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Friedrich des Großen Anschauungen vom Kriege in ihrer Entwickelung von 1745 bis 1756
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ü. Schlachtentnktik.

ein etwas künstliches Manöver. Die Erörterung solcher Dinge selbstdurch den König zeigt, daß bei der lineareil Taktik mit ihrem raschen, plötz-lichen, ruckweisen Ansetzen der Stöße dergleichen unter Umständen für möglichgehalten werden konnte.

Nicht viel mehr als vom Angriff auf Stellungen verspricht sich der Königvom Ueberfall auf das feindliche Lager, der, mindestens in der Theorie, ge-radezu eine Grundform der Schlacht jener Tage war. In der Praxis traten solchenUnternehmungen die größten Schwierigkeiten in den Weg. Die Heere lagertenin zusammenhängenden und übersichtlichen, auch meist hochgelegenen Stellungen,das Lager nkar, wenn sich überhaupt ein feindliches Heer in nächster Nähebefand, als Gefechtsstellung gedacht und eingerichtet, der Angreifer mußte seineTruppen in der Ordre de Bataille, geschlossen und gerichtet, heranbringen,wenn er sie zur schleunigen Verwendung bereit haben wollte. Die Ordnungwar bei einem Ueberfall natürlich doppelt nöthig. Die Schwerfälligkeit dertaktischen Bewegungen erschwerte und verzögerte cs also, unbemerkt an denzu Uebcrfallenden heranzukommen. Dieser andererseits machte sich, wenn erden drohenden Ueberfall bemerkte, viel rascher und vollständiger gefechtsbereitals heute, da er versammelt im Lager, das zugleich das Gcfechtsfeld war,stand. Drohte ein Ueberfall, so erschollen in dem zusammenhängenden, oftverschanzten Lager die Alarmsignale, und die Truppen traten sofort aus ihrenZelten in der Ordre de Bataille an. Heute dagegen macht die Vereinzelunglagernder Heerestheile, ihre verhältnißmäßige Selbständigkeit und der Mangelan Lagerverschanzungen Ueberfälle und Theilerfolge gegen lagernde Truppen leicht,damals war cs gerade umgekehrt. Eine weitere Schwierigkeit lag für denAngreifer im Heranführen der Truppen während der Nacht; auch damalsgalt schon die Regel, zu Ueberfällen iu der Nacht anzumarschiren und imMorgengrauen losznschlagen. Aber Nachtmärsche waren der Unzuverlässigkeitder Werbetruppen wegen doppelt bedenklich. Alle diese Umstände ließen alsoden Erfolg der Ueberfälle zweifelhaft erscheinen. Der König erkennt dies völlig an.Es ist sehr schwer, die Oesterreicher iu ihren Lager zu Lurprsuirsn, wegenderer leichten tronppsn, welche sie allezeit um sich herum habcu. Wann zwei^.rm^ou sehr nahe aneinander enmpirsn, so geschiehst es gemeiniglich, daßsie entweder ihre Sache geschwinde ckoeickirou, oder aber, es ooenxnrot einevon beyden einen iunttaHnndlöii Posten, welcher sie vor surprisou deckt. .. ."*)Friedrich schließt daraus, daß Ueberfälle nur in kleineren Verhältnissen bei»ckätkwlmmouts^ häufiger Vorkommen werden. Er schreibt iu solchem Falleganz im Geiste der Zeit das größte Geheimniß, Täuschung des Gegners undsorgfältigste Erkundung vor. Der Angriff hat gleich nach Tagesanbruch zugeschehen, und es darf erst geschossen werden, wenn die Tageshellc angebrochenist. Der höchste Nachdruck wird auf die Plötzlichkeit und Kraft des Ueber-fallcs und demnächst auf die Verfolgung gelegt.Der Feind muß bis nach

*) G. P., Von denen Treffen und von Lntnillon; Von denen Lnrprison derer Läger.