Baden, St. Gallen und Konstanz. Pokocre, berühmter englischer Reisender, ist der erste, welcher Chamouny besucht, s. Chamouny. PoLYBiu«) griechischer Geschichtschreiber, s. Bernhardsberg. Pompljus , berühmter römischer Feldherr, geht mit einei“ Heere über die Alpen, s. Alpen. merkwürdiger Personen, 649 Posselt, deutscher Gelehrter, Herausgeber von Annalen, worin viel Aktenstücke über die Schweitzer-Revolution, s. /. Th. S. 11&. Pustinari , italienischer Maler, s. Varese. PaocACCiHi, Maler, s. Borromäiscke Inseln , PnoTAsius, Yenetianer, Einsiedler im V* Jahrhundert ztt Lausanne, &. Lausanne. R. Schwelt z er. Raetzi, Landammann von Schwylz, Befehlshaber der Vorhut der Eidgenossen, an dem Schlachttage von Murten, s. Murten. Raezubs, Hans, Heinrich und Ulrich Brun von, Mitstifter des Grauen Bundes, s. Trans. — — Heinrich Brun von , bekriegt seine Mitbürger, wird 1 gefangen, zum Tode verurtheilt und vom Volke be- gnadigt, s. Reichenau. Rahn , Dr. und Chorherr, medicinischer Schriftsteller, Stif- ter der Gesellschaft der Aerzle und eines medicini- schen Seminariums, s. Zürich. — — Landschaftsma er, s. Zürich. Rapperswyl, Graf von Alt-, sehr altes Geschlecht in der March, s. Pfejfikon. — — Graf Rudolf von, Erbauer der Stadt Rapperswyl im XI. Jahrhundert, s. Rapperswyl. _ ^ . Graf Albrecht von, Miunesänger im XII,Jahrhundert, s. Zürich. _ _ Graf Werner von Alt-, Minnesänger im XII. Jahrhundert, s. Zürich. _ _ Graf Heinrich von, Stifter des Klosters Wettingen, s. Baden. — — Graf Johann von Habsburg- bekriegt die Zürcher, und wird 133G. von ihnen erschlagen, s. Zürich. __ Graf Johann von Habsburg-, lafst sich i35o. in eine Verschwörung gegen die Stadt Zürich ci,n > ir< 44 650 ViRZEICHNISS und büfat mit einigen Jahren Gefängnifs, 9. Rapper • swyl und Zürich. Raror ^ Landshaui tmannn der Walliser, schlägt die Savoyar- den im XIV Jahrhundert, s. Visp. •— — Wilhelm, Bischof von Sitten, und W'itschard von, werden beyde aus Wallis verjagt, s. Siders u. Sitten • — — Pttermunn von, der letzte dieses Geschlechtes im J. i 479 .» «• Siders und Toggenburg. Redikg , eines der ältesten Geschlechter der Sehweite, *, Schwytz , der Kanton» — — Rudolf, Landammann, tragt zum Siege bey Morgarten bey, s. Egeri und Schwatz, — — Jost, fallt in der Schlacht von St. Jacob, s. Schwatz, •I» — Ital u. Ital, beyde Landammänner von Schwytz von I4i5 -1466» Der erste ist einer der gröfsten und fruchtbarsten Charaktere, Retter der Eidgenossenschaft, s. Greifensee , Lachen, Pfeffikon , Ragatz, Schwatz , Toggenburg und Zürich , — -*■ Aloys, Landshauptmann der Schweitzer im Kampfe gegen die Franzosen im J. 1798.» s. Egeri , Richter* swyl und Schweiz, Regersberg, Liithold von, bekriegt Zürich und verliert sein« Besitzungen, s. Regensberg . Riirrard, aus Luzern, Charakter-Maler, s. Aarau und Luzern. Resti, Werner, Landaramann von Hasli, und Befreyer desselben , s. Hasli. Rhar, Maler, s. 4 arau. Richard, Daniel Job», erster Uhrenmacher im F; Neuchatel, s. Locle. Riedmatter, Bischof von Sitten, Erbauer der Schlosses Ma- joria im J. 1547., s. Sitten, Rieter, aus Winterthur, einer der vortreflichsten Landschaftsmaler, s, Bern^ Brienz^ Meiringen, und 1 . Th» S. i 5 i. Rirggli, Maler im XVII. Jahrhundert, s. Zürich , Rirgoltirger, Rudolf von, grofser Staatsmann Berns 119 XV Jahrhundert, s. Bern und Freyburg, Rirkerberg, llans von, Minnesänger, s. Zürich , — — Cuno von, Held an der Lauper - Schlacht, *• Laupen. MERKWÜRDIGER PeRSONHN. 