Druckschrift 
Des Ritters Hans Ebran von Wildenberg Chronik von den Fürsten aus Bayern
Entstehung
Seite
XXX
Einzelbild herunterladen
 

- XXX —

sowie die stilistische Fähigkeit, da, wo ihm der Text nicht inOrdnung zu sein schien, nachzuhelfen und ihn zu verbessern.Er sucht die einzelnen Sätze unter sich in engere und flüssigereVerbindung zu setzen, indem er dann und wann entsprochendeKonjunktionen einfügt, das an der Spitze eines Satzes stehendematt klingende Determinativ-Pronomen der sehr häufig durchein dieser ersetzt, eine unnatürliche Wortstellung ändert,manchmal, aber sehr selten, einen unklaren oder verkümmertenSatz etwas umgestaltet und, wie es auch der Korrektor von Wthut, veraltete Wörter gegen neue vortauscht. Auch sind diealten Formen, hauptsächlich in der Deklination und Konjugation,fast durchweg modernisiert. Besondere Aufmerksamkeit wirdder Rektion und den lateinischen Endungen der Eigennamenzugewendet, was fast vermuten liesse, dass der Schreibor ein„Schulmeister" gewesen; mit pedantischer Genauigkeit schreibter des Caroli, dem Antonio, den Pipinum. DieJahreszahlen sind gewissenhaft in Worten ausgedrückt.

Wie ganz anders der Schreiber von W! Er schreibtWort für Wort ab, wie er es entziffert, sodass diese Hand-schrift in Bezug auf die AVortformen der Urschrift viel nähersteht als H. Wo er im Lesen Anstände hat, macht er sichnicht viel Kopfzerbrechen; er sucht einfach das vor ihmstehende Wortbild der Yorlage wiederzugeben, unbekümmertum den Sinn oder den Zusammenhang. Die Eigennamen werdenvon ihm natürlich auf das grausamste verstümmelt, vonGrammatik hat er keine Ahnung. So kommen zu den bereitserwähnten Fehlern, die ihm infolge seiner Ungeschicklichkeitim Lesen und Schreiben unterlaufen, auch noch unzähligeandere, die seinen geringen Kenntnissen zuzuschreiben sind.Dass die Handschrift W nicht dem Vorfortigcr der Hand-schrift H als Vorlage gedient haben kann, ergibt sich aus demGesagten von selbst, denn niemals hätte aus einem so ver-dorbenen Texte, wie ihn W bietet, der verhältnismässig sokorrekte in II hergestellt werden können, ganz abgesehen davon,dass die in H stehende Überschrift in W fehlt. Letzteresund der Umstand, dass die beiden Handschriften auch imTexte einige, freilich nur unwesentliche Abweichungen aufweisen,lässt ferner erkennen, dass für sie nicht die gleiche Vorlagebenützt worden ist. 1

1 Manches seheint allerdings dafür zu sprechen, dass die beiden Hand-schriften auf die gleiche Vorlage zurückzuführen sind. So haben H undW das irrtümliche: sie ist worden ein geleicher unser veindtstatt ein gelechter unser veindt, wie in J, 151. 83*> steht; H und