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Zur Geschichte der Düsseldorfer Kunst, insbesondere im XIX. Jahrhundert
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IV. Kapitel

Schadows Berufung und die Neu-Organisation der SchuleDie Gründung des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen

Die alte Akademie in Düsseldorf

DIE Wahl der Regierung fiel alsonicht auf Schnorr, sondern auf Wil-helm Schadow, der damals an derBerliner Akademie neben Wach alsLehrer einer Malklasse wirkte. Erwurde, nachdem Cornelius 1824Düsseldorf verlassen hatte und dieLeitung der Akademie eine Zeitlang provisorisch von Carl JosephIgnaz Mosler geführt worden war,im Jahre 1826 mit der Direction derselben beauftragt. Diese Anstellung bedeutete für Düsseldorfnicht nur einen Systemwechsel in Bezug auf den Unterricht, sondern, wie die Folge lehrte, einevollständige Umkehrung in Bezug auf fast Alles, was Cornelius bisher eingerichtet und angestrebthatte. Es läfst sich aber nach Mafsgabe der Verhältnisse und im Hinblick auf die spätereThätigkeit von Cornelius, wie auf die Erfolge der Schadowschen Mafsnahmen nicht leugnen, dafssich kaum ein passenderer Mann hätte finden lassen können.

Die Aufgaben, die des neuen Directors harrten, waren zahlreich und verwickelter Natur,und nur eine so complicirte und vielseitige Persönlichkeit, wie Schadow, konnte sie lösen. Mankann auf Schadow und sein Gedächtnifs in besonderem Mafse das Shakespearesche Wort an-wenden : „Was Menschen Uebles thun, das überlebt sie, das Gute wird mit ihnen oft begraben",sofern bei einem so pflichteifrigen und strengdenkenden Menschen überhaupt von Ueblem dieRede sein, und man nicht statt dessen besser nur von dem weniger Guten reden darf. Währendgewisse Härten, zu denen er gezwungen war, um seine Anschauungen zur Geltung zu bringen,bittere Aeufserungen aus einer Zeit, da er, krank und nervös, vielfachen Angriffen ausgesetzt warund sehen mufste, wie so Manches anders ging, als er es gewollt hatte, während solche Härtenund bittere Aeufserungen noch heute in der Tradition fortleben, ist sein umfassendes und in über-raschender Weise erfolgreiches Wirken, als Leiter der jungen Akademie und der ganzen jungenKunst, als Lehrer zahlreicher und unter sich sehr verschiedener Schüler nur zu sehr vergessen.Ueber seine Bilder, die ihn in den Augen der selten objectiv und aus dem Geist der Zeit herausurtheilenden Nachwelt als einen schwächeren Künstler darstellen, als er in Wirklichkeit war,vergifst man nur zu leicht die Thatsache, dafs seine Anweisung auf zwei Künstlergenerationeneminen,t befruchtend und anregend gewirkt hat, dafs ohne ihn Düsseldorf sicherlich nicht dasgeworden wäre, was es geworden ist.

Schadow vereinigte durch seine Abstammung und durch seinen Studiengang, dort als Mensch,hier als Künstler, eine Reihe von scheinbar einander widerstrebenden Eigenschaften. Sein VaterGottfried Schadow, von kleinbürgerlicher berliner Herkunft, war ein Bildhauer von hervorragenderBedeutung. In der Zeit traurigsten Eklekticimus hatte er, mit gesundem Naturgefühl begabt, eineReihe von Arbeiten geschaffen, die ihm selbst unter den schwierigen und engen Verhältnissendes damaligen Berlin einen Weltruf verschafft hatten.

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