65£ Ritter, Baumeister in Bern, Veif. einer Schrift über Alter- thümer von ArencLe, 9. I. Th. S. 2a5. Ritz, Johann, Gründer der Bibliotheck des Rheinthals, «*• Altstädten. Robert, kühner unterirdischer Mühlenbauer, s. Locle. Römer, J. J. Dr, botanischer Schriftsteller Zürichs, und Verfasser der Geschichte der einheimischen Thiere de» Schweitz, 9. I. Th * S. 219, Roesch, Ulrich, Abt von St Gallen, einer der merkwürdig» sten unter den Aebten dieses Klosters, s # Horschach und Toggenburg. Roeüst, Marx, Bürgermeister Zürichs, Heerführer der Schweitzer im Anfang des XVI. Jahrh., s. Zürich. Rot, Hans, Landammann von üri, fällt in der Schlacht von Bellenz, s. Bellenz, Roteicberg , Petermann Rot von, Staatshaupt von Basel Unter ihm wird die dorlige Universität 1460. gegründet, s. Basel, Rott, Peter, Hau^tmann der Basler in der Schlacht von Murten , s. Murten. Roverea, Verf. einer Karte von Aigle* s. /. Th. S. 140. —■ — Verfasser einer Schrift über die Schweitzer-Revolution, s. I. Th. S 328* Rcchat, Geschichtschreiber und Professor, s. JVaat t und 1 . Th * S . 229. — — Verfasser des Delices de la Suisse, s I. Th. S. 174, Ruderz, von, Unterwaldner, Mörder des grofsen Feldharm Erlach seines Schwiegervaters, ». Bern und Sarnen. Rudolf in Zürich, Schriftsteller im X Jahrhundert, s. Zürich • Rüdiger, Verf. einer Karte des Thurgau, s. I. Th. S. i36. Ruef, Jacob, Rheinthalcr, erster dramatischer Dichter in de« Schweitz, *. Rheinthal und Zürich. Rüger, Kronikschreiber, s. Schaff hausen. Rümlattg, Lütold von, Stifter des Klosters Rrigisberg, s. Gug gisberg. Rütimahh, Unterwaldner, fällt als Held in der Schlacht von St. Jacob, s. Unterwalden. Ruod , Ansbehn, Kronikschreiber Berns, m Bern. Ruprecht, Stifter des großen Münst®rs in Zürich, %. Zürieh , * 65a VüRiSichniss Kuss, Anton, Hauptmann der Luzerne* in der Schlacht von St. Jacoh, s. Basel und Luzern. Russutger, Abt von Pfeifers, wird Protestant, verbessert die Lage des Pfeffersbades, s. Pfeffers. Ryhiwer, Oberst der Berner im J. 179g., wird von seinen "Waffenbrüdern ermordet, s. Fraubrunn. Rysic , Petermann, aus Schwytz, erobert Domo d’Ossola, s. Domo d’Ossola • Fremde, Ramokd de Carboniuere, franz. Gelehrter und Naturforscher, Verfasser von vortreflichen Zusätzen zu Coxe's Reisen, s. I Th. S. 178- Ravenstein, Graf von, Feldherr Carl des Kühnen gegen die Eidgenossen, s Murten. Raynal, Abbe, französischer berühmter Gelehrter und Schriftsteller, errichtet den Stiftern der Eidgenossenschaft ein winziges Denkmal, s. Luzernersee. Razoumowsky, Graf von, Russe, Verf. einer mineralogischen Reise durch die Waat und "Wallis, s. I. Th. S . 316, Rechberg, Hans von, Erzfeind der Schweitzer, s. Bruggs Farnsburg , Ragatz und Rheinfelden. Regulinde, Herzogin von Schwaben, Aebtlssirv des Frauen- Mü nsters in Zürich, s. Zürich. Reichard, deutscher Gelehrter, Verfasser einer malerischen Reise durch die Schweitz, s. I. Th. S . 202.. Rewat, Herzog von Lothringen , kämpft in den Reihen \ler Schweitzer an der Schlacht von JVIurten, s. Freyburg und Murten. Rhaetus, Führer der Hetruslter aus Italien in die Alpen Rhatiens, und Erbauer von Realta, s. Graubündten und Sih. Rheinfelden , Graf Rudolf von, Gegenkaiser von Heinrich IV., s. Rheinfelden und Morsburg. Rhyne , Hans ze, tapferer Vertheidiger Rapperswyls gegen die Eidgenossen, s. Rapperswjl. Riel, A , Verfasser von Schriften über Pestalozzi, s. /. Th. s. / MERKWÜRDIGER PERSONEN. 653 Ritter , C., Verf. von Schriften über Pestalozzi, s. /. Th. S. 244. 245. Rözscn , Magister in Wurtemherg, Verfasser einer tiigonc- metrisch aufgenommenen Karte eines Theils von ßünd* ten , s. Meienfeld. Rohan, Prinz von, Feldherr eines französischen Heeres in Grauhiindten, gegen die Österreicher, s. Domfasch - ger- Thal, Engadin und Soamfs. — — Herzog Heinrich von, s. Genf. —» — Herzog Tancred von, s. Genf. Roland, Berühmte Franzosen, Verf. von Briefen über die Schweitz, s. I, Th. S. 19S. Romanus, Burgunder, Stifter des Klosters Romain - Motiers, St. Claude im Jouxthal, und noch zwey anderer Klöster, s. Romain-Motiers. Romzgiallo, Geschichtsmaler Veitlins, s, Morbegno. Romont, Graf von, Herr der Waat, Erzfeind der Eidgenossen, die ihm den Krieg erklären und sein Land erobern, s. Moudon y Murten , Romont , Waat und Yverdun . Rousseau, J. J., s. Sielersee, Chambery , Genf, Motiers und Vevay. Rusca, mächtiges Geschlecht in der Republik Como im Mittelalter, s. Beilenz und Como. s. Schweitzer. Sage, !e, Phihsoph, *. Genf Salis, von, eines der ältesten Geschlechter der Schweitz in Graubündten , s. Bregcll. * — — Rudolf und Andreas, im X« Jahrb., s. Septimer. — — —Marschlins, Ulysses von, Staatsmann Bün/'*ens und Schriftsteller, s. Chur und /. Th. S. 236. 