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3. Die Entwickelung des Königs auf strategischem Gebiet.
gemacht hatte, vielmehr, trotz mancher technischer Verbesserungen im (Linzeinen,im Ganzen stechen geblieben war. Auch eignete sich der Festnngskrieg fürPreußen insofern wenig, als der Staat eine eigentliche Landesbefestignng, wieFrankreich sie hatte, nicht besaß, ein offenes zerstückeltes Land war und daherdarauf angewiesen blieb, die Entscheidung im Kriege durch Ausnutzung derlebendigen Kraft des Heeres zu suchen. Friedrich betrachtet daher den Festnngs-krieg in seinen Lehrschriften als ein nothwcndiges Uebel, als ein Erbstück derVergangenheit, mit dem gerechnet werden müsse, das aber in wirksamerWeise nicht mehr nmzugestalten sei. Dennoch zeigen seine Handlungen, daß erdem Festungskricge große Aufmerksamkeit schenkte, sich viel mit ihm beschäftigteund fortdauernd nach Mitteln suchte, ihn zu vervollkommnen. Dahin zielteja auch sein Bemühen, tüchtige, fremde Jngenienroffiziere in seine Dienstezu ziehen, ein Bemühen, das vielfach Erfolge gehabt hat. Auch die Festungs-manöver, die er abhielt, sollten Beiträge zur Erkenntniß vom Wesen desFestnngskrieges liefern. So ist auch hier, wie an manchen anderen Orten,ein leichtes Nichtübereinstimmen des Denkens und des Handelns des Königserkennbar, ein Gegensatz, in dem jedoch das Handeln bald die Oberhand gewann.
Auf dem Gebiete des Festnngsangrifses freilich hielt Friedrich dauerndein gewisses Maßhalten für richtiger. Instruktionen für den Angriff vonFestungen bestehen aus der Zeit von 1745 bis 1756 begreiflicherweise nicht,die Ansichten des Königs können nur ans dem kurzen, den „Oansral-Urinaipia"angehängtcn Abschnitt entnommen werden. Hier zeigt er sich im Allgemeinenden Belagerungen abgeneigt. Sie erforderten im 18. Jahrhundert die lang-wierigsten und umständlichsten Vorbereitungen, ihr Verlauf dauerte bei der imVerhältniß überreichlichen Ausrüstung der an Zahl geringen Besatzung in derRegel sehr lange; daher war die Uebergabe durch bloße Einschließung undAushungerung in kurzer Zeit nicht zu erzwingen. Der Artillerieangriff an sich,ob mit der förmlichen Belagerung verbunden oder nur in der Form des Bom-bardements, führte bei der geringen Wirkung der damaligen Geschosse auch nochnicht zum Ziel, dazu war in den meisten Fällen, selbst nach vollständiger Nieder-kämpfung der feindlichen Artillerie, der vpfervvlle Sturm nothwendig. Es istbegreiflich, daß der König seine Truppen lieber im Feldkriege ausnutzen wollte undmußte als in Belagerungen, in denen ihre schlachtenentscheidenden Eigenschaftenweniger zur Geltung kamen. Auch der Umstand, daß am Ende der Belagerung,falls es nicht zum Sturm kam, nach den Auffassungen der Zeit die unvermeid-liche Gewährung einer „ehrenvollen Kapitulation"*) in Aussicht stand, ließ ihmBelagerungen nicht als ein Mittel erscheinen, im Kriege rasch und zertrümmerndzu wirken. Niemals würde auch die Wegnahme der größten feindlichen Festungden Gegner so bestürzt gemacht, ihm so viel Abbruch gethan haben als eineFeldschlacht im Stil der ersten Schlesischen Kriege. So bespricht der König
*) D. h. einer Kapitulation, die der Besatzung freien Abzug gewährte. EineVerpflichtung der Besatzung, in solchen Fällen nicht mehr am Kriege theilzunehmen,war nur in seltenen Fällen üblich.