Einwohner. Die bürgerlich - politische Lage derEinwohner dieses Landes war bis zum J. 1798- betrübt.An ihre Oberherren, die VIII. alten Kantone, hattendie Tburgauer wenige oder fast keine Abgaben zuentrichten; allein sie waren sowohl der Willkühr undder unverschämten Habsucht der weit mehrern ihrerLandvögte, (von denen manche für das zweyjährigeAmt 8 -i°! 00 ° Gulden bezahlten) und derselben Un-terbeamten, als auch jedem Drucke ihrer Herrscbafts-herren, deren leibeigene Unterthanen sie zum Theilwaren, Preis gegeben. Achtzehn Klöster und Stifter,viele Städte und Privatpersonen besafsen nämlich indem Thurgau 72 Herrschaften (Gerichtsherrlichkeiten),die alle ihre mehr oder minder ausgedehnten Rechteentweder in Person oder durch Beamtete ausüben Hes-sen. Die protestantischen Einwohner Thurgaues , welcheüber Zweydrittheil der ganzen Bevölkerung ausmachen,erlitten noch aufserdem theils von den katholischenLandvögten, theils von den Klöstern unendliche Be-drückungen, welche erst seit dem Bürgerkriege von1712., in welchen die reformirten Kantone die Ober-hand behielten, aufgehört haben. Erst durch diesenFriedensschlufs wurde der fanatischen Verfolgungssuchtder katholischen Klerisey in allen gemeinschaftlichenVogteyen ein Ziel gesetzt, und überall Duldung undEintracht festgegründet. An vielen Orten üben dieseund die Katholiken ihren Gottesdienst in einer undderselben Kirche *).
*) Ebels Schilderung der Gebirgsvölker. I. Th. S. 22-^0.