237. — — — — Rudolf von, Naturforscher und berühmter Schriftsteller, s. Chur und /. Th. S . 21 t. — * —Sewis, Gaudenz von, berühmter Dichter, s, Maienfeld* 654 Verzeichnis* Salomo, Thurgauer, Bischof von Konstanz und Abt von St Gallen, der gröfste Gelehrte seiner Zeit, im Anfang des X. Jahrhunderts, s St. Gallen. Salterio, berühmter Baumeister, s. Mendrys. Saluz, Anton de, ßiindtncr, berühmter General in französischen Diensten , s, Fettan. Salznakn, Leodegar, Abt von Engelberg, Wohlthater seiner Unterlhanen, s. Engelberg. Sahdoz, politischer Schriftsteller NeuchaVels, s. Neuchatel (die Stadt ). Saphorin, St., aus der Waat, General, s. Morges . Sardi, grofser Baumeister, s. Lugano. Saussure, de (Vater), berühmter Naturforscher, Physiker, Geognost, Schriftsteller, und Montblanc-Besteiger, s. Buet\ Chamouny , Genf ,i Montblanc , Hosa y Vispach - thal und I. Th. S . 177. fr— — Theodor de (Sohn), berühmter Chymiker und Schriftsteller, s. Genf. Sax, Graf von, Herr des Misoxerthales, s Misox. —— H ms von, Mitstifter des Grauen Bundes, s. Trons. Scharnachthal , Nikolas von , Staatshaupt und Rriegsheld von Bern, s, Bern , Frutingen und Granson , Schell, Karl, Zuger, berühmter Bildhauer im XVII. Jahrhundert, s. Zug. Sghellenberg , Maler und Kupferstecher, s. Winterthur , Scheff, Verf. einer Karte des K, Berns, s. 7 . Th. S. z 3 $. und 13 g. Schertenlieb , Held gegen die Franzosen im J. 17980 &• Fraubrunn. Scheucrzer, Johann, botanischer Schriftsteller, s- Zürich und 7 . Th. $. 213. — — — Joh. Jac., berühmter Naturforscher und Schriftsteller im Anfang des XVIII. Jahrhunderts, und Verf. einer allgemeinen Karte der Sehweite, s. Zürich und I. Th.S . 172, 175, 309, 312, 314» 317 und 219. Schik, Landammann von Uri und Feldhauptmann) fällt in der Schlacht von St. Jacob, s. Uri. Schilling ? Kranikschreiber Berns , s. Bern* MERKWÜRDIGER PERSONEN. 655 Schiwner, Matthäus, "Walliser , Bischof von Sitten, bitterer Feind Frankreichs, spielt eine grofse Rolle im Anfang des XVI. Jahrhunderts, und wird aus Waiiis verjagt, s. Arnen und tVallis. Schutz, H. H., Verf, einer Geschichte des Handels in Zürich, s. /. Th. S. 233. “ — J. R., botanischer Schriftsteller, s. 1 . Th . S. 010. — — Rudolph, Verf. einer treflichen Beschreibung der italienischen Schweitz, s. I. Th. S . 183. Schleicher, Botaniker, 9. Bex. Schleusinger, Rudolph, Arzt in Zürich im XV. Jahrhundert, Verf. eines Werks über die Kometen, s, Zürich Schmidt, Felix, Bürgermeister Zürichs, und Schwarzmurer , ' Landamniann von Zug, setzen den Maximilian Sforza i5ia. im Namen der Eidsgenossen in sein Herzogthum wieder ein s• Zürich. — — Vincenz, Geschichtschreiber Uri's, Pannerträger, fallt in der Schlacht 1798- gegen die Franzosen bey Brunnen, s. Brunnen, l/ri und I. Th. $. 