Schatzung der Wärme nach der Empfindung. zoz
gleichen Umständen länger, so, daß in gleichen Zeittheilchen weniger Wärmeweggeht. In der Kälte sind die kori mehr geschlossen , die Ausdünstung ist gerringer, und beydes trägt zur Verlängerung der Subtangenten bey. (§. 546.)
§- 568.
In Ansehung dieser Snbtangenten ist nun noch ferner zu bemerken, daßes nicht die oben (§. g>8. erwähnten größten Subtangemen sind, nach welchennemlich der ganze Leib einförmig erkalten würde. Der erste Eindruck der äußernKalte becrift nur die Oberfläche deS Leibes. Er wird aber auch sogleich empfun-den, und man hat nicht nöthig zu warten, bis die Kälte tiefer hineindringt, wie-wohl dieses, wenn man lange in der Kälte bleibt, nach und nach auch geschieht.Alsdann wird aber auch der Zufluß der innern Wärme stärker, und die Empfin-dung der Kälte wird dadurch wiederum in etwas gemäßigt, und man wird nachund nach daran gewöhnt.
§. 569-
Wenn man aber von den geringem und oft sehr schnell abwechselndenWirkungen der äußern Wärme und Kälte, dergleichen z. E. die Aenderung desWindes, bas Thauwetker im Winter, ein kühler Regen im Sommer, das Aus-und Eingehen im Winter rc. hervorbringt, abstrahirt, und nur auf das allgemei-nere und dauerhaftere in diesen Empfindungen Rücksicht nimmt, so kommen auchdie längern Subtangemen in Betrachtung. Denn bey einem so zusammengesetztenKörper, wie der menschliche Leib ist, geht die Erwärmung und Erkaltung nichtnach einer, sondern nach der Summe und Differenz von mehrern logarithmischenLinien von statten, auch wenn der innere Zufluß oder die Erzeugung neuer WärmeBeständig gleich bleibt.
§. 570 .
Wenn nun im Winter mir ernemmale eine strenge Kälte einbkicht, so istsie am ersten Tage am meisten empfindlich, den aten Tag wird sie schon etwas we-niger merklich, und nach Z, 4 oder 5 Tagen findet man sich schon ziemlich darangewöhnt, wenn auch schon die Kälte nicht nachkäßt. Fällt daraufhin Thauwetkerein, so scheint es sehr gelinde, oder auch wohl gar temperirt zu feyn, wenn gleichdas Thermometer in freyer Luft noch nicht über den Krierpunct hinauf will. In-zwischen gewöhnt man sich an das Thauwetker auch bald, und wenn dann eine ansich geringere, aber feuchte Kälte einfällt, so wird sie mehremheils stärker empfun-den, als eine viel strengere trockene Kälte,