sogar war es, dafs, nachdem gewissermafsen ein starker Stamm erwachsen war, nun wie Aesteeines Baumes die verschiedensten Richtungen, Auffassungen und Stoffgebiete sich nach allenSeiten entwickelten, und, nachdem eine gewisse Gleichartigkeit der Düsseldorfer Bilder sich schonunangenehm bemerkbar gemacht hatte, sich künstlerische Individualitäten herauszubilden begannen.
Unberechtigt waren die Verdächtigungen gegen Schadow und seine Freunde, sowie gegen dasganze Institut. Hier wurden die eben entbrannten Kämpfe kirchenpolitischer Natur auf ein Gebietübertragen, das jenem eigentlich so fern wie möglich liegen sollte. Es kam da eben wieder dierheinische Empfindlichkeit zum Durchbruch, die sich dem verhafsten Preufsen gegenüber alsconfessionelles und politisches Märtyrerthum aufspielte. Auch die schon damals beginnendendemokratischen Tendenzen spielten mit hinein und trugen dazu bei, die Gegensätze zwischen demmit dem kleinen Düsseldorfer Hofe liirten Schadow und seinen Freunden einerseits und denübrigen ferner stehenden Künstlern andererseits zu verschärfen, obwohl auch diese späterhin sichthatsächlich durchaus conservativ verhielten und höchstens in Wort und Lied die so streng ver-pönte Freiheit zu feiern sich unterfingen. Schadow selbst, der ohnehin reizbar und kränklichwar, wurde durch die genannten Angriffe und Streitigkeiten aufs empfindlichste berührt. Erunternahm eine längere Reise nach Italien, und wenn es heifst, er sei von ihr schroffer und ein-seitiger zurückgekehrt, so werden daran weniger die italienischen Eindrücke Schuld haben, alsdie schon auf die Reise mitgenommenen düsseldorfer.
Uebrigens glaubt Immermann das Auftreten eines confessionellen Uebereifers bei Schadowschon nach der ersten Reise 1830, nicht erst, wie Wolfgang Müller von Königswinter und seinespäteren Ausschreiber annehmen, nach dieser zweiten Reise constatiren zu können. Thatsächlichfällt das Zerwürfnifs zwischen Schadow und Lessing, das durch des letzteren Hufsbilder ver-ursacht war, einige Jahre vor die zweite Reise.
Neben dem Wunsch, jenen Unannehmlichkeiten aus dem Wege zu gehen, zog es aberSchadow vielleicht auch deshalb nach Italien und Rom, weil dort schon seit einigen Jahrenmehrere seiner Schüler mit Vorarbeiten zu einer grofsartigen monumentalen Arbeit beschäftigtwaren. Von dieser Arbeit, zu der Schadow den Besteller wohl auch mit veranlafst hatte, ver-sprach er sich einen ganz besonderen Triumph seiner Schule, da sie einem Gebiete angehörte,das ihm und seiner Kunst am nächsten lag, ohne dafs es doch bisher aufser bei einem einzigenseiner Schüler grofsen Umfang gewonnen hätte. Es handelte sich nämlich um die Ausmalungder Apollinariskirche al fresco, mit der ein adeliger Kunstfreund vier junge Düsseldorfer Maler,Deger, A. Müller, C. Müller und Ittenbach, betraut hatte. Die beiden Ersteren hatten sich infolgedieses Auftrages schon 1837 nach Italien begeben, die beiden Letzteren waren 1839 dorthin nach-gekommen und Schadow mochte daran liegen, sich von dem Vorrücken der dort begonnenenVorarbeiten zu überzeugen. In der That hat er, wie er mit Deger schon in lebhaftem Briefwechselgestanden hat, in Rom sich aufs eingehendste ihrer Aller angenommen, trotzdem er schon damalsmerken mufste, dafs auch sie nicht geneigt waren, in Allem seiner Directive zu folgen.
Die Vollendung dieser Arbeit an Ort und Stelle zog sich allerdings noch länger als einJahrzehnt hin, und die Scheidung zwischen diesen Malern und Schadow blieb mehr unter derOberfläche. Aktueller und zunächst wichtiger war die Entwicklung einiger Künstler und ihreoffene Trennung von Schadows Principien, die sich schon um das Ende der 30 er Jahre vollzog.In ihr ist die erste Loslösung selbständiger Naturen von der akademischen Richtung zu constatirenund zwar eine Loslösung, deren tiefster Grund nicht nur in den verschieden gearteten künstlerischenIndividualitäten, sondern vor Allem auch in einer verschiedenartigen Anschauung von dem Wesender Kunst überhaupt zu suchen ist.
Diese Secessionisten, um das moderne Wort auf eine durchaus gleichartige Bewegung einerfrüheren Zeit anzuwenden, waren Lessing, Schirmer und die Begründer der Düsseldorfer Land-schaftsmalerei, dann vor Allem Rethel und schliefslich der grofse Kreis der sogenannten Genre-maler, denen sich Schadow von vornherein zwar nicht feindlich, wie oft behauptet worden ist,aber, wie das bei seiner Kunstauffassung nun einmal nicht anders möglich war, doch kühlgegenüber verhalten hatte.
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Karl Friedrich Lessing ist innerhalb der Schadowschule, ja innerhalb der ganzen damaligenDüsseldorfer Malerei, die stärkste und eigenartigste Erscheinung; und die einfachste Erklärung fürdiese seine künstlerische Eigenart, die sich unter dem aufserordentlichen und Alle beherrschendenEinflufs Schadows ebensowohl, wie innerhalb der verschiedenen geistigen und ästhetischen
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