232 . Schmutz, grofser Mechaniker, im XVII. Jahrhund., s. Zürich. Schnell , Prof, in Bern, staatsrechtlicher Schriftsteller, s. /. Th. S. 325- Schneider von Wartensee, Pfarrer, Verf. einer Schrift ‘über Entlibuch, s. Luzern und I. Th S. 178, 232. Schorer, grofser Gemsjäger, s. TVallenstadter • See. Schuxler, Augustin, rettet die Einwohner Sceweos im J. igo6., s. Lowerzer - See. Schclthess, Ceschichtsmaler, s. Zürich. — — — Job., Alt - Rathsherr, Verf. einer Schrift über die alte Verf. des K. Zürich, s. I. Th. S. 334, Schuppach, berühmter Urinbeschauer und Arzt, s. Langnau. ScnwARZMURER, Hauptmann Zürichs, s. Granson, — — — Landammann von Zug, s. Schmidt , Felix, Bürgermeister von Zürich. Schweitzer, Geschichtschreiber, s* Zürich. Schwen», grofser Hauptmann Zürichs im XV. Jahrhundert, s. Zürich. Schwerter, Geschichtschreiber, s. Zürich* .Yerze.ichnj.ss Sluweyger, grofser Hauptmanu Zürichs iin XV, Jahrhundert, s. Zürich. Seevogel, Heuiinanu, Baseler, Hauptmana in der Schlacht von St. Jacob, s. Basel. Seigkeux, de Correvon, Verf. eiaer Schrift über die Gesetze der Waat, s. I. 2 'h. 340. Seiler, Jacob, llauplmaim der Zuger, fällt in der Schlacht von St. Jacob, s. Zug • Selderbüken , Konrad von, Stifter der Abtey Engelberg, Mönch derselben, wird ermordet, s. Engelberg • Selikgek], von Oberh >fen, Stifter des Klosters Interlachen, s. Interlachen . Serebier, Naturforscher und Schriftsteller, s. Genf und /# Th 0 Severiiard, Pfarrer, geographischer Schriftsteller Bündtens, s. Prettigau. Severin, St. Abt von St Maurice im VI. Jahrhundert, s« Maurice • Siegfried , Abt des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen, und Stifter eines Nonnenklosters, s. Schaff hausen. Sillinen, TJruer, fällt als Held ir* der Schlacht von Sempach, s. Sempach und Uri . _ _ — Jost von, Luzerner, Bischof von Grenoble und von Sitten, einer der grüfsten Staatsmänner im XV* Jahrhundert, wird aus Wallis verjagt, s. Freyburg und Luzern . Simler, J. J. Geschichtsforscher und Schriftsteller, s. Cappel, Zürich und I . Th. S. 171, 229* » 3 i, 24*. Sinner, in Bern, Geschichtsforscher, $, Bern , J Bieler-Sec und I. Th. S. ißa. Sonnenschein, Bildhauer, s* Bern. Specha, Placidus 5'5 s. St, Gallen. V ulpius , Bündtner, ladinischer Schriftsteller, s. Fetlan, IV. 4 <> VERzifelCHNISS G6G Fremde. Kit )Ui Valentinian I., römucher Kaiser, Erbauer von Basiiia, Yarro , Terentius, Feldherr des Kaiser Augustus zur Unterjochung der Alpenvölker, s. Alpen. Vauthier, Freiherr von, Strafsenräuber und Tcslamentverfal* scher, wird hingerichtet, s Neuchatel. Vau x, Pierre, Stifter der Sekte der Waldenser, s, Sitze, Vehringen, Graf von* Mönch im Kloster Reichenau im XT, Jahrh., Uebersetzer des Aristoteles, s. Zellersee, Vespasian, römischer Kaiser, s, Avenche . Vienne, Joh. von, Bischof von Basel, Mordbrenner Biels, s. Biel und Münsterthal. Villars, Herzog von, berühmter Feldherr Ludwig XIV#, schliefst Frieden, s. Baden . — — Marschal, s. Basel S. 194* Vinei, Gaudenzio, Maler, s. Arona . Visconti, Kardinal, Stifter des Hospitiums auf dem Gotthard, s, Gotthard. •— — Galcazzo, s. Lugano. _ — Joh., entreifst Bormio dem Stift Chur, s. Worms . — — Mastino, übergiebt im J. 1404. Veltlin, Bormio u. s. vr. dem Bischof von Chur, s. Fe Ulin . —~ . Otto, der erste Herzog von Mailand aus diesem Geschlecht, s. Arona , Como und Sesto. mmm — Philipp Marcus, liegt im Kriege mit den Eidgenossen, s. Beilenz . » Volta, einer der berühmtesten Physiker, s. Como. Wabern, Petermann von» grofser Staatsmann und Held von Bern im XV. Jahrhundert, s. Bern , Frejburg und s. Basel. fr am Schfveitzer. WaeGemann, Herausgeber einer Karte des Kantons Freyburg, s. I. Th. S. i 5 a* Granson • MERKWURD&GER PeRSORRN. 667 Wagker, Sebastian, Reformator y s. Schafhausen , Wala, Hans, genannt Scliueler, Glarner, Held im J. 1499. s. Glarus und Luziensteig • Waldkirch, J. R , Geschichtschreiber Basels, s. I, 7%. *5*. 225. Waldhiann, Hans, Bürgermeister von Zürich, einer der gröfs* ten Heerführer der Eidgenossen im XV. Jahrhundert, wird durch eine politische Parthey Zürichs gestürzt und hingerichtet, s. Baar , Murten und Zürich . Waldo, einer der ersten Aebte von St. Gallen, und Stifter der Kloster-Bibliothek, s. St* Gallen. Walker, Ulrich, Schultheifs von Luzern, unglücklicher Heerführer, s. Beilenz . Walser, Kronikschreiber Appenzells, und Verf. einer Karte Appenzells, s. I. Th. S* 134. 