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In formaler Beziehung strebte Ebran in der zweitenRedaktion darnach, seiner Chronik eine mehr buchartige Aus-stattung zu verleihen, als dies in der ersten der Fall war. Erversah sie mit der schon erwähnten Vorrede, zielte auf grössereÜbersichtlichkeit ab durch Vermehrung der Überschriften,beseitigte einige Wiederholungen, Undeutlichkeiten und Uneben-heiten des Stiles und suchte manche Einzelheit durch schärfereBetonung oder Verschiebung an eine andere Stelle besser zurGeltung zu bringen, was freilich nicht immer so ausfiel, wiees beabsichtigt war. Auch verfuhr er bei der genealogischenAneinanderreihung und Gruppierung der Witteisbacher inJ systematischer als in H W, sodass er statt der sechs Staffeln,die er hier aufbaut, in der zweiten Redaktion auf noun kommt,die er dann in der Fortsetzung noch um eine weitere vormehrt. 1
7. Die Entstehungszeit der beiden Redaktionen
(H W und J).
Was der Chronist in der Überschrift zur erstenRedaktion darüber sagt, 2 ist zur Aufklärung dieses Punkteswenig dienlich. Wir erfahren daraus nur, was ohnehin selbst-verständlich, dass Ebran seine „Histori gesamlet", d. h. zu-sammengetragen „und geschrieben" habe zur Zeit KaiserFriedrichs III. Etwas bestimmter schon ist, was er in derVorrede zu der Handschrift J sagt, dass er die Chronik „gesamblt"zu des löblichen, tugendhaften Herzog Ludwigs Zeiten,
Die Krankheit Kaiser Heinrichs II. und seine Heilung durch denHl. Benedikt (Bl. 58 b ). Die Zusammcnrechnung der Zeit, währendderen die Grafen von Scheyern ihrer herzoglichen Würde beraubtwaren (Bl. 72 1 '). Zusatz zu der Geschichte von der Ermordung Lud-wigs des Kelheimers (BL 74»). Die Stiftung des Klosters Selden-thal durch Ludmilla (Bl. 74 b ). Beispiele zur Veranschaulichung desglänzenden Hofhaltes, den Ludwig der Bärtige in Paris führte,und der Volksmenge in dieser Stadt (Bl. 91»). Das Auftreten derJungfrau von Orlean s (Bl .92»). Die Verhandlungen Ludwigsdes Bärtigen mitdem König von Frankreich zur Erlangung vonGeld zur Besoldung eines Kriegsheeres (Bl. 93 a ). Die Wahl des J agi cl lovon Litauen zum König von Polen und seine Taufe (Bl. 98»).Die letzten Lebensjahre und der Tod Sophias, der Gemahlin desKönigs Wenzel (Bl. 99H
'InHW sind alle Wittclsbacher bis zu Ludwig dem Strengenund seinem Bruder Heinrich (einschliesslich) zu einer Staffel zusammen-gefasst, wahrend sie in J, wie es auch richtig ist, auf vier verteilt sind.Wo also in J die fünfte beginnt, hat H W erst die zweite, und sokommt es, dass der letzten Staffel in H W, der sechsten, in J dieneunte entspricht.
2 S. oben S. XXV.