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4. Schlußwort.
dahin zuspitzt, zunächst den gefährlichsten anznfallen und die anderennachher abzuthu». Die Bersaminlnng der Kraft und das Schlagen vielerSchlachten sind die Mittel dazu, und damit hat der König, sich hach überseine Zeit erhebend, Grundsätze geschaffen, die seit ihm den Krieg, trotzdes Wandels der Formen, in denen er jeweilig geführt wurde, entscheidendbeherrschen. Er als Erster hat, nach langem Schlummern der Kunst, dieBereitstellung eines innerlich überlegenen Heeres und dessen rascheste Ausnutzungzum Kampf zu einem Gesetz des Krieges gemacht, er als Erster hat dieunbedenkliche Häufung der Kräfte gelehrt zu einer Zeit, wo die Ungunst derUmstände zu einer Zersplitterung der Truppen und zu einer Verschleppungder Kriegshandlung zu zwingen schien, er als Erster hat die Möglich-keit und Nützlichkeit erörtert und begründet, im Kriege gegen mehrere Gegnerzunächst mit Entschiedenheit den Sieg nur gegen einen zu suchen und dieanderen einstweilen zu vernachlässigen. Der König erhebt sich zu dieser An-schauung in einer Zeit, da die Unmöglichkeit, den Krieg rasch zu beenden,die Feldherren zu dem Versuch, gleichzeitig Alles decken zu wollen, verführte,und hat damit eine Kriegssorm gelehrt, die auch im neueren Kriege vielfachmit Erfolg verwerthet und Jahrzehnte lang von zahlreichen Theoretikern alsder Gipfel der Kunst angesehen wurde: das „Operiren auf der innern Linie".Wohin wir auf kriegerischem Gebiete blicken, überall finden wir in diesemwunderbaren Mann ein Vorwärtsstreben, ein Hinausgehen über Auffassungund Brauch der Zeit, wie es in gleicher Mächtigkeit in der Geschichte selten ist.
Mit dieser gänzlich neuen Art des Krieges, deren große Züge der Königsich in einsamem Nachdenken zurechtlegt, liegt in den Jahren von 1745 bis 1756die Einsicht im Streite, daß ein rücksichtsloses Suchen des Sieges zur Zeitunendlich schwierig und nicht ohne Gefahr für das eigene Kriegswerkzeug sei.Besonders in der Erkenntniß dessen, was im Kriege des 18. Jahrhundertsüberhaupt möglich und erreichbar war, in der Würdigung der Fesseln, diedie Zeitumstände dem Kriege zwingend anlegten, schritt er während derFriedensjahre außerordentlich fort. Nachdenken führt ihn dahin, die Gebunden-heit der Kriegführung durch den kleinen Krieg richtig zu schätzen, er erkenntdaß ein überkühnes Vordringen in Feindesland über die durch die Verhältnissegezogene Grenze hinaus mehr Nachtheil als Gewinn bringt. Falls er vonmehreren Gegnern gleichzeitig angegriffen wird, wird der König 1756 nichtmehr, wie er 1749 gewollt, seine abseits gelegenen Ländergebiete ganz vonTruppen entblößen und seine Hauptmacht in anderer Richtung zusammenballeu,um den nächsten gefährlichsten Feind zuerst zu vernichten, sondern er hat sichnun entschlossen, die Provinzen, die er zunächst vernachlässigen muß, doch durchAufstellung von Nebeuheeren gegen Verwüstung zu schützen, da es ihm nichtmöglich scheint, ans dem Hauptkriegsschauplatze so rasch ein Ende zu machen,als es wünschenswerth war. 1756 sagt er sich, daß cs schwierig sein und zu-weilen fehlschlagcu wird, den Gegner zur Schlacht zu zwingen; aber auf den Versuchdazu verzichtet er nicht. So steht Friedrich 1756 auf dem Boden des Erreich-