238. Walter, berühmter Theologe und Schriftsteller im XVK Jahrhundert, s. Zürich. Walther, Gottlieb, Berner, Alterthumsforscher und Geschichtschreiber, s. /. Th, S. 224. 225. 239. Wart, Rudolf von, Mörder des Kaisers Albrecht I., s» Konigsfelden. TVaser, statistischer Schriftsteller, %, Zürich und I, Th. S. 221. Wattewyl , von, Stifter einer herrnhutischen weiblichen Erziehungs - Anstalt, s. St* Blaise. m+m — A. L. von, Geschichtschreiber, s.. Bern , und I. Th. S . 226. Weber, Veit, Berner, Tapferer und Sänger der Schlacht von Murten , 5. Murten* ' — — helvetischer General im J. 1799., bleibt gegen die Oesterreicher, s. Frauenfeld. _ — Maler und Reisegefährter des berühmten Welturn- Seglers Cook, s. Bern. Weeder , berühmter Waffenschmied im XVII. Jahrhundert, s. Zürich. Weid, von der, Verfasser einer Karte des Kant. Freyburg, I. Th. S. 139. Weiss, D., Geschichtschreiber, s, I. Th. S 234. Weissekbach, Anselm Carl, Mönch, Verf, einer Geschichte der Abtey Muri, s. Zug. 66S Verzeichnis* Weissenbach , Job. Caspar, dramatischer Dichter im XVII* Jahrhundert, s. Zug. Weissenburg, Joh, von, Reichsvogt über Hasli und Bedrii*- cker desselben, s. Hasli. "Werdenberg, Graf von, eines der ältesten Geschlechter in der Schweitz, s. Rheinlhal und VF erdenberg. —m _ Giaf Rudolph von, siegt über die Ungarn im X. Jahrhundert, s Rheinthal. mm — Graf Heinrich von, Erzfeind der Volks-Bündnisse in der Sehweitz, Stifter des Schwarzen Bundes des Adels, s. Saigons. — — Graf Johann von, Milstifter des Gotteshaushun« des am En le de XIV. Jahrhunderts, s Craubündten. mm — Griff Rudolf von, siegreicher ITauptmann der Appenzeller im Anfang des XV, Jahrhunderts, s. Gais und J'Ferdenberg — — Graf Hugo von, Mitstifter des Grauen Bundes im XV. Jahrhundert, s. Trans. — — Georg von, letzter Besitzer von Sargans, s. Sargans. Werdmüller, Maier im XVII, Jahrhundert, s, Zürich , "Wf.renfels., berühmter Theologe, s. Hasel. Werner, M l^r, s, Bern und Morges. — — von Teufen, in Appenzell, Minnesänger * s. Teufen . Wertemati, aus Plurs, thätiger Bergwerksbetreiber, in Blind* ten, s. Davos und Ferrera%hal. "Wikard, Michael, £uger, Maler und Baumeister im XVII, Jahrhundert, s Zug. mm — — Zuger, Stifter* der grofsen Kapuziner* Bibliothek zu Luzern, s. Luzern . Wild, B^rgh^uptmann zu Bex, Naturforscher und Schriftsteller, s. Rex , und I. Th. S. 215. Wilhelm, G< bhard, Engadiner, Held im XV, Jahrhundert, s. Remus. Winrelried, Struth von, Unterwaldner, Held im J. 1240» s. Stans mm mm Arnold von, Hold in der Schlacht von Sempach i386., s. Stanz. Wiis 'k el ried, Arnold von, der letzte dieses Geschlechts, lallt 15 in. in der Schlacht von Bicocca, s. Stanz , ^Vippinoen, Holl von , Schultheif« von Freyburg, Feldhauptmann an der Murtner-Schlacht, s. Murten . Wirz, Verfasser einer Kirchengeschichte der Schweitz, s. /. Th. S. 3i 5 . Wocher, Maler, s. Basel , und I Th. S . 161. Wolf, aus Muri, treflicher Gebirgsmaler, g. 1. Th . d 1 . i{>6* Würsqh, Unterwaldner, berühmter Schweitzermaler, s. Buochs , Wust, Eberhard, Kronikschreiber , s. Rappersyvyl. — — Landschaftsmaler, s. Zürich. Wurstfisei», Kronikschreiber Basels, s. /. !Tä. » 9 , 23g. IV vl , Niklas von, Schulmeister in Zürich, Vcrf. der Lebensbeschreibung Hemmerlins, s. Zürich, Wyttenbacr, Prediger zu Bern, Naturforscher und Stifter der Gesellschaft vaterländischer Naturfreunde im Jahr !786., s. Bern y und /, Th. S, Z2 3. Fr emde. Waltram, Graf, Mitstifter des K osters yoh St. Gallen, und Erbauer des Schlosses zu Burgdorf im VII. Jahrhundert, s. Burgdorf und St. Gallen. W'eiss , J. H., Ingenieur, welcher für H. Meyer in Aarau das Relief der ganzen Schweitz und die grofse Schweitzer- Karte verfertigt hat, s. /, Th. S. 1 43 * V\ 'essehberg, von, Generalvikar