XIV. Kapitel
Die neueste Zeit
Geleiseumfasse
DIE neue und neueste DüsseldorferMalerei wird zum gröfsten Theilgetragen von den Schülern PeterJanfsens einerseits, den SchülernDückers andererseits. Eine eigent-liche „Moderne", wie sie anderwärtsentweder auf energischem Impressio-nismus oder aber blofs auf haltlosemNachahmen ausländischer Kunst be-ruht, besitzt Düsseldorf nicht, und dasist einer der vielen Gründe, weshalbdie Düsseldorfer Kunst aufserhalbzuweilen als rückständig bezeichnetworden ist. Es kann nicht geleugnetwerden, dafs Manches von diesenneuzeitlichen Bestrebungen, ein inten-siveres Farbenstudium, ein conse-quentes Freilichtmalen, vor Allem einefreiere und rücksichtslosere Motiven-wahl, der Düsseldorfer Malerei nurzu sehr fehlt. Die uralte Furcht vor„gemalten kühnen dummen Streichen"macht sich noch immer geltend, undwo sie Einer einmal zu überwindensich anschickte, da stellten sich demkecken Neuerer gleich so viele Hinder-nisse in den Weg, dafs er entwederreumüthig zu den altgewohnten Mo-tiven zurückkehrte oder Düsseldorfverliefs. Andererseits blieb aberDüsseldorf bewahrt vor dem unge-sunden nervösen Hin- und Hertasten,dem ziellosen Experimentiren, dem inMünchen und anderwärts viele jungeTalente zum Opfer gefallen sind. Dasruhigere niederrheinische Tempera-ment, das sich auch dem Hergezogenenmittheilt oder ihn doch mindestensbeeinflufst, die tief ausgefahrenenbewahrten vor allzu kecken Seitensprüngen. Der Mangel an internationalen, überhauptnden Ausstellungen, der wahrlich nicht als etwas Erfreuliches bezeichnet werden soll,
GUSTAV MARXBildnis Kaiser Wilhelms II.
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