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Friedrich des Großen Anschauungen vom Kriege in ihrer Entwickelung von 1745 bis 1756
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Anhang.

Nr. 1» zu S. 29«.

Der Gedanke, die Entscheidung im Kriege vorwiegend durch die Schlachtzu suchen, wurde mit dem Wiederaufleben der Künste und Wissenschaften inEuropa, der Renaissance, lebendig. Das Studium der Schriftsteller der altenWelt hat vielfach dazu den eigentlichen Anstoß gegeben. Schon gegen den Ausgang des 15. Jahrhunderts tritt das Unbehagen über die schleppende, ent-scheidungslose und künstliche Kriegführung der Zeit hervor. So heißt cs indem Lehrgedicht Kaiser Maximilians I., desletzten Ritters" in dieser Be-ziehung:

Es ist auch nit alls an der Macht gelegen;

Man ums sich jetzt gar seltzam krieg geben;

Vorzeiten stund der künig Herz und machtIm feldt auf ritterliche'that und schlecht,

Damit nit sovil landt würden verheertVnd die armen leut verderbt und zerstört . . .

Vor zeitten wos das ein groß lob vnd ehr,

Wer sein feindt ließ kommen zu gleicher weer;

Ihm wardt abgesagt bey guter Zeit,

Die hielt man für gut ritterlich leut.

Jetzund ist der nit ein guter hauptmann,

Der sein feindt nit mit vortheyl schlahen kann.

Jetzt wirt gelobt vnd gerumbt in kriegen,

Der sein feindt kann vnd weyß zu betriegen . . ."

(Lere, so Kayser Maximilian in seiner ersten jugent gemacht vnd durcheyn trefflichen erfarn man seiner kriegsräth jm zugestellt ist." Entstanden istdieLehre" gegen den Ansgang des 15. Jahrhunderts und wurde zuerst ge-druckt zu Mainz 1524. Vergl. Jahns, Geschichte der Kriegswissenschaften,1, 333 ff.). Die Unterschätzung der Schlacht und die Ueberschätznng desManövers, wie sic bereits zur Zeit der Reformation bestand, fand alsbald unterden Theoretikern der Reformationszeit einzelne Gegner. Der größte und be-redteste von ihnen allen ist Nicolo Macchiavelli, dessen Schriften Friedrichbekanntlich sehr genau gekannt hat. lieber das Wesen der Schlacht äußert sichder Florentinische Staatssekretär inI sotto Ubri ckoll' urts cksUs. Ausrrs.",zuerst gedruckt 1521 zu Florenz, folgendermaßen: eine allgemeine Feldschlachtsei die Hauptsache des Krieges, der Zweck, für den man Heere bilde. Dem-jenigen, der dem Feinde eine entscheidende Schlacht gut zu liefern wisse, könntenandere Fehler der Kriegführung hingehen, derjenige jedoch, der sonst in allenZweigen der Kriegskunst geschickt, aber unfähig sei, eine Schlacht zu gewinne»,werde niemals den Krieg zu glücklichem Ende führen,denn eine Haupt-schlacht, die du gewinnst, hebt die Folgen aller Fehler ans, die du ander-weitig begaugen haben magst". Diese Auffassung Macchiavellis ist in mehrerezeitgenössische Werke übcrgegangen. InIR-ontini Kriegspcaotioa, d. i. artlicheund geschwinde Griffe der Römer", Frankfurt a. M. 1678, findet sich derGedanke in folgender Form:Je besser und stärker das eigene Heer sei,desto mehr müsse man Schlachten schlagen". Diese Bestrebungen verblaßtenallmählich in den folgenden Jahrhunderte», die Feldschlacht trat immermehr zurück, und es bildete sich die Manöverstratcgie heraus, die zurZeit Tnrennes am höchsten entwickelt war. Gerade dieser Feldherr aberhat klar ausgesprochen, daß man möglichst viel Schlachten dann schlagen