zu Konstanz, Dichter, s. Bodensee. Wikard, Herzog, Stifter des Klosters Leodegar zu Luzern im VII. Jahrhundert, s. Luzern. Wikham , englicher Gesandter in der Schweitz am Ende des XVIII. Jahrhunderts, s. Zürich. Wilhelm IV., letzter burguiidischcr Graf, wird ermordet im XII. Jahrhundert, s. Paferne. Williams, englische Dichterinn, Verf. von Briefen üher die Schweitz, s. /. Th. S. 199 » I l-l" t 1 ■! i‘ 6/Q y ERZEI CHNISS z. Schweitzer. Eay, Hans Jacob, Schwytzer; an ihn war der Zettel am Pfeil des von Hünenberg im J. 1315. gerichtet, s, Art, —• — Sebastian, Stifter der Kappelle der Maria zum Schnee auf dem Rigi, s. Rigi, — «— Dr., Verfasser der befsten Beschreibung des Bergfal« les im Goldauerthal, s, Art und Bürgten, Zeheivder, Maler, *. /. Th, S. 167. Zelger , Landammann Unterwaldens, Kriegsheld, s. fforgen, — — Geschichtschreiber Unterwaldens, s. I, Th. S, 232 . Zellweger, Dr., Appenzeller, Verf. einer Schrift über die Landwirtschaft Appenzells, s. I. Th . S, 238 . Ziegler, Dr., Gründer einer neuen Fabrik zu Winterthur, s, TVinterthur. Zieglertn, rettet Zürich durch Gegenwart des Geistes im J. 1444«, *• Zürich. Zimmermatsn , Leibarzt des Königs von England aus Bruck, berühmter Arzt und Schriftsteller, s. Bruck . —• — Jos. Ignatz, aus Luzern, dramatischer Dichter im XVI 11 . Jahrhundert, s. Luzern. Zollikofer, aus St. Gallen, berühmter Kanzelredner und Schriftsteller, s. St. Gallen. Zschokke, zu Aarau, Verfasser mehrerer Werke die Geschichte Graubiindtens und die schweizerische Slaats- umwälzung betreffend, s./. Th, S. 214. 228.236. Zuber, mathematischer Schriftsteller iw XVII. Jahrhundert, s. Zürich. Zürkindew, Bürger von Zürich, Mörder des Bürgermeister jR, Stöfsi) während der Schlacht an der Sihlbrücke, s, Zürich Zurlaubei*, Anton von, Held in der Schlacht von Granson, und Stammvater dieses Geschlechts in Zug, s. Zug, — — Anton Joh. Dominik, General - Lieutenant in {ranz. Diensten, einen der gröfsten Geschichtsforscher und Gelehrten der Schweitz, Verf. vieler Schriften, f UH der letzte dieses alten Geschlechts, s .Zug, und I. Th, S, 321. 3 26. * Zwirn, Glarner, grosser Gemsjäger, s. Wallenstättersee , Zwingger, berühmter Arzt» s. Basel . Zwingli, Ulrich, Toggenburger, Haupt der Reformation in der Schweitz, fällt als Held in der Schlacht bey Cappel» s. Cappel, Einsiedeln , Glarus , Wildhaus und Zürich , Fremde • Zaeuriitgew , Conrad von, Herzog, wird Statthalter des schwei- tzerischen Burgunds im XII. Jahrhundert, s. Bern und Pajerne . - — Berchtold IV., Herzog von, Gründer der Stadt Freyburg, s. Freyburg . — — Berchtold V., Herzog von, Gründer der Stadt Bern im J. 1191., s, Bern . Zu verbessern. 1. T H E I k. Seite 7 — 9 “ 55 — 67 — 72 — 74 — 80 — 84 — $5 — 89 — 109 —« 110 — 116 — 121 — 122 — 124 — 207 — 283 — 287 — 238 ^eile 5 von unten, statt seinem lies ihrem, — 5 statt Tnm lies Tum-, — 1 statt ffemder lies Hemde. — 2 von unten lies: 45oo Meter machen u. 8. w. *— 20 statt Luvino lies Luino. — 12 statt Griers lies Greiers. — 5 statt Luvino lies Luino. — - statt Bollenzerthal lies Bellenzerthal. — i 3 statt Osieres lies Orsieres. — 11 und 18 statt Couterage lies Couteraye, —» 1 statt d'Oeu# lies d’Oex. — 16 statt Longern lies Lungern. — i 3 statt Griers lies Greiers. — 8 von unten: statt de Seignes lies de la Seigne. — 21 statt Putsascher lies Puzascher. — 3 von unten: statt Scamps lies Scamfs. — 3 von unten: kaiserliche streiche weg. — 9 statt ungestörten liefs ungestörtem; —• 9 von unten: das zweyte taugen fallt weg. — 3 statt Mayers lies Meiers. — 18 statt vcrschiedne österreichische 1. bayersche. Zv VERBESSERN. 673 301 Z. 1 von unten Goldau streiche weg. 3° a ~~ 7 von unten Goldau streiche weg» 3 l S — 7 von unten statt Surener * Alpe Liqs Surenen* Alpen, II. T H B X L. VII. Z, 5 von unten, hinter genommen setze ein Komma* 8 — 3 statt Alten lies Vorfahren. 