tiert, durchweg als für das Welt a 11 theoretisch ungültig zurück-weisen. Der entscheidende Grund ist wieder der, daß auch die Wis-senschaft Freiheit braucht, sogar bei Erforschung der kausalen Zu-sammenhänge. Ohne eine von der Kausalität unabhängige, alleindurch den Wahrheitswert bestimmte Stellungnahme des theoreti-schen Subjekts gibt es keine Möglichkeit, irgend etwas als wahr zuerkennen und sinnvoll auszusagen.
Das hat ebenfalls Bedeutung für unsere gesamte Weltanschauung,denn dadurch erhalten wir die unantastbare logische Gewißheit:wir werden getäuscht, falls wir uns von einer nach Wissenschaft stre-benden und dabei angeblich universal denkenden Philosophie ein-reden lassen, die Menschen blieben stets durch „natürliche“ Inter-essen determiniert und könnten sich von der „Sorge“ für ihre eigene„Existenz“ nie freimachen. Falls das zuträfe, wären wir allerdingsnicht imstande, unser Wollen und Tun in den Dienst der Verwirk-lichung von Eigengütern der Kultur, wie Staat und Familie, Kunstund Wissenschaft, zu stellen und dann könnte ein in dieser Weiseunfreies Leben, ebenso wie das, dem keine gesollten Ideale als Auf-gaben gegenüberstehen, einen in sich ruhenden Sinn nicht haben.Weil jedoch gerade die universal denkende Wissenschaft uns zeigt,daß es Freiheit des Stellungnehmens zu Werten geben muß, wirddamit von neuem klar, inwiefern die theoretisch begründeten allge-meinen Begriffe vom Weltganzen auch für unsere besondere, dasLeben bestimmende historisch bedingte Weltanschauung wichtigsind.
Damit haben wir noch einmal das für unseren letzten Gedanken-gang Wesentliche zusammengefaßt, und das Ergebnis, zu dem wirgekommen sind, ist ebenso gewiß wie das andere, daß der besondereInhalt der Weltanschauungen sich in der Geschichte der Kulturbei verschiedenen Menschen und verschiedenen Völkern stets ver-schieden gestalten wird. Deshalb hat trotz der Unfähigkeit derPhilosophie, eine für alle Menschen maßgebende Weltanschauungauch mit Rücksicht auf den besonderen Inhalt ihrer sinngeben-den Werte herauszuarbeiten, niemand das Recht, zu sagen, diewissenschaftliche Philosophie bedeute überhaupt nichts für denSinn unserer Lebensführung. Obwohl sie uns keine geschichtlich er-füllten Ziele vorzuschreiben vermag, die für alle Menschen verpflich-