Druckschrift 
Friedrich des Großen Anschauungen vom Kriege in ihrer Entwickelung von 1745 bis 1756
Entstehung
Seite
248
Einzelbild herunterladen
 

248

2. Die Entwickelung des Königs nuf taktischem Gebiet.

Später, in den l'vusovs et rv-Zos, verdichtet sich das zu dem uns seltsamanmuthendeu Satz ,Z«Z terrain ost 1e proiuior oraalo cgno 1'on cloit oou-8u1tsr . . . V und es ist nicht zu verkennen, daß des Königs Glaube an denEinfluß des Geländes aufs Gefecht seit 1748 gewachsen ist. 1755 arbeitet erin den I^snsckos eine Reihe von Beispielen verschiedener Angriffe auf Stellungendurch, wobei es sich hauptsächlich darum handelt, auf Grund richtiger Benr-theilung des Geländes die taktisch schwächste Stelle des Gegners zu erkennenund die eigenen Angriffswege richtig zu wählen. Beides hatte damals eineganz andere Bedeutung als heute. Die linearen Formen waren, besonders beiplötzlichen raschen Bewegungen, höchst empfindlich und zerbrechlich, jede Störungder gewohnten Ordnung beeinträchtigte die taktische Leistungsfähigkeit derreichlich mit zur Fahnenflucht geneigten Elementen durchsetzten Truppe. Dieäolllckss^, von denen in den militärischen Schriften und Berichten fortwährenddie Rede ist, waren daher auch etwas ganz Anderes als was man heute darunterversteht; eine Enge von etwa 100 m Ausdehnung zwischen zwei Wäldern,die ein in Linie vorrückendes Bataillon zwingt, abzubrechen und nachherwieder aufzumarschiren, galt alsckötllcko", nicht so sehr wegen der Gefährdungbeim Durchschreiten, sondern weil es zu einer unwillkommenen Aenderung derFormation zwang. Dieselbe Scheu spricht sich in dem fast grundsätzlichenVermeiden durchschnittenen und bedeckten Bodens im Gefecht aus; der letzteGrund dafür lag in der Abschwächung der Leistungsfähigkeit der Truppe, so-bald sie gelockert wurde oder auseinander kam. Selbstverständlich übte derKönig seine Truppen in Ueberwindung der Hindernisse, die Bodengestaltungund Bodenbedeckung boten. In den von ihm geleiteten Truppenübungennimmt diese Seite der Taktik sogar einen ziemlich breiten Raum ein. Wennaber auch Friedrich nicht vermochte, diese in der Heerverfassung seinerZeit liegenden Hindernisse mit einem Schlage zu beseitigen, strebte er dochweit mehr als seine Zeitgenossen danach, sich vom Gelände freizumachen.Zwar verändert sich sein Glaube von 1746/47, daßdie Inkan toris" imGegensatz zur Kavallerie, die die ^plainon haben muß, um mit viZuour zunA-iron", an allen Orthen gleiche gut"*) sei, allmählich zu der Einsicht,daß das Ersteigen von Bergen, das Durchschreiten von Wäldernnichtanders als mit oonlnsion geschehen kann", er verbietet im Allgemeinen dasBesetzen von Dörfern und Häusern**) und macht sich 1755 die Schwierig-keiten des Geländes für die Trnppenführung ersichtlich klarer als früher.***)Die auflösende Wirkung der Bodenbedeckungen ans die Truppen mußte, wieFriedrich sich richtig sagte, nicht so sehr bei den Friedensübungen als erst imKriege hervortreten, und auf diesen bereitete er sich vor. Aber trotz dieserwachsenden Erkenntnis; der Schwierigkeiten des Bodens schwächt sich sein Wille,

G. P., VII. A.

«) Jnstr. f. d. G. M.

***> In den taktischen Aufgaben der I'. v. L.