350
3. Die Entwickelung des Königs auf strategischem Gebiet.
kommen; Quitiret alsdann der Feind seinen Posten, so muß man ihn ansden Halß marchiren um ihn zu schlagen und nach erhaltenen Siege die Be-lagerung von Brünn vorzunehmen; Man muß sodann von Ollmütz auf3 Wochen Vivrss und zugleich die Belagerungs-Artillerie kommen lassen.Die Stadt Brünn will wenig sagen, sie kann sich 8 Tage gegen Drnnoüässouvortss halten, daß Schloß aber 12 Tage zum höchsten."
Ist Brünn genommen, so wird ein Magazin darin angelegt, die Armeeaber rückt nach Znaim und Nikolsburg, worauf sich die Oesterreicher nachNieder-Oesterreich zurückziehen werden. „Ob nun schon die Ocsterreichersodann mit ihrer Mähren quitiren würden, so werden sie doch nicht
unterlassen ihre leichten Dronppsn dahin zu schicken, das nttaolromont desVolcks und die Situation des Landes werden sie darunter gäntzlich knvorisirsn,und diese leichte Drouppsn werden sich, zu Eurer rechten Hand, in diejenigeGebürge einnisteln, welche nach dem Closter Sar bis nach Jglau und nachGurein zu liegen, zu Eurer linken Hand aber, auf der Seite von Kremsierund Ungrisch Hradisch. Bey diesen Umstande ist nichts anders zu thun, alsdaß man die Winter-Quartiere abwartet, um alsdenn diese leichte Droupponvon dort gäntzlich wegzujagen." Offenbar nimmt der König an, daß derbisherige Verlauf des Feldzugs und das darin Geleistete die Kräfte desHeeres bereits ausreichend in Anspruch genommen haben, andrerseits leuchteteihm die Erfolglosigkeit eines weiteren Bortreibens des Angriffes ein.
Ueberschaut man die hier gegebenen Entwürfe zum Angriffskriege, sozeigt sich, daß sie im Allgemeinen darauf hinausliefen, das feindliche Landund dessen Hülfsquellen dauernd in Anspruch zu nehmen, dadurch den Gegnergefügig zu machen. Zwischen die einzelnen Akte des Vorschreitens schiebensich Pausen ein, um Belagerungen zu führen, um Nachschub und Ersatz an sichzu ziehen, auch um das gewonnene „torrnin« zu sichern: ein VorgehenSchritt für Schritt, das im Interesse der Erhaltung des Heeres unver-meidlich war. Nicht unbedingt erscheint die Schlacht als das natürliche,unvermeidliche Schlußstück einer kräftig vorgetriebenen Angriffsbewegung.Unbekümmerte Jagd nach der taktischen Entscheidung würde das Heer desAngreifers gelockert haben, ohne daß er die Gewißheit hatte, das Erstrebtewirklich zu finden. Dabei konnte der strategische Angriff, bevor es undwenn es überhaupt zur Waffeuentscheidung kam, vorübergehend einen vertheidi-genden Charakter annehmen. Der Angreifer drang z. B. ein Stück inFeindesland vor und bezog nun ein festes Lager in der Hoffnung, hier vomVertheidiger angegriffen zu werden. Sobald es auf die Schlacht ankam,verlor der strategische Angriff häufig also seinen Charakter, da der Angreifer, selbstwenn er keine feste Stellung bezog, doch den zur Schlacht herbeirückenden Ver-theidiger eine Weile beobachtete und manövrirte, ehe es wirklich zum Kampfkam. Daß der strategische Angriff unmittelbar in der Schlacht gipfelte, warunbekannt, das würde auch nur in den seltensten Fällen möglich gewesen sein,und so kennzeichnete er sich mehr durch Raumgewinn und, bei Friedrich un-