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.8. Die Entwickelung des Königs auf strategischem (Gebiet.
Heer konnte nicht plötzlich eins eine Ucbcrmacht an Zahl gebracht werde»,namentlich in Preußen nicht. Auch konnte solche Ueberlegcnheit, bei derSchwierigkeit, das Heer zu bewegen nnd zn ernähren, nicht zur vollen Geltungkommen, und die Eigcuthümlichkciten der geworbenen Truppen verboten meistensMarschleistungen, die denen späterer Kriege auf die Dauer gleichkamen. DieWiderstände der Bevölkerung auf den Kriegsschauplätzen zwangen zur Vorsichtund waren im Stande, selbst ein siegreich vordringendes Heer zu lähmen.(1744). Ein unbedingtes Uebergewicht war also nicht herznstellen, es ergabsich nur in kleinerem Maßstabe nnd gelegentlich, etwa infolge einer glücklichenSchlacht oder der überraschenden Besitznahme einer Provinz. Auch der kleineKrieg vermochte keine solche Entscheidungen zu geben, wie Friedrich derenbedurfte. Da er infolgedessen die Schlacht vor Allem suchte, so war ergenöthigt, sich eingehend mit den Mitteln zn befassen, wie sie am bestenherbeigeführt werden konnte. Diese Mittel waren bekannt; der König prüftsie und wählt das Brauchbarste ans. So finden sich auch hier wieder Grund-gedanken vor, die er, obwohl sie der Zeit nicht fremd sind, sich ganz besondersaneignel, indem er sie entwickelt und vertieft.
Auch im 18. Jahrhundert galt das natürliche Bestreben, für dieSchlacht möglichst stark zu sein. Die Ueberlegenheit an Zahl auf demSchlachtfelde selbst und im Gefechte war nicht immer voll wirksam und vcr-werthbar, aber dennoch konnte schon allein die Zurschaustellung überlegenerKräfte wichtige Vortheile bieten. So lehrte es die zeitgenössische Theorie undführte die Feldherren zu dem Bestreben, den Gegner zur Theilung zu ver-anlassen, um sodann über die geschwächte Hauptmacht oder eines der Detachementsmit Uebermacht herfallen zn können. Die Ausführung dieses Gedankens lahmteaber meist, da es, um den Gegner zur Theilung zn veranlassen, unvermeidlichwar, zunächst sich selbst zu theilen?H Für den König von Preußen, der nur überein an Zahl hinter denen seiner voraussichtlichen Gegner znrückstehcndes Heergebot nnd dieses Heer jederzeit völlig in der Hand haben mußte, um aus demStegreif entscheidende Schlachten zu schlagen, eignete sich ein so umständlichesund zweifelhaftes Verfahren nicht, für ihn eignete sich, infolge seiner besonderenLage und der Beschaffenheit seines Heeres, vor Allem der Zusammenhalt derKräfte. Diesen sehen wir ihn in einer Bestimmtheit fordern und lehren,wie es kein anderer Feldherr gethan hat. Des Königs Gedankengang ansdiesem Felde erhebt sich hoch über seine Zeit nnd gilt heute noch fast unein-geschränkt. Namentlich im Angriffe, d. h. beim strategischen Angriffsstoß,als Einleitung zur Schlacht, will er seine Stärke unbedingt Zusammenhalten.
„Es ist eine alte Regel vom Kriege, nnd Ich wiederhole solche nur hier, daßwann Ihr Eure 1?oro68 theilet, Ihr in äoluil geschlagen werdet. Wann ihreine llutuillo liefern wollet, so ziehet so viele Drouppon zusammen als ihr
*) Einige Erfolge hatte Prinz Eugen von Savoyen mit dieser Methode erzielt, aber1701, 1712 machte er damit übele Erfahrungen.