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Friedrich des Großen Anschauungen vom Kriege in ihrer Entwickelung von 1745 bis 1756
Entstehung
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1. Einleitung.

Einflüsse ansJ-riedrichS Ent-wickelung.Erfahrung.

Es ist ferner die Art der Entstehung mancher Gedanken sowie die Ursachedes Wiederverschwindens anderer nicht stets zu erkennen. Einige Grundwahr-heiten treten in seiner Anschauung schon 1740 hervor und werden durchdie ganze zu behandelnde Zeit unverändert und zähe festgehalten, in anderenRichtungen finden wir merkwürdige Verschiedenheiten vor. Wie in dieserwunderbaren Persönlichkeit glühende Phantasie und kalte Berechnung hartnebeneinander liegen, so bleiben Widersprüche in dem schriftlichen Niederschlagevon Friedrichs Geistesarbeit nicht aus. Im Ganzen aber werden wir finden,daß des Königs geistige Entwickelung stetig war; in der Hauptsache, in großenZügen bleibt er sich treu, und der Wandel bedeutet hier Fortschritt. Nachdem, was über seine Thätigkeit in den zehn Friedensjahren an Stoff undNachrichten vorliegt, kann sein Werden zweifellos mit mehr Sicherheit ver-anschaulicht werden als das der meisten Feldherren nach ihm.

Der vornehmste Grund hierfür liegt darin, daß Friedrich viel geschriebenund seine Gedanken mit meisterhafter Klarheit wiedergegeben hat. Wirwerden daher seine Entwickelung vor Allem aus dem zu entnehmen suchen,was er selbst uns hinterlassen hat. Sie tritt uns lebendig und deutlichaus den einander folgenden Niederschriften geschichtlicher, dichterischer undlehrender Werke entgegen, sie zieht sich durch die Staatsschriften, seinen Brief-wechsel, seine Befehle, sie spiegelt sich in der Anlage der Truppenübungenab, sie läßt sich vielfach an den Anordnungen verfolgen, die er auf demGebiete der Heeresverwaltung, des Festungsbaues traf. Ueberall führt dasVerfolgen der Geschichte des Preußischen Heeres 1745 bis 1756 in letzterLinie auf den König selbst als die treibende Kraft.

Wenn wir uns nun nach den Einflüssen fragen, unter denen sich von1745 ab die Entwickelung des Königs vollzog, so nimmt ganz zweifellosdie in beiden Schlesischen Kriegen gewonnene Erfahrung die erste Stelle ein.Die Dienstschreiben an die Generale, die Weisungen an einzelne Ministerund Vertreter an fremden Höfen, ja selbst rein persönliche Schreiben desMonarchen an Verwandte, sind in den ersten Jahren nach dem DresdenerFrieden angefüllt mit Beziehungen und Hinweisen auf das im Kriege Erlebte.Rückblicke auf einzelne Vorkommnisse und Erfahrungen im Kriege, Nutz-anwendungen für die Zukunft, Erörterungen über Zweifel auf dem Gesammt-gebiete der Kriegführung finden sich, unter steter Bezugnahme auf den erstenund zweiten Schlesischen Krieg, in seinem gesummten Schriftverkehr zerstreut.Unausgesetzt beschäftigt sich Friedrich mit dem geistigen Verarbeiten der ge-wonnenen Eindrücke; diese selbst treten uns mit einer Lebendigkeit undMächtigkeit entgegen, die sich bei keinem Feldherrn nach Friedrich dem GroßenNachweisen läßt. Einzelne Erfahrungen haften so fest in seinem Geiste, tretenso häufig immer wieder hervor, daß sie zu wahren Grundgedanken werden.Er ist eine vor Allem praktisch, schöpferisch beanlagte Natur gewesen. Ihnpackte die Erfahrung am stärksten, sie war es vor allem Anderen, die seinDenken und Handeln bestimmte, und er verstand es, sich an guten und