XI. Kapitel
Schlachtenmalerei, Thiermalerei, Graphische Künste
U^K AS Stärkerwerden der Genremalerei fiel zusammen mit dem Schwacherwerden der ^rolsenROj, > romantischen Historienmalerei. Aber es schiebt sich hier ein Kunstzweig ein, der in-haltlich wie nach seiner äufseren Anlage, Historie, zeitgenössisches Genre und Land-schaft verbindet, der historische Ereignisse des Tages in genrehafter oder episodenhafterWeise, nicht auf der Grundlage einer künstlerischen, oder besser gesagt künstlichenComposition, sondern nach Beobachtung der Wirklichkeit zu malen versucht bezw. dazu gezwungenist, und als äufsere Brücke auch wieder die Landschaft, die ja in der Genremalerei von früh aneine so bedeutsame Rolle gespielt hatte, benutzen mufs.
Von den Historienmalern hatten sich mit Ausnahme Lessings die wenigsten um die Land-schaft gekümmert. Wo sie sie nicht umgehen konnten, ,,idealisirten" sie sie noch mehr, wie dieFiguren. Lessing, der ebenso hervorragend als Figuren- wie als Landschaftsmaler beide Kunst-zweige miteinander vereinigte, und in seinen reich stafnrten Landschaften vielleicht sogar seinebesten und unvergänglichsten Werke hinterlassen hat, ist somit als der Vater dieser genrehaftenHistorie, der Schlachtenmalerei, anzusehen, die naturgemäfs ebenso und noch mehr als dasBauerngenre der Landschaft bedurfte.
Die deutsche Schlachtenmalerei erfreut sich in der neueren Kunstschreibung einer fast allge-meinen Mifsachtung, die in letzter Linie vielleicht darauf beruht, dafs man in ihr die besonderskunstfeindliche Tendenz einer unaufrichtigen, gemachten Beeinflussung des Beschauers, des Volkes,zum Patriotismus vermuthet, wie denn allerdings kein anderer Kunstzweig der Versuchung in demMafse ausgesetzt ist, auf eine so billige und für den Patrioten nicht leicht angreifbare WeiseStimmung und Reklame für sich zu machen.
Dieser Verdacht steht aber ohne Zweifel im Zusammenhang mit der heute in Deutschlandwieder Mode gewordenen Furcht, sich durch Patriotismus lächerlich zu machen, und ist wohlauch eine Folge des internationalthuenden, Weltbürger spielenden Gigerlthums, das über sokleinstädtische, bürgerlich naive Gefühle, wie Vaterlandsliebe oder Nationalgefühl sind, hocherhaben ist. In der wissenschaftlichen Kunstbetrachtung mufs die Phrase von der Internationalitatder Kunst herhalten. Als ob es überhaupt je eine grofse Kunst gegeben hätte, die nicht nationalgewesen wäre, wie es die aegyptische, die griechische, die florentiner im allerhöchsten Mafseist. Eine Untersuchung, woher diese feige, bei keiner Nation der Welt sonst vorkommendePerversität in letzter Linie stammt, gehört nicht hierher. Thatsache ist nur, dafs die deutschenconcessionirten Kunstgelehrten sich alle Mühe geben, beim Volk und bei den sachunverständigenKünstlern in diesem traurigen Sinne zu wirken. Einer dieser Herren beweist, dafs die Kunstals solche überhaupt nicht national sein könne; ein Anderer, dem freilich seine verblüffendeUnwissenheit und seine notorische Erkrankung an literarischer Kleptomanie und dadurch bedingteabsolute Urteilslosigkeit als mildernde Umstände zur Seite stehen, erklärt ganz vergnügt, dafses eine deutsche Malerei nie gegeben hat. So ist es denn kein Wunder, dafs diesen Herren diemalerische Darstellung eines Motivs aus der neueren deutschen Geschichte im patriotischen Sinnehöchst unangenehm sein mufs und von ihnen als Knopfmalerei oder als Unteroffizierthum in derKunst gebrandmarkt wird. Geschieht freilich das Entsprechende von französischer oder englischerSeite, so ist die Bewunderung stets eine grofse und uneingeschränkte. Die Düsseldorfer Malereihat sich nun niemals sonderlich um die von wissenschaftlicher Seite in Berlin oder Münchenaufgestellten Moderegeln und Gesetze gekümmert, woher denn auch die ihr zu Theil gewordene
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