8 — 4 statt wird lies ward. 9 — a hinter es setze: ein. 11 — 8 statt Sur lies Sursee. 18 — n von unten streiche weg: 13 Stunden • 19 — 6 von unten, statt Palenzer lies Bellenzer. 39 — 3 statt Kalklein ; am Scaletta lies Kalkstein streicht am Scaletta wider Granit« 33 — 4 von unten statt der jetzigen Civita di Friuli lies dem Dorfe Zuglio* 47 — 9 statt Pic lies Piz lies Piz Cöcen. 89 — 3 von unten statt 90,85 F. lies 9,085 F. 90 — it .statt 6o,54 F, lies 6,o54 F. 98 — 4 von unten statt Goldlinsen lies Goldminen. 103 — 19 lies Anzone-Thai in Piemont u. s. w« 104 — 17 lies seit. 115 —10 statt Meglizalp lies Meglisalp. 123 — 1 von unten streiche weg: ln 1412 wurde • — 5 und 4 von unten lies: im J. 1411 errichte* ten die" VII. Schweitzerkantone mit den Appenzellem ein Landrecht, und ira J. 141a, u. s w. 123 — 1 und 2 streiche weg die zwey ersten Zeilen . 131 — 5 von unten statt Palenzer lies Bellenzer-. *33 — 6 statt Verticelli lies Vercelli, 146 3 statt Rothelinks lies Röthelieks. i56 — 17 statt (vom J. 409*79) lies (vom J. 69*79.) 161 — 3 lies: Ueberbleibsel, vom Volke Heideweg ge-* nannt, sieht), ir . t 47 674 S. 166 — 173 — 173 — 196 — 214 — 2l5 — 222 — 287 — 302 — 3 1I — 324 — 324 — 333 — 33 ^ — 352 — 363 — 363 — 366 — 37S — 394 — 394 — 4 i 5 — 419 — 449 — 456 — 4Ö8 — 458 — 470 — 49a — 493 — 537 — 569 ZU VERBESSERN. Z. 12 statt berühmter Minnesänger S. lies ( nachhe* riger Bürgermeiter vou Zürich), — i 5 und 16 lies: nämlich bey dem Kloster Wet« tingen vorbey, hier zum zweytenmale über die Limmat und dann durchs ebne Thal, — 7 von unten hinter Bergkessel setze: die, und und streiche von weg, — 7 von unten eingeschlosfen lies eingeschossen« — 1 5 statt Scrio lies Serio» — 2 statt Colconi lies Coleoni. — 3 von unten setze hinter 1236, ein Komma* — 1 statt Escarpemens lies Kanten, — 3 statt Deichtel lies Deichsel, — 11 von unten statt Bruasca- Thal lies Brusasca- Thal, — 13 statl Po m lies Bel-. — 16 statt Truns lies Trons, — i 5 und 16 statt S. Matterhorn lies S. Vispach* Thal und Aosta. — 18 statt welche lies welches. — 20 statt bezahlt lies bezahlte. — 5 von unten statt Coldera lies Codera# — 2 v. u. statt Ratt lies Ratti, — 6 statt Vertemata lies Vertemati. — 13 lies: und Vorder-Rheinthal. . — 11 v. u. lies: Como mit Hülfe seiner u. s, w. — 10 von unten statt Kriege mit lies Krieg gegen« — 11 streiche weg: in den Sümpfen von Colico . — 9 von unten statt Nekers seine lies Neker, seine» — 9 statt bekannt lies besucht, — 9 statt Vbntajlar lies Pontajlas. — 1 statt Caisbugstock lies G&isbuzstock. — 5 statt Sadrun lies Sedrun. — 13 statt Stativ lies Nativ-, — 3 statt Campfes lies Campfeer, — 3 statt Soglio lies Seglio» — 1 von unten statt aufwittert lies auswittert* — 6 von unten statt wallisehen lies wallisischen, 13 5 i 98 146 i 58 .176 180 30J 2l3 276 294 307 326 353 358 361 384 384 365 367 368 37i 380 38i Zü VERBESSERN. 675 III. T H E I L. Z. 14 statt erhielte lies ertheilte. 10 hinter -wenden setze S. Dole, — 17 streiche ersten weg. — 5 statt stürzte lies stüzte. — 5 von unten statt Zeman lies Waa4. — 7 statt JVeidel lies Nidel. — n von'unten setze: die* Gypsformation u. s. w. hinter Geognostische Thatsachen in der neunten Zeile, — 14 lies: eine von Regulinde, Witwe des I, und II. Herzogs von Schwaben, Schwiegermutter des III., Mutter des IV. uud Grosmutter des V. Herzogs (seit. 948. Aebtissin des Frauen-Münslers zu Zürich) im J. 973. ge- stiftet u. s. w. — 7 von unten statt Muggio lies Müggia. — 10 statt behauptet lies behauptete. — 8 von unten streiche weg: jetzt zu Francfurt am Main 9 und setze: in Basel. — 9 von unten statt *5*. Bündten lies S. Taretscher« Thal. — 13 von unten streiche weg von: Hr t Fischer an die 12, 11, 10. und gte Zeile. — 12 statt See - Bewohner hes See-Gegenden. — 11 von unten statt Coralles lies Corcelles, — 12 von unten statt Durch lies durch. — 6 statt Schaler lies Schüler. — 17 statt Einen lies Ein. — 8 statt das wahisische Thal Budre lies das walisische Eginen-Thal, — 12 lies: an einigen andern Orten. — 9 statt Belloytasus lies ßellovesus. — 8 von unten streiche weg: das reizende Vor* land . — 1 von unten statt wenig lies wenigem, — 2 statt Pässen lies Passe# 6 7 6 Zü VERR^SSERtf. 