L. Schlachtentaktik.
287
er behielt stets Reserven in der Hand; wurde es doch damals geradezu gelehrt,den letzten Mann zum Siege einznsetzen, sei eine Tollkühnheit, das Wagenerhöhe die Gefahr.*) Ein geschlagenes Heer blieb zumeist in der Handdes Führers und war unter Umständen zu raschen Gegenstößen auf denVerfolger befähigt. Darin, daß der Besiegte nicht wehrlos geworden war,fand also die Verfolgung ihre Schranken. Bei Dettingen siegte der ersteAnsturm der Franzosen, aber, weit entfernt, dadurch den Gegner zu ent-muthigen und in die Flucht mit fortzutreibeu, stießen sie auf frische BritischeKräfte, die die verfolgenden Franzosen nun ihrerseits kräftig und endgültig zu-rücktrieben. Derartiges kam häufig vor, denn der Kampf bestand in aufeinander-folgenden, innerlich wenig zusammenhängenden Stößen einzelner starrer Körper,in denen die merkwürdigsten Wechselfälle an der Tagesordnung waren. Zu-weilen siegte die Kavallerie des einen Theils und verfolgte die andere bisin den Rücken der noch im Gefecht stehenden, ja erst ins Gefecht tretendenInfanterie, oder die siegreiche Kavallerie plünderte das feindliche Lager,während die Schlacht im besten Gange und noch gar nicht entschieden war.
Rückzug und Verfolgung flössen damals vielfach ineinander; das machtauch eine Trennung in der Betrachtung beider an dieser Stelle unthunlich.Eine kräftige Verfolgung mit geschlossenen in den Flanken empfindlichen Linienkonnte unter den taktischen Verhältnissen des 18. Jahrhunderts thatsächlichleicht zu ernsteu Rückschlägen führen, die das Errungene wieder in Fragestellten, daher vermied man sie in der Regel; nur dann, wenn der Feind„sich in äußerster Konfusion" zurückzöge, wurde sie geradezu gefordert.**)Dieser Fall trat aber sehr selten ein. Auf den Sieger wirkte ferner derUmstand mäßigend, daß die Masse seiner linear zur Schlacht gestelltenTruppen durch die Unordnung im Kampfe mehr oder weniger, aberimmerhin ziemlich gleichmäßig angegriffen war, es erschien daher unthunlich,diese Unordnung durch eine rasche Verfolgung, wobei sich die Truppe weiterauflösen und viele der um schweres Geld geworbenen „Kerls" drücken mochten,auf sehr fragliche Erfolge hin, noch zn vermehren. Ordnete man aber dieTruppen wieder, bevor man verfolgte, so war der Gegner meist schon weitweg, möglicherweise an einen Abschnitt gelangt, um den ein neuer Kampfnothwendig geworden sein würde. Ohnehin war das absichtliche Staffelnvon Truppen, die vom Gegner nicht gesehen werden -konnten und bestimmtwaren, ihn, wenn er verfolgte, kräftig abzuweisen, eine häufig gebrauchteList, ebenso wie das Verbergen von Reserven hinter deckenden Gelände-abschnitten, ja, man suchte sogar den Gegner absichtlich zur Verfolgung zuverlocken, um ihn dann desto vollständiger abzuthun. In den „Ummckos otrsZlos" sagt der König mit Bezug hierauf: »Da, dispomtion des ^.uti-ieüieiwavoo Isni-z enrrcks d'inkantsris dooidöi-o la. ouvaloiüd psut sF ran^si'
*) Vergl. Anhang Nr. 11.
Khevenhnller, Idee vom Kriege.