X. Kapitel
Die Landschaftsmalerei der älteren und mittleren Zeit
IE Landschaftsmalerei, die für Düsseldorf eine so grofse Bedeutung besitzt, die schon vonBeginn an im Genre- und im Schlachtenbild eine so hervorragende Rolle spielt, hat zuAnfang einen ähnlichen Entwicklungsgang gehabt, wie die Historienmalerei. Nur erwiesensich die Principien, auf welche die Landschaftskunst des XIX. Jahrhunderts in Düssel-dorf sich aufbaute, als solider und dauerhafter, als die der Historienmalerei. Das lagin der Natur der Sache, da die Landschaftsmalerei niemals sich so weit von dem Vorbild, derNatur, der Wahrheit draufsen, entfernen konnte, wie es die Figurenmalerei zu einer gewissen Zeitgethan hat. So leitet die Betrachtung der Düsseldorfer Landschaftsmalerei fast unmerklich ausden Anfängen in die neueste Zeit über, wobei denn freilich die in der Geschichte neuerer Kunsteinzig dastehende Thatsache mitwirkt, dafs zwei der ältesten Vertreter bis auf unsere Tage ihrenEinflufs geltend machen.
Zur kurfürstlichen Zeit wurde die Landschaft so gut wie gar nicht gepflegt. Der Klassicismus,der in Frankreich und Italien immerhin eine gewisse Landschaftskunst im engen Anschlufs anPoussin und Claude Lorrain hatte entstehen lassen, erwies sich am Niederrhein für diesen Zweigder Malerei als ganz unfruchtbar. Es fehlte eben hier ganz und gar an Vorbildern, und die Naturselbst, die wirkliche Landschaft war noch weniger geeignet, der theaterhaft phantastischen unddabei doch dünnen und ärmlichen Prospectmalerei mit Ruinen, Säulen und ähnlichen Versatz-stücken, wie sie jene Zeit liebte, entgegenzukommen.
Im Jahre 1783 besuchte Friedrich Georg Weitsch, der Sohn des famosen Pascha Weitsch,die Düsseldorfer Akademie. Er hatte sich unter seinem Vater und H. W, Tischbein gebildet, inCassel Paul Potter, den sehr modernen Rosa di Tivoli und nebenher wahrscheinlich, weil ihmder italianisirte Frankfurter zu derb war, die Gessnerschen Idyllen studirt. Vielleicht entstand inDüsseldorf, wo er bei einem zweiten Aufenthalt zum Mitglied der Akademie ernannt wurde, einein der akademischen Sammlung befindliche „Idylle auf den Tod des Rafael Mengs". Es ist einebraune Landschaft mit Bäumen, in deren Mitte ein Epitaph steht, ganz im Gessnerschen Idyllenstil.Jedenfalls hat Weitsch keinen Einflufs ausgeübt, und was damals an Landschaften gemalt wurde,erhob sich nicht über das Niveau der Dosen- und Tischplattenmalerei.
Cornelius lag die Landschaftsmalerei so fern wie möglich. Was er und seine Kunst vonder Landschaft wollte, war nicht derart, dafs es zu einer eigenen Landschaftsmalerei hätte führenkönnen, und auch Schadow hätte wahrscheinlich niemals selbständig hier eingewirkt, wenn ernicht durch das eigenartige Talent zweier seiner Schüler dazu gezwungen worden wäre. Anfangshatte er diese Bestrebungen nicht sonderlich beachtet, sie aber mit dem Gewährenlassen, dasdie erste Zeit seiner Lehrthätigkeit charakterisirt, wenigstens nicht unterdrückt, dann eine Zeitlangsie sogar wohlwollend gefördert.
Es war C. F. Lessing, der auch hier den für Düsseldorf so neuen und noch unbekanntenWeg zuerst einschlug. Er hatte ja mit der Landschaftsmalerei begonnen und in ihr seine grofsenersten Erfolge errungen, und er hörte auch während der Düsseldorfer Schülerzeit nicht auf,gewissermafsen zum Trost und zur Erholung, zu dieser seiner ersten Liebe immer wieder zurück-zukehren. Auch ihn liefs die Mutter Erde, wie den Riesen der alten Fabel, immer wieder zuneuer Kraft erstarken, wenn er, aus den nebeligen romantischen Regionen seiner ersten Zeitherabgestürzt, sie berührt hatte. Seine Thätigkeit auch auf diesem Gebiete wurde schon gestreift.
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