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3. Die Entwickelung des Königs auf strategischem Gebiet.
Hier wird also unter allen Umständen das Anshalten des Sturmes gefordert,und alle Instruktionen beschäftigen sich mit den Mitteln, dieses Aeußersteso lange als möglich hinauszuschieben. Neben der Wiederholung bekannterLehren, wie der Forderung, die Bürgerschaft kräftig zur Mitarbeit an derVertheidigung anzuhalten, sich reichlich zu verproviantiren, mit den Geldernsparsam umzugehen,betont der König sehr richtig, daß Ausfälle für denBelagerten nichts taugen, da ihm der Menschenverlust jedenfalls sehr vielnachtheiliger sei als dem Belagerer. Ferner legt er auf die zäheste abschnitts-weise Vertheidigung hohes Gewicht und fordert äußerstes Standhalten.
Wurde auf diese Weise eine „äußerste opiuiatrstll der ollieanos" vonden Festungskommandanten gefordert, so sucht der König aber auch in „oxtra-orcliimirsu Umständen" die Stärke der Vertheidigung, nämlich in der Anlageder Werke und dem Gebrauch der Vertheidigungsmittel. In dieser Richtungging er erneuernd, entschieden und selbständig vor. Zwar verwandte er nichtviel auf den Ausbau und die Vervollständigung der in den alten Landes-theilen Preußens vorhandenen Befestigungen, dafür aber sicherte er daseroberte Schlesien, das zweifellos der Schauplatz künftiger Kämpfe werdenmußte, durch großartige Befestigungen sorgfältig. Hierbei sprach sich sein selb-ständiges Denken deutlich aus. Ueberall in Europa herrschte unbestritten dieSchule Vaubaus mit ihren starren Formen, deren Grundlagen fast nur tech-nischer und artilleristischer Natur waren. Der Köllig dagegen bringt in seinenSchlesischen Festungsbauten sehr entschieden das taktische Bedürfnis! und dieGeländegestaltung zur Geltung, ohne sich an das herkömmliche Schemazu binden. Schon bei dem Neubau der Festung Neiße trat das zu Tage.Da die alte Festung von Höhen beherrscht war, legt der König auf diesen dasstarke Fort Preußen an, verbindet es mit der alten Festung durch Anschluß-linien und schafft so eine förmliche Stellung, die das Sammeln und Ver-schieben ansehnlicher Truppenmassen zu Angriffsstößen deckte; der Osiensiv-gedanke tritt auch hier deutlich hervor. Noch weiter ging er bei der Anlageder Festung Schweidnitz, deren Kern er mit einer Reihe abgezweigter, ganzselbständiger Forts umgab und zwischen ihnen Ravelins und Redouten zurBestreichung aller nicht eingesehenen Geländetheile anordnete. So ist Schweid-nitz die erste Fortfestung, sie ist die Form, die Montalembert nachherwissenschaftlich festlegte. Anregung hat der König in dieser Richtung nichtgefunden, er verdankte sie der eigenen richtigen Empfindung allein, und seineZuversicht auf die Haltbarkeit der durch ihn geschaffenen Schlesischen Festungenist im Ganzen wohlberechtigt gewesen.
*) Dem Kommandanten von Neiße schreibt der König am 13. Februar 1751, erwerde die im Falle der Belagerung nöthigen Geldmittel „unfehlbar" rechtzeitig erhalten;sollte dies aber doch nicht der Fall sein, so sollte der Kommandant das nöthige Geld zurBezahlung der Besatzung von den Bürgern borgen; die Soldaten würden das Geldwieder an Bäcker, Metzger u. s. w. ausgeben, von diesen sollte es der Kommandant aber-mals borgen und damit die Löhnung bezahlen, „dergestalt daß auf solche Arth dasOupital so in der Stadt ist, beständig routirst."