1.7 ... . s. 38» Z. u von unten statt Unorz lies Uorz. r *• ft.; —‘ 385 — 6 von unten lies: Weg über den v p-!^- r ' — 385 — 10 von unten lies: Rhein und zwar VaUer. ■ — 387 — 7 statt Vril lies Vrin. fc.v.-..-: — 389 — 3 von unten statt Burlimer-Back lies Kurli* mer - Bach. — 39 1 — 5 v. u. streiche das Komma hinter Piz weg. r — 39» — 13 statt Cornero lies Cornära. — 395 — 5 statt Naps lies Nalps* |i •, — 4*3 — 4 lies: Merkwürdigkeit zur. — 4>9 — 1 } lies' 3000 F.; grade hinter der Blumalp der Gipfel des. i.'.^... T! • 433 — r statt ino lies tino. I'fc. ."v — 438 — 7 von unten statt hey lies zu. — 438 — 6 von unten lies: wohnten, legte). — 444 — 4 statt K. Leman lies K. Waat. IL 'r ' — 44 8 — '4 streiche das Semikolon weg. — 45i — 4 von unten lies: baute 1456 . zu ~- Jv^ — 47° — 1 statt Mesanci lies Mesauci. 1*>J ««(tii/f . 7 !i^ * — 47° — 15 lies ; Das am höchsten gelegne Dorf an der Südseite des Bernhardino heist Bernliardino. f? — 471 — 10 lies: Buflalora. Nach O. ■ frj/V — 477 — i 5 statt 1797 . lies 1787 . I." — 483 — i» von unten statt Col de Bahne lies Col de Bonhomme. i- T&\ — 488 — s von unten statt Auf lies Aus. Ki.: — 49» — 6 lies : Der Weg uach Chiavenna. m *■ ■l.r • 494 — n statt ihren lies ihre. . Ij-t ib. • »■Vw — 5ai — 76 statt hoch lies Höhe. pii ■jp-:, ». . — 534 — 7 lies: Freyburgern (die letztem unter dem Hauptmann Afry) befehligte. Hj*J.' I:'; . ■priV’ — 5*9 — 5 statt Herder lies Heiter. — 54 i — 11 u. i3 statt dem Semikolon setze ein Komma, mim. — 556 — 13 statt lang getrennt lies davon entfernt« BÄ — 561 — 6 statt Leman lies Waat. Br » — 574 — 8 von unten lies: Einwohnern zu Panatutz. Birk* v Rter — 578 — 5 von unten hinter öffnet setze (s. Teniger- 581 Z. i 3 von unten lies: Italien, und ihre Kleidertracht ist romantisch. 586 — g von unten statt Leman lies "Waat, 687 5 lies: dunkel mit Tannen bewaldeten. 587 — n von unten statt Leman lies Waat, 587 — 6 von unten statt Jorat lies Jura. 589 —“ 6 von unten statt an lies nach diesem See. 591 — 12 statt Fossilien* Wald lies Fossilen-Wald. IY. T H E I L, 7 — 7 setze vor Gemahlin ein Komma. 47 “ I statt Pommar lies Pommau ^ 47 — 16 vor wo setze ein (. 48 — 3 statt Lato lies Late. 49 — 11 von unten statt Muggia lies Maggia. 60 — 10 statt Ferner lies Ferner. 120 — ji statt in lies und. 123 —« 2 lies: und den Kopf. 130 — 3 von unten statt oder lies und. 158 3 statt des lies der. 160 — 1 statt geht lies übergeht. 192 — 16 von Smaragdit bis Scaletta streiche alles weg und lies: siehe hierüber die Art. An • deer - und Ferrera - Thal . 195 — 12 statt vergleich lies verglich. 219 — 13 statt Castromus lies Castromur, 226 — 1 von unten statt nach lies noch. 3g4 — 18 lies: hinaufgellt, zw ey Nebenthaler, welche 4 Stunden lang und .... umringt sind. 309 — I von unten statt Sumvice lies Sumvix. 318 — 1 statt mis lies mit. 326 — 12 statt Tomasen lies Tomasee. 333 — (> statt Polenzer lies Bellenzer-, 353 — 5 und 6 lies: Sernio, worin vier Menschen umkamen. 372 — n von unten statt Branche lies Linie. 673 S. 379 Zu verbessern.' Z. 6, 7 und 8 von unten. Diese drey Zeilen streiche weg. 3*89 “ 17 statt JP'eihwasser lies Weifswasser 39 2 3 statt Fortunci lies Fortunei. 393 —■ 7 statt Planczia lies Planezia. 5si — 8 von unten, statt Breccia lies Grauwakc. 6o3 — 14 statt Unterwalden lies Unterwalden. 629 — 14 von unten, statt Densten lies Diensten.