Druckschrift 
Des Ritters Hans Ebran von Wildenberg Chronik von den Fürsten aus Bayern
Entstehung
Seite
LIII
Einzelbild herunterladen
 

LIII

ein Abbängigkeitsverhältnis verband, oder mit denen er bei Fest-lichkeiten und anderen Gelegenheiten in persönliche Berührungkommen konnte, in seiner Chronik sich zu äussern. Unddaraus erklären sich die Bndpunkte der beiden Fassungenderselben, von denen in der Handschriftenbeschreibung ge-sprochen wurde.

Aber auch auf fremde Fürstlichkeiten glaubte er solcheRücksichten erstrecken zu müssen. So will er nicht auf dieKriege und Heldentaten Herzog Ludwigs eingehen, weil es»zu lang" wäre, und weil erdarin Bescheidenheit" haltenwill,niemand verletzen" und seinem Herrnnit zu vil Lobgeben will"; und man wird diese Zurückhaltung verstehen,w enn man bedenkt, dass das Lob auf Kosten des noch lebendenKaisers Friedrich und des noch nicht lange verstorbenenMarkgrafen AI brecht hätte erteilt werden müssen. Hierzeigt sich der feine, erfahrene Hofmann, dem es keine allzugrosse Überwindung kostet, von Dingen zu schweigen,derenBesprechung unnötiger "Weise empfindliche Stellen be-rührt hätte.

Bei der Erwähnung von Begebenheiten und Personen, diebereits der Geschichte angehörten, streifte er zum Glücke diesev orsichtige Haltung ab und liess sich nirgend zur Parteilichkeit°der zur Unterdrückung von Thatsachen verleiten, die ein-zelnen Trägern des wittelsbachischen Namens und andernbayerischen Fürsten nach seiner Meinung oder in WirklichkeitZu r Unehre gereichen. Er stellt den Herzog Arnulf als einenr üchlosen Menschen hin,darumb das er der Pfaffheit vil SchadenUnd Unrecht getan hat", und unterlässt es nicht, von denUmtrieben der bösen Geister zu erzählen, durch die die Aus-grabung seines Leichnams aus der geweihten Stätte veranlasstw urde; er berichtet über die Hinrichtung der Maria vonTrabant durch ihren Gemahl Ludwig den Strengenu nd weist ausdrücklich aufdie grosse Sund" hin, die dieserdadurch auf sich geladen; er erzählt die Ermordung desKaisers Philipp durch den Pfalzgrafen Otto ziemlich aus-führlich, im Gegensatze zu den meisten anderen bayerischenChronisten, die über diese Untat kurz hinweggehen; ebensoerzählt er den gegen Ludwig den Bärtigen gerichtetenMordanschlag des Herzogs Heinrich, der doch der Vater desVo n ihm so hoch gepriesenengrossen Ludwig" war, mita llen ihm bekannt gewordenen Einzelnheiten ohne jede Be-schönigung. Die Lässigkeit der Wittel sbacker, infolge