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Zur Geschichte der Düsseldorfer Kunst, insbesondere im XIX. Jahrhundert
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VI. Kapitel

Die von Schadow unabhängigen Historienmaler

IE tief gegründete Unzufriedenheit auf Seiten der rheinischen Akademieschüler, von deroben die Rede war, hatte schliefslich zu einer Art Katastrophe geführt, deren Er-schütterungen lange nachzitterten. Man möchte fast glauben, dafs der Explosionsstoff,der sich zu Ende der 30 er Jahre am Rhein aufgespeichert hatte, auch in die scheinbarso weitabgewandten romantischen Künstlergemüther eingedrungen wäre. Den Anlafszu einem aufsehenerregenden Vorgehen einiger junger Leute auf der Akademie scheint eine that-sächlich vorgekommene Bevorzugung einzelner Schüler, die in die Anstalt aufgenommen wurden,gegenüber anderen, denen die Aufnahme wegen Platzmangel verweigert wurde, gegeben zu haben.Andere Klagen und Mifsstimmungen ähnlicher Art kamen dazu: z. B. man habe Rheinländern,welche die vorgeschriebene Frist von neun Jahren auf der Akademie zugebracht hatten, das Atelierentzogen, Ostländer aber hätten länger bleiben dürfen u. s. w. Es kam so weit, dafs im Fremden-blatt eine Anzeige erschien: „Es sind wieder neue Berliner Pinsel angekommen, Vertreibergenannt, welche in allen Sorten vorräthig sind, Burgplatz Nr. 283" (die damalige Akademienummer).Weiterhin wurde behauptet, der Kunstverein, der damals ganz unter akademischem Einflufs stand,kaufe mit Vorliebe von „ostländischen" Künstlern, statt von Rheinländern, und plötzlich verbreitetesich das Gerücht, die Rheinländer und Westfalen wollten die Akademie in Düsseldorf verlassen,wo ihnen Niemand helfe. Aufser vielen Anderen gingen wirklich Pose, Funk, Ehemant undA. Achenbach nach München, ebenso ,,der brave und productive Genremaler Rüstige", und sogarder junge Rethel, „der zwar selbst, wie viele Andere, keinen Grund zur Klage gehabt hätte, aberdurch die Zurücksetzung seiner Landsleute tief gekränkt sei", verliefs Düsseldorf. Gerade bei ihmlagen freilich die wahren und berechtigten Gründe tiefer.

Diese akademische Bewegung setzte sich in weitere Kreise fort, und es kam sogar zu einerliterarischen Polemik, indem der später auf der benachbarten Fahnenburg wohnende Jurist undHistoriker Anton Fahne 1837 in einem eigenen Werkchen gegen die Akademie und den Kunst-verein, insbesondere gegen Schadow polemisirte, die oben genannten Vorwürfe gegen die Akademieerhob und dabei vielerlei Stadtklatsch aufwärmte. Ihm antwortete, ebenfalls in einem kleinenBuche, wohl angeregt durch Schadow oder den Kunstverein, aber leider in etwas alberner Form,der Regierungssecretär Scotti, indem er sich bemühte, die erhobenen Vorwürfe zu entkräften.Die Akademie selbst veröffentlichte in der „Düsseldorfer Zeitung" (Nr. 155, 10. Juni 1837) eineErklärung, in der sie die gegen sie erhobenen Anschuldigungen zurückwies, bezw. deren Unhalt-barkeit nachwies. „

Auch das Erscheinen der mehr kritischen Arbeit des witzigen Püttmann, das bekannte Buchvon Uechtritz, die beide 1839 gedruckt wurden, und Immermanns „Maskengespräche" geben denBeweis für die weitgehende Unruhe, freilich aber auch für ein lebhaftes Interesse weiterer Kreisean der Entwicklung der Düsseldorfer Kunst.

Immerhin unterliegt es keinem Zweifel, dafs aus jenen Vorkommnissen, mögen sie nun anund für sich auch harmloser oder zufälliger Natur gewesen sein, und bei der durch sie hervor-gerufenen Erregung, jene Trennung zwischen Akademie und Künstlerschaft entsprang, die ja anund für sich ganz natürlich ist, in späteren Jahren aber zuweilen auch wieder eine feindseligeForm annahm, die kaum berechtigt war. Natürlich war es durchaus, dafs, nachdem die erstenSchüler herangereift waren, sie nicht mehr nebeneinander in den akademischen Meisterateliershocken blieben, sondern sich auf eigene Füfse stellten; natürlich und in hohem Grade erfreulich

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