Im Allgemeinen und Taktik der einzelnen Waffen. 261
tiefe Kolonne nicht eine bewußte Anordnung, sondern eine Folge der Unord-nung war, in die die Britischen Linien geriethen, als sie sich ans schmalemGelände in beiden Flanken gefaßt sahen; sie wurden dadurch halb willenlosin eine tiefe, unförmliche Masse znsammengeqnetscht, die von den Taktikernvielfach als eine beabsichtigte Anwendung der tiefen Ordnung aufgefaßt und er-örtert wurde. Im klebrigen scheiterte diese Kolonne und konnte daher wohl kaumals ein Beweis für die Vortrefflichkeit der tiefen Ordnung angesehen werden.*)
Was die Artillerie betrifft, so spielt sie in den Lehrschriften desKönigs von 1745 bis 1756 eine sehr geringe Rolle. In der „Irwtrus-tiou^ von 1746 wird sie kaum erwähnt und keines eigenen Abschnittsgewürdigt. In den Generalprinzipien widmet er ihr elf Zeilen, die über diedamaligen Anschauungen nicht hinausgehen. Nur das Verfolgungsfeuerwird deutlicher gefordert. „Wann der Feind fliehet, so avausirsu diegroßen oanous und geben ihn noch einige ckckolmi-A'ss, um ihn eine glück-liche Reise zu wünschen." In den Instruktionen für die Generalmajorsist überhaupt keine Rede von der Artillerie. 1755 jedoch hat sich der Königdie Nothwendigkeit ausgedehnterer Artillerieverwendung bereits sehr viel klarergemacht und verlangt in den „l'simckss st rs§1s5^ wiederholt die Verwen-dung von Mörserbatterien, um den Feind aus festen Stellungen zu vertreiben.Auch das Beschießen von Oertlichkeiten und Verschauzungen mittelst schwererBatterien wird nun als ein Mittel, den Jnfanterieangriff vorzubereiten,empfohlen. Ueberhaupt stellen die „?susck68 st rö^les" folgenden Haupt-grnndsatz ans: „Oouckuirs toujours, lorsofu'ou vsut ntta^usr cks8 troupssP08ts68, 168 äix iuortisi'8 g-vss 801 ponr SU kuirs cksux battsrissoroisckss äsrrisrs ls. liA'ns, pour looiudarcksr Iss dattsriss snuswissckana Io Ismps cfu'ou luaroüs pour l'attagusr . . Hier wird alsodie Bekämpfung der feindlichen Artillerie gefordert. Auch schreibtder König 1756 Lehwaldt, er solle beim Angriff den Feind „brav sauo-uirsu" lassen. Bei Angriffen auf besonders starke feindliche Stellungenwill er „v msttrs au osuvrs 1s plus ä'artillsris «pns 1s tsiraiust Iss sirsoustausss psrmsttsut". Es läßt sich somit übersehen, daßer 1756 die Wichtigkeit der Artillerie auch im Angriffe wesentlich höherschätzt als früher, ohne sich vielleicht ganz klar über die entscheidende'Rolle geworden zu sein, die sie im linearen Gefecht spielen konnte. DieKriegserfahrung ließ ihn hier im Stiche. Die Artillerie hatte bisherin keiner seiner Schlachten eine wichtigere Nolle gespielt, bei Mollwitz warensogar einige schwere Geschütze vorübergehend in Feindeshand gefallen, beiSoor kam die Artillerie kaum zur Thätigkeit, bei Kesselsdorf kam sie gegendie überlegene schwere Sächsische Batterie nicht auf, nur bei Chotusitz undnamentlich bei Hohcnfricdeberg hatte sic mehr geleistet, doch die »Ilmtoirscks mou tsmps^ geht sehr rasch darüber hinweg.
*) Vergl. Anhang Nr. 8.
Kriegsgeschichtliche Einzelschritten. V. (Heft 27 .) A
Artillerie.