Druckschrift 
Des Ritters Hans Ebran von Wildenberg Chronik von den Fürsten aus Bayern
Entstehung
Seite
LV
Einzelbild herunterladen
 

LV

seinen Stoff erwärmt, wirkt er geradezu dramatisch, so ins-besondere in der Erzählung von der Glanzzeit und demtraurigen Ende Ludwigs des Bärtigen und in der vondem oben erwähnten Eechtshandel am Hofgericht des Ober-pfälzers Johann. Immer bemüht er sich, den Sachverhaltklar und durchsichtig zu gestalten, und wo es ihm inseinen Vorlagen hierin zu fehlen scheint, scheut er voreiner gründlichen Umarbeitung derselben nicht zurück,indem er einzelne Momente anders gruppiert, Überflüssigesweglässt, zur Verdeutlichung des Sinnes vermittelnde Sätzleineinschiebt, matte Redewendungen umschreibt oder durchpassendere ersetzt. 1 Im einzelnen freilich zeigen sich auch beiihm, trotz dieses Strebens nach Korrektheit, manche Mängel,stilistische Ungeschicklickheiten und syntaktische Entgleis-ungen, die jedoch bei dem damaligen Zustande der Schrift-sprache leicht erklärlich sind. Störender als sie fallen diebei Nennung lateinischer Eigennamen ungemein häufigvorkommenden Endungsfehler auf? die mit Sicherheit darautschliessen lassen, dass Ebran der lateinischen Sprachenicht kundig war, ja nicht einmal die Elemente derselben er-lernt hat.

Von einer pragmatischen Behandlung des Stoffes istnirgend die Rede, und eine solche ist von unserem Chronistenauch nicht angestrebt; doch zeigt die von ihm durchgeführteAnordnung insofern einen Fortschritt gegenüber den meistenfrüheren Chroniken, als er die annalistische Aneinanderreihungder Begebenheiten aufgibt und innerhalb des genealogischenRahmens, von dem oben gesprochen wurde, das sachlich Zu-sammengehörende zusammenstellt, wobei freilich verschiedeneMängel zu Tage treten, die erkennen lassen, dass Ebranwenigstens die Sammlung seines Materials rein annalistischangelegt hatte. So berichtet er zweimal unmittelbar hinter-einander nach zwei verschiedenen Quellen von der Schlachtauf dem Lechfelde (Bl. 52 b , 53*), zweimal von der Ein-setzung des Kurfürstencollegiums, bei Karl dem grossen

' S. hiezu die Parallelen S. LIX ff. .. dj

2 So schreibt er z. B. Ernesto im Npn. (Bl. 64 ), weil er£orm so in seiner Quelle (Andreas, bei Leidinger S. 68JU,>Wort aber im Dativ steht, vorfindet; die Nominative .# aoInnocentio (Variante z. Bl 2% Hirc.no (Bl. 10*), gl (Bt J,Hiren am (Bl. 43-); den Genetiv: des Königs Latino (j£ o hßativ: zu dem König Pharonis (Bl. 21») etc.- Bemerkt sei °« °Gelegenheit, dass Ebran bei deutschen Eigennamen die üendung in der Kegel weglässt.