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Grundprobleme der Philosophie : Methodologie, Ontologie, Anthropologie
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verlangen dann von ihr in der Regel das, was man eine „Weltan-schauung“ nennt, d. h. sie erwarten von ihr Ansichten und Über-zeugungen, die sich auf das Ganze der „Welt“ beziehen, in der sieleben und wirken, und die ihre eigene, persönliche Stellung zu dieserWelt betreffen. Dann wird es nicht schwer sein, zu zeigen, daß dieWissenschaft Weltanschauung von solcher Art vollständig und injeder Hinsicht nicht zu geben vermag.

Darüber müssen wir uns zuerst verständigen 1 ). Der Ausdruck„Weltanschauung“ ist nicht besonders bezeichnend, denn um „An-schauung“ und um „Welt“ im eigentlichen Sinn dieser Wörterhandelt es sich bei dem, was man mit Weltanschauung meint, inder Regel nicht. Auch an die ursprüngliche Bedeutung von „con-templatio mundi“ darf man nicht denken, da die Weltanschauungen,die hier in Betracht kommen, sich nicht nur auf das kontemplativeVerhalten des Menschen, sondern auch, ja bisweilen hauptsächlichauf seine Aktivität beziehen. Besser wäre es, von „Lebensauffas-sungen“ zu sprechen, in denen die Lebenshaltungen der Menschenihren Ausdruck finden. Doch ist der Terminus für das, was man vonder Philosophie verlangt, nicht üblich, und deshalb wollen wir beidem Ausdruck „Weltanschauung“ bleiben. Es wird von den meistenheute so verstanden werden, daß es sich dabei um Ansichten handelt,die sich auf den Sinn oder die Bedeutung des gesamtenmenschlichen Daseins im Weltganzen beziehen, und die zugleichfür das „praktische“ Verhalten der Menschen, die an sie glauben,maßgebend werden können, ja eventuell müssen.

Stellt man nun die Frage, ob Weltanschauungen von dieser Artsich in jeder Hinsicht wissenschaftlich begründen lassen, so kanndie Antwort nicht zweifelhaft sein. Es kommt bei ihnen das in Be-tracht, was man mit Dilthey den „ganzen Menschen“, oder mitNietzsche „das Leben“, oder mit Kierkegaard „die Existenz“ nennt,und damit ist das Gesamtsein des Menschen gemeint, in dem ernicht nur logisch denkt, sondern sich auch völlig atheoretisch ver-hält, d. h. will oder fühlt, eventuell künstlerisch schaut oder religiösglaubt, und wobei gerade diese Verhaltungsweisen für die Lebens-

1) Vgl. hierzu meine Abhandlung: Wissenschaftliche Philosophie undWeltanschauung. (Logos, Bd. XXII, S. 37—57, 1933). Dort ist manchesausführlich dargestellt, was ich hier nur kurz zusammenfasse.